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Title:
Die Jägerin und ihr Vampir, Teil 4 – Angels Rückkehr
Fandom:
Buffy – The Vampire Slayer Summary: Nachdem Sarah verschwunden ist, kehrt sie in die Stadt zurück, in der sie alles verloren hat. Ihre Freunde erkennen die starke Jägerin kaum wieder. Sie verkraftet den Verlust Angels nicht und leidet schwer darunter. Doch als sie beginnt, ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen, geschieht etwas unglaubliches ... Disclaimer: Die Charaktere von Buffy gehören nicht mir, sondern Joss Whedon und anderen. Diese Story ist FanFiction mit der weder Geld verdient, noch Rechte verletzt werden sollen. Ich schreibe sie nur zu meinen Vergnügen. Note: In diesem Teil habe ich mal so richtig den Herzschmerz raus gelassen. Es gab einige Dinge, die mir bei Angels Rückkehr nicht gefallen haben. Das die Jägerin nie erfahren hat, daß Xander ihr Willows Plan verschwiegen hat, war etwas was ich nicht verstehen konnte. Deshalb ist das eines der Themen in diesen Teil. Viel Spaß beim Lesen!
Die
Jägerin und ihr Vampir, Teil 4 - Angels Rückkehr In jeder Generation gibt es nur eine Jägerin. Sie muß sich gegen Vampire und die Dämonen der Finsternis stellen. Sie allein ist auserwählt. Sie muß bereit sein, ihr Leben für die Menschheit zu opfern. Stirbt sie, tritt die nächste Jägerin an ihre Stelle ...
~ 1. ~ [2 Monate später] Rauch stieg aus der Kanalisation auf. Einige der Straßenlaternen waren kaputt und so wurde den Straßen nur gedämpftes Licht gespendet. Sarah kam von ihrer Arbeit. Sie lebte in einer Großstadt und arbeitete als Kellnerin um sich über Wasser zu halten. Sie lebte in einen kleinen Apartment und verkroch sich vor dem Rest der Welt. Der Schmerz war einfach zu groß. Es hatte sich alles verändert. Mit Angels Tod hatte sich ihr ganzes Leben verändert. Sie hatte sich verändert. Nichts war mehr so wie früher. Und es würde nie mehr so sein wie früher. Doch das Leben ging auch für sie weiter - irgendwie. Aber mit Angels Tod war etwas in ihr gestorben. Der Verrat an ihrer Liebe war nicht zu ertragen für die Jägerin. Das Angel durch ihre Hand getötet worden war ... es verfolgte sie Tag und Nacht; jede Stunde und Minute. Es tat einfach zu sehr weh. Sarah hatte zwar die Welt gerettet - doch um welchen Preis? Die Welt war vom Untergang gerettet worden, aber ihre Welt war dabei unter gegangen. Sarah war innerlich völlig zerstört. Ihre Pflicht als auserwählte Jägerin hatte ihr alles genommen. Ihre Familie, ihre Freunde und ihre Zukunft. Und es hatte ihr Angel genommen. Sie war allein. Sie hielt sich von den Menschen so gut es ging fern und pflegte keine Kontakte. Und das war ihr nur recht. Sie wollte es nicht anders. Dies war ihr jetziges Leben. Und so sollte es sein. Etwas anderes hatte sie nicht verdient. In ihren Augen hatte sie es nicht verdient noch einmal wahres Glück zu verspüren. Sie hatte nicht verdient glücklich zu sein - ihr früheres Leben normal weiter zu leben. Nein, daß hatte sie nicht verdient. Nicht nach dem Verbrechen, das sie an Angel begangen hatte. Und für dieses Verbrechen bestrafte sie sich selbst. Sie litt. Sarah litt wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Sie vermißte ihre Mom und ihre Freunde. Und sie vermißte ihren Wächter. Doch sie wußte - selbst wenn sie nach Sunnydale zurückkehren würde - würde auch für ihre Leute nichts mehr so sein wie früher. Ihre Mutter mußte mit der Tatsache leben das ihre Tochter eine Vampirjägerin war und ihre Lebensqualität nicht sehr hoch war. Sarah wußte, daß ihre Mom damit nicht klar kam. Genau das war der Grund gewesen warum sie Sarah aus dem Haus geworfen hatte. Dann war da Giles. Ihr Wächter, der immer zu ihr gehalten hatte. Er war es gewesen, der ihr gesagt hatte, man könnte Angel vertrauen. Damals hatte Giles noch nicht gewußt welchen Stein er damit ins Rolle brachte; und welche Liebe sich aus diesem Vertrauen entwickeln würde. Und dann war Jenny gekommen und Giles hatte verstanden warum Sarah so sehr an Angel hing. Das wußte die Jägerin. Er hatte es in dem Moment verstanden als Jenny aufgetaucht war und er sich selbst verliebt hatte. Doch auch seine Liebe war das dauerhafte Glück nicht bestimmt gewesen. Sie hatten die Wahrheit über Jenny erfahren und Sarah hatte Jenny aus ihrem Kampf ausgeschlossen. Giles hatte sich auf die Seite der Jägerin gestellt - weil es seine Pflicht als ihr Wächter gewesen war. Doch seine Liebe zu Jenny blieb bestehen. Er hatte darunter gelitten und das war auch der Grund gewesen warum Sarah mit Jenny gesprochen hatte - damals. Bevor sich Jenny und Giles ihren Gefühlen endlich hingeben konnte war Jenny brutal aus dem Leben gerissen worden. Giles hatte nie ein Wort darüber verloren und Sarah ahnte, daß er ihr für einen kurzen Moment die Schuld an Jennys Tod gegeben hatte. Und zu guter Letzt war er von Angels bösen Ichs entführt und gefoltert worden. Sarah wußte nicht was er während der Folter hatte ertragen müssen. Doch die Schmerzen waren sicher unerträglich für ihn gewesen. Konnte er ihr das alles wirklich verzeihen? Giles war in erster Linie ihr Wächter. Doch er war ein Mensch. Konnte er all das wirklich verzeihen? Genauso wie ihren Weggang? Sie war gegangen ohne ein Wort. Wieviel konnte Giles ertragen? Konnte er ihr verzeihen? Oder war einfach schon zuviel passiert? Dann war da noch ihre Gang. Was war mit ihnen? Konnten sie Sarah verzeihen das sie einfach gegangen war? Sie hatte ihre Freunde durch ihre Berufung immer und immer wieder in Gefahr gebracht. Und vor zwei Monate war es beinahe schief gegangen - diese ständige Hilfe der Gang. Willow hätte sterben können. Angel hatte probiert sie zu töten. Und was war mit Xander? Er hatte sie immer gewarnt vor Angel. Er hatte Angel noch nie gemocht. Doch das war nicht das Thema. Konnten ihre Freunde verzeihen das sie so lange gezögert hatte Angel zu töten? Konnte Giles es verzeihen das sie diesen Kampf so lange hinaus gezögert hatte? Schließlich lebten ihre Freunde in dem Glauben das sie Angelus getötet hatte. Sie wußten nichts davon das es Angel gewesen war, den sie zur Hölle geschickt hatte. Worüber sie sich aber am meisten Sorgen machte war Angel. Konnte er ihr verzeihen? Dort wo er jetzt war? Sie hatte ihn zur Hölle geschickt und wegen ihr erlitt er jetzt tausend Qualen in der Dämonendimension. Sie wußte es. Und es tat ihr weh. Angel litt wegen ihr. Konnte er ihr wirklich verzeihen das er durch ihre Hand in diese Hölle geschickt worden war? Das er in dieser Welt - Sarahs Welt - als tot galt? Sie konnte den Gedanken nicht ertragen das er sie dafür haßte; das aus seiner Liebe Hass geworden war. Ja, sie litt noch immer. Und es gab so viele Gründe nicht nach Sunnydale zurück zu kehren. Dieser Ort war für sie verflucht. Sie war dort mit Angel glücklich gewesen. Und sie hatte dort wegen ihm gelitten. Und es war der Ort, wo sie ihn getötet hatte. Angel war tot. Er war fort - für immer. Sarah wußte, er würde nie mehr zurückkommen. Angel hatte sie für immer verlassen. Sie hatte ihn verloren. Sarah betrat ihr Apartment und schloß die Tür hinter sich ab. Sie legte ihre Arbeitskleidung ab und ging ins Badezimmer. Sarah stellte die Dusche an. Das hatte sie nach diesem harten Arbeitstag dringend nötig. Nur für kurze Zeit gelang es ihr nicht an das zu denken was sie Angel angetan hatte; zu welchem Leben sie ihn in der Hölle verdammt hatte. Nach der Dusche zündete Sarah eine Kerze an und legte sich ins Bett. Sie starrte die Flamme an. Das tat sie oft wenn sie nach Hause kam; wenn der Schmerz so groß wurde das sie glaubte, er überschwemmte sie. Dann zündete sie eine Kerze an, kuschelte sich ins Bett und beobachtete wie die Flamme langsam ausbrannte. Seit Angels Tod hatte sie die beiden Stücke, die er ihr einst geschenkt hatte, nicht abgelegt. Das Armband mit den Worten „Für immer“ baumelte an ihrer rechten Hand. An ihrer rechten Hand blitzte auch der Claddagh-Ring im Licht auf, den Angel ihr geschenkt hatte. Es war das Zeichen ihrer Liebe. Es war das Wichtigste was sie von Angel noch besaß. Die Einsamkeit übermannte sie. Der Schmerz wurde von Tag zu Tag unerträglicher und schien sich auszubreiten. Was hab ich nur getan? fragte sich Sarah traurig. Wie hatte sie das nur tun können? „Angel, ich hoffe, du kannst mir verzeihen“, sprach sie leise. Sarah zog die Decke über ihren Körper und schloß die Augen während die Kerze langsam ausbrannte. Sie schlief ein. Und - wie alle Nächte zuvor seit Angels Tod - würde es eine unruhige und von Träumen gequälte Nacht für Sarah werden. ... Die Sonne war untergegangen. Der Horizont war ein Farbenspiel aus tiefsten schwarz und dem schimmernden Blau der Wellen. Der Sternenhimmel war klar und die Sterne schienen in dieser Nacht besonders hell zu strahlen. Langsam ging Sarah am Ufer entlang. Das Wasser umspielte ihre nackten Füße. Sarah trug ein rot gemustertes Sommerkleid und trug ihre Sandalen in der Hand. Die süße Brise des Meeres wurde vom Wind zu ihr herüber getragen. Sarah blieb stehen weil sie Schritte hörte. Sie setzte sich in den Sand und wartete bis ihr Verfolger sich ihr näherte. Jemand setzte sich neben sie. Zwei starke Männerarme legten sich um ihre Taille. Sie spürte Angels warmen Atem in ihren Nacken. Ihr Haar streifte sein Gesicht als er ihren Duft einatmete. Mit einen glücklichen Lächeln auf den Lippen lehnte sie sich gegen Angels Brust. „Du hast mich gefunden“, flüsterte sie. „Ich würde dich überall finden - egal wo du bist. Ich finde dich, Sarah“, antwortete Angel zärtlich. Sarah drehte ihr Gesicht zu ihm und er küßte sie auf die Lippen. „Ich liebe dich“, sprach er. „Ich liebe dich auch.“ Sarah richtete ihre Augen auf den Nachthimmel, wo die Sterne tanzten um die Liebenden zu erfreuen. „Der Himmel ist heute Nacht wunderschön. So als wäre diese Nacht nur für uns bestimmt“, sprach Sarah glücklich. Sie schmiegte sich in Angels Armen und strich mit einer Hand zärtlich über seinen Arm, der sich um ihre Taille gelegt hatte. „Ja, es ist hier schön. Doch du gehörst hier nicht her, Sarah.“ „Wie meinst du das?“ „Du wirst gebraucht, Liebling. Egal was passiert ist ... du mußt zurückgehen.“ „Ich will nicht. Ich will hierbleiben. Hier, bei dir.“ Angel schenkte ihr ein warmes Lächeln. „Ich bin immer bei dir. Ich werde dich nie verlassen. Doch du weißt, daß du hier nicht her gehörst. Du weißt, wohin du wirklich gehörst.“ „Ich will dich nicht noch einmal verlieren. Wenn ich dich verlasse verliere ich dich erneut“, sprach sie. Angel schüttelte verneinend den Kopf. „Du wirst mich nicht verlieren. Ich werde dir folgen. Egal wo du bist, ich finde dich. Und jetzt geh zurück.“ Und ein letztes Mal küßte Angel sie zärtlich ... Sarah schreckte aus dem Schlaf. Sie blickte sich im Dunkeln um und tastete nach ihrer Nachttischlampe. Das künstliche Licht hüllte den Raum ein. Sie wußte es instinktiv: Dieser Traum war ein Omen gewesen. Solche Träume waren nichts ungewöhnliches in letzter Zeit. Sie träumte jede Nacht von Angel; denn nur in ihren Träumen konnte sie noch mit ihm zusammen sein. Aber dieser Traum war anders gewesen als die letzten Träume von Angel. Er hatte ihr geraten zurückzugehen. Und sie wußte, was er damit meinte. Er hatte ihr geraten nach Sunnydale zurückzugehen. Sarah schlug die Decke zurück und stand auf. Sie ging zum Fenster und setzte sich auf die breite Fensterbank. Die künstlichen Lichter der Stadt erhellten die dunklen Straßen. Die Straßen waren jedoch leer. Um diese Zeit trieb sich kaum jemand in dieser Gegend herum. Er hatte gesagt, sie solle zurückgehen. Er hatte gesagt, daß sie gebraucht wurde. Sollte - konnte - sie es wirklich wagen? Sollte sie diesen Schritt wirklich gehen? Sarah wußte selbst das sie sich irgendwann stellen mußte; das sie irgendwann nach Sunnydale zurückgehen mußte. Doch war es dafür wirklich schon an der Zeit? War sie dazu schon bereit? „Oh Angel“, flüsterte Sarah. Sie zog ihre Beine an und legte ihren Kopf auf ihre Knie. Und dann rieselten erneut Tränen über ihre Wangen. Sie gab sich ihren Tränen hin; gab sich ihrem Schmerz hin. Und wie schon so oft in solch einsamen Momenten hatte sie das Gefühl, daß er bei ihr war; das er sie beschützte und sie tröstete. Sarah hob den Kopf und ihr wurde klar das sie ihre Rückkehr nach Sunnydale nicht länger hinausschieben konnte. Seit zwei Monate hatten sie nichts mehr von sich hören lassen. Seit zwei Monaten war sie spurlos verschwunden. Sarah wußte, es war langsam Zeit umzukehren; sich endlich dem zu stellen was geschehen war. Doch hatte sie wirklich schon die Kraft dazu? Unbewußt schüttelte Sarah verneinend den Kopf. Sie hatte diese Kraft noch nicht. Sie hatte Angst. Angst davor wie ihre Mom, Giles und ihre Freunde reagieren würden. Würden sie wirklich Verständnis dafür haben das sie einfach so verschwunden war? Die Jägerin wußte es gab nur einen Weg das herauszufinden. Sie hatte viel zu klären - mit ihrer Mom und Giles. Doch sie war einfach noch nicht soweit ihren Leuten zu sagen was geschehen war; was wirklich in der Gruft zwischen Angel und ihr geschehen war. Doch sie mußte zurück. Sie mußte diesen Schritt wagen. Egal wieviel Angst sie auch hatte. Ja, Sarah würde dem Rat von Angel folgen und zurück nach Sunnydale gehen. Es war einfach an der Zeit. Aber ihr Leben dort würde nicht mehr so sein wie früher - nicht ohne Angel. Sunnydale würde nicht mehr das sein was es einmal für Sarah gewesen war. Seit Sarahs Verschwinden war in Sunnydale Ruhe eingekehrt. Für Sarahs Freunde eine unheimliche Ruhe. Giles hatte mit Sarahs Mom gesprochen und ihr erklärt was genau eine Jägerin war; und auch das er ihr Wächter war und die ganze Zeit Bescheid gewußt hatte. Er hatte ihr erklärt das er gemeinsam mit Sarah das Böse bekämpfte. Joyce war geschockt gewesen und hatte Giles deutliche Vorwürfe gemacht. Sie hoffte jeden einzelnen Tag - der anbrach - das ihre Tochter nach Hause kommen würde. Joyce war verzweifelt. Nichts von Sarah zu hören war das Schlimmste was sie sich jemals hatte vorstellen können. Sie hoffte wirklich bald ein Lebenszeichen von Sarah zu hören. Giles selbst ging es nicht besser als Sarahs Mom. Sie war schließlich mehr für ihn als nur sein Schützling; seine Jägerin. Sie war wie eine Tochter für ihn. In all den Jahren hatte er angefangen sie wie eine Tochter zu lieben. Er wußte, daß auch er mehr für sie war als ihr Wächter. Er war ein Freund und das hatte sie ihm schon oft genug bewiesen. Doch wo war sie nur? Was war jenen Tag in der Gruft zwischen Angel und ihr nur passiert? Fest stand das sie ihre Pflicht getan hatte. Sie hatte ihn getötet. Natürlich wußte Sarahs Wächter nicht das sie Angel getötet hatte und nicht Angelus. Giles ging jeden Hinweis nach, doch alles entpuppte sich als Falschmeldung. Die Hinweise waren nicht auf Sarah bezogen. Er machte sich wirklich Sorgen und wünschte sich das Sarah sich endlich bei jemanden aus ihrer Gang oder bei ihrer Mom melden würde. Ihre Freunde lebten ihr Leben weiter. Sie hatten sich für diverse Universitäten beworben. Willow und Oz hatten sich entschieden in Sunnydale zu bleiben und auf dem hiesigen College zu studieren. Willow hatte sich bewußt dafür entschieden weil sie in Sunnydale bleiben wollte. Vielleicht kam Sarah eines Tages ja zurück. In der Zwischenzeit war viel passiert. Sie hatten ihren Abschluß gemacht und würden nun einen neuen Abschnitt in ihrem Leben beginnen. Direktor Synder hätte Sarah gerne durchfallen lassen, doch es war ihm nicht gelungen. Willow hatte Sarahs Abschlußzeugnis ihrer Mom gebracht. Es lag im Haus der Summers und wartete darauf das Sarah es sich endlich anschaute. Innerhalb der Gang hatte sich eine Menge getan. Während Oz und Willow noch ein Paar und noch immer glücklich miteinander waren, hatten sich Cordelia und Xander im Streit getrennt. Cordelia träumte von einer Karriere als großer Star und hatte deshalb beschlossen nach Los Angeles zu gehen. Xander hatte das nicht gefallen und er hatte ihr das auch deutlich zu verstehen gegeben. Doch Cordelia hatte sich nicht abhalten lassen. Sie hatte ihre Konsequenzen daraus gezogen und hatte sich von Xander getrennt. Somit hatte sie auch ihren guten Ruf auf der Sunnydale High wieder hergestellt. Sie war wieder die Queen als sie Sunnydale verlassen hatte. Nun arbeitete sie in Los Angeles an ihrer Karriere als Schauspielerin. Und sie war definitiv der Meinung, daß das Leben in L.A. ungefährlicher war als das Leben mit diesen Vampirjägern in Sunnydale. Sie hatte mit diesem Kapitel ihres Lebens abgeschlossen. Das schlechte Gewissen von Xander hatte sich zwar etwas beruhigt, doch es plagte ihn noch oft. Er fragte sich, was passiert wäre wenn er Sarah die Wahrheit gesagt hätte. Wäre alles gut ausgegangen und wäre sie in Sunnydale geblieben? Er wußte es nicht. Es quälte ihn. Xander wußte das Sarah ihn wahrscheinlich krankenhausreif schlagen würde wenn sie die Wahrheit erfuhr. Er wußte, sie würde ihm Vorwürfe machen. Und er fragte sich, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war ihr zu verschweigen was Willow vorgehabt hatte. Aber jetzt ... jetzt war es auch zu spät. Sie alle hofften das Sarah zurückkommen würde. Sie alle machten sich Sorgen. Jeder lebte mit dieser Sorge und jeder ging anders damit um. Aber diese Sorge verband die Gang und schweißte sie zusammen. Sie alle hatten nur den Wunsch das Sarah nach Sunnydale zurückkehrte. Der Bus hielt in Sunnydale. Genau an der Bushaltestelle, wo Sarah damals eingestiegen war um von diesem Ort wegzukommen. Sie blickte sich um. Die Sonne schien und die Vögel zwitscherten ein kleines Lied. Der Wind wehte durch die Äste der Bäume. Alles war ruhig. Alles schien vollkommen normal zu sein. Sunnydale machte den Eindruck als wäre alles so wie Sarah es verlassen hatte. Doch dem war nicht so. Sie schluchzte leise auf und verbot sich zu weinen. Etwas entschiedenes hatte sich für Sarah in dieser Stadt verändert. Angel lebte hier nicht mehr. Er war nicht mehr da. Sie wußte nicht was ihre Freunde um diese Zeit jetzt machten, aber Sarah wußte das ihre Mom zu Hause war. Um diese Zeit war sie immer zu Hause gewesen. Mit schweren Beinen ging sie zum Haus ihrer Mutter. Alles in ihr wehrte sich diesen Schritt zu gehen. Ihre innere Stimme wollte weglaufen. Sarah wollte sich dem nicht stellen was damals passiert war. Doch sie mußte. Sie mußte es einfach tun. Angel hatte gesagt, sie gehörte hierher. Und er hatte recht. Sarah gehörte nach Sunnydale - auch wenn die Erinnerungen an Angel hier noch schmerzvoller waren als woanders. Sie erreichte das Summers-Haus. Der Wagen ihrer Mutter stand in der Auffahrt. Sarah atmete tief durch und blieb stehen. Wie würde ihre Mutter reagieren? Würde sie es verstehen? Oder würde Sarah erneut Vorwürfe zu hören bekommen? Ihre Hände zitterten. Sie hatte Angst. Sarah wußte nicht wie ihre Mutter reagieren würde. Joyce hatte zwei Monate Zeit gehabt über die Bestimmung ihrer Tochter nachzudenken. Wie sah sie das alles jetzt? Verstand sie jetzt das diese Berufung das Leben von Sarah war? Ich werde es nur erfahren wenn ich mich ihr stelle, dachte Sarah. Sie holte noch einmal tief Luft; tankte sich selbst mit Mut auf und ging auf die Veranda zu. Sarah stieg die paar Stufen hoch und betätigte die Türklingel. Jetzt gab es kein zurück mehr. Jetzt war sie wirklich wieder in Sunnydale. Bitte, Mom, bitte versteh mich, flehte Sarah im Stillen. Im Haus war zuerst nichts zu hören. Doch dann nahm Sarah ein Geräusch wahr. Sie wußte, es war nun soweit. Nun würde sie ihrer Mutter gegenübertreten. Joyce saß auf dem Sofa und schaute fern als die Türklingel losging. Seit dem Verschwinden ihrer Tochter hatte sich auch im Leben von Joyce etwas verändert. Sie war fast nur noch zu Hause weil sie Angst hatte, Sarah könnte sich melden, wenn sie nicht da war. Sie blickte auf die Uhr. Es war später Nachmittag. Wer konnte das um diese Uhrzeit sein? Ihr Herz sagte ihr das es Sarah sein könnte. Doch sie glaubte nicht mehr daran. Ihre Tochter war seit zwei Monaten spurlos verschwunden; es hatte kein einziges Lebenszeichen von ihr gegeben. Dieser Zufall konnte einfach nicht sein. Natürlich wünschte sich Joyce mehr als alles andere das Sarah wieder nach Hause kam, aber ... langsam schwand ihre Hoffnung. Es war einfach zuviel passiert. Sie hatte Dinge gesagt, die ihre Tochter schwer getroffen hatten. Die Türklingel schellte noch einmal los und riß Joyce aus ihren trüben Gedanken. Sie stand auf und eilte zur Tür. Vielleicht war es ja Willow. Sarahs beste Freundin hatte in den letzten zwei Monaten oft vorbeigeschaut und sich ein wenig um Sarahs Mom gekümmert. Joyce öffnete die Tür und riß erschrocken die Augen auf. Sie war wie erstarrt. Es war nicht Willow. Joyce’ Gebete waren endlich erhört worden. Leibhaftig stand sie da - unsicher und nervös. Joyce blickte in das Gesicht ihrer Tochter. Sarah war nach Hause zurück gekommen.
~ 2. ~ Joyce starrte ihre Tochter an. Sie konnte nicht glauben das Sarah tatsächlich wieder da war. Sarah blickte ihre Mutter unsicher an. Wie würde sie reagieren? „Hi“, brachte Sarah leise über die Lippen. „Sarah“, stammelte Joyce. Und dann tat Joyce das was jede Mutter tun würde deren Tochter einfach ohne ein Wort gegangen war. Sie nahm Sarah in ihre Arme und drückte sie fest. „Sarah, Gott sei Dank, du bist wieder da“, stöhnte Joyce erleichtert auf. Die Sorge über ihre Tochter fiel plötzlich von ihr. Ihr Kind war wieder zu Hause. Sarah selbst war erleichtert das ihre Mutter so positiv reagierte. Sie hätte wirklich nicht gewußt was sie sonst getan hätte, wenn die Entscheidung ihrer Mutter anders ausgefallen wäre. Sie war so froh das ihre Mutter sie wieder zu Hause aufnahm. „Komm rein“, sagte Joyce und sie hielt ihrer Tochter die Tür auf. Sarah betrat das Haus. Doch auch hier schien alles fremd zu sein. Sie atmete tief durch. Sie war wieder zu Hause. Joyce saß auf dem Bett von Sarah und sah ihrer Tochter dabei zu wie sie ihre Tasche auspackte. „Bist du ... gut zurecht gekommen?“ fragte Joyce in die Stille hinein. Sarah strich sich eine Haarsträhne zurück. Joyce hatte ab der ersten Minute eine Veränderung bei ihrer Tochter bemerkt. Sie war stiller als früher und in ihren Augen lag eine Traurigkeit wie Joyce sie noch nie bei Sarah gesehen hatte. Ihre Miene war ernst und niedergeschlagen. Sarah hatte sich verändert. Sie war ernster; reifer als früher. Und sie trauerte. Sie trug ihren Schmerz in ihren Augen. Joyce sah das. Und ihre Tochter tat ihr so furchtbar leid. Sarah blickte ihre Mutter an. „Ja, ich bin gut zurecht gekommen. Ich hatte einen Job. Ich hab als Kellnerin gearbeitet und hab in einen kleinen Apartment gelebt. Ich bin gut zurecht gekommen.“ „Das, was du da sagst, klingt sehr traurig“, bemerkte Joyce. Sarah zuckte mit den Schultern. „Ich wollte alleine sein“, murmelte Sarah nur. Joyce blickte auf die Hand ihrer Tochter. Sie entdeckte Angels Ring und ihr fiel wieder ein was Giles ihr über die Beziehung zwischen Angel und Sarah erzählt hatte. „Schatz, Mr. Giles hat mit mir gesprochen“, begann sie vorsichtig. Man sah Sarah an das Angel noch immer ein sehr empfindliches und schmerzliches Thema für sie war. „Giles hat mit dir gesprochen?“ fragte Sarah überrascht. „Ja, er hat mir erzählt das er dein ... Wächter ist. Und er hat mich über deine Bestimmung aufgeklärt. Über eure Pflicht das zu tun ... was ihr eben tut.“ „Und? Verstehst du es nun, Mom?“ Joyce seufzte. „Ich kann mir das noch immer sehr schwer vorstellen. Aber ich werde lernen es zu akzeptieren. Vom Verstand her weiß ich das du etwas sehr wertvolles tust. Ich werde mit der Zeit lernen es zu akzeptieren. Ich werde dir beistehen wo ich kann“, versprach Joyce ihrer Tochter. „Was ist ... mit Angel passiert?“ fragte Joyce vorsichtig nach. Sarah zuckte zusammen als sie Angels Namen vernahm. „Mr. Giles meinte, du hättest ihn getötet.“ Sarah nickte. „Ja, ich hab ihn getötet“, sprach sie ruhig. Doch innerlich war sie nicht so ruhig. Innerlich könnte sie schreien vor Wut, Verzweiflung und Schuld. „Angel war ein Vampir?“ Wieder konnte Sarah nur nicken. „Er hatte ... eine Seele. Bis ich ... mit ihm schlief. In jener Nacht verlor er seine Menschlichkeit und wurde wieder zu dem Monster, daß er einmal gewesen war.“ Joyce sah wie die Augen ihrer Tochter sich mit Tränen füllten. „Liebling, du mußt mir das nicht erzählen“, sprach Joyce. Sie wollte nicht das ihre Tochter sich unnötig quälte. Doch Sarah wollte das ihre Mutter wußte was in ihr vorging; wie schrecklich sie sich fühlte. „Ich wollte es nicht tun“, sprach sie leise. „Ich wollte Angel nicht töten. Ich wollte ihn nicht zur Hölle schicken. Aber ich hatte keine Wahl. Ich mußte ihn opfern ansonsten wäre diese Welt verschlungen worden.“ Tränen lösten sich von Sarahs Augen und rieselten ihre Wangen hinab. „Ich hatte keine Wahl. Obwohl ich ihn liebte mußte ich ihm das antun. Ich habe unsere Liebe verraten. Ich hab ein nicht wieder gutzumachendes Verbrechen begangen. Ich mußte den einzigen Mann, den ich jemals geliebt habe, töten. Und es hat mir das Herz gebrochen. Ich sah seinen geschockten Ausdruck in den Augen als ich ihm das Schwert ins Herz rammte.“ Sarah schlug die Hände vors Gesicht und fing hemmungslos zu weinen an. Der Schmerz übermannte sie; fesselte sie und ließ sie nicht mehr los. Joyce stand auf und nahm ihre Tochter fest in die Arme. Sie strich ihr beruhigend über den Rücken und ließ sie einfach weinen. Ihr war nun klar wie sehr Sarah den Vampir geliebt hatte und das es ihr das Herz gebrochen hatte Angel zu töten. Deshalb war sie gegangen. Deshalb war sie ohne ein Wort gegangen. Sie hatte den Schmerz nicht ertragen können hier ohne Angel weiter zu leben; mit der Gewißheit zu leben das er von ihr getötet worden war. Hier in Sunnydale war die Erinnerung an alles schlimmer als woanders. Denn hier war sie mit ihm glücklich gewesen. Und an diesem Ort hatte sie Angel - ihre große Liebe - geopfert um ihre Pflicht zu tun. Sarah war ein gebrochener Mensch. Joyce wußte, sie liebte Angel noch. Sarahs Herz war gebrochen. Ihre Tochter war am Ende. Und wie jede Mutter machte sie sich Sorgen um ihr einziges Kind. Leise spielte die Musik im Hintergrund. Sarah saß in ihrem Zimmer und lauschte der Musik. Ihre Mutter ließ ihr Zeit sich einzugewöhnen und sie drängte ihre Tochter auch nicht sich bei ihren Freunden zu melden. Sie ließ Sarah Zeit; Zeit um sich einzugewöhnen und sich zu beruhigen. Es war für Sarah nicht leicht wieder in Sunnydale zu sein. Ihre Erinnerungen an Angel überschwemmten sie an diesen Ort und am liebsten würde sie ihre Sachen packen und ein zweites Mal verschwinden. Doch sie wußte, daß war nicht das was Angel von ihr wollte; was er von ihr erwartete wenn er noch hier in Sunnydale sein würde. Am Horizont dämmerte es. In Sarahs Zimmer war es still. Die CD war zu Ende und Sarah hatte sie nicht von neu abgespielt. Sie stand an ihrem Fenster und sah dabei zu wie die Sonne langsam unterging. Ihr Herz sehnte sich so sehr nach Angel. Ihr Herz blutete, sie spürte es. Aber es gab noch etwas was sie zu erledigen hatte. Sie mußte zu Giles. Ihr Wächter mußte erfahren das sie wieder da war. Er machte sich bestimmt große Sorgen um sie. Sarah stellte die Stereoanlage aus und verließ ihr Zimmer. Sie zog ihr Stiefel an - die bei der Garderobe standen - und griff nach ihrer Jacke. „Mom?“ Joyce erschien aus der Küche. „Du gehst weg?“ „Ich muß ... ich muß zu Giles. Er muß wissen das ich wieder da bin.“ Joyce nickte. „Warte noch einen Moment, Sarah.“ Joyce ging zum Kamin und holte ihr Zeugnis, daß sie eingerahmt hatte. „Hier.“ „Was ist das?“ fragte Sarah und nahm den Rahmen entgegen. Sie blickte auf ihr Abschlußzeugnis. Sie hatte es tatsächlich geschafft. Sie hatte die Highschool beendet. „Mein Abschlußzeugnis“, flüsterte Sarah. „Die Abschlußfeier war schön. Obwohl wir alle sehr traurig waren weil du nicht da warst. Dieser Synder hat probiert dein Zeugnis zu ändern. Aber das ist ihm nicht gelungen. Du hast die Highschool abgeschlossen. Du kannst jetzt aufs College gehen.“ „Ich war zwei Monate weg. Ich hab mich für kein College beworben und ...“ „Ich hab mich erkundigt“, unterbrach Joyce ihre Tochter sanft. „Ich mußte irgend etwas tun als du weg warst. Außerdem wollte ich dir eine Chance freihalten falls du zurück kommst. Die Universität hier in Sunnydale hält dir einen Platz frei. Das gilt bis zwei Wochen vor dem Beginn des Studiums. Du kannst dich also noch einschreiben.“ „Das ist toll, Mom“, meinte Sarah. „Freust du dich nicht?“ „Doch, sicher. Es ist schön zu wissen das mein halbwegs normales Leben noch eine Zukunft hat. Aber ... können wir darüber reden wenn ich wieder da bin? Ich möchte wirklich gerne zu Giles.“ Joyce verstand. „Du hast recht. Wir sollten nicht heute darüber sprechen. Sonst kommt einfach zuviel für dich zusammen. Wir reden morgen darüber.“ „Danke, Mom“, sagte Sarah aufrichtig. Sie öffnete die Haustür und trat in die kühle Nacht hinaus. Es war Zeit sich Giles zu stellen. Sarah ging durch Sunnydale und alles kam ihr fremd vor. Sie fühlte sich wie eine Fremde; hatte nicht das Gefühl zu Hause zu sein. Sie hatten die Highschool hinter sich gelassen und Sarah wußte, sie hatten auch ihr Hauptquartier - die Schulbibliothek - räumen müssen. Nun stieg Sarah die Stufen zu Giles’ Haus hinab. Sie betrat lautlos den Hof und blickte zuerst durch eines der Fenster. Er war da. Er saß auf dem Sofa und las ein Buch. Neben ihm stand eine Tasse Tee. Giles sah müde aus - müde und besorgt. Und die Jägerin wußte, er sorgte sich um sie. Er hatte nach ihr gesucht; war jeden noch so kleinen Hinweis nachgegangen, doch er war immer ohne Ergebnis nach Sunnydale zurück gekehrt. Und das hatte an seinen Nerven gezerrt. Die letzten zwei Monate waren sicher sehr hart für ihren Wächter gewesen. Nicht nur das er Jennys Tod zu verarbeiten hatte, nein. Er mußte sich auch noch jede Minute fragen was aus seiner Jägerin geworden war. Giles fragte sich sicher ob er als Wächter versagt hatte. Und jede Minute mußte er sich fragen was in der Gruft zwischen Angel und Sarah passiert war. Die letzte Zeit war wahrlich nicht einfach für Giles gewesen. Als Wächter hatte er schon viele Dinge gesehen und erlebt. Aber das seine Jägerin - ein Mädchen, daß wie eine Tochter für ihn war - einfach verschwand ... das zerrte wirklich an seinen Nerven. Sarah sah es ihm an. Er schien in den letzten zwei Monaten um Jahre gealtert zu sein. Giles sah wirklich nicht gut aus; was eindeutig daran lag das er sich solche Sorgen um sie machte. Sarah atmete tief durch und trat vor die Tür. Es war soweit. Nun würde sie ihren Wächter gegenübertreten. Wie würde er reagieren? Konnte er ihr verzeihen was geschehen war? Konnte er verstehen das sie einfach hatte gehen müssen? Sie hatte immer auf ihren Wächter zählen können. Würde es auch jetzt so sein? Würde er ihr jetzt auch so beistehen wie früher? Warum mußte es so schwer sein? Tausend, verwirrende Gedanken gingen Sarah durch den Kopf. Gedanken, die Sarah zu keinen vernünftigen Ergebnis brachten. Bitte, geben Sie mir noch eine Chance, Giles, betete Sarah still in sich. Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und klopfte einmal kräftig an die Tür. Dann trat sie einen Schritt zurück. Sie konnte nur hoffen das Giles ihr wirklich alles verzeihen konnte. Jennys Tod, die Folter, ihr Weglaufen ... einfach alles. Sie brauchte ihn. Ohne ihn schaffte sie ihre Berufung nicht. Er war unglaublich wichtig für sie. Sie holte noch einmal tief Luft und wartete. Giles hatte das Klopfen an seiner Tür gehört. Er blickte auf. Seine Augen wanderten zu seiner Uhr. Es war spät; die Sonne war schon untergegangen. Wer konnte das jetzt noch sein? Vielleicht waren es Sarahs Freunde. Vielleicht war etwas schlimmes passiert. Giles erhob sich und ging zur Tür. Er war noch immer in sein Buch vertieft und während er noch das Kapitel zu Ende las öffnete er die Tür. „Hallo Giles!“ Giles blickte von seinen Buch auf. Im nächsten Moment glitt es aus seiner Hand und fiel zu Boden. Doch er beachtete es nicht. Er konnte nicht glauben was er sah; wen er vor sich sah. Er begegnete einen unsicheren Blick aus ihm bekannten Augen. Es war Sarah, die da vor seiner Tür stand. Es war seine Jägerin. Sie war wieder da. Sie war nach Sunnydale zurück gekehrt.
~ 3. ~ „Sarah?“ fragte er überrascht. Er konnte nicht glauben das sie wirklich vor ihm stand; das sie real war. „Ja, ich bin es“, sprach sie leise. „Sarah, mein Gott! Du bist wieder da“, sprach Giles erleichtert aus. Sarah stand ihm unsicher gegenüber. Sie wußte nicht wie sie reagieren sollte. Zuviel war geschehen. Konnte er ihr all das wirklich verzeihen? Giles vergaß alles um sich herum und handelte instinktiv. Er nahm seine Jägerin in die Arme und drückte sie fest an sich. „Ich bin so froh das du wieder da bist“, murmelte Giles erleichtert. Sarah seufzte leicht auf. Er schien nicht böse zu sein. Er schien nur froh zu sein das sie wieder da war. So emotional handelte Giles selten. Das wußte sie. Und das er sie in die Arme nahm zeigte ihr, wie sehr er sie vermißt hatte. Giles schob sie ein Stück von sich und blickte Sarah ernst in die Augen. „Du bist wieder da“, sagte er immer und immer wieder. Er freute sich wirklich über ihre Rückkehr. „Sarah, weiß deine Mutter das du wieder da bist?“ Die Jägerin nickte. „Ja, ich komme gerade von ihr.“ „Du bist wieder da. Das ist ... eindeutig ... wunderbar.“ Er strahlte über das ganze Gesicht. Sarah lächelte leicht. „Kann ... ich reinkommen, Giles?“ fragte sie vorsichtig. „Oh ... sicher, natürlich. Komm rein.“ Giles trat zur Seite. Sarah ging am ihm vorbei und blickte sich im Wohnzimmer um. Hier hatte sich nichts verändert. Seine Wohnung war noch immer dieselbe. Giles schloß die Tür hinter sich. „Setz dich“, forderte er seine Jägerin auf. Sarah nahm auf einem der Polstersessel Platz während sich ihr Wächter auf das Sofa setzte. Sie fühlte sich nicht sehr wohl. Sie fühlte sich irgendwie unbehaglich. In Giles’ Wohnung hatte sich nichts verändert. Und doch fühlte sie sich völlig fremd; völlig fehl am Platz. Aber das lag sicher daran das sie so lange weg gewesen war. Irgendwann würde sie sich hier in Sunnydale schon wieder heimisch fühlen. Es mußte einfach so sein. „Wie geht es dir?“ fragte Giles. Sarah zuckte mit den Schultern. „Ich bin okay.“ „Sarah, wo bist du gewesen? Wo warst du?“ „Weit weg von hier in einer Stadt. Ich bin aber gut zurecht gekommen. Ich hab gearbeitet und ... es war okay“, berichtete Sarah trocken. „Ich weiß, daß dir das nicht leicht fällt, aber was ist in der Gruft passiert? Sarah, was ist geschehen?“ fragte Giles vorsichtig nach. Er sah ihr an das sie unheimlich litt; das sie nicht verkraften konnte was geschehen war. Sie hatte sich verändert. Sie war ruhig und still geworden. Und seine Jägerin sah gar nicht glücklich aus. „Acathla ist verschwunden“, murmelte Sarah. „Das Tor zur Hölle ist geschlossen.“ „Und Angel?“ Sarah schluckte schwer. Ihre Hände fingen zu zittern an. Giles sah das. Was ist nur geschehen? fragte er sich. Sie war traurig, daß sah er. Und sie litt. Ihre Seele schien tausend Qualen zu erleiden. Sarah schien nicht mehr zur Ruhe zu kommen. Sie war in ihrem Herzensschmerz gefangen. Sie richtete tapfer ihre Augen auf Giles. „Giles, ich kann ... nicht. Ich kann nicht darüber sprechen. Es tut zu sehr weh. Bitte, geben Sie mir Zeit. Ich brauch einfach Zeit um das alles zu verarbeiten. Doch momentan ... es geht einfach nicht. Die Erinnerung ist einfach noch zu stark. Es tut einfach schrecklich weh.“ Giles nickte verständnisvoll. „Ich verstehe. Laß dir Zeit, Sarah. Ich werde da sein wenn du mir erzählen willst was geschehen ist. Wenn du dazu bereit bist bin ich da um dir zuzuhören.“ „Danke. Wie geht es den anderen?“ fragte Sarah um von Angel abzulenken; von dem Thema das so furchtbar weh tat. Giles nahm seine Brille ab und seufzte schwer. Er rieb sich die müden Augen. Die Anspannung der letzten zwei Monate fiel langsam von ihm ab. „Nicht sehr gut. Sie vermissen dich. Vor allem Willow verarbeitet schwer das du einfach gegangen bist. Du bist ihre beste - und wohl einzig wahre - Freundin. Du fehlst deinen Freunden sehr. Willow hat sich sehr um deine Mutter gekümmert während deiner Abwesenheit. Doch auch so ist sie nicht damit klar gekommen das du einfach verschwunden bist. Du solltest deine Freunde aufsuchen“, schlug Giles vor. Sarah nickte. „Das wollte ich auch tun. Wissen Sie, wo sie sind?“ „Wahrscheinlich im Bronze.“ Sarah erhob sich. „Dann geh ich mal und bringe auch das hinter mich.“ Giles stand ebenfalls auf und begleitete Sarah zur Tür. „Meine Mutter will morgen ein Essen geben. Sie sind herzlich eingeladen, Giles.“ Giles blickte Sarah ernst an. „Das halte ich für keine gute Idee“, begann er. „Wieso nicht?“ „Nun, deine Mutter ist nicht sehr begeistert gewesen das ich all die Jahre von deiner Bestimmung gewußt habe.“ Sarah nickte und sie verstand. „Sie sind mein Wächter, Giles, und mein Freund. Mom akzeptiert das. Ich will das Sie kommen. Sie gehören zu meiner Familie, Giles. Ich brauche sie.“ Giles lächelte leicht. „Ich werde kommen“, versprach er ihr. Sarah erwiderte sein Lächeln und verließ die Wohnung. Doch da drehte sie sich noch einmal zu Giles um. „Es tut mir leid“, sprach sie. „Was tut dir leid?“ fragte Giles verwirrt. „Das mit Jenny. Ich wollte nicht das Sie die Frau verlieren, die Sie lieben. Es tut mir so leid.“ Giles’ Augen wurden ernst. „Es ist okay. Jenny kannte die Gefahren. Und sie ist diese Gefahr bewußt eingegangen um Angels Seele zu retten. Es ist okay. Mir tut nur leid das ich keine Möglichkeit mehr hatte ihr zu sagen was ich fühle.“ „Sie hat es gewußt“, sagte Sarah aufrichtig. „Sie hat gewußt, das Sie in sie verliebt waren. Jenny hat es gewußt.“ Sarah schwieg für einen Moment. „Haben Sie mir jemals die Schuld an ihren Tod gegeben?“ fragte sie dann zögernd. Sie wollte ihm diese Frage nicht stellen weil sie Angst vor der Antwort hatte. Doch sie mußte es einfach wissen. Sarah mußte einfach wissen woran sie bei Giles war. „Haben Sie mich jemals dafür gehaßt weil ich so lange gezögert habe mich Angel zu stellen?“ Giles starrte sie fassungslos an. Er konnte nicht glauben was sie da sprach. „Sarah, nein“, entgegnete er entschlossen. „Ich habe dich niemals gehaßt. Ich wußte doch das der Kampf gegen Angel deine größte und schwerste Herausforderung sein würde. Ich hab dir niemals die Schuld an Jennys Tod gegeben. Das mußt du mir glauben. Sowas darfst du nicht einmal denken. Jenny kannte die Gefahren unserer Welt. Du hast nicht Schuld an ihrem Tod.“ Sarah nickte. Sie war erleichtert das zu hören und sie zweifelte auch nicht an der Ehrlichkeit ihres Wächters. „Bis morgen, Giles.“ „Ja, bis morgen.“ Giles sah seiner Jägerin nach wie sie ging. Er war so froh und erleichtert das sie zurück gekommen war. Auf dem Weg zum Bronze kam sie an Angels alter Kellerwohnung vorbei. Sarah blieb am Anfang der Gasse stehen. Sie zögerte. Sie blickte Richtung Bronze. Eigentlich sollte sie einfach weitergehen, doch etwas hinderte sie daran. Ihre Augen blickten die Gasse hinunter und erhaschten den Blick zur Tür des Häuserblocks. Sarah drehte sich um und betrat die Gasse. Mit zitternden Knien ging sie auf die Tür zu. Sie blieb vor dem Gebäude stehen. Sarah atmete einmal tief durch und öffnete die Tür. Wie in Trance stieg sie die Treppen hinunter zu Angels Kellerwohnung. Im Treppenhaus war es dunkel. Aber Sarah kannte den Weg zu Angels Wohnung blind. Einen Moment blieb sie vor der Tür stehen. Sie wußte, dahinter befand sich Angels Hab und Gut; sein Leben. Ihre Hand zitterte als sie sie auf den Türgriff legte. Sollte sie es wirklich wagen? Sollte sie Angels Reich wirklich betreten und sich unnötig ihrem Schmerz aussetzen? Wie in Trance öffnete Sarah die Tür und betrat Angels Wohnung, die total im Dunkeln lag. Sarah schaltete das künstliche Licht ein und sah sich um. Seine Bücher und Antiquitäten standen an ihren gewohnten Stellen. Sarah legte ihre Handtasche auf dem Glastisch im Wohnzimmer. Automatisch ging sie ins Schlafzimmer. Das Bett war noch mit dem dunkelroten Laken überzogen zwischen denen sie sich geliebt hatten. In seinen Kleiderschrank hingen noch seine Kleider. Alles in der Wohnung war noch genauso wie das letzte Mal als er hier gewesen war. Damals - nach ihrer Nacht - als er ihr das Herz gebrochen hatte; als er so gemein zu ihr gewesen war. Damals hatte er seine Wohnung für immer verlassen. Sarah setzte sich auf das Bett und glaubte noch immer seinen Duft zwischen den Laken riechen zu können. Zärtlich strich sie über die Laken und erinnerte sich wie sie sich geliebt hatten; wie sie für einen kurzen Moment vergessen hatten wer sie waren und sich einfach ihrer Liebe hingegeben hatten. Sie wurde von ihrem Schmerz übermannt. Sarah warf sich auf das Bett und weinte. Sie weinte um Angel; um ihre verlorene Liebe. Sie weinte um den Verrat den sie begangen hatte; das Verbrechen als sie Angel getötet hatte. Sie weinte um ihren Angel; um den Mann, der sie geliebt hatte und den sie über alles geliebt hatte und es noch tat. Das laute Schluchzen erfüllte Angels Wohnung. „Warum hast du mich verlassen? Warum, Angel?“ Sarahs Fingernägel gruben sich in das Laken. Sie konnte einfach nicht mehr aufhören zu weinen. „Wieso hast du mich allein gelassen, Angel? Du hast versprochen es niemals zu tun“, flüsterte Sarah schmerzvoll. Sie wünschte sich so sehr das er jetzt bei ihr war und sie in die Arme nahm. Seine starken Arme - ein Ort wo sie sich immer sicher und geboren gefühlt hatte. Doch vor allem war es ein Ort, wo sie sich geliebt und verstanden gefühlt hatte. ... Eine Hand strich über ihr Haar. Neben Sarah ließ sich jemand nieder. Leise Worte drangen zu ihr durch. „Ich habe dich nicht allein gelassen“, sprach Angel beruhigend auf sie ein. Sarah hob den Kopf. Ihre Augen waren vom vielen weinen gerötet. „Ich habe dich nie allein gelassen, Liebling.“ „Doch, das hast du“, erwiderte Sarah leise. Angel schüttelte verneinend den Kopf und schenkte ihr ein warmes, zärtliches Lächeln. „Sarah“, begann Angel. „Ich habe dich niemals allein gelassen. Ich bin bei dir.“ „Nur in meinen Träumen“, wisperte die Jägerin traurig und sie wandte den Kopf zur Seite. Angel zog ihr Gesicht wieder zu sich und hob ihr Kinn an. „Nur weil ich körperlich nicht mehr in deiner Welt bin, bedeutet das nicht, das du allein bist. Ich bin bei dir. Jede Stunde, jede Minute. Meine Gedanken sind nur bei dir.“ „Das genügt mir nicht. Ich will das du zurückkommst; das du bei mir bist. Dich nur in meinen Träumen zu haben ... ist nicht genug.“ „Du weißt das mehr nicht möglich ist.“ Sarah schlang ihre Arme um seinen Nacken. „Warum hast du mich verlassen, Angel? Du hast versprochen es niemals zu tun. Warum hast du mich allein gelassen?“ Ihre Tränen tropften auf seine Jacke. Angels Arme legten sich um Sarah und drückten sie fest an sich. Sie wollte ihn nicht mehr loslassen; wollte ihn nie mehr gehen lassen. „Ich mag körperlich nicht mehr bei dir sein. Doch ganz werde ich dich nie verlassen. Sarah, ich bin immer bei dir. Mit meiner ganzen Liebe, meinen Gedanken und meiner Seele. Ich weiß, es ist schwer für dich, aber du wirst weiterleben. Auch ohne mich.“ Sarah schüttelte den Kopf. „Nein, ich kann nicht. Ich schaffe es nicht. Ich schaffe es einfach nicht.“ Angel schob sie ein Stück von sich und sah ihr ernst in die Augen. „Doch du schaffst das. Du bist stark. Du wirst ohne mich weiterleben. Ich weiß, daß du es schaffst. Dein Leben wird ohne mich weitergehen. Das Einzige, daß ich von dir will, ist, daß du mich niemals vergißt; das du niemals Abschied von mir und unserer Liebe nimmst. Kehr unserer Liebe nicht den Rücken.“ „Das werde ich nicht. Du fehlst mir so.“ „Du mir auch“, flüsterte Angel. Er nahm Sarahs Gesicht in seine Hände und küßte sie zärtlich ... Sarah fuhr hoch. Sie blickte sich um; mußte sich erst einmal orientieren wo sie war. Sie war in Angels Kellerwohnung und war wohl eingeschlafen. Sarah strich sich ihr Haar zurück und ihre Augen wanderten durch Angels Schlafzimmer. Ihr Traum - er war anders gewesen. Angel war gekommen um sie zu trösten. „Ich werde unserer Liebe niemals den Rücken kehren, Angel“, sprach Sarah leise. „Ich verspreche es dir.“ Sarah stand auf und verließ das Schlafzimmer. Sie griff nach ihrer Handtasche und holte ihren kleinen, runden Spiegel heraus. Ihre Augen sahen gerötet aus. Sarah ging in Angels Badezimmer und wusch sich das Gesicht. Dann legte sie ihr Make-up neu auf und kaschierte die Spuren ihrer Tränen. Sarah ging zurück ins Wohnzimmer und nahm ihre Handtasche an sich. An der Tür drehte sie sich noch einmal um. „Bitte verzeih mir was ich getan habe, Angel“, sprach sie, dann war sie schon gegangen und die Tür fiel hinter ihr ins Schloß. Ihr Weg führte sie zum Bronze, wo sie ihren Freunden gegenübertreten mußte. Sarah stand vor dem Bronze und reihte sich in die Warteschlange ein. Ihre Gedanken überschlugen sich. Nicht nur was die Reaktion ihrer Freunde anging sondern auch was ihren Traum betraf. Angel war gekommen um sie zu trösten. Woher hatte er gewußt, daß sie so traurig war? Das sie sich so sehr seinen Trost gewünscht hatte? Es gab dafür keine Erklärung, aber nach dem Traum hatte sie sich besser gefühlt. Sie hatte das warme Gefühl gehabt, daß er sie wirklich getröstet hatte. Doch das war verrückt. Endlich betrat Sarah das Bronze. Im Inneren des Clubs tummelten sich die Jugendlichen von Sunnydale um Spaß zu haben. Sie tanzten und genossen die Musik. Das Bronze war bombenvoll. Sarah bannte sich einen Weg durch die Menge und suchte ihre Freunde. Sie fand sie auch ziemlich schnell. Xander, Willow und Oz saßen in der Sofaecke, wo die Gang früher immer zusammen gesessen hatte. Sarah wunderte sich wo Cordelia war. War sie etwa nicht mehr mit Xander zusammen? Sie blieb stehen und beobachtete ihre Freunde ein wenig. Oz hatte den Arm um Willow gelegt. „Ich wünschte Sarah würde endlich was von sich hören lassen“, sprach Willow besorgt. „Ich mache mir wirklich Sorgen um sie.“ „Das tun wir alle. Ich bin mir sicher, wir werden bald was von ihr hören“, sprach Oz um seine Freundin zu trösten. Das ihre beste Freundin einfach so verschwunden war konnte Willow einfach nicht verstehen. Sie sorgte sich um Sarah. Sarah nahm ihren ganzen Mut zusammen und trat auf ihre Freunde zu. „Ich meine, sie muß doch was von sich hören lassen, damit wir wissen das es ihr gut geht“, sagte Willow gerade. Ein Schatten fiel über die Getränke der Freunde und die Drei sahen auf. „Hallo Leute“, sprach Sarah mit ruhiger Stimme. Die Drei sprangen wie von der Tarantel gestochen auf. „S ... Sarah“, stammelte Xander entsetzt. Blanke Angst packte ihn. Er fragte sich ob sie wußte was er getan hatte. Doch sie warf ihren Freunden - jeden einzelnen - einen schüchternen, aber warmen Blick zu. Unbemerkt atmete Xander auf. Sie wußte es nicht. Und er war froh darüber. Sie würde es ihm niemals verzeihen das er sie belogen hatte. Das wußte Xander. Spontan trat Willow nach vorne und umarmte Sarah fest. „Ich bin so froh. Du bist wieder da“, rief sie erleichtert. Und Sarah war auch froh. Ihre Freunde waren ihr nicht böse. Das war gut. Sarah hatte Angst gehabt; genau wie bei ihrer Mom und Giles. Doch sie waren nicht böse. Sie waren nur erleichtert das Sarah wieder in Sunnydale war. Sarah umarmte Oz und Xander. Unschlüssig stand Sarah vor ihren Freunden. „Woher kommst du? Wo warst du?“ fragte Xander. „Das spielt keine Rolle. Ich habe mich entschlossen zurück zu kommen.“ „Und das ist toll. Wir haben dich schrecklich vermißt“, sprach Willow, die über das ganze Gesicht strahlte weil ihre beste Freundin wieder da war. „Es tut mir leid das ich euch einfach so in Stich gelassen habe“, meinte Sarah. „Das ist doch egal. Ich meine, du bist wieder da und nur das ist wichtig.“ Sarah lächelte und entspannte sich ein wenig. „Willst du dich nicht setzen?“ Sarah schüttelte den Kopf. „Nein. Ich muß zurück zu Mom. Wir haben noch einiges zu klären. Zum Beispiel die Tatsache, das ich die Jägerin bin und ich jetzt, wo ich meinen Abschluß habe, aufs College gehen soll.“ „Du gehst hier aufs College?“ fragte Willow hoffnungsvoll. Sarah nickte. „Sehr wahrscheinlich. Meine Mom hat es geschafft das mir ein Platz frei gehalten wurde. Ich denke schon das ich dort Kurse belegen werde.“ „Dann können wir gemeinsam Kurse besuchen. Ich geh nämlich auch hier aufs College.“ „Aber wieso? Du bist doch gut genug um in Yale zu studieren.“ „Weil ich hier nicht weg will“, erklärte Willow ihr nur. „Meine Mom gibt morgen ein Willkommensessen. Ihr seit alle herzlich eingeladen.“ „Wir kommen gerne“, erklärte Oz. „Was ist mit Cordelia?“ fragte Sarah verwundert. Xander seufzte verächtlich und erklärte: „Madame ist nach L.A. gegangen um Schauspielerin zu werden. Sie will nichts mehr mit uns zu tun haben. Und sie sagte, sie werde auch nie wiederkommen.“ „Tut mir leid, Xander.“ „Es ist okay“, sprach er. Willow beugte sich vor und flüsterte: „Die Trennung zwischen den Beiden war sehr heftig.“ Sarah nickte. Von schlimmen Trennungen hatte sie eine Ahnung. „Ich geh dann mal. Wir sehen uns ja morgen.“ „Ja, ich freue mich so das du wieder da bist“, meinte Willow. Sarah umarmte ihre Freundin noch einmal. „Sarah?“ Die Jägerin drehte sich zu ihren Freunden um. „Ja?“ „Was ist ... was ist mit Angel?“ fragte Willow zögernd. Sarah schluckte schwer. Die Freunde hatten den traurigen Zug um Sarahs Augen natürlich bemerkt. Und sie hatten auch bemerkt das Sarah sehr ruhig war. „Angel wird nie mehr zurückkommen“, sprach die Jägerin, dann bannte sie sich einen Weg durch die Menge nach draußen. Xander bekam ein schlechtes Gewissen weil er ihr nicht die Wahrheit gesagt hatte. Doch jetzt konnte er es nicht mehr ändern. Man sah ihr an das sie litt. Willow wechselte einen besorgten Blick mit Oz. Oz verstand ihren Blick und zuckte ratlos mit den Schultern. Die Sache mit Angel war sehr schlimm für Sarah und es war offensichtlich das sie es nicht verkraftet hatte. Und da drängte sich die Frage auf: Was war in der Gruft zwischen Angel und ihr geschehen?
~ 4. ~ Joyce hatte alles für das Willkommensessen vorbereitet. Sie hatte Fisch gekocht mit Bratkartoffeln und Gemüse als Beilage. Der Tisch im Eßzimmer war fein gedeckt. Sarah stand vor ihrem Kleiderschrank und ohne groß nachzudenken griff sie nach einen rot gemusterten Kleid. Erst als sie es angezogen hatte und sich im Spiegel betrachtete wurde ihr klar das es das Kleid aus ihrem Traum war. Jenen Traum, indem Angel ihr geraten hatte nach Sunnydale zurückzukehren. Doch Sarah zog es nicht aus. Dieses Kleid hatte nie eine Bedeutung für sie gehabt. Jetzt hatte es eine. Es klingelte an der Tür und Sarah eilte die Stufen hinunter. „Ich geh schon, Mom“, rief sie. Sarah öffnete die Tür und ihre Freunde standen davor. Willow hatte eine Schüssel bei sich. „Das ist Salat“, erklärte sie. „Meine Mom meinte, es wäre unhöflich nichts mitzubringen.“ „Kommt rein“, forderte Sarah ihre Gang auf. Ihre Freunde legten ihre Jacken an der Garderobe ab und Sarah nahm Willow den Salat ab. Sie trug ihn ins Eßzimmer und stellte ihn auf den Tisch. Da klingelte es noch einmal. Sarah wußte, das war Giles. Es konnte nur Giles sein. Sarah öffnete die Tür und sah sich ihrem Wächter gegenüber. „Giles, schön das Sie gekommen sind. Kommen Sie rein.“ Giles betrat das Summers-Haus. „Jetzt sind ja alle da“, sprach Joyce, die gerade aus der Küche kam. Sie blickte Giles an. „Guten Abend, Mr. Giles“, grüßte sie höflich, aber distanziert. „Guten Abend“, erwiderte Giles. „Das Essen ist fertig“, erklärte Joyce und sie führte die Gruppe ins Eßzimmer. Jeder nahm Platz und sie begannen mit dem Essen. Die Anwesenden unterhielten sich fröhlich. Nur Sarah war merkwürdig still. Ihre Mutter, ihr Wächter und ihre Freunde an einen Tisch vereint ... das war etwas was sie sich lange gewünscht hatte. Doch etwas fehlte. Nein, jemand fehlte, dachte sie traurig. Und dieser jemand war Angel. Er fehlte und Sarah spürte es. Ohne ihn war nichts mehr so wie vor ihrem Kampf mit ihm. Ohne ihn war es einfach nicht das Gleiche. „Entschuldigt mich“, sprach Sarah und sie stand auf. Ihre Mutter und ihre Freunde sahen ihr besorgt nach als sie das Eßzimmer verließ. Sarah stieg die Stufen hinauf. Überall wo sie hinsah sah sie Angel. Es war grausam. Alles war anders. Sarah ging in ihr Zimmer; um wie schon so oft in den letzten zwei Monaten still zu trauen und um Angel zu weinen. Sie legte sich auf das Bett und rollte sich zusammen. Nichts war mehr wie früher. Ohne Angel war einfach alles ohne Bedeutung. Alles hatte seine Bedeutung verloren. Nichts war mehr so wie es einmal gewesen war. Es war einfach nicht das Gleiche wenn Angel nicht dabei war. „Ich werde schauen wo sie ist“, meinte Joyce. „Nein, warten Sie“, sprach Willow und sie stand vom Tisch auf. „Ich werde gehen. Ich denke, ich kann Sarah jetzt mehr helfen als Sie.“ „Ich bin Ihre Mutter“, widersprach Joyce. „Das stimmt. Aber Sarah braucht jetzt eine Freundin. Einen Menschen, der die Sache mit Angel von Anfang an erlebt hat. Lassen Sie mich gehen.“ Joyce nickte. Willow hatte recht. Sarah brauchte jetzt jemanden der sie verstand; der die Sache mit Angel erlebt hatte. Willow verließ das Eßzimmer und ging die Treppe hinauf zu Sarahs Zimmer. Willow hörte das leise Schluchzen von Sarah. Sie tat ihr so leid. Sie hatte Angel geliebt und sein Verlust schien für Sarah das Ende zu bedeuten - das Ende von Sarahs Welt. Willow klopfte an die angelehnte Tür und betrat Sarahs Zimmer. Ihre beste Freundin lag auf dem Bett und weinte leise vor sich hin. Willow setzte sich zu ihr und legte ihr tröstend eine Hand auf die Schulter. Sie wußte warum Sarah weinte; wußte es ohne Sarah danach zu fragen. „Ich weiß, er fehlt dir“, murmelte Willow. „Er ist fort, Will. Und er wird nicht mehr zurückkommen. Angel ist tot“, schluchzte Sarah. „Laß es raus. Laß deinen Tränen freien Lauf. Manchmal hilft das.“ Und Sarah weinte. Willow blickte auf ihre beste Freundin und konnte einfach nicht glauben das es so gekommen war. Sarah war die Jägerin und Willow hatte sie immer stark gesehen, doch jetzt ... Ihr wurde klar: Sarah war zerbrochen. Sie war vollkommen zerstört. Ihre Seele litt unter Angels Tod. „Soll ich dich allein lassen damit du dich wieder fassen kannst?“ fragte Willow. Sarah nickte bejahend. Willow stand auf und ließ die Jägerin allein. Nachdenklich kam Willow die Treppen hinunter. Sarahs Mom und ihre Freunde hatten sich vor der Treppe versammelt. Für sie alle war es nicht leicht zu sehen wie Sarah litt. Willow blickte Giles an; dann wanderte ihr Blick zu Joyce. „Ich hab sie noch nie so erlebt“, flüsterte sie. „Was hast du für einen Eindruck?“ fragte Giles. „Sie ist zerstört. Sarah ist am Ende. So habe ich sie noch nie gesehen. So kenne ich sie nicht.“ „Sie ist ein Mensch“, mischte sich Joyce ein. „Und sie leidet. Ich hätte niemals gedacht das meine Tochter einen Mann jemals so lieben würde.“ „Sie hat es aber getan“, meinte Willow. „Angel und sie ... sie waren unzertrennlich. Sie liebten sich abgöttisch. Ich dachte, nichts würde die Beiden trennen können. Ich hab sie immer stark erlebt doch das ... die Sache mit Angel war einfach zuviel für sie. Sie droht unter der Sache mit Angel zusammen zu brechen.“ Willow schwieg für einen Moment und ihre Worte klangen langsam aus. „Angel war ihr Leben. Er war der Einzige, der sie wirklich verstanden hat. Der verstand warum sie diese Bestimmung hatte und warum sie einfach kämpfen mußte. Niemand war Sarah jemals so nahe wie Angel. Warum mußte es nur so kommen?“ fragte Willow nieder geschlagen. „Ich verstehe einfach nicht warum der Fluch nicht funktioniert hat. Ich meine, ich hab doch diese Macht gespürt. Warum hat der Fluch nicht funktioniert? Warum hat sie es nicht geschafft Angel so lange hinzuhalten?“ jammerte Willow. Xander schluckte schwer, doch er sagte nichts. Er wußte, daß er zum Teil für Sarahs jetziges Leid verantwortlich war. Er wußte, seine Entscheidung von damals würde niemand verstehen. Er hatte Sarah zu ewigen Leid verdammt, so sah es aus. Die Gruppe sah auf als Sarah auf der Treppe erschien und langsam herunter kam. Joyce kam ihrer Tochter entgegen und sah sie besorgt an. „Geht es dir besser?“ Sarah nickte nur schwach. „Ja, ein wenig. Tut mir leid wenn ich euch den Abend verdorben habe“, sprach sie zu ihren Freunden. „Du hast uns den Abend nicht verdorben“, meinte Giles einfühlsam. „Es tut mir leid, Sarah. Ich wußte wirklich nicht wie sehr du darunter leidest. Willst du wirklich nicht darüber sprechen?“ Sarah verneinte kopfschüttelnd. „Ich kann ... einfach nicht. Nicht jetzt; nicht im Moment. Und vielleicht auch nicht in ein paar Wochen. Ich hab Angel verloren. Was gibt es da noch großartiges zu sagen?“ „Sarah ...“, begann Giles vorsichtig. „Eines Tages werde ich Ihre Fragen beantworten, Giles. Aber jetzt noch nicht. Die Wunden sind einfach zu frisch. Der Schmerz wird nie ganz vergehen, verstehen Sie? Ich brauche einfach Zeit. Aber ich weiß nicht wie lange es dauert bis ich darüber reden kann.“ Giles nickte und verstand. Sarah blickte ihre Mutter an. „Ich würde gern aufs College gehen, Mom“, sprach sie. Joyce lächelte zufrieden. Sie hatte gehofft das ihre Tochter das sagen würde; das Sarah sich dazu entschied aufs College zu gehen. Das College würde ihre Tochter von dem unsagbaren Leid - sie gefangen hielt - ablenken. „Ich werde gleich morgen mit dem Direktor sprechen. Ich weiß, daß es nicht einfach für dich ist, aber du mußt einfach versuchen dein Leben wieder in den Griff zu bekommen, Schatz.“ „Ich werde es versuchen.“ Sarah wandte sich ihrem Wächter zu. „Ich werde ab morgen wieder Patrouille gehen.“ „Du kannst dir Zeit lassen, Sarah“, schlug Giles vor. Sarah schüttelte verneinend den Kopf. „Je länger ich es hinausschiebe desto schwerer wird es mir fallen meine Pflicht zu tun. Außerdem brauche ich etwas das mich ablenkt. Ab morgen werde ich wieder Patrouille gehen. Angel hätte gewollt das ich es tue.“ Sarah begegnete den sorgenvollen Blick ihrer Mutter. „Mom, ich muß das tun. Du weißt, daß ich es tun muß. Ich bin die Jägerin. Ich muß einfach meiner Bestimmung folgen. Ich muß meinen Job erledigen.“ „Ich weiß“, seufzte Joyce. „Aber ich bin deine Mutter. Und ich werde mir immer Sorgen um dich machen.“ Sarah wußte, daß es ihrer Mutter nicht leicht fiel ihre Bestimmung zu akzeptieren. Sarah fiel es auch nicht leicht. Doch sie wußte, daß es Angels Wille war weiterzumachen. Und das würde sie tun. Wenn sie nicht für sich selbst weitermachen konnte, dann würde sie für Angel weitermachen. Sarah wandte sich an ihre Freunde. „Tut mir leid wenn ich euch den Abend verdorben habe aber ... ich möchte jetzt gern allein sein.“ Willow verstand sofort. „Du hast uns den Abend nicht verdorben“, versicherte sie Sarah. „Wir wollten sowieso gerade gehen. Sehen wir uns morgen?“ „Ja, wir könnten einen Cappucino trinken gehen oder so.“ „Wäre toll! Rufst du mich an?“ „Ja, ich werde dich anrufen, Willow.“ „Gut.“ Willow griff nach ihrer Jacke und zog sie an. Die Freunde verabschiedeten sich. Giles fuhr sie nach Hause. „Kann ich irgend etwas für dich tun?“ fragte Joyce ihre Tochter. Sarah verneinte kopfschüttelnd. „Nein. Ich möchte jetzt nur gern allein sein. Ich möchte einfach nur allein sein.“ Sarah stieg die Stufen hinauf und schloß sich in ihrem Zimmer ein. Als Joyce wenig später schlafen ging sah sie noch einmal bei ihrer Tochter ins Zimmer. Sarah lag im Bett und schlief unruhig. Joyce sah die stummen Tränen, die Sarah im Schlaf weinte. Leise schloß sie die Tür. Joyce Sorge um ihre Tochter wurde noch größer. Wie lange mochte es wohl dauern bis Sarah sich wieder einigermaßen gefangen hatte? ... Angel und Sarah waren im Bronze. Sie tanzten miteinander zu einem langsamen Song. Sarahs Kopf lag an Angels Schulter und sie fühlte sich so wohl in seinen Armen. Sie vergaßen Raum und Zeit. Nur noch sie beide zählten. Angels Lippen streiften ihr Haar und er hauchte ihr einen Kuss auf den Haaransatz. Sarah lächelte selig und war so froh ihn bei sich zu haben. Sarah hatte das Gefühl zu schweben. In seinen Armen fühlte sie sich so sicher und geborgen. „Ich liebe dich“, flüsterte Sarah. Angel antwortete ihr mit einen zärtlichen Kuss auf die Lippen. „Bitte, verlaß mich nicht.“ „Ich werde dich nie verlassen“, erwiderte Angel und er küßte sie ein zweites Mal. Doch dann löste er sich von ihr und sackte in sich zusammen. Quälend schrie er auf; Schmerzen packten Angel und ließen ihn schreien. „Angel, was ist los?“ fragte Sarah voller Angst um ihren Freund. Sie kniete sich zu ihm und legte ihre Hände auf seine Schultern. „Angel, sag doch was. Was ist los? Was hast du?“ Angel hob den Blick und sah ihr in die Augen. „Das müßtest du doch am Besten wissen“, sprach er voller Hass. „Was?“ Sarah sah ihn unverständlich an. Angel richtete sich auf. Entsetzt blickte sie auf das Schwert, das in seiner Brust steckte. „Du hast mich getötet. Und da fragst du noch was mit mir los ist? Wie konntest du das tun?“ Seine Augen klagten sie wegen Verrates an. „Nein, Angel“, flehte Sarah machtlos. Doch seine Augen funkelten voller Hass auf sie. „Auch deine Tränen können nicht vergeben was du mir angetan hast“, sprach er und dann zerfiel er zu Staub. Sarah blickte auf das Häufchen Staub und Tränen rollten über ihre Wangen ... „Nein!“ Sarah fuhr schreiend aus ihrem Schlaf hoch. Sie zitterte am ganzen Körper und konnte sich nicht mehr beruhigen. Sarah tastete nach ihrer Nachttischlampe und schaltete das Licht ein. Sie fuhr sich durchs Haar und konnte nicht glauben was sie geträumt hatte. Angel hatte sie voller Hass angesehen. Er hatte sie gehaßt und verabscheut für das was sie ihm angetan hatte. Dieser eine Blick Angels hatte ihr eine große Angst eingejagt. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen das er sie wirklich haßte für ihre Tat. Sarah stand auf und trat zum Fenster. Sie zog die Vorhänge zurück und blickte den Sternenhimmel an. „Kannst du mir verzeihen, Angel?“ sprach sie leise. Sarah starrte die Sterne an und hoffte, daß Angel ihr ihre Tat verzeihen konnte. Doch warum sollte er ihr verzeihen? Sie hatte ihre Liebe auseinander gerissen und ihn zu ewigen Leid verdammt. Weshalb hätte Angel einen Grund ihr zu verzeihen? Wieso sollte Angel ihr verzeihen was sie ihm und auch ihr angetan hatte? Warum sollte er verzeihen ... wenn Sarah sich das nicht einmal selbst verzeihen konnte?
~ 5. ~ Am Vormittag des nächsten Tages betrat Sarah mit ihrer Mutter das Büro des Direktors des Colleges. Paul Heney war ein rundlicher Mann um die vierzig. Er begrüßte Joyce herzlich und reichte Sarah die Hand. „Bitte, setzen Sie sich“, forderte er seine Besucher auf. Sarah und ihre Mom nahmen in den großen Polstersessel vor dem schweren Schreibtisch Platz. Unsicher blickte sich Sarah um. Das Büro war groß und die Regale waren mit Büchern vollgestopft. Die Fenster waren groß und das Sonnenlicht flutete in den Raum. Ihr Blick glitt zurück zu Direktor Heney, der sie freundlich anblickte. Er war anders als Synder, daß erkannte Sarah sofort. Er war bereit ihr eine Chance zu geben. „Es schaut alles nur so gigantisch aus“, meinte er. Sarah fühlte sich unwohl. Wenn sie gegen Vampire kämpfte fühlte sie sich nicht so unwohl wie in diesem Büro. Vielleicht lag es auch daran das sie sich wegen ihres Weglaufens womöglich noch verteidigen mußte. Paul Heney blickte Joyce an. „Ihre Tochter möchte also gerne studieren?“ sprach er. Joyce nickte. „Sie ist erst ... vor kurzem zurück gekommen. Aber das habe ich Ihnen ja heute Morgen schon am Telefon erzählt.“ Direktor Heney nickte. „Wir haben, wie versprochen, Ihrer Tochter einen Platz freigehalten. Allerdings ist im Studentenheim momentan kein Bett frei.“ „Das ist kein Problem. Sie kann ja zu Hause schlafen“, erwiderte Joyce. Direktor Heney sah Sarah an. „Willst du wirklich studieren?“ „Ja. Ich muß ... mein Leben wieder ordnen.“ „Das freut mich zu hören. Trotzdem möchte ich das du unseren Psychologen aufsuchst und mit ihm sprichst. Du mußt verstehen das ich dir diese Auflage erteilen muß. Du bist von zu Hause weggelaufen und es tut manchmal gut mit einen Profi zu sprechen.“ „Muß das wirklich sein?“ „Wenn du studieren willst wirst du daran nicht herumkommen.“ Sarah seufzte. „Na gut. Ich werde zu dem Kerl gehen, einmal.“ „Das reicht. Damit hast du die Auflagen erfüllt und ich kann dich bedenkungslos studieren lassen. Willkommen auf dem College“, sprach Direktor Heney und er reichte Sarah die Hand. „Ich danke Ihnen“, sprach Joyce. Mit ihrer Tochter verließ sie das Büro des Direktors. Joyce ließ den Wagen an und fuhr Sarah in die Stadt. Sie würde sich mit Willow in einem Café treffen. „Der Direktor war doch ganz nett, findest du nicht?“ meinte Joyce. Sarah nickte. „Er war okay.“ „Jetzt bist du auf dem College. Und diesen einen Besuch beim Psychologen wirst du auch schaffen.“ „Sicher.“ „Und was wirst du ihm erzählen?“ fragte Joyce als sie an den Straßenrand fuhr und den Wagen hielt. „Na, was wohl?“ Sarah grinste schief. „Gar nichts.“ Sie küßte ihre Mutter auf die Wange und stieg aus. „Viel Spaß“, rief Joyce ihrer Tochter nach als sie die Beifahrertür zuwarf. Sarah wartete bis ihre Mutter weggefahren war, dann ging sie zu Willow, die vor dem Café stand und schon auf sie wartete. Willow und Sarah umarmten sich. „Gehen wir einen Cappucino trinken?“ fragte Willow. „Darauf habe ich jetzt Lust“, erwiderte Sarah und sie betraten das Café. Im Hinteren des Cafés war noch ein Tisch frei. Sarah bestellte zwei Cappucinos an der Bar und folgte Willow zu dem abgelegenen Tisch. „Es war ... wirklich schrecklich ohne dich“, meinte Willow. „Ich meine, du warst nicht da. Ich konnte dich nicht anrufen wenn ich quatschen wollte. Und Cordelia ist auch weggegangen. Nicht, daß ich mit ihr über meine Probleme gesprochen hätte, aber ...“ Sarah lächelte zögernd. „Ich verstehe. Und was ist mit den Vampiren?“ fragte sie. Willow lächelte leicht. „Überhaupt nicht viel los. Ich glaube, die vermissen dich auch. Die vermissen es sich mit dir zu prügeln. Und den letzten kleinen Rest haben wir erledigt - gemeinsam. Giles hat es uns erlaubt. Mit diesen paar Vampiren sind wir prima klargekommen. Du hättest uns sehen müssen. Du wärst stolz auf uns gewesen“, plapperte Willow darauf los. Sarah hörte ihr amüsiert zu und mußte sogar ein klein bißchen lachen. „Was ist?“ fragte Willow verwundert als sie den Blick ihrer besten Freundin sah. Sarah schüttelte mit einen freundlichen Lächeln den Kopf. „Nichts. Ich mag es nur dir zuzuhören. Es ist schön zu hören was ihr ohne mich getan habt. Hab ich irgend etwas weltbewegendes verpaßt?“ „Nein. Cordelia ist nach Los Angeles gegangen um Karriere zu machen. Xander ist deshalb sauer und flippt aus wenn wir über Cordelia sprechen. Also lassen wir es. Sie hat beschlossen nach Los Angeles zu gehen ohne mit Xander zu diskutieren. Das hat ihn ganz schön getroffen; hat er doch gedacht das seine Beziehung zu Cordy etwas besonders ist.“ „Das tut mir leid für ihn“, meinte Sarah aufrichtig. Willow musterte Sarah eingehend. „Was ist?“ „Du hast dich verändert“, stellte Willow fest. „Ich ... es ist einfach zuviel passiert.“ „Willst du darüber reden? Über die Sache mit Angel? Das war sehr schwer für dich, ich seh es dir an. Und ich würde dir gerne helfen.“ Sarah nahm einen Schluck ihres Cappucinos. „Niemand kann mir helfen diesen Schmerz zu überwinden. Da muß ich allein durch.“ „Ich weiß, aber ich bin deine beste Freundin“, sprach Willow. Sarah strich sich eine Haarsträhne zurück. Sie blickte Willow in die Augen. Dann wanderte ihr Blick zu der großen Scheibe. Sie beobachtete das Treiben auf den Straßen von Sunnydale. „Angel fehlt mir so“, meinte sie. „Ich vermisse ihn so sehr. Weißt du, jeden Morgen wenn ich aufwache wird mir klar das er nicht mehr da ist. Da überfällt mich dieser quälende Gedanke das Angel für immer fort ist; das es meine Schuld war.“ „Das war es nicht“, widersprach Willow energisch. „Doch. Er starb durch meine Hand. Ich hab ihn zu ewigen Leid verdammt. In dieser Welt - in unserer Welt - ist Angel tot. Ich hab ihn zur Hölle geschickt und ich weiß, er leidet dort.“ „Du machst dich mit diesen Gedanken nur selbst verrückt“, meinte Willow. „Glaubst du das weiß ich nicht? Ich weiß es. Aber ich kann nicht anders. Ich weiß, daß er gefoltert wird. Ich habe ihn zu ewigen Leid verdammt. Und ich weiß nicht wie ich damit leben soll. Seit jener Nacht in der Hauptmann Gruft habe ich nicht mehr richtig geschlafen. Ich werfe mich hin und her und habe Träume. Ich schlafe schlecht. Und jedesmal wenn ich die Augen schließe sehe ich vor mir wie er mich angesehen hat - als ich ihm das Schwert in die Brust rammte. Ich kann es einfach nicht vergessen, verstehst du?“ Sarah blickte ihre Freundin an. Willow nickte langsam und ließ Sarah sprechen. „Ich kann nicht vergessen das er mich so schockiert angesehen hat. Er konnte nicht glauben was ich tat. Es war schrecklich. Ich weine mich in den Schlaf. Jede Sekunde, die ich Zeit habe, denke ich an Angel. Ich kann nicht anders. Er beherrscht meine Gedanken; meine Träume. Ich hab unsere Liebe verraten. Ich hab das schrecklichste aller Verbrechen begangen. Ich hab Angel getötet. Ich habe meine Liebe geopfert um die Welt zu retten. Und das ist nicht fair.“ Sarah stützte sich auf einen Ellbogen ab und sah Willow von der Seite aus an. „Ich liebe ihn so sehr. Ich kann einfach nicht verkraften was ich getan habe.“ „Du hattest doch gar keine andere Wahl. Er war böse. Du hattest keine Wahl, Sarah.“ Sarah schluckte. Wenn du wüßtest, Willow, dachte Sarah. Es war nicht Angelus, den ich getötet habe. Es war mein Angel. Doch Sarah war noch nicht bereit es jemanden zu erzählen - nicht einmal ihrer besten Freundin. Sie war dazu einfach noch nicht bereit. „Trotzdem habe ich ihn geliebt. Angel war alles was ich hatte. Er war alles was mir wirklich wichtig war. Angel war immer für mich da wenn ich jemanden gebraucht habe. Ich meine, er verstand mich besser als alle anderen. Und er war mir näher als irgendein anderer Mensch auf der Welt.“ Mit traurigen Augen blickte Sarah auf den Ring, den er ihr einst geschenkt hatte. „Dieser Ring und das Armband, daß er mir zum Geburtstag geschenkt hat, ... sie sind alles war mir von ihm geblieben ist. Dieser Ring war das Symbol unserer Liebe. Was anderes ist mir von Angel nicht geblieben. Nichts außer diesen Dingen habe ich noch von ihm.“ „Du hast mehr“, widersprach Willow. „Und was?“ fragte Sarah traurig. „Du hast deine Erinnerungen. Die Erinnerungen an die schönen Stunden mit Angel. Ich weiß, daß sie auch schmerzhaft für dich sind weil er fort ist. Aber halt diese Erinnerungen fest. Laß nicht zu das dir jemand diese Erinnerungen nimmt. Angel ist erst dann wirklich fort wenn du deine Erinnerungen an ihn vergißt. Vergiß niemals wie glücklich du mit ihm warst. Vergiß nicht was du mit ihm erlebt hast. Erinnere dich an die schöne Zeit mit ihm“, sprach Willow auf ihre Freundin ein. Sarah nickte. Sie wußte, Willow hatte recht. Ihre Erinnerungen an Angel konnte ihr niemand nehmen - niemals. Die Nacht brach über Sunnydale herein und Sarah ging wieder auf Patrouille. Das erste Mal seit ihrem Kampf gegen Angel. Irgendwie war es unheimlich für sie. Und Willow schien recht gehabt zu haben. Es war als hätten die Vampire nur darauf gewartet das die Jägerin wieder in der Stadt war. Sie kamen aus ihren Verstecken gekrochen und waren sofort bereit sich mit ihr zu schlagen. Sarah hatte schon zwei Vampire erledigt und war mit ihrer Leistung zufrieden. In ihrem zwei kampflosen Monaten war sie nicht eingerostet. Doch sie wurde immer wieder an Angel erinnert. Sarah begegnete Liebespärchen und das tat weh. Sie selbst schwor sich die Liebe nie mehr zu erleben. Es tat einfach zu sehr weh. Die Liebe tat weh, daß hatte Sarah mit dem schrecklichen Ende ihrer Beziehung erfahren müssen. Okay, sie war ein Extremfall, aber trotzdem ... Sie bezweifelte das sie jemals wieder so stark lieben konnte wie bei Angel. Nie mehr würde sie jemanden so stark und tief lieben wie sie Angel geliebt hatte. Sarah ging ihre alte, übliche Patrouille ab. Schlagartig wurde ihr klar das sie diesen Weg immer mit Angel gegangen war. Sie erinnerte sich. Hier und da waren sie stehen geblieben, hatten sich zärtlich angesehen, sich angelächelt und geküßt. Und Hand in Hand waren sie weiter gegangen. Sofort verdrängte Sarah die, für sie schmerzhaften, Bilder. Es war eine glückliche Zeit gewesen. Eine Zeit, die vergangen war. Angel war fort und er würde niemals zurückkommen. Nichts konnte Angel zurückholen. Und sie würde das irgendwann akzeptieren müssen. Ein Geräusch hinter Sarah holte sie aus ihren Gedanken und sorgte bei der Jägerin für Konzentration. Sarah öffnete unbemerkt ihren Jagdbeutel und holte ihren Holzpflock heraus. Die Jägerin trat einen Schritt zurück und tauchte in die Dunkelheit ein. Sie hockte sich nieder und wartete im Schutze eines Gebüsches. Als die Schritte näher kamen wirbelte sie hoch und ging in Kampfstellung. Im matten Licht des Mondes erkannte Sarah ihre Mutter und konnte ihre Hand gerade noch abbremsen. Joyce hielt sich eine Hand an die Brust und stieß heftig die Luft aus. Erschreckt blickte sie ihre Tochter an. „Sarah“, brachte sie stöhnend heraus. „Mom! Was machst du hier?“ fragte Sarah sichtlich überrascht, aber auch mißtrauisch. Sarah wollte nicht das ihre Mutter nachts alleine durch die Parks von Sunnydale ging. Es war einfach viel zu gefährlich. Ihre Mutter war noch ziemlich erschrocken. Immerhin hätte ihre eigene Tochter sie fast gepfählt. „Du ... du hast wirklich gute Reflexe, Sarah. Mr. Giles hat dich gut ausgebildet“, meinte Joyce. „Nun, daß ist nicht nur allein Giles’ Verdienst“, gab Sarah zu. „Das meiste Lob gehört Angel. Nachdem er sich uns angeschlossen hatte, hat er mein Training übernommen. Den absoluten Feinschliff hat er mir gegeben.“ Sarah schluckte schwer. Joyce bemerkte es und lenkte ihre Tochter sofort von dem schmerzhaften Erinnerungen an Angel ab. „Ich dachte, du hast vielleicht Hunger oder Durst. Deshalb hab ich dir ein paar Sandwiches gemacht und hab dir Tee mitgebracht. Das wärmt dich auf.“ Joyce holte den Tee heraus den sie mit gebracht hatte. Sarah war ärgerlich, daß sah man ihr an. Es beunruhigte sie, daß ihre Mutter nachts in den Parks und Friedhöfen herumlief um ihr beizustehen. Aber sie konnte ihrer Mutter einfach nicht böse sein. Immerhin meinte es diese doch nur gut. Joyce hielt ihrer Tochter den heißen Tee hin. Dankend nahm sie den Becher entgegen und trank einen Schluck Tee. In diesem Moment sprang ein Vampir aus dem Gebüsch und knurrte wütend. Sarah warf den Becher zu Boden und spannte ihre Muskeln an. Sie hielt ihren Holzpflock kampfbereit. Joyce schrie auf und wich geschockt zurück. Obwohl sie es nicht gerne sah wenn ihre Tochter kämpfte, war es jetzt besser Sarah ihre Arbeit machen zu lassen. Immerhin wußte Sarah was sie tat. Der Vampir griff Sarah an. Diese ließ sich zu Boden fallen und stemmte ihre Beine gegen die Brust des Vampirs. Sie nutzte seinen Schwung aus und schleuderte ihn über sich hinweg. Mit einen dumpfen Geräusch fiel der Vampir zu Boden. Er rappelte sich hoch und attackierte Sarah erneut. „Sarah!“ rief Joyce entsetzt. „Alles unter Kontrolle, Mom“, erwiderte die Jägerin und sprang auf. Sie ließ dem Vampir ganz nah an sich herankommen. Dann sprang sie hoch und verpaßte ihm einen harten Tritt ins Gesicht. Der Vampir taumelte zurück. Sarah stieß ihm den Holzpflock in das Herz. Er stöhnte auf und wurde zu einem Ascheregen. Sarah stand breitbeinig da und der Ascheregen ergoß sich halb über sie. Sie klopfte sich den Staub von der Hose und ging zu ihrer Mutter. „Du machst deine Sache wirklich gut, Schatz“, lobte Joyce. Sie war sogar etwas stolz wie Sarah in den Augen ihrer Mutter erkennen konnte. „Danke, Mom.“ Sarah hakte sich bei ihrer Mutter ein und führte sie aus dem Park. „Hör mal, Mom, ich finde es echt nett von dir das du mich unterstützen willst. Aber das ist keine gute Idee. Du bist in Gefahr wenn du dich nachts draußen herumtreibst. Vor allem aber bist du in Gefahr wenn du mich auf Patrouille begleitest. Ich weiß nie was mich angreift und wie viele es sind. Ich kann dich nicht beschützen. Ich kann nicht ständig auf dich aufpassen, verstehst du? Und ich will nicht das dir was geschieht. Deshalb bleibe bitte zu Hause, ja?“ Sarah begegnete dem unsicheren Blick ihrer Mutter. „Aber dir könnte was passieren“, warf sie zögernd ein. „Dir aber viel mehr! Ich bin die Jägerin, Mom. Ich kann kämpfen. Und so leicht bin ich nicht zu erledigen. Ich bin die Auserwählte. Aber du ... es ist nicht gut wenn du hier draußen bist. Versteh das doch! Du bist in Gefahr. Und so kann ich nicht kämpfen. Im Kampf muß ich mich auf mich konzentrieren und meinen Gegner. Da ist es mir nicht möglich dich zu beschützen.“ Joyce sah ein das ihre Tochter recht hatte. „Du hast recht“, meinte sie mit einen Nicken. „Das ist dein Job. Aber ich werde mir trotzdem Sorgen um dich machen. Ich in deine Mutter.“ „Und ich bin froh das du meine Mom bist. Gehen wir heim. Heute kann ich meine Arbeit beenden. Sehr viel ist jetzt nicht mehr los.“ Gemeinsam gingen Mutter und Tochter nach Hause. Sarah stieg die Stufen zum College hoch und betrat die Schule. Der Hausmeister kümmerte sich um den guten Zustand der Schule. Die Lehrer richteten sich ein und kümmerten sich um ihre Unterlagen und Bücher für den Unterricht, der bald anfangen würde. Sarah ging den Korridor entlang und blieb vor dem Büro des Schulpsychologen stehen. Auf der Tür prangte ein goldenes Schild. Darauf stand mit schwarzen Buchstaben: Mr. Platt, Schulpsychologe. Die Jägerin atmete noch einmal tief durch. Sie mußte das tun. Ansonsten konnte sie ihre Ausbildung am College vergessen. Das wußte sie. Sarah wollte diese Chance nicht wegwerfen - nicht für sie und auch nicht für ihre Mutter. Sie mußte da rein. Es war nur ein Gespräch und sie mußte diesem Mr. Platt ja nichts erzählen. Sarah atmete noch einmal tief durch und klopfte dann an die Tür. „Herein“, rief eine Stimme. Sarah straffte die Schultern und öffnete die Tür. Sie betrat das Büro und die Tür fiel hinter ihr zu. Sarah sah sich nervös um. Hinter dem Schreibtisch sah ein dunkelhäutiger Mann von seinem Buch auf. Er lächelte sie freundlich an. „Sarah Summers?“ fragte er. Sarah nickte unsicher. „Setz dich“, forderte er sie auf. Sarah ging zum Stuhl vor dem Schreibtisch und nahm Platz. Unsicher sah sie sich um. Sie fühlte sich nicht sehr wohl in ihrer Haut. „Niemand ist gerne hier. Nicht einmal ich selbst“, meinte Mr. Platt und er lachte über seinen eigenen Witz. „Hören Sie“, begann Sarah. „Ich werde Ihnen nichts aus meinem Leben erzählen.“ „Wieso nicht?“ „Weil ... es Sie nichts angeht.“ „Laß mich raten: Du bist wegen eines Jungen weggelaufen“, meinte Mr. Platt und er lehnte sich in seinen Sessel zurück. Sarah riß überrascht die Augen auf. „Woher ... wissen Sie das?“ „Deine Körperhaltung hat mir das gesagt. Weißt du, viele Mädchen werden in der Liebe enttäuscht. Aber deswegen packen sie nicht die Koffer und verschwinden einfach.“ Sarah schüttelte verneinend den Kopf. „Das ... es war etwas anderes. Und diese Geschichte geht Sie wirklich nichts an.“ „Wieso nicht? Hast du Angst dich den Konsequenzen deiner Handlung zu stellen? Du hast einen mutigen Schritt getan, Sarah. Du bist zurück gekommen. Dafür braucht man Mut. Also, was ist passiert? Das dieser Junge dir weh getan hat, sehe ich. Ich möchte jetzt gerne erfahren was geschehen ist.“ Sarah schüttelte abermals den Kopf. „Ich ... kann darüber nicht sprechen. Es tut zu sehr weh. Und es geht Sie wirklich nichts an. Das ist meine Sache; mein Leben. Und von meinen Leben werde ich Ihnen nichts erzählen, Mr. Platt. Es ist ... langweilig“, wich Sarah in der Hoffnung aus das er sie in Ruhe lassen würde. Doch da täuschte sie sich. Mr. Platt lehnte sich gelassen in seinen Polstersessel zurück und meinte: „Langweile mich.“
~ 6. ~ Langsam, aber sicher, fühlte sich Sarah in Sunnydale wieder heimisch. Seit einen Monat ging sie mit Willow und Oz aufs College. Nach dem Gespräch mit Mr. Platt hatte sie die Erlaubnis von der Uni bekommen. Sie durfte studieren. Sie hatte Mr. Platt fast nichts erzählt. Er hatte ihr trotzdem geholfen studieren zu können indem seine Beurteilung über sie gut ausgefallen war. Und er hatte ihr gesagt, wenn sie bereit war über diese Geschichte zu sprechen, sollte sie kommen. Er würde da sein. Und bis zu diesem Zeitpunkt würde er warten. Gemeinsam mit Willow hatte Sarah sogar einige Kurse belegt. Willow half ihr auf dem College wo sie konnte. Die beiden Freundinnen näherten sich wieder an und schenkten sich gegenseitig wieder blindes Vertrauen. Seit einen Monat war sie wieder zu Hause. Das Leben ging weiter - auch ohne Angel. Sarah wußte das. Aber dieses Gefühl war schrecklich. Langsam bekam sie ihr Leben wieder in den Griff. Immer öfter war sie fröhlich aber der traurige Ausdruck in ihren Augen blieb. Sie weinte nun nicht mehr so viel. Doch ihre Tränen kamen immer wieder zurück. Wenn die Erinnerung an Angel zu stark war ... kamen sie zurück. Sie weinte nur noch stumm ihre Tränen; zeigte sie ihren Freunden und ihrer Familie nicht mehr. Doch ihre Gang wußte das Sarah noch litt; das sie noch immer um Angel trauerte. Das Leben ging auch für Sarah weiter. Langsam versiegten ihre Tränen. Doch dann, wenn sie sich in einer Nacht besonders an Angel erinnerte und sie sich schrecklich einsam fühlte, dann weinte sie wieder. Ihr Schlaf war nach wie vor unruhig und sie wurde von Träumen heimgesucht. In ihren Träumen war sie wieder mit Angel zusammen. In ihrem Träumen war er bei ihr. Da war er ihr ganz nahe. So nahe wie er ihr in der realen Welt nie mehr sein würde. Nur in ihren Träumen konnte sie noch mit ihm zusammen sein. Und sie war mit ihm zusammen. Es waren schöne Träume. Aber da gab es noch die Träume, die sie quälten. Dann sah sie Angel wie er sie voller Hass anklagte. Das waren Träume wo sie schreiend aus dem Schlaf schreckte. Und diese Träume suchten sie in regelmäßigen Abständen heim. Sarah wußte, ihr Herz würde immer Angel gehören. Sie würde nie mehr so lieben wie bei Angel. Das war vorbei. Keiner würde ihr Herz jemals wieder so in Flammen setzen wie Angel. Keiner würde sie jemals wieder so in seinen Bann ziehen wie Angel es getan hatte. Sarah war nicht an einer neuen Liebe interessiert. Sie ging Jungs aus dem Weg. Den niemand von ihnen konnte Angel das Wasser reichen. Und sie war noch nicht bereit sich neu zu verlieben. Noch mußte sie die Sache mit Angel verkraften. Sie war noch nicht soweit ihr Herz neu zu verschenken. Auch in der Schule lief es gut für Sarah. Das College gefiel ihr sogar. Und Willow war eine große Hilfe. Sie half Sarah wo sie konnte. Nicht nur im Unterricht sondern auch dabei Angels Tod zu verkraften. Aber da gab es noch etwas was noch nicht geschehen war. Sarah hatte ihr Schweigen über Angels Tod noch nicht gebrochen. Und bis sie es tat wartete ihr Wächter geduldig darauf das sie eines Tages sprechen würde. Sarah war ihm sehr dankbar für sein Verständnis. Giles drängte seine Jägerin nicht endlich über den Kampf gegen Angel zu sprechen. Er wußte, es würde nichts helfen. Dadurch würde er nur erreichen das sie sich noch mehr zurückzog. Wenn Sarah über dieses Ereignis sprach mußte es von ihr aus gehen. Sie mußte es wollen. Sie mußte es freiwillig tun - ohne unter Druck zu stehen. Giles wußte, es würde ihr so oder so schwerfallen darüber zu sprechen. Sie hatte sich etwas gefaßt, daß sah man ihr an. Doch Joyce hatte Giles erzählt das sie noch immer sehr litt. Sie weinte nun nicht mehr soviel. Ihre Tränen erfolgten nur noch stumm. Wenn sich Sarah unbeobachtet fühlte, dann ertappte Joyce ihre Tochter dabei wie sie still ihre Tränen weinte. Sarah hatte akzeptiert was sie getan hatte. Sie hatte ihren Verrat hingenommen, so schien es. Es war schwer für sie zu akzeptieren was sie Angel angetan hatte ... doch es mußte irgendwann sein. Sarah war die Vampirjägerin. Sie mußte sich zusammenreißen, daß war ihr klar. Sie konnte nicht ewig trauen, denn es würde ihre Konzentration behindern. Im Kampf mußte sie sich konzentrieren. Es war nicht leicht ihr Verbrechen an Angel zu akzeptieren, doch sie tat es. Sie hatte ihre Pflicht wieder angenommen; hatte eingesehen das nur sie gegen die Dämonen kämpfen konnte; das es einfach ihre Pflicht war. Und auch das war ihr nicht leicht gefallen. Denn es war diese Pflicht gewesen, die sie dazu gedrängt hatte Angel zu vernichten. Sie war die Jägerin. Das war nicht zu ändern. Doch tief in ihrem Herzen würde sie immer um Angel trauern. Der Schmerz hatte zwar etwas nachgelassen, doch vergehen würde er nie. Er würde immer allgegenwärtig sein. So wie Angel, der ihr Leben - der sie - immer begleiten würde. Sarah rutschte vom Hocker in der Küche und nahm sich noch ein Glas Orangensaft. Sie gähnte herzhaft. „Du siehst müde aus“, stellte Joyce fest. Sarah blickte ihre Mutter an. „War eine lange Nacht; hatte ne Menge zu tun“, erklärte Sarah. „Dann solltest du dich hinlegen.“ „Kann nicht. Ich treffe mich heute mit Giles. In zwei Stunden“, sagte Sarah mit einen Blick auf die Uhr in der Küche. „Er hilft mir beim Lernen - Englische Literatur.“ „Ich find es toll das dir Mr. Giles beim Lernen hilft. Aber du kannst dich doch für eine Stunde hinlegen. Ich weck dich auf.“ „Danke, Mom.“ Sarah nahm das Glas und verzog sich in ihr Zimmer. Eine Stunde Schlaf würde ihr sicher gut tun. ... Sarah betrat den Friedhof und ging über den Rasen. Sie ging an verschiedenen Gräbern vorbei. Fahles Licht fiel auf einen Platz und dort stand er: Ihr Angel. Er lehnte an einen Grabstein der Familie Morgan und wartete. Ihr Herz schlug bei seinem Anblick sofort schneller. Ihr Puls raste. Und ihr Körper füllte sich mit Wärme. Ihr Körper reagierte immer so wenn sie Angel sah. Sarah ging noch schneller; wollte so schnell wie möglich bei ihm sein. Endlich war sie bei ihm. Sie sah in seine Augen. Irgend etwas war anders. Seine Augen ... sie erschienen ihr so gleichgültig. Was war los mit ihm? Sarah schüttelte den Kopf. Es war sicher nichts von Bedeutung. „Angel, endlich“, sprach Sarah glücklich und sie schlang ihre Arme um seinen Nacken. Normalerweise erwiderte er ihre Umarmung immer, doch diesmal tat er es nicht. Im Gegenteil: Sarah spürte wie Angel sich versteifte und sie entschlossen von sich wegschob. „Angel, was ist los?“ fragte Sarah. Skeptisch blickte sie ihn an. Sie konnte nicht sagen was in ihm vorging. Er war so fremd, ja, richtig kalt zu ihr. „Angel, sag doch was! Was hast du? Stimmt etwas nicht?“ Er antwortete nicht. Seine Augen richteten sich auf sie und er sah sie voller Hass und Verachtung an. Doch da war noch etwas anderes in seinen Augen: Enttäuschung. Er schien bitter enttäuscht von ihr zu sein. „Angel, was ist los mit dir?“ fragte Sarah mit zitternder Stimme. Sie bekam Angst. So hatte er sie noch nie angesehen. Was war los mit ihm? „Glaubst du wirklich ich mag deine Berührungen noch?“ meinte Angel mit kalter Stimme. „Was ... wie meinst du das?“ „Ich kann deine Berührungen nicht mehr ertragen. Ich kann die Berührungen einer Verräterin, wie du es bist, nicht mehr ertragen. Und ich will das du mi |