Title: Die Jägerin und ihr Vampir, Teil 2 – Die Veränderung
Author: Tegan

Fandom: Buffy – The Vampire Slayer
Rating: NC-17
Category: Love, Schmerz, Drama
Characters, Pairing: Der Buffy-Cast, Angel / Sarah

Summary: Mit Spike und Drusilla kehren zwei schwere Gegner zurück um sich an der Jägerin zu rächen. Eine einzige Nacht verändert für immer Sarahs Leben und macht ihren schlimmsten Alptraum wahr ...

Disclaimer: Die Charaktere von Buffy gehören nicht mir, sondern Joss Whedon und anderen. Diese Story ist FanFiction mit der weder Geld verdient, noch Rechte verletzt werden sollen. Ich schreibe sie nur zu meinen Vergnügen.


Die Jägerin und ihr Vampir, Teil 2 - Die Veränderung
written by Tegan
© 2000

In jeder Generation gibt es nur eine Jägerin. Sie muß sich gegen Vampire und die Dämonen der Finsternis stellen. Sie allein ist auserwählt. Sie muß bereit sein, ihr Leben für die Menschheit zu opfern. Stirbt sie, tritt die nächste Jägerin an ihre Stelle ...

~ 1. ~

Es waren schon Wochen vergangen seit Sarah Spike und Drusilla bekämpft hatte. Doch Angel wußte, daß es noch nicht vorbei war. Sie waren noch am Leben. Er spürte es. Es war noch nicht vorbei. Und jetzt, wo sie eine so bittere Niederlage eingesteckt hatten, war ihr Zorn unbegrenzt. Jetzt wollten sie Rache nehmen; grenzenlose und blutige Rache - Rache an der Jägerin. Nur ich werde das zu verhindern wissen, dachte Angel betrübt. Nein, ich sollte nicht an sowas denken. Sarah hat die Gefahr erfolgreich erledigt und vielleicht sind sie wirklich tot. Doch er bezweifelte es. Er kannte die Beiden; in und auswendig und genau aus diesem Grund wußte Angel das sie noch am Leben waren.

Angel war alleine unterwegs. Sarah war zu Hause in ihren Bett. Er hatte sie gebeten eine Nacht richtig auszuschlafen. In letzter Zeit schlief sie so unruhig. Angel hatte es bemerkt. Sie sagte es ihm nicht. Sarah wollte ihn nicht beunruhigen. Doch Angel sah es; erkannte es an den dunklen Ringen unter ihren Augen, die sie verzweifelt versuchte mit Make-up zu verstecken. Jeder andere sah es nicht. Niemand bemerkte, daß sie sehr schlecht schlief. Doch er merkte es. Ja, sie lag zu Hause in ihren Bett und schlief tief und fest. Und sie träumte.

Sarah wanderte über den Flur in Moms Haus. Was sie nicht wußte war ... das Drusilla ihr folgte. Still und lautlos; wie ein Raubtier. Die Jägerin blickte an sich hinunter. Noch immer trug sie ihren Pyjama; ihren graufarbenen Pyjama mit dem Blumenmuster. Sarah öffnete eine Tür und fand sich im Bronze wider. Was macht das Bronze auf einmal im Badezimmer? dachte sie. Sarah trat ein.

Die Leute lachten und tanzten; genossen den Abend im Bronze. Und da war Willow. Sarah blinzelte und sah zwei Mal hin. Vor Willow stand eine Tasse Cappucino. Und neben ihr saß ein Affe. Willow redete mit dem Tier und schien sich köstlich zu amüsieren. Als sie ihre Freundin sah winkte sie ihr fröhlich zu. Sarah blickte sie skeptisch an und winkte vorsichtig zurück. Dann ging sie weiter.

Sie traf ihre Mutter. Was macht Mom im Bronze? fragte sich Sarah verwundert. Ihre Mutter trank wie Willow auch einen Cappucino. „Fühlst du dich dafür schon bereit?“ fragte sie ihre Tochter und sie sah sie ernst an. „Was?“ Sarah war überrascht. Was bedeutete diese Frage? Was meinte ihre Mutter damit?

Joyce Summers lächelte ihre Tochter verständnisvoll an. Ein lautes Klirren übertönte den Lärm im Bronze. Sarah sah auf den Boden. Ihrer Mutter war der Teller ihrer Tasse aus der Hand geglitten. Laut war er am Boden zersprungen. Sarah verstand den Sinn nicht. Den Sinn hinter den Worten ihrer Mutter. Wofür sollte sie sich bereit fühlen? Joyce drehte sich um und verschwand in der Menge. Sarah sah ihrer Mutter verwirrt nach.

Und dann wanderte ihr Blick zu ihm: Angel. Er war auch da. Sarah lächelte glücklich. Er stand einige Meter von ihr entfernt. Hinter ihm spielten einige Jungs Billard. Angel lächelte. Er lächelte sie mit all seiner tiefen innigen Liebe an. Sarah ging zu ihm und erwiderte sein Lächeln. Er konnte so schön lächeln; so traumhaft schön. Sie fühlte wie ihre Liebe zu ihm überschwappte. Sie liebte ihn so sehr. Angel, du bist mein Leben, dachte sie voller Zärtlichkeit. Wie konnte ich nur ohne dich leben? Ihr Herz schlug nur für ihn. Er hatte ihren skurrilen Leben als Auserwählte erst einen Sinn gegeben. Er hatte ihr Halt gegeben. Sie wußte, er liebte sie. Und diese Gewißheit war so schön. Sarah strahlte über das ganze Gesicht während sie auf Angel zuging.

Doch dann veränderte sich ihr Blick. Entsetzen machte sich in ihren Gesicht breit. Sie sah Drusilla, die hinter Angel aufgetaucht war. Sarah sah was die Vampirin in der Hand hielt: Einen Holzpflock. Sie lächelte kalt und stieß zu. Der Holzpflock fuhr - mit der Spitze voran - in Angels Rücken und traf genau sein Herz. „Nein“, schrie Sarah verzweifelt. Sie sah wie Angel aufstöhnte.

„Angel, nein!“ Sarah streckte ihm ihre Hand entgegen. Sie wollte ihn festhalten; verhindern das er sie verließ. Angel lächelte schwach. „Sarah“, stöhnte er. „Angel, bitte nicht. Nein!“ Aber es war zu spät. Sarah erreichte seine Hand nicht, die er ihr entgegen streckte. Er zerfiel vor ihren Augen zu Asche. Drusilla baute sich vor der Jägerin auf und grinste dämonisch. „Hallo Jägerin! Ich lebe noch“ ...

Sarah fuhr mit einen lauten Schrei aus dem Bett hoch. Kerzengerade saß sie da und blickte sich panisch um. Sie hatte geträumt. Es war nur ein Traum, versuchte sie sich einzureden. Nur ein Traum. Da ging die Tür auf und ihre Mutter kam herein. „Sarah, ist alles in Ordnung?“ fragte sie besorgt. Sarah blickte ihre Mutter an. „Was?“ „Ich hab gehört das du geschrien hast. Was ist los?“ „Ich ... hab nur ... schlecht geträumt“, erwiderte Sarah und schlug die Bettdecke zurück. „Sarah?“ Die Jägerin begegnete den fragenden Blick ihrer Mutter. „War nur ein schlechter Traum“, beruhigte Sarah ihre Mutter.

Doch sie wußte das es mehr als das war. Ihre Träume waren immer ein Omen; deuteten immer auf etwas hin was in baldiger Zukunft geschehen würde. Sarah geriet in Panik. Angel, er war in großer Gefahr. Sie bemerkte nicht wie ihre Mutter das Zimmer verließ und in die Küche ging um Frühstück zu machen. Sarah ging hastig ins Badezimmer und machte sich frisch. Für eine Dusche hatte sie jetzt keine Zeit. Sie mußte verhindern das ihr Traum Wirklichkeit wurde. Sarah zog sich an, band ihre Haare flüchtig zusammen und raste aus dem Haus. Mein Gott, Angel, dachte sie. Hoffentlich ging es ihm gut.

„Angel!“ rief eine Stimme. Der Vampir öffnete verschlafen die Augen. Diese Stimme kannte er doch. „Angel, wenn du da bist mache die Tür auf.“ Das war Sarahs Stimme. Angel blickte auf die Standuhr, die in seinen Schlafzimmer stand. Um diese Zeit? So früh? „Angel, bitte mach die Tür auf.“ Ihre Stimme klang ängstlich. Panik tauchte darin auf. Es mußte etwas passiert sein. Der Vampir stand auf und zog sich seine Hose an. Dann trottete er verschlafen zur Tür. „Angel, mach auf!“ „Ja, schon gut. Ich komme schon.“ Er freute sich das sie ihn besuchte, aber sie klang völlig panisch. Was war passiert?

Er öffnete die Tür. Seine Vermutung traf ein. Sie sah besorgt und gleichzeitig wunderschön aus. Ihr Anblick erwärmte sein totes Herz. Sie trug ein hellblaues Kleid, darüber eine schwarze Jacke. Sie sah bezaubernd aus. „Was ist den los?“ fragte Angel. „Geht es dir gut?“ fragte Sarah panisch als sie die Tür hinter sich schloß.

„Natürlich. Was ist den los, Sarah?“ Sie schlang ihre Arme um seinen Nacken und schmiegte sich an ihn. Angel wurde davon völlig überrascht. Was war den nur los? Sanft schob er Sarah ein Stück von sich und blickte ihr in die Augen. „Sag mir, was dich so in Panik versetzt“, bat er einfühlsam. Er sah wie Angst in ihren Augen aufflackerte.

„Ich ... hatte einen Traum. Ein schrecklichen Traum.“ „Was hast du geträumt?“ „Ich hab ... geträumt das Drusilla noch lebt; das sie wieder da ist.“ Sarah erschauerte. Es lief ihr kalt den Rücken hinunter, wenn sie nur daran dachte, daß Drusilla noch leben könnte. „Und was hat sie getan?“ Sarah blickte Angel besorgt an. „Sie ... sie hat dich getötet - vor meinen Augen. Und ich konnte nichts dagegen tun. Du zerfielst vor meinen Augen zu Staub. Es war schrecklich. Es war so real.“ Angel zog Sarah an sich. Er streichelte über ihren Rücken und flüsterte ihr besänftigte Worte ins Ohr. Der Traum hatte sie ganz schön erschreckt; hatte sie total durcheinander gebracht.

„Es war nur ein Traum. Nur ein dummer Traum, Sarah.“ Sie schüttelte den Kopf. „Nein, daß war mehr als nur ein Traum. Meine Träume sind oft ein Omen, daß weißt du doch.“ „Aber nicht alle, Liebling. Du siehst doch das es mir gut geht. Ich bin am Leben. Es ist alles in Ordnung.“ Sarah blickte ihm ängstlich in die Augen. „Das sehe ich. Aber was ist wenn ...“ Angel ließ sie nicht zu Ende sprechen. Er zog sie eng an sich und küßte sie. Zärtlich drückte er seine Lippen auf ihre. Er wollte nicht das sie den Gedanken zu Ende sprach. Sie mußte es vergessen. Es war nur ein Traum. Nichts weiter als ein Traum.

Ihre Küsse wurden immer leidenschaftlicher. Sie konnten nicht genug voneinander kriegen. „Ich bin in Ordnung, Liebling“, flüsterte Angel. „Okay. Ich ... die Schule ... wartet auf mich. Ich ... muß los.“ „Ich weiß.“ Und wieder küßten sie sich leidenschaftlich. Schließlich löste sich Sarah widerwillig von ihren Vampirfreund. „Ich muß jetzt wirklich gehen, Angel. Ich muß zur Schule. Geht es dir wirklich gut?“ „Alles okay. Es geht mir gut“, sagte er mit Nachdruck. Sarah ging zur Tür. „Warte noch einen Moment“, bat Angel. Sie drehte sich zu ihm um. „Was ist?“ „Was willst du zum Geburtstag?“ fragte er unvermittelt.

„Was?“ „Sarah, du hast bald Geburtstag. Du wirst achtzehn. Was wünscht du dir?“ Sie lächelte. „Überrasche mich einfach. Ich hab alles was ich will. Dich, daß Zeichen unserer Liebe ...“ Sie hielt ihre Hand hoch und präsentierte ihm den Ring, den er ihr geschenkt hatte. „Ich laß mich einfach von dir überraschen.“ „Okay.“ Angel blickte sie zärtlich an. Und dann lag sie erneut in seinen Armen und sie küßten sich.

„Die Schule“, flüsterte Sarah. „Ich weiß. Du mußt zur Schule.“ Sie küßten und küßten sich; konnten einfach nicht aufhören. Ihre Küssen wurden von Mal zu Mal leidenschaftlicher. Sie konnten sich einfach nicht voneinander trennen. „Angel“, hauchte sie. „Ich weiß.“ Er ließ Sarah los. Angel lächelte und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, die sich von ihrer Frisur gelöst hatte. Sarah schenkte ihm noch ein warmes Lächeln, dann verließ sie seine Wohnung und machte sich auf den Weg zur Schule.

Die Pausenhalle der Sunnydale High wurde von den Schülern besetzt. Es war laut und von überall her drang Gelächter. Giles umfaßte die Akten, die er bei sich hatte, und nahm einen Schluck seines Tees. Wie es sich nun Mal für einen Engländer gehörte trank er ausschließlich Tee. Giles war froh, daß es momentan so ruhig war.

Der Kampf gegen Spike und Drusilla war ausgestanden. Kendra war wieder zu Hause. Alles war ruhig. Und er selbst ... er konnte sich seinen Büchern widmen während Angel das Training der Jägerin übernommen hatte. In diesem Punkt gab er Sarah nur zu gerne Recht. Angel war geeigneter dafür die Jägerin zu trainieren. Außerdem konnte ihr Angel noch so manchen Griff oder Trick zeigen den Sarah noch nicht kannte. So gesehen war das Leben in Sunnydale sehr friedlich – für den Moment.

„Guten Morgen, Giles“, rief eine Stimme durch die Pausenhalle. Giles blieb stehen und drehte sich um. Xander flitzte auf den Wächter zu und blieb schlitternd neben ihm stehen. „Alles fertig für Sarahs Party morgen?“ fragte Giles. „Alles geritzt.“ Giles sah ihn unverständlich an. „Alles vorbereitet“, korrigierte sich Xander. „Gut.“ Giles und Sarahs Freunde planten eine Überraschungsparty. Die Jägerin wurde achtzehn und das mußte einfach gefeiert werden. Sie hatte es verdient. Kaum eine Jägerin war so alt wie Sarah geworden. Außerdem hatte sie eine kleine Erholung von ihrem ewigen Kampf gegen die Finsternis verdient. Sie hatte es dringend nötig.

Sein Blick fiel auf die Lehrerin Jenny Calendar, die sich mit Sarah näherte. Die beiden Frauen wirkten bedrückt. Jenny hat sich als unglaubliche Hilfe erwiesen, dachte Giles und lächelte leicht. Er mochte die Lehrerin. Auch wenn sie für seinen Geschmack etwas zu modern war. Aber sie war eine unglaubliche Hilfe für ihren Kampf gegen das Böse. Sie wußte darüber Bescheid und half wo sie nur konnte. Sie war ein typischer Technofreak, aber damit konnte Giles leben. Er mochte sie sehr. Immer wenn er die hübsche Computerlehrerin sah machte sich ein warmes Gefühl in seinen Körper breit.

Der Wächter flüsterte Xander zu: „Sarah weiß nichts von der Party. Und dabei bleibst es. Also kein Wort, Xander.“ „Klar. Ich verstehe; ganz geheime Organisation. Zielperson erfährt nichts“, scherzte er. Giles überhörte den Kommentar einfach. Das Geplapper von Xander war ihm oft unverständlich. Also hatte er beschlossen geflissentlich darüber hinweg zu hören.

„Guten Morgen, Sarah“, grüßte er seine Jägerin. Sarah nickte nur. Giles spürte sofort das da etwas nicht stimmte. Sarah sah ganz und gar nicht fröhlich aus. Sie feierte bald ihren achtzehnten Geburtstag und war so niedergeschlagen. Etwas mußte geschehen sein; etwas schlimmes mußte passiert sein. Sein Blick traf Jenny. Sie blickte Giles besorgt an. Anscheinend wußte sie schon was Sarah bedrückte. Nun, es freute ihn, daß seine Jägerin soviel Vertrauen zu der Lehrerin hatte.

Sarah wirkte sehr blaß und bedrückt. Die Gruppe setzte sich an einen runden Tisch. „Was ist los, Sarah? Du scheinst mir so niedergeschlagen zu sein.“ „Hatte ne harte Nacht“, murmelte Sarah. „Aber es war doch Angel auf Streife, oder?“ fragte Willow. „Ja. Ich hab geträumt. Von Drusilla. Das sie noch am Leben wäre. In meinen Traum hat sie Angel getötet. Es war so grausam. Er stand da vor mir und Drusilla hat ihm den Pflock von hinten ins Herz gerammt. Ich konnte nichts tun. Nichts um ihn zu retten. Ich mußte hilflos mit ansehen wie er starb. Es war schrecklich.“ Sarah schüttelte sich. Ihre Augen wanderten ängstlich von einen zum anderen. Sie hatte wenig geschlafen, daß sah man ihr an. Der Traum hatte sie ganz schön mitgenommen.

„Es geht ihm gut. Ich war bei ihm. Er ist in Ordnung.“ „Wann warst du bei ihm? Doch etwa nicht in seiner Wohnung“, rief Xander. Ein böser Blick strafte Xander. Noch immer mochte er Angel nicht. Er traute ihm nicht. Doch er sah Sarahs Angst. Aber er konnte sich noch immer nicht mit dem Gedanken anfreunden das die Beiden ein Paar waren. „Ich bin schon still“, murmelte er.

Giles wandte sich an Sarah: „Ein Omen? Denkst du das es das ist?“ Sarah zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Giles, ich weiß es einfach nicht. Ich wünschte, ich wüßte es. Angel meinte, es war nur ein Traum. Aber ich bin mir da nicht so sicher. Ich will auch nicht für eine unnötige Panik verantwortlich sein.“ „Es ist gut wenn du darauf hörst. Wenn Drusilla wirklich noch am Leben ist, ist unser Kampf noch nicht vorbei.“ Dann will sie Rache an der Jägerin, dachte Giles betrübt. Grausame, tödliche Rache.

„Könnt ihr das nicht abkürzen? Geht doch auch mit kürzeren Sätzen“, mischte sich Xander ein. „Xander, geh in deine Klasse“, antwortete Giles. „Okay, schon verstanden.“ Xander nahm seinen Rucksack und sagte: „Bin schon weg.“ Er ging ein paar Schritte, dann drehte er sich um und meinte: „Achtet mal auf die kurze Wortwahl“, kommentierte er und ging davon. Die Jägerin stand ebenfalls auf. „Ich geh dann auch mal; will ja nicht zu spät kommen.“ Doch ihre traurige Stimme zeigten Giles und Jenny das sie mit ihren Gedanken bei Angel war. Das sie sich große Sorgen um ihn machte.

„Keine Angst, Sarah! Es ist alles in Ordnung. Angel kann auf sich selbst aufpassen. Immerhin ist er über zweihundert Jahre alt“, versuchte Jenny das Mädchen zu trösten. „Hoffentlich“, flüsterte Sarah nur und machte sich auf den Weg in ihre Klasse. Jenny blickte Giles besorgt an. „Was glauben Sie, Rupert?“ „Ich denke wir sollten raus kriegen ob Drusilla wirklich noch am Leben ist. Wenn sie es ist, kommen bald dunkle Zeiten auf uns zu. Es kann natürlich nur ein Traum sein. Aber Sunnydale ist auf den Höllenschlund aufgebaut. Wir können nicht vorsichtig genug sein. Es kann mehr als nur ein Traum sein.“ „Solange Sie sich nicht sicher sind, sagen Sie das dem Mädchen nicht. Sie macht sich sonst noch mehr Sorgen.“ Giles nickte und ging in die Bibliothek. Und Jenny mußte in ihre Klasse.

[Eine alte Fabrik]

Vampire huschten herum und dekorierten den großen Raum. Sie schmückten und machten alles so wie es ihre Herrin wollte. Dalton, ein schüchterner Vampir mit Fähigkeiten als Chronist kam herein. Er trug eine Kiste in seinen Händen. „Ich hab sie“, verkündete er. „Stell sie auf den Tisch“, forderte eine Stimme hinter ihm. Dalton drehte sich um. Sein Herrscher sah schrecklich aus.

Spike war von der Jägerin beim letzten Kampf schrecklich zugerichtet worden. Er saß in einen Rollstuhl und eine schreckliche Narbe zierte sein Gesicht. Die Narbe brauchte Zeit um zu heilen. Und der einst so starke blonde Vampir brauchte Zeit um sich zu erholen. Seine Kräfte hatte er verloren. Er hatte verdammtes Glück gehabt. Glück, daß er den Kampf überhaupt überlebt hatte. Spikes Gesichtszüge waren ermüdet. Er war diesen elenden Kampf gegen die starke Jägerin satt. Sie hatte ihn zum Krüppel geprügelt. Und niemand wußte wie lange er brauchte um sich zu erholen.

Der Vampir legte die Kiste auf den Tisch, in dem Moment, als Drusilla in einen roten Kleid erschien. Sie schwebte auf Spike zu und streichelte ihm sanft über die Narben. Sie war auch beim Kampf dabei gewesen - als Zuschauerin. Und als Spike sie retten wollte wäre er fast drauf gegangen. Drusilla kümmerte sich um ihren Spike. Sie wollte das er schnell wieder gesund wurde. Und sie wollte Rache weil man ihrem Baby das angetan hatte. Drusilla glühte vor Energie.

„Willst du wirklich hier feiern?“ fragte Spike müde. „Wir könnten die Party auch woanders veranstalten. Was hältst du von Wien? Ich hasse diesen Ort. Nichts klappt so wie ich es mir vorstelle. Die Jägerin, Angel und ihre Freunde ... sie machen uns das Leben schwer.“ Dalton stellte die Kiste ab und trat einen Schritt zurück. Die Vampire schmückten den Raum. Kerzen standen überall herum und waren angezündet. Es schuf ein wunderschönes Dämmerlicht. „Die Einladungen sind schon raus“, schnurrte Drusilla in ihrer typischen Art.

Sie spürte den Frust ihres Liebsten. Sie wußte aber auch das Spike ihr nie einen Wunsch abschlagen konnte. „Meine Feiern sind immer schön. Denk doch an Spanien. Erinnerst du dich? Die Stiere?“ Drusilla legte ihre Arme von hinten um seinen Nacken. „Die Stiere“, flüsterte Spike. Er lächelte leicht. Die Erinnerung an diese Feier war sehr schön. Ja, Drusilla verstand es eine richtige Feier zu veranstalten. Sie kniete sich neben ihn und strich verführerisch über seine Schenkel. „Diese hier wird genau so schön“, flüsterte sie in freudiger Erwartung.

„Doch Sunnydale gefällt mir einfach nicht mehr. Uns wird hier nur das Leben schwer gemacht.“ „Beruhige dich, Liebster. Diesmal wird alles anders. Ich verspreche es dir.“ Sie schnurrte. Dann fiel ihr Blick auf die Blumen, die in die Stühle mit den hohen Lehnen geflochten wurden. „Nein“, kreischte sie. Hektisch riß sie die Blumen ab. „Diese Blumen sind falsch. Die gehören da nicht hin.“ Sie stöhnte. Und dann verwandelte sie sich in eine wilde Furie. Die Vampire wichen vor ihr zurück. „Ich hasse diese Blumen“, schrie sie und riß sie in ihren Wahn alle herunter.

„Drusilla, Schatz, ganz ruhig! Wir haben für diese Blumen sicher eine andere Verwendung“, sprach Spike müde. Manchmal machte sie ihn auch verrückt. Ihre Launen waren oft nicht zu ertragen. Doch dann lächelte sie wieder und er fühlte sich sofort schlecht weil er sie mies behandelt hatte. So schnell wie ihr Anfall aufgetaucht war, verschwand er auch wieder. „In Ordnung“, flüsterte sie. Ihr Blick wanderte weiter über den fein dekorierten Tisch. Sie sah die Kisten; die Geschenke. Eine große Freude machte sich in der Vampirin breit. „Spike, darf ich eines aufmachen? Bitte“, wisperte sie und lächelte freudig. Spike lächelte zurück. Zuerst wollte er nein sagen, doch Drusilla konnte er keinen Wunsch abschlagen. „Okay. Aber nur eine Kiste. Die sind für die Party“, sprach er liebevoll.

Drusilla schwebte regelrecht zu den Kisten und blickte eine nach der anderen strahlend an. Sie konnte sich nicht entscheiden in welche sie schauen sollte. Schließlich griff sie nach der ihr nächsten und öffnete sie. „Der Tod. Ich kann ihn riechen. Er riecht so gut“, meinte sie voller Schadenfreude. Fasziniert blickte sie den Gegenstand an, der in der Kiste lag. Noch wirkte er ungefährlich.

„Und wie gefällt es dir?“ „Wunderschön, Spike! Das wird die beste Party, die ich je gegeben habe.“ „Wieso denn?“ erkundigte sich Spike neugierig. „Es wird die Letzte sein“, erwiderte Drusilla kalt. Mit diesen Worten schlug sie den Deckel der Kiste geräuschvoll zu und trat zu Spike. „Es wird die Allerletzte“, sprach sie und setzte sich auf seinen Schoß. Die beiden Vampiren lachten grausam.

~ 2. ~

[Der Morgen der Party]

Sarahs Freunde hielten die geplante Geburtstagsparty streng geheim. Sarah saß auf einen Hocker und beobachtete ihre Mutter wie sie den Tisch abräumte. „Du hast wieder nicht gut geschlafen“, bemerkte Joyce. Sarah trank einen Schluck ihres Kakaos und blickte auf die Tischplatte. „Nun ... ich hab momentan Alpträume. Die vergehen wieder, Mom.“ Hoffentlich, fügte Sarah im Stillen dazu. Hoffentlich hörten diese schrecklichen Träume über Angels Tod bald auf. Sie konnte sie nicht mehr ertragen.

„Wirklich?“ Joyce blickte ihre Tochter zweifelnd an. „Sicher, Mom“, log Sarah mit erzwungener Fröhlichkeit. Sie haßte es wenn sie ihre Mutter anlügen mußte; wenn sie Joyce so aus ihrem Leben ausschloß. Sarah hatte oft den Drang gehabt ihrer Mutter die Wahrheit zu sagen, aber sie konnte es nicht. Sie wollte ihre Mutter schützen. Außerdem wußte Sarah, daß Joyce es nicht verstehen würde. Sie würde es niemals akzeptieren.

Sarah sprang auf und half ihrer Mutter den Geschirrspüler einzuräumen. Sie reichte ihrer Mutter das Geschirr und Joyce räumte es ein. Joyce war froh ein paar normale Minuten mit ihrer Tochter zu haben. Natürlich hatte sie eine Verwandlung an Sarah festgestellt, aber sie fragte nicht ... schon lange nicht mehr. „Sarah, können wir uns mal unterhalten?“ „Um was geht es denn?“ „In Kürze bist du achtzehn Jahre alt. Du wirst die Highschool beenden und in einen Jahr aufs College kommen. Du bist reifer als so manch anderes Mädchen in deinen Alter. Doch bei gewissen Dingen habe ich meine Zweifel ob es schon richtig ist das du sie ausübst. Bist du wirklich der Meinung, daß du dafür schon bereit bist, Sarah?“ Und wie in ihrem Traum glitt Joyce der Teller, den Sarah ihr reichte, aus der Hand und zersprang laut am Boden.

Blaß starrte Sarah auf den zersprungenen Teller am Boden. Mein Traum, dachte sie schockiert. Wie in meinen Traum. Oh Gott, Angel! fuhr es der Jägerin panisch durch den Kopf. Wenn dieser Teil geschah wie in ihrem Traum, dann ... dann ... Joyce erkannte die Wandlung ihrer Tochter. „Sarah?“ fragte sie besorgt. Sarah hob den Blick. „Was ... was hast du da gerade gesagt?“ stammelte sie ängstlich. „Ich hab von der Führerscheinprüfung geredet. Du wolltest ihn jetzt doch machen.“ „Oh ... ja, sicher! Sicher bin ich dafür schon bereit. Ich ... muß jetzt gehen. Ich muß zur Schule“, sprach die Jägerin hastig.

Sarah drehte sich um und riß ihren Rucksack vom Hocker. „Ich fahre dich“, bot Joyce ihr an. „Nein“, rief sie panisch und drehte sich zu ihrer Mutter um, die sie mit einen fragenden und gleichzeitig besorgten Blick musterte. „Ist nicht nötig.“ Und damit flitzte Sarah aus dem Haus und raste zur Schule. Sie mußte Giles aufsuchen; mußte ihm sagen das ihr Traum zur Realität wurde.

„Der Teller ... er glitt ihr einfach aus der Hand. So wie in meinen Traum“, beendete Sarah ihre Erzählung von den morgendlichen Geschehnis mit ihrer Mutter. „Ein Zufall“, meinte Giles. Sarah schüttelte den Kopf. „Nein. Es war wie in meinen Traum. Verstehen Sie nicht? Wenn der Teller zu Boden fliegt wird als nächstes ... Oh mein Gott! Angel! Er ist in Gefahr. Ich muß sofort zu ihm.“ Sarah war schon dabei aufzuspringen, doch Giles hielt sie davon ab. „Angel kann auf sich selbst aufpassen. Es ist Tag. Da kann ihm gar nichts passieren. Glaub mir, es geht ihm sicher gut.“ „Und was ... wenn er schon längst tot ist?“ fragte Sarah mit zitternder Stimme. „Es geht ihm gut. Er ist in Sicherheit, glaub mir“, beruhigte Giles sie.

„Aber ...“, begann sie verzweifelt. „Es geht ihm gut. Glaub mir doch! Am Tag kann ihm gar nichts passieren solange er in seiner Wohnung ist. Kommen wir auf deinen Traum zurück. Du meinst es war ein Omen?“ Sarah zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Aber ... ich spüre, Drusilla lebt noch. Sie ist nicht tot.“ „Du könntest recht haben. Ich denke, wir sollten ein wenig recherchieren. Wir werden sie finden wenn sie noch lebt.“ „Aber Angel ...“, jammerte Sarah. Sie wollte so schnell wie möglich zu ihm und sich selbst davon überzeugen, daß es ihm gut ging.

„Er ist sicher in Ordnung. Wenn es dunkel ist kannst du zu ihm gehen. Vergiß nicht, er lebt seit über zweihundert Jahren. Er kann auf sich selbst aufpassen.“ Sarah sagte nichts mehr weil sie wußte das es sinnlos war mit Giles weiter zu diskutieren. Sie ging in den Unterricht. Giles blickte er nach. Sie war mit ihren Gedanken bei Angel. „Die Party wird ihr gut tun“, flüsterte er und wandte sich seinen Büchern zu um ein genaueres Täterprofil über Drusilla zu erstellen.

Vielleicht sollte ich mich für die Party umziehen, dachte Jenny Calendar. Ihre Bücher wanderten in ihre Tasche. Jenny war mit ihren Gedanken bei der Party. Die Jägerin hatte es verdient. Außerdem hatte sie Geburtstag. Sie wurde achtzehn. Sie hatte sooft gegen die Mächte der Finsternis gekämpft - sooft ihr Leben aufs Spiel gesetzt - sie hatte es einfach verdient. Diese Party war einfach die Belohnung für all ihre Mühen in den letzten Jahren. Und als Gewißheit das sie älter wurde als so manch andere Jägerin. Und da sie mit Angel zusammen war würde er sicher auch kommen. Die Geburtstagsparty für seine Freundin würde er nicht vergessen. Er würde bei ihr sein wollen. Und so konnte sie prima berufliches mit dem Privaten verbinden.

Und dann holte eine harte Stimme mit europäischen Akzent sie aus ihren Gedanken. „Jenny Calendar!“ Jenny fuhr herum und erschrak heftig. Der Mann war hoch gewachsen, trug ein weißes Hemd und eine schwarze Krawatte. Dazu eine Weste und eine Hose aus ihrer Heimat; aus ihrer alten Heimat. Sie war schon lange nicht mehr dort gewesen. Was machte er hier? Was suchte er hier? Für Jenny war die Antwort klar. Er suchte sie. Sie - Jenny Calendar. Er war hier um zu sehen ob sie auch wirklich ihren Job tat. Oder gab es einen anderen Grund warum er sie ausgerechnet jetzt aufsuchte?

„Onkel Enyos“, sprach sie leise. Er war das Oberhaupt ihres Clans. Schon immer hatte sie sich in seiner Gegenwart eingeschüchtert gefühlt. Doch sie schuldete ihm viel. Ihm und ihren ganzen Clan. Seine Augen funkelten. Er war wütend. Aber wieso ist er das? fragte sich Jenny. „Ich hab nicht ... mit deinen Auftauchen gerechnet“, sagte Jenny. Ihre Stimme zitterte leicht. Sie hoffte er würde ihre Nervosität nicht bemerken. „Geht es dir gut?“ fragte er mit rauher Stimme. „Ja, sicher. Es geht mir gut.“ Jenny ging hinter ihren Schreibtisch, anscheinend mit der Hoffnung er würde sie vor der Wut ihres Onkels schützen. Aber sicher war er wütend. Sie konnte es verstehen. „Tut mir leid das ich mich so lange nicht gemeldet habe ... aber ich hatte wirklich viel zu tun“, meinte sie entschuldigend.

Sein Zorn flackerte auf. „Was ist so wichtig das du deine Verantwortung deinem Volk gegenüber vergißt?“ Jenny seufzte. Es war klar das er deswegen wütend war. Eigentlich dürfte nichts für sie wichtiger sein. Aber es gab so viele Dinge, die geschehen waren. Dinge, die ihre Ansichten und sie selbst verändert hatten. „Ich war beschäftigt und ...“ „Die Ältesten unseres Stammen haben Zeichen gelesen“, unterbrach Enyos sie. Jenny blickte auf.

„Etwas verändert sich“, sprach Enyos mit harter Stimme. „Nichts hat sich geändert“, erwiderte Jenny. „Der Fluch hat noch immer die selbe Wirkung wie früher.“ „Die Ältesten irren sich nicht. Sie sagen, sein Schmerz ist nicht mehr so stark. Er hat nachgelassen.“ Verdammt, dachte Jenny. Sie wußte woran das lag. Und Enyos wußte das Jenny eine Ahnung hatte. Und er wollte von ihr Antworten hören.

„Es gibt da jemanden ...“, begann sie zögernd; ein schwaches Lächeln auf den Lippen. Ich kann nicht mehr. Ich will das nicht mehr länger mitmachen, dachte Jenny betrübt. Sie würde soviel Schmerz verbreiten. „Wer ist das?“ fragte Enyos barsch. Jenny verfluchte sich selbst. Sie konnte es nicht tun. Alles würde sich ändern wenn sie es tat. Eine Liebe würde zerstört werden. Eine tiefe Liebe, die so manche Schwierigkeit schon überstanden hatte. Die Beiden waren so eng miteinander verbunden.

Sie konnte all das doch nicht zerstören. Sie hatte kein Recht dazu. Aber sie hatte eine Verpflichtung zu erfüllen. Es war die Verpflichtung ihrem Volk gegenüber, der sie folgen mußte. „Ein Mädchen“, flüsterte sie. Verzeiht mir, dachte sie. Rupert, du wirst es nicht verstehen, ich weiß, aber ich muß es tun. Sie kam sich wie eine Verräterin vor. Sie war eine Verräterin.

Der Alte funkelte sie mit seinen Augen an. „Ein Mädchen“, rief er schockiert aus. „Und du hast das zugelassen? Wie konntest du das nur tun?“ warf er ihr kalt vor. „Du kannst mir glauben wenn ich dir sage, daß Angel noch immer leidet.“ Nun war es heraus. Es ging um Angel. Und letztendlich ging es auch um Sarah. Das Mädchen, daß ihm Glück verschaffte und seinen Schmerz für einige Zeit linderte würde bald sehr leiden, Jenny wußte das und es tat ihr schrecklich leid. „Er versucht seine Taten wieder gutzumachen. Sogar mir hat er einmal das Leben gerettet“, erzählte sie.

Mit Schauder dachte sie daran zurück. Ein böser Dämon hatte von ihr Besitz ergriffen. Und Angel hatte ihn ausgetrieben. Er hatte den Dämon in sich aufgenommen und ihn bekämpft und somit vernichtet. Damit hatte er ihr das Leben gerettet. Den der Dämon hatte Angel nichts tun können, da er schon einen in sich trug. Jenny war ihm dafür so dankbar und sie hatte angefangen Angel mit anderen Augen zu sehen; hatte erkannt das er sich wirklich verändert hatte.

„Du willst vergessen? Einfach so?“ Enyos’ Stimme holte sie in die Wirklichkeit zurück. Er klang sehr verärgert. „Hast du vergessen was er einst tat? Das er die beliebteste Tochter deines Stammes getötet hat? Das er jeden, der ihm begegnet, tötete und alle die ihnen nahe standen auch vernichtete? So wie bei der Familie der Zigeunerin?“ Jenny blickte beschämend zu Boden. Sie hatte es nicht vergessen. Jeden neuen Tag wurde sie daran erinnert. „Unsere Rache fordert das sein Schmerz ewig währt. Sein Schmerz soll so weh tun wie der unsrige. Hast du vergessen was geschieht wenn er mit diesem Mädchen nur einen Moment vollkommenen Glücks erfährt?“ fuhr Enyos Jenny an.

Jenny schüttelte schwach den Kopf. Sie kannte die Geschichten über den Fluch. „Jede Minute die er glücklich ist, ist eine zuviel“, sprach Enyos hart. „Es tut mir leid wenn ich dich enttäuscht habe, aber ...“ „Glaubst du wirklich du bist Jenny Calendar?“ Er schüttelte verneinend den Kopf. Dann sprach er bestimmend: „Du bist Janna. Janna, Mitglied des Volkes Kalderash. Du bist eine Zigeunerin.“ „Das weiß ich“, erwiderte Jenny.

Ihr Gesicht nahm entschlossene Züge an. Du hast ja keine Ahnung wie es ist hier unter falschen Namen; falscher Identität, zu leben, dachte Jenny traurig. Du  weißt nicht, wie das ist wenn man Sarah, ihre Freunde und Sarahs Wächter Giles kennt. Ihr wurde warm wenn sie an Rupert dachte. Und wenn sie Angel und Sarah zusammen sah wurde ihr klar das die Beiden sich wirklich liebten - tief und innig.

„Dann beweise mir das du deine Pflichten als Janna noch immer sehr ernst nimmst“, erwiderte Enyos ernst. „Was soll ich tun?“ „Du hast lang genug zugesehen. Es wird Zeit das du in die Ereignisse eingreifst.“ „Was muß ich tun?“ fragte sie mit zitternder Stimme. Sie ahnte was ihre Aufgabe sein würde. Und sie haßte sich dafür weil sie es ausführen würde. Sie wollte den Zorn ihres Stammes nicht erleben.

„Es wird Zeit, daß sie sich trennen. Du wirst dieses Mädchen und Angel trennen. Halte sie von ihm fern. Sie dürfen sich nicht mehr sehen. Du weißt was sonst geschieht.“ Vielsagend sah er sie an. War der Fluch wirklich so schrecklich? Sie kannte viele Geschichten über ihn. Doch was stimmte wirklich von diesen vielzähligen Geschichten? Die wahren Auswirkungen waren auch ihr nicht bekannt. Sie ahnte nur was geschehen würde.

Und dann fielen ihr Angel und Sarah ein. Traurig schüttelte sie den Kopf. Die Beiden taten ihr so leid. Vor allem Sarah war Diejenige, die am meisten leiden würde. Die Jägerin und der Vampir liebten sich aufrichtig und sie waren inzwischen schon ein perfekt aufeinander eingespieltes Team, wenn sie auf die Jagd gingen. Sie sahen sich an und wußten welche Schläge und Tritte sie ansetzen mußten. Sie verstanden sich ohne Worte. Die Traurigkeit nahm von Jenny Besitz. Es tat ihr so leid, daß Sarah für etwas bezahlen mußte womit sie nichts zu tun hatte.

Ihr brach es das Herz, wenn sie nur daran dachte die Beiden trennen zu müssen. Aber sie nickte; fast mechanisch. „Ich werde mich darum kümmern. Du brauchst dir keine Sorgen machen, Onkel“, sprach sie. Ich werde mich darum kümmern, dachte sie. Doch alles in ihr wehrte sich dagegen diese schreckliche Tat an dem Liebespaar zu begehen. Doch eine alte Schuld mußte beglichen werden.

Sie hatte eine Pflicht zu erledigen. Und auch, wenn es ihr das Herz brach, sie würde diese Pflicht erfüllen. Auch wenn eine Unschuldige darunter leiden mußte. Enyos blickte sie noch einmal an, sagte „Ich erwarte deinen Bericht“ und ging davon. Jenny sank auf den Stuhl nieder und ihr wurde klar wie verwirrt ihr Leben doch war. Sie würde alles zerstören. Alles was Sarah wichtig war würde sie zerstören. Sie würde die Jägerin seelisch töten.

Sarah hatte sich den ganzen langen Tag - der einfach kein Ende nehmen wollte - große Sorgen um Angel gemacht. Der Death Boy, wie Xander immer witzelte. Angel mochte diesen Namen nicht sehr. Sarah blickte immer wieder auf die Uhr. Zuerst war sie mit Giles verabredet und dann würde sie zu Angel gehen. Sie würde das Gespräch mit Giles so kurz wie möglich halten um so schnell wie möglich zu Angel zu kommen. Sie brauchte Gewißheit. Sie mußte endlich wissen ob es Angel gut ging. Vorher würde sie keine Ruhe finden.

Die Jägerin spazierte über den Korridor in der Schule. Die Lichter waren schon abgedreht worden. „Sarah“, rief plötzlich eine Stimme. Die Jägerin drehte sich um. Jenny Calendar kam auf sie zu. „Sie haben mich erschreckt“, meinte Sarah. „Tut mir leid, daß wollte ich nicht. Ich hab eine Nachricht von Giles für dich. Er war vorhin in meiner Klasse.“ „Um was für eine Nachricht handelt es sich denn?“ fragte Sarah neugierig. „Die Pläne haben sich ein wenig geändert. Ihr trefft euch jetzt bei seinen Haus.“ Dann komme ich noch später zu Angel, dachte Sarah betrübt.

„Ich kann dich hinfahren“, schlug die Lehrerin im selben Moment vor. „Wirklich?“ fragte Sarah überrascht. Jenny nickte. „Klar.“ „Das wäre cool. Danke.“ „Komm, laß uns gleich losfahren.“ Sarah und die Lehrerin verließen die Schule und gingen zum Parkplatz wo Jennys Auto stand. Jetzt würde sie Angel vielleicht doch noch früher als geplant aufsuchen können.

Die Lehrerin fuhr sicher über die Straßen. Sarah bemerkte plötzlich das sie von der eigentlichen Straße abgekommen waren. Sie kannte die Umgebung. „Fahren wir zum Bronze?“ fragte sie. „Ich hab keine Ahnung, ehrlich gesagt. Giles hat mir eine Adresse gegeben wo ich dich hinbringen soll.“ „Ach so“, murmelte Sarah. Ihre Instinkte sagten ihr das da irgendwas faul war. Aber sie konnte nicht sagen was es war. Und dann tauchte vor ihnen ein Lastwagen und eine Laderampe auf. An den Laster waren drei verdächtige Gestalten beschäftigt. Sie hatten eine Kiste bei sich. Vampire, schoß es Sarah sofort durch den Kopf.

„Halten Sie mal“, rief Sarah. „Steig nicht aus, Sarah. Tue das nicht. Diese Typen sehen gefährlich aus“, warnte Jenny. „Das sind Vampire“, klärte Sarah die Lehrerin auf als sie die Tür aufstieß. „Sorry. Die wissen leider nicht das ich eigentlich Feierabend haben möchte. Die müssen nunmal immer zur falschen Zeit auftauchen. Ich muß meine Pflicht erledigen. Warten Sie hier.“ Und schon stieg sie aus. Jenny seufzte. Die Pflicht tun. Ja, daß mußte sie auch.

Selbstsicher schritt die Jägerin auf den Lastwagen zu. Einer der Vampire stand auf der Ladefläche. Sie erkannte ihn. Es war Dalton. Ein Mann von Spike. Diese kleine, miese Ratte, dachte Sarah. Was hatte er diesmal wieder vor? „Also, du bist echt ein Kleptomane! Jedesmal wenn ich dich sehe willst du was klauen.“ Er fuhr herum. Dalton erkannte die Jägerin. Wütend knurrte er sie an. „Red doch mal mit nen Spezialisten darüber“, schlug Sarah lässig vor. Da wurde der Motor angelassen. Sarah drehte sich um. Dies nutzte Dalton aus um die Kiste auf der Ladefläche abzustellen.

Die Fahrertür wurde aufgerissen und ein Vampir stürzte sich auf Sarah. Sie wich seinen Angriff geschickt aus, packte ihn und riß ihn aus der Kabine. Der Vampir fiel auf den Boden. Er stand wieder auf und Sarah verpaßte ihm einen harten Schlag. Bei ihrem nächsten Tritt vollführte sie in der Luft eine Drehung und kam mit dem Rücken zum Truck wieder auf die Beine. Der nächste Vampir griff sie an. Er umfaßte ihre Schulter und hob sie hoch. Dann warf er sie mit all seiner Kraft durch die Luft. Krachend landete Sarah auf der Ladefläche. Der Vampir stürzte sich auf sie. Sarahs Beine wirbelten nach oben; landeten im Magen des Vampirs. Sie nutzte seinen Schwung für sich aus und schleuderte ihn über sich. Er fiel gegen einen Stapel Kartons und blieb für einen Moment benommen liegen.

Die Jägerin sprang mit einen eleganten Sprung auf und bückte sich. Sie trat gegen eine Holzkiste und brach einen Holzpflock heraus. In diesem Moment stand der Vampir auf und Sarah brauchte nur noch die Hand ausstrecken. Der Vampir lief in die Spitze hinein und war Geschichte. Ein weiterer Vampir griff sie von hinten an und warf sie über die Schulter. Sarah landete wieder hart auf der Ladefläche. Der Vampir beugte sich über sie - gefährlich und drohend. Sie stieß ihn mit den Beinen weg und sprang auf.

Sarah wußte nicht das ihre Freunde das Bronze für die geheime Party gemietet hatten. Sie hatten sich versteckt um in traditioneller Art und Weise „Überraschung“ zu rufen. „Wo bleibt sie den nur? Sie müßte schon längst hier sein“, murmelte Angel besorgt. Er wurde ungeduldig. Giles hatte ihm erzählt wie schlecht es Sarah momentan ging; hatte ihm von der Szene mit ihrer Mutter erzählt und von Sarahs Angst um ihn. Die gleiche Szene wie in Sarahs Traum – es ließ Angel keine Ruhe mehr. Er mußte immer wieder darüber nachdenken. Angel glaubte nicht daran das es geschehen würde. Wahrscheinlich war es nur Zufall gewesen.

Sarahs Freunde hatten sich im Raum verteilt und waren in Deckung gegangen. Sie versteckten sich hinter dem großen Billardtisch auf dem die Getränke, der Kuchen und noch einige Kleinigkeiten zum Essen standen. Daneben lagen Servietten in lila und Teller. Das Bronze war hübsch dekoriert worden. Immerhin handelte es sich hier um eine Geburtstagsparty. Der Kuchen hatte genau achtzehn Kerzen, die brannten. Die Geschenke lagen neben dem Kuchen. „Ruhe! Ich glaube, sie kommt“, rief Willow aufgeregt.

Draußen schwang Sarah ihren provisorischen Holzpflock und wandte sich dem angreifenden Vampir zu. Sie sprang in die Luft, wirbelte über ihn und kam hinter ihm wieder sicher zum stehen. Von ihren Seitenwechsel verwirrt drehte sich der Vampir um. „Gute Nacht“, meinte sie sarkastisch und trieb ihn den Holzpflock ins Herz. Der Vampir zerfiel zu einen Ascheregen. Bevor sich Sarah über ihren Sieg freuen konnte tauchte der nächste Vampir vor ihr auf. Am Anfang hatte die Gruppe gar nicht soviel ausgesehen. Sie setzte zu einen Tritt an. Doch der Vampir wehrte den Tritt ab. Er packte sie und warf sie gegen die Wand des Gebäudes. Sarah schrie auf. Das tat weh. Sie sank zu Boden.

Erst jetzt begriff Angel das diese komischen Geräusche von einen Kampf her führten. Und dann hörte er den Schrei; einen schmerzerfüllten Schrei. Und er kannte die Stimme. Schnell wechselte Angel einen Blick mit Giles. Der Schrei kam von Sarah. „Oh mein Gott! Sarah! Sarah ist in Gefahr“, rief Angel und sofort überschwemmte die Angst ihn. Seine süße Jägerin war in Gefahr. Er mußte ihr helfen. Angel wollte zur Tür eilen um Sarah zu helfen. Vielleicht wurde sie mit den Dämonen nicht fertig, die sie da draußen bekämpfte. Er zweifelte daran, aber er wog sie gern in Sicherheit. Ein lauter Krach hielt Angel auf nach draußen zu eilen.

Sarah und der Vampir stürzten gerade durch das Fenster ins Bronze. Die Glassplitter flogen durch die Luft. Sie landeten auf der Bühne - beide am Boden liegend. „Sarah“, rief Angel schockiert. „Alles okay“, antwortete sie, für einen Moment überrascht ihre Freunde im Bronze zu sehen. Doch dann konzentrierte sie sich wieder auf den Vampir. Sie rollte sich zur Seite und sprang auf. Sarahs Freunde standen zögernd auf und blickten erschreckt auf die beiden Personen, die sich einen erbitterten Kampf auf der Bühne lieferten. Sarah tastete nach ihrem Holzpflock, drehte ihn in den Fingern und stach zu. Der Vampir stöhnte und zerfiel zu Staub.

Mit Entsetzen hatten ihre Freunde das Geschehene beobachtet. Sarah klopfte sich den Staub von der Kleidung und drehte sich zu ihnen um. „Hi Leute! Was ... was macht ihr den hier?“ Sie stieg von der Bühne. Angel eilte sofort zu ihr und nahm sie in die Arme. „Ist alles okay?“ fragte er. Sie strahlte ihn an; klammerte sich an ihn und seufzte erleichtert. Es ging Angel gut.

Angel wußte warum sie ihn so festhielt. Er atmete ihren Duft ein; ihren lieblichen Duft. Sie roch so gut. Leidenschaft schwappte in ihn über. Doch Angel hielt sich zurück. Es war jetzt wichtiger was geschehen war. Seine Liebe zu ihr war innig und groß. Nie würde er aufhören sie zu lieben. Will ich damit nur entschuldigen das ich nicht von ihr lassen kann? fragte sich Angel, doch er verdrängte den Gedanken sofort wieder.

„Was ist passiert?“ erkundigte sich Giles besorgt. Sarah - noch immer liegend in Angels Armen - meinte: „Die waren draußen und ...“ Ihr Blick wanderte erneut durch den Raum. „Ich wiederhole meine Frage: Was macht ihr hier?“ „Eine Party zu deinen Geburtstag.“ „Echt? Für mich?“ strahlte Sarah. „Ja“, meinte Giles. „Super.“ Ihr Gesicht strahlte. Damit hatte sie nicht gerechnet. Und sie freute sich tierisch darüber. „Oh ... danke“, rief sie. „Ihr seit echt toll.“ Sie blickte Giles an und warf ihm ein dankbares Lächeln zu. Dann blickte sie wieder auf Angel. „Bist du wirklich okay?“ fragte er noch Mal nach. „Mir geht es super“, erwiderte Sarah glücklich.

Da trat Jenny in den Raum und trug die besagte Kiste, die Dalton stehlen wollte, vor sich her. Man sah ihr an das die Kiste zu schwer für sie war. „Kann mir die mal jemand abnehmen?“ Jenny stöhnte leise. Angel und Giles kamen ihr sofort zur Hilfe und trugen die Kiste zu einen Tisch, wo sie abgestellt wurde. „Das haben die Vampire da gelassen“, erklärte Jenny den anderen. Sarah blickte neugierig darauf. „Was da wohl drin ist?“ fragte Willow neugierig.

„Keine Ahnung. Sehen wir einfach nach.“ Sarah griff unter den Deckel. „Da ist ein Riegel“, sagte sie und öffnete ihn. Angel und Giles hoben den Deckel auf. Ein Arm mitsamt Hand lag in der Kiste. Alle blickten erstaunt darauf. „Toll! Ein Arm“, spottete Sarah. Im nächsten Moment fuhr der Arm aus der Kiste, umfaßte Sarahs Hals und drückte so fest zu das sie keine Luft mehr bekam.

~ 3. ~

Sarah röchelte und schnappte nach Luft. Der Arm wollte sie erwürgen. Sie versuchte ihn von ihrer Kehle zu lösen, doch erst mit Angels Hilfe gelang es ihr. Angel zerrte den Arm in die Kiste zurück und gemeinsam mit Giles schoben sie den Deckel wieder auf die Kiste. Sarah hustete aus voller Kehle und holte tief Luft.

Sie war wie erstarrt, genauso wie ihre Freunde. Was war das soeben gewesen? Angel nahm Sarah in den Arm und beruhigte sie. Ihr Atem beruhigte sich auch wieder als sie seine wohltuende und beschützende Wärme wahrnahm. Sie wußte, in seinen starken Armen war sie sicher. „Das ist das Geschenk des Höllenschlunds an die Jägerin wenn sie Geburtstag hat“, brach Xander die Stille.

„Sarah, bist du in Ordnung? Hat das Ding dich verletzt?“ fragte Giles nervös. Gemeinsam mit Angel trat sie vom Tisch weg. „Alles okay, obwohl dieses Ding mich fast umgebracht hat“, krächzte sie. Angel streckte die Hand aus und strich hauchzart über die Stelle an der sie gewürgt worden war. Er spürte wie ihr Blut schneller durch die Adern floß. Und instinktiv war ihm klar das es die Reaktion auf seine zärtliche Berührung war. Er lächelte sie an und Sarah lächelte zurück. Jenny brach es das Herz als sie das sah. Schon bald würde sie die Beiden trennen müssen. Sie wollte nicht, aber sie hatte eine Pflicht zu erfüllen. Sie mußte es tun.

„Ich bin okay“, antwortete Sarah. „Was ... war das denn?“ ergriff Willow das Wort. „Ein Arm“, antwortete Oz sachlich. „Das trifft den Nagel auf den Kopf“, mischte sich nun Xander ein. Und dann bemerkte Sarah das Angel völlig panisch auf die Kiste starrte. Er hatte Angst. Sie fühlte es. So hatte sie ihn noch nie erlebt. „Angel, was ist los?“ fragte sie. „Unmöglich. Das kann nicht sein“, flüsterte er. „Das wird sie nicht wagen.“ „Was wird wer nicht wagen? Klär uns auf, Death Boy“, meinte Xander um ihn zu ärgern, doch Angel sprang überhaupt nicht darauf an. Er blickte auf die Kiste; konnte den Blick nicht mehr davon lassen und führte Sarah noch ein Stück vom Tisch weg.

„Angel“, sprach Sarah eindringlich. Er hob den Blick. „Es ... es ist eine Legende. Sie entstand lang vor meiner Zeit. Es ist die uralte Geschichte eines Dämons, eines sehr bösen Dämons. Er hatte den Auftrag die Welt vor der Menschheit zu befreien.“ Angel schluckte. Das konnte einfach nicht wahr sein. „Dieser Dämon trennt die Guten von den Bösen. Die Guten verbrennt er zu Asche. Noch kein Sterblicher hat je eine Begegnung mit ihm überlebt. Seine Berührungen sind tödlich. Eine kleine Berührung genügt um einen Menschen zu verbrennen. Er wird der Richter genannt.“ Giles war der Name vertraut. Das erkannte Sarah. „Der Richter ... ist er das?“ Giles sah auf die Kiste. „Nur ein Teil von ihm“, antwortete Angel. Sarah schaltete sich ein. „Ich wüßte gern mehr. Könnte mich jemand aufklären?“ fragte sie in die Runde.

„Er konnte nicht getötet werden. Richtig?“ Giles sah Angel an. Der Vampir nickte bejahend. „Der Richter konnte nicht besiegt werden. Eine Armee wurde geschickt. Viele Soldaten fielen. Doch am Ende konnte man den Richter zerstückeln. Man trennte seine Körperteile voneinander weil es ihnen nicht möglich war ihn zu töten. Die Legende erzählt, daß keine geschmiedete Waffe ihm etwas anhaben konnte“, erzählte Giles weiter und er schwieg.

Dadurch griff Angel die Erzählung wieder auf. „Die Körperteile des Richters wurden in den verborgensten Winkeln dieser Welt gebracht und tief vergraben, denn niemand sollte den Richter jemals wieder zusammen bauen. Aber ... wenn Drusilla noch lebt dann wird es geschehen. Sie ist verrückt genug für eine solche Tat“, sprach Angel kopfschüttelnd.

„Also müssen alle Teile hierher gebracht worden sein“, schloß Miss Calendar. „Von Drusilla!“ sagte Sarah ohne zu zögern. „Diese Vampire da draußen waren die von Spike.“ „Sie ist so verrückt, daß sie die Welt zerstören würde“, murmelte Angel. Sarahs Freund sah immer besorgter aus. Er schien wirklich Angst zu haben und dadurch begann sich auch Sarah Sorgen zu machen. Und ein schmerzlicher Ausdruck trat in seinen Gesicht auf. Den es wurde ihm wieder bewußt das er an Drusillas Verrücktheit schuld war. Er, als er sich noch Angelus nannte, hatte sie vollkommen in den Wahnsinn getrieben. Er tat Sarah leid. Er hatte ihr die Kurzfassung der Geschichte geliefert. Er hatte es ihr erzählt weil er ihr vertraute.

Es war Willow, die sich mit nervöser Stimme meldete. „Was machen wir den jetzt? Sollen wir ... diesen Richter zusammenbauen?“ „Auf gar keinen Fall“, antwortete Angel. „Damit würden wir eine Katastrophe freisetzen. Der Richter zählt zu den gefährlichsten Dämonen der Welt.“ Eine grausame Stille breitete sich im Bronze aus. Diesen Ausgang der Party hatte niemand gewollt. So hatten sie sich das nicht vorgestellt. Es sollte eine ruhige und schöne Party zu Sarahs achtzehnten Geburtstag werden - ohne den Höllenschlund und seine grausamen Pläne zur Weltvernichtung. Und wieder hatte der Höllenschlund es geschafft die gute Laune der Jägerin zu ruinieren.

„Wir müssen ... müssen diesen Arm aus der Stadt schaffen“, meinte Giles in die bedrückende Stimmung hinein. „Angel“, meldete sich Jenny Calendar. „Angel?“ wiederholte Sarah verwirrt. Die Lehrerin trat zu ihnen. „Ja“, bestätigte sie und wandte sich dem Vampir zu. „Sie müssen den Arm wegbringen. Bei Ihnen ist das Ding sicher aufbewahrt.“ „Hallo!“ Sarah fuchtelte mit ihrer Hand vor Jennys Gesicht herum. „Ich bin auch noch da. Immerhin bin ich die Jägerin.“ Angst kroch ihr in den Nacken. Das durfte einfach nicht sein. Angel durfte nicht gehen. Ich brauche ihn, dachte sie bedrückt und blickte zu Angel hoch. Ihr Blick sagte ihm das sie ihn brauchte und seine Augen sagten ihr das Gleiche.

Ein trauriger Ausdruck trat in den Augen von Jenny Calendar auf. Ich hasse mich selbst weil ich das tun muß, dachte sie betrübt. Sie raffte die Schultern und blickte das Mädchen an. „Willst du für Monate die Stadt verlassen?“ „Für Monate?“ rief Sarah schockiert. Dieses Ding sicher zu verwahren konnte doch keine Monate dauern. Da mischte sich Angel ein. „Sie hat Recht, Sarah. Dieser Arm muß im verborgensten Winkel der Welt begraben werden.“ „Aber, doch keine Monate“, wisperte die Jägerin traurig. „Ein Frachter könnte mich nach Asien bringen“, meinte Angel ebenso traurig. Diese lange Reise würde bedeuten das er Sarah allein lassen mußte; das er sich von ihr trennen mußte und alles in ihm wehrte sich dagegen. Doch er hatte keine Wahl. Der Richter durfte auf gar keinen Fall zusammen gesetzt werden.

„Danach könnte ich zu Fuß nach Nepal wandern und dort in einer abgelegenen, tiefen Höhle die Kiste vergraben“, fuhr Angel benommen fort. „Angel, es gibt Flugzeuge. Die stürzen heute nicht mehr so oft ab wie früher“, warf Sarah ein. „Sarah“, meinte Angel ungeduldig. Doch es tat ihm sofort leid. Traurig lächelte er. „Ich kann doch in kein Flugzeug steigen. In einen Flugzeug kann ich mich nicht vor der Sonne schützen, Liebling.“ Verzweiflung trat in ihren Augen auf. Sie wollte nicht das er ging; das er sie für eine so lange Zeit alleine ließ. Sie wollte sich nicht von ihm trennen. Und er sich nicht von ihr. Aber die Situation ließ ihnen keine Wahl. Er mußte gehen wenn sie verhindern wollten das der Richter zusammen gebaut wurde.

Angels Stimme wurde sanft und er blickte Sarah zärtlich in die Augen. „Mir gefällt das auch nicht. Mir fällt es auch schwer mich von dir zu trennen. Ich will dich nicht allein lassen, aber wir haben keine Wahl. Ich muß das Ding wegschaffen bevor es größeren Schaden anrichtet.“ „Aber du bleibst für Monate weg“, protestierte die Jägerin. „Glaubst du etwa ich würde dich vergessen? Niemals, Liebling! Ich werde dich niemals vergessen. Du wirst immer bei mir sein. Ich liebe dich. Du weißt doch das meine Liebe zu dir grenzenlos ist. Und ich verspreche dir, ich werde so schnell wie möglich zurückkommen. Ich werde mich beeilen“, versprach Angel ihr.

Tief in sich drinnen wußte Sarah das er recht hatte. Aber es gefiel ihr nicht. Und es tat ihr weh wenn sie daran denken mußte Monate von ihm getrennt zu sein. „Und ... wann gehst du?“ fragte sie zögernd - mit Angst in Stimme vor seiner Antwort. Angel lächelte traurig. „Heute Abend.“ Ein schmerzlicher Stich breitete sich im Herz der Jägerin aus. „Aber ... mein Geburtstag? Du kannst mich doch während meines Geburtstages nicht allein lassen. Und die Party ...“ Ihr versagte die Stimme.

„Ich wünschte, ich könnte es ändern, Sarah. Aber ich muß den Arm so schnell wie möglich wegbringen. Verstehst du? Das Überleben der Menschheit hängt davon ab.“ Sie nickte bejahend. Angel nahm sie in seine Arme. „Ich verspreche dir, daß wir deinen Geburtstag gebürtig nachfeiern wenn ich wieder da bin. Nur du und ich, okay?“ Mechanisch nickte sie. „Ich kann dich zum Hafen fahren“, bot sich Jenny an. Angel nickte. Alle blickten die Beiden traurig an. Sie wußten das es Beiden schmerzte sich trennen zu müssen. Aber Sarah wußte er würde zurückkommen - so schnell wie möglich. Er würde sein Versprechen halten.

„Du hast die Kiste verloren?“ rief Drusilla außer sich und funkelte Dalton an, der beschämend zu Boden blickte. „Mein Geschenk! Wie konntest du es nur verlieren?“ „Tut mir leid“, flüsterte Dalton. „Ohne diese Kiste können wir das Geschenk nicht fertig stellen“, mischte sich Spike ein. „Die Jägerin ... sie ist daran schuld. Sie tauchte plötzlich auf. Wir haben sie nicht kommen sehen. Sie war auf einmal da.“ Drusillas Hand schoß nach vorne.

Sie warf Daltons Brille auf den Boden und schwenkte ihre Finger vor seinen Augen. „Hast du einen Wunsch?“ zwitscherte sie. „Einen ... Wunsch?“ stammelte Dalton. Die Vampirin nickte und lächelte gefährlich. Dalton sah in ihren Augen was sie vorhatte. „Bitte, nicht! Ich kann die Kiste zurückholen. Ich hole sie zurück, ehrlich. Du wirst sie bekommen“, bettelte er um sein Leben. Drusilla lachte, zertrat die Brille unter ihren Absatz und rief: „Okay.“ Sie setzte ihm die kaputte Brille wieder auf und glitt auf Spikes Schoß.

Der Hafen - Sarah seufzte traurig. Sie waren da. Gemeinsam mit Angel ging sie langsam über den Steg. Am Ende des Steges stand ein Frachter. Mit diesen Frachter würde Angel nach Asien reisen. Die Kiste hatte er auf seine Schulter gehievt. Mit der freien Hand hielt er Sarahs Hand fest. In stiller Eintracht gingen sie auf den Frachter zu. Ihr Kopf legte sich auf seine Schulter. Sie schmiegte ihr Gesicht in seine Jacke und sog seinen Duft ein. Angel neigte den Kopf und küßte ihr Haar. Sie war unglücklich; todunglücklich. Der Abschied tat ihr so weh.

Einige Meter vor dem Frachter blieb Angel stehen und drehte sich zu Sarah. „Ich ... wir sollten uns hier verabschieden. Es ist besser wenn ich allein weitergehe“, flüsterte er traurig. Tränen stiegen in Sarahs Augen auf. Sie wollte ihn nicht gehen lassen. Es brach ihr das Herz. „Na gut“, flüsterte sie. Sie ließ ihren Kopf sinken. Am liebsten würde sie vor Schmerz schreien; würde sich an Angel klammern und ihn nie mehr loslassen. Angel stellte die Kiste auf den Boden ab. Er umfaßte Sarahs Kinn und hob ihr Gesicht an. „Ich verspreche, ich komme zurück.“ „Wann denn? In einem Jahr? Oder in zwei? Keiner von uns weiß wie lange es dauert. Wer sagt uns denn, ob wir dann ...“ Sarah brach ab.

„Sag es mir“, bat Angel sanft. „Wir wissen doch nicht ob wir dann noch am Leben sind. Ich meine, mein Leben könnte dann ...“ Angel packte sie bei den Schultern und schüttelte sie leicht. „Sarah, nein“, meinte er bestimmt. „Wir werden noch am Leben sein. Wir werden leben und wir werden uns wiedersehen. Ich verspreche es dir.“ „Und wenn nicht?“ „Hör auf, Liebling. Du machst dir nur unnötig das Leben schwer. Du wirst überleben und ich auch. Denk nicht daran. Tue es nicht. Schau nach vorne. Es wird weder dir noch mir etwas zustoßen.“ „Das kannst du nicht wissen“, wisperte die Jägerin. „Du auch nicht. Wir können nicht wissen was uns das Schicksal vorherbestimmt; was in ein paar Monaten sein wird. Das ist das Leben, Liebling. Aber ich komme zurück. Vertrau mir. Ich komme zu dir zurück“, versprach Angel.

Da standen sie nun. Sie standen sich gegenüber und sahen sich traurig an. Zwei Menschen, die sich trennen mußten und nicht wußten wann sie sich wiedersahen. Zwei Menschen, die sich liebten und die Seite an Seite gegen das Böse kämpften. „Ich hab noch was für dich“, meinte Angel. „Was?“ „Dein Geschenk. Ich werde nicht da sein wenn du achtzehn wirst. Deshalb gebe ich es dir jetzt gleich.“ Angel griff in seine Jackentasche und holte eine Schatulle heraus. Er reichte es Sarah. „Darf ... ich es jetzt schon öffnen?“ fragte sie. Angel lächelte. „Ja.“ Ihre Hand zitterte als sie die Schleife abband, die um die Schatulle gebunden war. Sie öffnete die Schatulle.

Auf weißen Samt lag ein goldenes Armband. „Angel, daß ist ...“ Sie verstummte. In der Mitte war ein kleines Herz und daneben stand „Für immer“. „Oh Angel!“ Er legte ihr das Armband um das Handgelenk. „Du trägst meinen Ring und dieses Armband. Es wird dich immer an mich erinnern. Ich werde dich nicht vergessen. Ich werde jede Sekunde an dich denken“, sprach er leise. „Danke. Es ist wunderschön.“ Sie blickte ihn an. Und sie wußte, es war Zeit. Sie mußten jetzt Abschied nehmen. Sie konnten es nicht mehr hinausschieben. Es mußte sein. „Bitte, geh nicht“, bat Sarah. „Ich kann nicht bleiben. Du weißt das.“ Angel beugte sich zu ihr und küßte sie. Ein letztes Mal für eine lange Zeit. Sie umarmten sich; wollten sich nicht loslassen. Es war Angel, dessen Vernunft sich meldete: „Sarah ...“

In diesem Moment sprangen zwei Vampir auf sie zu. Angel und Sarah fuhren auseinander. Sie waren schon lange auf einander eingespielt. Ein eingespieltes Team, daß schon oft miteinander gekämpft hatte. Einer der Vampire stürzte sich auf Angel, der andere auf Sarah. Sarah wurde zu Boden geworfen. Sie rollte sich ab und entkam seinen Schlägen. Sarah nutzte seine Verwirrung aus um wieder auf die Beine zu kommen. Dann schlug sie den Vampir ein paar Mal hart in den Bauch. Angel hingegen schleuderte den Vampir von sich. Der Vampir kam aber wieder schnell auf die Beine und ging mit den Fäusten auf Angel los.

Sarah zog ihr Knie an und rammte es ihren Widersacher in die Magengegend. Der Vampir krümmte sich zusammen. Ein Schrei entkam ihm. Sarah packte ihn an den Schultern und warf ihn gegen die Reling. Der Aufprall tat dem Vampir weh. Er sackte in sich zusammen. Ein paar Sekunden hatte er Zeit um sich zu erholen. Als die Jägerin erneut angreifen wollte, schoß er hoch und teilte harte Schläge aus.

Sie bekämpften sich unerbittlich. Sarah und Angel waren beschäftigt; waren damit beschäftigt sich zu wehren. Und dies nutzte der Handlanger von Spike aus um zu holen, wofür sie gekommen waren. Dalton rannte über den Steg zu der Kiste. Er nahm sie an sich. Angel teilte einen harten Schlag aus, der seinen Gegner gegen einige herumliegenden Kisten schleuderte. Er wurde unter einen Stapel Kisten begraben. Da entdeckte Sarah aus dem Augenwinkel Dalton, der sich mit der Kiste aus dem Staub machen wollte. „Angel! Die Kiste! Er hat die Kiste!“ rief sie.

Angels Gegner hatte sich befreit und hatte ihn schon wieder in einen Kampf gezogen. Doch mit trommelten Fäusten konnte Angel sich befreien und den Gegner für eine kurze Zeit in das Land der Träume schicken. Er rannte hinter Dalton her und warf ihn zu Boden. Die Kiste schlitterte über den Steg. Sarah war noch immer damit beschäftigt sich ihren Widersacher vom Hals zu schaffen. Sie warf jedoch einen kurzen Blick zu Angel, der Dalton gerade am Boden festnagelte. Sarah war abgelenkt. Dies nutzte der Vampir aus. Er packte die Jägerin und warf sie über die Reling. Mit einen lauten Schrei stürzte Sarah in das eiskalte Wasser.

„Sarah“, schrie Angel, der durch ihren Schrei aufmerksam geworden war. Dalton nutzte es aus das Angel abgelenkt war. Er schaffte es Angel von sich zu schleudern und rappelte sich hoch. Dalton lief zu der Kiste. Angels Blick wanderte zu Dalton, dann zu der Stelle an der Sarah ins Wasser geworfen war. Er wußte, er mußte eine Entscheidung treffen. Des Richters Arm oder das Leben von Sarah.

Obwohl Angel wußte das er Dalton nicht davon kommen lassen durfte konnte er nicht anders. Er mußte Sarah helfen. Das Wohl seiner Freundin war ihm wichtiger als alles andere. Dalton hatte die Kiste an sich genommen und lief davon. Angel achtete darauf nicht. Er hatte Angst um das Mädchen, daß er vergöttert liebte. „Sarah!“ Er sprang auf das Geländer und tauchte in das eiskalte Wasser ein.

~ 4. ~

Sie konnten sich nicht konzentrieren. Die Bücher für ihre Nachforschungen lagen vor ihnen, doch alle starrte nur darauf. Was ist wohl passiert? fragte sich Willow. Sie beobachtete Giles, der nervös auf die Uhr sah - zum tausendsten Mal in dieser Stunde. Er machte sich genauso viele Sorgen um die Jägerin wie ihre Freunde. Sie sollte schon längst wieder da sein. „Vielleicht“, meinte Willow. „Hat sie sich wo verkrochen. Um ein paar Minuten für sich zu sein. Immerhin war der Abschied von Angel sicher nicht leicht.“ „Kann sein“, murmelte Giles, doch er glaubte daran nicht.

„Ich bin ungern der Spielverderber, aber ich sehe das von der positiven Seite“, meldete sich Xander. Sofort strafte Willow ihn mit einen bösen Blick, doch er ignorierte es. „Seien wir mal ehrlich. Was für Chancen hätte Sarah denn das diese skurrile Beziehung tatsächlich funktioniert? Sie hätte wahrscheinlich zwei Jobs - tagsüber kellnern und nachts Vampire vermöbeln. Und Angel würde nur noch vor der Glotze hängen. Er würde sich an die schönen Zeiten erinnern als Sarah noch glaubte, daß diese Vampir-hat-Seele-Nummer echt niedlich war. Vielleicht ist es besser so das er weg muß.“ Willow stieß einen protestierenden Laut aus.

„Du bist ein solch eifersüchtiger Idiot, Xander. Wie kannst du Sarah das nur wünschen? Siehst du nicht, daß sie ihn liebt und darunter leidet?“ stieß Willow verächtlich aus. „Es spielt keine Rolle wie lange sie getrennt sind ... Angel wird so schnell wie möglich zu ihr zurückkommen und er wird sie immer lieben. Du kannst die Beiden nicht trennen. Wann kapierst du endlich das er Sarahs große Liebe ist? Und noch etwas: Du solltest mit deinen Feindseligkeiten Angel gegenüber aufhören, sonst verlierst du nämlich Sarah als Freundin.“ Xander zuckte unter Willows scharfen Worten zusammen. Er hielt es für besser den Mund zu halten. So hatte Willow noch nie mit ihm gesprochen.

Da flogen die Schwingtüren auf und Sarah trat ein. „Ich warne dich, Xander“, murmelte Willow leise. Giles sprang sofort auf. „Was ist los?“ Seine langjährige Arbeit als Wächter ließ ihn spüren das etwas passiert war. „Sie haben die Kiste. Drusillas Leute haben uns erwischt. Sie haben die Kiste an sich genommen. Wir konnten sie daran nicht hindern.“ Sarah ließ sich auf den Stuhl neben Willow fallen. Das ging schief, dachte Giles betrübt. Nun mußten sie sehen wie sie die Vampire aufhalten konnten. Wenn es wirklich Drusilla war die den Richter wieder zusammenbauen wollte war die Welt in Gefahr.

„Wo ist Jenny?“ fragte er. „Fährt Angel nach Hause. Er muß sich umziehen. Ich hab ja Klamotten hier gehabt.“ „Und warum mußtet ihr euch umziehen?“ fragte Xander, dem die Eifersucht sofort wieder übermannte. „Weil wir naß geworden sind“, antwortete Sarah und wandte sich an Giles. „Und ihr seit naß geworden, weil ...“, setzte Xander wieder an. „Nicht jetzt, Xander“, winkte Sarah ab. „Giles, was machen wir den jetzt?“ fragte sie ihren Wächter.

„Je mehr ich über den Richter erfahre, desto weniger mag ich ihn“, begann Giles. „Die Legenden stimmen. Angel hatte Recht.“ „Haben Sie daran gezweifelt?“ meinte Sarah mit einen seligen Lächeln. Das Gute daran war das Angel jetzt doch nicht abfahren mußte. Das er hier blieb; hier bei ihr. „Nun ...“, setzte Giles wieder an.

„Schau mal“, meinte Sarah und reichte ihre Hand Willow. „Das ist aber schön“, meinte Willow entzückt als sie das Armband sah. „Hat Angel mir geschenkt. Sein Geschenk zu meinen achtzehnten Geburtstag.“ „Das ist echt toll“, schwärmte Willow. „Sarah!“ Giles ungeduldiger Ruf ließ die Jägerin aufsehen. „Ja?“ „Würdest du bitte zuhören?“ „Oh ... sicher“, sprach sie mit einen entschuldigenden Lächeln.

„Eine Berührung des Richters genügt um einen Sterblichen zu verbrennen. Ein Dämon überlebt das - aber ein Mensch nicht.“ „Und wo liegt das Problem?“ mischte sich Xander ein. „Schicken wir doch Cordelia zu den Richter. Die wird ihn schon fertigmachen und wir können ruhig abwarten.“ Xanders Bemerkung wurde geflissentlich überhört. „Giles, können wir den Kerl überhaupt aufhalten?“ fragte Sarah besorgt.

Giles holte ein Buch hervor und reichte es Sarah. Er hatte einige Zeilen mit einen gelben Textmarker angestrichen. Laut las sie vor: „Keine geschmiedete Waffe kann ihn töten. Keine geschmiedete Waffe kann ihm etwas anhaben.“ Sie seufzte. „Wir müssen wissen welche Schwachpunkte er hat. Ich meine, irgendeinen Schwachpunkt muß er doch haben“, meinte Sarah - versuchend sich ihre Verzweiflung nicht anmerken zu lassen. „Wir müssen raus finden wo sie den Richter verstecken“, sprach sie energisch.

Ein Seufzer entrang sich der Kehle von Sarahs Wächter. „Das wird dauern und diese Zeit haben wir nicht.“ „Rundruf“, meldete sich Willow. „Gute Idee. Xander, fang an“, erwiderte Sarah nur. Xander ging zum Telefon und wählte eine Nummer. „Rundruf?“ wiederholte Giles verwirrt. „Ein einfaches System, Giles. Jeder von uns ruft seine Eltern an, sagt ihnen das sie beim anderen lernen und es die ganze Nacht dauern wird. Damit können wir ungestört die Welt retten ohne das unsere Eltern sich Sorgen um uns machen“, erklärte Sarah. „Wieder mal“, fügte Willow hinzu. Xander hatte seine Mutter gerade am anderen Ende der Leitung. „Mom, ich bin es, Xander. Du - Willow und ich müssen lernen. Es wird die ganze Nacht dauern“ ...

[Drei Uhr nachts]

Es war spät und noch immer keine Lösung in Sicht. Sie waren alle mit den Nerven am Ende. In der Zwischenzeit ihrer Recherchen war auch Angel gekommen. Willow sah von ihren Laptop auf und blickte zu ihren Freund hinüber. „Kaum zu glauben das Oz dabei so ruhig bleiben kann. Obwohl es zum Verzweifeln ist“, sprach sie lächelnd. „Also, ich kann es verstehen“, meinte Xander, klappte wütend ein Buch zu und griff nach dem Nächsten. „Bist ja bloß neidisch auf ihn weil du nicht so eine Geduld hast“, neckte Willow ihren langjährigen Freund. Xander schnitt eine Grimasse und begann zu lesen. Und Willow vertiefte sich wieder über ihre Recherchen am Computer. Und Oz? Er war wie Angel die Ruhe selbst.

„Angel!“ Giles blickte zu Angel, der gerade die Treppe von der Galerie herunterkam. „Hast du die Kiste gefunden?“ Ihr Verhältnis hatte sich geändert. Sie hatten ein gewissen Vertrauen aufgebaut und angefangen sich zu duzen. Es war einfacher. Außerdem zeigte es Sarah das ihr Wächter ihrem Freund vertraute. Aber es war auch nur eine Frage der Zeit gewesen; den Beide verfolgten das gleiche Ziel. Sie beide wollten Sarah schützen und ihr helfen wo sie nur konnten. Angel und Giles blickten zu der Jägerin und Angel vergaß seine Antwort.

Sarah saß an Giles’ Schreibtisch in seinen Büro. Vor ihr lag ein aufgeschlagenes Buch, doch sie war schon längst darüber eingeschlafen. Ihr Kopf lag auf ihren verschränkten Armen und sie schlief tief und fest. „Wir sollten sie schlafen lassen“, flüsterte Giles. Er blickte Sarah mitleidig an. Und Angel blickte verliebt auf seine schlafende Freundin. „Scheint, als ob sie diese Ruhe nötig hat.“ „Ja“, antwortete Angel. „Sarah schläft momentan sehr schlecht. Sie wälzt sich immer hin und her.“ Sarahs Freunde starrten Angel fassungslos an. „Das hat sie mir erzählt“, verteidigte er sich. „Ihre Träume lassen sie nicht schlafen.“ Das schien ihre Freunde zufriedenzustellen. Sie wandten sich wieder ihrer Arbeit zu.

Ihre Träume ... Sarah trug ein weißes Kleid und ging durch einen mit Kerzen erhellten Raum. Die hohen Lehnen der Stühle waren mit Blumen dekoriert. Alles - der ganze Raum - war fein dekoriert; wie für eine Party. Sarah wußte wo sie war. Sie war in der Fabrik, die Spike als Versteck gedient hatte. Langsam ging sie weiter - setzte einen Fuß nach dem anderen. Vorsichtig und wachsam blickte sie sich um.

Und dann sah sie die Kisten. Die Kisten standen überall am Boden.. Ein Schatten huschte an ihr vorbei. Doch Sarah konnte nicht sagen wer es war. Es war jedoch eindeutig die Gestalt einer Frau gewesen. Ihr Blick wanderte wieder zu den Kisten. Sie sahen aus wie die Kiste, die Angel wegbringen wollte. Sie kniete sich nieder und wollte eine Kiste öffnen.

„Nimm deine Hände da weg“, fuhr eine Stimme sie an. Es war eine kalte, weibliche Stimme - Drusillas Stimme. Sie war also noch am Leben. Sarah fuhr herum. „Das sind meine Geschenke! Faß sie ja nicht an!“ fauchte die Vampirin. Da stand sie. Oben an der Treppe stand wirklich Drusilla.

Sie lächelte triumphierend auf die Jägerin herab. Drusilla trug ebenfalls eine weißes Kleid und ihr Handgelenk umfaßte ein langes, scharfes Messer. Ein Messer, daß sie auf Angels Kehle gerichtet hatte. Die messerscharfe Klinge preßte sich gegen seine Kehle. Angel blickte Sarah in Todesangst an. „Angel“, schrie Sarah panisch. „Nein! Angel!“ ...

Sarah fuhr aus ihrem Traum hoch. Panisch blickte sie sich um. Sie war in Giles’ Büro in der Bibliothek und Angel war bei ihr. Sarah sank in seine Arme und klammerte sich an ihn. Angel war sofort zu ihr geeilt als er gehört hatte wie sie in Todesangst seinen Namen gerufen hatte. „Ist ja gut. Dein Traum ist vorbei, Sarah. Ich bin da. Ich bin hier bei dir“, sprach er sanft auf sie ein.

Er wollte sie trösten; ihr die Erinnerung an den schlimmen Traum nehmen. Sarah schlang ihre Arme fest um ihn. „Angel! Es war so schrecklich. Der Traum ... er war so schrecklich“, flüsterte sie. „Er ist vorbei.“ Sarah schloß die Augen. Die Szene aus ihrem Traum wurde wieder wach. Sie sah wieder wie Drusilla Angel in ihrer Gewalt hatte und ihn töten wollte. Und jetzt war sie sich hundertprozentig sicher: Drusilla lebte noch.

Die verrückte Vampirin war noch am Leben und sie trachtete nicht nur der Jägerin nach dem Leben. Sondern auch Angel. Angel und sie waren in Gefahr; in großer Gefahr. Ihre Träume würden Wirklichkeit werden. Es war ein Omen gewesen. Sie war sich jetzt sicher. Sarah kuschelte sich an Angel; wollte diesen Moment festhalten. Sie wollte das er nie mehr verging. Sie spürte, daß sie in großer Gefahr waren - Angel und sie. Doch diesmal ... diesmal kam die Gefahr auch woanders her. Alles, was sie bisher erlebt hatten, war nichts im Vergleich zu dem was noch auf sie zukommen würde. Diese große unbekannte Gefahr machte ihr Angst.

Drusillas Augen glänzten. „Musik!“ rief sie. Sie trug ein atemberaubendes rotes Kleid und wiegte sich fröhlich hin und her. Sie lobte Dalton dafür das er ihre Kiste zurück geholt hatte. Vorfreude - das war es was sie fühlte. Vorfreude auf das was gleich kommen würde. Da rollte Spike auf sie zu. Auf seinen Schoß stand eine Kiste. Es war die letzte Kiste.

„Baby, dein Geschenk“, meinte er. Drusilla ging vor ihm auf die Knie und schnurrte glücklich. „Das Beste immer zuletzt“, flötete sie. Zwei Gefolgsleute trugen die Kiste zu den anderen, die schon zusammen gesetzt worden waren. Sie nahmen die Form eines Körpers an. Zwei Arme, zwei Beine, der Rumpf und der Kopf. Das war in der letzte Kiste drinnen - der Kopf dieses Dämons.

Die Kiste schloß sich mit den anderen zusammen und alles wurde in ein helles Licht getaucht. Energie durchströmte den Körper hinter den Kisten. Drusilla hüpfte erwartungsvoll von einen Bein auf das andere. Sie war schrecklich nervös. Dann blitzte es plötzlich und krachte. Im selben Moment sprangen die Kisten auf. Ein blauer Dämon kam zum Vorschein - ein riesiger Dämon.

Er war eine klobige Gestalt. Sein Gesicht hart und breit. Sein Körper wurde von Energie heimgesucht. Seine Füße waren gepanzert; er trug Hörner auf dem Kopf. Er war - schlicht und einfach - gigantisch. Und seine Augen erst - schwarz, ohne Seele, ohne Gefühl. Die perfekte Maschine für die Vernichtung der Welt. „Wie gefällt dir dein Geschenk?“ fragte Spike. Drusilla lächelte glücklich. „Er ist das Beste, was ich je geschenkt bekommen habe“, flüsterte sie ehrfürchtig.

Der Richter war wirklich eine imposante Gestalt. Er verkörperte Tod und Zerstörung; die Vernichtung der Menschheit. Ruhig blickte er sich um. Spike war froh ein Dämon zu sein. Er war froh ein böser Dämon zu sein. Als Sterblicher hätte er wahrscheinlich schon längst die Flucht ergriffen. Mit diesem Monster an ihrer Seite konnte gar nichts schiefgehen. Angel und die Jägerin standen vor einem nicht zu lösenden Problem. Er grinste und der Richter trat aus den zusammen gesetzten Kisten. Dieser Dämon war wirklich der perfekte Killer. Die perfekte Waffe gegen die Jägerin. Das Werkzeug für ihre Rache.

Der Richter hob seine Hand und blickte Drusilla an. „Du ...“, begann er. Doch Spike würde nicht zulassen das er Drusilla etwas antat. Er ging dazwischen. „Einen Moment, Kumpel“, warnte er drohend. „Was soll das den werden?“ „Ihr fühlt Zuneigung für einander. Und Eifersucht. Liebe“, antwortete der Richter verächtlich. „Und?“ entgegnete Spike trotzig. „Darf ich dich daran erinnern das wir dich hierher gebracht haben?“ Das schien zu wirken. Der Richter dachte darüber nach. Dru kam auf ihn zu. „Du darfst dir einen Wunsch erfüllen“, zwitscherte sie. „Such dir einen aus.“ Der Richter sah die Vampire an. Dann fiel sein Blick auf Dalton. „Er liest. Bringt ihn zu mir“, sagte er und zeigte auf Dalton.

Dalton wehrte sich und wollte aus dem festen Griff seiner Genossen freikommen. Doch er hatte nicht die Kraft dazu. Er war gefangen und würde gleich sterben. „Kannst du ihn nicht einfach so verbrennen?“ mischte sich Spike ein. „Ich brauche etwas Zeit. Meine Macht kommt bald zurück. Doch bis dahin muß ich die Menschen berühren um sie zu vernichten“, erklärte der Richter. Dalton wand sich.

„Bitte nicht! Nein! Bitte nicht“, rief er panisch. Der Richter streckte seine Hand aus und legte sie auf die Brust von Dalton. Endlich, dachte er zufrieden. Dalton wimmerte leise und zitterte am ganzen Leib. Und dann ... verbrann er einfach. Rauch stieg auf und sein Körper wurde erhitzt. Eine Flamme schoß hoch hinaus und ließ nichts von Dalton übrig. Drusilla war begeistert. „Nimm dir noch einen“, rief sie. Der Richter sah zufrieden aus. Spike blickte Drusilla in die Augen. Sie waren es auch.

~ 5. ~

Mit neuem Mut verließ Sarah das Büro von Giles und griff nach ihrem Jägerbeutel, der am Tresen lag. Alle starrten sie fragend an. „Was ist los?“ fragte Giles sofort, der die Galerie herunterkam. Angel wandte sich zu ihm um. „Sie hat schon wieder schlecht geträumt.“ Sarahs Augen richteten sich auf ihren Wächter. „Ich weiß jetzt, wo sie sind - Drusilla und Spike. Sie lebt noch. Ich wußte es. Und ich weiß, wo sie sind. Und genau dahin werden Angel und ich jetzt gehen.“ „Oh ...“ Giles blickte von einem zum anderen. Er kam die Stufen herunter und blieb vor seinen Schützling stehen. Giles legte das Buch, daß er gerade studierte, auf den Tresen.

„Nun ... wenigstens wissen wir jetzt das sie noch lebt. Aber hältst du es für eine gute Idee sie gleich aufzusuchen? Du weißt nicht, wie viele Vampire sie bei sich hat und wie weit sie mit dem Richter ist.“ Besorgnis stand in seinem Gesicht. Angel zog seinen Mantel an. „Giles, wir müssen etwas tun“, sprach Sarah eindringlich und schnappte sich ihre Jacke, in die sie schnell schlüpfte. „Du brauchst einen Plan. Du kannst dort nicht unvorbereitet hingehen. Auch nicht, wenn du Angel als Unterstützung mitnimmst.“ „Giles“, meinte Sarah ungeduldig. „Ich habe doch einen Plan. Lassen Sie mich bitte ausreden.“ „Oh ... natürlich“, sprach der Wächter peinlich berührt.

„Mein Plan sieht so aus: Angel und ich sehen in der Fabrik nach. Wir schauen uns an wie weit die mit dem Richter sind. Inzwischen schwärmt ihr alle aus und sucht die Stadt ab. Also, Busbahnhof, Verladeplätze, Hafen und so. Ihr sucht die ganze Stadt ab, wenn es sein muß. Alle Orte, wo man Kisten verlädt. Giles, die Situation ist ernst. Wir können nicht warten bis sie alle Kisten haben und dieses Monster zusammenbauen. Wir müssen sie daran hindern. Wir müssen jetzt was tun“, meinte sie entschlossen. Giles nickte. Ihr Plan war tatsächlich gut. „Okay. Aber sei vorsichtig“, bat er. „Klar. Ich hab doch Angel bei mir. Was soll mir da schon passieren?“ gab Sarah zurück und verließ mit Angel die Bibliothek. Ihre Freunde taten was Sarah geplant hatten. Sie machten sich auf die Suche.

Still schritten Sarah und Angel durch die finstere Nacht - Seite an Seite mit gleichmäßigen, lautlosen Bewegungen. Sie waren völlig im Einklang mit den anderen. Niemand mußte ein Wort sagen. Wörter waren jetzt nicht nötig. Sarahs Blick glitt hin und wieder zu Angel. Sie wollte sich vergewissern das er wirklich da war; das es ihm gut ging. Ihre Träume hatten sie ängstlich gemacht. Eine große Gefahr kam auf sie zu. Doch die Jägerin konnte nicht sagen um welche Gefahr es sich handelte. War es wirklich die Gefahr, die vom Richter ausging? Oder bedrohte etwas anderes sie? Sie wußte es nicht. Und genau das machte ihr Angst.

Und dann war da die Fabrik vor ihnen. Die Fabrik, in der Spike mit seinen Leuten und Drusilla gehaust hatte. Sarah verfluchte sich selbst. Sie hätte diese Fabrik, die schon vor langer Zeit stillgelegt worden war, schon eher kontrollieren müssen. Sie hätte sich vergewissern müssen das Spike und Drusilla wirklich tot waren. Sie war nachlässig gewesen. Nun ... jetzt war es auch zu spät. Sarah und Angel kletterten lautlos auf das Dach und schlüpften durch die Öffnung. Lautlos schritten sie über den laufstegartigen Gang, der unter dem Dach verlief.

Aufmerksam ließ Sarah ihren Blick über das Geschehen unter ihr schweifen. Die Vampire feierten eine Party. Wie nett, spottete sie im Stillen. Und dann erstarrte sie. Ihr Blut schien zu Eis zu werden. Da waren sie. Ihre Träume hatten recht. Sie lebten noch. Drusilla stolzierte neben einen sichtlich angeschlagenen Spike her. Er saß im Rollstuhl und sah ziemlich ramponiert aus. Sarah hatte ihm ganz schön zugesetzt.

Angel tippte sie am Arm an. Sarah blickte ihren Freund an. Ihre Augen folgten seinen Arm, der in eine Richtung zeigte. Da war er: Der Richter. Sie kamen zu spät. Drusilla und ihre Leuten hatten ihn schon zusammen gebaut. Er war wirklich eine furchteinflößende Gestalt. Sarah stellte es die Nackenhaare auf als sie ihn sah. Er konnte unglaublichen Schaden anrichten.

„Das kommt mir so bekannt vor. Mein Traum ... genau dort habe ich es gesehen“, flüsterte sie Angel zu. Er nickte. Er verstand sie. Und er wußte auch das ihre Angst um ihn wieder hervor kam. Sie versuchte es zu verbergen. Vor ihm; vor den anderen. Doch er konnte ihre Angst förmlich riechen. Und es tat ihm leid das er ihr nicht helfen konnte diese Angst zu überwinden. Sie befand sich nun mitten in ihrem Traum und Sarah konnte den Gedanken nicht ertragen, daß sich auch der Rest ihres Traumes erfüllen würde.

Da blieb er Richter plötzlich stehen. Er blicke sich mißtrauisch um. „Stimmt was nicht?“ fragte Spike. Dann richtete das Monster seinen Blick auf Angel und Sarah. Und alle folgten seinen Blick. „Los komm! Wir müssen abhauen“, meinte Angel und drehte sich um. Doch da wurden sie von beiden Seiten von Spikes Gefolgsleuten eingekeilt. Sie wußten, es hatte keinen Sinn zu kämpfen. Sie waren zahlenmäßig unterlegen und dazu noch umzingelt.

Obwohl Angel und Sarah sich heftig wehrten wurden sie die Treppe hinunter geschafft. Vor Spike und Drusilla wurden sie zum stehen gezwungen. „Sieh mal an“, spottete Spike. „Wenn haben wir denn da? Ich kann mich nicht erinnern euch eingeladen zu haben.“ Sarah verzog die Lippen zu einen schiefen Grinsen, obwohl sie innerlich glühte vor Angst. „Tja, wir dachten, wir schauen mal was hier so los ist“, gab Sarah bissig zurück.

Sie zitterte innerlich und betete das sie ihren nächsten Geburtstag noch erleben würde. Sie wollte nicht sterben; schon gar nicht an ihrem achtzehnten Geburtstag. Sie war nun achtzehn und diese Kerle konnten sie nicht einmal zu ihrem Geburtstag in Ruhe lassen. Das Leben war nicht fair. Schon gar nicht wenn man die Jägerin war. Hoffentlich überleben wir das, dachte sie und sie blickte Angel in die Augen.

Angel erwiderte ihren Blick. Dadurch schöpfte Sarah wieder Hoffnung. Selbst, wenn sie nicht mehr weiter wußte ... sie vertraute Angel. Er würde sicher einen Weg finden. Und wenn nicht ... dann sterben wir gemeinsam. Wie romantisch, dachte sie spöttisch. Wenigstens war sie nicht allein, wenn sie schon sterben mußte.

„Mein Traum sagte mir, daß ihr vorbei kommen würdet. Das ist schön“, zwitscherte Drusilla voller Freude. Drusilla wackelte mit ihren frisch lackierten Fingernägel vor Sarahs Gesicht herum und knurrte. „Laßt sie bloß in Ruhe“, rief Angel panisch. Er hatte geschworen, sie zu beschützen. Er würde nicht zulassen das ihr etwas geschah. Mit all seiner Kraft würde er das verhindern.

Drusilla ließ den Richter Platz, der sich vor Sarah aufbaute. „Dieses Mädchen“, sprach er. Sarah wehrte sich und blickte den Richter in die Augen. Angst machte sich in ihr breit. Sie wußte, eine Berührung genügte und sie war ein Häufchen Asche. Er darf mich nicht berühren, dachte sie. Sarah hatte sich jedoch unter Kontrolle. Niemals würde sie vor ihren Erzfeinden die Beherrschung verlieren. Diese Genugtuung würde sie ihnen nicht geben. Unmögliches ist für mich möglich. Denn ich bin die Jägerin. Immer und immer wieder sagte sie sich im Stillen diesen Satz damit sie ihre Furcht nicht zeigte.

„Schrecklich, nicht wahr?“ meinte Drusilla voller Abscheu. Ihre haßerfüllten Augen waren auf die Jägerin gerichtet. „Sie ist so gut. So rein und voller Gerechtigkeit.“ Der Richter trat einen Schritt nach vorne. „Nein“, schrie Angel und schaffte es sich zwischen die Jägerin und den Dämon zu drängen. „Verschont sie! Tötet mich!“ „Angel, nein“, rief Sarah. Sie konnte es nicht glauben. Er bot den Vampiren sein Leben an damit sie verschont wurde. Angel war bereit für das Mädchen, daß er liebte, zu sterben. Da mischte sich Spike ein. „Du hast die Spielregeln noch nicht begriffen“, meinte er als Angel von Spikes Männer wieder zurück gerissen wurde. „Wichtig ist, daß ... wenn du zuerst stirbst, kriegst du nicht mehr mit wie deine Freundin verkohlt. Und das ist nicht lustig“, meinte Spike haßerfüllt.

Angel setzte seine ganzen vampiristischen Kräfte ein um sich zu befreien. Doch die Vampire hielten ihn eisern fest. Er blickte sich um; wütend auf sich selbst weil er so verdammt hilflos war. Er mußte einen Weg finden wie sie fliehen konnten. Panisch sah er wie der Richter seine Hand nach Sarah ausstreckte und sie berühren wollte. Nein, dachte Angel entschlossen. Das werde ich nicht zulassen. Sie hatte Angst, daß sah er. Doch Angel dankte ihr das sie die Beherrschung nicht verlor; das sie die Nerven behielt und ihm vertraute.

Sein Blick wanderte in der Halle herum. Neben sich; über sich. Es mußte doch irgend etwas geben womit er dem Richter dazwischen funken konnte. Ich muß es verhindern, dachte er. Ich muß irgendwie frei kommen. Fiebernd blickte Angel sich um. Seine Augen blieben ober sich an der Decke hängen. Genau das war das Richtige. Irgendwie muß ich da ran kommen, dachte er verzweifelt und überlegte. An der Decke hingen einige alte Fernseher. Sie hingen an einigen Ketten. Ich muß mich losreißen, dachte Angel. Ich muß die Kette zu fassen bekommen und daran ziehen ...

Sarah blickte den Richter aus großen Augen an. Seine Hand kam immer näher. Ihr Blick wanderte zu Angel. Obwohl er sich suchend umsah, fand er nichts, womit er ihr helfen konnte. Tja, daß war es dann wohl, dachte Sarah. Angel blickte seine Freundin verzweifelt an. Noch nie hatte er den Richter in Aktion erlebt, aber er wußte, Sarah würde einen fürchterlichen Tod erleben wenn dieses Ding sie nur leicht berührte. Sie war stark; trainiert von ihrem Wächter und ihm - ihren Freund und einen Vampir. Er hatte ihr einige neue Tricks beigebracht, doch in der jetzigen Situation konnte sie nichts machen. Sie war verloren, wenn er nicht an diese verdammte Kette kam damit die Fernseher herunter rasseln konnten.

Der Richter war bei Sarah angekommen. Spike und Drusilla grinsten. „Nein!“ Angels Ruf verhallte in der Halle. Sarahs Gesicht nahm einen entschlossenen Ausdruck an. Sie würde dagegen ankämpfen. Sie würde es wenigstens probieren. Ihr Fuß schoß nach oben und berührte den Richter an der Brust. Der Tritt saß. „Rühre ihn nicht an! Du darfst ihn nicht berühren“, rief Angel panisch. Er glaubte felsenfest, daß war es mit seiner Freundin. Er rechnete damit, daß sie jetzt verbrannte. Auch alle anderen rechneten damit. Doch es geschah nicht. Sie schien unverletzt zu sein.

Angel nutzte die Verwirrung der Anwesenden aus. Er riß sich los und griff mit einer schnellen Bewegung nach der Kette. Bevor noch irgend jemand reagieren konnte, riß er heftig daran. Die Fernseher gaben ein lautes Geräusch von sich und fielen von der Decke - ohne jeglichen Halt. Sie schlugen ein Loch in den Boden. Sarah sprang hoch und landete neben Angel. „Los, da runter“, befahl Angel. Sarah sprang und glitt in die Kanalisation. Angel machte es ihr nach und nahm sie bei der Hand. Gemeinsam flohen sie. „Verfolgt sie! Los“, schrie Drusilla ihre Leute an. Sie war wütend darüber das den Beiden die Flucht gelungen war.

Sarah und Angel versteckten sich hinter einer Tür und warteten bis ihre Verfolger an ihnen vorbei gelaufen waren. Erst als die Geräusche verklungen machten sie sich aus ihren Versteck los und rannte in die andere Richtung durch den Abwasserkanal. „Da rauf“, meinte Angel als er eine Leiter entdeckte, die nach oben führte. Er ging voran und schob den Deckel zur Seite. Dann half er Sarah. Draußen schüttete es aus Kübeln. Der Regeln prasselte heftig und hart auf die Straße nieder. Sarah zitterte. Sie ergriff seine Hand. „Komm, wir suchen uns jetzt einen warmen Platz“, sprach Angel und sie liefen über den Rasen ...

Angel schloß die Tür seines Apartments hinter sich. Sarah war völlig durch gefroren. Ein heftiges Zittern erfaßte ihren Körper. Angel zog seinen Mantel aus und warf ihn auf die Couch. Dann nahm er Sarah in die Arme. „Du bist ganz kalt“, stellte er fest. „Mir ... ist auch ... kalt“, stotterte die Jägerin. „Du bekommst von mir was warmes zum Anziehen. Danach legst du dich ein wenig unter die Decke um dich aufzuwärmen.“ Sarah folgte Angel in sein Schlafzimmer. Aus seinem Kleiderschrank holte er eine Jogginghose und einen warmen Pullover. Beides reichte er Sarah.

Zögernd blickte Sarah auf das Bett und dann auf Angel. „Angel?“ „Ja?“ „Dreh dich bitte um“, bat sie. „Oh ... ja, natürlich. Entschuldige!“ Er drehte Sarah den Rücken zu. Sie setzte sich vorsichtig auf sein Bett, dessen Überzug dunkelrot war. Es war weich. Und sie würde sicher gut hier schlafen. Sarah überlegte. Eigentlich hatte sie noch nie bei Angel geschlafen, obwohl sie nun schon so lange mit ihm zusammen war. Sie hörte wie der Donner wütend schrie. Blitze zuckten über den dunklen Himmel.

Vorsichtig schälte Sarah sich aus ihren nassen Kleider. „Au!“ Leise stöhnte sie auf. Angel war sofort besorgt. „Sarah, ist alles in Ordnung?“ fragte er. „Nun ... ich glaube, ich hab mich doch verletzt. An der Schulter“, gab sie zu. Sie wollte ihm nicht sagen, welche Hitze sie gespürt hatte als sie den Richter berührt hatte. Es würde Angel nur unnötig aufregen. Und er hatte heute schon genug Angst um sie gehabt. Sie wollte ihm nicht noch mehr Angst machen. Sarah zog ihr Oberteil aus und wieder stöhnte sie leise auf.

„Hast du was dagegen ... wenn ... ich mir das mal ansehen? Deine Verletzung, meine ich. Wenn du wirklich verletzt bist muß ich das versorgen“, sprach er stockend. „Ja ... du hast recht. Okay, sie es dir an“, flüsterte Sarah. Sie hielt schützend seinen Pullover vor die Brust. Vorsichtig setzte sich Angel hinter sie. Hauchzart glitten seine Finger über ihren Rücken und verweilten an der Stelle, wo es weh getan hatte.

„Ist nur ein Kratzer“, flüsterte er. „Er ist schon verheilt.“ Sarah bewegte sich nicht. Auch Angel rührte sich nicht. Die Spannung zwischen ihnen war regelrecht zu spüren. Die Anspannung fiel von der Jägerin ab. Wieder fing sie heftig zu zittern an. Erleichtert sank Sarah gegen Angel. Er legte seine Arme von hinten um sie. Sarah drehte sich ein wenig und schmiegte ihr Gesicht gegen seine Wange. „Du hättest heute sterben können“, flüsterte sie leise. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Erst jetzt wurde ihr wirklich die Gefahr bewußt in der sie geschwebt hatten.

Sie atmete seinen Geruch ein und er ihren. Ich hätte ihn fast verloren, dachte Sarah ängstlich und sie schmiegte sich enger an ihn. Jetzt war er ihr so nahe. Niemals zuvor war Angel ihr so nahe gewesen. Zärtlich streichelte An