Disclaimer: Die Figuren von Angel und Buffy gehören nicht mir sondern Joss Whedon und anderen. Jedoch gehört die Figur Tajana allein mir und darf ohne mein Wissen nicht weiter verwendet werden – genauso wie diese Story. Ich verdiene mit dieser Story kein Geld sondern schreibe sie nur zu meinen Vergnügen.

Inhalt: Angel versucht in Los Angeles alles zu vergessen was in Sunnydale passiert ist. Gemeinsam mit seinen Team und doch einsam bestreitet er seinen Kampf gegen das Böse. Doch dann verändert sich sein Leben als er auf Tajana trifft ...

WARNING: Diese Warnung gilt für alle Spike-Fans! Wer es nicht ertragen kann das seinen Liebling Spike etwas zustößt oder noch schlimmeres mit ihm passiert sollte JETZT aufhören weiterzulesen und sich von dieser Story abwenden. Wenn jemand es nicht ertragen kann das Spike Schmerzen und noch schlimmeres zugefügt wird – STOP!!! NICHT WEITERLESEN!!! Diese Warnung ist ernst gemeint. Wer aber trotzdem weiterliest tut dies auf eigene Verantwortung!

Kommentar: Endlich ist meine erste über 100 Seiten FanFiction fertig. Als erstes möchte ich mich bei Shendara für ihre Unterstützung bedanken. Ohne sie wäre diese Story nicht so geworden wie sie jetzt ist. Außerdem hoffe ich, das die Spike-Fans in der weiten Welt da draußen nicht all zu sauer auf mich sein werden – wegen dem, was ich mit Spike getan habe. Ein anderer Schluß wäre aber niemals in Frage gekommen. Jetzt wünsche ich viel Spaß beim Lesen. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen ...


Wilde Herzen, Teil 1
written by Tegan

~ Prolog ~

Krachend flog Angel gegen die Mauer. Danach klatschte er in das Wasser, daß durch den Kanal rann. Er stand bis zu den Knöcheln im verdreckten Wasser. Der Dämon ihm gegenüber grinste. Er war viel stärker als Angel gedacht hatte. Der Dämon war eine häßliche Kreatur. Stacheln ragten aus seinem Kopf und seinen Armen. Spitze Zacken liefen aus seinen Schulterblättern.

Er war fast so groß wie Angel. Seine Haut war schuppig und irgendwie grünlich. Der Typ erinnerte Angel stark an einen Fisch. Und genauso stank dieser Dämon auch. Und wenn er lächelte entblößte er spitze Zacken statt richtige Zähne. Angel spürte, wie das Raubtier in ihm die Kontrolle übernahm. Im nächsten Moment blitzten zwei spitze Fangzähne im düsteren Licht auf. Seine gelben Augen glühten vor Wut.

„Ah, ich wußte es. Ich wußte, du bist kein normaler Mensch. Ich habe schon überlegt wo ich dich hintun soll, Fangzahn.“ Angel knurrte wild. „Ich bin ein Vampir und ich ziehe es vor als solcher bezeichnet zu werden.“ „Aber warum stellst du dich gegen die Dämonen?“ fragte dieses Monster als Angel ihm am Kragen packte und gegen die Mauer schleuderte. „Ich habe eine Seele in Gegensatz zu euch anderen.“ „Verstehe. Dann bist du dieses Sonderexemplar.“ „Stimmt genau.“ Angel wich einen Angriff der spitzen Schulterhacken aus und trat dem Dämon in die Magengrube. Der Dämon stöhnte und wich zurück. Angel griff an und ließ einen Hagel harter Schläge auf die Brust des Dämons niederprasseln. Der Dämon heulte wild auf. Angel hatte selten ein so schreckliches Geräusch gehört.

Der Dämon senkte seinen Kopf und rammte Angel seine Hörner in den Bauch. Der Vampir schrie vor Schmerz auf. Schließlich wurde er gegen die andere Seite der Mauer geschleudert. Schmerzhaft fiel er mit dem Gesicht voran in das dreckige Wasser. Angel fuhr hoch; ließ sich von den Schmerzen nicht irritieren. Er knurrte. Ob aus Wut oder Schmerz ... das konnte er nicht sagen.

„Das war ein Fehler“, sprach Angel zornig und griff an. Er prügelte den Dämon fast in die Bewußtlosigkeit. Der Dämon hatte gegen die unkontrollierbare Wut des Vampirs keine Chance. Angel drängte ihn zur Mauer. „Und? Was jetzt?“ fragte der Dämon höhnisch. „Du kannst mich nicht mit bloßen Händen töten. Du weißt, daß ein Zauberschwert dafür nötig ist. Und du bist ohne Schwert hier“, stellte der Dämon triumphierend fest.

Angel hörte Schritte. „Du freust dich zu früh“, knurrte er. Eine Hand lag fest um der Kehle des Dämons damit er nicht abhauen konnte. Er zappelte und schnappte nach Luft aber Angel ließ ihn nicht los. Da tauchten Doyle und Cordelia auf. „Na endlich!“ „Tut uns leid, daß es so lang gedauert hat aber wir mußten erst einmal jemanden finden der Zauberschwerte herstellt“, erklärte Cordelia hastig. Doyle wickelte das Schwert aus dem Tuch und warf es Angel zu. Mit seiner freien Hand fing er es geschickt auf ohne hinzusehen. „Wow! Wie macht er das?“ fragte Cordelia den Halbdämon Doyle. Sie wußte allerdings nicht das Doyle ein Halbdämon war. Er hatte es ihr noch nicht gestanden.

Gebannt beobachteten sie den Kampf. Angel holte mit dem Schwert aus als der Dämon ihn mit aller Kraft zur Seite stieß und weglaufen wollte. „Angel!“ kreischte Cordelia laut. Sie ging hinter Doyle in Deckung. Angel stellte den Dämon, holte aus und schlug ihm den Kopf ab. Eine grüne Flüssigkeit spritzte aus der offenen Wunde und verteilte sich im Raum.

Hauptsächlich über Angel, der vor dem Dämon stand. Er schloß angewidert die Augen und merkte wie schrecklich diese Flüssigkeit stank. Erschöpft ließ er das Schwert sinken. „Toll gemacht!“ lobte Cordelia ihn. Angel schwankte. Die Verletzung machte sich bemerkbar. Verletzungen heilten bei Vampire viel schneller als bei Sterblichen. Aber Angel wußte, daß es sich um eine schwere Verletzung handelte und sie noch ein paar Stunden weh tun würde.

Cordelia lief zu ihrem Boß und stützte ihn. „Danke, Cordelia“, stöhnte Angel. „Mach ich doch gerne. Wir bringen dich nach Hause. Oder ... müssen wir den Dämon entsorgen?“ fragte sie in einen Anflug von Panik. Angel lächelte matt während Doyle an seine andere Seite eilte und ihn ebenfalls stützte. Doyle nahm das Schwert in die freie Hand. „Nein. Der Körper verfault. In einigen Stunden ist nichts mehr von ihm übrig.“ „Igitt!“ machte Cordelia angewidert. „Wie schrecklich. Gut, daß mir der Anblick erspart bleibt.“ „Ja, daß wäre nichts für dich, Cordy. Bringt mich nach Hause.“ „Sicher. Komm, Alter!“ Sie stützten den Vampir und fuhren ihn nach Hause.

Nachdem Cordelia ihn verarztet hatte war Angel ins Bett gekrochen und sofort eingeschlafen. Sie verabschiedete sich von Doyle und begab sich auf den Weg nach Hause; in ihre schicke neue Wohnung. Ein böser Geist hatte hier gehaust doch er war vertrieben worden. Nun, einen Geist hatte Cordelia noch immer als Mitbewohner. Aber Dennis war harmlos und als Geist ganz niedlich. Sie bemerkte kaum das er da war.

Aber es gab ihr ein sicheres Gefühl, daß mußte sie sich eingestehen. Sie wußte, Dennis war da und wartete auf sie wenn sie nach Hause kam. Ein angenehmes Gefühl. Außerdem glaubte sie das er sie beschützte. Vor anderen bösen Geistern die ihr vielleicht was antun wollten. Dennis würde das niemals zulassen. Ihre neue Wohnung war eine Wucht. Sie liebte sie einfach. Sie hatte viel Platz und Raum. Dazu eine traumhafte Einrichtung und die Aussicht war natürlich nicht zu vergessen.

Da die Geschäfte in Los Angeles noch nicht zu hatten - es war Schlußverkauf - beschloß Cordelia noch kurz in einige Läden zu schauen. In billige Läden. Was anderes konnte sie sich nicht mehr leisten. Ihr Leben war jetzt anders als früher als sie noch in Sunnydale gelebt hatte. Früher hatte sie Klamotten vom Designer besessen. Ihre Familie war reich gewesen. Doch dann hatten sie alles verloren weil ihr Vater sich nie die Mühe gemacht hatte seine Steuern zu bezahlen. Nun mußte sie mit dem Schlußverkauf der Geschäfte klar kommen. Und das gefiel ihr gar nicht.Sie war mit großen Träumen nach L.A. gekommen. Sie wollte Schauspielerin werden. Doch es war alles anders gekommen als sie gedacht hatte. Angel hatte sie vor einen grausamen Vampir gerettet und seit dem arbeitete sie bei ihm - bei „Angel Investigations“. Sie waren sowas wie Privatdetektive. Er half Menschen, die sich nicht einmal mehr an die Polizei wenden konnten. Nur auf Drängen von Cordelia und Doyle hatte Angel das Geld seiner Kunden angenommen.

Cordelia nahm einen kurzen roten Rock vom Ständer. Sie seufzte. Niemals ziehe ich den an, dachte sie. Sie schlenderte weiter. „Entschuldigen Sie!“ Cordelia drehte sich um. Vor ihr stand eine Frau. Sie war zierlich und hatte langes, blondes - fast goldenes - Haar dazu hellblaue Augen. Eine wilde Lockenmähne. Ein sympathisches Lächeln lag auf ihren Lippen. „Ja?“ „Ich habe Sie beobachtet. Sie haben eine unglaubliche Ausstrahlung, wissen Sie das? Ich würde Sie gern fotografieren ...“ Die Frau hielt plötzlich inne. „Oh, wie unhöflich. Ich habe mich gar nicht vorgestellt. Ich bin Tajana Spencer. Ich bin Fotografin. Ich arbeite in der Agentur meines Vaters.“ Sie zog eine Visitenkarte aus ihrer Tasche und reichte sie Cordelia.

Ungläubig starrte Cordelia auf den Schriftzug. „Agentur Spencer“, las sie laut. Darunter stand: „Models, Schauspieler & Künstler“. Danach stand der Name des Besitzers. Dann stand der Name der Frau dort und ihre Telefonnummer mit der Durchwahl. „Sie haben ein unglaublich schönes Gesicht. Sie sind nicht zufällig Model, oder?“ „Nun, ich war Schönheitskönigin in meiner alten High School in Sunnydale.“ Cordelia wollte noch einen drauf setzen, aber sie ahnte das sie dieser Frau nichts vormachen konnte.

Die Frau konnte nicht älter als dreiundzwanzig sein. „Ich bin vierundzwanzig“, erklärte Tajana. „Woher ...“ „Ich bin Fotografin. Es ist meine Pflicht die Mienen der Models zu verstehen.“ „Ich bin Cordelia Chase.“ „Cordelia, haben Sie eine Setcard?“ „Nein“, gestand Cordelia. „Geben Sie mir Ihre Telefonnummer. Ich werde Sie anrufen. Ich muß das mit meinen Vater noch absprechen, aber ich denke wir können eine Setcard von Ihnen machen. Vorausgesetzt Sie sind damit einverstanden.“ Cordelia strahlte.

„Natürlich. Das würde ich gern machen.“ Cordelia zog die Visitenkarte von Angel heraus und reichte sie der Fotografin. „Ich arbeite in einem Büro. Bei Angel Investigations“, erklärte sie. „Ich werde morgen anrufen. Ich kann Ihnen nichts versprechen aber viele unserer Talente haben einige Aufträge durch uns bekommen. Allerdings klappt das nicht bei jedem.“ „Das habe ich schon fest gestellt.“ „Sie sind mit großen Träumen nach Los Angeles gekommen, stimmt’s?“ fragte Tajana einfühlsam. Die Karte von Angel verschwand in ihrer Tasche. „Ja. Ich wollte Schauspielerin werden.“ „Jetzt werden wir erst einmal eine Setcard machen. Und dann sehen wir weiter. Vielleicht können wir Ihnen einen Gastauftritt in einer Serie beschaffen.“ „Das wäre toll.“ Cordelia strahlte. „Bis morgen, Cordelia.“ „Bis morgen.“ Die Frau ging davon. Cordelia fuhr nach Hause.

Sie hielt es nicht aus und rief bei Angel im Büro an. „Angel Investigations. Wir helfen den Hoffnungslosen“, meldete sich Doyle. „Doyle? Hier ist Cordy. Gib mir bitte Angel“, forderte Cordelia ohne lange darüber nachzudenken. „Cordy, er erholt sich von seinen Verletzungen. Er schläft.“ „Na, dann muß ich es halt dir erzählen“, meinte sie. Doyle machte in Angels Büro ein unverständliches Gesicht. „Ist etwas passiert?“ Er bemerkte an ihrer Stimme, daß sie total aufgeregt war. „Ja, was tolles.“ „Und was?“ Hoffentlich hat sie nicht ihren Traummann kennengelernt, dachte Doyle.

Er hatte nämlich eine Schwäche für die hübsche Dunkelhaarige. „Ich hab gerade eine Fotografin getroffen. Sie ist die Tochter eines Mannes, dem eine Agentur gehört. Sie hat mich angesprochen und will eine Setcard machen. Vielleicht können diese Leute mir helfen meine Karriere als Schauspielerin in Gang zu setzen. Dann kann ich natürlich nicht mehr bei euch arbeiten. Das versteht sich dann von selbst“, meinte Cordelia.

„Bist du schon unter Vertrag?“ fragte Doyle. Er hoffte, daß er nicht zu enttäuscht klang. Natürlich wünschte er Cordelia das sie Erfolg haben würde, aber wenn sie Karriere machte hieß das auch das sie ging. Und das wollte er nicht. Angel will es sicher auch nicht, dachte Doyle. Obwohl Angel es nicht oft zeigte war er doch sehr froh das Cordelia bei ihnen war. „Nein, natürlich nicht. Aber die Agentur will morgen anrufen. Doyle, ich muß jetzt aufhören. Danke, daß du zugehört hast.“ Und schon hatte sie aufgelegt. Doyle seufzte. Der nächste Tag dürfte sehr interessant werden.

~ 1. ~

Angel war überrascht als Cordelia am frühen Morgen schon vor ihm da war. „Du bist schon hier?“ fragte er. „Ja. Ich kriege einen Anruf. Von einer Agentur. Die wollen eine Setcard mit mir machen.“ „Eine was?“ „Angel, bist du von gestern?“ Sie überlegte einen Moment. „Ach stimmt ja, du bist von vorgestern.“ Sie ließ Angel gar keine Möglichkeit zu protestieren. „Eine Setcard sind Fotos in einer Mappe womit Künstler sich bewerben. Ist das nicht toll? Ich werde bald ein gefeierter Star sein“, meinte sie glücklich. Angel zog sich in sein Büro zurück.

Wenig später kam Doyle herein. „Was hat Cordy vor? Will sie das Telefon fressen?“ fragte er. Angel blickte von seinen Buch auf. „Das könnte leicht sein. Es würde mich nicht wundern. Sie sitzt schon den ganzen Vormittag vor dem Telefon und wartet darauf das diese Agentur anruft. Mir hat sie schon drei Mal an diesem Morgen vorgeworfen das unser Telefon nicht mehr funktioniert. Was natürlich Blödsinn ist.“ „Sie ist nervös, Angel. Ich meine, es wäre eine unglaubliche Chance für sie.“ Angel nickte.

„Sicher.“ „Angel, was ist los?“ Doyle bemerkte das Angel über etwas nachdachte. Der Vampir legte das Buch auf den Schreibtisch. „Nun, ich muß sagen, ich habe mich an Cordelia gewöhnt. Sie würde ... ja, sie würde mir fehlen wenn sie geht. Natürlich wünsche ich ihr das all ihre Träume in Erfüllung gehen, aber ...“ „Ich weiß was du meinst.“ „Du findest sie scharf, daß ist was anderes.“ „Aber wir beide wollen sie beschützen. Wir wollen nicht das ihr was geschieht.“ „Das stimmt“, bestätigte Angel nur. Er blickte durch das Fenster. Cordelia schimpfte vor sich hin. „Ich hätte es mir denken können. Natürlich kann ich in dieser Stadt nicht so ein Glück haben. Ich hätte es mir denken können das die nicht anrufen.“ „Wir sollten sie aufheitern“, meinte Doyle. Angel und Doyle gingen ins Nebenzimmer.

„Wißt ihr, ich hätte mir gleich denken können das eine so große Agentur für einen so unwichtigen Menschen wie mich keine Zeit hat“, schimpfte Cordelia als sie die beiden Männer im Türrahmen stehen sah. „Cordelia, sie werden sicher noch anrufen. Da bin ich mir sicher“, sprach Doyle. „Na klar! Das sagen diese Agenturen doch immer. Und wißt ihr was? Ich habe gerade fest gestellt das es niemanden in Los Angeles gibt der sich um mich sorgt.“ Doyle und Angel sahen sich an. Doyle gab Angel einen Stoß in die Rippen.

„Nun, daß stimmt nicht, Cordy. Wir ... sind deine Freunde“, sprach Angel zögernd. Cordelia zog fragend eine Augenbraue hoch. „Bei Doyle weiß ich es. Aber bei dir? Du sprichst nie über das was du empfindest. Wieso ist das für dich so ein Problem, Angel?“ Er lächelte entschuldigend. „Cordelia, ich kann dir nur sagen wenn du uns verlassen würdest ... nun, du würdest mir fehlen.“ „Echt?“ Ihre Augen leuchteten. „Ja.“ „Das ist toll. Ich ...“ Da ging die Tür auf.

Cordelias Miene hellte sich auf. Angel und Doyle blickten die junge Frau an die gerade die Tür schloß. „Miss Spencer!“ rief Cordelia aus. „Ich dachte, Sie wollten anrufen.“ „Ja, daß wollte ich auch. Aber gute Neuigkeiten teile ich gerne persönlich mit.“ „Gute Neuigkeiten?“ „Ja. Ich nehme an einer dieser Herren ist Ihr Chef?“ „Ja, das ist Angel, mein Boß. Und der kleine Zwerg daneben ist Doyle.“ Doyle protestierte laut aber Cordelia überhörte ihn. „Ich bin Tajana Spencer.“ Sie reichte zuerst Doyle die Hand und dann Angel. Doyle merkte sofort wie die Beiden sich in die Augen blickten. Angel entkam sogar ein kleines Lächeln. Dann wandte sie sich an Cordelia, die ihr sofort einen Stuhl anbot.

„Danke.“ Angel und Doyle blieben im Raum stehen; hielten sich jedoch im Hintergrund. „Ich habe gestern mit meinen Vater gesprochen. Sie müssen wissen, daß er immer etwas skeptisch ist, Cordelia. Ich darf Sie doch so nennen, oder?“ „Natürlich.“ Angel sah, das ihre Hände zitterten. Sie war total aufgeregt. „Wir wollen ein paar Fotos mit Ihnen machen. Danach gebe ich Ihnen einen Termin mit meinen Vater. Und wenn er von Ihnen begeistert ist dann werden wir die Setcard auf unsere Kosten machen.“ „Das ist klasse“, rief Cordelia. „Und wann sollen diese Fotos gemacht werden?“

„Am besten gleich. Sie werden mit mir zusammenarbeiten.“ „Nun, ich weiß nicht, ob ich ...“ Angel lächelte. „Nun geh schon, Cordy.“ „Danke, Angel.“ Cordelia nahm ihre Jacke und ihre Handtasche. „Wir wollen die Fotos gerne sehen, Cordelia“, warf Doyle ein. „Sie bekommt Abzüge.“ An der Tür drehte sich Tajana noch einmal um. „Sagen Sie, Angel, sind Sie auch Künstler?“ „Ich? Nein.“ „Schade.“ Tajana lächelte und verließ mit Cordelia die Büroräume. Doyle und Angel sahen sich an. Wenn für Cordelia alles gut lief würde sie bald eine große Karriere in Angriff nehmen. Und sie würden eine Freundin verlieren. Und das gefiel ihnen nicht.

Tajana war ein Profi, daß erkannte Cordelia sofort. Sie hatte ein ganzes Team, daß das Set aufgebaut hatte. Sie waren in einem Fotostudio, daß in einer der exklusivsten Gegenden Los Angeles’ lag. Cordelia wurde von einem Profi geschminkt und gestylt. Tajana gab ihr genaue Anweisungen. Schon nach einigen Minuten bewegte sich Cordelia wie ein Profi. Es machte ihr unglaublichen Spaß. Tajana zeigte ihr die Fotos.

„Ich bin zufrieden“, erklärte sie Cordelia in einer Pause. Sie saßen bei einer Tasse Kaffee zusammen während Cordelia neu geschminkt wurde. „Du kommst gut rüber. Meiner Meinung nach. Ich hoffe, mein Vater ist ebenfalls dieser Meinung. Wir werden uns auf jeden Fall melden. Sag mal, Cordelia, dein Chef ... was kannst du mir über ihn erzählen?“ „Warum?“ „Nun, Angel ist ... ein sehr gutaussehender Mann“, gestand Tajana. Cordelia warf ihr einen wissenden Blick zu. Anscheinend hatte die talentierte Fotografin ein Auge auf Angel geworfen. Das wäre nicht einmal so schlechte, dachte Cordelia.

„Angel hilft Menschen in Not.“ „Ein Detektiv?“ „Sowas in der Art. Wir kümmern uns um scheinbar aussichtslose Fälle. Fälle, wo die Polizei oft nicht mehr weiter weiß.“ „Verstehe. Und wo wohnt er?“ Cordelia lächelte. Das Tajana sich für Angel interessierte war offensichtlich. Und Cordelia freute das. Angel war einsam. Und er brauchte dringend eine Partnerin. Das war auch die Meinung von Doyle. Tajana versprühte Lebenslust. Vielleicht war sie genau die Richtige für Angel. Vielleicht brauchte er gerade eine Frau, die sehr temperamentvoll war und mit beiden Beinen fest im Leben stand.

Natürlich war da noch sein ‘Problem’ aber das konnten sie lösen. Dessen war sich Cordelia sicher. „Seine Wohnung liegt genau unter den Büroräumen. Ein Lastenlift und eine Treppe führen zu ihm hinunter. Sie ist toll. Es ist zwar etwas düster da unten aber er hat sie toll eingerichtet. Mit altertümlichen Kram und alten Waffen, die an den Wänden hängen.“ „Was für altertümlicher Kram?“ „Nun ... für mich ist das alles Schrott, aber er schwört das die Sachen etwas wert sind.“ Tajana überlegte.

„Ich interessiere mich für Antiquitäten. Ich würde die Sachen gerne mal sehen.“ „Oh, ich kann Angel fragen. Er zeigt sie Ihnen sicher.“ „Das wäre nett, Cordelia. Was hältst du davon wenn wir uns duzen?“ „Okay. Ich finde das toll. Seit ich in L.A. bin habe ich noch keine richtige Freundin gefunden. Sicher, ich habe Angel und Doyle, aber sie sind Männer. Ich kann mit ihnen nicht über Frauenprobleme quatschen.“ „Das verstehe ich. Ich weiß, das L.A. eine Höllenstadt ist. Sag mal, hat Angel eigentlich eine Freundin?“

Cordy lachte fast laut auf. Er verkroch sich vor der weiblichen Welt. Anders konnte man es nicht nennen. „Nein. Er ist einsam. Sehr einsam. Du würdest ihn sicher mögen wenn du ihn näher kennst.“ „Ich würde ihn gern näher kennenlernen.“ „Ich werde ihn mal fragen. Wegen seinen alten Sachen.“ „Danke, Cordelia. Komm, machen wir weiter.“ Und sie gingen wieder an die Arbeit.

Angel hatte sich in seine Wohnung zurück gezogen. Doyle war oben und bewachte das Telefon. Unruhig schlich Angel durch seine Wohnung. Schließlich setzte er sich auf das Sofa. Er starrte die Axt an der Wand an. Einsamkeit. Vielleicht war das die Strafe, die er für all seine Schandtaten bekommen hatte. Natürlich ... Doyle war sein Wegbegleiter und auch Cordelia war ihm sehr wichtig, aber ... von seiner wahren Einsamkeit wußten sie nichts.

Cordelia hatte ihm schon mehr als einmal vorgeworfen das er seine wahren Gefühle verbarg. Die Wahrheit war, er würde sein Leben geben um seine Freunde zu schützen. Doyle wußte, das Angel es sich niemals verzeihen würde wenn Cordelia im Kampf gegen das Böse was zustoßen würde. Das würde Angel wahnsinnig machen. Genau wie Doyle machte er sich Sorgen um sie. Doch sie war stärker als sie beide angenommen hatten.

Ein Seufzer drang aus der Kehle des Vampirs. Er war froh, seine Freunde zu haben doch er war einsam. Seine Einsamkeit wurde ihm heute mal wieder überaus deutlich bewußt. Als diese junge Fotografin im Büro gestanden hatte - Tajana Spencer. Eine unglaublich hübsche, junge Frau, wie er fand. Angel sah ihr Gesicht noch immer vor sich. Sie sah fast wie ein Engel aus. Mit diesen hellblauen, sanften Augen und den langen, goldenen Locken. Sie hatte äußerlich überhaupt keine Ähnlichkeit mit Buffy und dafür war er dankbar.

Tajana war unglaublich süß, was er vor seinen Freunden niemals zugeben würde. Eine Frau, mit der er sich eine Beziehung vorstellen könnte. „Vergiß den Gedanken, Angel“, sprach er sich selber zu. Sie war eine bodenständige Frau. Sie würde niemals damit klarkommen das er ein Vampir war. Außerdem wollte er niemanden verletzen. Und er wußte, früher oder später würde er ihr weh tun. Glückseligkeit - es war ihm nicht gegönnt. Er war dazu verdammt in einen Moment wahren Glücks seine Seele wieder zu verlieren. Und was dann geschah ... das wußte er nur zu gut.

Er hatte Buffy mehr als nur weh getan als er nach ihrer gemeinsamen Nacht seine Seele verloren hatte. Er hat Jenny Calendar getötet und Giles seine große Liebe genommen. Er hat ihnen viel Schmerz und Leid zugefügt – ihnen allen. Er würde es sich selbst nie verzeihen. Und Angel würde nicht zulassen das dies noch einmal geschah. Das hieß, daß es nur einen Weg gab. Er durfte dieser Tajana Spencer nicht mehr über den Weg laufen. Sie war unglaublich schön und Angel fühlte sich von ihr angezogen. Er mußte sich von ihr fernhalten. Er wollte sich nicht verlieben; ihr keinen Schmerz zufügen.

Angel hatte im Laufe der Jahre gelernt sich unter Kontrolle zu haben; seinen Gefühlen nicht nachzugeben. Jetzt wußte er, was geschah wenn er Glückseligkeit erlangte. Es sollte nie mehr geschehen. Er hatte schon Buffy verletzt. Doch Buffy war die Jägerin, die eine wesentlich bessere Chance gegen den bösen Angelus hatte als eine normal Sterbliche. Auch wenn diese Entscheidung bedeutete das er einsam und allein sein würde. Das er nie mehr die Geborgenheit und das Glück der Liebe erfahren würde. Er war verdammt.

Oben im Büro machte Doyle sich seine Gedanken. Er hatte gesehen das Tajana Spencer Angel gefiel. Und er wußte auch das der gutmütige Vampir alles versuchen würde um der Dame aus dem Weg zu gehen. Er hatte Angst. Nicht Angst vor der Liebe. Sondern Angst davor wieder so zu werden wie er einst war - der böse Angelus. Der Grausamste aller Vampire. Selbst seine Artgenossen hatten ihn gefürchtet.

Es war Angel anscheinend nicht bestimmt tief zu lieben. Und er tat Doyle leid. Er litt unter dem was er Buffy angetan hatte; was er Giles genommen hatte. Das war der Grund warum Angel sich selbst verboten hatte jemals wieder zu lieben. Das Risiko, was er den Menschen dadurch antun würde, war einfach zu groß. Doch Doyle fand, das Angel sich Tajana öffnen sollte. Der Vampir war einsam. Er glaubte, Doyle würde das nicht wissen. Aber er wußte es.

Er sah es. Sah es an der Art wie Angel sich bewegte. Wie er oft teilnahmslos in seinen Büro oder der Wohnung saß und Löcher in die Wand starrte. Die Einsamkeit fraß ihn innerlich auf. Doch was sollte Doyle tun? Angel wollte nichts unternehmen. Und schon gar keine Frauen kennenlernen. Aber der Halbdämon spürte das Tajana eine Chance hatte zu Angel durchzudringen wenn sie nur hartnäckig genug war. Was sie von Angel dachte hatte man in ihrem Blick lesen können. Doyle würde nicht zusehen wie Angel blind an einer neuen Chance vorbeilief. Er würde dafür sorgen das der Vampir der Fotografin wenigstens eine Chance gab.

Im Fotostudio wurde das Set gerade abgebaut und Tajana packte ihre Sachen zusammen. Sie würde Cordelia die Abzüge der Fotos in zwei Tagen vorbei bringen. Cordelia hatte ihr versprochen bis dahin mit Angel gesprochen zu haben. Im Geiste sah sie den geheimnisvollen in schwarz gekleideten Mann noch einmal vor sich. Groß, schlank und sicher sehr stark. Kurzes kastanienbraunes Haar, dunkle Augen und ein sinnliches Gesicht. Er war der attraktivste Mann der ihr jemals begegnet war. Und sie hatte schon viele gesehen. Vor allem Models. Tajana entriegelte ihren Wagen. Sie legte ihre Ausrüstung auf den Beifahrersitz und fuhr los. Sie fuhr durch die exklusive Gegend und bog an der Kreuzung links ab. Es war eine gewohnte Strecke. Sie kannte den Weg schon so gut wie auswendig.

Angel verbarg etwas, daß spürte sie. Ein Geheimnis. Irgend etwas dunkles umgab diesen Mann. Etwas das er auf gar keinen Fall preisgeben wollte. Die Frage war nur was? Sie hatte in seine Augen gesehen und seinen Schmerz gelesen. Ein Schmerz, den er so offensichtlich mit sich herumtrug. Was konnte geschehen sein, daß er so traurig - ja, wehmütig - schaute? Tajana wollte mehr von ihm wissen; wollte alles über ihn wissen. Sie wollte wissen warum er so traurig war; warum man soviel Leid in seinen Augen lesen konnte.

Die junge Frau hielt den Wagen vor ihrem Haus. Sie bewohnte ein kleines Häuschen in einer vornehmen Gegend. Ihr Vater hatte es ihr vor zwei Jahren zum Geburtstag geschenkt. Sie konnten es sich leisten mit dem Geld um sich zu werfen. Sie war in eine reiche und vornehme Familie hinein geboren. Tajana konnte sich alles kaufen was man konnte. Aber auch der Reichtum machte nicht immer glücklich. Denn jedesmal wenn Tajana Menschen wie Cordelia traf wurde ihr klar das alles einmal vorbei sein konnte.

Tajana schloß die Tür auf und schaltete den Lichtschalter ein. Es war leer und still im Haus. Die Haushälterin war schon gegangen. Sie ging in die Küche, holte sich ein Glas Orangensaft und ging dann in ihr Arbeitszimmer. Viele Unterlagen waren auf ihrem Schreibtisch verstreut. Sie nahm ihre Aktentasche und legte alles auf den Tisch. Ihr fiel die Karte in die Hände die Cordelia ihr gegeben hatte. „Wer bist du, Angel?“ fragte sie sich laut als sie den Namen seiner Detektei las.

Sie wollte ihn kennenlernen. Sein Geheimnis lüften und ihm helfen seinen Schmerz zu überwinden. Es war komisch. Tajana konnte es selbst nicht erklären aber sie fühlte sich irgendwie mit ihm verbunden. Er hatte ihr seinen Schmerz offenbart. Und sie war sich sicher das er dies nicht bei jedem tat. Als sie in seine Augen geblickt hatte, hatte ein seltsames Gefühl sich in ihr breit gemacht. Ein Gefühl der Vertrautheit. Sie hatte Angel sofort vertraut obwohl sie ihn nicht kannte. So gut wie nichts über ihn wußte. Und doch vertraute sie ihm. Kein Funke Mißtrauen war da wenn sie an Angel dachte. Tajana wollte wissen wer er war und was ihm so zu schaffen machte.

~ 2. ~

Cordelia stürmte übermütig am nächsten Morgen ins Büro. „Das Shooting war klasse“, rief sie laut. Doyle kam sofort zu ihr. „Das freut mich. Hast du die Fotos dabei?“ „Die werden morgen gebracht. Ich seh natürlich wie immer toll aus.“ „Sicher. Ich hätte nie was anderes gedacht.“ Angel kam die Treppen herauf, nahm sich eine Tasse Kaffee und verschwand in seinem Büro. Er zog die Tür hinter sich zu ohne ein Wort zu sagen.

„Was ist los mit ihm?“ fragte Cordelia. „Er ist seit gestern schon so komisch. Ich glaube, es hat mit dieser Tajana zu tun.“ „Ah, ich muß dir was erzählen.“ „Willst du nicht mit Angel zuerst darüber sprechen?“ stichelte Doyle. Cordelia verzog die Lippen zu einen schiefen Lächeln. „Nein, daß geht ihn nichts an. Noch nicht.“ „Und was ist es?“ „Ich glaube, Tajana ist scharf auf ihn“, gestand Cordelia Doyle.

Doyle blinzelte verwirrt. „Cordy, bist du dir sicher? Ich meine ...“ „Hör mal, du Schlaumeier, du hast doch gestern diesen Blick auch gesehen. Du hast doch auch gesehen wie sich die Beiden angeguckt haben.“ „Ja, daß räume ich ein. Was Angel betrifft bin ich mir sicher das er sich zu ihr hingezogen fühlt. Aber du kennst ihn. Er will ihr nicht weh tun. Er will das Risiko nicht eingehen.“ „Er hat Angst. Er ist ein Feigling. Er stellt sich furchtlos den Dämonen und sonstigen ekligen Kreaturen. Aber wenn er eine Frau trifft, die ihm gefällt, macht er einen Rückzieher. Er gibt keiner eine Chance sich ihm zu nähern. Er blockt alles ab.“ „Cordelia, beruhige dich“, sprach Doyle. „Oh entschuldige! Jedenfalls hat Tajana mich über ihn ausgefragt.“ „Echt?“ „Ja.“ „Und was hast du erzählt?“ fragte Doyle mißtrauisch.

„Ich habe sein kleines Problem natürlich weggelassen und sein Alter. Nur das wesentliche. Das wir Menschen helfen und er allein ist.“ „Das ist gut. Angel mag sie. Das sieht man ja.“ „Natürlich sieht man das. Das Problem ist nur, Doyle, wie bringen wir ihn dazu Tajana eine Chance zu geben?“ Doyle rieb sich das Kinn. „Das ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.“ „Nun, ich hab Tajana von seinem alten Kram erzählt. Sie würde es gern sehen. Sie interessiert sich für Antiquitäten.“ „Nun, dann sollten wir dafür sorgen das er sie auch einlädt.“ „Morgen wäre nicht schlecht. Sie bringt mir morgen die Fotos vorbei.“ „Gut. Dann frage ihn.“ „Ich? Wieso?“ „Cordelia, dir kann er so leicht nichts abschlagen. Hast du es noch immer nicht bemerkt? Angel würde alles tun damit du glücklich bist. Du bist ihm sehr wichtig.“ Cordelia lächelte und klopfte an Angels Tür.

„Komm rein, Cordelia“, sagte er als er sie sah. Sie schloß die Tür hinter sich. „Wie sind die Fotos geworden?“ fragte er. „Klasse. Morgen bringt Tajana die Abzüge.“ Cordelia blickte ihm in die Augen. Sie trat nahe an ihn heran. „Was willst du?“ „Hör mal, Angel, ich will das du mir einen Gefallen tust.“ „Welchen? Solch ich wieder einen Geist aus deiner Wohnung vertreiben?“ „Nein. Dennis ist ein lieber Geist das weißt du doch. Es geht um Tajana.“ „Ich habe keine Zeit“, erwiderte er. Cordelia beugte sich zu ihm.

„Ich habe doch noch gar nicht gesagt was du für mich tun sollst.“ „Mir egal! Cordy, ich habe besseres zu tun als mich um deine Fotografin zu kümmern.“ „Sei nicht so eingeschnappt. Hör zu, Angel, sie will gerne deine Antiquitäten sehen. Sie interessiert sich dafür. Tue mir den Gefallen und lade sie ein. Du kannst mit ihr ja einen Kaffee trinken.“ Angel schüttelte verneinend den Kopf. „Bitte!“ „Hör auf zu betteln. Warum ist dir das so wichtig?“ „Nun ... weil ... du tust soviel für mich. Jetzt will ich mal was für dich tun. Du kannst dich mit ihr anfreunden.“ „Das will ich aber nicht.“ Cordelia verdrehte die Augen.

„Du bist ein Feigling, Angel.“ „Das bin ich nicht.“ „Sicher bist du das. Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich sagen das du Angst vor Frauen hast. Aber nein ... du hast nur Angst davor wieder zum bösen Buben zu mutieren.“ „Das ist doch verständlich. Cordy, hast du vergessen was mit Buffy geschehen ist?“ Cordy hob theatralisch die Hände. „Wie könnte ich das vergessen? Du wolltest damals doch dieses schreckliche Ding erwecken.“ „Acathla“, meinte Angel voller Schmerz. „Genau. Willow wurde dabei verletzt. Aber egal ... jedenfalls wird es diesmal anders sein.“ „Das glaubst du doch selbst nicht. Jetzt denk doch mal nach, Cordelia.“ „Das tue ich doch. Du bist einsam und allein. Du brauchst dringend eine Partnerin. Und deshalb wirst du sie zu einem Kaffee einladen.“ Cordelia verließ sein Büro bevor er die Gelegenheit hatte nein zu sagen.

Am nächsten Tag arbeitete Cordelia am Nachmittag am Computer. Angel lungerte in seinen Büroraum herum und blickte immer wieder zur Tür. Doyle saß bei Cordelia. Er sprang auf als Tajana ins Büro trat. „Hast du die Fotos?“ fragte Cordelia aufgeregt und wandte sich der Frau zu. Tajana zog einen braunen Umschlag aus ihrem Rucksack. „Ja, hier sind sie. Sie sind sehr gut geworden. Meinen Vater gefallen sie.“ Cordelia war nervös. Sie sah sich die Fotos an. „Sie sind echt gut.“ Doyle war begeistert. Cordy sah toll aus wie immer. „Du siehst echt super aus, Cordelia.“ „Ich weiß.“ Cordelia sah, wie Tajana Angel durch das Fenster beobachtete. Er wußte, daß sie da war. Und anscheinend hatte er beschlossen sie absichtlich zu ignorieren.

„Er ist heute nicht gut drauf“, bemerkte Doyle. „Er will mich nicht sehen.“ „Nein, oh nein, daß ist es nicht. Er kennt Sie nicht.“ „Cordelia hat mir erzählt, er wäre einsam.“ „Das stimmt.“ „Ich verstehe das nicht. Er ist ein gutaussehender Mann. Wie kann er da einsam sein?“ Doyle und Cordelia blickten sich an. „Nun ... das ist ein wenig schwierig. Ich denke, daß muß er selbst erzählen.“ „Kann ich die Fotos behalten?“ fragte Cordelia dazwischen.

„Natürlich. Mein Vater erwartet dich morgen um zwei Uhr.“ „Klasse. Ich hab mit Angel gesprochen. Wegen seinen alten Kram.“ „Und?“ „Nun ... er war zwar etwas bockig - wahrscheinlich war er wieder schlecht drauf - aber er hat sich schließlich doch bereit erklärt sie dir zu zeigen.“ „Bist du sicher? Auf mich macht er eher den Eindruck das er mich nicht sehen will. Hab ich ihm was getan?“ „Nein. Das ist seine Art“, erwiderte Doyle schnell. „Geh einfach rein zu ihm“, schlug Cordelia vor. Tajana tat es einfach.

Sie schloß die Tür hinter sich. Angel sah auf. Langsam ließ er das Buch sinken. Er war von ihrem Anblick überwältigt. „Hi Angel!“ „Hi.“ Ein kurzes Schweigen entstand. Angel fühlte sich etwas unbehaglich. „Sie ... interessieren sich für Antiquitäten?“ fragte er nach einer Weile.

„Ja. Cordelia erzählte mir das Sie eine hübsche Sammlung haben.“ „Nun ... das ... das stimmt.“ „Wenn es Ihnen Umstände bereitet dann gehe ich wieder.“ „Das ist es nicht.“ „Haben Sie etwas gegen mich, Angel?“ „Ich kenne Sie doch gar nicht.“ „Dann verstehe ich nicht warum Sie versuchen mich zu ignorieren?“ Angel lächelte leicht. „Tut mir leid.“ „Wovor haben Sie Angst, Angel?“ „Vor einiges.“ Tajana sah, daß er darauf nicht weiter eingehen wollte. „Zeigen Sie mir nun ihre Antiquitäten?“ Angel nickte. Cordelia und Doyle sagten kein Wort als er Tajana die Treppen nach unten führte.

Tajana war begeistert. „Wow! Sagen Sie, Angel, sind Sie ein Waffennarr?“ „Nein.“ „Ihre Sammlung behauptet das Gegenteil.“ „Wollen ... wollen Sie einen Kaffee?“ fragte er. „Gerne.“ „Mit Zucker?“ „Ja.“ „Zucker habe ich keinen da. Ich ... kriege selten Besuch.“ „Das macht nichts.“ Tajana legte ihren Rucksack auf den Tisch. „Sie haben wirklich eine hübsche Sammlung“, bemerkte sie als sie sich an den Tisch setzte. Angel reichte ihr eine Tasse und setzte sich ihr gegenüber.

„Sagen Sie, Angel, woher haben Sie all diese Sachen? Ich meine, diese Axt auf der Wand stammt aus dem achtzehnten Jahrhundert, wenn ich das richtig erkannte habe.“ Angel war überrascht. „Woher wissen Sie das?“ „Nun ... wie Cordelia schon sagte, ich interessiere mich für all diesen Kram. Ich hab ein wenig Ahnung, kann ich sagen. Woher haben Sie also diese Axt? Solche Waffen aus den achtzehnten Jahrhundert kriegt man heutzutage schwer. Die meisten, so heißt es, sind verschollen.“ „Nun ... es ist eine echte. Ein ... Freund hat sie mir besorgt.“ „Verstehe.“ Tajana blickte sich um.

„Täusche ich mich oder haben Sie hier unten keine Fenster?“ „Sie täuschen sich nicht.“ „Warum nicht? Haben Sie Angst vor der Sonne?“ Angel überlegte. Was konnte er ihr sagen? „Ich ziehe dunkle Räume vor.“ „Es paßt zu Ihrer Aura.“ „Zu meiner Aura?“ fragte Angel verblüfft. „Ja. Ich bin Fotografin, schon vergessen? Die Ausstrahlung der Menschen ist sehr wichtig bei Models und Schauspieler. Sie haben eine seltsame Ausstrahlung, Angel.“ „Erklären Sie mir das“, bat Angel verwirrt. Tajana lächelte.

Sie lehnte sich in ihren Stuhl zurück und nahm einen Schluck ihres Kaffees. Sie schien zu überlegen wie sie es am besten ausdrücken sollte. Schließlich: „Sie sind ein geheimnisvoller Mann, Angel. Sie haben ... eine etwas düstere Aura. Ja, so würde ich es nennen. Eine mystische, dunkle Aura. Was natürlich nicht unbedingt etwas schlechtes sein muß, aber ... ich würde gerne wissen wer Sie wirklich sind.“ Angel schwieg. Eine mystische, dunkle Aura. Sie wußte nicht wie recht sie damit hatte.

„Nun, ich ...“ „Sie haben ein Geheimnis“, machte Tajana weiter. Angel wich ihrem Blick aus. „Sie verbergen irgend etwas. Und Sie leiden.“ Angel sah sie an. „Was hat Cordelia Ihnen erzählt?“ fragte er. Tajana lächelte. „Gar nichts. Das haben Sie mir erzählt.“ „Unmöglich.“ Angel stand auf. „Ihre Augen haben es mir verraten.“ „Meine Augen?“ Er drehte sich zu seinen Gast um.

„Ja. Als ich herkam um Cordelia für das Shooting abzuholen. Als wir uns angesehen haben hat Ihr Blick mir Ihr Leid verraten. Ihre Augen offenbarten mir Ihren Schmerz, Angel.“ „Da täuschen Sie sich.“ „Nein. Ich habe sehr viel mit Menschen zu tun. Ich habe gelernt die Gefühle der Menschen in ihren Blick zu lesen. Sie haben Ihren Schmerz mit mir geteilt.“ Tajana stand auf und trat zu Angel, der am Herd stand.

Als sie ihre Hand auf seine legte sahen sie sich an. Angel zog die Hand zurück als hätte er sich verbrannt. „Sie offenbarten mir Ihren Schmerz. Ich durfte ihn in Ihren Augen lesen. Warum ... das müssen Sie selbst wissen. Aber seit diesen Augenblick finde ich keine Ruhe mehr.“ Tajana schwieg einen Moment; entschloß sich aber weiter zu sprechen. „Ich frage mich ständig was Sie erlebt haben müssen um so voller Leid zu sein. Was für einen Schmerz müssen Sie erlebt haben.“ „Einen großen“, antwortete Angel leise. „Eine gescheiterte Beziehung?“ fragte Tajana. Angel nickte.

„Aber deshalb ...“ „Das können Sie nicht verstehen. Die Sachlage liegt etwas anders als Sie es sich denken.“ „Das tut mir leid. Es ist auch nicht meine Sache.“ Tajana blickte auf die Uhr. „Es wird Zeit für mich. Ich habe jetzt noch einen wichtigen Termin. Ich danke Ihnen, Angel.“ „Wofür?“ Sie lächelte. „Ich denke, Sie wissen wofür“, antwortete Tajana. Angel wußte es. Es war nicht seine Bereitschaft ihr seine Sachen zu zeigen sondern die Offenbarung seinen Schmerz mit ihr zu teilen.

„Was machen die da unten solange?“ fragte Cordelia nervös. Sie lief unruhig hin und her und blickte immer wieder zur Treppe. Doyle saß auf einen Stuhl und nahm das alles etwas lockerer. „Du wolltest doch das sie sich unterhalten.“ „Du wolltest es auch.“ Cordelia dachte an das Schlimmste. „Oh Gott!“ „Was?“ „Was ist wenn ... na wenn sie ... du weißt schon ...“ „Das glaubst du doch selbst nicht. Die Beiden kennen sich kaum.“ „Und? Tajana findet ihn attraktiv und er ... er fühlt sich zu ihr hingezogen. Sie weiß doch nicht das Angel ... dieses Problem hat“, sprach Cordelia ihre plötzliche Sorge aus. „Aber Angel weiß es. Er wird es nicht so weit kommen lassen“, versuchte Doyle sie zu beruhigen. „Ja, schon, aber ... was ist wenn er seine Gefühle nicht unter Kontrolle hat. Wenn sein Verlangen stärker ist als die Vernunft und ...“ Cordelias Worte sorgten dafür das nun auch Doyle besorgt reagierte. Er wollte schon nachsehen gehen als sie Schritte hörten.

Angel und Tajana traten in die Büroräume. Sie sagten beide kein Wort. „Cordelia, vergiß bitte nicht den Termin bei meinen Vater. Morgen, zwei Uhr. Er haßt Unpünktlichkeit. Wenn du pünktlich bist hast du schon die halbe Miete.“ „Ich bin auf jeden Fall pünktlich, versprochen. Muß ich sonst noch auf etwas achten?“ fragte sie aufgeregt. „Nein. Sei einfach du selbst. Aber ich gebe dir den Rat verstell dich nicht. Mein Vater merkt das sofort. Er kann das nicht leiden. Sei einfach du selbst, Cordy.“ „Okay. Danke.“ „Schon gut. Der Rest liegt in deiner Hand.“ Sie drehte sich zu Angel um.

„Danke, Angel.“ „Ich habe zu danken.“ Sie reichte ihm die Hand und verabschiedete sich. „Angel?“ Doyle und Cordelia sahen den Vampir an als Tajana verschwunden war. Er wandte den Blick und ging wortlos in sein Büro. Leise schloß er die Tür hinter sich. Ein Zeichen dafür das er jetzt nicht gestört werden wollte. „Nun werden wir nie erfahren was zwischen ihnen geschehen ist“, murmelte Cordelia. Doyle nickte nur. Er konnte ahnen was in Angel vorging. Einerseits wollte er diese Frau aber andererseits wollte er die Gefahr nicht eingehen. Angel vertiefte sich wieder in sein Buch.

~ 3. ~

Zehn vor zwei Uhr betrat Cordelia das mächtige Hochhaus inmitten einer der exklusivsten Geschäftsgegenden von Los Angeles. Sie war überwältigt. Eine Sekretärin hatte ihr den Weg zu dem Büro von Kevin Spencer erklärt. Sie schritt durch einen langen Gang, der vom Lift wegführte. Kunstvolle Bilder hingen an den Wänden. Schließlich stand sie vor der Tür. Cordelia blickte auf die Uhr. Fünf vor zwei. Sie hatte noch einige Minuten.

Schnell huschte sie in den Waschraum und kontrollierte ihr Make-up. Ihre Frisur war auch okay und sie hatte nichts zwischen ihren Zähnen. Cordelia trug ein mindfarbenes Kleid, daß ihr bis zu den Knien reichte. Dazu paßten ihre schwarzen Sandalen. Sie umklammerte ihre Handtasche als sie aus dem Waschraum trat und die Tür des mächtigen Büros öffnete. Eine weitere Sekretärin saß vor einer erneuten Tür, hinter der Kevin Spencer sein Büro hatte.

Cordelia trat vor den Schreibtisch der Frau, die sehr elegant gekleidet war. „Ich bin Cordelia Chase. Ich habe einen Termin bei Mr. Spencer“, erklärte sie der Frau. Die Frau mußte Mitte dreißig sein. Sie lächelte Cordelia freundlich an und sah dann in einen Kalender. „Ja. Setzen Sie sich bitte da drüben hin. Mr. Spencer wird gleich Zeit für Sie haben. Er führt gerade ein wichtiges Telefonat.“ Cordelia setzte sich auf das Sofa. Sie war nervös. Eine Seltenheit bei ihr. Eigentlich trat sie immer mit dem gleichen Selbstbewußtsein auf wie in Sunnydale. Aber jetzt? Dies war eine ganz andere Situation als jede die sie in Sunnydale erlebt hatte. Von diesem Gespräch hing es ab ob sie ihre Träume verwirklichen konnte oder ob sie wie eine Seifenblase platzen würden.

Ein großer Geschäftsmann aus L.A. wollte mit ihr sprechen und ihr vielleicht eine Chance geben. Vielleicht konnte jetzt etwas wahr werden wovon sie immer geträumt hatte. Cordelia hatte gelernt das sie bei solchen Vorsprechtermine nicht allzu große Hoffnungen haben durfte. Ihre Träume hatte sie hinunter geschraubt. Sie ging nicht mehr mit den ganz tollen Träumen und Hoffnungen in ein Vorstellungsgespräch. Sie hatte aus der Vergangenheit gelernt. Cordelia nahm eine Zeitschrift und blätterte darin.

Die Gegensprechanlage der Sekretärin knarrte. „Rose, bitten Sie Ms. Chase herein“, ertönte eine Stimme. Rose, die Sekretärin, stand auf. „Kommen Sie, Ms. Chase.“ Cordelia folgte ihr. Rose öffnete die Tür. „Ms. Chase“, sagte sie und ließ Cordelia eintreten. Dann schloß sie die Tür hinter Cordelia. Ein teurer orientalischer Teppich füllte den gesamten Boden aus. Wertvolle Kunstschätze waren aufgestellt worden. „Ms. Chase?“ fragte der Mann hinter dem Schreibtisch.

„Ja, ich bin Cordelia Chase.“ „Kommen Sie ruhig näher. Ich beiße nicht“, lächelte der Mann beruhigend. Tajanas Vater war ein sehr stattlicher Mann, wie Cordelia überrascht fest stellte. Er war Anfang fünfzig, schätzte sie. Sein braunes Haar zeigte schon graue Stellen auf. Doch er war für sein Alter noch recht attraktiv. Cordelia setzte sich auf den bequemen Sessel mit dunkelroten Polstern vor dem Schreibtisch. Vorher reichte sie Kevin Spencer die Hand. Es war ein warmer Händedruck der sie etwas lockerer machte.

Sie erkannte das auf seinen Schreibtisch viele Fotos lagen. Darunter auch ihre. „Ms. Chase, meine Tochter ist sehr begeistert von Ihnen“, begann er. „Die Fotos sind gut. Erzählen Sie mir von sich. Woher kommen Sie?“ „Aus Sunnydale. Ich habe den Abschluß an der Sunnydale High School gemacht. Ich habe dort einige Pokale gewonnen - Schönheitswettbewerbe. Nach dem Abschluß bin ich nach Los Angeles gekommen mit den Traum Schauspielerin zu werden.“ „Verstehe. Es hat nicht geklappt, nicht wahr?“ „Nein. Ich arbeite jetzt in einen Büro. Irgendwie muß ich schließlich Geld verdienen.“ „Was ist mit Ihren Eltern? Bekommen Sie von Ihren Eltern keine finanzielle Unterstützung?“ Cordelia druckste ein wenig herum, entschloß sich aber ihm die ganze Wahrheit zu erzählen.

„Meine Eltern hatten ein Haus. Wir waren ... wohlhabend, kann ich sagen. Aber dann haben wir alles verloren. Mein Vater hatte es nie für nötig gehalten Steuern zu zahlen.“ „Verstehe.“ Kevin dachte kurz nach. „Ms. Chase, Sie sind eine hübsche junge Frau. Aber ich will ehrlich sein: Ich bin nicht einer Meinung mit meiner Tochter. Sie sind wirklich hübsch, aber ... ich kenne Hollywood. Ich kenne Los Angeles. Und ich muß Ihnen leider sagen, daß Sie nicht das nötige Potential haben um den Durchbruch zu schaffen.“ „Verstehe“, murmelte Cordelia enttäuscht.

„Es ist nichts persönliches. Aber hübsche Mädchen stellen sich jeden Tag bei mir vor. Ich habe Erfahrung. Viel Erfahrung. Diese Agentur steht seit fast zwanzig Jahren. Sie sind nicht das was Hollywood momentan will. Es tut mir sehr leid. Ich zerstörte Ihre Träume nur ungern, aber ...“ „Schon gut. Ich danke Ihnen für Ihre Ehrlichkeit.“ „Es tut mir leid.“ Und Kevin Spencer meinte es auch so. Cordelia bedankte sich für seine Mühe und verließ niedergeschlagen das Hochhaus.

Gedankenverloren ging sie zur Bushaltestelle. Der Bus fuhr ihr direkt vor der Nase weg. „Na toll. Das auch noch.“ Sie ging zur nächsten Telefonzelle. Cordelia kramte Kleingeld heraus und wählte Angels Nummer. „Angel Investigations. Wir helfen den Hoffnungslosen,“ meldete sich Doyle. „Doyle, hier ist Cordelia. Kannst du mich bitte abholen?“ Doyle erkannte sofort das sie niedergeschlagen war. Ihre Stimme verriet es.

„Cordelia, ist was passiert?“ fragte er besorgt. „Ich ... hol mich einfach ab, okay? Mir ist der Bus vor der Nase weggefahren.“ „Okay. Wo bist du?“ Sie gab ihm die Adresse durch. „Gegenüber dem Hochhaus ist eine Telefonzelle. Ich warte dort auf dich.“ „Okay. Ich bin schon unterwegs.“ Doch da hatte Cordelia schon eingehängt. Doyle hinterließ Angel eine Nachricht und nahm die Autoschlüssel für Angels Cabrio.

Doyle erkannte Cordelia schon von weitem. Ihre Haltung zeigte an das ihr Gespräch mit Kevin Spencer nicht sehr erfreulich gewesen war. Doyle fuhr an den Straßenrand und hielt neben Cordelia. Sie stieg wortlos ein. „Soll ich dich nach Hause bringen?“ fragte er. „Nein. Ich kann auch gleich mit der Arbeit bei Angel anfangen. Das ist das Einzige was ich noch tun kann.“ Doyle fuhr los. An einer Ampel mußte er halten da sie auf rot umsprang. Er wandte sich der stillen Cordelia zu. So still war sie sonst nie.

„Willst du mir erzählen was passiert ist?“ fragte er vorsichtig. „Meine Träume kann ich vergessen“, antwortete sie. „Komm, Cordy, Kopf hoch. Nur weil dieser Heini dich nicht will, heißt das doch nicht ...“ Cordelia unterbrach ihn. „Er hat mir erklärt das ich nicht das bin was Hollywood will. Er hat eine Erfahrung von fast zwanzig Jahren. Ich meine, er muß es doch wissen. Ich sollte mich damit abfinden das ich den Durchbruch nicht schaffe. Ich sollte meine Träume abschreiben und mir neue suchen. Doch meine alten Träume kann ich vergessen.“ Doyle fuhr weiter.

„Es tut mir leid, Cordelia.“ „Mir auch.“ „Hör mal, du solltest dir das nicht so sehr zu Herzen nehmen. Ich meine, Cordy, du bist unheimlich hübsch und mutig. Du bist intelligent. Und sehr direkt. Du sagst, was du denkst. Wenn diese Leute nicht wissen was sie an dir haben dann sind sie es nicht wert das du überhaupt nur einen Gedanken an sie verschwendest. Du bist ein lieber Mensch. Mit besonderen Werten.“ Cordelia blickte Doyle von der Seite aus an.

„Danke, Doyle.“ „Dafür bin ich doch da. Ich bin dein Freund. Angel und ich glauben an dich, Cordelia. Und das wird sich nie ändern. Hey, wir sind ein Team. Ohne dich würde dieses Team nicht funktionieren.“ „Du bist doch nicht so ein schlechter Kerl wie ich mal gedacht habe“, meinte Cordelia und wandte den Blick. „Danke.“ Doyle fuhr den Wagen in die Tiefgarage. Er ließ Cordelia in Ruhe. Sie brauchte jetzt ein wenig Zeit um das alles zu verarbeiten. Und er gab ihr diese Zeit. Doyle zog sich mit der Zeitung in Angels Büro zurück.

Am Nachmittag kam Angel ins Büro. Er merkte sofort das mit Cordelia etwas nicht stimmte. „Cordy, was ist los?“ fragte er sofort. Sie hob nicht einmal den Blick. „Tajanas Vater hat mir erklärt das ich den Durchbruch nicht schaffen werde.“ Und dann erzählte sie ihm alles. „Es tut mir leid, Cordelia.“ „Danke.“ Angel blickte sie ernst an. „Kommst du damit zurecht?“ Sie hob den Kopf und lächelte tapfer.

„Ja, ich bin Cordelia Chase. Ich bin stark.“ „Das stimmt. Es tut mir leid. Ich wünschte, ich könnte dir helfen.“ „Das hast du längst getan, Angel. Ich danke dir.“ „Du kannst dir heute gern frei nehmen wenn du willst.“ „Nein. Das ist lieb von dir aber ich will nicht. Dann sitze ich nur zu Hause rum und grübele nach. Dann bin ich wie du. Und das will ich nicht. Arbeit lenkt mich ab zuviel darüber nachzudenken.“ Angel nickte. „Okay, aber ... wenn du gehen willst, dann gehe ruhig.“ „Ich komme damit schon klar. Keine Sorge.“ Dann wandte sich Cordelia den Akten zu die sie aus einem Schrank genommen hatte. Es waren Akten ihrer Kunden die in den PC ein getippt gehörten. Und das tat Cordelia dann auch. Langsam wurde sie eine wirklich gute Sekretärin.

Angel leistete Doyle in seinen Büro Gesellschaft. Er schloß die Tür. „Sie ist ganz schön traurig“, stellte Doyle fest. Doyle setzte sich auf den Sessel vor Angels Schreibtisch damit Angel auf seinen gewohnten Platz sitzen konnte. Angel legte die Beine auf den Tisch. „So kenne ich sie gar nicht. Eigentlich ist sie eine Quasselstrippe aber so traurig und niedergeschlagen ... so habe ich sie noch nie erlebt.“ Angel klang etwas besorgt.

„Glaubst du, sie schafft es?“ fragte Doyle und blickte Cordelia an die sich in ihre Arbeit vergrub. „Ja, ich denke schon. Sie ist stark. Vergiß nicht, sie hat sogar einen bösen Geist gedroht und mit diesem Geist geschrien. Cordelia wird darüber hinwegkommen. Da bin ich mir sicher. Sie wird nur etwas Zeit brauchen. Außerdem hat sie jetzt auch eine Freundin. Sie schafft es.“ Und Doyle glaubte Angel. Immerhin kannte Angel Cordelia ein bißchen besser als er.

„Sag mal, Angel, was ist gestern eigentlich passiert?“ „Was meinst du?“ „Angel, weich nicht aus. Du hast dich gestern lange mit Tajana unterhalten. Was ist passiert?“ „Das geht dich nichts an.“ „Ach komm schon! Sag es mir. Worüber habt ihr gesprochen?“ „Über einiges.“ „Angel!“ protestierte Doyle. Nur widerwillig gab der Vampir nach.

„Wir haben zuerst über die Antiquitäten gesprochen. Sie hat Ahnung, daß muß ich zugeben. Dann hat sie angefangen über meine dunkle, geheimnisvolle Aura zu sprechen. Und ...“ „Und über was?“ drängte Doyle. „Über meinen Schmerz. Teilweise jedenfalls.“ „Wie soll ich das verstehen?“ Doyle wußte damit nichts anzufangen. „Das ist schwer zu erklären. Doyle, ich hab das Gefühl das sie mich versteht. Das mich diese Frau nur ansehen muß um zu spüren was ich fühle.“ „Du hast dich verliebt“, stellte der Halbdämon lächelnd fest.

„Ja ... ich glaube.“ „Was heißt, du glaubst es?“ „Weißt du, ich habe Buffy geliebt. Wirklich geliebt. Als ich mich von ihr getrennt habe, habe ich geschworen niemals mehr so zu lieben. Aber ... jetzt ist Tajana in mein Leben getreten. Und mir wurde bewußt wie einsam und allein ich doch bin. Wie sehr ich mich nach Liebe und Geborgenheit sehne. Aber ich kann und darf mich nicht mit ihr einlassen.“ „Warum nicht?“ „Wie soll ich ihr den erklären das ich ein Vampir bin? Sie lebt in einer Welt in der für sie sowas nicht existiert.“

„Dann bringe es ihr bei. Du schaffst das schon. Du brauchst eine Partnerin. Eine Frau, die zu dir steht. Die dich liebt so wie du bist.“ „Und was ist mit dem Fluch? Ich werde sie nie lieben können. Niemals ... ohne ihr danach weh zu tun. Ich will nie mehr zu dem Monster werden das ich einst war“, widersprach Angel. Doyle konnte ihn verstehen. Konnte ihn nur zu gut verstehen. „Angel, dabei kann ich dir nicht helfen. Das mußt du selbst entscheiden. Aber diese Frau wäre das Richtige für dich. Glaube mir! Ihr könntet alle Probleme bewältigen wenn du ihr nur genug vertraust. Und sie dir. Hab ein wenig Vertrauen“, meinte Doyle ernsthaft. Aber Angel konnte nicht daran glauben. Das Risiko war zu hoch. Doch was konnte er gegen seine Gefühle für Tajana machen? Er wußte sich keinen Rat.

~ 4. ~

Cordelia brauchte ein paar Tage um über die herbe Enttäuschung hinweg zu kommen. Aber schon bald war sie wieder die Alte. Angel und Doyle konnten aufatmen. Sie hatten sich wirklich Sorgen um Cordelia gemacht. Aber sie meisterte diese Enttäuschung wie alles andere auch. Sie traf sich immer öfter mit Tajana. Die Beiden wurden die besten Freundinnen. Abends, die Sonne war schon untergegangen und die Lichter erhellten die Stadt, tauchte Tajana in Angels Büro auf.

„Tajana, hi!“ rief Cordelia. „Hallo. Hat dein Chef Zeit?“ „Sicher. Was willst du von ihm?“ „Ihn überreden mit mir ins Kino zu gehen“, antwortete Tajana. „Oh, daß wird schwer. Er ist ...“ „Ich weiß. Ein sturer Kerl. Aber ich bleibe dran. So leicht gebe ich nicht auf. Ich habe ihm einige Zeit gegeben über alles nachzudenken. Jetzt werde ich aktiv.“ „Eine gute Idee“, mischte sich Doyle ein. „Halt die Klappe, Doyle! Deine Meinung ist nicht gefragt“, erwiderte Cordelia. „Frag ihn einfach“, schlug sie Tajana dann vor. „Du hast recht. Ich sollte ihn einfach fragen.“

Angel blickte au, als seine Bürotür geschlossen wurde. Vor ihm stand Tajana. In einen traumhaften schwarzen Kleid. „Hi!“ brachte er überrascht raus. „Hi. Haben Sie zu tun, Angel?“ „Nun ... nicht wirklich.“ Sie beugte sich über den Schreibtisch. „Angel, ich würde Sie gerne ins Kino einladen.“ „Nein, danke“, lehnte er sofort ab. Doch Tajana hatte diese Reaktion erwartet. „Sie brauchen mich nur begleiten. Ich zahle alles. Außerdem, was hältst du davon wenn wir uns duzen?“ „Von mir aus.“ „Komm mit. Bitte.“ „Ich kann nicht.“ „Du hast keine Arbeit. Das sieht man doch. Du lungerst nur hier herum. Du kannst dich doch sicher für ein paar Stunden von deinen so interessanten Buch loseisen? Was liest du da überhaupt?“ Sie nahm ihm das Buch aus der Hand. „Die alten Geschichten der keltischen Dämonen“, las sie laut vor. „Das interessiert dich?“ „Ja.“ Sie legte das Buch zur Seite.

„Das kannst du später auch noch lesen“, entschied sie energisch. „Bitte, Angel, komm mit.“ Sie blickte ihn mit verführerischen Augenaufschlag an. Sie stand nahe bei ihm. Angel wußte, er brauchte nur die Hand ausstrecken und schon würde sie in seinen Armen liegen. Nur eine Bewegung und er konnte sie berühren; konnte über ihre zarte Haut streicheln. Er konnte ihr Parfüm riechen; ihren unverwechselbaren Duft. Angel stellte sich vor wie er ihre zarten Lippen küßte und ... Er schüttelte den Kopf. Nein, es kann nicht sein. Es darf niemals sein. Nie wieder. Angel wich einen Schritt zurück. Tajana betrachtete ihn skeptisch.

„Wenn ich es nicht besser wüßte würde ich sagen das du Angst vor mir hast“, meinte sie. „Das ist Blödsinn.“ „Bitte komm mit! Im Kino ist der neue Film von Bruce Willis angelaufen. Ich würde mir den gern ansehen. Mit dir.“ „Du hast doch bestimmt viele Freunde. Frag doch einen von denen.“ „Ich will aber mit dir ins Kino gehen. Nur ein Besuch im Kino. Mehr nicht. Ich will dich kennenlernen.“ Angel blickte sie an. Ihre Augen waren so klar und schön. „Okay. Ich komme mit.“ „Das finde ich schön.“ Angel nahm die Autoschlüssel und seinen Mantel.

„Wo geht ihr hin?“ fragte Cordelia unschuldig. „Ins Kino. Ihr kommt doch ein paar Stunden ohne mich aus, oder?“ fragte Angel. Doyle sprang von seinen Platz auf. „Sicher. Sollte ... wenn es Probleme gibt ruf ich dich auf deinen Handy an.“ „Okay. Ich bin in spätestens vier Stunden wieder da.“ „Laß dir ruhig Zeit“, meinte Cordelia. „Wir kommen eine Nacht auch mal ohne dich aus. In letzter Zeit war es ruhig. Es wird schon nichts passieren.“ Angel war noch immer nicht sehr überzeugt. Doyle nahm ihn zur Seite.

„Das ist die richtige Entscheidung. Du wirst es sicher nicht bereuen. Genieß den Abend. Du gehst mit einer hübschen Frau ins Kino. Genieß es.“ „Ich weiß.“ Angel ging zu Tajana, die an der Tür wartete. „Ruft mich an wenn es Probleme gibt.“ „Sicher. Viel Spaß, Angel!“ Das war Cordelia. Angel und Tajana verließen das Büro. Cordelia und Doyle sahen sich an. „Yeah!“ Dann schlugen sie die Handflächen aneinander. Der erste Schritt war getan. Den Rest mußte Angel selbst entscheiden.

„Ein Cabrio? Cool.“ Angel hielt ihr die Beifahrertür auf. Danach setzte er sich hinter das Lenkrad und fuhr los. „Ich hätte niemals gedacht das du mitkommst.“ „Warum nicht?“ „Nun, daß zeigt dein ganzes Verhalten. Aber ich will nicht mit dir diskutieren. Ich will nur den Abend genießen. Was für Probleme erwartest du eigentlich?“ „Probleme?“ wiederholte Angel verblüfft.

„Ja. Du hast gesagt wenn sie Probleme haben sollen sie dich anrufen.“ „Nun ... das ... ist schwer zu erklären.“ „Du willst nicht darüber sprechen. Genauso wenig wie über deine Ängste. Schon verstanden.“ Angel entdeckte eine Parklücke und lotste den Wagen geschickt hinein. Als Tajana ausstieg sagte sie an ihn gewandt: „Aber ich würde eines Tages gern alles über dich erfahren. Wenn du es von dir aus erzählt. Ich hoffe, du vertraust mir eines Tages so sehr.“ Sie ging auf die Kinokasse zu. Angel folgte ihr. Was soll ich nur tun? fragte er sich erneut.

Tajana hatte in der letzte Reihe Plätze bekommen. „Popcorn?“ fragte sie und hielt Angel die Tüte hin. „Nein, danke.“ „Sag mal, Angel, hast du eigentlich eine offizielle Lizenz für dein Büro?“ „Nicht wirklich. Es ist ...“ „Etwas schwierig?“ neckte sie ihn. „Ja.“ „Stimmt es was Cordelia gesagt hat?“ „Dafür müßte ich wissen was sie schon wieder über mich erzählt hat.“ „Nun, daß du ... Menschen hilfst die in sehr schwerer Not sind. Fälle, wo die Polizei auf der Leitung steht.“ Fragend sah sie ihn an. „Ja, solche Fälle.“ „Interessant.“

Tajana legte ihre Handtasche auf den Boden - direkt zwischen ihre Füße. Als sie den Oberkörper wieder hob begegnete sie Angels Blick. Sie sahen sich wie verzaubert an. Angel nahm ihre Hand. Wie gebannt blickten sie sich in die Augen. Tajanas Lippen bebten. „Sorry! Kann ich mal vorbei?“ Der Kinobesucher, der sich an ihnen vorbei drängte, brach den Zauber zwischen Angel und Tajana. Angel räusperte sich. In diesem Moment wurde es im Kinosaal dunkel. Tajana wandte sich wie ihr Begleiter der Leinwand zu.

Angel war total verkrampft. Er wußte, wäre dieser Kinobesucher nicht gewesen hätten sie sich geküßt. Er fragte sich wie es wohl gewesen wäre sie in seinen Armen zu halten. Unruhig rutschte er auf seinen Sessel hin und her. Was soll ich tun? fragte er sich. Angel konzentrierte sich nicht so sehr auf den Film. Er dachte über alles nach. Tajana war eine unglaubliche Frau.

Sicher, sie war ganz und gar nicht wie Buffy und das war auch gut so. Sie war keine Kämpferin. Wenn er tatsächlich mit ihr eine Beziehung anfing dann war es für sie eine große Gefahr. Sie konnte in einen Kampf geraten und dabei ums Leben kommen. Das würde er sich nie verzeihen. Sie war eine zarte, verletzliche Frau. Wie sollte er sie beschützen? Er würde es nicht immer können. Angel blickte sie an. Im Dunkeln waren ihre Gesichtszüge nur zu erahnen. Aber er wußte, daß sie ihn ansah. Und das sie lächelte.

Tajana lehnte sich zurück und blickte wieder auf die Leinwand. Angel war schon ein komischer Vogel. Sie mußte sich immer wieder fragen warum er so zurückhaltend war? Warum er ihr aus dem Weg gehen wollte? Tajana war sich noch nie so sicher gewesen. Sicher wegen ihrer Gefühle. Sie hatte sich verliebt. Aber das war bei Angels Aussehen auch kein Wunder. Doch es war nicht nur das. Es war seine ruhige Art und diese tiefgründigen, dunklen Augen. Sie wollte wissen wer er war. Woher er kam und was diese Traurigkeit bei ihm ausgelöst hatte. Seine Schwermütigkeit. Woher kam sie?

Jedesmal wenn sie in seine Augen blickte hatte sie das Gefühl das ihn etwas schwer belastete. Und sie würde nicht aufgeben bevor sie wußte wer Angel wirklich war. Sie streckte ihre Hand nach ihm aus und legte sie auf seine. In der Dunkelheit blickten sie sich an. Angel lächelte leicht und entspannte sich. Er nahm ihre Hand fest in seine. Diese zärtliche Geste war ein Anfang. Ein Schritt in die richtige Richtung.

Sie lösten ihre Hände während der ganzen Zeit nicht. Als die Lichter wieder angingen zog Angel seine Hand zurück. Im Dunkeln war alles viel einfacher wie er mal wieder fest stellte. „Hast du ... dein Wagen ... steht er vor meinen Büro?“ fragte er stockend als sie langsam aus dem Kino traten. „Nein. Ich bin zu Fuß gekommen. Angel, fährst du mich nach Hause?“ „Sicher.“ Wieder hielt er ihr die Tür auf. Tajana nannte ihm ihre Adresse.

„Wow! Die Gegend ist sehr exklusiv.“ „Ja.“ „Sag mal, mußtest du heute Abend nicht arbeiten?“ „Ich arbeite nur gelegentlich für meinen Vater. Wenn er mich braucht. Aber ich habe dort meine eigene Durchwahl. Mein Vater ist schon ein komischer Kauz.“ Genau wie du, fügte sie in Gedanken hinzu. „Ich verstehe.“ „Warum fragst du?“ „Nur so. Es interessiert mich.“ Tajana lächelte.

„Was?“ „Es interessiert dich. Das ist schön. Echt schön. Das bedeutet, daß du ...“ Sie verstummte. „Das ich was?“ „Ach nichts. Vergiß es. Du mußt da vorne links abbiegen“, lenkte sie geschickt ab. Angel tat was sie sagte. „Einfach geradeaus. Es ist das dritte. Das kleinste Häuschen hier in der Gegend.“ Bei dem ihm genannten Haus fuhr er an den Straßenrand.

„Es ist ... nett.“ „Es ist zu groß für einen Menschen, richtig?“ „Nun ... ja ... schon irgendwie.“ Tajana blickte Angel an. „Ich danke dir für diesen schönen Abend. Und vor allem danke ich dir dafür das du mitgekommen bist. Es hätte nicht sein müssen. Danke, Angel. Es war ein sehr schöner Abend.“ „Das finde ich auch.“ Tajana machte keine Anstalten auszusteigen. Angel fand es angenehm so. Mit ihr im Wagen zu sitzen und einfach nur reden. Es war schön. Obwohl er wußte das er eine gefährliche Sache einging.

„Meinst du, wir könnten es wiederholen?“ fragte Tajana vorsichtig nach. Sie wußte nicht woran sei bei Angel war deshalb war es besser etwas behutsam vorzugehen. „Sicher. Warum nicht?“ kam sofort über seine Lippen obwohl die Vernunft ihm sagte das er ablehnen sollte. „Was hältst du von Lunch?“ „Tajana, ich kann über den Tag nicht. Ich habe nur ... abends Zeit.“ „Oh ... verstehe! Nun ...“ „Ich rufe dich an“, sprach er. Warum habe ich das jetzt gesagt? fragte sich Angel. Er sah das Strahlen in ihren Augen. „Das ist toll. Ich hoffe bald.“ „Natürlich.“ Tajana griff nach der Türklinke.

„Willst du noch mit rein kommen?“ „Das ist keine gute Idee. Wir sollten diesen Abend jetzt beenden.“ „Sicher ... natürlich.“ Dann lächelte sie und Angel schenkte ihr ebenfalls ein warmes Lächeln. „Gute Nacht, Tajana.“ „Gute Nacht.“ Sie stieg aus. Dann schien sie noch einen Moment zu überlegen und beugte sich zu ihm. Sie küßte ihn auf die Wange. „Ich danke dir“, meinte sie leise und ging auf das Haus zu. „Ich habe zu danken“, sprach Angel leise. Er startete den Motor und fuhr weg. Tajana blickte ihm nach wie er langsam in der Dunkelheit verschwand.

~ 5. ~

„Wie war der Abend gestern?“ fragte Doyle. Er war die Treppe zu Angels Privaträume herunter gekommen und fand Angel nachdenklich auf dem Sofa. Angel blickte nicht einmal auf. „Es war ein schöner Abend“, meinte er nach einer Schweigeminute. „Und? Was ist passiert?“ Doyle setzte sich zu Angel und blickte ihn ernst an. Der Vampir zuckte mit den Schultern. „Wir waren im Kino. Danach habe ich sie nach Hause gefahren.“ „Kein Kuss? Nichts?“ fragte Doyle ungläubig. „Sie hat mich auf die Wange geküßt und mir für den Abend gedankt.“ Angel stand auf und ging unruhig hin und her.

Dann drehte er sich zu Doyle um. „Ich habe sie schon viel zu sehr in mein Leben gelassen. Ich hab ihr gesagt, daß ich sie anrufen werde.“ „Aber das hast du nicht vor?“ „Doyle ...“, begann Angel. Er seufzte leise und fuhr dann fort: „Denk doch mal an die Konsequenzen. Was würde passieren wenn ich mich wirklich mit ihr einlasse?“ „Du findest endlich Liebe und Geborgenheit. Du hast selbst gesagt das du das Gefühl hast sie würde dich verstehen. Und das mit dem ... Fluch ... das kriegst du auch geregelt. Da bin ich mir sicher.“ Angel schüttelte den Kopf. „Das meine ich nicht.“ „Nein? Was dann?“ „Sie weiß nicht was ich bin. Sie hat keine Ahnung. Sie kennt die Welt nicht in der ich lebe. Wie soll ich ihr den erklären warum ich Blut im Kühlschrank habe?“ Angel schüttelte den Kopf.

„Sie ist eine bodenständige Frau die mit den Mächten der Finsternis noch nie konfrontiert wurde. Sie hat keine Ahnung von den Dämonen die da draußen leben. Tajana ist keine Kämpferin. Sie kann nicht kämpfen. Eine Beziehung mit mir ... das könnte sie töten. Sie könnte dabei ums Leben kommen.“ Doyle nickte. Allmählich bekam er einen größeren Einblick in das Dilemma von Angels Gefühlswelt.

„Verstehe. Du würdest es gerne wagen aber du hast Angst um ihr Leben.“ „Ich kann sie nicht immer beschützen, Doyle. Ich kann es nicht.“ „Dann lehre es sie.“ „Was?“ Doyle grinste schief. „Bringe ihr das Kämpfen bei. Lehre es sie. Zeige ihr wie sie sich gegen einen Vampir verteidigen kann. Zeige ihr ein paar Tritte die reichen um einen Dämon zu entkommen. Sie soll es wie Cordelia machen.“ „Du meinst, ein paar gezielte Tritte wenn der Dämon zu stark ist und dann weglaufen?“ Doyle nickte. „Dann müßte ich damit anfangen ihr zu offenbaren was ich bin.“ „Und das ist das eigentliche Problem“, stellte Doyle fest.

Angel hob hilflos die Arme. „Ich kann es ihr nicht sagen. Ich kann es nicht.“ „Vertraut sie dir?“ „Mein Gott, Doyle! Ich kenne diese Frau noch gar nicht so lange.“ „Und doch willst du sie schon beschützen.“ Jetzt mußte Angel lächeln. „Ich kann den Gedanken nicht ertragen das ihr was zustößt. Sie ist die Tochter eines reichen Mannes. Was soll ich da schon tun? Was kann ich der Frau schon bieten? Das Leben an der Seite eines ausgestoßenen Vampirs – klasse, genau das was sie sich wünscht“, sprach Angel sarkastisch.

„Du bist was Besonderes, Angel. Vergiß das nicht. Du bist der Krieger.“ „Ja, der Krieger! Ein Krieger der nicht lieben soll oder darf.“ „Das hat nie jemand gesagt. Angel, ich werde dir jetzt etwas verraten was ich dir eigentlich nicht sagen dürfte. Du müßtest es eigentlich selbst erfahren.“ „Was?“ Doyle seufzte. Wahrscheinlich wird das Orakel mich dafür bestrafen, dachte er, aber dieses Risiko mußte er eingehen.

„Du sollst lieben, Angel. Die Mächte der Ewigkeiten würden es gerne sehen. Liebe gibt einen Kraft. Sie gibt dir dort Mut wo du keinen mehr hast. Sie nimmt dir die Hoffnungslosigkeit und die Verzweiflung. Sie gibt dir Hoffnung. Und sie erfüllt dich mit neuem Leben. Außerdem nimmt sie dir die Einsamkeit und schenkt dir Geborgenheit.“ Doyle schwieg für einen Moment. „Gibt es da noch etwas was ich wissen sollte?“ fragte Angel mißtrauisch. Sein Instinkt sagte ihm das Doyle noch etwas zurückhielt. „Sag es mir.“ „Nun, es ist dir bestimmt zu lieben. Es war dir nur nicht bestimmt Buffy zu lieben.“ Angels Augen wurden trüber als sonst.

„Das weiß ich inzwischen auch“, murmelte Angel. Doyle stand auf und schlug seinen Freund auf die Schulter. „Denk nicht mehr daran. Ich weiß, daß du Tajana den Schmerz ersparen willst den Buffy durch dich erlitten hat.“ Angel nickte. „Doch du hast die Chance dies alles gut zu machen. Du hast die Chance endlich zu lieben. Nutze sie. Laß Tajana nicht gehen. Sie könnte deinen Leben einen neuen Sinn geben.“ Doyle ließ seinen Freund allein. Er wußte, Angel mußte jetzt darüber nachdenken. Und er hoffte, Angel würde die richtige Entscheidung treffen.

Cordelia blickte ins Fenster von Angels Büro und zog ihren Lidschatten nach. „Du bist schön genug“, ertönte eine Stimme hinter ihr. Cordelia fuhr zusammen. Angel hatte das Büro betreten. Lautlos. Wie es seine Angewohnheit war. „Gott, Angel! Mußt du immer so leise durch die Gänge schleichen? Kannst du nicht irgendein Geräusch machen damit die Leute gewarnt sind?“ Cordelia blickte ihn genervt an. „Tut mir leid. Ich wollte ... dich nicht erschrecken.“ Angel blickte die Unterlagen durch. Er ließ sie auf Cordelias Schreibtisch zurück. Er öffnete die Tür zum inneren Büro. „Sie hat angerufen, Angel.“ Er blieb abrupt stehen und drehte sich zu Cordelia um. „Was?“ Cordelia lächelte.

„Tajana. Sie hat angerufen.“ „Wann?“ Angel fühlte ein wohliges Kribbeln in seinen Bauch. Etwas, daß schon lange nicht mehr dagewesen war. „Ich hab es aufgeschrieben. Der Zettel klebt am Bildschirm.“ Angel ging zum Computer. Ein gelbes Post-it klebte am Bildschirm, so wie Cordelia es gesagt hatte. Er entfernte ihn und las die Nachricht die Cordelia für ihn aufgeschrieben hatte. „Schöner Gruß von Tajana“, las er verwirrt. Er blickte zu Cordelia.

„Ja. Und die Telefonnummer unter die du sie erreichen kannst. Falls du sie verlegt hast“, fügte Cordelia hinzu. Angel nickte nur. „Sie hat mir ein wenig von euren Abend erzählt.“ „Was hat sie dir erzählt?“ „Nichts. Nur ... das sie dich sehr gern hat.“ Cordelia lächelte geheimnisvoll. Sie wußte mehr über Tajanas Gefühle, daß sah Angel ihr an. Doch sie hatte Tajana wahrscheinlich versprochen darüber zu schweigen. Angel tippte, daß es genauso war.

Angel war hin und her gerissen. „Was soll ich tun?“ fragte er sich leise. Es zog ihn zu Tajana. Das erste Mal, seit er sich von Buffy getrennt hatte, fühlte er sich wieder richtig wohl. Doch ihre beider Welten waren so verschieden. Sie paßten einfach nicht zusammen. Buffy war die Jägerin gewesen. Bei ihr war es etwas anderes gewesen. Sie konnte damit leben das Angel ein Vampir war. Sie kannte seine Welt.

Doch Tajana? Angel schüttelte den Kopf. Er nahm ein Buch aus seinen Regal und versuchte sich darauf zu konzentrieren. Doch es gelang ihm nicht. Seine Gedanken kreisten immer wieder um Tajana. Sie war schön und geistreich. Und sie interessierte sich für alte Waffen. Etwas was sie mit Angel gemeinsam hatte. Seufzend legte er das Buch wieder zur Seite. Er blickte auf die Telefonnummer.

„Was denkst du?“ Cordelia und Doyle beobachteten Angel durch das Fenster als der Vampir den Telefonhörer in die Hand nahm und eine Nummer wählte. „Er ruft sie an. Dessen bin ich mir sicher.“ Doyle überlegte einen Moment. Dann griff er nach Cordelias Handtasche. „He! Was soll das?“ „Komm mit. Ich lade dich ein.“ „Wozu lädst du mich ein?“ fragte Cordelia unverständlich als Doyle sie zur Tür schob.

„Wie wäre es mit einen Cappucino?“ „Einverstanden. Aber warum lädst du mich plötzlich ein? Das tust du doch sonst nie. Du hast doch nie Geld.“ Doyle lächelte innerlich. Er hätte sie schon längst zum Essen eingeladen wenn er sich trauen würde. Aber Cordelia wußte nicht einmal das er ein Halbdämon war. Das mußte er ihr zuerst erzählen. Genau aus diesem Grund konnte er Angels Vorbehalte verstehen. „Es ist besser wenn wir Angel allein lassen“, meinte Doyle und lud sie in eine Bar ein.

„Angel!“ Tajana klang wirklich erfreut seine Stimme zu hören. Sie hatte nicht damit gerechnet das er sich tatsächlich noch einmal melden würde. „Hi. Cordelia hat mir ausgerichtet das du angerufen hast.“ „Ja. Ich war mir nicht sicher ob du meine Privatnummer hast.“ „Nein ... die hatte ich nicht. Ich hätte Cordelia gefragt.“ „Dann hätte sie wieder was zum Klatschen gehabt.“ Ein kurzes Schweigen entstand.

„Kannst du herkommen?“ fragte Angel schließlich. „Willst du, daß ich komme? Ich hatte zwar den Eindruck das du den Abend genossen hast. Aber ich hatte auch das Gefühl das du dich nicht so schnell melden würdest.“ „Nun ... da lagst du gar nicht so falsch. Aber ... ich würde dich gerne sehen.“ „Ehrlich?“ „Ja.“ „Gut, dann komme ich. Bist du im Büro?“ „Ja.“ „Ich bin in einer Stunde da“, versprach Tajana und legte auf.

Tajana öffnete die Tür und atmete tief durch. Sie erkannte das Cordelia nicht da war. Auch Doyle war nicht im Büro. „Angel?“ Er kam gerade aus seinen Büro. Einen Moment wirkte er überrascht. Er hatte nicht erwartet das sie so schnell da sein würde. „Oh ... hi.“ Tajana sah toll aus, wie Angel fand. Ihr Haar war hochgesteckt. Ein paar Strähnen umrahmten ihr Gesicht. Sie trug schwarze Stiefel. Dazu eine dunkelgrüne Hose und eine weiße Bluse. Darüber eine schwarze Jeansjacke.

„Angel?“ Sie sah ihn fragend an. „Du ... siehst toll aus.“ „Danke. Wo ist Cordelia?“ „Sie ist mit Doyle weggegangen. Wann hast du heute angerufen?“ „Am Morgen. Es war gegen neun Uhr.“ „Hast du Cordelia etwas erzählt? Von unseren Abend?“ „Nur wie es war. Wieso?“ „Sie lächelt die ganze Zeit schon so komisch.“ Tajana grinste. Sie wußte, an was Cordelia gedacht hatte.

Sie hatte Cordelia alles erzählt. Auch, daß sie sich in Angel verliebt hatte. „Willst du einen Kaffee?“ fragte Angel. „Gerne.“ „Du kannst ruhig schon mal in mein Büro gehen. Oder willst du lieber runter in meine Wohnung?“ Tajana lächelte. „Nein. Dein Büro ist okay.“ Tajana ging an ihm vorbei und setzte sich. Angel holte zwei Tassen Kaffee. „Er ist nicht besonders gut“, sagte Angel zu Tajana als er ihr die Tasse reichte. „Er steht, glaube ich, schon zwei Tage herum.“ „So schlimm wird es wohl nicht sein.“ Tajana trank einen Schluck und verzog das Gesicht. „Ich habe mich getäuscht. Cordelia ist keine gute Kaffeeköchin, oder?“ Angel schüttelte verneinend den Kopf. „Nicht wirklich. Aber sie wird es schon noch lernen.“ „Sie hat es nicht leicht gehabt.“ Angel sah Tajana verwundert an.

Tajana zuckte mit den Schultern. „Sie hat mir viel erzählt. Sie ist eine gute Freundin geworden. Sie hat mir erzählt wie es war von Sunnydale nach Los Angeles zu ziehen. Der ganze Geldverlust ihrer Eltern ...“ „Verstehe. Warum hast du mich angerufen?“ Tajana sah Angel prüfend an. „Dich beschäftigt etwas“, meinte sie nach einer Weile. „Ich wollte ... dich sehen.“ „Lügner! Es gibt einen Grund warum du mich sehen wolltest“, tadelte sie ihn. „Komm schon, Angel, rede mit mir. Sag mir was dich bedrückt.“ Angel seufzte. „Tajana, der Abend war wirklich sehr schön. Ich hab ihn sehr genossen.“ „Aber ...“ Angel nahm einen Schluck des bitteren Kaffees.

„Du kennst meine Welt nicht. Wir leben in zwei verschiedenen Welten.“ „Dann laß mich deine Welt kennenlernen“, meinte Tajana sanft. „Du weißt nicht was du da redest.“ „Angel, was ist das Problem?“ Tajana verstand nicht worauf er hinauswollte. Sie stand auf und trat zu Angel, der bei der geschlossenen Tür lehnte. Angel wich für einen Moment ihren Blick aus. Doch dann sah er ihr in die Augen. „Ich weiß nicht was du erlebt hast, Angel. Es muß etwas schreckliches sein.“ „Ich habe viele schreckliche Dinge gesehen.“ Und getan, fügte er im Stillen dazu. „Meine letzte Beziehung ...“ „Muß sehr weh getan haben, oder?“ Angel nickte. „Ich hab ihr sehr weh getan. Ich will ... es dir ersparen.“ „Du mußt nicht die gleichen Fehler machen, Angel“, sprach Tajana sanft.

„Wenn das so einfach wäre.“ „Das ist es nie. Aber du kannst dich deswegen nicht verkriechen. Du mußt es noch einmal probieren. Noch mal von vorn anfangen. Jeder tut das“, sprach sie leise. Sie blickte zu Angel hoch. Seine dunklen Augen hielten ihren Blick gefangen. Es schien ihr als wollte er sie nie mehr freigeben. Ein warmes Gefühl machte sich in ihr breit. Tue es endlich, bat Tajana im Stillen. Er näherte sich ihr bis auf wenige Zentimeter. Sie würde jetzt alles willenlos mit sich geschehen lassen. Egal was Angel jetzt tun würde. Er legte seine Hände auf ihre Schultern und zog sie an sich. Sie wußte es instinktiv. Er würde sie jetzt küssen - endlich. Es schien ihnen vorherbestimmt zu sein. Tajana hob ihre Arme und legte sie um Angels Nacken.

Angel beugte seinen Kopf und küßte sie. Die Berührung ihrer Lippen ließ sie beide erbeben. Tajana wurde von ihren Gefühlen überwältigt. Sie klammerte sich an ihn. Wollte ihn nie mehr loslassen. Für einen verrückten Moment hatte Tajana das Gefühl sie würde den Boden unter den Füßen verlieren. Angel konnte nicht mehr anders. Er mußte sie einfach berühren. Sie in den Armen halten. Tajana spürte wie kalt Angel war. Verwundert machte sie sich von ihm los. „Was ist?“ Sie berührte seine Handfläche. „Du bist so kalt. Dein Körper ... du hast keine normale Körpertemperatur. Wie ist das möglich?“ Angel wußte, er sollte es ihr sagen. Jetzt war ein guter Zeitpunkt ihr alles zu erklären. Mit der Wahrheit herausrücken. Doch Angel konnte es nicht tun.

„Nun ... ich weiß, daß meine Körpertemperatur nicht normal ist.“ „Es ist doch keine Krankheit, oder?“ „Nein. Es ist nicht ansteckend. Bei mir war das schon immer so.“ „Und wie hältst du dich warm?“ fragte Tajana zweifelnd. „Mit warmen Kleidern. Es ist nichts gefährliches.“ Sie blickte ihn noch immer zweifelnd an. „Glaube mir.“ „Okay, wenn du meinst.“ In diesen Moment ging die Tür auf und Angels Freunde traten ein.

„Du bist unmöglich, Doyle“, meinte Cordelia im vollem Ernst. Überrascht blieben sie stehen als Angel die Tür zu seinen Büro öffnete. „Hi. Was machst du hier, Tajana?“ Doyle warf Cordelia einen warnenden Blick zu. Es war doch offensichtlich was Tajana hier tat. Die dunkelhaarige Schönheit ignorierte den Blick jedoch. „Ich hab Angel besucht“, erklärte Tajana freimütig.

Sie drehte sich zu ihm um. „Was hältst du von morgen Abend? Heute ... hab ich zu tun“, meinte Angel. „Klingt gut.“ „Ich hole dich von zu Hause ab.“ „Okay. Ich freue mich schon.“ Erst jetzt bemerkte Doyle das Angel ihre Hand hielt. Das ist ja interessant, dachte er. Er scheint sich dafür entschieden zu haben es zu wagen, überlegte Doyle. Cordelia holte verblüfft Luft als Angel Tajana auf die Lippen küßte. „Cordy, hast du heute Abend Zeit?“ „Das kommt darauf an ob mein Chef so gütig ist und mir frei gibt?“ Cordelia blickte Angel erwartungsvoll an. „Du hast frei.“ „Danke.“ Cordelia wandte sich ihrer Freundin zu. „Hast du was geplant?“ fragte sie neugierig. Tajana schmunzelte.

„Was hältst du von einen absolut angesagten Club? Dort verkehren sogar einige Künstler. Sting war auch schon dort.“ Cordelia strahlte. „Das hört sich klasse an. Kommen wir da überhaupt rein? Das ist doch ein Privatclub, oder?“ „Ja. Mit mir kommst du dort rein, keine Sorge. Heute Abend, acht Uhr?“ „Klar.“ „Okay.“ Tajana drehte sich noch einmal zu Angel um. „Bis morgen.“ „Ja.“ Er lächelte als Tajana ging. Doyle und Cordelia sahen ihn fragend an. „Was?“ „Angel, gibt es da etwas was wir wissen sollten?“ begann Doyle. Angel lächelte nur und ging dann hinunter in seine Wohnung.

~ 6. ~

Angel traf Tajana nun regelmäßig. Cordelia merkte deutlich eine Veränderung bei ihrem Chef. Er war jetzt öfter gut gelaunt und ging mit viel mehr Enthusiasmus an seinen Kampf gegen die Dämonen ran als früher. Doch bis jetzt hatte er Tajana verschwiegen was er war. Er hatte den Mut zur Wahrheit noch nicht gefunden. Doyle drängte ihn es ihr endlich zu sagen.

„Warum hast du Cordelia verschwiegen das du ein Halbdämon bist?“ konterte Angel. „Nun ... ähm ... das ist ein klein wenig anders. Cordelia redet ständig schlecht über Dämonen. Ich kann es ihr nicht sagen. Aber du ... Tajana weiß nichts davon. Sie kennt die Welt der Dämonen nicht. Du solltest es ihr endlich sagen.“ „Ich weiß“, seufzte Angel. „Aber wie? Es gibt keine vernünftige Erklärung für das was ich bin“, meinte der Vampir leise. Doyle blickte ihn an. Er konnte ihn verstehen. „Aber es wird Zeit“, sagte der Halbdämon.

„Wer ist der junge Mann mit dem du dich die ganze Zeit schon triffst?“ fragte Kevin Spencer seine Tochter als sie bei ihm zu Abend aß. „Sein Name ist Angel. Er ist Privatdetektiv. Angel ist der Chef von Cordelia Chase.“ „Verstehe. Und wann lerne ich ihn kennen?“ fragte Kevin so beiläufig wie möglich. Das war ein Thema, daß Tajana nicht so sehr mochte. Sie stellte ihre Freunde ihrem Vater nicht gerne vor. Sie kannte ihn. Kevin hatte die Angewohnheit ihre Freunde bis aufs Blut auszufragen. Tajana legte die Gabel zur Seite. „Weißt du, Dad, daß mit Angel ist noch so frisch. Ich ... wir brauchen Zeit.“ „Verstehe.“ Kevin lächelte gezwungen. Es gefiel ihm zwar nicht aber schließlich war Tajana erwachsen.

„Dad, es gibt da noch etwas womit ich mit dir sprechen wollte“, räumte Tajana vorsichtig ein. Sie wußte ihr Vorhaben würde ihrem Vater nicht gefallen. Doch wenn sie jetzt nicht darüber sprach würde sie nie den Mut dazu finden. Für sich selbst hatte Tajana schon entschieden diesen Weg zu gehen. Jetzt mußte sie nur noch ihren Vater über ihre Pläne aufklären und ihn davon überzeugen das es das Richtige für sie war. „Und was? Willst du wieder einen Auftrag für mich erledigen? Ich hätte da was ... obwohl, du lebst ja gern auf meine Kosten.“ Kevin schüttelte den Kopf. „Ich habe dich eindeutig zu sehr verwöhnt.“ „Dad, stop!“ Tajana sah ihren Vater warnend an.

„Weißt du, genau das ist es worüber ich mit dir reden will. Ich will mein Leben ändern. Es wird Zeit das ich es endlich tue.“ „Wie meinst du das?“ „Nun ... ich bin die Tochter eines reichen Mannes und lebe von deinen Geld. Ich sollte wirklich etwas tun um das zu ändern.“ „Liegt das vielleicht an diesen Angel mit dem du dich regelmäßig triffst?“ Tajana lächelte. „Ja, so ungefähr. Weißt du, er braucht nicht viel Luxus um zu leben. Er braucht einfache Dinge und ist zufrieden. Man kann eine Menge von ihm lernen. Jedenfalls, hab ich beschlossen das Haus zu verkaufen und ...“ „Du willst das Haus verkaufen?“ rief Kevin entsetzt.

 Tajana lächelte entschuldigend und gestand: „Nein. Ich hab es schon verkauft. Ich hab eine Wohnung gefunden und bin dort schon eingezogen. Und ich werde mir einen Job suchen. Geld habe ich noch ein bißchen auf dem Konto. Damit komme ich für zwei, drei Monate über die Runden. Ich werde schon einen Job finden.“ Kevin setzte an um etwas zu sagen doch Tajana ließ das gar nicht erst zu.

„Nein, Dad. Ich werde nicht mehr bei dir arbeiten. Ich will mal was anderes machen. Und ich werde schon was finden. Vertrau mir.“ Tajana stand auf. „Bist du sicher das du das willst?“ fragte Kevin. Sie lächelte und küßte ihren Vater auf die Wange. „Ja. Ich muß etwas ändern.“ „Dieser Angel scheint ein toller Kerl zu sein wenn er so einen Einfluß auf dich hat.“ „Das ist er. Er ist unglaublich“, meinte Tajana und wurde vom Butler hinaus begleitet. Kevin war überrascht. Seine Tochter schien das wirklich ernst zu meinen.

Angel holte gerade seinen Mantel. „Ihr kommt ja auch mal ohne mich aus. Momentan ist sowieso nicht viel los“, erklärte er Doyle. Doyle nickte nur. Er war froh wenn Angel etwas mit Tajana unternahm. Es tat dem Vampir gut, der momentan etwas einsam war. Doch Tajana konnte all das ändern. „Sicher kommen wir ohne dich aus. Was hast du vor?“ Angel wich dem scharfen Blick seines Weggefährten aus.

„Ich treffe mich mit Tajana.“ „In letzter Zeit warst du oft mit ihr zusammen. Es bannt sich also was ernsteres an, oder?“ Angel nickte. „Ja, ich denke schon. Sie ist süß. Ich hab sie gern. Und ...“ „Du liebst sie“, stellte Doyle fest. Angel nickte schwach. „Ich bin in sie verliebt, ja. Den Rest muß man einfach sehen. Ich weiß nicht wie es weitergehen soll. Ich habe keine Ahnung. Es wird nicht einfach werden. Egal wie es weitergeht.“ „Du hast sie schon viel zu gern, nicht wahr?“ „Ja“, gab Angel zu.

„Wann willst du es ihr sagen?“ fragte Doyle unvermittelt. „Ich weiß es nicht. Ich weiß, es wäre besser wenn ich es ihr so schnell wie möglich sage, aber ... ich schiebe es immer wieder vor mich her. Wie soll ich ihr das nur begreiflich machen?“ In diesen Moment ging die Tür auf. „Können wir gehen, Angel?“ fragte Tajana mit einen Lächeln. „Sicher. Doyle, du hast ja alles, oder?“ Vielsagend sah Angel den Halbdämon an. „Na klar. Du kannst ruhig gehen, Chef. Es ist ja nicht viel los. Wie du schon gesagt hast.“ Doyle senkte seine Stimme. Nur Angel konnte ihn verstehen. „Sag es ihr. Lüg sie nicht länger an“, riet er dem Vampir. Angel sagte nichts sondern verließ mit Tajana das Büro. Sie hatten einen weiteren Kinobesuch geplant.

Nach dem Kinobesuch wehte ein kühler Wind. „Der Film war ...“, begann Tajana. „Nicht so besonders?“ meinte Angel. „Ja. Nicht so besonders.“ Tajana blickte Angel ernst an. „Ich hab mit meinen Vater gesprochen.“ „Worüber?“ Sie gingen die Straße hinunter. Angels Wagen parkte am Ende, da es der einzige freie Parkplatz in der Nähe des Kinos gewesen war. „Nun ... über mein Leben und so. Ich hab ihm erzählt das ich das Haus verkauft habe und umgezogen bin. In eine Wohnung. Und ich hab ihm gesagt das ich mir einen Job suchen werde. Einen normalen Job.“ „Und was hat er gesagt?“ Tajana lächelte. „Nun begeistert war er nicht. Aber ... er wird es akzeptieren. Er hat nach dir gefragt.“ Überrascht blieb Angel stehen.

„Er hat nach mir gefragt?“ wiederholte Angel. „Ja. Er wollte wissen wer du bist und wann ich dich ihm vorstelle.“ Jetzt wurde es Angel doch etwas mulmig zumute. Es war sicher noch nicht an der Zeit ihrem Vater gegenüberzutreten. „Aber ich habe ihm gesagt das er noch etwas warten muß.“ „Tatsächlich?“ Überraschung tauchte in Angels Stimme auf.

„Ja. Das zwischen uns ... ist noch so frisch. Außerdem ist mein Vater eine Nervensäge. Er würde dich bis aufs Blut ausfragen. Er ist in diesem Punkt schrecklich.“ „Ich denke ... Väter werden bei ihren Töchtern immer so sein“, erwiderte Angel. Tajana lächelte ihn an. „Allerdings. Aber er hat endlich akzeptiert das ich nicht mehr seine kleine Tochter bin. Ich danke dir, Angel.“ „Wofür?“ „Dafür, daß wir uns begegnet sind. Ich hätte ... weiter vom Geld meines Vaters gelebt. Du hast mir gezeigt das es auch anders geht.“ Angel erwiderte ihr Lächeln.

„Das hast du mit Cordelia gemein. Sie war ... früher auch so.“ „Es muß für sie eine große Umstellung gewesen sein. Jetzt ... wo sie kein Geld mehr hat ...“ „Sie kommt ganz gut klar“, meinte Angel zuversichtlich. Jetzt, wo sie ihre neue Wohnung hatte, ging es ihr besser. Das merkte man ihr an. Und sie hatte einen Job und eine neue Freundin. Jetzt ging es ihr wirklich besser. Die Enttäuschung, daß sie es nie zum großen Star schaffen würde hatte sie auch überwunden. „Ja, sie schafft es. Da bin ich mir auch sicher.“ Tajana hakte sich bei Angel unter und sie gingen weiter. Sie schwiegen beide. Die Nacht war zu schön um jetzt auch noch irgendwelche Worte zu verlieren.

Die Gasse, durch die sie gingen, war dunkel und von Dampf, der aus der Kanalisation stieg, eingehüllt. Doch Tajana wußte an der Seite von Angel konnte ihr gar nichts passieren. Nur ihre Schuhe schmerzten ein wenig. Sie blieb für einen Moment stehen. „Was ist?“ „Meine Schuhe ... sie tun höllisch weh“, gestand sie Angel. „Warum hast du nicht andere angezogen?“ „Weil ich sie erst gekauft habe und sie zu meinen Outfit passen, Angel. Ich denke, ich werde die Schuhe Cordy schenken.“ Angel schüttelte amüsiert den Kopf. Er blickte Tajana an und nahm sie in die Arme. Tajana schmiegte sich in seinen Arm und sie küßten sich.

Auf einmal hatte Angel dieses Gefühl. „Dürfen wir euch mal unterbrechen?“ ertönte plötzlich eine Stimme. Tajana und Angel sahen auf. Unbemerkt waren drei fremde Kerle vor ihnen aufgetaucht. Vampire. Angel roch es. Na wunderbar, dachte er. Das hat mir gerade noch gefehlt. „Verschwindet!“ meinte Angel mit scharfer Stimme. Einer der Vampire lachte. Er hatte blondes Haar und sah wie ein Student aus. Wahrscheinlich war er es gewesen bevor man ihn verwandelt hatte. „Tut mir leid, Kumpel, aber wir haben Hunger.“ Tajana blickte Angel an.

Sie schien zu spüren das etwas nicht stimmte. „Angel?“ fragte sie leise. „Bleib wo du bist“, befahl er und trat nach vorn. „Wenn ihr keinen Ärger wollt dann verschwindet ihr besser“, warnte er die drei Vampire. Sie lachten. Anscheinend wußten sie nicht mit wem sie es zu tun hatten. Wahrscheinlich sahen sie in Angel nur einen Menschen. Sie wußten nicht das er einer von ihnen war. Das erkannte er. Sie waren noch nicht lang Vampire ansonsten wüßten sie es.

Angel wußte, wenn er mit ihnen kämpfte konnte er den Dämon in ihm nicht länger kontrollieren. Er würde zu dem Tier werden das er war. Und Tajana würde die Wahrheit herausfinden. „Verzeih mir“, flüsterte er. Den er wußte, sie würde ihm nicht verzeihen das er sie belogen hatte. Die Vampire traten langsam auf Angel zu. „Du hältst dich wohl für sehr mutig, Junge, nicht wahr?“ spottete einer. „Wißt ihr, so lange könnt ihr noch nicht unter uns sein. Ansonsten wüßtet ihr wer ich bin“, erwiderte Angel kalt. Der blonde Vampir schnappte sich den Deckel eines Mülleimers. „Das nenn ich eine Waffe“, meinte Angel ironisch. Der zweite Vampir, als er starb mußte er so um die dreißig gewesen sein, griff Angel an.

Der sanftmütige Vampir wehrte den Schlag ab. Er schlug mit der rechten Faust zu. Seine vampiristischen Kräfte konnte locker mit denen der anderen mithalten. Die drei Vampire verwandelte sich. „Oh Gott!“ Angel hörte den Ausruf von Tajana. Sie hatte es gesehen. Angel schnappte sich den Vampir, mit dem er rang und warf ihn durch die Luft. Der Vampir drehte sich und landete laut polternd zwischen den Mülleimern. Er wurde von einer Mülltonne begraben. „Du bist stark, Kumpel. Aber nicht stark genug. Du hast keine Ahnung womit du dich hier anlegst“, drohte der blonde Vampir. Er schlug Angel mit dem Deckel ins Gesicht. Angel wurde von der Wucht des Schlages zu Boden befördert. „Angel!“ Tajana hatte Angst um ihn obwohl das nicht nötig war. Aber sie wußte nicht das auch er zu diesen Kreaturen zählte.