Title: Die Jägerin und ihr Vampir, Teil 3 – Abschied von Angel
Author: Tegan

Fandom: Buffy – The Vampire Slayer
Rating: R
Category: Schmerz, Fights, Drama
Characters, Pairing: Der Buffy-Cast, Angel / Sarah

Summary: Nach ihrer verhängnisvollen Nacht mit Angel ist nichts mehr wie früher. Eine schwere Zeit steht Sarah bevor, in dem auch noch das Geheimnis um Jenny Calendar gelüftet wird. Doch viel Zeit haben die Freunde nicht sich von dem Schrecken zu erholen. Denn etwas geschieht, was Sarah zwingt, zu handeln ...

Disclaimer: Die Charaktere von Buffy gehören nicht mir, sondern Joss Whedon und anderen. Diese Story ist FanFiction mit der weder Geld verdient, noch Rechte verletzt werden sollen. Ich schreibe sie nur zu meinen Vergnügen.

Note: Manchmal muß man von liebgewonnen Menschen (oder Serien-Charakteren) Abschied nehmen. Aber keine Sorge, es ist kein Abschied für immer. Die Story geht natürlich weiter. Lest einfach die Fortsetzung um zu erfahren wie es um die Jägerin, ihre Gang und ihre unglückliche Liebe weiter geht.


Die Jägerin und ihr Vampir, Teil 3 - Abschied von Angel
written by Tegan
© 2001

In jeder Generation gibt es nur eine Jägerin. Sie muß sich gegen Vampire und die Dämonen der Finsternis stellen. Sie allein ist auserwählt. Sie muß bereit sein, ihr Leben für die Menschheit zu opfern. Stirbt sie, tritt die nächste Jägerin an ihre Stelle ...

~ 1. ~

Sie konnte nicht schlafen. Sie träumte schlecht. In ihrem Traum sah Sarah Angel. Wie er sie in den Armen hielt und ihr sagte, daß er sie liebte. Wie oft hatte er es ihr schon gesagt? - Unzählige Male. Früher hatte sie bei einem solchen Traum unbewußt gelächelt. Nun war selbst dieser Traum eine Qual für sie. Eine Qual, weil er nicht mehr da war - weil er nicht mehr der war, den sie liebte. Nun war er ein Monster, daß sie jagte und verfolgte.

In ihrem Traum gefangen bemerkte Sarah nicht die Gestalt vor ihrem Fenster. Angelus blickte hindurch und sah die Jägerin. Wie er - ein gefährliches, schönes Geschöpf - voller Stolz und Selbstbewußtsein. Doch diesen Stolz hatte er ihr genommen; genau wie das Selbstbewußtsein. Sie hatte ihn am Leben gelassen, obwohl sie die Gelegenheit dazu gehabt hatte ihn zu töten. Sie hatte es nicht tun können. Etwas in ihr hatte sich gewehrt ihn zu töten. Angelus wußte was es war. Es war ihre Liebe zu ihm. Sie sah in ihm noch immer den Vampir, den sie liebte. Und nicht das Wesen der Nacht, daß böse Wesen, daß er nun wieder war.

Angelus öffnete das Fenster und kletterte hindurch. Lautlos näherte er sich dem Bett der Jägerin. Er setzte sich auf die Bettkante und studierte Sarah. Er roch ihren unverwechselbaren Duft. Die Erinnerung an ihre gemeinsame Nacht war noch in ihm. Die Erinnerung daran, wie sie ihn geliebt hatte ... wie sie ihm alles von sich offenbart hatte ... sie war noch da. Sie war noch frisch. Er wußte, er war von ihr besessen.

Sie sprach in ihrem Schlaf. Mit leiser Stimme sprach sie seinen Namen. „Angel!“ Es klang verzweifelt. Seine Verwandlung ... der Schmerz, den er in ihr ausgelöst hatte ... es verfolgte sie bis in ihre Träume. In ihrem Traum sah Sarah ihn vor sich. Mit zärtlichen Blick gestand er ihr seine Liebe. „Ich liebe dich“, erwiderte Sarah leise. Angelus lachte leise. Noch immer, dachte er schadenfroh. Wie lange wird es noch dauern bis du verstehst das dein Freund tot ist? Das er für immer fort ist und es auch bleibt? sprach Angelus im Stillen zu Sarah.

Sarah wand sich hin und her. Sie schlief unruhig. Angelus erkannte ihre Verzweiflung; ihren Schmerz und ihr Leid. Selbst im Schlaf weinte sie. Sie trauerte um ihn und um ihre verlorene Liebe. Das sie selbst im Schlaf litt, gefiel ihm sehr. Das Haar fiel ihr ins Gesicht. Automatisch streckte Angelus die Hand aus und strich ihr die Strähnen zur Seite.

Seine Finger glitten über ihre Wangen, zum Kinn und strichen zum Schluß über die Lippen. Angelus erinnerte sich an jede Einzelheit ihrer Nacht. Ihre Leidenschaft, ihre Küsse und ihre Berührungen ... Er seufzte leise. Egal ob Hass oder Liebe ... sie schienen noch immer miteinander verbunden zu sein. Angelus beugte den Kopf und fing an, an seiner Überraschung für Sarah zu arbeiten.

Die Vögel zwitscherten ein zartes Lied. Die Sonne erwärmte den Morgen. Sarah stöhnte und grub ihr Gesicht ins Kissen. Der Morgen war schon wieder viel zu früh erwacht. Das Hinauszögern half jedoch auch nichts. Sie mußte aufstehen. Da ging ihr Wecker los. Sarah haute mit der Hand zielsicher auf den Wecker und er verstummte. Ihre Hand ertastete ein Stück Papier. Verwundert öffnete Sarah die Augen und setzte sich auf. Auf ihrem Kopfkissen lag ein brauner Umschlag.

Ihre Instinkte als Jägerin ahnten etwas. Aber sie wollte es nicht glauben. Mit zitternder Hand öffnete sie den Umschlag und zog ein braunes Blatt Papier heraus. Ihre Hände zitterten immer mehr als sie das Papier auseinander faltete. Sarah erschrak. Das Bild zeigte sie. Sie war mit Kohle gemalt worden - im Schlaf.

Sarah schnappte nach Luft. Man hatte es auf ihren Kissen zurück gelassen. Man hatte gewollt, daß sie es fand. Und Sarah wußte, wer es da zurück gelassen hatte; wer in dieser Nacht in ihrem Zimmer gewesen war und sie beobachtete hatte. Und ein heftiger Schmerz durchzog ihr Herz als sie an den Mann dachte, der ihr diese Botschaft hinterlassen hatte.

Die Türen zur Bibliothek schwangen auf. Giles blickte auf. Sarah kam mit festen, energischen Schritten auf ihn zu. Ihre Freunde saßen am großen Tisch und blickten die Jägerin verwundert an. Sarah trat zu Giles und warf die Zeichnung auf den Tisch. „Er hat mich heute Nacht besucht“, sprach sie sofort. Giles blickte sie verdutzt an. „Wer?“ fragte er. „Na, Angel! Wer denn sonst?“ gab sie bissig zurück. Doch unter ihrem scharfen Ton hörte man ihre Verletzlichkeit heraus.

Es tat ihr noch weh. Es tat ihr furchtbar weh, wenn sie an Angel dachte. Ihre Freunde wußten das. Ihre Freunde hörten den Schmerz in ihrer Stimme heraus. Vor ihren Freunden weinte Sarah nicht mehr um Angel. Sie weinte nur noch wenn sie alleine war. Sie gab sich stark. Sie zeigte ihren Freunden ihren Schmerz nicht mehr. Sarah war oft den Tränen nahe, doch sie verbot es sich vor ihren Freunden zu weinen. Denn sie wußte, ihre Freunde würden versuchen sie zu trösten. Und das wollte sie nicht. Sie wollte keinen Trost und kein Mitleid. Sie konnte dieses Getue nicht mehr ertragen. Sie war schuld an Angels Verwandlung. Und damit mußte sie ganz alleine klar kommen. Sie mußte es wenigstens probieren.

„Bist du sicher das er es war?“ fragte Giles. „Natürlich“, meinte Sarah im ruhigeren Tonfall. „Ich fand diese Zeichnung direkt neben mir auf den Kopfkissen. Er hat es da gelassen. Er wollte, daß ich es finde. Ist er nicht nett?“ meinte Sarah sarkastisch. „Er hat ein Bild von mir gemalt, damit er mir zeigen kann das er noch an mich denkt. Mein lieber Ex-Freund, der jetzt als Engel der Nacht in meinen Zimmer herumschleicht, wenn ich schlafe.“ Ihre Worte waren zynisch, aber ihr Blick war voller Schmerz und Leid.

Giles bemerkte ihren Schmerz. Er wußte, sie war nicht so cool wie sie sich gab. Doch er erwiderte auf ihre Worte nichts. Was hätte er schon sagen sollen? Giles wußte, sie versuchte auf ihre Art mit dem Verlust Angels fertig zu werden. Es schien ihr anders nicht zu gelingen - außer mit bissigen Witz. „Er sollte besser zu Hause bleiben, unser Beißzahn“, spottete Xander.

Sein Blick glitt zu Cordelia. Ihre Augen wurden größer und sie starrte Giles schockiert an. „Ich dachte immer, Vampire können ein Haus nur mit Einladung betreten“, warf Cordelia ein, die einen schrecklichen Verdacht hegte - in ihren Augen ein schrecklicher Verdacht. „Sind sie einmal eingeladen worden können sie jederzeit in dein Haus spazieren und du bist machtlos dagegen“, klärte Sarah Cordelia auf. „Oh Gott! Ich hab Angel einmal mit dem Auto mitgenommen“, rief Cordelia hektisch aus.

„Sarah, kann der Typ jetzt jederzeit in mein Auto einsteigen?“ fragte Cordelia verunsichert. Sarah nickte langsam. „Ja, daß kann er.“ „Oh mein Gott!“ Sarah wandte sich an ihren Wächter. „Giles, es muß doch irgendeinen Zauberspruch geben, der Angel davon abhält mein Haus zu betreten. Ich meine, es gibt doch für alles einen Zauberspruch. Warum auch nicht für das! Sie wissen schon, so ein Spruch in der Art ‘Alle Blutsauger müssen draußen bleiben’!“ sprach Sarah scharf auf ihren Wächter ein. „Ja, daß hätte ich auch gern für mein Auto“, meinte Cordelia schnell.

Gerade als Giles zu Erklärungen ansetzen wollte gingen die Schwingtüren auf und zwei Schüler traten ein. „Hi“, sprach der Junge von ihnen. „Entschuldigung, aber könnt ihr nicht anklopfen?“ rief Xander erregt. „Wir brauchen nur ein paar Bücher, die wir holen müssen. Bücher über den zweiten Weltkrieg“, entgegnete der Junge. „Glaubt ihr, ihr seit hier in einen der alltäglichen Bücherläden? Geht gefälligst woanders hin“, blaffte Xander die Beiden an. „Xander“, ging Giles mit strengen Blick dazwischen. „Wir befinden uns hier in der Schulbibliothek. Das ist noch immer die Bibliothek, verstanden?“ „Seit wann das denn?“ gab Xander zurück.

Giles wandte sich an die Schüler. „Drittes Regal, zweite Reihe“, sagte er. „Danke“, sprach das Mädchen und sie verschwand mit dem Jungen über die Treppe hinauf zu den Regalen. Giles blickte seine Jägerin an. Sie deutete ihren Freunden an mitzukommen und gemeinsam rauschten sie aus der Bibliothek. Da trat der Junge hinter einem der Regale hervor und fragte: „Wo sagten Sie, wären die ...“ Er blickte sich verwirrt um. Die Bibliothek war verlassen. Die Schüler und der Bibliothekar waren verschwunden. „Hallo?“ Doch er bekam keine Antwort. Sie waren einfach nicht mehr da.

Gemeinsam schritten sie über den Flur und blieben im Sonnenschein des Morgens stehen. Giles rekapitulierte noch einmal alles. „Angel hat sich also entschlossen dich noch mehr herauszufordern?“ „Von herausfordern kann gar keine Rede sein. Er provoziert mich; hinterläßt mir Zeichnungen von mir und Zettelchen, die ich in regelmäßigen Abständen in meinen Zimmer finde. Fehlt nur noch, daß er anfängt mir Gedichte zu schreiben“, witzelte Sarah zynisch.

„Aber warum tut er das?“ mischte sich Cordelia unverständlich ein. „Was verspricht er sich den von diesen Aktionen? Wieso fällt er nachts nicht einfach über dich her und fetzt dir die Kehle oder so auf?“ Sarah rollte mit den Augen. Sie wußte, Cordelia meinte es nicht böse. Es war eben einfach Cordelias Art so zu sein. Deshalb verzieh sie ihr auch so schnell.

„Typisches Kriegsverhalten“, murmelte Giles. „Wie bitte?“ meinte Sarah. Giles blickte Sarah an. „Kampfstrategie nennt man so etwas. Man schwächt den Gegner so sehr, daß man diesen von seinen eigentlichen Ziel abbringt. Angel verunsichert dich und irritiert dich durch seine kleinen Geschenke und Nachrichten, die er dir in deinem Zimmer hinterläßt. Er kennt dich. Er hat deinen Schmerz gesehen und weiß, du bist emotional ziemlich am Boden. Er nutzt deine Verletzlichkeit aus. Angel weiß, wie er dich noch mehr schwächen kann.“ „Über meine Gefühle“, stellte Sarah traurig fest. Giles nickte.

„Das ist dein Schwachpunkt. Und wie jeder gemeiner Gegner nutzt er diesen für sich aus. Er tut dir weh, wo er nur kann. Weil er genau weiß, wie sehr dir jede noch so kleine Attacke weh tut; wie sehr du dir das alles zu Herzen nimmst. Und genau das will er. Er verletzt mit Absicht deine Seele und deine Gefühle.“ „Das weiß ich“, sprach Sarah leise. Ihre Stimme klang traurig. Das weiß ich nur zu gut, dachte sie schmerzvoll. Niemand kennt meine Schwächen besser als Angel. Auf einmal kam ihr ein schrecklicher Gedanke; ein grausamer Gedanke.

Entsetzt starrte sie Giles an. „Giles, Angel hat mir viel über seine Vergangenheit erzählt. Er erzählte mir auch von Drusilla. Er erzählte mir, wie er von ihr besessen war und was er ihr alles angetan hatte, bevor er sie verwandelt hatte. Er erzählte mir, wie er sie und ihre Familie verfolgt und getötet hatte.“ „Deine Mom“, mischte sich Xander ein. Sarah nickte zustimmend. Angst kam in ihr hoch, wenn sie daran dachte, daß ihre Mutter Angel zum Opfer fallen konnte. Er konnte jederzeit ihr Haus betreten und ...

Sarah dachte den Gedanken nicht zu Ende. Sie wollte ihn nicht zu Ende denken. „Giles, was soll ich sagen? Die Wahrheit kann ich ihr unmöglich sagen“, sprach Sarah benommen. „Du hast recht. Die Wahrheit wäre nicht gut. Du kannst sie auf keinen Fall aufklären.“ „Aber etwas muß ich ihr sagen. Ich muß ihr irgendwie beibringen, daß sie Angel nicht ins Haus einladen darf wenn er bei uns auftaucht“, begehrte Sarah auf.

„Ich muß sie irgendwie warnen. Angel kann jederzeit bei uns eindringen und ich bin nicht rund um die Uhr zu Hause. Ich kann sie nicht ständig beobachten und beschützen.“ Sie klang verzweifelt; was Giles nur zu gut verstehen konnte. „Ich werde mich sofort um einen Zauberspruch kümmern, versprochen“, meinte er. „Was tue ich solange?“ erwiderte Sarah. „Ich weiß, daß du dir Sorgen machst, aber wir müssen alle einen kühlen Kopf bewahren. Ich werde mich beeilen, daß verspreche ich dir.“ „Dann beeilen Sie sich“, meinte Sarah bitter.

„Sie machen es sich so einfach. Ihnen stattet nachts kein Vampir einen Besuch ab.“ „Ich kann mir denken wie schwer das für dich ist, aber ...“ „Nein! Ich will es nicht hören. Ich kann dieses Mitleid nicht mehr ertragen“, rief Sarah. Giles starrte sie überrascht an. Sarah lenkte sofort ein. „Tut mir leid“, meinte sie zerknirscht. „Es ist okay. Aber Sarah, du mußt dich unter Kontrolle haben. Du darfst dich nicht hinreißen lassen. Du darfst nicht zulassen das Angel über dich siegt. Seine Spielchen dürfen dich nicht zu sehr schwächen, auch wenn es dir sehr weh tut. Er darf nicht der Herr über deine Gedanken, deine Seele und deinen Gefühlen werden“, sprach Giles eindringlich auf seine Jägerin ein.

„Sie meinen, ich soll ihn einfach ignorieren und vergessen, daß er da ist? Das ist doch das was Sie damit meinen, oder?“ Giles nickte. „Und Sie hoffen, daß ihm bald langweilig wird weil ich nicht auf seine Spielchen reagiere und er zieht sich von selbst zurück und läßt mich bis zum Finale in Ruhe?“ „So ungefähr“, meinte Giles. „Okay. Ich werde es versuchen. Aber ich weiß, daß es mir nicht gelingen wird“, sprach Sarah und im einvernehmlichen Schweigen gingen sie weiter.

Der Unterricht von Willow ging zu Ende. Jenny Calendar rief ihren Schüler noch zu einen Ausdruck ihrer Arbeit zu machen und alles auf Diskette zu speichern. Willow stopfte ihre Bücher in ihren Rucksack und wollte die Klasse verlassen. Da hielt die Lehrerin sie auf. „Willow, bleib doch bitte noch einen Moment. Ich muß mit dir sprechen“, bat die Lehrerin. Willow blieb stehen. Jenny wartete bis alle Schüler die Klasse verlassen hatten.

„Es kann sein, daß ich morgen später komme. Könntest du die Klasse solange übernehmen?“ Willow strahlte. „Ich? Ich darf die Klasse unterrichten?“ Jenny nickte. „Ja, du würdest mir damit echt einen Gefallen tun.“ „Oh ... ja! Natürlich. Das ... das wollte ich schon immer einmal. Eine Klasse unterrichten, meine ich.“ Jenny nickte verständnisvoll. „Aber ...“ Willow blickte Miss Calendar zweifelnd an. „Aber was ist, wenn sie nicht von mir unterrichtet werden wollen? Wenn sie meine Autorität nicht anerkennen?“ Jenny lächelte sanft.

„Ich werde versuchen pünktlich hier zu sein. Ich versuche nicht zu spät zu kommen, okay? Und keine Sorge ... sie werden dir schon gehorchen.“ Willow nickte zustimmend. „Okay. Ja, ich mache es. Das ist echt klasse.“ „Hi Willow“, ertönte plötzlich eine Stimme hinter ihnen. Die Lehrerin und das Mädchen drehten sich um. Sarah stand im Türrahmen in Begleitung von Giles.

Jenny wurde unbehaglich. Die eisigen Augen der Jägerin trafen sie bis ins Herz. „Hallo Sarah“, grüßte sie leise. Sarah ignorierte den Gruß völlig. „Willow, kommst du?“ fragte Sarah. Sie nickte. „Tut mir leid, aber du weißt doch, sie ist unsere Lehrerin und ich muß mit ihr sprechen“, sprach Willow während sie mit Sarah den Raum verließ. „Sie hat schließlich Autorität und wir als Schüler müssen auf sie hören. Wenn wir das nicht mehr tun, würde doch das Chaos ausbrechen und ...“

Sie wußte, sie hatte keine andere Behandlung von der Jägerin verdient. Doch es traf Jenny, daß Sarah sie offenherzig haßte. Sie blickte auf und sah, daß Rupert noch immer an der Tür stand. Er studierte sie. Er sah, daß sie litt. Doch Jenny wußte, es war seine Pflicht zu der Jägerin zu stehen. Sie konnte ihm keinen Vorwurf machen. Sie konnte nur sich selbst einen Vorwurf machen.

Giles überlegte ob er gehen sollte. Er zögerte deutlich. Er sollte gehen. Immerhin hatte Jenny Sarah und ihn belogen. Sie hatte geahnt was mit Angel geschehen würde. Sie hätte Sarah warnen können; hatte es jedoch nicht getan. Sie war hergekommen um Angel und Sarah zu beobachten und hatte die ganze Zeit gelogen. Giles hatte ihr vertraut. Er hatte sie mehr an seinen Leben als Wächter teilhaben lassen als andere Menschen - außer Sarah natürlich. Aber sie war seine Jägerin. Sie wußte über sein Leben Bescheid. Es war fast gleich mit ihrem. Doch Jenny ... Giles entschloß sich zu bleiben. Er mußte einfach bleiben. Er mußte sie einfach sehen.

„Hallo Rupert“, sprach Jenny leise. Sie wünschte sich so sehr das wenigstens er ihr einmal verzeihen würde; das er ihr die Lügen eines Tages verzieh. War er deshalb noch nicht gegangen? Jenny blickte ihm in die Augen. „Wie geht es dir?“ fragte sie vorsichtig nach. Giles zuckte mit den Schultern. „Es geht. Angel hält uns alle auf Trab. Seit er wieder zu seinen bösen Ich geworden ist kann man ihn nicht mehr richtig einschätzen. Er ist unberechenbar und skrupellos geworden“, erklärte Giles ihr. Jenny freute sich darüber das Giles wieder mit ihr sprach. Sie hatte gedacht, er würde sie für immer meiden. Doch jetzt war er hier ... und er sprach mit ihr.

„Das ist echt schlimm.“ Ihr Mitgefühl war ehrlich, daß wußte auch Giles. „Ich brauche einen Bannspruch“, murmelte Giles. „Wieso?“ „Er hat Sarah nachts in ihrem Schlafzimmer besucht - als sie geschlafen hat. Ich brauche etwas, was die Einladung, die sie einst ausgesprochen hat, rückgängig macht.“ Jenny nickte. Ihr Blick glitt zu einem Buch, daß auf ihrem Schreibtisch lag. Sie nahm es und reichte es Rupert.

„Das könnte dir helfen“, sprach sie. „Seit Angels Verwandlung habe ich viel in solchen Büchern rum gelesen. Dies ist ein Buch über Bannsprüche. Vielleicht findest du was du brauchst.“ Giles nahm das Buch an sich. Er hatte es noch nicht. Dankend nickte er. Er wollte es nicht zugeben, doch er war gerührt. Sie versuchte noch immer ihnen zu helfen. Sarah zu helfen und das, obwohl Sarah nichts mehr mit ihr zu tun haben wollte. Doch Jenny half trotzdem. Das zeigte Giles was für einen Mut sie besaß. „Danke“, sprach er trocken.

„Wie geht es ihr?“ fragte Jenny zögernd. Giles hob den Blick und sah Jenny an. Er wußte, von wem sie sprach. Sie sprach von Sarah. Er sah, daß sich Jenny Sorgen um Sarah machte. Sie hatte Sarah als die stärkste Jägerin von allen kennen gelernt. Doch die war sie nicht mehr. Sie war ein seelisches Wrack, daß hatte Jenny erkannt.

Tiefe Ringe zeichneten sich unter den Augen des Mädchen. Ihre Augen - die eigentlich immer vor Lebensfreude geglänzt hatten - hatten ihren ganzen Glanz verloren. Ihre Augen wirkten nicht mehr lebendig, eher tot. Sie wußte, daß Sarah traurig war; das sie noch immer nicht verkraftet hatte, daß das ihr Angel war, der ihr all das antat. Das es ihr Angel war, der zu ihrem schlimmsten Feind geworden war.

Giles nahm das Buch in die andere Hand. Seine Augen blickten Jenny ernst an. „Was denkst du denn wie es ihr geht?“ fragte er bitter. Jenny sah ihn an und schwieg für einen Moment. Doch dann brach es aus ihr heraus: „Ich weiß, ich habe dich verletzt, Rupert. Ich weiß, du fühlst dich hintergangen. Doch du mußt verstehen ... ich hatte keine Wahl. Ich mußte es tun.“ „Du hättest ihr wenigstens sagen können was passiert wenn Angel und sie ...“, warf Giles ihr vor. Jenny schüttelte den Kopf. „Ich konnte und durfte es ihr nicht sagen.“ „Du hast mich und sie betrogen. Wir beide haben dir vertraut“, sprach Giles trocken.

„Rupert, bitte versuche doch es zu verstehen. Ich wuchs inmitten der Menschen auf, denen Angel am meisten geschadet hat; denen er das Schlimmste, was es gibt, angetan hat. Das Erste, was man mir beibrachte, war mein Pflichtgefühl meinen Zigeunerstamm gegenüber. Ich bin nicht hergekommen um dir oder Sarah weh zu tun. Ich kam nicht hierher um euch zu verletzen.“ „Doch du hast es getan“, sagte Giles.

Jenny blickte auf die Tischplatte ihres Schreibtisches. Sie schluckte schwer. „Ich weiß. Und das wollte ich nicht. Es gab nur einen Grund warum ich dir nicht die Wahrheit gesagt habe.“ „Und der wäre?“ „Ich dachte, es wäre das Beste und das Richtige ... für alle. Ich sehe jetzt ein wie falsch ich damit lag. Es war der schlimmste Fehler, den ich je begangen habe“, gestand sie leise.  Sie konnte ihn nicht ansehen; konnte nicht sehen wie er sie anklagte. Diesen Blick ertrug sie nicht, obwohl ihr klar war, daß sie diese abweisende Behandlung verdient hatte.

„Ich ahnte, was mit Angel geschehen würde ... ja. Aber ich wußte nicht was ansonsten geschehen würde.“ Sie schluckte schwer. Dann hob sie den Blick. Sie wollte, daß Giles ihr bei ihrem Geständnis in die Augen sah. „Ich hatte ja keine Ahnung, daß ich mich in dich verlieben würde.“ Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. Jenny konnte nicht sagen wie er ihr Geständnis aufnahm. Sie hatte nicht länger schweigen können. Sie wollte, daß er es wußte.

„Oh Gott“, sprach sie leise. „Ich kann es nicht mehr zurücknehmen, oder?“ „Willst du es denn zurücknehmen?“ sprach Giles leise. Jenny schüttelte den Kopf. „Nein. Ich will, daß du ... das du meine Beweggründe verstehst; das du mich verstehst und die Moral meines Stammes. Rupert, du mußt mir glauben, ich wollte euch nicht verletzen. Seit ich hier in Sunnydale bin und ich dich kenne, rückte mein Auftrag immer mehr in die Ferne. Das Einzige, an das ich noch denken konnte und wollte ... warst du“, sprach sie leise.

„Ich erwarte von dir nichts, Rupert. Nur, daß du wenigstens versuchst mich zu verstehen. Das genügt mir. Ich verlange von dir nicht das du es tatsächlich tust. Aber ... ich wollte nie das alles so kommt. Ich will doch genau wie du das alles wieder in Ordnung kommt.“ „Das kann ich nachvollziehen“, gab Giles ihr mit ruhiger, aber bestimmter Stimme eine Antwort. „Aber du mußt dich nicht bei mir entschuldigen. Du mußt dich bei Sarah entschuldigen. Ich bin nicht Derjenige, den du um Verzeihung bitten mußt. Das ist Sarah.“ Ihm gelang ein kleines Lächeln. „Vielen Dank für deine Hilfe.“ Dann war er gegangen.

~ 2. ~

Ein eigentlich ruhiger Abend im Haus der Jägerin. Sarah blickte auf ihr Abendessen. Ihre Mutter hatte mal wieder ein ausgiebiges Essen gekocht. Es gab Bratkartoffeln, Gemüse und gegrilltes Fleisch - dazu Salat. Doch Sarah hatte keinen Hunger. Seit Angel sich in sein altes Ich verwandelt hatte aß sie fast nichts mehr. Sie brachte nichts mehr hinunter. Seine Verwandlung hatte sie verändert. Sie hatte keinen Hunger, ihr fehlte die Lust etwas zu tun und ihr fehlte der Schlaf. Sie schlief unruhig; hatte Alpträume und konnte sich einfach nicht konzentrieren.

Es war Joyce, die das Schweigen zwischen ihrer Tochter und sich brach. Sie hatte schon vor einiger Zeit bemerkt das mit ihrer Tochter etwas nicht stimmte. Sarah war ruhiger geworden und hatte sich zurück gezogen. Sie schlief schlecht; weinte sich oft in den Schlaf. Ihre Tochter hatte Kummer, daß stand für Joyce fest. Etwas machte ihr schwer zu schaffen, doch sie sprach nicht darüber. Und es beunruhigte Joyce, daß sich Sarah so in sich zurückzog und versuchte mit ihren Problemen allein fertig zu werden.

„Schatz, was ist denn los?“ sprach Joyce sanft. Sarah zuckte zusammen. Sie hatte nicht damit gerechnet das ihre Mutter sie auf ihre Probleme ansprach. „Gar nichts. Alles ... in Ordnung“, murmelte Sarah. Joyce schüttelte den Kopf. „Nichts ist in Ordnung. Das sehe ich doch. Dir macht etwas zu schaffen. Du hast Kummer. Glaubst du, ich höre dich nicht ... nachts ... wenn du dich in den Schlaf weinst? Sarah, ich höre es. Und ich mache mir Sorgen um dich. Ich bin deine Mutter. Mir kannst du alles anvertrauen, daß weißt du doch“, sprach Joyce auf ihre Tochter ein.

Ich wünschte, ich könnte dir alles erzählen. Ich könnte dir alles anvertrauen, dachte Sarah nieder geschlagen. Was soll ich dir denn erzählen? sprach Sarah im Stillen. Am liebsten würde Sarah mit der Wahrheit herausrücken. ‘Mom, ich liebe einen Vampir. Durch einen Fluch bekam er seine Seele zurück. Doch, als ich mit ihm schlief, verwandelte er sich in sein böses Ich zurück. Er wurde zu dem bösesten und grausamsten Vampir aller Zeiten. Er jagt mich. Er verfolgt mich und quält mich wo er kann. Meine Pflicht ist es ihn zu töten, aber ich schaffe es nicht. Ich liebe ihn. Ich kann nicht verstehen warum er mir das antut.’ Sarah schüttelte den Kopf. Wie würde ihre Mutter reagieren wenn sie genau das sagen würde? Sie würde es nie erfahren, denn sie würde es ihrer Mutter nicht sagen. Keines dieser gedachten Worte kam über ihre Lippen.

Joyce wußte ja nicht einmal das ihre Tochter die auserwählte Jägerin war. Sarah seufzte leise. Sie mußte ihrer Mutter etwas erzählen. Sie mußte sie vor Angel warnen. Also mußte sie die Geschichte etwas ändern. „Mom, ich hab jemanden kennengelernt“, begann sie vorsichtig. „Einen Jungen?“ fragte Joyce nach. Sarah nickte. „Sein Name lautet Angel.“ „Angel“, wiederholte Joyce. „Du hast ihn mir nie vorgestellt“, stellte sie fest. Sarah nickte langsam.

„Du kennst ihn nicht. Er ... geht aufs Collage. Er ist ganz gut in Geschichte und englischer Literatur. Er hat mir Nachhilfe gegeben.“ „Ich verstehe“, murmelte Joyce. Nein, daß tust du nicht. Du wirst nie verstehen was hier los ist; was in mir vorgeht, dachte Sarah traurig. Die Erinnerung an Angel und ihre Zeit mit ihm tat ihr so weh. Noch immer war ihr so nah und doch meilenweit entfernt. Und nun ... mußte sie ihrer Mutter beibringen das sie Angel bloß nicht ins Haus lassen durfte, wenn er hier auftauchte.

„Er ... wir ... wir waren zusammen“, gestand sie mit brüchiger Stimme. „Und jetzt?“ fragte Joyce sanft nach. „Es ist ... vorbei.“ Sarah wollte am liebsten schreien vor Schmerz. „Wir machen gerade ne schlimme Trennungsphase durch.“ Ihre Mutter nickte verständnisvoll. Er ist ein Monster geworden, dachte Sarah traurig und sie wollte am liebsten weinen. „Er hat sich verändert, richtig? Er ist nicht mehr der Junge, denn du kennengelernt hast; in den du dich verliebt hast“, sprach Joyce. Mein Gott, dachte Sarah schmerzhaft. Warum erzähle ich ihr das? Warum habe ich damit angefangen? Ich kann das nicht, dachte sie. Ich kann es einfach nicht.

„Ja ... er ist nicht mehr Derselbe. Mom, es ist so ... das ... seit wir uns getrennt haben verfolgt er mich. Er taucht überall dort auf wo ich auch bin. Er schreibt mir Briefe. Er kann einfach nicht loslassen. Er kann mich nicht loslassen.“ Joyces verständnisvolles Lächeln verschwand. Sie blickte ihre Tochter ernst an. „Hat er dir etwas angetan, Sarah? Hat er dir weh getan?“ fragte sie alarmierend. „Oh nein“, erwiderte Sarah schnell. „So ist es nicht.“ Sarah wich dem Blick ihrer Mutter aus. Ich kann ihr einfach nicht erzählen was wirklich zwischen Angel und mir passiert ist, dachte sie gequält. Ich hätte niemals damit anfangen sollen.

„Nein, er hat mir nichts angetan. Er kann nur nicht loslassen. Er kommt mit der Trennung nicht zurecht; ist ständig in meiner Nähe und so. Aber ... keine Sorge, ich werde schon mit ihm fertig. Es ist nur ... ich möchte ihn im Moment nicht sehen, Mom. Wenn er hier auftaucht, rede ich mit ihm, aber ... ansonsten ...“ Ihr versagte die Stimme. „Ich will nur, daß er anfängt zu verstehen das es aus ist. Wenn er hier auftaucht, laß ihn bitte nicht ins Haus, Mom.“ Wieder herrschte Stille. „Laß ihn nicht rein, Mom.“ Bitte, hör auf mich. Tue es ja nicht, dachte Sarah eindringlich. Lade ihn ja nicht ins Haus ein.

Sarah saß in ihrem Zimmer und telefonierte mit Willow. Als das Telefon geklingelt hatte, hatte Willow schon ihren Schlafanzug angezogen und wollte gerade ins Bett gehen. „Giles hat recht, Sarah“, sprach Willow. „Angel will dich nur schwächen. Du mußt versuchen seine Spielchen zu ignorieren. Dann wird ihm bestimmt bald langweilig werden. Er macht das doch nur um dich zu quälen. Du weißt doch, Männer sind solche Idioten ... ob sie nun leben, tot oder untot sind“, meinte Willow. Sarah stimmte ihr da vollends zu.

„Hoffentlich findet Giles bald diesen Bannspruch um Angel daran zu hindern hier erneut einzudringen. Ich kann einfach besser schlafen, wenn ich weiß, daß er ... nicht mehr ins Haus kann. Ich meine, er könnte über meine Mutter herfallen während ich schlafe. Das beunruhigt mich einfach.“ Willow nahm das Fischfutter und streute es ins Aquarium. „Er wird ihn schon finden. Wenn jemand einen Bannspruch findet, dann Giles. Und bis dahin mußt du versuchen einen klaren Kopf zu behalten und ...“ Willow brach ihren Redeschwall ab.

Sie hatte den braunen Umschlag auf ihrer Bettdecke entdeckt. „Und was? Willow, bist du noch da?“ fragte Sarah. „Ja, ich bin noch da“, murmelte sie. Willow öffnete den Umschlag und ein Stück einer Angelschnur fiel ihr in die Hände. Willow verstand nicht was das sollte. Sie zog die Schnur aus dem Umschlag ... und dann fiel ihr auf das in ihrem Aquarium keine Fische schwammen. Denn ihre Fische hingen tot an der Angelschnur, die sie in ihren Händen hielt.

Im Schlafzimmer von Sarah hing ein Kruzifix und Knoblauchzöpfe. Willow saß neben Sarah und hielt einen Holzpflock in ihren Händen. Nervös und ängstlich zugleich drehte sie den Pflock in ihren Händen. „Danke, daß ich bei dir schlafen darf, Sarah“, sprach sie ängstlich. „Da doch morgen Schule ist und so.“ „Es ist okay“, erwiderte Sarah.

„Tut mir leid ... wegen deinen Fischen.“ Willow zuckte schwach mit den Schultern. „Danke“, meinte sie traurig. „Ich ... ich hatte ja noch keine richtige Beziehung zu den Fischen. Ich hatte zu wenig Zeit um eine aufzubauen, verstehst du? Weißt du, Sarah, zum ersten Mal bin ich froh das meine Eltern mir nie einen Hund gekauft haben.“ Die Worte taten Sarah weh. Denn sie wußte, wer die Fische von Willow getötet hatte um ihrer Freundin weh zu tun und auch um sie zu verängstigen.

„Ich kann noch immer nicht glauben, daß das mein Angel ist. Weißt du, Willow, wenn so etwas passiert ist, war mein erster Gedanke immer zu Angel zu gehen. Denn bei ihm war ich sicher und ich fühlte mich geborgen. Er hat mich immer aufgebaut und mir Mut gemacht; hat mir gesagt, daß die Sache gut ausgehen wird; daß er mich beschützen wird. Und jetzt ... jetzt ist er Derjenige, der mir all das antut. Er ist so grausam und kalt. Er ...“ Sarah versagte die Stimme. „Das ist schon richtig, aber ...“ Willow unterbrach sich. „Aber was?“ hakte Sarah nach. „Aber du bist noch immer das Einzige an das er denken kann. Seine Gedanken gelten noch immer allein dir.“ Sarah und Willow sahen sich an. Niemand sprach mehr ein Wort.

Angelus hielt sich verborgen in einer dunklen Ecke. Drusilla kümmerte sich um Spike, der noch immer an den Rollstuhl gefesselt war. Sie versuchte seit einigen Minuten schon Spike zu füttern. Doch er weigerte sich, sich von ihr füttern zu lassen. „Ich will nicht, daß du mich wie ein kleines Kind behandelst, Dru“, fauchte Spike wütend und er riß brutal den Rollstuhl herum. Mein Stichwort, dachte Angelus und er grinste dämonisch. Er trat aus seinem Versteck heraus.

„Warum nicht, Spike?“ fragte er laut und kam näher. „Sie tut doch sonst schon alles was du nicht mehr tun kannst. Zum Beispiel, hilft sie dir beim Anziehen, sie schwirrt um dich herum und ...“ Spike stieß Angelus wütend von sich. „Paß auf, was du sagst, Kumpel“, knurrte er wütend. „Darf ich dich daran erinnern das du noch immer Gast in meinen Haus bist.“ Angelus lachte kalt. „Wie könnte ich das vergessen? Weißt du, als Gast sollte ich mich ein wenig erkenntlich zeigen. Ich sollte dir die Tätigkeiten abnehmen, die du nicht mehr machen kannst.“ Besitzergreifend legte Angelus einen Arm um Drusilla und zog sie leicht an sich. Er sah Spike an, daß dieser überaus wütend war.

Und Drusilla tat auch nichts um ihren Liebsten die Eifersucht zu nehmen. Im Gegenteil - Sie strahlte Angelus mit ihren Augen an und lächelte. Spike knurrte wütend und stieß Angelus zur Seite. Doch der Vampir reagierte nur mit einen rauhen Lachen darauf. „Vielleicht solltest du wieder in deine Wohnung ziehen“, schlug Spike vor. Angelus zuckte jedoch nur mit der Schulter.

„Warum sollte ich wieder umziehen? Mir gefällt es hier und außerdem habe ich hier alles was ich brauche.“ Spikes Augen funkelten Angelus feindselig an. „Ich muß zugeben als Hausfreund der Jägerin hast du mir eindeutig besser gefallen. Du bist mir ne Nummer zu extrem. Du spielst mit der Jägerin und dadurch machst du sie nur noch wütender. Durch deine dummen Spielchen wird sie uns alle gnadenlos jagen. Du solltest dich ein wenig zurückhalten, Kumpel“, belehrte Spike den älteren Vampir.

Angelus verdrehte die Augen. Er hatte echt genug von diesem Thema. Langsam wurden die Moralpredigten von Spike lästig. „Spike, ich weiß schon was ich tue. Keine Sorge! Ich weiß schon wie weit ich gehen kann. Vergiß nicht, niemand kennt Sarah besser als ich. Ich sehe das Mädchen an und ich weiß was sie denkt. Ich weiß wie sie sich fühlt. Das ist kein Problem. Niemand kennt ihren Schmerz, ihre Angst und ihre Hoffnung besser als ich. Außerdem ... was hast du denn gegen ein kleines Spielchen mit der Jägerin?“ Herausfordernd blickte Angelus den blonden Vampir an.

„Du meinst, du spielst mit der Jägerin so wie damals mit Drusilla?“ Spike schüttelte verneinend den Kopf. „Nein, danke! Kein Interesse! Schlag dir das ganz schnell aus dem Kopf. Damit entfachst du nur unnötig die unbändige Wut der Jägerin. Das können wir nicht gebrauchen. Ich bin nicht daran interessiert.“ Angelus beugte sich vor. „Du hast es noch immer nicht kapiert“, flüsterte er einschmeichelnd. „Drusilla ist mein Mädchen. Und Sarah ist es auch.“ Angelus sah, wie Spike vor Wut schnaufte. Er grinste darüber. Es war schon immer leicht gewesen den jüngeren Vampir zu provozieren.

Drusilla lächelte und legte sich auf den breiten Tisch. Sie lächelte verträumt. „Ach, hört auf euch so zu streiten“, ging Drusilla mit süßer Stimme dazwischen. „Das haben wir doch nicht nötig. Immerhin sind wir wieder vereint; wie eine Familie. Spike, Angelus’ Pläne gehen nie schief. Er weiß schon was er tut. Die Jägerin ist so ... traurig seit seiner Rückkehr. Und wenn Angelus der Meinung ist, daß sie wieder stark genug ist, dann wird er sie schon töten.“ Spike machte ein grimmiges Gesicht.

„Dann soll er sich damit beeilen.“ Spike blickte Angelus in die Augen. „Du läßt diesem Mädchen viel zuviel Zeit sich von dem Schmerz zu erholen. Je mehr Zeit sie bekommt, desto stärker wird sie wieder werden und uns töten.“ Angelus lachte bei diesem Kommentar jedoch nur. Drusilla streckte ihre Hand aus und streichelte zart über Spikes Narbe, die eine Erinnerung an einen einstigen Kampf war. Diese Narbe hatte Sarah ihm zugefügt. Sie hatte aus dem starken Spike einen hilflosen Vampir gemacht.

„Niemand kennt diese Jägerin besser als Angelus. Angelus ist der Einzige, der sie töten kann. Und er wird es tun wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist und ... Oh!“ Drusilla sank in sich zusammen und stöhnte. „Drusilla, Schatz?“ fragte Spike sofort alarmierend und besorgt. „Baby? Hast du eine Vision?“ fragte Angelus. Drusilla wimmerte leise. „Jemand ... wird kommen. Er versucht unsere schöne Familie zu vernichten. Wir kennen ihn. Ein Feind ... aus der Vergangenheit“, schluchzte Drusilla leise.

Jenny Calendar stieg die Stufen hinunter, die zu dem Esoterikladen führte. Sie konnte nicht einfach tatenlos dabei zusehen wie Angelus die Jägerin weiter quälte und sie am Ende töten würde. Sie mußte etwas tun. Und vielleicht ... wenn es ihr gelang ... würden Giles und Sarah ihr vielleicht verzeihen. Die Glocke über der Tür zu dem Laden klingelte als sie eintrat.

Sie sah sich um. Kein Verkäufer in der Nähe. Er würde sicher gleich kommen. Immerhin hatte er ja gehört das Kundschaft gekommen war. Die Regale waren voll von Rosenkränze, Gläser mit verschiedenen Flüssigkeiten, Kerzen und anderen verschiedenen Dingen. Jenny roch einen seltsamen Duft, der in der Luft hing. Es roch irgendwie nach Lavendel vermischt mit einer Kräuterart, die sie nicht kannte.

Da kam ein stämmiger Mann aus dem Lager. „Guten Tag, Madame! Was kann ich für Sie tun? Brauchen Sie vielleicht einen Liebeszauber für sich oder einen Freund? Oder ...“ Jenny lächelte zart und unterbrach den Verkäufer. „Ich suche eine Thesulah Kugel. Haben Sie sowas da?“ Der Verkäufer blickte sie ernst an und nickte. „Sie brauchen eine Thesulah Kugel? Ich sehe, Sie sind jemand, der sich mit Zaubersprüchen auskennt.“ Er schob seinen Hut zurück.

„Ich entschuldige mich für den Redeschwall von vorhin. Aber da wird bald Valentinstag haben sind diese Dinge das Einzige, wofür sich die Leute interessieren.“ Der Mann verließ den Tresen und ging zu einer Vitrine. Er öffnete sie und holte eine Box heraus. „Darf ich erfahren, wie Sie von meinen Laden erfahren haben?“ fragte er als er die Box zum Tresen trug.

Jenny blickte auf die Box, die der Mann auf den Tisch stellte. „Mein Onkel Enyos hat Sie einmal erwähnt.“ Der Verkäufer blickte sie ernst an. „Sie sind Janna, oder?“ Jenny nickte. „Ihr Onkel war ein guter Kunde. Es tut mir sehr leid um ihn.“ „Danke“, antwortete Jenny ohne jegliche Emotion. Die Box stand nun auf der gläsernen Theke und schien nur darauf zu warten verkauft zu werden.

Der Verkäufer öffnete den Deckel und enthüllte eine Kristallkugel. „Eine Thesulah Kugel, wie Sie gewünscht haben“, meinte er. Die Kugel lag auf dunkelblauen Samt. „Eine Kugel für die Rituale der Untoten, richtig?“ fragte der Verkäufer. Jenny blickte sich die Kugel nur kurz an ohne auf die Frage des Verkäufers zu antworten. Es war eine echte Thesulah Kugel. Genau das was sie für ihr Vorhaben brauchte. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren gab sie dem Verkäufer ihre Kreditkarte.

„Eine Thesulah Kugel gehört eigentlich nicht zu den Dingen, die ich ständig verkaufe. Nur wenige fragen danach. Ein paar Kugeln habe ich als Briefbeschwerer verkauft.“ Während er nicht aufhörte zu quatschen zog er die Kreditkarte durch das Lesegerät. „Ich mag diese New Age Typen, die diese Dinger kaufen. Durch deren ihr Geld konnte ich meine Kinder aufs College schicken.“ Er schrieb die Rechnung.

„Sie wissen ja wohl das die Übersetzungen für die Rituale der Untoten verloren gegangen sind. Ohne diese Übersetzungen sind die Kugeln ziemlich wertlos. Dann können sie keines der Rituale durchführen.“ Er riß den Durchschlag ab und gab Jenny den Zettel. „Ich will das nur erwähnen weil ich die Kugel nicht zurücknehmen kann.“ „Ist schon okay“, meinte Jenny nur und sie steckte ihre Kreditkarte und die Quittung ein. Der Mann schloß die Box wieder und reichte sie Jenny.

Jenny nahm die Box an sich und verabschiedete sich. So schnell wie möglich wollte sie das Ritual durchführen. Es mußte so schnell wie möglich geschehen. Angelus konnte noch soviel Schaden anrichten. Diesen Schaden mußte sie verhindern. Sie mußte handeln und das Ritual so schnell wie möglich durchführen. Nicht nur für sich, sondern auch für Rupert und Sarah. Vor allem tat sie es für die Jägerin. Vielleicht konnte Sarah ihr so besser verzeihen was sie getan hatte. Sie ging zur Tür.

„Nur so ... aus reiner Neugier“, sprach der Verkäufer hinter ihr. „Was wollen Sie mit der Kugel von Thesulah überhaupt machen? Was für ein Ritual der Untoten wollen Sie den praktizieren?“ Jenny öffnete die Box und nahm die Kugel heraus. Im Inneren der Kugel leuchteten die Sonnenstrahlen. Sie hielt sie hoch und drehte die Kugel in ihren Händen. Ein leichtes, aber entschlossenes, Lächeln glitt über ihre Lippen. „Nur ein Geschenk für einen Freund“, gab sie ihm zu verstehen. „Was wollen Sie ihm schenken?“ erkundigte sich der Verkäufer; nun war er schon etwas neugieriger. Jenny blickte ihn kurz an. Dann schweifte ihr Blick wieder zu der Kugel. „Seine Seele.“

~ 3. ~

Schweigsam gingen Sarah und Willow nebeneinander her. Sie hatten eigentlich keine Lust auf den Unterricht, aber es mußte sein. Vielleicht lenkte ja der Lernstoff sie von der letzten Nacht ab. Sie hatten beide kaum geschlafen. Willow, weil sie noch immer nicht fassen konnte das Angel in ihrem Zimmer gewesen war und Sarah, weil sie wegen Angels schrecklichen Taten einfach nicht schlafen konnte.

Xander rannte hinter den Mädchen her als er sie entdeckte und holte sie ein. Er sah ihre trüben Gesichter. Das traurige Schatten in Sarahs Gesicht waren, daß war er schon fast gewohnt. Angels Verwandlung hatte die Jägerin verändert. Es hatte sie zerstört, so schien es ihm. Und er haßte Angel für das was er der Jägerin antat. Er hatte Angel noch nie besonders gemocht, doch jetzt hatte er wirklich einen Grund den Vampir abgrundtief zu hassen.

„Morgen, Mädels“, grüßte er fröhlich. Doch die Stimmung blieb bei den Mädchen bedrückt. Seine fröhliche Stimmung half da auch nicht sehr viel. „Habt ihr gut geschlafen?“ erkundigte sich Xander. Buffy schüttelte den Kopf. „Nein, keine Chance. Wir hatten eine traurige Pyjamaparty“, klärte Buffy den Jungen auf. „Angel hat wieder zugeschlagen. Deshalb hat Willow bei mir übernachtet. Aber wir haben kaum geschlafen. Angel hat uns wach gehalten.“ „Verstehe“, murmelte Xander sofort.

„Schade, daß ihr mich nicht angerufen habt. Auf eine Pyjamaparty hätte ich Bock gehabt“, witzelte Xander. Sarah strafte ihn mit einen bösen Blick. „Xander, daß war jetzt echt nicht nötig.“ „Okay, ich hab schon verstanden“, nickte Xander. Sarah hing ihren eigenen Gedanken nach. Das Herz blutete ihr wenn sie an Angel dachte. Es tat ihr so weh. Den Schmerz zu verarbeiten ... dabei konnte ihr niemand helfen. Da mußte sie alleine durch. Willow blickte auf ihre Armbanduhr. „Ich hab jetzt eine Stunde zu unterrichten und ich möchte gern pünktlich sein damit ich die Zuspätkommer bestrafen kann“, meinte sie zu ihren Freunden.

Doch dann blieb Willow wie vom Blitz getroffen stehen. Sie erblickte Jenny Calendar, die gerade gemütlich und mit einer Tasse Kaffee über die Wiese spazierte. Sie würde doch nicht zu spät kommen. Der Unterricht würde mit Jenny als Lehrerin pünktlich über die Bühne gehen. Willow sah enttäuscht aus. „Oh nein“, jammerte sie. „Jetzt habe ich mich umsonst über Stunden vorbereitet.“ Mit hängender Miene ging Willow davon um rechtzeitig in der Klasse zu erscheinen.

Sarah gab Xander einen leichten Stoß in die Rippen um seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er blickte sie fragend an. „Geh in die Klasse. Wir sehen uns dort. Ich hab ... noch etwas zu regeln“, flüsterte sie während ihre Augen auf Jenny Calendar ruhten. Xander nickte und ging - ohne großartig Fragen zu stellen. Er hatte Sarahs Blick bemerkt. Der Blick, der auf der Lehrerin ruhte und sie mißtrauisch beäugte. Sarah wollte allein mit der Lehrerin reden und das akzeptierte er.

Jenny blieb zögernd stehen als Sarah auf sie zukam. „Hallo Sarah“, grüßte sie leise. „Hi“, erwiderte Sarah zögernd. Jenny musterte Sarah eingehend. Sie sah schlecht aus; traurig und niedergeschlagen. Jenny hatte nicht damit gerechnet das Sarah jemals wieder mit ihr sprechen würde. Doch jetzt stand die Jägerin vor ihr. Jenny hoffte ein wenig auf Versöhnung. Und wenn es nur ein paar versöhnliche Worte waren.

„Willst du ... mir etwas sagen?“ brach Jenny das betretene Schweigen zwischen ihnen. Sarah blickte zu Boden. Dann richtete sie ihren Blick auf die Lehrerin. „Ich weiß, daß alles ... was in letzter Zeit geschehen ist ... auch für Sie nicht leicht zu verkraften war. Aber ... ich wollte nur sagen, daß ...“ Sarah versagte die Stimme. Ich kann das nicht, dachte sie traurig. Ich kann nicht so tun als hätte sie nichts getan. Ich kann ihr nicht verzeihen. „Ich bin mir im Klaren darüber das Sie nicht allein dafür verantwortlich sind. Aber ... ich liebe Angel, verstehen Sie? Ich tat es nicht nur in der Vergangenheit, sondern ich tue es auch jetzt noch. Ich kann ... nicht ...“, sprach Sarah. Sie drehte sich um und wollte gehen. Jenny konnte die Jägerin verstehen und doch tat es ihr weh, daß das Mädchen noch immer so abweisend war.

„Es tut mir leid“, sprach Jenny plötzlich. Ihre Augen begegneten den traurigen Blick von Sarah. „Du mußt mir glauben wenn ich sage, daß ich nie gewollt habe, daß du Angel verlierst. Es tut mir so leid. Ich habe nie vorgehabt eure Liebe zu zerstören. Du mußt dir wirklich keine Sorgen um mich machen. Ich komme schon zurecht.“ Jenny wollte an Sarah vorbeigehen. „Warten Sie einen Moment“, sprach Sarah auf einmal. Jenny wandte das Gesicht und sah Sarah erwartungsvoll an.

„Ich weiß, daß er ...“ Sarah räusperte sich. „Es geht eigentlich war nicht um mich. Ich wollte nicht darüber sprechen. Sondern ... ich wollte mit Ihnen über Giles sprechen. Er sagt es nicht, aber Sie fehlen ihm. Er vermißt Sie sehr.“ Sarah blickte in die Augen der Lehrerin. „Ich sehe ihm an das Sie ihm schrecklich fehlen. Sie müssen wissen, er ist für mich mehr als nur mein Wächter. Er ist ein Freund. Ein sehr guter Freund von mir. Ich kämpfe seit Jahren mit Giles’ Hilfe gegen die Dämonenwelt. Ich kenne ihn. Er spricht nicht darüber, ich weiß - ich sehe es ihm an - das Sie ihm fehlen. Und genau das will ich nicht“, sprach Sarah ernst.

„Er vermißt Sie. Und er leidet darunter. Genau das will ich aber nicht. Wenn ich unglücklich bin ... ist das genug. Ich will nicht, das er es auch ist. Seit er mein Wächter ist hat er mich niemals in Stich gelassen. Er war immer für mich da; hat zu mir gehalten, egal was war. Es ist seine Pflicht auch jetzt an meiner Seite zu sein. Doch das macht keinen Unterschied daran das er Sie trotzdem vermißt. Ich weiß, wie schwer es ihm fällt jetzt seine Pflicht zu erfüllen; sich gegen Sie zu stellen und sich für mich und seine Pflicht als Wächter zu entscheiden.“ Sarah schwieg für einen Moment und wählte ihre nächsten Worte mit Bedacht.

„Giles ist einsam. Und das will ich nicht. Sein ganzes Leben lang wurde er auf seine Pflicht als Wächter vorbereitet. Sein Leben war sicher nicht immer glücklich und einfach. Er hat ein wenig Glück verdient, verstehen Sie?“ Jenny nickte. „Sarah, du weißt das ... wenn die Möglichkeit bestehen würde Angels Verwandlung rückgängig zu machen ich es tun ...“ „Es ist okay“, unterbrach die Jägerin Jenny.

„Es geht nicht um mich. Nicht jetzt in erster Linie ... wegen Ihnen. Es geht um Giles. Ich will, daß er glücklich ist; das er es wird. Er kann Ihnen verzeihen, ich weiß es.“ „Und was ist mit dir?“ fragte Jenny leise. Sarah zuckte mit den Schultern. „Ich ... kann es nicht. Noch nicht. Vielleicht ... irgendwann. Doch jetzt ... es tut noch zu sehr weh“, sprach Sarah und sie ließ die Lehrerin stehen. Jenny sah der Jägerin nach. Sarah hatte sich zusammen gerissen; ihren Hass unterdrückt, nur um ihr zu verstehen zu geben das Giles sie brauchte; das er sie vermißte. Und Jenny bewunderte die Jägerin dafür. Sie wußte, es war für Sarah nicht einfach gewesen.

Giles war gerade damit beschäftigt Flugblätter an einige Schüler weiterzugeben. „Hängt sie bitte auf“, sprach er und wandte sich dann seinen Schützling zu. „Nun, wie lautet dein Bericht über die letzte Nacht?“ Sarah verzog ihre Lippen zu einen schiefen Grinsen. Giles wußte, dies war eine ihrer Arten um ihre Trauer zu überspielen. „Ich hab so gut wie gar nicht geschlafen“, gestand sie offen. „Es sind aber keine Menschen gestorben. Also, eigentlich eine ruhige Nacht.“ Giles nickte.

„Ich hab gefunden was du wolltest“, sprach er. „Und was wollte ich noch schnell haben?“ fragte Sarah mit hochgezogenen Augenbrauen. „Ich hab ein Ritual gefunden. Mit diesem Ritual können wir die Einladung, die du einmal an Angel ausgesprochen hast, rückgängig machen.“ Bevor Sarah antworten konnte tauchte Cordelia auf, die Giles’ letzte Worte mitbekommen hatte. Ihre Miene hellte sich auf. „Großartig!“ rief sie. „Ich mußte doch tatsächlich den Wagen mit meiner Großmutter tauschen weil ich mich nicht mehr traue mit meinen zu fahren“, erklärte sie. Sarah bedachte sie mit einen giftigen Blick. Sie sah Giles an und bat ihn stumm fortzufahren.

„Jedenfalls ... das Ritual ist eigentlich ganz einfach. Man sagt ein paar Verse auf und verspritzt Weihwasser ...“ „Ich verstehe. Ich hab all das zu Hause, Giles“, meinte Sarah und sie gähnte. Sie wurde auf einmal unendlich müde. Was sicher daran lag, daß sie so gut wie gar nicht geschlafen hatte - letzte Nacht. Giles warf seiner Jägerin einen mitleidigen Blick zu. Zu gerne würde er ihr diesen ganzen Schmerz ersparen. Doch er konnte sie weder vor dem Schmerz noch vor dem bösen Ich von Angel beschützen. Langsam gingen die Jägerin und ihr Wächter - Seite an Seite - davon.

Hat das Kreuz auch eine Wirkung wenn man es versteckt? dachte sich Willow als sie das Kreuz mit dem Schlafzimmervorhang verdeckte. „Ich hoffe, mein Dad findet das Kreuz nicht. Ansonsten wird es schwer werden ihm das begreiflich zu machen“, meinte sie an Sarah gewandt. „Glaubst du, das Kreuz stört ihn?“ fragte Sarah stirnrunzelnd zurück. Willow nickte. „Die Tochter der Rosenbergs hat ein Kreuz im Zimmer hängen. Und ob ihn das stören wird“, gab Willow zurück. Sie wirkte genauso müde wie Sarah. Die letzte Nacht war für sie beide hart und sehr schlaflos gewesen.

„Weißt du, ich muß jedes Jahr zu Xander rüber gehen - natürlich mit einer Ausrede - wenn ich mir die Show von Charlie Brown zu Weihnachten ansehen will.“ Willow seufzte leise. Manchmal waren ihre Eltern wirklich problematisch. Aber welche Eltern waren das nicht einmal? Über Sarahs Lippen glitt ein zartes Lächeln. „Okay, jetzt habe ich es kapiert.“ Nun mischte sich Cordelia ein. „Willow, du weißt schon, daß in deinem Aquarium keine Fische sind, oder?“ Über Willows Lippen drang ein leises Schluchzen. Sofort mischte sich Sarah ein um ihr zu helfen.

„Wir sind hier fertig, Cordy. Du kannst gerne gehen wenn du willst“, gab Sarah der dunkelhaarigen Schönheit zu verstehen. Cordelia nickte als hätte sie darauf nur gewartet. „Gut, dann kann ich ja endlich gehen. Übrigens danke für dieses Ritual. Endlich fühle ich mich wieder sicher in meinen Wagen.“ Cordelia griff nach ihrer Handtasche, die auf Willows Bett lag. Dabei entdeckte sie einen Umschlag. Sie reichte ihn Willow. „Der ist wahrscheinlich für dich.“ Willow wechselte einen wissenden Blick mit Sarah. Sie beide wußten, der Umschlag war von Angel.

Willows Hände zitterten als sie den Umschlag öffnete und einen Bogen von braunen Papier herauszog. Nervös entfaltete sie den Bogen und erstarrte. Mit zitternder Hand gab sie das Stück Papier an Sarah weiter. „Der ist für dich“, flüsterte sie heiser. Sarah warf einen Blick darauf und hatte das Gefühl wieder in ein tiefes Loch zu fallen. Die Zeichnung gab ihre Mutter wider. Im Schlaf. Oder doch nicht ... Vielleicht schlief sie da gar nicht, sondern war ... „Mein Gott, Mom“, rief Sarah panisch und sie war schon auf den Weg zur Tür.

Geduldig wartete Angelus neben der Einfahrt, die beim Summers Haus lag. Und endlich kam sie. Der Wagen von Sarahs Mom fuhr vor. Joyce Summers hatte noch nicht einmal die Möglichkeit auszusteigen, denn da war Angelus schon an ihrer Seite und hielt ihr die Tür auf. Joyce stellte den Motor ab und musterte den jungen Mann eingehend. „Mrs. Summers?“ fragte Angel, obwohl er sehr gut wußte, das sie es war. „Ja, die bin ich“, erwiderte Joyce. „Ich bin Angel“, stieß er mit scheinbarer Qual zwischen seinen Lippen hervor.

Joyce musterte ihn. Er sah sehr gut aus, daß mußte sich Joyce eingestehen. Ihre Tochter hatte wirklich Geschmack. Seine Stimme klang sehr gepreßt und er schien seine seelische Qual nur schwer unter Kontrolle zu haben. Er machte den Eindruck auf sie als würde er am liebsten losschreien können, so weh tat ihm die Trennung von Sarah. Joyce stieg aus. „Sie sind also Angel“, meinte sie monoton. Sie wollte höflich sein; aber ihre Stimme klang bestimmt. Angel strahlte als sie seinen Namen nannte. Es schien ihn zu freuen, das Sarah von ihm erzählt hatte.

Joyce nahm die Einkaufstüten aus dem Wagen und verriegelte ihn. Angel bot ihr nicht an ihr die Tüten abzunehmen. Die Tüten würden sie langsamer machen wenn es nötig war. „Sarah hat von uns erzählt?“ fragte er hoffnungsvoll. „Meine Tochter teilte mir mit, daß sie nichts mehr mit Ihnen zu tun haben will, Angel.“ „Das kann einfach nicht sein“, widersprach Angel lächelnd. „Doch. Sarah will von Ihnen in Ruhe gelassen werden“, gab Joyce dem jungen Mann mit fester Stimme zu verstehen. Sie ist eine gute Mutter, dachte Angelus leise in sich hinein kichernd. Entschlossen erwiderte Joyce seinen Blick.

„Ich kann Sarah nicht gehen lassen“, sprach Angelus mit großer Qual. „Ich kann es nicht. Ich kann sie nicht loslassen. Ich habe es versucht, aber ich schaffe es einfach nicht. Ich liebe sie.“ Angelus lächelte sanft. Doch Joyce erwiderte sein scheinheiliges Lächeln nicht. „Angel, Sie machen meiner Tochter Angst“, sprach sie mit Nachdruck. „Ist es das was Sie wollen? Wenn Sie Sarah wirklich lieben, lassen Sie mein Kind in Ruhe.“ „Ich schaffe es nicht. Es liegt mir nicht Sarah Angst zu machen.“ „Dann lassen Sie Sarah in Ruhe.“ „Ich kann es einfach nicht. Ich habe es probiert. Aber es geht nicht. Sie müssen mir helfen, Joyce“, drängte er bestimmt.

Joyce ging an ihm vorbei. Angelus wirbelte herum und holte sie ein. „Joyce, ich weiß, Sie können mich verstehen. Lassen Sie mich das erklären: Ich liebe Sarah. Ich kann ohne sie einfach nicht leben. Ich brauche sie. Ich muß einfach mit ihr zusammen sein. Sie sind ihre Mutter. Sie können Sarah von meiner Liebe überzeugen. Sie können Sarah überzeugen zu mir zurück zu kommen. Sie muß zu mir zurück kommen. Ich kann ohne sie einfach nicht.“ Schnell sprudelten die Sätze aus ihm heraus. Er sah, daß es die Wirkung nicht verfehlte.

Joyce war jetzt nicht mehr so selbstsicher wie noch vor wenigen Minuten. Sarahs Mutter blieb stehen und betrachtete ihn forsch. Angelus spürte, wie Angst in ihren Körper kroch. Sie bekam Panik. Er roch ihre Angst. „Angel, ich sage es Ihnen jetzt zum letzten Mal: Lassen Sie meine Tochter in Ruhe“, sprach sie so streng sie es noch konnte ohne ihm ihre Angst zu zeigen. Doch Angelus gab nicht auf.

„Joyce, ich flehe Sie an: Reden Sie mit Sarah. Erklären Sie ihr, wie sehr ich sie liebe und wie sehr ich sie brauche. Sagen Sie ihr, wie sehr ich ihre Nähe brauche. Bitte, reden Sie mit ihr. Machen Sie ihr klar, daß ihre Gefühle für mich noch nicht erloschen sind; das sie ihre Gefühle zu mir unterdrückt. Machen Sie Sarah klar, daß sie mich noch liebt. Bringen Sie Sarah dazu zu mir zurück zu kommen. Sie sind die Einzige, die ihr die Augen öffnen kann.“ Angelus schwieg für einen Moment. Wartete, bis seine Worte die gewünschte Wirkung bei Joyce erreicht hatten.

„Sarah weicht mir aus. Sie spricht nicht mehr mit ihr. Und ich verstehe das nicht.“ „Ich denke zurecht geht Sarah Ihnen aus dem Weg“, erwiderte Joyce. Ihre Stimme zitterte ein wenig. Sehr gut, dachte Angelus. Langsam zeigt sie ihre Angst vor mir. „Nein, es ist nicht zurecht. Sarah denkt, sie liebt mich nicht mehr. Doch das stimmt nicht. Sie liebt mich. Ich weiß es. Bringen Sie Sarah dazu das einzusehen. Sie muß zu mir zurück kommen. Bitte, reden Sie mit ihr. Sie ist Ihre Tochter und wird sich das, was Sie sagen, zu Herzen nehmen.“ Joyce schüttelte den Kopf. „Ich muß jetzt hineingehen“, sprach sie und ging erneut an ihm vorbei. Angelus wußte, sie war kurz davor in wilder Panik vor ihm davonzulaufen. Angelus mußte sich stark zusammenreißen um nicht in lautes Gelächter auszubrechen.

Angelus holte sie ein und scheinbar ungeschickt rempelte er Joyce an, so das diese die Einkaufstüten fallen ließ. Orangen rollten aus den Tüten und verteilten sich auf dem Boden. Joyce bückte sich und sammelte die Orangen hastig wieder ein. „Joyce, Sie verstehen das einfach nicht. Ich weiß, Sie glauben, ich bedrohe Ihre Tochter.“ „Tun Sie das nicht?“ „Nein. Sie können diese Qual nicht verstehen, die mich jede Nacht, jeden Tag, jede Stunde und Minute ohne Sarah einholt; die mich beherrscht und fesselt“, sprach Angelus verzweifelt.

„Ich ... kann mein Leben ohne Sarah nicht weiterführen. Es geht nicht. Sie fehlt mir zu sehr. Wissen Sie, wie qualvoll es ist, mit dem Mädchen das man abgöttisch liebt, nur in den Träumen zusammen sein zu können? Ich ertrage das nicht mehr. Ich ertrage diese Sehnsucht und diesen Schmerz nicht mehr. Ich ertrage es nicht, daß sie sich von mir abgewandt hat. Ich kann den Schmerz nicht ertragen, daß sie mich mit meiner Liebe allein ließ“, sprach Angelus. Er wußte, auf Joyce machte er den Eindruck als würde er gleich in Tränen ausbrechen, so schmerzhaft schien die Trennung von Sarah zu sein. Er wußte, Joyce sah einen Mann, der diese Trennung nicht verkraftete.

Joyce blickte ihn prüfend an als er zwei Orangen aufhob. Angelus sah sie flehend an. „Joyce, hören Sie: Ich sterbe ohne Sarah. Ich sterbe, wenn ich sie nicht haben kann. Ich sterbe, wenn sie nicht bei mir bleibt. Und Sarah wird auch sterben. Ohne mich stirbt auch Sarah. Genau wie ich. Der Schmerz wird uns beide töten. Sarah stirbt ohne mich.“ Joyce erstarrte in ihrer Bewegung und starrte Angelus fassungslos an.

„Angel, drohen Sie meiner Tochter? Haben Sie ihr weh getan? Wollen Sie meiner Tochter etwa etwas antun?“ Angelus schüttelte langsam den Kopf. „Nein, daß tue ich nicht. Es ist eine Tatsache, Joyce. Wenn Sarah und ich nicht zusammen sein können werden wir beide sterben. Sagen Sie mir, warum tut sie mir das an? Warum verletzt sie mich so? Warum gibt sie mir nicht mehr die Liebe, die uns vor wenigen Wochen noch verbunden hat? Ich weiß, daß sie mich noch liebt. Ich weiß es einfach.“ Joyce sprang hastig auf.

„Ich werde jetzt die Polizei rufen. Ich will, das Sie verschwinden, Angel.“ Nun hatte sie wirklich Panik bekommen. Sarahs Mutter hastete die Stufen hinauf und kramte aus ihrer Handtasche ihren Hausschlüssel. Verzweifelt versuchte sie den Schlüssel ins Schloß zu stecken, doch sie schaffte es nicht. Angelus stieg langsam die Stufen zur Veranda hinauf und ein Grinsen glitt über seine Lippen. Nun war der richtige Zeitpunkt gekommen um Joyce den Rest zu geben.

Er tauchte neben Joyce auf und umfaßte den Türgriff. Joyce blickte auf. Angelus wollte, daß sie ihm in die Augen sah wenn sie die Wahrheit erfuhr. „Ich kann nachts nicht mehr schlafen. Ich kann nicht mehr schlafen seit Sarah in meinen Armen gelegen hat. Ich finde keine Ruhe mehr seit ich mit Sarah geschlafen habe“, sprach er mit gepreßter Stimme.

Joyce starrte ihn geschockt an; konnte nicht fassen was er da sprach. Sie schaffte es endlich die Tür zu öffnen. „Lassen Sie uns in Ruhe“, rief sie panisch und trat über die Schwelle. Angelus grinste. Es wird Zeit das sie stirbt, beschloß er und er wollte ihr folgen. Doch als er die Schwelle überqueren wollte, schaffte er es nicht. Das Betreten des Summers-Hauses wurde ihm verweigert.

Er konnte es nicht glauben und schnappte nach Luft. Als er zur Treppe sah kamen Sarah und Willow herunter. Willow blieb am Treppenansatz stehen. Angelus sah, daß sie ein Buch in ihren Händen hielt und daraus eine lateinische Formel vorlas. Sarah und Angelus standen sich schweigend gegenüber. Eine lange Sekunde konnte Sarah nichts sagen. Dann starrte sie in seine Augen. Wo einst die Liebe seinen Blick beherrschte, fand sie jetzt nur noch Kälte. „Tut mir leid“, sprach sie. „Du hast keinen Zugang mehr zu diesem Haus.“ Und dann warf sie die Tür ins Schloß.

~ 4. ~

Die Schule war verlassen. Schon seit Stunden waren die Schüler zu Hause und genossen ihre Freizeit. Jenny jedoch saß noch immer an ihrem Schreibtisch und arbeitete an ihrem Computer während sie einen Schluck Tee zu sich nahm. Mit einer Hand gab sie einen neuen Befehl ein. Sie hoffte, daß sie das Ergebnis bekam das sie sich wünschte. Es mußte einfach so sein. „Hallo“, sprach plötzlich eine Stimme hinter ihr.

Jenny fuhr erschreckt zusammen und drehte sich um. An der Tür stand Rupert. Jenny atmete erleichtert auf und tippte eine Taste, damit das aktuelle Bild auf dem Bildschirm verschwand. „Hallo Rupert“, erwiderte sie vorsichtig. Was macht er hier? fragte sich Jenny. Sie erinnerte sich an das was Sarah ihr gesagt hatte. Giles vermißte sie. Jenny wünschte sich das es wirklich so war.

„Es ist schon spät. Warum arbeitest du noch?“ fragte er. „Ein neues Projekt“, erwiderte Jenny. Noch wollte sie ihm nicht die Wahrheit sagen. Sie wußte nicht einmal ob sie wirklich das gewünschte Ergebnis bekam oder ob es sich doch als Sackgasse herausstellen würde. Jenny lächelte ihn zögernd an. Und Giles lächelte sogar zurück. Das ist ein gutes Zeichen, dachte sie. „Sarah hat mich heute aufgesucht. Ich hab mit ihr gesprochen“, sprach Jenny. „Das freut mich“, meinte Giles mit freundlicher Stimme und er näherte sich ihren Schreibtisch.

Jenny nickte. „Sie hat hauptsächlich über dich gesprochen. Sarah glaubt, ich fehle dir. Sie sagte, du vermißt mich. Stimmt das?“ Jenny hob den Blick und sah ihm in die Augen. Giles räusperte sich. „Sie ist ein eigensinniger Mensch. Sarah mischt sich gerne in Dinge ein, die sie nichts angehen.“ Giles schüttelte geistesabwesend den Kopf. Oft genug hatte er das schon erlebt. Seine Jägerin mischte sich wirklich gerne in Dinge ein, die sie nichts angingen.

„Rupert, stimmt es? Vermißt du mich?“ Giles nickte langsam. Jennys Herz machte einen freudigen Sprung. Er vermißt mich wirklich, dachte sie glücklich. Dann fiel ihr Blick auf den Bildschirm. Sie hatte noch etwas zu erledigen und sie durfte jetzt nicht aufhören. „Weißt du, Rupert, dieses neue Projekt an dem ich arbeite ...“ Jenny holte tief Luft. „Was ist damit?“ fragte Giles. „Ich kann dir noch nichts versprechen, aber wenn das Ergebnis dieser Arbeit wirklich positiv ist, habe ich gute Neuigkeiten. Ich muß das fertig machen. Jetzt sofort! Ich kann es nicht aufschieben, dafür ist es einfach zu wichtig, verstehst du?“ Sie betete, daß er es verstand.

„Können wir uns nachher noch sehen?“ fragte Jenny mit all ihrem Mut. „Ich muß mit dir darüber sprechen. Und ich ... möchte dich gerne sehen“, gestand sie. Ein Lächeln huschte über Giles’ Gesicht. Es war, als hätte er nur darauf gewartet das sie danach fragte. „Ich würde mich freuen wenn du später noch vorbeikommst.“ Jenny strahlte. Sie hatte nicht damit gerechnet das er je wieder auf sie zugehen würde.

„Treffen wir uns bei dir?“ fragte sie. „Ja. Ich freue mich wirklich“, sprach Giles noch einmal mit Nachdruck und dann ging er. Bevor er jedoch durch die Tür verschwand warf er noch einen letzten, sehnsüchtigen Blick auf Jenny. Giles sehnte sich danach sich mit ihr zu versöhnen. Er wußte nicht, daß es das letzte Mal war das er sie lebend sah.

Jenny vergaß Raum und Zeit während sie weiter an der Übersetzung des Rituals der Seelenübertragung arbeitete. Die Sache war einfach zu wichtig um sie aufzuschieben. Die Schule lag völlig im Dunkeln. Selbst das Klassenzimmer, in dem Jenny vor ihrem Computer saß, lag im Dunkeln. Jenny konzentrierte sich völlig auf ihre Arbeit und dem Bildschirm. Nervös gab sie die Befehle ein und wartete. Sie hoffte, daß es funktionierte. Es mußte einfach funktionieren. Leise sprach sie vor sich hin. „Nun mach endlich“, flüsterte sie. Mit ihren Fingernägeln trommelte sie auf die Tischplatte.

Endlich erschien auf der rechten Seite des Bildschirms ein neuer Text. Jenny las sich die Zeilen durch und kontrollierte sie mit den fremdsprachigen Annalen des Rituals. Dann jubelte sie freudestrahlend auf. „Ja, ich hab es geschafft“, rief sie. Jenny griff nach einer Diskette und schob sie in das Laufwerk. „Das muß einfach klappen. Nein, es wird klappen. Ich weiß es. Es hat tatsächlich funktioniert“, sprach sie zufrieden mit sich selbst.

Jenny speicherte den Text auf die Diskette während der Drucker zum arbeiten anfing und den Text ausdruckte. Jenny rollte auf ihrem Schreibtischsessel zum Drucker mit dem Endlospapier und warf einen kurzen Blick auf den Text. Ein zufriedenes Lächeln glitt über ihre Lippen. Das wird Rupert freuen. Und Sarah wird es erst recht freuen, dachte sie. Jenny hob für eine kurze Sekunde den Blick und erstarrte. Entsetzt sprang sie auf. 

Mit einem eiskalten Grinsen saß Angelus auf einen Stuhl im hinteren Teil des Klassenzimmers. Jenny erschauerte. Sie hatte gar nicht bemerkt das er herein gekommen war. Jenny atmete tief durch und wich langsam zurück. „Angel“, flüsterte sie. Jennys Blick fiel auf die Tür, die nicht weit von ihr entfernt war. Ich muß es bis zur Tür schaffen, dachte sie. „Wie bist du rein gekommen?“ fragte sie. Angelus lachte kurz auf. „Man hat mich eingeladen“, sprach er scheinheilig. „Der Spruch auf dem Schultor, weißt du? Formatia trans sicere educatorum“, meinte er mit einem Schulterzucken.

„Kommt herein, die ihr nach Wissen sucht“, übersetzte Jenny mit zitternder Stimme. Langsam erhob sich der Vampir und aus seiner Kehle löste sich ein kaltes Lachen. „Was soll ich großartig dazu sagen? Ich kann nicht genug von Wissen bekommen.“ Langsam kam er auf sie zu. Jenny bekam panische Angst. Doch sie unterdrückte ihre Angst so gut es ging. Er sollte es nicht sehen; er durfte es nicht sehen. Sie kannte seine Taten; wußte wozu er fähig war. Und sie ahnte warum er gekommen war. Er war gekommen um sie zu töten.

Ich muß ihn ablenken. Ich muß mit ihm reden, dachte Jenny. Wenn sie es schaffte ihn in ein Gespräch zu verwickeln, konnte sie ihm vielleicht entkommen. Die Chance war klein; minimal. Doch es war immerhin eine Chance. Das war mehr als seine früheren Opfer gehabt hatten. „Angel, ich hab gute Neuigkeiten“, sprach sie. Angelus nickte. „Ich weiß. Ich hab schon davon gehört.“ Er kicherte. Angelus beugte sich vor, in der Art, als müßte er einem Kind etwas wichtiges erklären. „Du hast eingekauft, richtig? In diesem Zauberladen.“ Sein Blick glitt über den Schreibtisch und blieb bei einer glänzenden Kugel hängen. Die Kugel, die Jenny gekauft hatte. Vorsichtig nahm er die Kugel in seine Hand und betrachtete sie eingehend.

Er senkte seine Stimme und gefährlich fuhr er fort: „Die Thesulah Kugel! Hätte nicht gedacht, daß ich so ein Ding jemals wieder in den Händen halte. Das ist nicht die erste Kristallkugel, die ich in den Händen halte, mußt du wissen. Ich kenne sogar noch ihre Geschichte. Die Kugel von Thesulah sammelt die Seelen des Äthers in sich. Sie trägt sie solange in sich bis die Seele an einen Dämon übertragen wird.“ Angelus hielt die Kugel hoch; betrachtete sie im Dunkeln des Raumes.

„Soll ich dir sagen, Jenny, was ich an diesen Dingern wirklich hasse?“ Seine Stimme klang nun wieder sanft. Doch Jenny wußte, es war trügerisch. Er spielte mit ihr. Er spielte genauso mit ihr wie mit seinen früheren Opfern. Im nächsten Moment warf Angelus die Kugel an die Tafel. Mit einen lauten Knall zersprang sie nahe an Jennys Kopf. Jenny schrie auf und zuckte zusammen. Sie hob ihre Hände und duckte sich; um sich von den herumfliegenden Splittern zu schützen.

„Diese Dinger sind so schrecklich empfindlich. Sie zerbrechen so schnell. Liegt wohl an der schlechten Herstellung der Zigeuner, oder?“ Mit gefährlichen Blick sah er Jenny an. Jenny zitterte, doch sie ermahnte sich ruhig zu bleiben. Jennys Hand umschloß den Türgriff. Verzweifelt rüttelte sie daran. Doch die Tür ging nicht auf. Er wird mich umbringen, dachte Jenny panisch.

Angelus richtete seine Aufmerksamkeit auf Jennys Computer. Er bekam ihren Fluchtversuch mit, doch er ignorierte die Versuche. Wußte er doch, daß sie durch diese Tür nicht kam weil sie verschlossen war. „Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht wie sich die Welt in den letzten 250 Jahren verändert hat; welche Fortschritte die Wissenschaft gemacht hat.“ Angelus drehte den Bildschirm zu sich und studierte den übersetzten Text des Rituals.

„Das hier ist für mich wirklich ein Wunder“, sprach Angelus weiter. „Du gibst das Geheimnis der Formel, die meine Seele wiederherstellt, hier ein ...“ Mit seinen vampiristischen Kräfte gab er den Computer einen Stoß und schleuderte ihn auf den Boden. Der Monitor knallte mit einen lauten Geräusch auf dem Boden und zerbrach. Sofort fing der Bildschirm Feuer.

„Und da kommt der Text dann raus“, meinte er und nahm den Ausdruck des Druckers an sich. „Ich kann es kaum glauben“, sprach Angelus verwundert. „Der Text für die Wiederherstellung einer Dämonenseele. Ich bin wirklich überrascht.“ Er kicherte leise. Dann riß er den Ausdruck mit einer Bewegung auseinander. „Nicht“, rief Jenny entsetzt. „Das ist ...“ „Meine Medizin?“ fragte Angelus. Er schüttelte den Kopf.

Angelus verzog entschuldigend das Gesicht und zerriß den Ausdruck in kleinere Stücke. „Danke, daß brauche ich nicht mehr; hatte ich schon. Ich sehe wirklich nicht ein warum sich die Geschichte wiederholen muß. Ich hab schon viel zulange gelitten. Es reicht. Ich werde das nicht wiederholen was dein Stamm mir schon einmal angetan hat.“ Angelus warf die Blätter ins Feuer.

Angelus kniete sich vor den brennenden Computer und hielt seine Hände davor als würde er sie wärmen wollen. „Ich hab den Computer erwischt und die Seiten zerstört. Da habe ich zwei Sachen auf einmal erwischt und vernichtet.“ Noch einmal rüttelte Jenny an der Tür, doch sie ging einfach nicht auf. Jenny blickte zur anderen Tür. Ich muß die erreichen, dachte sie. Vorsichtig bewegte sie sich. Ihr Herz zersprang fast vor Angst. Er tötet mich wenn ich die Tür nicht erreiche, dachte sie. Gott, was haben wir nur getan? Sie war nahe daran vor Furcht zu weinen. Reiß dich zusammen, ermahnte sie sich selbst. Langsam setzte sie einen Fuß nach dem anderen.

Angelus kniete noch immer vor dem Feuer, dann drehte er ihr plötzlich das Gesicht zu. Was Jenny sah, bestätigte ihr Gewissen. Er war hier um sie zu töten. Es schien als hätte er genug mit ihr gespielt. Angelus blickte sie mit glühend gelben Augen an und entblößte seine Fangzähne bei einem falschen Lächeln. „Und wenn ich die Lehrerin erwische, habe ich alles vernichtet, worum ich heute hierher gekommen bin.“ Renn, sprach eine Stimme in Jenny. Wenn du jetzt nicht läufst hast du keine Chance mehr. Und sie folgte ihrer inneren Stimme und lief los.

Der Vampir sprang auf und schoß nach vorne. Er packte Jenny an der Taille und wirbelte sie herum. Die Tür entfernte sich immer mehr von ihr. Verzweifelt wehrte sich Jenny, doch gegen seine übernatürlichen Kräfte hatte sie keine Chance. Angelus kicherte krank und warf Jenny gegen die Tür, durch die sie zuerst fliehen wollte. Mit einen Ruck flog die Tür aus den Angeln als sie dagegen prallte. Mit der Tür schlitterte sie über den Boden. Für einen Moment wußte Jenny nicht wo sie war. Sie schüttelte den Kopf und blickte auf. Panisch sah sie in die Fratze des Vampirs, der eiskalt lachte.

Für einen kurzen Moment konnte Jenny sich nicht bewegen. Aus dem Augenwinkel heraus sah sie wie Angelus sich ihr näherte. Ich muß hier weg, dachte sie panisch. Ihre Angst trieb sie an wie noch nie zuvor. Noch nie zuvor hatte sie auch eine solche Angst verspürt. Sie rappelte sich auf und rannte los. Jenny flüchtete über den Flur. „Das gefällt mir“, knurrte der Vampir angetan. „Ein wenig Bewegung schadet dem Hunger nie. Das macht das Ganze erst recht interessant.“ Und dann folgte er ihr.

Jenny fürchtete um ihr Leben. Und sie rannte um ihr Leben. Sie wußte genau: Wenn Angelus sie in die Finger bekam war sie tot. Sie würde nicht mehr die Möglichkeit haben den Fluch zu erneuern oder was noch schlimmer war ... sie würde Rupert nie wiedersehen - wenn sie Angelus nicht entkam. Ihre Absätze hallten auf dem Boden wider. Jenny sah eine der vielen Schwingtüren vor sich. Sie flog regelrecht darauf zu und wollte die Türen aufstoßen. Doch die Tür ging nicht auf. Sie war verschlossen.

Verdammt, dachte Jenny und sie drehte sich um. Ihre Nackenhaare stellten sich auf. Hinter eine der Schwingtüren sah sie die Silhouette des Vampirs. Angelus war ihr schon gefährlich nahe. Oh Gott, er wird mich wirklich töten, dachte sie panisch. Sie wandte sich an den nächsten Ausgang und rannte. Immer wieder blickte sie sich um. Und jedesmal war Angelus noch näher an ihr dran. Er hatte sie schon fast eingeholt.

Jenny wußte, er hatte Spaß daran. Er jagte sie. Wie ein Tier jagte er sie durch die Korridore der Schule. Und er wußte, irgendwann würde sie in ihrer Angst einen Fehler machen. Als Jenny auf die nächste Tür zu rannte, befürchtete sie schon, daß diese auch verschlossen war. Sie warf sich dagegen und mit einem kräftigeren Stoß von Jenny gab die Tür mit einen Ruck nach. Jenny wußte, die Tür aufzukriegen hatte sie Zeit gekostet. Er konnte schon fast nach ihr greifen.

Sie hörte, wie er in freudiger Erwartung hinter ihr knurrte. Jenny schlüpfte durch die Tür und schlug sie zu. Angelus prallte dagegen. Jenny kümmerte sich nicht darum sondern rannte weiter. Sie hatte erneut ein paar kostbare Sekunden gespart. Vielleicht retteten diese paar Sekunden ihr das Leben. Das Licht zeichnete Schatten auf dem Flur. Angelus kam erneut näher; hatte sich von der Tür-Attacke schnell erholt.

Vor Jenny stand der Putzwagen des Hausmeisters. Sie sah ihre Chance. Jenny lief an den Wagen vorbei. Sie stoppte, griff danach und stieß ihn gegen Angelus. Der Vampir konnte nicht mehr abbremsen oder ausweichen. Er donnerte krachend gegen den Putzwagen und fiel mit dem Gerät zu Boden. In der Schule ertönte ein schrecklicher Krach. Jenny rannte die Stufe hinauf, die sich vor ihr auftat. Sie hastete die Treppe hinauf. Erst oben warf sie einen Blick über ihre Schulter. Angelus befand sich nicht mehr auf dem Platz, wo er zu Boden gefallen war. Im nächsten Moment stieß sie gegen etwas. Jenny wirbelte mit dem Gesicht herum und erkannte, daß sie Angelus direkt in die Arme gelaufen war.

Es ist vorbei. Ich habe verloren, dachte sie sofort. Sie wollte noch etwas sagen, doch Angelus legte ihr einen Finger auf dem Mund und befahl ihr zu schweigen. Er lachte kalt. Es war das schrecklichste Lachen, das sie jemals gehört hatte. Jenny starrte ihn an während sie atemlos nach Luft schnappte. Sie konnte nicht mehr denken; nichts mehr sagen. Ihr Puls raste. Angst breitete sich in ihrem ganzen Körper aus und lähmte sie. Sie wußte, es war vorbei.

Ihr letzter Gedanke galt Rupert. Ich werde nie die Möglichkeit haben herauszufinden ob er mir wirklich verziehen hat, dachte sie traurig. Tränen stiegen in ihren Augen auf als sie daran dachte. Rupert Giles würde wohl nie erfahren das Jenny den Fluch entschlüsselt hatte. Und auch Sarah würde es nie erfahren. Was das bedeutete wußte Jenny. Es tut mir leid, Sarah, sprach sie im Stillen. Das alles habe ich nie gewollt. Ihre Augen begegneten den kalten Blick des Vampirs.

„Sorry, Jenny. Es wird Zeit für dich zu sterben“, flüsterte er mit sanfter Stimme. Im nächsten Augenblick umfaßte er ihren Kopf und drehte ihn herum. Er brach ihr das Genick. Der Klang des Bruches erfüllte die Hallen der Schule. Angelus gab ihren toten Körper frei, der sofort zu Boden sank. Der Vampir legte den Kopf in den Nacken und lachte dann laut. „Ich liebe es das zu tun“, rief er und langsam ging er aus dem Gebäude. Er warf keinen Blick zurück.

~ 5. ~

Giles klopfte an die Tür der Summers. Es war Willow, die ihm öffnete. „Hallo Willow“, sprach Giles. „Kommen Sie rein“, meinte Willow gut gelaunt. Es freute sie zu wissen das der Bannspruch tatsächlich wirkte. Sie würde wieder ein gutes Gefühl in ihrem Zimmer haben. Sie konnte sich wieder sicher fühlen; wenigstens zu Hause. Sie reichte Giles das Buch, in dem der Bannspruch stand. „Danke, Giles.“ „Hat es gewirkt?“ „Ja, der Bannspruch wirkt. Angel ist nicht reingekommen. Bis dahin war noch alles okay.“ „Er war hier?“ fragte Giles und er bekam ein mulmiges Gefühl.

„Ja, er hat ... er hat Sarahs Mom erzählt, daß er mit ihr ... Na, Sie wissen schon“, stammelte Willow. „Sie wissen doch Bescheid, oder?“ Nicht das ich jetzt zuviel ausgeplaudert habe, dachte sie besorgt. Giles nickte. „Ja, ich weiß es.“ Willow nickte und stieß erleichtert die Luft aus. „Ich muß sagen, Sie hätten dabei sein sollen. Sie wären stolz auf Sarah gewesen. Wenn man bedenkt wie weh ihr Angels Verwandlung tut, ist sie wirklich total cool geblieben.“ „Das ist schön zu hören. Ich werde den Bannspruch dann bei meiner Wohnung durchführen.“ Willow lächelte kurzangebunden.

„Ach ja, Sie müssen das auch noch machen.“ „Ja, allerdings. Richte Sarah bitte aus das ich hier war, okay?“ „Natürlich sag ich ihr Bescheid.“ Giles war schon im Begriff zu gehen als er sich zu Willow umdrehte. „Denkst du, ich sollte mit Sarahs Mom sprechen?“ „Und was wollen Sie ihr sagen?“ Giles überlegte einen Moment und ihm wurde klar, daß es doch keine so gute Idee war. „Ich denke, Sarah muß da alleine durch“, sprach Willow und sie hielt Giles die Haustür auf damit er würdevoll gehen konnte. Giles verstand den Wink und verließ das Summers-Haus. Er erinnerte sich daran das Jenny noch vorbei kommen wollte. So schnell wie möglich wollte Giles nach Hause um dazusein wenn Jenny kam.

Die angespannte Atmosphäre in ihrem Zimmer konnte Sarah beinahe greifen. Sie saß auf dem Bett während ihre Mutter auf und ab lief. Sarah räusperte sich und versuchte ihrer Mutter zu erklären was dieses Ritual mit dem Latein auf sich hatte. „Angel ist abergläubisch. Deshalb haben wir das mit dem Latein getan. Es hat keine Bedeutung. Aber er ist schrecklich abergläubisch und ... nun ja, du weißt schon ... Er glaubt eben an solche Sachen.“ Joyce nickte als ob sie verstehen würde. Doch sie verstand rein gar nichts. Das, was dieser junge Mann ihr mitgeteilt hatte, war ein zu großer Schock für sie.

Sie hatte gewußt, daß der Tag kommen würde an dem ihre Tochter auch in dieser Hinsicht ihre Erfahrungen sammeln würde, doch jetzt ... jetzt war er da und das kam für Joyce etwas zu schnell. Sie setzte sich vor Sarahs Schminktisch und musterte ihre Tochter mit einem strengen Blick. Sarah zuckte mit den Schultern und versuchte es ihrer Mutter noch einmal zu erklären. „Weißt du, wir waren der Meinung, wenn wir das machen, daß es ihn ...“ „War er der Erste mit dem du geschlafen hast?“ fragte Joyce auf einmal dazwischen. Sie mußte es einfach wissen.

Sarah holte Luft. „Mom, ich ...“ „Nein, weich mir nicht aus. Ich will es jetzt wissen. Du kannst mir nicht immer ausweichen. Ich will eine Antwort, Sarah.“ Sarah nickte nur. „Du weißt, daß er viel älter ist als du. Das sieht man ihn an.“ Am liebsten hätte Sarah laut aufgelacht. Viel älter als ich, dachte sie. Wenn du wüßtest, Mom. Doch statt zu lachen nickte sie erneut. „Ich weiß, das er älter ist als ich“, sprach sie mit leiser Stimme. Sie wollte mit ihrer Mutter nicht darüber sprechen. Woher konnte ihre Mom auch wissen wie sie sich fühlte? Die Sache mit Angel war so anders als das was ihre Mom glaubte.

Joyce blickte ihre Tochter streng an. „Sarah, er ist viel zu alt für dich. Und er ist nicht sehr stabil. Er hat den Eindruck auf mich gehabt als wäre er seelisch nicht sehr stark; als wäre er sehr labil. Ich hab wirklich gedacht, du hättest eine bessere Menschenkenntnis.“ Sarah senkte ihren Blick; konnte ihre Mutter nicht anschauen.

Was sollte sie auch sagen? Das er vorher noch seine Seele gehabt hatte? Das er sie mehr liebte als alles andere auf der Welt? Ich will sterben, dachte Sarah den Tränen nahe. Hab ich den nicht schon genug durchgemacht? Muß ich jetzt noch meiner Mom erklären wie weh er mir getan hat? Reicht nicht schon der Schmerz, den Angel mir zugefügt hat?

Am liebsten würde sie ihr Gesicht in ihren Händen vergraben; sich zusammenrollen und für ein paar Stunden vergessen was geschehen war; was Angel ihr schon alles angetan hatte. Sie blickte ihre Mutter an. Ich kann es dir nicht erklären, sprach sie still. „Er war ... nicht so als ich ihn kennengelernt habe. Er war anders.“ Ja, daß stimmt, dachte Sarah. Er war nicht böse und er war nicht so gemein. Er hatte seine dämonische Seite nicht so ausgelebt. Er war vorher kein grausamer Vampir, der jetzt versuchte sie mit allen Mitteln zu schwächen.

„Liebst du ihn noch?“ fragte Joyce. Sarah schüttelte den Kopf und log. „Nein, es ist vorbei.“ Gott, Angel, warum tust du mir das an? flehte sie im Stillen. Es war eine Lüge. Ihr Herz schlug noch für Angel. Sie liebte ihn noch. Und er wußte es. Dieses Wissen nutzte Angel gnadenlos aus. Er spielte mit ihr; spielte mit ihrer Trauer und jede Attacke seinerseits war wie eine Pfeilspitze, die sich durch Sarahs Herz bohrte und ihr Herz bluten ließ.

„Hast du an Verhütung gedacht?“ fragte Joyce streng. Wieder schlich sich Ironie in Sarahs Körper. Bei einem Vampir ist das kein Thema, dachte sie. Das ist eine Frage, die mich nicht betrifft, dachte sie. „Ich will eine Antwort, Sarah.“ Sarah wand den Blick. Sie konnte diese Frage nicht beantworten. „Mom, daß ist jetzt wirklich nicht der ...“ „Sag bloß nicht in diesen Ton Mom zu mir“, befahl Joyce streng.

„Du warst mit diesem jungen Mann zusammen. Du hast mit ihm geschlafen und du hast mit keinen Wort erwähnt das du einen Freund hast. Noch dazu hast du dich mit einen jungen Mann eingelassen, der unglaublich labil ist. Also, wage es bloß nicht, mir zu sagen, daß sei nicht der richtige Moment für eine solche Frage“, wies Joyce ihre Tochter scharf zurecht.

„Es war ein Fehler“, gab Sarah zu. „Es tut mir leid, daß ich dir nichts davon erzählt habe. Aber ... die Sache mit ihm war kompliziert und ...“ „Ich bin deine Mutter, Sarah. Es ist mein gutes Recht solche Dinge zu erfahren. Wenn du einen Fehler gemacht hast mußt du auch dazu stehen und nicht versuchen ihn vor mir geheim zu halten.“ Sarah hielt angestrengt ihre Tränen zurück.

Am liebsten hätte sie sich jetzt aufs Bett geworfen und geheult. War es nicht schon schlimm genug Angel verloren zu haben? War es nicht schon schlimm genug so darunter zu leiden? Ihn nicht loslassen zu können? Mußte ihre Mutter sie nun auch noch zurecht weisen und ihr ins Gesicht sagen was für einen Fehler sie gemacht hatte? Ich kann ihr einfach nicht alles erzählen. Es geht nicht, dachte Sarah traurig.

„Ich kann darüber nicht sprechen, Mom. Ich kann es dir nicht erzählen“, murmelte Sarah. Joyce seufzte. „Wie wäre es mit einen kleinen Teil?“ fragte Joyce. Sarah schüttelte verneinend den Kopf. „Es geht nicht.“ „Sarah, ich bin noch immer deine Mutter. Du kannst mich aus deinen Leben raushalten, daran habe ich mich inzwischen gewöhnt. Doch fang nicht an von mir zu erwarten, daß ich mir keine Sorgen mehr um dich mache. Das wird niemals passieren. Du bist meine Tochter. Ich liebe dich mehr als alles andere in meinen Leben.“ Joyce erhob sich und setzte sich neben ihre Tochter auf das Bett.

„Eigentlich solltest du jetzt die Augen verdrehen und sagen das ich dich nerve.“ Tränen glitzerten in Sarahs Augen. Sie schüttelte den Kopf. „Nein, du gehst mir nicht auf die Nerven“, flüsterte sie. Und sie schwiegen für einen Moment. „Okay, ich werde es dabei belassen. Aber wenn du reden willst, bitte komm zu mir und rede mit mir.“ Sarah nickte. „Ich weiß, es tut noch weh. Doch bald wirst du über ihn hinweg gekommen sein und jemand anderen finden. Angel ist nicht der einzige junge Mann auf der Welt. Es gibt andere und bessere.“ Joyce drückte die Hand ihrer Tochter und ließ sie allein. Sarah ließ ihrer Trauer nun freien Lauf. Tränen rieselten über ihre Wange. „Doch für mich ist Angel der Einzige auf der Welt. Für mich gibt es keinen anderen“, murmelte Sarah als die Tür ins Schloß fiel.

Als Giles nach Hause kam sah er die langstielige Rose sofort, die hinter der Klinke seiner Haustür steckte. Automatisch verzogen sich seine Lippen zu einen Lächeln. Jenny war schon da. Es freute ihn. Sie war da und sie würden sich versöhnen. Er würde ihr endlich sagen, daß er ihr verzieh und das er sie liebte. Sie hatte es ihm gestanden. Und jetzt war er an der Reihe. Er würde es ihr heute Abend sagen. Giles griff nach der Rose und roch daran. Dann öffnete er die Tür und betrat das Wohnzimmer. „Jenny?“ rief er und er schloß die Tür hinter sich.

Er bekam keine Antwort. Die Wohnung wurde von leisen Klängen erfüllt. Giles erkannte das es La Boheme von Puccini war. Er lächelte erneut. Giles legte seinen Mantel ab. Er blickte sich um. Der Raum war mit Kerzen beleuchtet, die überall standen und auf dem Tisch stand ein Kühler mit einer Flasche Champagner. Daneben stand ein Zettel und ein Umschlag. Beides war aus braunen Pergamentpapier.

Giles nahm den Zettel an sich und las: „Oben.“ Er nahm die Champagnerflasche aus dem Kühler, nahm noch zwei Gläser an sich und stieg langsam die Stufen hinauf, wo sein Schlafzimmer war. Während er die Stufen nahm bemerkte er, das Rosenblätter auf dem Boden verstreut waren. Kerzen standen parallel zueinander und schienen ihm den Weg zu zeigen. Er fühlte sich frei und jünger als jemals zuvor in seinen Leben. Giles ließ sich von der Musik treiben.

Die Musik erreichte ihren Höhepunkt. Voller Inbrunst ertönten die Stimmen der Musiker. Jede Stufe, die Giles nahm, brachte ihn Jenny näher. Endlich würden sie sich versöhnen. Er hatte sich so sehr nach ihr gesehnt. Im Stillen dankte Giles Sarah, daß sie mit Jenny gesprochen hatte und ihr erzählt hatte wie er sich fühlte. Seine Jägerin hatte den Stein zur Versöhnung ins Rollen gebracht. Und dafür war er ihr unendlich dankbar. Sie wollte, daß ihr Wächter glücklich war - wenn sie es schon nicht war. Dafür achtete Giles Sarah noch mehr. Dies war ihre Art um ihm zu zeigen wie sehr sie ihn und seine Arbeit schätzte. Doch nun galten seine Gedanken nur noch Jenny.

Als er die letzten Stufen nahm entdeckte er sie. Sie trug noch das schöne Kleid, daß sie in der Schule getragen hatte. Sie lag auf den Bett. Ihr dunkles Haar lag ausgebreitet auf den Kissen. Ihre Augen waren geschlossen. Im fahlen Lichtschein der Kerzen wirkte ihr Gesicht noch zarter und schöner als im vollen Licht. Giles spürte, wie sein Herz wild zu pochen anfing als er sie erblickte. Sie lag still da. So als schliefe sie ... Doch da sah Giles, daß ihre Augen starr auf die Decke blickten ... Mein Gott, bitte nicht, flehte er. Sie schlief nicht. Jenny lag da als wäre sie ... Aus Giles’ Hand glitt die Champagnerflasche und die beiden Gläser. Klirrend krachten sie auf den Boden und zersprangen laut. Da lag die Frau, die er liebte ... tot ...

Giles nahm nichts mehr um sich herum wahr. Er war geschockt. Es war, als wäre er in ein tiefes Loch gefallen. Er konnte es noch immer nicht glauben. Jenny hatte in seinen Bett gelegen - tot. Vor Giles’ Augen verschwamm alles. Streifenwagen standen vor seinen Haus. Giles sah, wie zwei Männer den Leichensack die Stufen hinunter schleppten. Da war sie drin. Leblos. Giles wandte sich sofort ab. Er konnte das nicht sehen.

Ein Polizist stellte sich zu ihm und sprach: „Mr. Giles, Sie müssen bitte mit aufs Revier kommen. Wir haben da noch ein paar Fragen.“ Giles blickte den Polizisten lange an. So als könnte er nicht glauben was er da sagte. Doch Giles wußte, dieser Polizist tat nur seine Pflicht. Erst dann versuchte er sich zusammenzureißen. „Ich verstehe, die Formalitäten! Natürlich komme ich mit. Ich möchte ... nur gerne vorher telefonieren, wenn das möglich ist. Ich muß ... jemanden Bescheid sagen.“ Der Polizist nickte und Giles griff wie betäubt nach dem Telefonhörer.

Angelus stand unter einem Baum. Die Äste hingen herab und verdeckten seine Gestalt ein wenig. Doch er hatte noch einen guten Blick zum Haus, das er beobachtete. Er sah Sarah und Willow durch das Fenster des Eßzimmers. Und er sah Sarah an der Nasenspitze an, daß das Gespräch mit ihrer Mutter nicht sehr einfach für sie gewesen war. Er grinste zufrieden vor sich hin.

„Wie war es?“ fragte Willow. Sarah zuckte mit den Schultern. „Es geht“, antwortete sie ohne große Gefühle. Bevor Willow darauf etwas sagen konnte klingelte das Telefon. Angelus’ Grinsen wurde breiter. Er wußte, von wem der Anruf kam. Es war Zeit. Giles mußte sie schon längst gefunden haben. Angelus trat zwei Schritte nach vorne und beugte sich vor. Er wollte die Reaktionen der beiden Mädchen auf diese schreckliche Nachricht absolut klar sehen.

Sarah eilte zum Telefon und drückte den Hörer des schnurlosen Telefons an ihr Ohr. „Hallo?“ „Sarah, ich bin’s“, sprach Giles monoton am anderen Ende der Leitung. „Hi Giles! Was ist los?“ Sarah erkannte an der Stimme ihres Wächters das etwas nicht in Ordnung war. Er schluckte schwer. „Jenny ... sie ist tot“, gestand er. „Was?“ flüsterte Sarah. Sie konnte nicht glauben was sie da hörte. „Sie ist tot“, sprach er noch einmal. Der Hörer glitt wie in Zeitlupe aus Sarahs Hand.