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Title:
Lost
Souls
Fandom:
Angel Summary: Angel lernt Melody kennen, die ihn um Hilfe bittet. Genau wie er ist sie ein Vampir, der mit einer Seele bestraft worden ist. Angel will ihr helfen mit ihren einst blutigen Taten fertig zu werden. Doch der Schein um Melody trügt ... Disclaimer: Die Charaktere von Angel gehören nicht mir, sondern Joss Whedon, David Greenwalt und anderen. Diese Story ist FanFiction mit der weder Geld verdient, noch Rechte verletzt werden sollen. Ich schreibe sie nur zu meinen Vergnügen. Note: Ich habe ein gutes Jahr gebraucht um diese Story endlich fertig zu bringen. Da ich endlich mal wieder Lust hatte, etwas bei Angel zu schreiben, habe ich mich für Lost Souls entschieden. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen. Mailt mir doch einfach, wenn ihr etwas über diese Story oder eine andere zu sagen habt.
Lost
Souls ~ Prolog ~ [Irgendwo in Rumänien - Jahr 1997] Der Wald wurde von dem finsteren Himmel verdunkelt. Über den Sternen lag eine schwarze, nicht endenwollende Wolke. Die Tiere im Wald spürten das etwas schlimmes geschehen würde. Sie hatten sich verkrochen und wagten es nicht aus ihren Verstecken herauszukommen. Der alte Zigeunerstamm hatte sich wieder zusammen gefunden. Sie hatten sich zusammen gefunden um erneut ein Wesen der Nacht zu bestrafen – wie einst; wie es ihre Vorfahren vor langer Zeit schon einmal getan hatten. Der Wind heulte auf und wirbelte das Blattwerk des Herbstes durch die Luft. Das Feuer züngelte hoch hinauf und brach sich mit dem Himmel. Der Zigeunerstamm - der schon seit Jahrhunderten existierte - stand um das Feuer herum. Die Älteste von ihnen saß vor dem Feuer und hielt das altbekannte Ritual ab. Mit lauter Stimme begann sie den verhängnisvollen Fluch zu sprechen. Melody lief durch den Wald. Sie suchte den Zigeunerstamm und wollte ihn daran hindern zu tun was sie vorhatten. Melody würde nicht zulassen, daß man sie für das bestrafte, was ihre Natur war. Die Vampirin rannte durch den Wald und wurde immer schneller. Sie würde den Zigeunerstamm bestrafen für das was man mit ihr plante. Sie hörte die Stimme; hörte, wie die Stimme immer lauter wurde. Mitten in ihrem Lauf brach Melody zusammen. Ihre Stärke schien ihren Körper zu verlassen. Melody versuchte sich zusammen zu reißen, doch es gelang ihr nicht. Sie konnte ihre Kräfte nicht sammeln und die Schmerzen ignorieren. Die Schmerzen waren einfach zu stark. Es war ... als würde sie innerlich verbrennen. „Nein“, flüsterte sie leise. Sie keuchte und spürte die heftigen Schmerzen in ihrer Brust. Der Schmerz breitete sich in ihrem ganzen Körper aus. „Nein, daß darf nicht sein.“ Melody rappelte sich hoch und stolperte durch das Gebüsch. Der Zigeunerstamm beachtete sie nicht als sie am Platz des Rituals auftauchte und zu Boden stürzte. „Hört auf“, flehte Melody inständig. Doch die alte Frau sprach seelenruhig den Fluch zu Ende. Melody schrie gequält auf als ein gleißendes Licht in sie fuhr und in ihren Augen aufblitzte. Besiegt beugte die Vampirin den Kopf. Das Licht breitete sich in ihrem Körper aus und hielt sie gefangen. Dann schien alles vorbei zu sein. Melody nahm den Wind wahr, der langsam aufkam und die Blätter durch die Luft trug. Alles war totenstill. Die Stimme der Zigeunerin war verstummt. Das Feuer beruhigte sich wieder und erlosch langsam. Melody stöhnte und versuchte sich zu erheben. Doch es gelang ihr nicht. Die Schmerzen ließen nur langsam nach. Was war soeben mit ihr geschehen? Sie hob den Kopf und begegnete den Blick eines jungen Mannes. Er kam auf sie zu und starrte ihr haßerfüllt in die Augen. Seine Augen zeigten ihr einen Hass, den sie nicht begreifen konnte. Sie war diesem Mann noch nie begegnet. Er war ihr völlig fremd. Wer war er? Und was wußte er über sie? Was jedoch viel wichtiger war: Was hatte er mit ihr gemacht? Verzweifelt versuchte sich Melody zu erinnern. Sie versuchte sich an ihr Leben zu erinnern. Doch es war ... als hätte sie all ihre Erinnerungen verloren. Was war mit ihr geschehen? Melody schüttelte den Kopf. Ihre Erinnerung war vollkommen im Dunkeln verschwunden. Wie war das möglich? Melody blickte wieder auf. Sie versuchte in den Augen des Fremden nach einer Antwort zu suchen. Doch er starrte sie nur voller Hass an. Instinktiv wußte Melody: Er konnte ihr sagen was passiert war. Er wußte es. „Was ... ist passiert?“ fragte sie stockend. „Ich kann ... mich an nichts mehr erinnern.“ „Ich versichere dir, Kreatur, du wirst dich wieder an alles erinnern“, sprach der Mann voller Abscheu. Melody sah ihn gequält an. In ihrer Brust breitete sich etwas aus was sie einst verloren hatte. Sie verspürte ein Gefühl das ihr seit langer Zeit fremd war. Ein heftiges Gefühl von einem schlechten Gewissen drängte an die Oberfläche. Melody schüttelte den Kopf; wehrte sich dagegen. Doch es war sinnlos. Man hatte ihr irgend etwas angetan. Man hatte ihr etwas zurück gegeben. Aber was? Sie war ein Vampir. Warum hatte sie auf einmal ein Gewissen? „Was ... habe ich getan?“ flüsterte Melody. „Du wirst dich an alles erinnern“, versprach der Fremde ihr. „Dieser Fluch ist deine Strafe. Die Strafe für all das was du meinem Volk angetan hast. Du wirst für diesen unverzeihlichen Schaden bezahlen“, sprach er bitter. Ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren drehte sich der Mann um und ging. „Warten Sie“, rief Melody verzweifelt. Er konnte jetzt nicht gehen. Dieser Mann kannte ihre Taten und sie. Er mußte ihr sagen was geschehen war. „Bleiben Sie stehen! Sagen Sie mir was nun passieren wird; was für ein Leben mich erwartet. Sagen Sie mir was Sie mir angetan haben“, schrie Melody lautstark. Doch er hörte nicht; ignorierte ihr Rufen geflissentlich. Er ließ sie einfach allein zurück. Der Zigeunerstamm sammelte seine Sachen zusammen und folgte ihm. Der Stamm hinterließ keine Spuren über das Ritual, das sie an diesen Ort durch geführt hatten. Melody sah hilflos dabei zu wie der Stamm in der Dunkelheit verschwand und sie einfach sich selbst überließ. Niemand von ihnen drehte sich noch einmal zu ihr um. Es war ihnen egal was aus der Vampirin wurde. Sie hatten ihre Rache bekommen und das war der einzige Grund für dieses Ritual gewesen. Melody sah ihnen nach; starrte noch in die Dunkelheit als der Zigeunerstamm schon lange verschwunden war. Sie zitterte am ganzen Körper; konnte sich nicht mehr beruhigen. Sie war verzweifelt wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Voller Verzweiflung und Qual schrie Melody auf. Ihr Schrei verhallte unbeantwortet in der Dunkelheit. Was war nur mit ihr geschehen? Was hatte man ihr angetan? Sie war nicht länger eine eiskalte Vampirin. Der Fluch hatte ihr das zurück gegeben was sie bei ihrer Verwandlung verloren hatte: Ihre menschliche Seele ...
~ 1. ~ [Los Angeles/Amerika - Jahr 1999] Wütend hämmerte Cordelia auf den Computer ein. „Du dämliche Kiste! Jetzt mache schon das was ich will“, rief sie genervt. Sie hörte wie der Lastenlift nach oben fuhr und das Gitter zurück geschoben wurde. „Morgen, Angel“, murmelte sie wütend und hämmerte wieder auf die Tastatur ein. „Guten Morgen, Cordelia!“ Angel nahm sich Kaffee und beobachtete seine Mitarbeiterin eine Weile. „Cordelia“, meinte er ruhig. Doch sie reagierte nicht. „Cordy!“ rief er nun lauter. Sie blickte irritiert auf. „Ja?“ „Wenn du so weitermachst, wird der Computer bald nicht mehr funktionieren..“ „Der ist schon hin. Er ist abgestürzt“, sprach die dunkelhaarige Schönheit stolz und warf in einer anmutigen Bewegung ihr Haar zurück. Angel seufzte und kam an ihren Schreibtisch. Er drückte auf eine Taste und der Computer sprang wieder an. „Wie hast du das gemacht? Woher kannst du das überhaupt?“ rief Cordelia überrascht. „Ich hab mir ein paar Tricks von Willow abgeschaut. Außerdem habe ich die Entwicklung dieser Kisten miterlebt“, sprach Angel und zog sich in sein Büro zurück. Alles war ruhig an diesem Tag. Wesley war noch nicht da, Gunn ruhte sich vom Kampf in der letzten Nacht aus und kümmerte sich nebenbei noch um seine Jungs, mit denen er sein Viertel sicherte. Und Cordelia ging ihrer Arbeit nach. Es war alles ruhig und ausnahmsweise war alles normal. Und für diese Abwechslung war Angel dankbar. Endlich einmal Ruhe. Das bedeutete: Er konnte endlich einmal entspannen und sich ausruhen. Gegen Nachmittag kam Wesley mit Gunn vorbei. „Hi Cordy“, grüßte Gunn. Er hatte ein ziemliches Veilchen am rechte Auge. „Du siehst ja schrecklich aus, Gunn“, meinte Cordelia als sie das Veilchen sah. Gunn setzte sich auf das Sofa und grinste breit. „Nicht so schlimm. Wie geht es Angel?“ „Na, wie wohl? Er sitzt den ganzen Tag in seinen Büro und liest. Also, ist er okay“, schloß Cordelia ihre Erklärung. Die Bar war abgedunkelt und Dämonen saßen friedlich nebeneinander an der Bar. Andere Dämonen spielten Karten oder genossen einfach die Ruhe vor der Jagd. Die Hintertür ging auf. Keiner der Dämonen beachtete die Vampirin, die eintrat. In dieser Bar wurde jeder Dämon akzeptiert und aufgenommen. Melody setzte sich auf den letzten freien Barhocker in einer Ecke. Der Barkeeper, ein normaler Sterblicher, kam auf sie zu. „Ich bin mir sicher du ziehst ein Glas Blut einem guten Wein vor, oder?“ begrüßte er sie. Melody sah auf. „Ja.“ Der Barkeeper brachte ihr das Glas Blut. In seiner Bar bekam jeder Dämon was er wollte. Er enttäuschte seine Gäste nicht. Er stellte das Glas vor Melody ab und musterte sie eingehend. „Kann ich dir sonst noch irgendwie helfen?“ Melody schüttelte verneinend den Kopf. Sie wirkte auf ihn ganz anders als der Rest der Vampire, der in seiner Bar auftauchte. Sie war verstört und ängstlich. Und er fragte sich warum. Das war nicht die Art eines Vampirs. Vampire waren stolz und selbstsicher. Und sie strahlten Gefahr pur aus. Bei dieser Vampirin verhielt es sich anders. Aber es ging Ronald nichts an. „Ich hätte da eine Frage“, sprach Melody auf einmal. Ronald, der Barkeeper, kam an ihre Seite. „Vielleicht können Sie mir weiterhelfen. Ich brauch eine Information.“ „Eigentlich bin ich dafür nicht zuständig.“ „Ich suche jemanden.“ „Du suchst jemanden? In diesem Großstadtdschungel kann die Suche lange dauern“, spottete Ronald zynisch. „Ich weiß.“ „Also, wen suchst du denn?“ Melody blickte den Barkeeper lange an. „Sein Name ist Angel“, sprach sie mit zitternder Stimme. „Angel?“ fuhr Ronald laut auf. Einige Dämonen hoben ihre Köpfe und sahen ihn scharf an. Er senkte seine Stimme und beugte sich über den Tresen. Seine Stimme war nur noch ein Flüstern. „Der Vampir Angel?“ erkundigte er sich leise. Einige der Dämonen in seiner Bar hatten schon Bekanntschaft mit Angel gemacht und es gefiel ihnen nicht das Angel in Los Angeles war. Er machte ihnen das Leben zur Hölle und tötete ihre Artgenossen. Melody nickte. „Ja, ich bin auf der Suche nach dem Vampir Angel. Es heißt, er hätte sich in Los Angeles nieder gelassen.“ „Das stimmt“, bestätigte Ronald mißmutig. „Wo kann ich ihn finden?“ fragte Melody hoffnungsvoll. Vielleicht konnte dieser Kerl ihr ja wirklich helfen. Ronald seufzte kopfschüttelnd. „Was willst du von ihm? Er tötet seine Artgenossen und ...“ „Ich weiß. Er hat eine menschliche Seele“, beendete Melody den Satz des Barkeepers. „Allerdings. Angel ist schon ein seltsames Exemplar von einem Vampir. Er bekam seine Seele zurück. Er wird hier nicht gern gesehen. Angel zieht gnadenlos seinen Rachefeldzug gegen seine eigene Art durch. Also, was willst du von ihm?“ „Das geht nur mich etwas an. Ich muß ihn finden“, sprach Melody energisch. Ronald nickte leicht. Er griff nach einen Blatt Papier, einen Kugelschreiber und schrieb eine Adresse auf den Zettel. „Dort findest du ihn“, sprach er und wandte sich wieder seinen anderen Gästen zu. Melody blickte auf die Adresse von Angel Investigations. Sie hatte ihn gefunden. Melody stand auf und verließ die Bar. Angel war ihre letzte Hoffnung. Nur er konnte ihr sagen was mit ihr genau geschehen war. Angel war ihre einzige Chance zu erfahren was man ihr angetan hatte. Die lange Suche war vorbei. Sie hatte ihn endlich gefunden. Und hoffentlich würde sie nun Antworten auf ihre Fragen bekommen, die sie sich schon eine so lange Zeit stellte. Die Nacht brach herein. Los Angeles erwachte zu richtigem Leben und die Dämonen begannen mit ihrer Jagd. Melody ging über die Straße und blieb vor einem Gebäude stehen. Sie zögerte. Sollte sie es wirklich tun? Als sie kurz nach der Rückgabe ihrer Seele erfahren hatte, daß es noch ein Wesen wie sie gab, hatte sie angefangen den Vampir zu suchen. Angel war bekannt und es war kein Problem gewesen seinen Weg zu verfolgen. Doch nun zögerte sie. Konnte er ihr wirklich helfen? Würde er ihr überhaupt helfen? Ich werde es nie erfahren. Ich werde es nie erfahren, wenn ich ihn nicht aufsuche, dachte Melody seufzend. Sie stieg die Stufen hinauf und ging durch die Eingangstür. Sofort fiel ihr das goldene Schild von Angel Investigations auf. Melody blickte durch das Fenster. Sie sah eine junge Frau vor einem Computer sitzen. Im Raum waren noch drei Männer. Und einer von ihnen mußte Angel sein. Melody erkannte ihn sofort. Nicht nur an der schwarzen Kleidung, sondern auch an der Art wie er sich bewegte. Er bewegte sich wie ein Vampir - lautlos und schnell. Nur ein Vampir konnte einen anderen erkennen. Und sie erkannte ihn. Er war Angel. Und auf einmal konnte sie verstehen warum er Angelus, der mit dem Engelsgesicht genannt worden war. Warum man ihm als bösen Killer Charme und Verführung nach gesagt hatte. Er verkörperte all das. Und sie konnte auf einmal verstehen warum seine weiblichen Opfer ihm so bereitwillig vertraut hatten. Doch nun war er wie sie. Ein Wesen der Nacht, daß man für seine Taten bestraft hatte. Wie sie hatte er eine Seele. Nur mit dem Unterschied ... das er seit Jahren damit lebte und etwas Gutes tat. Er kam mit dem, was er einst getan hatte, klar. Sie nicht. Sie konnte nicht verstehen warum man ihr diesen Fluch aufgezwungen hatte. Und in diesem Büro stand der Vampir, der ihr die Antworten, die sie suchte, geben konnte. Melody nahm ihren ganzen Mut zusammen und öffnete die Tür. Das Team sah sofort auf. „Können wir Ihnen helfen?“ fragte Cordelia augenblicklich. Melody blickte Angel an. Und Angel erwiderte ihren Blick. Er schien sofort zu spüren das sie von seiner Art war. Sie las es in seinen Augen. Er hatte sie sofort als Vampir identifiziert. „Ich möchte ... zu Angel“, sprach Melody leise. Angel trat einen Schritt vor. „Ich bin Angel.“ Doch wie Melody wußte er das diese Vorstellung überflüssig war. „Mein Name ist Melody. Ich brauche ... deine Hilfe, Angel. Du bist der Einzige, an den ich mich wenden kann. Der Einzige, der meine Fragen beantworten kann.“ „Ich verstehe nicht ganz“, meinte Angel verwirrt. Melody trat zu ihm hin und sah hilfesuchend zu ihm auf. „Ich bin verzweifelt, Angel. Ich habe ... ich bin wie du“, gestand sie ihm. Angel blinzelte. Als er in die Augen der Vampirin blickte, wurde ihm klar, was sie meinte. Und jetzt, wo er darauf achtete, spürte er es. Er konnte das Menschliche an ihr fühlen; er konnte es riechen. „Wie meint sie denn das?“ fragte Cordelia dazwischen. Angel wandte nicht seinen Blick von der fremden Frau. „Sie ist ... ein Vampir.“ „Oh Gott! Angel!“ rief Cordelia entsetzt. Angel war der einzige Vampir, den sie akzeptierte. Alle anderen traute sie nicht. Denn alle anderen waren böse Geschöpfe und keine Vampire mit Seele. Angel reagierte jedoch nicht auf Cordelias entsetzten Ausruf. Angel blickte kurz zu seinen Freunden, dann blickte er wieder Melody an. „Sie hat ...“ „Ich habe eine menschliche Seele ... wie Angel. Und ich brauche deine Hilfe“, sprach sie flehend. Angels Freunde blickten sich entsetzt und überrascht zugleich an. Sie hatte eine Seele? Wie konnte das sein?
~ 2. ~ Noch immer starrten Angels Freunde fassungslos auf die Vampirin. Sie konnten nicht glauben, daß es außer Angel noch einen Vampir mit Seele gab. Währenddessen bat Angel Melody in sein Büro. Sie ging an ihm vorbei und sah sich nervös um. „Ich will jetzt nicht gestört werden“, murmelte Angel. Sein Gemurmel galt seinen Freunden, die es verstanden. Dann schloß Angel die Tür hinter sich. Er blickte Melody an. „Setz dich doch.“ Angel deutete auf den Stuhl vor seinen Schreibtisch. Nervös setzte sich Melody. „Also ...“, begann Angel. Er wußte nicht wie er überhaupt anfangen sollte. Bis jetzt hatte er immer geglaubt ein Sonderexemplar zu sein. Und nun stand er dieser jungen Vampirin gegenüber. Er wußte jetzt das er nicht mehr allein war. Nun gab es noch ein Wesen der Nacht mit einer Seele. „Vor zwei Jahren ... verfluchte mich ein Zigeunerstamm“, begann Melody vorsichtig. „Was genau ist da passiert, Angel? Ich hab erfahren, daß es der gleiche Stamm war, der dich verflucht hat.“ Angel nickte. „Du hast deine Seele zurück bekommen. Die Thesulah Kugeln sammeln die Seelen der Verdammten bis sie weiter gegeben werden. Mit Hilfe einer solchen Kugel hat man den Fluch gesprochen. Man gab dir das zurück was wir Vampire bei unserer Verwandlung verlieren: die menschliche Seele.“ „Das weiß ich schon“, erwiderte Melody. „Warum? Warum tut man uns das an?“ „Weil man will das wir bezahlen; das wir leiden“, antwortete Angel ruhig. „Melody, dies ist die perfekte Strafe für uns. Wir sind Vampire, aber mit Hilfe der menschlichen Seele bekommen wir auch unser Gewissen zurück. Wir empfinden dann wie Menschen und das Gewissen hindert uns Menschen zu töten. Wir leiden unter dem was wir getan haben. Aber es liegt ganz allein an uns welchen Weg wir mit dieser Seele einschlagen.“ „Du meinst, so einen Weg den du gehst?“ Angel nickte bejahend. „Zum Beispiel“, sprach er nickend. „Aber damit stellst du dich gegen unsere Art. Wir sind Vampire, Angel. Es ist unsere Natur zu töten und Blut zu trinken“, rief sie aufgebracht. „Das weiß ich. Aber ich kriege so vielleicht eines Tages das was ich mir am meisten wünsche.“ „Und was ist das?“ „Erlösung“, sprach der Vampir ruhig. „Erlösung?“ wiederholte Melody verblüfft. „Ja. Was willst du, Melody? Du mußt dich fragen was du willst. Dann ist die ganze Sache irgendwann leichter, glaub mir.“ Melody stand auf und dachte darüber nach. Dann drehte sie sich zu Angel um. „Ich will, daß dieser Schmerz aufhört“, flüsterte sie. Sie sah vollkommen verzweifelt aus. Angel erinnerte sich daran wie es bei ihm gewesen war. Er hatte sich von Ratten ernährt; hatte nicht gewußt was er mit sich anfangen sollte. Bis ihm dieser Halbdämon begegnet war - Whistler. Er erinnerte sich. Er hatte damals Hilfe gebraucht um zu sich selbst zu finden. Und diese Hilfe brauchte Melody nun auch. Angel stand auf und kam um den Schreibtisch herum. Er streckte vorsichtig seine Hand aus und berührte Melody an der Schulter. Sie ließ sich von ihm in die Arme nehmen und trösten. „Glaub mir, es wird mit der Zeit besser. Du mußt es als Geschenk sehen, Melody. Wir beide machen eine Erfahrung, die kein anderer Vampir jemals erleben wird.“ „Ich will diese Erfahrung nicht machen“, murmelte sie. „Du bist nicht allein - nicht mehr. Du hast mich gefunden. Ich werde dir helfen“, sprach Angel ruhig. Melody sah zu ihm auf. „Wirklich?“ Hoffnung schwang in ihrer Stimme mit. Angel nickte. „Ja, ich helfe dir. Auch ich brauchte damals Hilfe um zu mir selbst zu finden. Und diese Hilfe werde ich auch dir jetzt geben. Ich werde dir helfen damit klarzukommen. Ich schätze, genau dafür hast du mich aufgesucht, oder?“ Melody nickte leicht. „Ich wußte nicht zu wem ich sonst gehen sollte. Und du bist unter den Vampiren bekannt.“ „Ich weiß. Es war gut das du zu mir gekommen bist. Du wirst das schon schaffen. Wo wohnst du momentan?“ „In einem Motel.“ „Du kannst vorerst hier bei mir wohnen.“ „Wirklich?“ „Ja. Ich will dich im Auge behalten. Die nächste Zeit wird sehr hart für dich werden. Du hast zwei Jahre gebraucht um jemanden zu finden, der dir helfen kann. Ich werde dir helfen die Dinge, die du getan hast, zu verkraften.“ Melody war erleichtert. Er sprach die Wahrheit. Das spürte sie. Er würde ihr helfen. „Cordelia?“ „Ja?“ Angel trat an den Schreibtisch. Er reichte ihr einen Zettel. „Fahr bitte zu diesem Motel und hole Melodys Sachen. Sie wird die nächsten paar Wochen hier bei mir bleiben.“ „Hältst du das für eine gute Idee?“ „Allerdings. Ich will, daß sie in meiner Nähe ist.“ Alle starrten Angel unverständlich an. „Nicht das was ihr denkt. Sie braucht Hilfe.“ „Sie ist ein Vampir, Angel“, erwiderte Cordelia abfällig. Angel funkelte sie wütend an. „Sie ist wie ich, verstehst du? Sie hat eine Seele. Und sie kommt mit dem, was sie früher getan hat, nicht klar. Sie braucht Hilfe und diese Hilfe werde ich ihr auch geben, verstanden?“ „Schon gut. Du mußt wissen was du tust.“ „Fahr bitte endlich“, bat Angel. Cordelia griff nach ihrer Handtasche, nahm Angel den Zettel aus der Hand und ging. „Du willst sie wirklich hier behalten?“ fragte Wesley. „Ich hab keine andere Wahl. Ich muß ihr helfen“, sprach Angel. „Was ist, wenn ...“ „Wesley“, unterbrach Angel seinen Mitarbeiter. „Wir können nicht einfach sagen ... nur weil sie ein Vampir ist, helfen wir ihr nicht. Wir können nicht einfach so sagen, daß nur die Menschen unsere Hilfe benötigen. Sie ist verzweifelt. Sie versteht diese ganze Sache nicht. Melody hat eine Seele und weiß nicht warum ihr das passieren mußte. Ich kann sie in diesem Zustand unmöglich wieder nach Hause schicken.“ Wesley nickte. „Angel hat recht“, mischte sich Gunn ein. „Was?“ fragte Wesley verwundert. „Er hat recht. Wir können nicht einfach so entscheiden, sie wieder weg zu schicken. Sie ist hergekommen weil sie Angels Hilfe braucht. Und es ist seine Pflicht ihr zu helfen. Es heißt doch immer, er muß den Schwachen und Hilflosen helfen. Diese Frau ist hilflos. In diesem Zustand zerfällt sie schneller zu Staub als sie schauen kann. Also ist sie hier bei Angel genau richtig und in Sicherheit vor allen Gefahren“, sprach Gunn. „Danke, Gunn.“ „Gern geschehen“, meinte der Vampirjäger und er setzte sich wieder auf das Sofa. Angel drehte sich zu seinen Büro um. „Angel?“ Der Vampir blieb stehen und sah Wesley an. „Ja?“ „Warum willst du ihr wirklich helfen? Da steckt doch mehr dahinter, oder?“ Wesley hatte eine Vermutung. Eine Vermutung, die eigentlich sehr naheliegend war. „Sie ist wie ich. Damals, als ich Whistler traf, verstehst du? Auch ich verstand damals nicht was man mir angetan hatte. Ich verstand die Dinge aus meiner Vergangenheit nicht. Ich war ein Wrack. Und dann kam Whistler, der mir half wieder auf die Beine zu kommen. Ich sehe Melody an und meine Verzweiflung von damals spiegelt sich in ihr wider. Genau wie ich damals ... ist sie jetzt einsam und verzweifelt. In ihr wiederholt sich meine Vergangenheit. Ich muß ihr einfach helfen. Ansonsten finde ich selbst keinen Frieden“, sprach Angel und er ging zu Melody in sein Büro zurück.
~ 3. ~ Melody zog bei Angel ein. Sie saß auf dem Sofa und zappte durch die Fernsehprogramme. Angel lehnte an der Wand und beobachtete sie gemeinsam mit Gunn. „Glaubst du wirklich, sie wird den gleichen Weg gehen wie du?“ Angel zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht“, gestand er ehrlich. „Vielleicht kann ich etwas bewirken. Vielleicht schaffe ich es sie für unsere Sache zu gewinnen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Sie wird es nicht einfach haben. Zwei Jahre ist sie herum geirrt und hat nach mir gesucht - weil ich der Einzige bin, der ihre Fragen beantworten kann“, sprach Angel ernst. Er wußte nur zu gut wie Melody sich im Moment fühlte. „Du bist der Einzige, der ihr auf die Beine helfen kann“, sprach Gunn. „Ich weiß. Und aus diesem Grund ist mir sehr bewußt was auf sie zukommt.“ „Brauchst du mich noch?“ fragte Gunn. Angel schüttelte den Kopf. „Geh ruhig nach Hause. Cordy und Wesley sind ja auch schon weg. Geh ruhig.“ „Okay, bis morgen, Kumpel.“ Gunn stieg die Treppen hinauf und ging nach Hause. Angel hatte ihm vor kurzem ein Apartment besorgt, damit er nicht länger auf der Straße leben mußte. Und die Wohnung gefiel Gunn. Er war froh endlich wieder ein zu Hause zu haben. Angel kam zu Melody. Er setzte sich neben sie. Sie hatte geduscht und sah nun nicht mehr so ... zerstört aus. Ihr langes, goldblondes Haar fiel ihr über die Schultern. Sie war eine hübsche Frau, daß gab er gerne zu. „Angel?“ Ihre zarte Stimme brach die Stille zwischen ihnen. „Ja?“ „Was habe ich getan das ich diese Strafe verdient habe?“ Sie richtete ihre blauen Augen auf ihn. „Sag du es mir. Irgend etwas mußt du diesen Zigeunerstamm angetan haben. Ansonsten hätten sie den Fluch nicht ausgesprochen.“ „Aber ich weiß nicht was ich getan habe. Ich bin meiner Natur gefolgt. Ist das wirklich so falsch?“ Angel legte seine Hand auf ihre. „Laß es raus. Wenn du dich so mies fühlst, dann weine. Das gehört zu unserer Seele dazu. Wir haben menschliche Gefühle. Melody, mit der Seele bekamen wir das Menschliche in uns zurück. Da ist weinen vollkommen normal.“ „Aber ich will nicht weinen. Das ... ist nicht meine Natur“, widersprach sie heftig. „Wirklich nicht? Melody, du bist jetzt anders. Du hast eine Seele. Und durch diese Seele ist unsere Natur automatisch anders.“ „Ich schaffe das nicht“, sprach sie zweifelnd. „Doch, du schaffst das.“ Angel drückte sanft ihre Hand. Sie hob den Blick und sah ihn an. „Wir werden das schaffen, Melody. Ich verspreche es dir. Mit meiner Hilfe lernst du damit zu leben. Und ich werde dir zeigen welche Wege du mit diesem Geschenk einschlagen kannst.“ „Wie kannst du sagen das es ein Geschenk ist?“ Melody sprang auf. „Mich quält was ich getan habe. Ich kann diese Erinnerungen nicht ertragen. Es geht nicht. Diese Bilder sind zu schrecklich. Sie suchen mich heim und quälen mich. Ich will diese Bilder nicht sehen. Ich will mich nicht fragen: Warum habe ich das getan? Warum habe ich all diese Menschen getötet? Ich will es nicht, verstehst du? Ich kann das alles nicht ertragen. Ich will mein normales Leben als Vampirin zurück. Ich will so leben wie meine Artgenossen. Ist das zuviel verlangt?“ Tränen glitzerten in ihren Augen. Verzweifelt versuchte sie diese zu unterdrücken. Angel erhob sich. „Ich kann dich verstehen. Damals, als ich meine Seele zurück bekommen habe, habe ich mir das Gleiche gewünscht. Doch dann tauchte Whistler in meinem Leben auf und half mir. Wie du war ich vollkommen verwirrt und wollte einfach nicht glauben was man mir angetan hatte. Ich wehrte mich dagegen. Doch es hatte keinen Sinn. Meine Seele blieb. Whistler zeigte mir die Wege, die ich gehen konnte. Und er überließ die Entscheidung mir. Ich habe mich entschieden. Ich entschied mich etwas Gutes zu tun.“ Melody schüttelte den Kopf. „Ich ... kann ... das nicht. Ich kann ...“ Angel nahm sie in seine Arme und ließ sie weinen. Melody schluchzte auf und ließ ihren Tränen freien Lauf. „Ich weiß, was du siehst; welche Bilder dich quälen. Und ich werde dir helfen diese Bilder zu überwinden“, sprach Angel leise. „Ich kann diese Bilder nicht ertragen.“ „Das ist mir klar. Noch kannst du sie nicht ertragen. Doch der Tag wird kommen an dem du aus diesen Fehlern lernen wirst. Du wirst aus dem lernen was du einst getan hast.“ Angel schob Melody ein Stück von sich und schaute ihr ernst in die Augen. „Und du wirst es besser machen. Du wirst erkennen wer du wirklich bist und was für ein Geschenk man dir mit dem Fluch gemacht hat. Und dann wirst du dich entscheiden. Du wirst die Entscheidung für dein weiteres Leben treffen. Du wirst einen Weg einschlagen; einen bestimmten Weg und für dich wird er eine neue Zukunft bereit halten. Glaub mir, es wird so sein.“ Melody schüttelte verneinend den Kopf. „Jetzt glaubst du noch nicht daran. Doch du wirst eines Tages daran glauben. Es wird besser, glaub mir.“ „Wann?“ „In ferner Zukunft. Ich kann dir keinen Zeitpunkt nennen. Ich weiß es nicht. Du hast viel zu verarbeiten. Das dauert. Doch wenn du das überwunden hast, wirst du stärker sein und du wirst die Wahrheit erkennen. Du wirst das erkennen was für dich allein wichtig ist.“ Angel schwieg einen Moment. „Du solltest dich hinlegen. Schlaf ein wenig darüber. Du wirst sehen. Bald schon sieht die Welt nicht mehr so düster für dich aus.“ Ein zartes Lächeln huschte über Melodys Lippen. „Siehst du?“ Er führte Melody in sein Schlafzimmer. „Und wo schläfst du?“ fragte Melody. „Ich schlaf auf dem Sofa. Das ist kein Problem. Schlaf dich aus.“ Sie nickte langsam und ging zum Bett. Angel drehte sich um. Als er die Tür hinter sich zuziehen wollte, drehte Melody sich zu ihm um. „Angel?“ Er hob den Kopf und sah sie fragend an. „Ich ... danke, Angel“, flüsterte sie. „Danke das du bereit bist mir zu helfen.“ „Schon okay. Dafür wählten die Orakeln mich aus. Das ist meine Pflicht. Du schaffst das, glaub mir. Du bist nicht länger allein, Melody. Du hast jemanden gefunden, der weiß wie es dir jetzt geht. Du bist nicht mehr allein.“ Dann zog Angel die Tür hinter sich zu. Melody nickte. „Ja, ich bin nicht mehr allein“, wisperte sie. Sie krabbelte ins Bett und versuchte ein wenig Schlaf zu finden. „Morgen, Angel“, grüßte Wesley als er gemeinsam mit Cordelia und Gunn am nächsten Morgen auftauchte. „Morgen, Leute. Setzt euch“, bat Angel. Angels Leute nahmen am Küchentisch Platz. „Ich bin mir sicher dieses plötzlich eingerufene Treffen um diese frühe Uhrzeit hat ihren Grund“, meinte Cordelia noch etwas verschlafen. Angel lehnte am Herd und sah seine Freunde an. „In der nächsten Zeit wird sich hier einiges ändern, Leute. Ich meine, Melody wohnt bei mir. Und dadurch ändert sich etwas.“ „Tatsächlich?“ spottete Cordelia. „Ist mir gar nicht aufgefallen.“ Angel strafte sie mit einen bösen Blick. „Fangen wir damit an, Cordy.“ „Wie meinst du das?“ „Deine abfälligen Bemerkungen sind hier fehl am Platz. Melody ist so schon fertig genug. Das würde ihr den Rest geben. Also, tue mir den Gefallen und halte dich zurück.“ „Ich hab verstanden“, murmelte Cordelia nach Angels Rüge. „Wesley, ich denke es ist besser, wenn wir momentan Melody nichts davon erzählen das du einmal ein Wächter gewesen bist. Ich weiß nicht wie sie darauf reagiert.“ „Okay, ich hab verstanden. Kein Wort darüber das ich einmal ein Wächter war.“ „Genau.“ „Und was ist mit mir?“ fragte Gunn. „Tja, du tust mir einen Gefallen, wenn du die Vampirjagd ein wenig für mich übernimmst“, sprach Angel. „Ich muß mich um Melody kümmern und ... solange nichts wichtiges oder sehr gefährliches geschieht, glaube ich, wirst du mit den Vampiren allein fertig.“ „Okay, wird erledigt, Boss.“ „Gut, das war es dann auch schon wieder. Und haltet euch bitte daran. Melody hat eine schwere Zeit vor sich. Ich muß ihr den Weg zu sich selbst zeigen und das wird nicht einfach.“ „Keine Sorge, ich bin felsenfest davon überzeugt das du das schaffst, Angel“, sprach Gunn als er aufstand. Cordelia und Wesley taten es dem Vampirjäger nach und erhoben sich ebenfalls. „Dann können wir wieder gehen?“ fragte Cordy. Angel nickte. „Ja.“ „Gut.“ Sie wandte sich den Treppen zu. „Du weißt ja, sie mag es nicht, wenn man ihr den Kopf wäscht“, sprach Wesley. Angel nickte. „Ist mir nicht neu.“ Seine Freunde verließen die Wohnung. „Angel?“ Melody kam aus dem Schlafzimmer. „Ich bin hier, Melody.“ Sie kam in die Küche. „Ich hatte schon Angst, du wärst nicht da.“ „Wieso? Ich hab dir versprochen, daß ich mich um dich kümmern werde. Und genau das werde ich auch tun. Was ist los? Hast du schlecht geträumt?“ Melody nickte. „Ja, ich hatte plötzlich das Gefühl, daß ich so alleine bin.“ Sie setzte sich an den Küchentisch. „Das bist du nicht mehr“, beteuerte Angel noch einmal. „Ich weiß.“ Angel setzte sich zu ihr. „Laß uns reden“, sprach Angel ernst. „Und worüber?“ fragte Melody verwirrt. „Über dich und über deine Taten.“ Melody schüttelte hastig den Kopf und wollte aufspringen, doch Angel hielt sie am Arm fest. „Wir müssen darüber sprechen. Nur so kann ich mir ein Bild machen.“ „Ein Bild worüber?“ „Über dich“, antwortete er vollkommen ruhig. Besänftigend blickte er ihr in die Augen. „Ich kann nicht, Angel.“ „Ich weiß, daß du Angst hast. Aber wir müssen darüber sprechen. Du mußt es loswerden“, sprach er eindringlich. Melody schüttelte den Kopf. Angel seufzte. „Okay, ich mach dir einen Vorschlag. Wir fangen ganz vorne bei deiner Geschichte an.“ „Und wie weit vorne?“ hakte sie zweifelnd nach. „Erzähl mir von deinen Leben als Sterbliche. Wann bist du geboren? Hattest du Geschwister? Wie war dein Verhältnis zu deinen Eltern? Erzähl mir von deinen sterblichen Leben. Und erzähl mir wie du auf einen Vampir gestoßen bist. Wer hat dich verwandelt und wann war es?“ Melody seufzte. „Erzähl es mir“, bat Angel mit Nachdruck. Sie sah ihm in die Augen. Angel saß ihr gegenüber und wartete geduldig. „Mein sterbliches Leben?“ Er nickte. „Interessiert dich das überhaupt?“ „Sonst würde ich nicht danach fragen. Komm, Melody, erzähl es mir. Alles was du mir sagst, wird diesen Raum nicht verlassen. Ich werde alles für mich behalten.“ Melody glaubte ihm und nickte. Es war klar, daß er von ihrem Leben erfahren wollte. Nur wenn sie ihm etwas von sich erzählte, konnte Angel wirklich etwas für sie tun. Sie entschied sich seiner Bitte nachzukommen.
~ 4. ~ „Als das zweitälteste Kind kam ich im Jahr 1831 in London zur Welt. Außer mir gab es noch meinen ältesten Bruder, Brian, und meine beiden jüngeren Schwestern Cecile und Katharina.“ „Melody - ist das dein Geburtsname?“ Die Vampirin schüttelte verneinend den Kopf. „Nein, meine Eltern gaben mir den Namen Elisabeth. So hieß ich zu meinen Lebzeiten als Sterbliche. Aber das war mein sterbliches Ich. Und bei meiner Verwandlung starb auch Lizzie, wie ich von allen genannt wurde.“ „Erzähl von deinen Leben als Sterbliche“, forderte Angel sie auf. Melody seufzte schwer. „Nun, meine Familie war wohlhabend. Wir besaßen ein großes Haus in der Innenstadt von London. Außerdem besaß mein Vater noch ein Weingut in den Bergen von Schottland. Es war unser Landsitz. Wir lebten auf unserem Landsitz jedes Jahr ungefähr drei Monate. Den Rest haben wir in London verbracht. Mein Vater war ein angesehener Mann. Wir ... hatten alles, kann man sagen.“ „Aber?“ Angel zog fragend eine Augenbraue nach oben. „Aber wir hatten nicht die Liebe unserer Eltern. Ich meine, meine Mutter hat uns geliebt. Aber mein Vater ...“ Melody schüttelte den Kopf. „Er war ... immer nur darauf aus das unsere Familie ihr Gesicht in der Öffentlichkeit wahrte und keine Skandale entstanden.“ „Dein Verhältnis zu deinem Vater war nicht sehr gut?“ sprach Angel wissend. „Das ist noch untertrieben“, erwiderte Melody bitter. „Ich war schon als Kleinkind immer sehr unternehmungsfreudig und mußte alles erkunden. Mit der Zeit wurde das Verhältnis zu meinen Vater immer schlechter. Er setzte mir Heiratskandidaten vor die Nase und hat von mir erwartet, das ich mich für einen entscheide. Ich hab mich geweigert. Ich wollte nicht heiraten und Kinder kriegen. So wie die Frauen vor mir. Ich wollte die Welt sehen; wollte Medizin studieren. Das mißfiel meinen Vater.“ Angel hörte zu und es gab ihm einen schmerzlichen Stich. Auch sein Verhältnis zu seinen Vater war nicht sehr gut gewesen. „Was ist dann passiert?“ „Dann lernte ich einen jungen Mann kennen, der nach London gekommen war. Er kam von Amerika rüber. Ich verliebte mich.“ „Er war ein Vampir“, stellte Angel fest. Melody nickte. „Ja, er war ein Vampir und er hat mich verwandelt.“ „Wie heißt er?“ Melody blickte Angel in die Augen. „Er selbst nannte sich Adriano. Er war ... die Verführung pur. Dunkle Augen, blondes Haar, groß und schlank. Ich konnte ihm nicht widerstehen. Und dann kam jene Nacht im Jahr 1855, die mein Leben für immer veränderte ... [London/England - Jahr 1855] Lizzie blickte auf die Standuhr im Salon des Hauses. Die Uhr schlug Mitternacht. Lautlos schlich sie zur Garderobe und zog sich ihren Mantel über. Sie hörte ein Geräusch im Haus und fuhr herum. An der Treppe stand ihre jüngste Schwester Cecile. „Cecile, warum bist du noch nicht im Bett?“ fragte Lizzie leise und kam zur Treppe. Ihre Schwester, sie war zehn Jahre alt, blickte sie aus großen Augen an. „Ich hab gesehen wie du herunter gekommen bist und wollte wissen was du um diese Zeit noch machst. Du gehst fort?“ Lizzie setzte sich auf eine Stufe und Cecile nahm neben ihr Platz. „Ich muß noch einmal kurz weg.“ „Du gehst zu ihm, richtig?“ Elisabeth seufzte. Sie wünschte sich das der Streit mit ihrem Vater nicht so laut und heftig gewesen wäre. Ihre Schwestern hatten mitangehört wie ihr Vater sie wegen Adriano zur Rede gestellt hatte. Er hatte ihr verboten den jungen Mann jemals wieder zu sehen. Vor allem jetzt, da er sie mit dem Sohn eines Politikers verlobt hatte. „Ja, ich treffe mich mit Adriano. Ich muß ihn noch einmal sehen.“ „Läufst du mit ihm davon?“ Lizzie lachte ironisch. Daran hatte sie auch schon gedacht, aber sie hatte es nicht vor Adriano angesprochen. Er wußte noch nichts von ihrer Verlobung. Und wenn er sie bitten würde mit ihm zu kommen, würde sie es tun. Adriano war nicht von ihrem Stand, daß wußte sie. Er war ein Reisender, der nicht sehr viel besaß. Und trotzdem liebte sie ihn. „Nein, daß werde ich nicht tun.“ „Versprochen?“ „Versprochen. Aber dafür versprichst du mir, das du niemanden verrätst wo ich hingehe, okay?“ „Ich werde es für mich behalten.“ „Geh ins Bett, Cecile.“ „Und wann kommst du zurück?“ „In zwei Stunden ungefähr“, versprach Lizzie. Cecile küßte ihre Schwester auf die Wange und ging nach oben in ihr Zimmer. Lizzie stand auf und öffnete leise die Haustür - nur einen Spalt. Sie schlüpfte hindurch, zog die Tür hinter sich zu und ging zum Treffpunkt. Sie erkannte Adriano schon von weitem. Er wartete schon auf sie. Und die Liebe erwärmte ihr Herz als sie sah wie der Wind sein schulterlanges, blondes Haar durchblies. Nein, er war wirklich nicht von ihrem Stand. Nicht gesellschaftlich, aber menschlich ... da gehörte er in ihre Schicht. Adriano erkannte Elisabeth und sprang von der niederen Steinmauer, auf der er saß. Er kam auf sie zu und nahm sie wie selbstverständlich in die Arme. Adriano verschloß ihre Lippen mit einen leidenschaftlichen Kuss. Lizzie schlang ihre Arme um ihn und schmiegte sich an ihn. Sie liebte es, wenn er sie so küßte. „Ich bin froh das du gekommen bist“, sprach sie ernst. „Ich war überrascht als ich deine Nachricht bekam. Was ist los, Lizzie? Was ist so dringend?“ Lizzie sah zu ihm hoch - er war ein ganzes Stück größer als sie - und sie seufzte schwermütig. Ihre Augen nahmen einen traurigen Schatten an. „Ich kann dich nicht mehr sehen“, begann sie. „Wieso?“ „Mein Vater gibt in zwei Tagen meine Verlobung bekannt. Adriano, ich muß heiraten. Ich habe keine andere Wahl.“ „Er will dich verheiraten?“ „Ja, er handelt. Er hat das mit uns raus bekommen. Er weiß von dir. Und er weiß von unserer Liebe.“ „Verstehe. Ich bin ihm nicht gut genug.“ „Es tut mir leid“, sprach Lizzie. Sie schmiegte sich in seine Arme und schloß die Augen. Sie wollte sich nicht von ihm trennen, dafür liebte sie ihn zu sehr. „Wir werden uns nicht trennen“, sprach Adriano. „Wir müssen.“ „Nein. Ich habe gesagt, daß wir für immer zusammen bleiben und genauso wird es auch sein.“ Lizzie hörte ein Geräusch und blickte auf. Sie blickte in ein gelbes Augenpaar. Adriano entblößte seine Fangzähne. Entsetzt riß sich Lizzie von ihm los und wich zurück. Was für eine abscheuliche Kreatur war er? „Was ...“ Adriano ließ Lizzie nicht ausreden. Die Angst stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Es wurde Zeit, daß ich dir mein wahres Gesicht zeige. Es wird Zeit für dich, Lizzie.“ „Was bist du?“ rief sie schockiert. „Ich bin ein Wesen der Nacht. Und es wird Zeit für dich, daß du auch ein Wesen der Nacht wirst.“ Und mit diesen Worten riß er Lizzie an sich und grub seine Zähne tief in ihren Hals. Überrascht riß sie die Augen auf. Sie war starr vor Angst. Lizzie konnte sich nicht mehr bewegen. Regungslos lag sie in seinen Armen und ließ zu das er von ihrem Blut trank. Adriano ließ auf einmal von Lizzie ab. Sie sank schwach zu Boden. Ihr wurde schwarz vor Augen, doch sie lebte. Aber sie wußte nicht mehr für lange. Sie stand auf der Schwelle zwischen Leben und Tod. Ihr Blick begegnete dem von Adriano. Verschwommen nahm sie wahr wie er einen Dolch zog und sich eine Wunde in den Arm schnitt. Dann kniete er sich neben sie. „Ich will dich nicht sterben lassen, Süße. Das will ich wirklich nicht. Ich will das du mit mir kommst - als Vampirin. Trink von meinem Blut und du wirst verwandelt. Komm mit mir! Ich zeige dir eine Welt wie du es niemals für möglich gehalten hättest. Vergiß dein Leben als Sterbliche. Vom ersten Moment an, als ich dich sah, war mir klar das du zu höherem bestimmt bist. Du bist dazu bestimmt so zu sein wie ich. Trink mein Blut, Lizzie“, sprach er und er hielt ihr den Arm mit der Wunde hin. Lizzie wehrte sich dagegen; wollte nicht so werden wie er. Er war ein Monster. Und sie wollte nicht auch so werden. Was würde mit ihrer Familie geschehen? Was würde aus ihren Schwestern werden? Doch dann tropfte der erste Blutstropfen in ihren Mund und zerfloß auf ihrer Zunge. Und in ihr drängte der Wunsch nach mehr nach oben. Sie war machtlos gegen das was ihr Unterbewußtsein verlangte. Lizzie griff nach Adrianos Arm und trank von seinen Blut. Und plötzlich hatte sie das Gefühl bei ihrer eigenen Hinrichtung zuzusehen. Böse Gefühle überschwappten sie. Immer gieriger trank sie Adrianos Blut. Etwas wurde von ihr gerissen und es verursachte ihr große Schmerzen. Ihr Herz hörte zu schlagen auf; sie spürte es. Doch sie lebte. Es schien wie ein Wunder zu sein. Die vollkommene Finsternis nahm von ihr Besitz und nistete sich in ihrem Körper ein. Adriano entzog ihr den Arm. Lizzie fiel ins Gras zurück. Sie stöhnte leise. Der Vampir beugte sich über sie und blickte ihr in die Augen. Sie erwiderte seinen Blick. Sie hatte ihre Menschlichkeit verloren. Kälte beherrschte ihren Blick und der Dämon in ihr verlangte nach Tod; nach unschuldigen Menschen, die sie töten sollte. Sie war eine Verdammte. Sie war nicht länger sterblich; war nicht länger ein Mensch. Sie war ein Wesen der Nacht. Lizzie war tot und Melody war geboren ... [Gegenwart - Jahr 1999] In Angels Wohnung hing ein grausames Schweigen in der Luft. Nachdem Melody ihm erzählt hatte wie sie zum Vampir geworden war, hatte sie angefangen zu schweigen. Angel beobachtete sie. Die Geschichte nagte an ihr. Das sah er ihr an. „Was ist mit Adriano passiert?“ fragte er schließlich in die Stille hinein. „Er ... lebt nicht mehr. Adriano wurde vor ungefähr fünfzig Jahren von der damaligen Jägerin vernichtet.“ Angel nickte nur und nahm das ohne weiteren Kommentar hin. Melody war geschwächt, daß sah Angel. Ihre Haut wurde blasser. Sie brauchte dringend Blut. Angel stand auf und öffnete seinen Kühlschrank. Er nahm einen Beutel Blut heraus und gab ihn Melody. „Trink das. Danach geht es dir besser.“ Ohne große Worte riß Melody den Beutel auf und trank das Blut. „Angel, ich ... kann nicht mehr erzählen. Es geht nicht.“ „Was du als Vampir getan hast, kann ich mir sehr gut vorstellen. Nur eine Frage hab ich noch.“ „Und die wäre?“ „Hast du nach deiner Verwandlung deine Familie getötet?“ Melody schluckte schwer. Sie stand auf und blickte Angel traurig an. Dann ging sie ins Schlafzimmer um sich ein wenig hinzulegen. Ihr Blick sagte mehr als tausend Worte. Ja, sie hatte es getan. Sie hatte ihre eigene Familie getötet - so wie er einst.
~ 5. ~ Cordelia öffnete die Tür zu Angels Büro. Sie bückte sich und hob die Zeitung und die Post auf. Seufzend ließ sie sich hinter ihrem Schreibtisch nieder und horchte den Anrufbeantworter ab. Keine Notfälle. Das gefiel ihr. Der Morgen begann sehr entspannt. Einen kurzen Augenblick sah Cordelia zum Lastenlift. Sie fragte sich wie Angel wohl mit dieser Vampirin klar kam. Aber sie würde sicher nicht hinunter gehen. Außerdem würde Angel dieser Mangel an Vertrauen stören. Cordelia begann die Post durchzuschauen. „Rechnungen, Rechnungen, Rechnungen“, stöhnte sie frustriert. „Morgen, Cordy“, sprach Gunn als er zusammen mit Wesley das Büro betrat. „Wie war die Vampirjagd gestern?“ „Okay, ich lebe - die Vampire sind tot. Also gutes Ergebnis für eine Nacht“, erklärte Gunn kurzangebunden. Cordelia nickte. „Was ist denn das?“ murmelte sie als sie einen großen, braunen Umschlag in die Hände bekam. „Wo hast du den her?“ „Lag bei der Post.“ Cordelia griff nach dem Brieföffner und öffnete den Umschlag. Heraus fielen ein paar Fotos. „Schaut euch das mal an“, sprach sie zu den Jungs und die Beiden kamen sofort an ihrem Schreibtisch. Die Fotos zeigten Melody mit einem Anwalt von Wolfram & Hart. Den Anwalt erkannten sie sofort. Es war zwar nicht Lindsey McDonald, aber dennoch hatten sie mit diesem Anwalt auch schon zu tun gehabt. Die Freunden blickten sich verwirrt an. „Was hat das zu bedeuten? Was hat Melody mit Wolfram & Hart zu tun?“ „Irgend etwas ist an dieser Sache faul“, murmelte Wesley. „Ich denke, wir sollten sofort Angel informieren.“ Gunn verstand und war schon auf den Weg nach unten. Die Tür zum Schlafzimmer war nur angelehnt. Unruhig warf sich Melody hin und her. Sie stöhnte leise im Schlaf. Verzweifelt versuchte sie ihre Träume zu verdrängen. Doch ihre Träume hatten sie heimgesucht - wie jedesmal, wenn sie schlief. Ihre Träume ließen nicht zu das sie einmal friedlich schlief. Nein, sie wurde gequält. Ihr Gewissen spiegelte sich in ihren Träumen wider; zeigte ihr, was sie getan hatte - welches Leid und welche Angst sie über die Menschen gebracht hatte. Ja, ihre Träume waren grausam zu ihr. ... Melody und Adriano blickten auf das junge Mädchen, das gefesselt in ihrem Haus lag. Das Mädchen war gerade einmal siebzehn Jahre alt. Und sie war sehr schön, darum hatte Adriano sie ausgesucht. Ihr Haar fiel ihr wellig die Schultern hinab und glänzte pechschwarz. Ihre grauen Augen waren weit aufgerissen und blickten die beiden Vampire ängstlich an. Sie wollte am liebsten schreien, doch das gelang ihr nicht. Sie war geknebelt worden. Die Menschen, die an dem Haus der Vampire vorbeigingen, würden niemals erfahren was hinter der Tür geschah. Melody kniete sich neben das Mädchen hin und strich ihr über das glänzende Haar. Panisch versuchte das Mädchen zurück zu weichen, doch es war ihr nicht möglich. Melody blickte Adriano zärtlich an. „Sie ist wirklich schön“, sprach sie. „Sie gefällt dir also?“ Melody nickte. „Ja, danke, Adriano.“ Melody erhob sich und küßte Adriano leidenschaftlich. „Alles Gute zum Geburtstag, Liebling“, sprach Adriano. „Sie gehört dir.“ „Nein, ich werde sie mit dir teilen.“ „Ich wußte, daß du das sagen würdest“, lachte Adriano. Die beiden Vampire ließen sich links und rechts neben dem Mädchen nieder. Melody registrierte ihre Angst und es gefiel ihr. Was war das auch schon für ein Opfer, wenn es keine Angst hatte? Das war langweilig. Doch dieses Mädchen hatte panische Angst. Sie wußte, daß sie sterben würde. Melody wußte, daß dies nicht ihre Hauptangst war. Das Mädchen hatte panische Angst davor was die Vampire alles mit ihr machen würden ... davor hatte sie eindeutig mehr Angst; vor dieser Ungewißheit. Aber die wird sie gleich verlieren, dachte die Vampirin zufrieden. Sie beugte sich über den Hals des Mädchens und stieß ihre Zähne tief in die Haut. Das warme Blut floß rasch ihre Kehle hinab und erfüllte Melody mit neuem Leben. Das Mädchen zappelte wild; wollte sich befreien; wollte nur noch weg. Adriano stieß seine Zähne in den Oberschenkel des Mädchens. Da verharrte sie ganz ruhig und gab sich ihrem Schicksal hin. Sie wußte, sie würde sterben. Voller Genuß tranken die Vampire von ihrem Blut ... „Nein!“ Melody fuhr aus dem Schlaf hoch. Im nächsten Moment befand sie sich in Angels beschützenden Armen. Sie sank in seine Arme und schluchzte laut auf. „Es wird alles wieder gut“, flüsterte Angel ihr ins Ohr. Er hatte Melody im Schlaf schreien gehört und war sofort ins Schlafzimmer geeilt. Ihr Alptraum mußte schrecklich gewesen sein. Beruhigend strich er ihr über das Haar und sprach tröstend auf sie ein. Melody klammerte sich an Angel. Tränen rieselten ihre Wangen hinab und tropften auf Angels Shirt. „Es ist okay. Du bist in Sicherheit, Melody“, flüsterte Angel. „Was habe ich nur getan?“ wisperte sie leise. Ihre Schultern zuckten als sie heftig zu schluchzen anfing. Angel ließ sie weinen; wußte, daß sie jetzt nur eines brauchte: Seinen Beistand. Gunn blickte durch die offen stehende Schlafzimmertür und sah die verfängliche Situation. Angel saß bei Melody auf dem Bett und hielt sie fest in seinen Armen. Er schien sie zu trösten. So unschuldig ist sie doch nicht wie ich dachte, ging es Gunn durch den Kopf. Sie schien falsch zu spielen. Was gab es sonst auch für eine andere Erklärung für diese Fotos? Ansonsten würde sie nichts mit Wolfram & Hart zu tun haben. Da stimmte etwas nicht. Der Vampirjäger klopfte an die offene Schlafzimmertür. Angel hob den Blick. „Hast du kurz Zeit? Wir müssen mit dir sprechen. Es ist wichtig.“ Angel nickte. „Ich komme gleich.“ Gunn nickte und ging wieder nach oben. Was hatte diese Vampirin vor? Langsam schlich sich ein ungutes Gefühl in Gunns Körper. Etwas stimmte da nicht. Das alles konnte kein Zufall sein. Angel schob Melody ein Stück von sich. „Geht es wieder?“ Sie nickte langsam. „Melody, ich muß kurz nach oben. Meine Leute müssen etwas mit mir besprechen. Kann ich dich ein paar Minuten allein lassen?“ „Natürlich. Ich bin ja nicht aus Porzellan. Du mußt wirklich nicht rund um die Uhr bei mir sein. Du hast deine Detektei und mußt dich um deine Arbeit kümmern.“ „Momentan besteht meine Arbeit daraus dir zu helfen. Ich bin in ein paar Minuten wieder da“, versprach er ihr. Er erhob sich und stieg die Stufen hinauf. Cordelia, Wesley und Gunn saßen mit versteinerten Mienen im Büro. Angel spürte es sofort. Etwas war geschehen. „Was ist los?“ fragte er. Cordelia reichte ihm die Fotos. „Das da ist dein Schützling“, sprach sie mit boshafter Stimme. „Und sie hat Kontakte zu Wolfram & Hart. Glaubst du jetzt noch immer, daß sie unschuldig ist?“ Angel betrachtete die Fotos. Sie zeigten Melody und den Anwalt Neil O’Connor im Gespräch. Tausend Gedanken schossen Angel sofort durch den Kopf. Das konnte einfach nicht wahr sein. Sie sollte für Wolfram & Hart arbeiten? Das konnte nicht sein. Sie hatte eine Seele. Er roch das Menschliche an ihr. Angel weigerte sich zu glauben, das Melodys Auftauchen nur ein weiterer mieser Trick von Wolfram & Hart war um ihn auszuschalten. Nein, daß glaubte er nicht. Er konnte es nicht glauben. Melody gehörte nicht zu diesen Leuten. „Wer hat die Fotos geschickt?“ „Keine Ahnung“, sprach Cordelia. „Ich weiß nur, daß da unten in deiner Wohnung eine Killerin von Wolfram & Hart sitzt. Sie ist in ihrem Auftrag hier. Und sobald der richtige Augenblick gekommen ist wird sie dich töten.“ Angel schüttelte verneinend den Kopf. „Nein, daß glaube ich nicht.“ „Was? Du hast die Fotos doch in der Hand. Das muß doch ein Beweis für dich sein“, rief Wesley empört. „Ist es nicht. Wir wissen nichts über diese Fotos. Melody arbeitet nicht für Wolfram & Hart.“ „Woher willst du das wissen? Du hast sie nie gefragt wie sie dich gefunden hat. Diese Fotos sprechen doch eine eindeutige Sprache“, rief Cordelia aufgebracht. „Sie hat eine Seele.“ „Sie spielt das Ganze nur“, widersprach Cordy. Angel verneinte kopfschüttelnd. „Ich kann das Menschliche an ihr riechen. Ich kann ihre Seele riechen. Sie hat diese Seele. Wie soll sie für Wolfram & Hart arbeiten, wenn sie eine Seele hat?“ „Vielleicht ...“, mischte sich Gunn vorsichtig ein. „Vielleicht was?“ erwiderte Angel gereizt. Das seine Freunde Melody verdächtigten für Wolfram & Hart zu arbeiten war das Letzte. Sie hatten die Vampirin doch gesehen. Melody war am Ende ihrer Kraft - körperlich wie seelisch. Melody hörte die lauten Stimmen von oben. Sie ahnte was der Grund war. Sie griff nach dem Telefon - das im Schlafzimmer stand - und wählte eine Nummer. Das Freizeichen ertönte drei Mal. Dann hob am anderen Ende der Leitung jemand ab. „Wolfram & Hart“, meldete sich die Empfangsdame. „Lindsey McDonald, bitte.“ „Einen Moment“, sprach die Dame und stellte Melody zum Juniorpartner von Wolfram & Hart durch. „Lindsey McDonald“, meldete sich der Anwalt. „Melody hier.“ „Melody, es wird Zeit. Ist unser Umschlag angekommen?“ fragte Lindsey. „Ja, sie haben ihn gerade erhalten und sie streiten gerade. Denken Sie, daß er mir glauben wird?“ „Natürlich. Wir haben ihm die perfekte Geschichte vor die Nase gesetzt - nämlich seine eigene Geschichte. Es wird klappen. Sie müssen nur glaubwürdig sein. Dann wird er Ihnen glauben, Melody. Ich bin mir sicher Sie schaffen das.“ „Danke für Ihr Vertrauen, Lindsey. Ich werde ihn schon überzeugen was die Sache mit den Fotos auf sich hat. Und ich werde dafür sorgen das er mir glaubt.“ Lindsey nickte, obwohl er wußte, das Melody es nicht sehen konnte. „Wir sind davon überzeugt das Sie es schaffen, Melody. Wie läuft die Vorbereitung?“ erkundigte er sich. „Verläuft sehr gut. Angel frißt mir bald aus der Hand. Dann kann die nächste Phase beginnen.“ „Er glaubt Ihnen also?“ fragte Lindsey neugierig nach. „Allerdings. Er glaubt tatsächlich, ich wäre so schutzlos und ich würde so leiden. Der Plan verläuft ganz so wie wir es wollen. Keine Sorge, ein paar Tage noch diese Mitleidstour und Angel frißt mir völlig aus der Hand“, sprach Melody zuversichtlich. „Der Umschlag kam zur richtigen Zeit. Wenn wir es schaffen Mißtrauen zwischen den Freunden zu säen, wird er mir leichter folgen.“ „Das war ja unsere Absicht.“ „Ich muß jetzt aufhören, sonst merken sie noch was“, sprach Melody und sie legte auf. Ein dämonisches Grinsen umspielte ihre Lippen. Schon bald würde Angel ihr folgen. Der Plan von Wolfram & Hart würde aufgehen. „Vielleicht hat sie wirklich ihre Seele“, sprach Gunn ruhig. „Aber es ist doch möglich das sie trotz Seele auf der Seite des Bösen steht. Sie wäre nicht das einzige Wesen, das trotz Seele für die Mächte der Finsternis arbeitet.“ „Nein, daß glaube ich nicht. Melody leidet wirklich. Sie ist hier weil sie meine Hilfe braucht“, widersprach Angel kopfschüttelnd. „Du bist so blind! Siehst du nicht, daß sie genau das damit erreichen will?“ warf Cordelia ihm vor. Angel richtete seine Augen auf sie und funkelte sie wütend an. „Das hier ist Zufall. Wir haben keine Ahnung was sie mit O’Connor zu tun hatte“, teilte Angel seinen Freunden mit. Er glaubte nicht daran das Melody etwas mit Wolfram & Hart zu tun hatte. Er wollte nicht daran glauben. „Oder zu tun hat“, sprach Cordelia bissig. „Nein, Melody ist unschuldig. Sie kam zu mir weil sie nach Hilfe gesucht hat. Diese Hilfe habe ich ihr gewährt.“ „Damit hast du ihr den Zutritt zu deinem Leben gewährt.“ „Ihr glaubt tatsächlich sie arbeitet für Wolfram & Hart?“ fragte Angel seine Freunde. „Ja“, antworteten alle drei gleichzeitig. Angel wandte ihnen den Rücken zu. „Wenn das so ist ... ihr wißt wo die Tür ist“, sprach er ernst. „Das ist nicht dein Ernst?“ rief Wesley. Angel drehte sich zu ihnen um. „Doch. Ich glaube Melody und ich vertraue ihr. Und als meine Freunde solltet ihr dieses Vertrauen auch in mich haben. Doch das habt ihr nicht. Glaubt ihr wirklich, ich habe eine so schlechte Menschenkenntnis?“ „Ja, wenn es um diese Frau da unten geht, schon“, rief Cordelia gereizt. „Du bist blind. Und weißt du warum? Weil ihre Geschichte wirkt. Sie erzählt dir das sie ihre Seele zurück bekommen hat. Sie erzählt dir deine Geschichte. Nur abgewandelt in ihrer Version; weil sie weiß, daß du darauf reagierst. Deine Geschichte wiederholt sich bei ihr und sie weiß genau, daß du darauf anspringst. Diese Vampirin hat dir den perfekten Köder hingeworfen und du hast angebissen. Du willst nicht sehen das sie dich belügt. Du willst nicht sehen das sie dich seit ihrem Erscheinen angelogen hat ... weil ihre Geschichte auch deine ist“, sprach Cordelia ernst. „Ich weiß was ich sehe“, erwiderte Angel. Er war nicht bereit zu glauben, daß Melody ein falsches Spiel mit ihm trieb. Im Entferntesten konnte und wollte er daran nicht glauben. „Und ich sehe in Melody ein Wesen, das meine Hilfe braucht - ob euch das gefällt oder nicht. Aber Melody bleibt hier. Sie braucht meine Hilfe. Sie lügt nicht. Dafür sind ihre Tränen zu echt“, sprach Angel und er ging die Stufen zu seiner Wohnung hinunter. Seine Freunden tauschten einen wissenden Blick miteinander. Melody arbeitete für Wolfram & Hart. Das war offensichtlich. Doch Angel glaubte ihnen nicht; er wollte diese schlichte Tatsache einfach nicht sehen. Was noch schlimmer war ... er stellte sich auf die Seite von Melody. Die Vampirin hatte ihn mit ihren hilflosen Erscheinen schon um den Finger gewickelt. Angel konnte die Wahrheit nicht mehr erkennen. Melody hatte ihn blind gemacht. Angels Freunde waren ratlos. Was sollten sie jetzt bloß tun?
~ 6. ~ Angel kam die Treppen hinunter. Melody saß am Küchentisch und strich sich ihr zerzaustes Haar zurück. Sie sah so hilflos und verzweifelt aus. Angel konnte sich einfach nicht vorstellen das es nicht so war; das sie die ganze Zeit gelogen hatte. Er schüttelte leicht den Kopf. Er glaubte ihr. Sein Blick fiel auf die Fotos, die er in der Hand hielt. Was hatte Melody mit einem Anwalt von Wolfram & Hart zu tun? Seine Augen wanderten zurück zu Melody. Die Vampirin seufzte schwer. Alles, was sie ihm erzählt hatte, konnte einfach nicht gelogen sein. Sie litt doch so deutlich unter dem was sie früher getan hatte. Nein, es war keine Lüge. Angel wollte nicht daran glauben. Es ging einfach nicht. Aber die Frage blieb was sie mit Wolfram & Hart zu tun hatte? Und es gab nur einen Weg das herauszufinden. Melody hörte seine Schritte und drehte sich zu ihm um. „Hast du mit deinen Freunden gestritten? Ich hab euch gehört“, meinte sie. „Was hast du gehört?“ „Nicht viel; nur ein paar Wortfetzen“, sprach Melody mit einen Schulterzucken. Angel setzte sich wortlos neben sie und warf die Fotos auf den Tisch. „Was ist das?“ „Sieh es dir an“, schlug er vor. Melody griff nach den Fotos und sah sich eines nach dem anderen an. „Arbeitest du für Wolfram & Hart?“ fragte Angel geradeheraus. Überrascht riß Melody die Augen auf. „Wer sind die? Wolfram & Hart? Ich habe noch nie von Ihnen gehört“, log Melody mit einen ahnungslosen Blick. „Willst du bestreiten das du diese Frau auf den Fotos bist?“ Melody schüttelte den Kopf. „Nein, daß bestreite ich nicht. Das bin ich, aber ...“ „Wieso triffst du dich mit Neil O’Connor? Er arbeitet für Wolfram & Hart. Melody, was hat das zu bedeuten? War dein Leid nur eine Lüge?“ Angel sah sie scharf an. Melody schüttelte den Kopf und warf die Fotos auf den Tisch. Hastig sprang sie auf. Sie sah ihm an, daß er sie verurteilte und ihr nicht mehr so recht glauben wollte. Die Fotos beunruhigten ihn. „Ich habe keine Ahnung wovon du sprichst, Angel!“ Angel sprang ebenfalls auf und packte Melody hart bei den Schultern. „Sieh mich an! Sieh mir in die Augen und sag mir, daß du mich nicht belogen hast; das du nichts mit Wolfram & Hart zu tun hast!“ forderte er energisch. Melody sah zu ihm auf. „Ich weiß nicht wer Wolfram & Hart sind! Ich hab noch nie von Ihnen gehört. Ich habe dich nicht belogen, Angel. Ich bin zu dir gekommen weil ich Hilfe brauchte. Aber wenn du mir mißtraust ... dann gehe ich besser.“ Melody riß sich von ihm los und ging ins Schlafzimmer. Sie griff nach ihrer Tasche und warf ihre Kleider hinein. Angel beobachtete sie. Sie war bereit zu gehen ... weil er ihr nicht vertraute; weil er ihr nicht glaubte. Sie war enttäuscht von seinen Verhalten, daß erkannte Angel. Und er fühlte sich deshalb mies. „Melody!“ Er folgte ihr ins Schlafzimmer. „Melody!“ Er griff nach ihrer Schulter, doch sie wies ihn ab. „Laß mich!“ Sie drehte sich zu Angel um und funkelte ihn an. „Seit zwei Jahren suche ich nach dir. Zwei Jahre habe ich gebraucht um dich zu finden. Ich bin zu dir gekommen weil ich deine Hilfe brauche; weil nur du meine Fragen beantworten kannst und nur du mir wirklich helfen kannst. Wieso mißtraust du mir plötzlich?“ „Tut mir leid. Aber ... dieser Kerl ist Anwalt bei Wolfram & Hart“, erklärte Angel zerknirscht. „Wer sind die?“ „Sie tarnen sich mit einer großen Anwaltskanzlei; arbeiten aber für die Mächte der Finsternis. Dämonen sind ihre Klienten. Sie nehmen die Hilfe von Dämonen in Anspruch, wenn es ihren Zwecken dient.“ „Du traust mir das zu?“ fragte Melody verzweifelt. Angel schüttelte verneinend den Kopf. „Nein. Ich traue dir das nicht zu. Ich glaube dir, Melody. Erzähl mir was du mit diesem Kerl zu tun hattest“, bat Angel. Melody ließ ihre Tasche sinken und setzte sich schwach aufs Bett. „Diese Fotos, die du da hast, sind ungefähr zwei Jahre alt. Ich traf diesen ...“ Melody suchte nach dem Namen. „... Neil O’Connor“, half Angel ihr auf die Sprünge. Sie nickte. „Ja, genau. Kurz nach meiner Verwandlung kam ich nach Los Angeles.“ „Du warst schon mal hier?“ „Ja. Aber ich bin wieder abgereist, nachdem meine Suche nach dir hier zu keinem Ergebnis führte. Damals traf ich auf O’Connor. Er sprach etwas davon das er für eine Anwaltskanzlei arbeitete und mir helfen könnte. Ich nahm sein Geschwätz nicht ernst weil nur du mir wirklich helfen könntest. Damals müssen diese Bilder entstanden sein. Das ist die ganze Geschichte. Mehr war da nicht. Er hat den Namen der Kanzlei nie genannt.“ Melody begegnete dem skeptischen Blick von Angel. Also setzte sie noch einen drauf. „Ich schwöre dir, Angel. Ich habe nichts mit diesen Kerlen zu tun. Ich bin hergekommen weil ich deine Hilfe brauche. Das ist der Grund warum ich dich aufgesucht habe. Du mußt mir das glauben. Nur bei dir kann ich zu mir selbst zurück finden.“ Angel nickte langsam. Er griff nach Melodys Hand und umschloß sie mit seinen Fingern. „Ich glaube dir“, sprach er aufrichtig. „Aber ... wer hätte einen Grund mir diese Fotos zu schicken?“ „Ich weiß es nicht. Vielleicht haben deine Freunde etwas damit zu tun.“ „Wie meinst du das?“ Melody seufzte schwer. Sie schien sich zu zieren; wollte ihm ihre Gedanken nicht mitteilen. „Melody?“ Fragend blickte er sie an. „Ich will dir keine Zweifel einreden und schon gar nicht will ich dir weh tun“, sprach sie zögernd. „Woran denkst du?“ fragte Angel nur. „Es ... könnte doch sein, daß deine Freunde an diese Fotos gekommen sind. Irgendwer hat mich damals mit diesem Anwalt fotografiert. Deine Freunde waren sehr mißtrauisch als ich herkam. Sie waren teilweise sogar dagegen das ich hier bei dir einziehe. Sie waren dagegen das du mir hilfst“, sprach sie ernst. „Vielleicht haben sie in meiner Vergangenheit herum geforscht und von dieser Begegnung mit dem Anwalt von ...“ „Wolfram & Hart“, half Angel ihr. „... Von Wolfram & Hart erfahren. Vielleicht sind sie so an diese Fotos gekommen. Damit du Zweifel an meiner Ehrlichkeit und meiner Geschichte bekommst; damit du einen guten Grund hast mich zu vernichten. Sie waren dagegen das du mir hilfst, Angel.“ „Sie sind meine Freunde“, widersprach er leise. Er stand auf und stützte sich mit einer Hand an der Tür ab. „Angel“, sprach Melody und stand auf. „Sie mögen deine Freunde sein, aber sie werden dein Leben nie ganz verstehen. Du bist ein Vampir. Vielleicht vertrauen sie dir nicht genug.“ Jetzt hatte Melody ihn da wo sie ihn haben wollte. Das Stichwort war Vertrauen. Und genau da traf sie ihn auch. Sie sah das er Zweifel bekam. Zweifel schlichen sich in ihm ein. Er fing an, an der Ehrlichkeit seiner Freunde zu zweifeln. Genau das war ihr Ziel. Er mußte anfangen seinen Freunden zu mißtrauen. Dann würde er sich von ihnen entfernen und genau das wollte sie erreichen. „Angel?“ Er drehte sich zu ihr um. „Es ist okay, Melody. Entschuldige, daß ich dich so angeblafft habe. Aber ... die Situation war offensichtlich.“ „Schon gut.“ Melody lächelte zart. Angel strich ihr eine Haarsträhne zur Seite. „Ich glaube dir. Ehrlich, ich glaube dir, Melody. Vergiß meinen Verdacht einfach.“ Angel verließ das Schlafzimmer. Melody blickte ihm nach: Siegessicher.
~ 7. ~ Angel streunte durch die dunkle Nacht. Die Worte von Melody ließen ihn nicht mehr zur Ruhe kommen. Konnte sie recht haben? Wollten seine Freunde Melody so dringend loswerden das sie zu so einen miesen Trick griffen? Das konnte er sich einfach nicht vorstellen. Er schüttelte langsam den Kopf. Seine Freunde würden das niemals tun. Er konnte sich das jedenfalls nicht vorstellen. Doch wenn er seinen Freunden so vertraute ... warum bekam er dann Zweifel? Er zweifelte nicht an Melodys Geschichte. Er glaubte ihr. Ihre Tränen waren einfach zu echt. Die waren nicht gespielt, niemals. Er hatte ihre Tränen gesehen. Sie konnte nicht so gut schauspielern. Das waren echte Tränen gewesen und deshalb glaubte er ihr. Er vertraute Melody. Doch irgend jemand spielte ein falsches Spiel mit ihm. Aber wer? Wer belog ihn? Welche Geschichte stimmte nicht? In Gedanken versunken ging Angel einfach weiter durch Los Angeles. Melody nutzte die Gunst der Stunde und informierte Wolfram & Hart um einen weiteren Schritt in ihren Plan durchzuführen. Sie war allein und das war eine gute Möglichkeit um Angels Wohnung ungestört verkabeln zu können. Die Vampirin saß oben in Angels Büro und wartete auf die Leute von Wolfram & Hart. Ein Schatten tauchte vor der Tür auf und Melody öffnete. Vor ihr stand ihr Kontaktmann zu Wolfram & Hart - Lindsey McDonald. Er überwachte das ganze Projekt. Hinter ihm standen zwei Männer, die jeweils einen Karton in ihren Händen trugen. Lindsey lächelte die Vampirin freundlich an. Melody ließ die Männer eintreten und führte sie hinunter in Angels Wohnung. Die Männer stellten die beiden Kartons auf den Küchentisch und holten den Inhalt heraus. „Angel soll die Kameras nicht bemerken. Also versteckt sie ... und positioniert sie gut. Wir wollen ordentliche Bilder“, orderte Lindsey an. Die beiden Männer nickten und begangen wortlos mit ihrer Arbeit. Lindsey wandte sich an die Vampirin. „Und? Wie geht es voran?“ erkundigte sich Lindsey. Melody lächelte leicht. „Ich bin zufrieden. Angel ist so leicht zu durchschauen. Er glaubt mir. Und ich hab in ihm den ersten Zweifel geweckt. Bald wird er sich von seinen Freunden abwenden“, versprach Melody ihrem Geschäftspartner. Melody lehnte am Küchentisch und sah zu wie einer der Männer auf einen Stuhl stieg und eine Kamera installierte. Der Andere installierte in der Zwischenzeit zwei Kameras in Angels Schlafzimmer. „Was halten Sie von Angel, Melody?“ fragte Lindsey und er blickte die Vampirin neugierig an. Über Melodys Lippen huschte ein Lächeln. Lindsey nickte wissend. Sie mochte den Gegenspieler von Wolfram & Hart. Das überraschte ihn gar nicht. „Ich mag Angel“, gestand sie offenherzig. „Doch leider steht er momentan noch auf der falschen Seite. Aber das werde ich schon ändern.“ „Und welchen Eindruck macht er auf Sie?“ Melody lächelte leicht. „Er ist sehr nett. Und er kümmert sich wirklich rührend um mich. Ich mag Angel sehr. In dieser kurzen Zeit habe ich ihn schon sehr ins Herz geschlossen, obwohl mein Herz ja nicht mehr schlägt.“ Lindsey lachte leise. Es war gut, wenn Melody Angel mochte. Dadurch war die ganze Sache einfacher. Der Mann, der die Kameras im Schlafzimmer installiert hatte, kam heraus. „Die Kameras im Schlafzimmer sind okay, Mr. McDonald. Er wird sie nicht entdecken. Alles ist perfekt.“ „Gut! Verkabelt das Wohnzimmer hier noch und dann das Büro. Wir wollen auch wissen was da oben getratscht wird.“ „Sehr wohl, Mr. McDonald“, sprach der Mann. Während sein Kollege das Wohnzimmer mit Kameras ausstattete ging der Andere nach oben und verkabelte das Büro. „Wie hat er auf die Fotos reagiert?“ fragte Lindsey. „Er war natürlich geschockt, aber er hat mir geglaubt. Und ich hab die Saat des Mißtrauens in ihm gepflanzt. Er fängt an sich gegen seine Freunde zu stellen, so sieht es aus. Man muß die nächsten Tage abwarten. Aber ich glaube, ich kann Angel für mich gewinnen. Er glaubt und vertraut mir. Und das ist der Grundstein für unseren Plan.“ „Das ist gut“, meinte Lindsey. Die beiden Männer kamen zu Lindsey und erklärten das alle Kameras an ihrem Platz waren. Lindsey öffnete seine Tasche und holte einen Laptop heraus. Er fuhr den Computer hoch und schaute, ob die Kameras auch funktionierten. Auf dem Bildschirm tauchte das Bild von Angels Schlafzimmer auf. Lindsey drückte auf eine Taste und er sah Melody und sich auf dem Bildschirm. Dann kontrollierte Lindsey noch die Kameras in Angels Büro. Alles war okay. Die Kameras waren gut versteckt. Niemand würde sie entdecken und Wolfram & Hart konnte kontrollieren was Angel und seine Freunde trieben. Doch vor allem konnten sie kontrollieren wie ihr Plan voranging. „Alles okay. Er wird die Kameras nicht bemerken und wir können ihn beobachten ohne das er auch nur etwas ahnt. Melody, versuchen Sie, die Kameras zu ignorieren. Sehen Sie nicht bewußt hinein. Dann merkt Angel noch etwas.“ „Keine Sorge! Das ist kein Problem. Ich werde die Kameras einfach ignorieren. Erhofft sich Wolfram & Hart so gewisse Informationen zu erhalten?“ „Ja. Aber wichtig ist ... das wir Angel beobachten können. Sie melden sich?“ Melody nickte. „Ich werde anrufen. Und Sie sollten jetzt besser gehen. Angel wird bald zurückkommen.“ Lindsey packte seinen Laptop wieder ein und verabschiedete sich von Melody. Gemeinsam mit seinen Männern verließ er Angels Büro. Melody schloß die Tür wieder hinter sich zu. Sie schaltete im Büro das Licht aus und ging hinunter in die Wohnung. Aus Angels Kühlschrank nahm sie einen Beutel Blut und riß ihn auf. „Ich hasse totes Blut“, sprach sie angewidert. Doch frisches Blut war momentan einfach nicht. So mußte sie sich mit dem begnügen was Angel da hatte und was er trank. Hastig trank sie das tote Blut hinunter. Als Vampirin brauchte sie einfach Blut um zu leben; um ein Leben als Untote führen zu können. Melody ging unter die Dusche. Sie fühlte sich unwohl. Während das Wasser in Angels Dusche rann, kam er nach Hause. Der Lastenlift fuhr nach unten. Angel schob das Gitter zurück und betrat die Wohnung. „Melody?“ Er bekam keine Antwort. Doch er hörte die Dusche. Sie war also unter der Dusche. Seufzend zog Angel seinen Mantel aus und warf ihn auf das Sofa. Dann setzte er sich an den Küchentisch. Wenig später kam Melody – in einen warmen Bademantel gehüllt – in die Küche. Sie trug ein Handtuch um ihre Haare. „Angel, du bist wieder da. Ich hab dich nicht kommen gehört“, sprach sie und setzte sich auf einen Stuhl. „Wo warst du? Nicht, das es mich etwas angeht, aber ...“ „Ich mußte nachdenken“, erwiderte Angel knapp. „Glaubst du mir etwa noch immer nicht? Angel, ich wußte nichts von Wolfram & Hart bevor du mir etwas von diesen Anwälten erzählt hast“, sprach Melody. „Ich glaube dir. Es ist nur ... meine Freunde ... ich kann mir einfach nicht vorstellen das sie mich so dermaßen anlügen. Aber andererseits hast du recht.“ „Womit?“ fragte Melody unschuldig. „Das meine Freunde mich niemals ganz verstehen werden; das sie mein Leben nicht verstehen können. Niemand kann das“, sprach Angel nieder geschlagen und fuhr sich durchs Haar. Melody griff über den Tisch und legte ihre Finger um sein Handgelenk. Angel sah auf und blickte in Melodys Augen. Sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. „Du bist nicht allein; nicht mehr. Ich verstehe dich. Hast du das schon vergessen, Angel? Ich bin wie du. Ich hab dasselbe Schicksal erlitten wie du.“ „Stimmt“, pflichtete Angel ihr bei. „Wie fühlst du dich?“ wechselte er das Thema. „Ganz gut. Meine Erinnerungen haben mich in den letzten Stunden nicht so schlimm eingeholt wie die Tage zuvor.“ „Es kommt noch schlimmer, glaub mir, Melody“, sprach Angel. „Ich weiß das aus eigener Erfahrung.“ „Ich weiß. Und wenn es soweit ist, werde ich sicher jemanden brauchen, der mir beisteht.“ „Du weißt, ich bin für dich da. Deshalb hab ich dich hier aufgenommen.“ „Glaubst du, ich kriege das wirklich hin?“ fragte Melody zweifelnd. Angel lächelte sanft. „Natürlich. Du bist stark. Wenn du das Schlimmste erst einmal überstanden hast ... bist du stärker als zuvor. Dann kannst du entscheiden welchen Weg du gehen willst.“ „Ich habe nicht vor den selben Weg wie du zu gehen“, sprach Melody. „Wir sind Vampire, Angel. Wir sind geboren worden um Menschen zu töten. Ich will diese Seele nicht. Ich will mein altes Leben zurück.“ Angel sah sie wissend an. „Ich verlange von dir nicht mit mir zu kämpfen. Es ist deine Entscheidung welchen Weg du gehen willst. Ich zwinge dich zu nichts. Wenn du meinst, den Menschen deine Hilfe verweigern zu wollen, dann tue es.“ Melody stand auf. „Ich weiß, das du willst, ich kämpfe mit dir. Aber, Angel, ich kann das nicht! Das bin nicht ich! Das bin ich nicht als Vampirin, verstehst du? Ich kann diesen Weg nicht gehen.“ Angel nickte langsam. „Ich gehe jetzt ins Bad und ziehe mich an. Außerdem muß ich meine Haare noch trocken fönen.“ „Geh nur“, murmelte Angel. Melody warf ihm noch einen Blick zu und verschwand dann im Badezimmer. Sie lächelte triumphierend. Das Angel so sehr an ihre Unschuld glaubte, war ja schon richtig süß. Es war gut das Wolfram & Hart ihn nicht töten wollten. Es war Melody nur recht, daß sie ihn böse sehen wollten. Denn – wenn Melody ehrlich zu sich selbst war – sie mochte Angel und wollte nicht mehr das er starb. Auf irgendeine verrückte Art und Weise hatte sie ihn schon tief in ihr Herz geschlossen. Und irgendwie genoß sie die Zeit bei ihm; ihr Ziel immer verfolgend. Gemeinsam mit Angel würde sie das grausamste Killerpärchen von Wolfram & Hart abgeben; dann wenn es endlich soweit war.
~ 8. ~ „Ich sage euch, er ist verrückt. Wenn es um Melody geht ... kann Angel nicht mehr rational denken“, meinte Cordelia kopfschüttelnd. Sie saßen in Wesleys Wohnung zusammen und berieten sich wie es weitergehen sollte. „Wir müssen ihm beweisen, daß Melody nicht das ist was sie vorgibt zu sein.“ „Und wie erklärt ihr euch das Angel das Menschliche an ihr riecht? Das sie unter ihren Erinnerungen wirklich leidet?“ mischte sich Gunn ein. „Vielleicht haben Wolfram & Hart sie mit einen Zauberspruch verhext; mit einer menschlichen Aura oder so.“ „Das können wir rauskriegen“, sprach Wesley und griff nach einen Buch. „Es gibt einen Zauberspruch, der das herausfindet.“ „Wirklich?“ „Ja. Wenn wir sie mit diesem Zauberspruch belegen, muß die menschliche Aura sichtbar werden. Und wenn sie sichtbar wird, ist es ein eindeutiger Beweis dafür, das ihre Seele nicht echt ist.“ „Das sie nur die menschliche Aura hat“, meinte Cordelia. „Richtig“, bestätigte Wesley und er nickte zustimmend. „Dann machen wir uns an die Arbeit“, sprach Cordy sofort. Sie traute der Vampirin nicht und sie wollte diese Frau so schnell wie möglich aus Angels Wohnung weghaben. Sie wollte, daß die Vampirin aus Angels Leben verschwand. Melodys Gesellschaft war nicht gut für Angel. Sie zog Angel auf die Seite des Bösen – auch wenn dieser dies bestritt. Melody saß vor dem Fernseher und schaltete wahllos zwischen den Programmen hin und her. Sie langweilte sich. Für einen kurzen Moment glitt ihr Blick zu einer der versteckten Kameras. Sie seufzte und schaltete den Fernseher aus. „Angel?“ Melody stieg die Stufen hinauf und betrat sein Büro. Seine Freunde waren da. Das Mädchen – Cordelia – bedachte sie mit einen eisigen Blick. Man konnte Angels Freunden ansehen das sie ihr nicht trauten. Doch das interessierte Melody nicht. Wichtig war nur das sie Mißtrauen zwischen Angel und seinen Freunden brachte. Denn, wenn sich Angel erst von seinen Freunden abgewandt hatte, war der Rest ihres Auftrages ein Kinderspiel. Melody lächelte ihnen kurz zu und betrat Angels Büro. Er sah auf. „Ich langweile mich“, sprach sie sofort. „Das kann ich verstehen, aber ...“ „Laß uns heute Abend doch ausgehen, Angel.“ „Was?“ „Ich muß mal wieder raus. Ich brauche frische Luft.“ „Melody, du bist hier keine Gefangene.“ „Ich weiß, aber ... allein will ich nicht ausgehen. Laß uns gemeinsam gehen.“ „Okay, heute Abend“, versprach Angel ihr. „Danke“, flüsterte Melody und ließ ihn allein im Büro zurück. „Ich traue ihr einfach nicht“, sprach Cordelia leise. „Nicht nur du. Ich bin mir sicher, da steckt mehr dahinter.“ „Wesley, wie weit bist du mit dem Zauberspruch?“ „Der ist heute noch fertig. Wir müssen das tun wenn Angel nicht da ist.“ „Das weiß ich selbst. Angel wird uns sowieso nichts glauben, was wir ihm sagen, wenn er uns dabei erwischt.“ „Eben“, bestätigte der ehemalige Wächter. „Leute, wir kriegen das schon hin. Nur müssen wir uns beeilen. Je länger sie bei Angel bleibt, desto mehr Vertrauen bringt er ihr entgegen“, mischte sich Gunn ein. „Du sagst es. Wir werden sie enttarnen“, versprach Wesley den anderen. Cordelia und Gunn nickten. Sie hofften, das es wirklich so war. Die Vampirin war Angel schon viel zu nahe gekommen. Sie mußten endlich etwas gegen Melody unternehmen. Ansonsten würde ein Unglück passieren – das wußten sie alle. Als die Sonne unterging, ging Angel mit Melody aus. Melody behaarte darauf tanzen zu gehen und Angel gab nach. Angel suchte mit ihr den angesagten Club „Sunset“ auf. Jedenfalls hatte Cordelia mal erwähnt das der Club sehr angesagt sei. Nun saß Angel an der Bar und sah seinen Schützling beim tanzen zu. Melody war eine sehr verführerische Frau. Und dessen war sich die Vampirin auch bewußt. Ihr langes blondes Haar fiel wie ein goldener Schleier ihre Schultern hinab. Sie trug ein kurzes, dunkelrotes Kleid. Das Kleid reichte bis zu ihren Knien und schlug am Ende wellig aus. Die Träger waren im Rücken gekreuzt. Ja, sie war sich ihrer Schönheit sehr wohl bewußt. Angel schüttelte den Kopf. Er seufzte schwermütig. Er konnte sich einfach nicht vorstellen das sie ihn so dermaßen belog. Nein, ihr Schmerz war echt. Sie hatte diese Seele. Ihre Geschichte war glaubwürdig. Seine Freunde irrten sich. Es mußte einfach so sein. Melody belog ihn nicht. Sie war zu ihm gekommen weil sie nach Antworten suchte; weil sie Hilfe brauchte. Angel war sich sicher: Es waren seine Freunde, die sich täuschten. Melody jedoch hatte nichts mit Wolfram & Hart gemein. Sie arbeitete nicht für die Anwaltskanzlei. Melody warf Angel einen Blick zu. Man konnte in seinen Gesicht lesen woran er dachte. Er fragte sich von welcher Seite er belogen wurde. Melody schenkte ihm ein Lächeln. Er glaubte ihr. Und er würde sie notfalls auch vor seinen Freunden verteidigen um seine Position klar zu machen. Sie war auf den richtigen Weg. Melody würde ihren Auftrag erfüllen. Und wenn es soweit war ... dann war sie auch etwas eigennützig und egoistisch. Denn Angel war der Einzige, der sie von ihrer Seele erlösen konnte. Nur er konnte sie befreien. Die Musik endete und der DJ machte eine Pause. Melody kam von der Tanzfläche und nahm auf den Hocker neben Angel Platz. „Du tanzt gerne“, stellte er fest. Melody nickte und schenkte ihm ein Lächeln. „Allerdings. Wenn ich denke, bei meiner Verwandlung war das hier noch ein Traum. Ich liebe diese Welt“, sprach sie. „Was ist mit dir?“ „Ich kann an dieser Technomusik nichts finden.“ „Verstehe. Angel, darf ich dich etwas fragen?“ „Natürlich.“ Melody wurde wieder ernst; die Freude verschwand aus ihrem Gesicht. „Wie soll ich jemals damit leben? Wie soll ich mit diese Seele leben können, wenn ich nur den einen Wunsch habe so zu sein wie meine Artgenossen? Ich sehne mich nach meinen alten Leben zurück. Ich will wieder so kalt sein wie einst. Ist das normal?“ Angel nickte. „Dieser Wunsch ist normal. Ohne Seele empfindest du keine Qualen. Du führst die Qualen aus; läßt deine Opfer leiden. Es wird lange dauern bis du dein jetziges Leben akzeptiert und deinen Wunsch aufgegeben hast.“ „Kann ich trotzdem das Leben genießen?“ „Sicher. Es spricht nichts dagegen, wenn du dich ein wenig amüsierst. Das lenkt dich ab“, sprach Angel lächelnd. Melody erwiderte sein Lächeln. In diesem Moment legte der DJ ein langsames Stück auf. „Laß uns tanzen“, bat Melody. „Oh ... nein“, widersprach Angel. Doch Melody ignorierte seinen Widerstand einfach und zog ihn auf die Tanzfläche. Angel fühlte sich ziemlich unwohl als er Melody zögernd in die Arme nahm. Die Musik war ihm zu langsam; verlieh dem ganzen einen viel zu intimen Moment, den er mit Melody lieber nicht haben sollte. Doch als Melody ihren Kopf auf seine Schulter legte und sich an ihn schmiegte, wollte er gar keinen Rückzieher mehr machen. Es war ein angenehmes Gefühl mal wieder eine Frau in den Armen zu halten. Angel schlang seine Arme um ihren Körper und atmete den frischen Duft ihrer Haare ein. Er schloß die Augen als sie sich zum Rhythmus der langsamen Musik bewegten. In Angels Körper machte sich ein warmes Gefühl breit. Dieses Gefühl hatte er schon einige Zeit nicht mehr erlebt. Und es erinnerte ihn an einen Menschen, dem er einst sehr nahe gewesen war: Buffy. Angel seufzte leise und schüttelte den Kopf. Seine Liebe zu Buffy war vorbei. Sie lebten nun in zwei verschiedenen Welten. Und es war auch richtig so, daß es so war. Sie hatten beide die Konsequenzen ihrer Beziehung tragen müssen. Sie waren getrennt. Sie mußten ihren Weg alleine gehen. Buffy hatte sich neu verliebt; hatte einen neuen Freund und lebte die Dinge aus, die für ihn fatale Folgen hatten. Doch das bedeutete nicht, daß er sich nicht nach dem sehnte was für jeden Menschen normal war. Angel sehnte sich nach Liebe und Geborgenheit. Er wollte irgendwann sein lang ersehntes Glück erleben. Jedoch wußte Angel: Es war niemals möglich. Die Folgen für dieses Glück waren einfach zu katastrophal. Und das konnte er nicht zulassen. Der Song endete und der DJ legte wieder eine schnelle Nummer auf. Angel und Melody blickten sich stumm in die Augen. Angel wurde klar, daß sie ihm sehr wohl gefährlich werden konnte. Doch es war ihr weiblicher Charme, der ihn zu verführen drohte. Sie gefiel ihm sehr und gleichzeitig hatte er noch das Gefühl sie beschützen zu müssen. Es war eine gefährliche Mischung, daß wußte er. Doch er mußte ihr helfen und er würde ihr beistehen. Egal, wie sehr er sich von ihr auch angezogen fühlte. „Cordy, bist du sicher?“ fragte Wesley als sie Angels Büro betrat. „Natürlich bin ich mir sicher. Dieses Weibsstück will Angel wieder zum Bösen machen. Wir müssen etwas unternehmen, verstehst du? Und wir müssen sie trennen. Sie ist nicht allein. Angel ist ständig bei ihr. Also, müssen wir zu einer List greifen um die Beiden zu trennen, damit wir den Zauberspruch durchführen können.“ „Du hast ja recht“, erwiderte Wesley nickend. Cordelia griff zum Telefon und wählte Angels Handynummer. Im Club schrillte Angels Handy los. „Entschuldige mich“, sprach er an Melody gewandt und er verzog sich in eine ruhigere Ecke. „Ja?“ „Hier ist Cordy. Hör mal, Angel, wir haben ein Problem!“ „Was ist los?“ „Gunn ist auf den Weg eine Horde von Dämonen allein fertig zu machen. Wir sind der Meinung, er schafft das nicht allein. Er ist schon wieder auf seinen selbstzerstörerischen Trip.“ „Ich hab verstanden. Wo findet die Show statt?“ Cordelia gab ihm eine Adresse durch und legte auf. Triumphierend sah sie Wesley und Gunn an. „Er hat angebissen“, sprach sie. Jetzt mußten sie nur noch darauf warten das Melody nach Hause kam. Und sie würde kommen; schließlich amüsierte sie sich ohne Angel nicht gerne, wie es schien. „Ist etwas passiert?“ fragte Melody. „Ich muß los. Gunn steckt in Schwierigkeiten, so wie es scheint. Ich muß ihm helfen.“ Melody nickte. „Ich verstehe. Dann mußt du wohl los.“ „Du kannst noch bleiben.“ „Ich werde dann auch gehen. Ohne dich macht es keinen Spaß“, erklärte Melody ihm lächelnd. „Wir sehen ... uns dann in meiner Wohnung.“ „Ja.“ Angel zog seine Jacke an und verließ hastig den Club. |