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Title:
Die Jägerin und ihr Vampir, Teil 5 – Heimsuchungen
Fandom:
Buffy – The Vampire Slayer Summary: Angel ist wieder da, doch Sarah hat keine Zeit sich darüber zu freuen, denn es gibt neue Schwierigkeiten, die sie bewältigen muß ... Disclaimer: Die Charaktere von Buffy gehören nicht mir, sondern Joss Whedon und anderen. Diese Story ist FanFiction mit der weder Geld verdient, noch Rechte verletzt werden sollen. Ich schreibe sie nur zu meinen Vergnügen. Note: Mir gefiel die Folge „Heimsuchungen“ sehr. Deshalb habe ich das eingebaut, da ich da wieder ein äußerst emotionales Gespräch (Achtung: Taschentücher bereit halten!) schreiben kann. Viel Spaß beim Lesen (Ich hoffe, die nächsten Teile kommen bald nach. Ich arbeite daran, versprochen!)
Die Jägerin und ihr Vampir,
Teil 5 - Heimsuchungen In jeder Generation gibt es nur eine Jägerin. Sie muß sich gegen Vampire und die Dämonen der Finsternis stellen. Sie allein ist auserwählt. Sie muß bereit sein, ihr Leben für die Menschheit zu opfern. Stirbt sie, tritt die nächste Jägerin an ihre Stelle ...
~ 1. ~ Das Leben ging weiter. Und Sarah konnte wieder mit einen glücklichen Lächeln durchs Leben gehen. Angels Sieg über sich selbst war für Sarah das Schönste was sie seit langem erlebt hatte. Doch trotzdem war alles noch recht schwierig. Ihre Vermutung war eingetroffen und Angel hatte seine Kellerwohnung aufgegeben. Seine Möbel und Besitztümer fanden sich jetzt in der Hauptmann Gruft wider. Er hatte sich dort häuslich eingerichtet. So ganz erholt war Angel noch nicht. Nach wie vor schlief er recht viel um sich von den Strapazen und Schmerzen – die er in der Hölle erlebt hatte – zu erholen. Er war noch etwas schwach und noch nicht ganz wieder so fit wie Sarah ihn kannte. Aber er war nicht allein. Sarah war bei ihm und half ihm wo sie nur konnte. Sie kümmerte sich um ihn und holte das Tierblut vom Metzger für Angel. Für Angel war diese Situation sehr schwierig. Sowohl Sarah wie er ... sie beiden vermieden das Thema ihres Kampfes und das Thema von Angels Folter. Unter dem, was Angel Sarah angetan hatte, litt er mehr als jemals zuvor unter anderen Taten. Er hatte das Mädchen, das er über alle Maßen liebte, tief verletzt und ihr unbeschreiblich weh getan. Und jedesmal, wenn Angel in Sarahs schöne Augen blickte, traf der Schmerz darüber ihn aufs Neue. Deshalb konnte er kaum glauben das sie trotzdem bei ihm war und ihm half. Sie hatte ihm einfach so verziehen. Seit drei Wochen war Angel wieder da und Sarah hatte noch immer nicht den Mut gehabt es Giles zu erzählen. Es war aber auch soviel los gewesen, daß Sarah einfach nicht die Zeit gehabt hatte sich um andere Dinge als Angel zu kümmern. Deshalb hatte Sarah Willow auch nur kurz erzählt was in jener Nacht mit Pete geschehen war. Für Sarah stand fest: Wenn Angel nicht gewesen wäre, wäre sie jetzt nicht mehr am Leben. Er hatte ihr das Leben gerettet – wieder einmal. Und dafür war sie ihm sehr dankbar. Doch Sarah wußte, sie konnte ihn nicht ewig verstecken. Das wußte auch Angel. Ihre Freunde mußten endlich erfahren das er wieder da war. Sie konnte das Geheimnis über seine Rückkehr nicht mehr länger für sich behalten. Sarah konnte auch Willow nicht ewig darum bitten ihr Versprechen zu halten. Sie mußte mit Giles reden – und das so schnell wie möglich. Es war wirklich langsam dafür Zeit. Doch Sarah fürchtete sich davor. Sarah machte sich so ihre Gedanken darüber – auch noch als sie bei Angel war und mit ihm trainierte. Stumm vollführten sie ihre schattenhaften Bewegungen. Angel zeigte ihr eine neue Art des Trainings. Er zeigte ihr wie sie ihren Körper und ihren Geist in Einklang brachte damit sie noch stärker wurde. Seine Nähe spürte Sarah nur zu deutlich. Angel stand hinter ihr. Ihre Finger berührten sich und Sarah schloß die Augen als seine Arme gemeinsam mit ihren von oben nach unten glitten. Seine Hände wanderten über ihre Arme bis zu ihrer Taille. Sarah lehnte sich zurück; ließ sich einfach in Angels Arme fallen – so wie früher. „Mit dir stimmt etwas nicht“, flüsterte Angel an ihrem Ohr. „Es ist alles in Ordnung“, widersprach Sarah. „Du konntest mich noch nie anlügen, Sarah. Was ist los?“ fragte Angel nun energischer und drehte sie zu sich herum. Sarah ließ hilflos die Schultern sinken. „Ich ... ich weiß nicht wie ich Giles das alles erklären soll. Wie soll ich ihm sagen das du wieder da bist?“ fragte sie matt. Angels Finger fuhren unter ihr Kinn und hoben es sanft an. Als Sarah in sein Gesicht blickte, lächelte er sie aufmunternd an und Sarah erwiderte sein Lächeln. Sie sehnte sich danach in seinen Armen zu liegen; seinen männlichen Duft wahrzunehmen. Sie sehnte sich so sehr danach von ihm geküßt zu werden. Sarah seufzte. Es durfte nicht mehr sein. Aber ... sie wollte es. Sie kannte die Gefahren nun. Und ... So als erriet Angel ihre Gedanken zog er sie in seine Arme und hielt sie einfach nur fest. Sarah schmiegte ihr Gesicht in seine Schulter. „Du mußt es ihnen sagen, Sarah. Du kannst es ihnen nicht ewig verschweigen. Du mußt es deinen Freunden endlich sagen. Schließlich kannst du mich hier nicht für immer verstecken.“ „Ich weiß“, seufzte Sarah und sie sah zu Angel hoch. „Aber ich hab Angst davor. Giles wird es nicht verstehen. Und Mom ...“ „Hör mal, Sarah“, begann Angel ernst. „Du weißt, egal was passiert, ich werde zu dir halten – egal wie deine Freunde reagieren.“ „Das weiß ich, Angel. Du hast recht. Ich muß es ihnen endlich sagen.“ „Stimmt“, pflichtete Angel ihr bei und streifte ihre Stirn mit seinen Lippen. Sie sahen sich an. „Ich ... sollte jetzt besser gehen“, murmelte Sarah. „Ich hab noch ein wichtiges Gespräch mit Giles zu führen. Bist du hier?“ „Natürlich. Die Sonne scheint. Wo soll ich hingehen? Ein Sonnenbad am Strand nehmen, oder was?“ „Seit wann hast du Humor?“ fragte Sarah. „Ich bin ein witziger Kerl, weißt du das nicht?“ Sarah lachte. „Doch, das weiß ich. Ich glaube, ich werde später vorbeikommen. Ich werde sicher deinen Trost brauchen und wahrscheinlich wirst du mich aufbauen müssen.“ „Das tue ich alles. Du brauchst nur kommen“, sprach Angel. Sarah sah zu ihm hoch. Für einen langen Augenblick schwiegen sie beide. Sarah streckte ihre Hände nach Angel aus. Und er erwiderte ihre Geste. Angel zog sie leicht an sich und ihre Lippen verschmolzen zu einen sanften Kuss. Sarah schlang ihre Arme um seinen Nacken. Sie wußte wie Angel das es falsch war. Aber sie konnte nicht anders. Wenn sie ihn sah ... war alles vergessen. Dann zählte nur noch er. Und sie liebte ihn einfach zu sehr als das sie jemals nur Freunde sein könnten. „Ich muß jetzt wirklich gehen“, flüsterte Sarah. „Ich weiß.“ Zögernd ließ Angel Sarah los. Sie schenkte ihm ein warmes Lächeln. Dann griff Sarah nach ihrer Tasche und ihrer Jacke und ging zum Eingang. Am Vorhang drehte sie sich noch einmal um. „Angel?“ „Ja?“ „Ich bin froh das du zurück gekommen bist. Egal wie es möglich war ... was zählt, ist, das du wieder da bist; hier bei mir.“ Angel antwortete darauf nicht sondern sah einfach zu wie Sarah ging. „Wir sind beide verdammt“, murmelte Angel als er ins Schlafzimmer ging. „Wir sind dazu verdammt uns ewig zu lieben.“ Angel zog sein Shirt aus und legte sich ins Bett. Er fühlte wie seine Kraft noch nicht ganz wieder da war. Sein Körper brauchte Kraft und am besten erholte man sich noch immer im Schlaf. Die Müdigkeit überfiel ihn auch schnell und Angel fiel in einen traumlosen Schlaf. Sarah entschloß die Wahrheit zuerst ihrer Mutter zu beichten. Das Gespräch mit Giles wollte sie so lange wie möglich hinausschieben. Und auch Joyce mußte erfahren das Angel wieder da war. Doch wie würde sie reagieren? Sarah würde es nur erfahren wenn sie es ihr erzählte. Mit ernster Miene saß Sarah am Küchentisch im Summers-Haus und wartete auf ihre Mom. Joyce war etwas länger als sonst in der Galerie gewesen und sie war müde. Doch Joyce war hellwach als sie ihre Tochter sah. Etwas stimmte nicht. Sie spürte es. „Stimmt etwas nicht, Schatz?“ fragte Joyce sofort nach. „Ich muß ... mit dir sprechen“, erwiderte Sarah nervös. „Und über was? Ist etwas schlimmes passiert?“ „Nein, es ist nichts schlimmes passiert. Ich muß mit dir ... über Angel sprechen.“ „Angel?“ fragte Joyce verwirrt. „Das ist doch der Vampir ...“ „Den ich liebe, ja“, schnitt Sarah ihrer Mutter das Wort ab. Sie richtete ihre Augen auf ihre Mutter. „Mom, es gibt da etwas was ich dir unbedingt sagen muß bevor ich mit Giles spreche.“ „Und was ist das?“ „Können wir nicht ins Wohnzimmer gehen? Du wirst dich sicher setzen müssen. Bitte, Mom! Es ist verdammt wichtig“, flehte Sarah. „Natürlich“, erwiderte Joyce etwas verwirrt. Gab es etwa noch etwas über Angel was Sarah ihr noch nicht erzählt hatte? Nun ich werde es gleich wissen, dachte Joyce als sie ins Wohnzimmer voraus ging und sich auf die Couch setzte. Ihre Tochter nahm im Schaukelstuhl Platz. Sie holte noch einmal tief Luft; den für dieses Geständnis brauchte sie wirklich viel Mut. „Er ist zurück“, sprach sie dann so ruhig wie sie es schaffte. „Wer ist zurück?“ fragte Joyce verwirrt. „Angel“, gestand Sarah. „Angel ist wieder da. Er ist hier in Sunnydale.“ Joyce fiel aus allen Wolken. Sie sah ihre Tochter ernst an. Im ersten Moment konnte sie nicht glauben was Sarah da sagte. Angel war wieder da? Er war zurück? Wie war das möglich? Sie wußte nicht wie sie darauf reagieren sollte. War Angel wirklich wieder da oder ... konnte es sein das Sarah sich so sehr wünschte Angel wieder zu haben, daß sie sich seine Rückkehr nur einbildete? „Sarah“, begann Joyce zögernd. „Mom, ich weiß was du jetzt denkst. Aber ich bilde mir das nicht ein.“ Heftig sprang Sarah auf und fing an unruhig auf und ab zu laufen. Plötzlich blieb sie stehen und blickte ihrer Mutter direkt ins Gesicht. „Angel ist wirklich wieder da. Er ist zurück, Mom. Als ich vor wenigen Wochen auf Patrouille war hat er mich angegriffen. Ich war vollkommen überrascht davon. Angels Rückkehr ... das war etwas womit ich niemals im Leben gerechnet habe. Doch er hatte sich verändert.“ „Wie verändert?“ fragte Joyce voller Sorge. „Er war verstört und benahm sich wie ein wildes Tier. Er war nicht mehr er selbst und ... Angel kannte mich nicht mehr. Er kam aus der Dämonendimension und war total verändert. Doch jetzt geht es Angel wieder gut. Er hat wieder zu sich selbst gefunden und ist wieder gesund. Okay, er ist noch etwas schwach, aber das sind die Folgen der schweren Folter, die er in der Hölle hatte ertragen müssen. In einigen Tagen ist er wieder so fit und stark wie früher. Dann geht es ihm wieder bestens und er hat sich erholt.“ „Du meinst das ernst“, stellte Joyce überrascht fest. „Ja, Mom! Angel hat den Weg nach Sunnydale zurück gefunden.“ Joyce begriff erst jetzt was für eine Bedeutung Sarahs Worte hatten. Angel war offensichtlich wieder zurück. Unruhig und nervös blickte Sarah ihre Mutter an. Wie würde Joyce darauf reagieren? Ein Seufzen entrang sich aus Joyce‘ Kehle. „Nun ... ich kenne mich in deiner Welt zwar nicht aus, aber ... ich muß dir glauben. Und das tue ich auch. Was soll ich dazu nur sagen?“ „Sag irgendwas!“ forderte Sarah. „Aber schweige mich nicht an. Schreie mich an, sag mir das ich blöd bin. Sag etwas, aber schweige nicht, Mom.“ „Nun ... hat Angel ...“ Sarah nickte sofort. Sie wußte, worauf ihre Mutter hinauswollte. „Angel hat seine Seele wieder, ja. Er ist wieder mein Angel.“ „Das freut mich ... für dich, Sarah. Aber ich will das dir eines bewußt ist.“ „Und was?“ fragte Sarah verwirrt. „Die Verantwortung“, sprach Joyce und sie sah ihre Tochter streng an. „Auf Angel und dir lastet jetzt eine große Verantwortung. Ich will das du dir dessen bewußt bist. Und auch er soll sich dieser Verantwortung bewußt sein. Wenn du wieder ... mit ihm schläfst ... wird er seine Seele wieder verlieren. Kannst du wirklich garantieren das es nie mehr so weit kommt?“ „Ja, das kann ich“, sprach Sarah sofort. „Wirklich?“ Joyce zweifelte etwas daran. Die Beziehung zwischen ihrer Tochter und dem Vampir war immer ... anders gewesen wie Giles ihr das erzählt hatte. Ein dickes Band hatte die Beiden miteinander verbunden. Giles hatte nach Sarahs Verschwinden gesagt, daß nichts die Beiden hatte auseinander bringen können. Sie hielten zueinander und vertrauten einander. Nichts und niemand hatte diese Beziehung zerstören können. Und Joyce fragte sich ob Sarah der ständigen Versuchung wirklich standhalten konnte. Sie blickte in die Augen ihrer Tochter und las dort die ehrliche Antwort. Sie lautete ja. „Ich streite nicht ab, daß ich gerne wieder mit ihm zusammen sein würde“, gestand Sarah offen. „Aber so ... wie es am Anfang zwischen uns war wird es nie mehr sein. Das wir ... wieder so weit gehen ... es wird einfach nicht mehr geschehen. Dafür werden Angel und ich sorgen. Wir kennen die Verantwortung und wir kennen nun die Gefahr was passiert wenn wir uns wieder so nah kommen. Wir wissen es jetzt und dadurch wird es nie mehr passieren, Mom. Aber ich hab Angst.“ „Wovor?“ fragte Joyce verwundert. Sarah seufzte schwermütig. „Ich hab Angst vor dem Gespräch, das ich mit Angel führen muß. Irgendwann muß ich mit Angel darüber sprechen. Mom, ich hab so große Angst davor das er mir nicht verzeihen kann.“ „Ich glaube, das er dich sehr liebt, Sarah“, meinte Joyce ruhig. „Natürlich kann ich nicht beurteilen wie es jetzt um seine Gefühle steht, aber ... ich denke, eure Liebe ist etwas besonderes; etwas einzigartiges. Du wirst das schon machen, ich weiß es. Und wenn du mir schwörst, daß es nie mehr so weit zwischen euch kommen wird ... dann glaube ich dir. Ich weiß, daß du dich an deine Versprechen hältst.“ „Ich verspreche es dir, Mom“, sprach Sarah mit einem Lächeln. Es tat ihr gut das ihre Mutter ihr vertraute; und das sie daran glaubte das alles gut werden würde. „Danke, Mom“, sprach Sarah und sie umarmte ihre Mutter spontan. „Du mußt es deinen Wächter sagen“, murmelte Joyce. „Ich weiß, daß ich mit Giles sprechen muß. Ich werde jetzt sofort zu ihm gehen und es ihm sagen.“ Joyce nickte nur und ließ ihre Tochter gehen. Sarah wollte das Gespräch mit Giles so schnell wie möglich hinter sich bringen. „Komm rein“, sprach Giles zu Xander als dieser an seine Tür geklopft hatte. „Giles, ich muß mit Ihnen reden“, begann Xander. „Willst du Tee? Ich mach gerade welchen.“ „Ja.“ Giles ging in die kleine Küche. Xander blieb stehen und sah Sarahs Wächter an. „Giles, ich weiß, das ich Sie enttäuscht habe.“ „Nein, das hast du nicht.“ „Aber wieso ...“ „Ich kann dich irgendwie verstehen. Doch ich bin Sarahs Wächter und ich muß ihr beistehen. Ich glaube dir das du nur das Beste für Sarah wolltest. Doch du weißt, das Thema Angel ist ...“ „Ich weiß. Wenn es um Angel geht kann sie nicht mehr rational denken. Glauben Sie, Sarah kann mir verzeihen?“ Giles goß den Tee in zwei Tassen. „Ich denke schon. In der letzten Zeit ist Sarah zufriedener gewesen als nach dem Kampf gegen Angel. Sie ist ausgeglichener. Ich denke, sie wird dir verzeihen. Sarah wird dir sicher bald entgegenkommen. Aber ... du mußt ihr Zeit lassen, damit das Vertrauen zwischen euch wieder so ist wie früher. Du hast ihr Vertrauen mißbraucht. Es wird Zeit brauchen bis sie dir dieses uneingeschränkte Vertrauen wieder entgegen bringen kann.“ „Ich weiß“, meinte Xander und er setzte sich auf das Sofa. Giles brachte den Tee zum Tisch als es erneut an der Tür klopfte. „Ich komme“, rief Giles und öffnete die Tür. „Hallo Giles“, rief Willow fröhlich. „Willow, Oz, kommt doch herein. Ist das hier das Treffen der Hilfsjäger oder was?“ fragte Giles perplex. Willow sah Xander an. „Was machst du den hier?“ „Ich hab ... mit Giles geredet – über diese eine Sache.“ „Verstehe.“ „Willow, bist du noch sauer auf mich?“ „Irgendwie schon, aber ... ich kenne dich schon ein Leben lang und ich will dich als Freund nicht verlieren“, sprach Willow und sie umarmte Xander. „Danke, Willow.“ „Doch Sarah wird sicher noch einige Zeit brauchen um dir wieder so entgegen zu kommen wie früher.“ „Ich weiß. Das hat Giles mir auch gesagt“, sprach Xander. Willow lächelte. Und sie hoffte, das es Sarah – jetzt wo Angel wieder da war – auch leichter fiel Xander zu verzeihen. Willow und Oz surften bei Giles im Internet. Xander sprach mit Giles. Es war eine gemütliche Runde als Sarah das Haus betrat. Sie hatte es sich schon längst abgewöhnt bei Giles anzuklopfen. Für einen Moment starrte sie Xander an. „Hallo Sarah“, rief Willow erfreut. Xander starrte Sarah an. Er zitterte leicht. Hoffentlich geht das gut, dachte Willow. „Ich ... ähm ... ich geh dann mal“, stammelte er als er den ernsten Blick der Jägerin sah. Xander war schon auf den Weg zur Tür und an Sarah vorbei. „Xander, warte!“ sprach Sarah. Er drehte sich zu ihr um und sah sie nervös an. Sarah atmete einmal tief durch. Ihr war klar das Angel wollte, daß sie ihm noch eine Chance gab. Angel ist viel zu gutmütig, dachte Sarah. „Ich will nicht das du gehst.“ „Wirklich?“ fragte Xander erstaunt. Sarah nickte. „Ich werde mich für mein Verhalten in der letzten Zeit sicher nicht entschuldigen. Dazu war das, was du getan hast, ein zu schwerwiegender Fehler.“ „Ich weiß. Und es tut mir leid“, sprach Xander aufrichtig. „Heißt das ... du verzeihst mir?“ fragte er hoffnungsvoll. „Noch kann ich dir das nicht verzeihen, aber ... ich bin auf den Weg dorthin. Wir sollten einfach versuchen wieder miteinander klar zu kommen.“ „Danke, Sarah“, sprach Xander lächelnd. Es war als hätte sie ihn mit diesen Worten eine große Last von den Schultern genommen. „Das ist eine wirklich gute Nachricht, Sarah“, meinte Giles, der sich nun einmischte. „Ich bin froh das du dich in Einsicht übst.“ „Nun ... so von ungefähr kommt das nicht, Giles. Ich muß mit Ihnen sprechen. Es ist von aller größter Wichtigkeit.“ „Wie meinst du das?“ „Es gibt da eine Nachricht, die ich Ihnen erzählen muß. Es wird Ihnen nicht besonders gefallen.“ Giles kräuselte die Stirn. Etwas beschäftigte Sarah. Er sah Sarah in die Augen und sah das sie sogar sowas wie Angst hatte. Doch warum? Sarah hatte selten vor etwas Angst – und schon gar nicht vor ihm. Willow wurde hellhörig. Sie wußte augenblicklich was Sarah Giles zu sagen hatte. Die Zeit für Sarahs Geständnis, daß sie Angel schon eine ganze Weile versteckte, war also gekommen. Willow sah Giles an. Sie ahnte, wie er reagieren würde. Angel hatte ihn gefoltert, er hatte Jenny getötet und Sarah hatte ihm auch noch verschwiegen das Angel wieder da war. Giles würde diese Nachricht nicht besonders gut aufnehmen. Sarah warf ihrer besten Freundin einen Blick zu der Bände sprach. Willow verstand und stand auf. Sie kam an Sarahs Seite. Sarah brauchte bei diesem Geständnis Beistand. „Willst du es ihm wirklich sagen?“ fragte Willow leise. „Ja, ich muß es endlich tun. Er ist mein Wächter. Ich kann es Giles nicht ewig verschweigen. Er muß es erfahren. Die Zeit ist reif dafür.“ Willow nickte und verstand sofort. „Worum geht es denn, Sarah?“ fragte Giles mißtrauisch. Sarah war nervös, daß erkannte er. Sie ahnte wie Giles‘ Reaktion auf Angels Rückkehr ausfallen würde, doch das wollte sie nicht wahrhaben. Willow legte ihr aufmunternd eine Hand auf die Schulter und nickte verständnisvoll. Das half Sarah. Es war endlich soweit. Giles würde nun die Wahrheit erfahren. „Giles, erinnern Sie sich an unser Gespräch als ich Ihnen von meinen Traum über Angel erzählt habe? Der Traum, wo ich erzählt habe das Angel nach Sunnydale zurück gekommen ist? Das Angel wieder da ist?“ Giles nickte langsam. Er erinnerte sich nur zu gut daran. „Ja, ich erinnere mich. Weshalb fragst du?“ „Okay, hören Sie zu, Giles: Ich möchte das Ihnen klar ist, daß ich Sie nie belügen wollte ... aber die Situation hat es erfordert. Ich wußte nicht wie diese Sache ausgehen würde, deshalb hielt ich es für besser es Ihnen zu verschweigen.“ „Wovon redest du, Sarah?“ fragte Giles. Sarah schluckte schwer. „Dieser ... Traum .... es war gar keiner. Ich hab Angels Rückkehr nie geträumt“, druckste Sarah herum. Wenn sie Giles erst einmal gesagt hatte, das Angel wieder da war, würde nichts mehr so sein wie früher. Dann stand die Wahrheit im Raum und sie mußte sich Giles‘ Vorwürfe anhören und seine Reaktion erleben. „Ich verstehe nicht ganz“, sprach Giles verwirrt. „Du meinst, dieser Traum war gar kein Traum.“ Sarah nickte. „Aber was war es dann?“ Sarah blickte Willow an. Diese nickte ihr aufmunternd zu. „Es war die Realität. Ich haben Ihnen das erzählt was ich erlebt habe; was ich mit eigenen Augen gesehen habe. Sie sagten damals, es sei nicht möglich, das Angel der Dämonendimension entfliehen kann; das überhaupt jemand dieser Dimension entfliehen kann. Sie haben sich getäuscht, Giles. Es ist möglich. Ich weiß es.“ „Was? Woher willst du das wissen?“ fragte Giles. Eine schreckliche Vorahnung machte sich in Giles‘ Körper breit. Er konnte nicht fassen was Sarah da sagte. Es konnte einfach nicht möglich sein. Doch Sarah sah ihm tapfer in die Augen und gestand: „Angel ist wieder da.“ Fassungslosigkeit breitete sich in Giles‘ Gesicht aus. Oz und Xander waren genauso schockiert wie Giles. Sie konnten nicht glauben was Sarah da sagte. „Angel ... ist zurück?“ fragte Giles schließlich leise. Sarah nickte. „Ja, er ist zurück.“ „Wie lange schon?“ Sarah verzog das Gesicht und murmelte: „Einige Wochen schon.“ „Einige Wochen? Sarah, du hast uns die ganze Zeit belogen.“ „Willow wußte es“, verteidigte sich Sarah hastig. Giles blickte das rothaarige Mädchen an. „Stimmt das?“ „Ja“, murmelte Willow. „Das glaube ich ja nicht“, murmelte Giles trocken. „Willow, wie konntest du das tun?“ fragte Giles gekränkt. Er konnte nicht glauben was Sarah da wochenlang vor ihm geheim gehalten hatte. Das sein Schützling ihn belogen hatte war unerträglich für ihn. Er hatte geglaubt das ein inniges Vertrauensverhältnis zwischen Sarah und ihm herrschte. Und jetzt mußte er erkennen das sie ihm doch nicht so sehr vertraute wie er geglaubt hatte. Nun mußte Giles erkennen das Xander mit seiner Behauptung recht gehabt hatte. Wenn es um Angel ging war Sarah blind und konnte nicht mehr rational denken. Er hatte ihr einen unsagbaren Schmerz zugefügt. Und Sarah war einfach bereit Angel alles blind zu verzeihen und zu vergeben. Er war wieder da und das war für Sarah Grund genug um alles, was geschehen war, zu vergessen. „Ich konnte es Ihnen nicht sagen“, sprach Sarah heftig. Sie fühlte sich in die Enge getrieben und hatte das drängende Gefühl sich verteidigen zu müssen. „Angel war völlig verstört. Er war wie ein wildes Tier. Nicht einmal mich hat er am Anfang erkannt. Ich wußte nicht ob er zu sich selbst zurückfinden würde oder nicht. Außerdem hat er Jenny getötet und Sie gefoltert. Wie hätte ich Ihnen da sofort nach seiner Rückkehr die Wahrheit sagen sollen?“ rief Sarah verzweifelt. Giles‘ enttäuschter Blick tat ihr weh. Denn sie wußte, sie war dafür verantwortlich. Für den Schmerz, den Giles im Moment erlebte, war sie allein verantwortlich. Und das tat auch ihr weh. „Du hast einen Killer versteckt“, mischte sich Xander lautstark ein. Er wußte, das er sich auf dünnen Eis bewegte. Aber er konnte seinen Mund einfach nicht halten. Jetzt war ihm auch klar warum Sarah plötzlich so bereitwillig wieder mit ihm sprach. Es lag an Angel. Und es lag daran das Angel wieder da war. Und das mißfiel ihm. „Du bist wohl nicht in der Position mir Vorwürfe zu machen“, konterte die Jägerin. „Er ist kein Killer“, fügte sie schnell hinzu. Diesen Vorwurf, ihr Angel sei ein Killer, würde sie nicht einfach so im Raum stehen lassen. „Für wie lange? Bist du wieder mit ihm schläfst?“ fragte Xander herausfordernd. „Alexander Harris, halte dich da raus. Ich an deiner Stelle würde vorsichtig mit dem sein was du sagst. Du stehst auf sehr dünnen Eis. Außerdem wird es nie mehr so weit kommen. Ich bin mir meiner Verantwortung bewußt. Und Angel ist sich dessen auch bewußt.“ Sarah sah ihren Wächter an. „Giles, sagen Sie doch etwas! Bitte!“ flehte sie. Sie konnte ihrem Wächter ansehen das er vollkommen geschockt war. „Ich weiß nicht was mich mehr enttäuscht“, meinte Giles so ruhig wie möglich. „Die Tatsache, das du mir Angels Rückkehr verschwiegen und mich somit belogen hast oder das du jetzt wieder zu ihm hältst; nach allem was geschehen ist.“ Sarah seufzte leise. „Giles, ich wollte Sie nie belügen, daß müssen Sie mir glauben. Aber ich ahnte wie Sie darauf reagieren würden. Ich konnte mir Ihre Reaktion denken und davor hatte ich Angst. Ich hielt es einfach für besser zu warten bis Angel sich erholt hat.“ Sarah schwieg einen Moment. Im Raum herrschte Stille. „Angel hat schreckliches durchgemacht. Er wurde über Jahrhunderte gefoltert. Angel geht es jetzt wieder besser, falls es jemanden interessiert. Er wird zwar noch einige Tage brauchen bis er wieder vollkommen genesen ist, aber ... im Großen und Ganzen hat er sich ganz gut erholt.“ „Bist du wieder ... mit ihm zusammen?“ fragte Giles mit kühlen Tonfall. Er mußte das einfach wissen. „Nun ... ich ...“ Wie soll ich das nur erklären? fragte sich Sarah. Sie mußte Giles die Wahrheit darüber sagen und das würde sie auch. „Angel und ich brauchen Zeit um uns wieder näher zu kommen“, gestand sie deshalb. Anders konnte sie dieses momentane Verhältnis zu Angel auch nicht erklären. „Aber du würdest wieder gerne“, stellte Giles fest. „Meine Gefühle zu ihm haben sich nicht verändert. Ja, ich liebe ihn noch. Giles, ich weiß das es falsch ist, aber ... ich kann nicht anders. Das zwischen Angel und mir ... diese tiefen Gefühle werden wohl immer da sein. Es wird jedoch nie mehr so weit kommen das Angel seine Seele wieder verliert“, versprach Sarah. „Allerdings ist dir vorzuwerfen das du mich belogen hast“, warf Giles ein. „Sie machen es sich wirklich einfach, Giles“, meinte Sarah scharf. „Sie mußten nicht die Person, die Sie lieben, zur Hölle schicken – und das nur um die Welt zu retten. Ich mußte das tun. Ich mußte das schwerste Opfer meines Lebens bringen um meine Pflicht zu tun. Ich hab mich so schrecklich gefühlt und ich hab so gelitten darunter. Ich dachte, ich hätte Angel für immer verloren. Ich dachte, ich könnte niemals mit der Schuld leben die ich nach meiner Tat empfunden habe. Und dann kehrt er zurück und taucht wieder in meinen Leben auf. Wissen Sie den nicht was das für mich bedeutet? Es geht mir über alles. Nun kann ich wieder glücklich sein“, rief Sarah erregt. Sie begegnete den eisigen Blick ihres Wächters. Sie wußte, das er Angel haßte, aber ... das er keinerlei Verständnis für sie aufbringen konnte – auf irgendeine Art und Weise – verletzte sie. „Ich heiße es trotzdem nicht gut“, sprach Giles ruhig. „Kannst du wirklich gewährleisten das Angel und du ...“ „Ja“, unterbrach Sarah ihren Wächter. „Ich hab es meiner Mom versprochen. Und ich halte die Versprechen, die ich meiner Mom gebe. Angel und mir bleibt nur die Nähe des anderen. Und ob ich wieder eine Beziehung mit ihm eingehe ... tut mir leid, Giles, aber das geht Sie wirklich nichts an.“ „Ich muß dir glauben. Etwas anderes bleibt mir nicht übrig. Ich hoffe nur, du weißt was du tust.“ „Das weiß ich, Giles“, erwiderte Sarah. „Ich wußte, das Sie so reagieren würden. Deshalb hab ich es auch so lange hinaus gezögert Ihnen von Angels Rückkehr zu erzählen“, murmelte Sarah. „Ich kann es dennoch nicht gutheißen. Ich kann nicht für die Anderen sprechen, aber ich für meinen Teil ... will ich nichts mehr mit Angel zu tun haben. Er hat mich gefoltert. Vielleicht kannst du das alles einfach so vergessen ... aber ich kann es nicht, Sarah“, meinte Giles mit starren Blick. „Angelus ist eine ganz andere Persönlichkeit als Angel. Das haben Sie doch selbst gesagt. Und Angel ist noch immer sehr wichtig für mich. Er ist ein wichtiger Teil meines Lebens“, verteidigte Sarah ihren Vampirfreund. Sarah bemerkte auch die starren Mienen ihrer Freunde, daß bezog sich nicht nur auf Giles. Nur ... Willow hielt zu ihr und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln. Damit signalisierte sie ihrer besten Freundin das sich alles wieder einrenken würde. Sie mußte Giles nur etwas Zeit geben um das alles zu verstehen; um zu verstehen wie wichtig Angel für die Jägerin war. Sarah seufzte und drehte sich traurig um. Sie öffnete die Tür und sprach: „Giles, Sie waren nicht Derjenige, der alles verloren hat. Das war ich. Ich hab viel mehr verloren als Sie. Es tut mir leid wenn ich nicht so handle wie ich es als Jägerin tun sollte. Aber ich hab immer zurück gesteckt und vieles für meine Pflicht geopfert. Ich habe den Mann, den ich liebe, für meine Pflicht geopfert. Jetzt handle ich einmal als Mensch, der nur ein bißchen glücklich sein will; der sich nach Glück sehnt. Habe ich den keines verdient?“ Und dann fiel die Tür hinter Sarah ins Schloß. Sie war gegangen. Giles sah ihr nach. Die Stimmung war bedrückt. Sarahs Freunde konnten es nicht glauben: Angel war nach Sunnydale zurück gekommen.
~ 2. ~ Sarah flüchtete zu Angel. Nur bei ihm bekam sie den Trost und die Geborgenheit, die sie sich jetzt wünschte. Bei ihm hatte sie immer das bekommen was sie brauchte. Doch als sie bei Angel ankam schlief dieser noch. Es war noch nicht dunkel und Sarah wollte ihn nicht wecken. Er brauchte die Kraft, die er im Schlaf sammelte. Deshalb weigerte sich Sarah ihn zu wecken; auch wenn es jetzt schön gewesen wäre seinen Trost zu bekommen. Leise zog Sarah ihre Stiefel aus und setzte sich auf das Sofa. Sie zog die Beine an und ließ ihren Kopf auf die Knie sinken. Sarah schloß die Augen und versuchte abzuschalten. Sie versuchte für einen Moment die heftige Diskussion mit ihren Wächter zu vergessen; die Vorwürfe, die er ihr deutlich gemacht hatte – wegen Angels Rückkehr. Wie lange Sarah in dieser Haltung blieb konnte sie später nicht mehr sagen. Eine Hand auf ihrer Schulter holte Sarah aus ihrer Trance. „Sarah, wie lange bist du schon hier?“ fragte Angel als sie den Kopf hob und ihre Augen denen von Angel begegneten. „Keine Ahnung“, sprach Sarah und sie sah das unter dem Vorhang keine kleinen Sonnenstrahlen mehr hervor blinzelten. „Oh ... es ist ja schon dunkel. Ich hab wirklich jegliches Zeitgefühl verloren.“ „Wieso hast du mich nicht geweckt?“ fragte Angel und er setzte sich zu ihr. „Du bist noch nicht ganz gesund, Angel. Du brauchst deinen Schlaf um dich zu erholen und deshalb wollte ich dich nicht stören.“ „Was ist los, Sarah?“ fragte Angel, der sofort merkte das sie ziemlich durch den Wind war. Sie hat mit Giles gesprochen, dachte er. Und dieses Gespräch war offensichtlich nicht sehr gut gelaufen. „Es ist alles so kompliziert, Angel“, meinte Sarah und sie sah ihn an. Angels Arm lag auf der Lehne der Couch. Seine Finger berührten ihr Haar. Zärtlich strich Angel über Sarahs Haar. Sarah schloß die Augen und genoß diese Berührung für einen Moment. Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Angel spürte, das sie seinen Beistand brauchte. Und er wußte – genau wie Sarah – das sie beide Zeit brauchten um sich wieder näher zu kommen. Etwas hatte sich zwischen ihnen verändert. Angel wußte woran das lag. Wir sollten darüber sprechen, dachte Angel besorgt. Sie mußten diese unausgesprochene Sache zwischen ihnen klären. „Erzähl mir was los ist, Sarah“, bat Angel. Sarah hob den Kopf und sah ihm in die Augen. Und er wurde sich der Verantwortung bewußt, die jetzt auf ihnen beiden lag. Nie mehr werde ich zulassen das es so weit kommt. Nie mehr laß ich zu das du noch einmal so verletzt wirst wie ich es getan habe, Sarah, dachte Angel. Bevor das geschah würde er freiwillig den Tod suchen - nur um Sarah zu beschützen. „Ich hab es getan. Ich hab meiner Mom erzählt das du wieder in Sunnydale bist. Inzwischen weiß sie ja das ich die Jägerin bin.“ „Und es tut dir gut das sie es weiß. Die Heimlichtuerei muß nicht mehr sein.“ „Ja, es tut mir gut. Aber ... das ist Schnee von gestern.“ „Okay, wie hat sie die Nachricht meiner Rückkehr aufgenommen?“ „Sie war skeptisch. Aber sie glaubt mir das es zwischen uns nie mehr ... so weit kommen wird.“ „Das wird es nicht“, bestätigte Angel. „Wir wissen nun was passiert“, sprach Sarah. Es klang traurig. Sie würden sich nie mehr so nah sein. Doch wichtig war nur das Angel wieder da war und das es ihm gut ging. Sarah lächelte tapfer. Sie mußte an eine positive Zukunft mit Angel denken. Sie mußte die schlechten Dinge der Vergangenheit vergessen. Sie zählten nicht mehr. „Nach meiner Mom bin ich zu Giles gegangen und hab es ihm erzählt. Er versteht es nicht, Angel.“ Angel zuckte zusammen. Er hatte Giles soviel genommen. Es war schwer mit der Erinnerung daran zu leben. „Sarah, seine Reaktion ist doch verständlich. Immerhin ... er hat viel durch mich verloren.“ „Aber das war nicht dein wahres Ich“, protestierte Sarah. Angel lächelte nachsichtig. „Sarah, ich kann verstehen das du zu mir hältst, aber ... Giles ist dein Wächter. Du müßtest doch Verständnis für seine Reaktion haben.“ Sarah seufzte. „Du hältst zu mir weil da noch Gefühle sind. Und wenn Gefühle im Spiel sind ist es leichter zu verzeihen“, sprach Angel. „Natürlich kann ich Giles irgendwie verstehen. Aber er kennt mich. Und jeder der mich kennt weiß doch was du mir bedeutest.“ „Dann sag mir was ich dir bedeute“, sprach Angel mit einen sinnlichen Lächeln. „Mußt du das wirklich fragen?“ seufzte Sarah. „Es ist viel zwischen uns passiert. Es hat sich etwas verändert. Ich hab dir sehr weh getan. Und ... da ist es doch möglich das deine Gefühle nicht mehr die Gleichen sind; das du nur noch hier bist weil du dich schuldig fühlst.“ „Angel, wie kannst du sowas nur denken?“ protestierte Sarah. „Es liegt im Bereich des Möglichen. Also sag mir wie ist es wirklich wenn ich mich täusche.“ „Du täuscht dich. Du weißt doch das ich dich liebe; das du mein Leben bist, Angel“, gestand Sarah. Angel strich mit dem Finger zärtlich über ihre Wange. „Du bist einfach dazu bereit mir alles zu verzeihen. Woher nimmst du nur diese Kraft und diesen Mut?“ „Diese Kraft nehme ich von dir. Nur du schaffst es mir einen solchen Mut zu geben. Angel, kannst du mir verzeihen? Ich hab dich zur Hölle geschickt und dich somit zu ewigen Leid verdammt. Wie kannst du da noch wollen das ich in deiner Nähe bin?“ Angel lächelte und wischte somit ihre Angst – er könnte sie dafür hassen – einfach beiseite. „Sarah, du weißt doch genau das du mein ein und alles bist. Du weißt doch das du alles bist was ich brauche. Wie kannst du da an meiner Liebe zweifeln?“ Sarah zuckte mit den Schultern. „Wir haben eine harte Zeit hinter uns – wir beide, Sarah. Und wir brauchen Zeit.“ „Denkst du ... wir haben trotzdem noch eine Chance?“ „Ich glaube daran. Wir sind dazu verdammt uns ewig zu lieben.“ Sarah nickte. Sie wußte, das er recht hatte. „Du weißt, jetzt wo wir wissen was passiert, werden wir uns nie mehr so nah sein können.“ „Das ist mir klar, Angel! Aber ich will nicht auf dich verzichten. Es geht nicht. Ich hab dich einmal verloren ... ich will dich nicht wieder verlieren. Das könnte ich nicht verkraften“, gestand Sarah offen. Angel blickte sie ernst an. „Willst du darüber sprechen?“ „Worüber?“ „Ich denke, du weißt worüber.“ Sarah seufzte schwermütig. „Ich ... Angel, ich kann nicht.“ „Doch, du kannst. Wir müssen das aus der Welt räumen. Ansonsten wird es für immer ungesagt bleiben. Sarah, du hattest doch gar keine andere Wahl“, sprach Angel einfühlsam. Sarah sprang auf. „Angel, als ich dich zur Hölle schickte zerbrach etwas in mir. Etwas starb in diesem Moment. Ich habe mich so schuldig gefühlt. Jede Nacht hab ich mich in den Schlaf geweint. Ich konnte nicht mehr richtig schlafen, nicht mehr essen, nicht mehr richtig denken. Es war grausam. Ich konnte einfach nicht vergessen. Ich konnte dich nicht loslassen. Der Schmerz war einfach zu groß. Es tat so weh.“ Sarah sah Angel an. „Und dann diese Schuld, die ich fühlte. Ich wünschte mir damals so sehr mit dir gestorben zu sein. Ich wollte nicht mehr. Und ich wollte auch von meiner Pflicht nichts mehr wissen. Denn wegen meiner Pflicht mußte ich dieses Verbrechen an dir begehen. Ich hatte das Gefühl total allein zu sein. Ich fühlte mich so einsam. Mit deinen Tod zerbrach meine Welt. Für mich hatte alles keinen Sinn mehr und ich haute ab. Ich ließ Sunnydale hinter mir in der Hoffnung so schneller vergessen zu können. Doch ich schaffte es nicht.“ „Ich weiß“, sprach Angel ruhig. „Woher?“ fragte Sarah ungläubig. „Giles hat dir von der Legende erzählt, nehme ich an. Von der Legende, das ein Dämon aus der Hölle mit seiner Liebsten gedanklichen Kontakt aufnehmen kann wenn er sie nur tief genug liebt. Erinnere dich an deinen Traum am Strand. Der Traum, wo ich dir geraten habe zurückzugehen“, sprach Angel. „Das warst wirklich du?“ fragte Sarah überrascht. Angel nickte. „Ja, ich fühlte wie einsam du warst; wie schuldig du dich fühltest. Und ich spürte das du alles hinter dir lassen wolltest. Also riet ich dir zurückzugehen und dich deinem Schmerz zu stellen. Ich wußte, du würdest auf mich hören.“ „Angeber“, kommentierte Sarah, doch sie wurde sofort wieder ernst. „Warum ... warst du dann in meinen Träumen so hart zu mir? So kalt?“ „Nicht jeder Traum und jede Vision stammte von mir. Die Träume, wo wir wieder zusammen und glücklich waren, stammten von mir. Und der Traum in meiner Wohnung.“ „Wo du mich getröstet hast“, stellte Sarah fest. „Ja.“ „Das heißt, die Träume wo du mich verachtet hast ...“ „... Stammten aus deiner Schuld. Du hast dich selbst verurteilt für das was du getan hast. Und deshalb hast du geträumt das ich dich verabscheue.“ „Was ... was ist mit dem Traum wo du ... gefoltert wurdest?“ Angel schloß gequält die Augen. „Es tut mir so leid, Sarah. Ich wollte nicht das du das jemals siehst.“ „Du warst also diese ganze Zeit bei mir? Jedenfalls zum Teil?“ Angel nickte. Aus Sarahs Augen lösten sich stumme Tränen. „Sarah, weine jetzt bloß nicht. Du weißt genau, daß ich das nicht gerne sehe. Ich bin wieder da. Und ist das nicht das Einzige, daß zählt?“ „Natürlich. Du bist wieder da. Nur das ist wichtig, Angel“, flüsterte Sarah. Angel lächelte und strich Sarah die Tränen aus dem Gesicht. Sarah sah zu ihm hoch. Sie mußte ihn fragen. Vielleicht wußte er die Antwort auf die Frage, die sie so beschäftigte. „Wie konntest du zurückkehren, Angel?“ fragte Sarah. „Ich weiß es nicht“, gestand Angel ehrlich. „Aber ... du mußt es doch wissen“, stammelte Sarah verwirrt. Angel schüttelte den Kopf. „Nein, ich weiß es nicht. Ich weiß nur noch ... das sich vor mir plötzlich dieses Tor öffnete und ich hindurch fiel. Und dann stellte ich fest das ich wieder in Sunnydale bin. Ich hab keine Ahnung was oder wer mich zurück geholt hat. Um ehrlich zu sein ... ich will es gar nicht wissen.“ „Du hast recht. Diese Frage quält mich nur umsonst.“ „Vergiß es, Sarah! Ich bin zurück.“ „Angel, wie ... wie konntest du die Folter in der Hölle überstehen?“ fragte Sarah zaghaft nach. Angel seufzte. „Wieso willst du dich damit quälen?“ „Weil ich Antworten auf meine Fragen will.“ „Okay“, sprach Angel. „Aber es wird nicht angenehm für dich.“ „Ich will es hören“, meinte Sarah aufrichtig. „Sarah, als ich meine Seele zurück bekam wußte ich im ersten Moment nicht was geschehen war. Ich sah, daß du verletzt warst und fragte mich woher diese Verletzung kam. In der Hölle erinnerte ich mich an alles was ich getan hatte. Und es tat mir so weh wie nichts zuvor in meinen Leben. Ich fühlte mich so mies und schuldig“, erzählte Angel. „Mir wurde klar warum du mich zu ewigen Leid verdammt hast; warum du dieses Opfer bringen mußtest. Ich war dir nie böse weil du mich zur Hölle geschickt hast. Ich wußte, du hattest einen wichtigen Grund dies zu tun. Als du mir das Schwert in die Brust gerammt hast und ich in die Hölle gezogen wurde, da wußte ich, ich mußte zu dir zurückkommen. Ich klammerte mich an dich; an unsere Liebe und das war der einzige Grund warum ich in der Hölle nicht zusammen gebrochen bin. Ich suchte verzweifelt nach einen Weg zu dir zurückzukommen. Ich wollte zu dir zurück. Ich wußte, das du es tun mußtest; das du keine andere Wahl gehabt hast“, erzählte Angel und er sah Sarah dabei ernst an. „Deshalb konnte ich dir auch nicht verzeihen.“ „Ich verstehe nicht“, murmelte Sarah verwirrt. „Es gab nichts was ich dir verzeihen mußte. Ich wußte, du hattest keine Wahl. Du mußtest es tun. Ich wollte nur zu dir zurück. Und aus diesem Grund ließ die Erinnerung an dich mich auch nicht los. Du kannst mir glauben das es die sprichwörtliche Hölle für mich war. Ich hätte niemals gedacht das solch grausame Schmerzen wirklich existieren.“ Sarah zuckte bei seinen Worten zusammen. Es tat ihr weh das zu hören. Das lag sicher auch daran das sie gesehen hatte was Angel durchgemacht hatte. Dieser Traum – über seine Folter – hatte ihr unendlich zugesetzt. Wenn sie die Augen schloß konnte sie noch immer sehen wie er gefoltert wurde; konnte sie noch immer hören wie er verzweifelt ihren Namen schrie. Es tat ihr so weh. Angel wußte das. Und er würde er niemals die Details erzählen. Die Details würden sie nicht mehr loslassen. Es reichte, wenn sie sich ein ungefährliches Bild von dem machte was ihm widerfahren war. Er wollte nicht das sie tiefer sah. Den Sarah würde dann schwer daran zu knabbern haben was sie sah. Sie würde es nur schwer verkraften können und sich die Schuld für Angels Leid geben. „Weißt du, Sarah, nur meine Liebe zu dir verhinderte das ich aufgab. Ich ertrug alle Schmerzen, die man mir zugefügt hatte, mit soviel Stolz wie ich ihn noch aufbringen konnte. Aber es gab einen Schmerz, der mich verzweifeln ließ. Der Schmerz von dir getrennt zu sein und mit dem klarkommen zu müssen was ich dir angetan habe. Irgendwann gelang es mir dir den Traum mit dem Strand zu schicken. Wie du flüchtete ich mich in einer ruhigen Sekunde in meine Träume“, sprach Angel. Aufmerksam hörte Sarah ihm zu. „Und in meinen Träumen spürte ich deine Verzweiflung; deine Einsamkeit. Ich spürte in meiner Seele wie du gelitten hast. Dein Schmerz, deine Tränen, sie waren überdeutlich für mich. Und ich litt mit dir, Sarah. Alleine deswegen wollte ich zurück. Ich sehnte mich so sehr nach dir. Ich wollte nicht das du traurig bist; das du so weinst. Das war nicht die Sarah in die ich mich verliebt hatte. Selbst in der grausamsten Stunde war ich dir nicht böse; selbst da haßte ich dich nicht, daß kannst du mir glauben, Sarah. Du warst das Einzige, das mich dort am Leben erhielt.“ Angel ließ seine Worte ausklingen; gab Sarah Zeit ihre Bedeutung zu verstehen. „Ich suchte nach einen Weg nach Sunnydale zurück zu kommen. Doch es war ein schier unmögliches Unterfangen. Man hat mich davor gewarnt mit dem Feuer zu spielen. Ansonsten würde ich eine grausame Strafe erwarten. Doch das war mir egal. Ich wollte zu dir zurück und ich war bereit alles dafür auf mich zu nehmen. Man sagte mir, daß alles anders sein würde ... sollte ich es wirklich schaffen zu fliehen. Man warnte mich vor Konsequenzen.“ „Welche Konsequenzen?“ fragte Sarah verwundert. „Ich war wirklich schon soweit die Hoffnung aufzugeben dich jemals wiederzusehen. Doch dann öffnete sich direkt vor meinen Augen dieses Tor und der Strudel brachte mich hierher zurück. Doch hier wurde mir plötzlich klar das ich diese Zeit in der Hölle nicht einfach so hinter mir lassen konnte. Ich konnte nicht vergessen was ich durchgemacht hatte. Du fandest mich als verstörtes, wildes Tier vor. Die Qual über meine Zeit in der Hölle war stärker als mein Wille zu mir selbst zu finden. Ich sah dich, ich hörte dich – ja, ich wußte wer du warst – doch ich kam einfach nicht zu dir durch. Ich schaffte es nicht meine eigenen seelischen Schmerzen zu überwinden und deshalb warst du auf einmal nicht mehr als eine Fremde für mich. Und mir wurde klar das dies die Konsequenzen waren vor denen man mich gewarnt hatte.“ „Verstehe“, murmelte Sarah. „Doch du wußtest wer ich war?“ erkundigte sie sich. „Ja, tief in mir wußte ich es. Da war das Feuer meiner Liebe noch nicht erloschen. Doch die Qualen waren stärker als das. Und so hattest du den Anschein, das ich dich nicht mehr kannte. Ich mußte das Tier in mir besiegen oder du wärst verloren gewesen.“ „Doch wie konntest du das plötzlich schaffen? Woher wußtest du, daß ich in Gefahr bin?“ fragte Sarah irritiert. „Ich spürte es. Ich spürte, du warst in Gefahr. Und ich wußte augenblicklich das ich keine Wahl hatte. Ich mußte mich zusammen reißen; die Qualen hinter mir lassen um dich zu retten. Ich kämpfte gegen mich selbst und ich siegte. Ich ließ die Wildheit hinter mir und riß mich los.“ „Aber wie ...“, stammelte Sarah. „Ich fühlte, daß du in großer Gefahr warst. Also mußte ich über das hinwegkommen was geschehen war. Und ich tat es. Ich konnte nicht zulassen das dir etwas passiert.“ „Wie hast du mich gefunden? Woher wußtest du wo ich bin?“ „Ich hab einmal gesagt, ich werde dich finden - egal wo du bist. Es ist nicht wichtig wie ich dich fand. Ich sah in welchem Bedrängnis du warst und ich wurde rasend vor Wut.“ „Das habe ich gesehen“, sprach Sarah. „Ich konnte doch nicht zulassen das mir dieser Kerl das Wichtigste in meinen Leben nimmt.“ „Und was ist das?“ fragte Sarah unschuldig, obwohl sie die Antwort schon kannte. „Das bist du, Sarah. Ich laß nicht zu das dir jemand weh tut. Und wenn es doch jemand tut hat er mit meinen Zorn zu rechnen. Doch es gab ein Wesen vor dem konnte ich dich nicht beschützen.“ „Du meinst dein altes Ich?“ „Der Dämon in mir“, sprach Angel betrübt. „Ich konnte dich nicht vor mir selbst schützen. Es tut mir so leid, Sarah. Ich hab dir so sehr weh getan; hab dir soviel Kummer bereitet und du ... du hältst trotzdem zu mir.“ Sarah schenkte ihm ein warmes, liebevolles Lächeln. Sie war einfach zu glücklich um noch etwas sagen zu können; um das, was sie momentan fühlte, in Worte fassen zu können. Sarah und Angel sahen sich an. „Sarah, gib dir nicht die Schuld an dem was passiert ist. Du bist die Jägerin. Du hattest einfach keine andere Wahl. Das verstehe ich.“ „Und was passiert jetzt mit uns?“ fragte Sarah. „Wir werden einen Weg finden zusammen zu bleiben. Wir gehören zusammen, Sarah.“ „Ich weiß. Aber ... Angel, willst du mich wirklich noch?“ fragte Sarah zweifelnd. „Sarah, ich liebe doch noch immer. Ich hab nie damit aufgehört. Noch nie liebte ich jemanden so sehr wie dich. Und genau aus diesem Grund ist unsere Liebe so tragisch. Aber daran sollten wir nicht denken. Wir sind wieder vereint und das sollte das Einzige sein, daß für uns von Bedeutung ist. Wir brauchen aber auch Zeit um uns wieder näher zu kommen.“ „Ich weiß. Du hast ja so recht, Angel. Ich hab versucht ohne dich zu leben. Aber es war so schwer. Ich weiß nun das ich für mein Glück nur dich brauche.“ Angel lächelte sie zärtlich an und seine Lippen streiften hauchzart ihre Stirn. Sarah blickte auf ihre Hand. Der Ring war weg. Er war verschwunden. Sie seufzte schwermütig. „Sarah, woran denkst du?“ „Ich hab ... deinen Claddagh-Ring hier abgelegt um dich endlich loszulassen. Ich dachte, es wäre besser so. Aber der Ring ist jetzt weg. Ich hab ihn verloren. Ich dachte wirklich wenn ich von dir Abschied nehme und den Ring hier ablege wird es leichter für mich.“ „Der Ring ist nicht weg“, fiel Angel ihr ins Wort und holte den Ring aus seiner Hosentasche heraus. Es war der Ring, den er Sarah einst geschenkt hatte. Sarah starrte darauf. „Woher ... woher hast du den?“ Angel streifte ihr den Ring erneut wieder so über den Finger, das jeder wußte, dieses Mädchen gehörte schon zu jemanden. Er tat es so wie es in seiner Heimat Brauch war. „Ich fand ihn hier am Boden. Ich wußte, der Tag würde kommen an dem ich ihn dir wieder geben kann.“ „Oh Angel“, sprach Sarah gerührt. „Trägst du deinen Ring noch?“ fragte sie leise. Angel nickte und zeigte ihr seine Hand. Da glitzerte der silberne Ring wie es sich gehörte. „Ich gehöre noch immer zu dir. Und das wird sich nie ändern.“ Sarah lächelte. „Ich dachte wirklich, ich hätte dich für immer verloren. Es ist ... wie ein Traum“, sprach Sarah und sie sah in Angels dunkle Augen. „Dann träumen wir diesen Traum gemeinsam“, schlug Angel vor. „Doch ich verspreche dir ... ich werde dich nie mehr verlassen.“ Sarah strahlte ihn glücklich an. Er liebte sie noch immer und er war weiter für sie da. Das war das Schönste was es für sie gab. Nun würde sie nichts mehr von Angel trennen können. „Ich liebe dich, Angel“, flüsterte sie. „Ich liebe dich auch.“ Und ihre Wiedervereinigung besiegelten sie mit einen zärtlichen Kuss. Es war ein Versprechen Angels. Nie mehr würde er gehen. Er würde bei ihr bleiben. Sie waren wieder vereint, doch ihre Liebe war nach wie vor tragisch. Daran dachten sie jedoch nicht mehr. Angel war wieder gesund und ihre Liebe war nicht erloschen. Im Gegenteil: Sie schien stärker geworden zu sein. Doch in den nächsten Wochen würde eine sehr schwere Zeit auf die beiden Liebenden zukommen. Es gab neue Feinde, die es zu besiegen galt ...
~ 3. ~ Giles hatte ein neues Quartier gefunden. Es ging ihm auf die Nerven das die Gang immer nur in seinen Haus herumhing. Er wollte ein wenig Ruhe von ihnen - wenn es möglich war. Deshalb hatte er den Zauberladen in der Stadt übernommen. Der letzte Besitzer war getötet worden und Giles hatte gesehen das dieser Laden tatsächlich viel Gewinn abwarf. Er hatte ihn gekauft und gemeinsam mit Xander und Oz neu renoviert. Im hinteren Bereich des Lagers hatte er einen Trainingsraum für Sarah eingerichtet, obwohl es noch immer diese Spannungen zwischen ihnen gab. Giles konnte sich nur schwer damit abfinden das Angel wieder da war und Sarah erneut zu ihm hielt. Angel war wieder völlig gesund und wieder bei vollen Kräften. Er hatte sich endlich von seinen Qualen erholt. Und darüber war Sarah sehr froh. An der Tür der Summers klingelte es als Sarah die Treppe hinunterlief. „Ich geh schon, Mom“, rief Sarah und riß im selben Moment die Tür auf. Mit einen strahlenden Lächeln begrüßte sie Angel. „Komme ich zu spät?“ fragte er. „Nein, du bist doch immer pünktlich, Angel.“ Unbewegt stand Angel vor der Tür. Wissend sah er Sarah an. „Oh ja ... wir haben die Einladung ja rückgängig gemacht“, sprach Sarah. Sie würde ihn gerne einladen, aber das Haus gehörte ihrer Mom. Sie konnte das nicht mehr einfach so entscheiden. Ihre Mutter wußte jetzt über alles Bescheid und ob sie Angel wirklich ins Haus lassen würde? Darüber konnte sich Sarah keine Gedanken mehr machen denn Joyce kam aus der Küche um nachzusehen wer da gekommen war. Mit ernster Miene sah sie Angel an. Sie mußte sich wohl daran gewöhnen das sich Sarah wieder mit dem Vampir traf. Sarah warf ihrer Mutter einen flehenden Blick zu. „Mom, darf er reinkommen?“ Joyce seufzte. „Ja, natürlich.“ „Danke, Mom“, sprach Sarah und sie sah Angel an. „Komm rein, Angel.“ Die unsichtbare Mauer schien zu verschwinden und Angel betrat das Haus. Sarah schloß die Tür hinter ihm. „Guten Abend, Mrs. Summers.“ „Guten Abend, Angel“, erwiderte Joyce den Gruß etwas distanziert. Sarah mußte schmunzeln. Angel war wohl der höflichste Vampir, den es überhaupt gab. „Wir können gleich gehen. Ich hole nur schnell meinen Jagdbeutel“, sprach Sarah und sie lief die Treppe hinauf. Joyce sah Angel an. „Nun ... Sarah erzählte mir, daß es Ihnen wieder besser geht.“ Angel nickte. „Ja, ich hab mich erholt.“ „Angel, hören Sie, ich denke Sie wissen das ich es nicht sehr billige das Sie sich wieder mit meiner Tochter treffen. Aber ich weiß wieviel es Sarah bedeutet Sie wieder in ihrem Leben zu haben. Ich hoffe allerdings, das Sie diesmal wissen wie weit Sie gehen können.“ „Das weiß ich. Ich würde lieber sterben als das ich Sarah noch einmal einen solchen Schmerz zufüge, daß können Sie mir glauben.“ Joyce nickte und sie glaubte ihm. Man konnte Angel ansehen wie sehr er Sarah liebte. Bevor sie noch etwas sagen konnte kam Sarah die Treppe herunter. „Bis morgen dann, Mom.“ „Paß auf dich auf“, sprach Joyce und küßte ihre Tochter auf die Wange. „Ich hab ja Angel bei mir. Da kann mir gar nichts passieren. Ich hab den besten Bodyguard, den es gibt“, meinte Sarah und verließ mit Angel das Haus. „Deine Mutter ist sehr skeptisch“, bemerkte Angel. „Ich hab dich vorgewarnt das es nicht einfach werden wird. Angel, bevor wir auf Patrouille gehen müssen wir in die Stadt“, begann Sarah zögernd. „Wieso?“ „Ich muß noch zu Giles. Er sagte mir, daß ich bei ihm vorbeischauen muß. Und da wir die Bibliothek verlassen mußten ... hat Giles jetzt einen neuen Belagerungsort gefunden. Giles hat den Zauberladen gekauft und übernommen. Er heißt jetzt Magic Box und Giles ist der Besitzer.“ Angel zuckte fast unmerklich zusammen. Die Erwähnung von Giles schmerzte ihn. Seit er Giles gefoltert hatte war er ihm nicht mehr begegnet. Er fühlte sich so schuldig. Er hatte Giles soviel genommen. Und das hatte der Wächter weder vergessen noch verziehen. „Dann ist es besser wenn du allein gehst. Wir können uns nachher am Friedhof treffen. Ich werde dort auf dich warten.“ Sarah hatte das erwartet und hinderte Angel daran einfach zu verschwinden. Das tat er gelegentlich ja mal gerne. Sie hielt ihn am Arm fest. „Du kommst mit“, beschloß Sarah einfach. „Sarah, ich halte das für keine gute Idee“, erwiderte Angel. „Ich schon. Du gehörst zu meinen Leben, Angel. Daran müssen sich die Anderen gewöhnen. Nun sei kein Feigling, Angel. Irgendwann wirst du dich den anderen stellen müssen. Du wirst dich dem stellen müssen was mit ihnen passiert ist. So wie ich den Mut gefunden habe – durch dich – zurück zu kommen, mußt du Giles und den anderen auch einmal gegenübertreten.“ „Von wem hast du das denn?“ „Von dir. Vielleicht solltest du mit deinen gutgemeinten Ratschlägen etwas hinterm Berg halten. Du weißt doch, ich höre auf dich.“ Angel lächelte und gab nach. Sarah nahm sich die Ratschläge, die er ihr gab, wirklich zu Herzen. Es war klar das sie eines Tages seine eigenen Ratschläge gegen ihn benutzen würde. Schließlich standen sie vor der Tür zum Zauberladen. Sarah lächelte Angel aufmunternd zu und stieß die Tür auf. Die Glocke über der Tür klingelte und signalisierte Giles, daß ein neuer Kunde gekommen war. „Hi Leute“, rief Sarah gut gelaunt. Ihre Freunde saßen am großen Tisch und tranken Kaffee, so wie es aussah. „Giles, sie ist da“, rief Xander. Im selben Moment fiel ihm jedoch der Kinnladen hinunter. Fassungslos starrte er auf Angel. Es stimmte wirklich: Der Kerl war wieder da. „Mit Begleitung“, flüsterte Xander schockiert. Xanders Reaktion hatte Sarah schon erwartet. Seine Reserviertheit war keine Überraschung. Damit hatte Sarah gerechnet. Oz verhielt sich auch jetzt nicht anders als sonst. Er war vollkommen still und nickte nur um Angels Anwesenheit zu kommentieren. Willow entkam ein Lächeln. Sie sah Sarah an und wußte, die Jägerin war wieder glücklich. „Angel, es ist schön zu sehen das es dir wieder besser geht“, meinte Willow. „Willkommen zurück“, sprach sie. „Danke, Willow“, erwiderte Angel verblüfft. Er blickte Sarah an. Sie lächelte ihn an und zuckte mit den Schultern. „Sarah, gut das du ...“, rief Giles von hinten und er kam aus ihrem Trainingsraum. Die Stimme blieb ihm regelrecht im Hals stecken als er Angel erblickte. Jetzt wird es ungemütlich, dachte Sarah besorgt. Der Blick des Wächters verfinsterte sich und seine Ablehnung Angel gegenüber war sofort deutlich zu sehen. „Was macht er hier?“ fragte Giles eisig. „Giles“, seufzte Sarah. „Sie haben mich herbestellt. Und da Angel mich auf meiner Patrouille wieder begleitet hab ich ihn mitgenommen. Außerdem muß er doch wissen wo ich bin wenn er mich mal nicht findet und etwas wichtiges passiert.“ „Sarah, manchmal hast du das Taktgefühl eines Elefanten im Porzellanladen“, kommentierte Xander. Wütend funkelten die Augen der Jägerin den Jungen an. Xander verstand den Blick und hielt den Mund. „Ich warte draußen auf dich. Ich will nicht das du meinetwegen mit deinen Freunden streitest“, sprach Angel und er hatte sich schon umgedreht. „Angel, du bleibst hier“, befahl Sarah und sie hielt ihn am Arm fest. „Du bleibst“, entschied sie einfach über seinen Kopf hinweg. Sarah sah ihren Wächter an. „Giles, ich kann Angel doch nicht immer draußen warten lassen wenn wir etwas zu besprechen haben. Er gehört zu meinen Leben. Bitte akzeptieren Sie das“, sprach Sarah. „Also, was wollten Sie mit mir besprechen?“ wechselte die Jägerin das Thema damit Angel diesen derartigen Hass nicht länger ausgesetzt war. Sie sah ihm an das er sich sehr unwohl fühlte. Angel ließ seine Augen über die Regale gleiten. Sarah konnte spüren, daß er sich wünschte so schnell wie möglich aus dem Laden zu kommen. Deshalb beeilte sich Sarah. „Nun ... es ist anzunehmen das heute Nacht zwei neue Vampire aus ihren Gräbern steigen werden. Sie heißen Chris Harting und Mona Lee. Sie waren beide blutleer und hatten Bißwunden am Hals.“ „Verstehe. Angel und ich werden uns darum kümmern. Ist das alles?“ „Ja.“ „Okay, dann bin ich jetzt weg“, meinte Sarah und sie schob Angel Richtung Tür. Er war sehr froh darüber das sie endlich den Zauberladen verließen. Die Gräber lagen nebeneinander. Angel und die Jägerin saßen den Gräbern gegenüber – auf einer niederen Mauer und beobachteten die Gräber. Es herrschte Schweigen zwischen ihnen. Angel war – seit sie Giles‘ Laden verlassen hatten – total in sich gekehrt und hatte kein einziges Wort gesagt. Die Stille am Friedhof war richtig unheimlich. Doch Sarah hatte sich schon längst daran gewöhnt. Schließlich war es auch Sarah, die das Schweigen brach. „Es tut mir leid, Angel.“ „Was tut dir leid?“ fragte er. „Das Giles so abweisend zu dir war; das er dir mit einen derartigen Hass begegnet ist.“ „Es ist verständlich“, murmelte Angel. „Trotzdem hätte er nicht so reagieren dürfen. Wenn ich dir verziehen habe wird er das wohl auch können.“ „Jetzt redest du Unsinn, Sarah. Du liebst mich. Und wenn man liebt kann man leichter verzeihen. Die Sache mit Giles ist anders. Ich bezweifle, daß er genauso fühlt wie du.“ „Wirklich sehr komisch“, kommentierte Sarah. „Weißt du, Angel, du hast echt einen schwarzen Humor. Vorausgesetzt, er kommt mal durch; was bei dir sehr selten ist.“ „Was heißt das denn?“ fragte Angel. „Das du ... nicht gerade der humorvollste Typ auf Erden bist.“ „Herzlichen Dank.“ „Aber mich stört das nicht“, sprach Sarah versöhnlich. „Ich bin glücklich wenn ich nur in deiner Nähe sein kann.“ Angel lächelte und legte seinen Arm um Sarah. „Ich bin auch froh in deiner Nähe sein zu dürfen.“ „Ich finde es trotzdem sehr schade das Giles so abweisend zu dir ist.“ „Gib ihm Zeit, Sarah. Er braucht jetzt Zeit um sich zu beruhigen. Er hat schlimmes durchgemacht.“ „Und ich? Ich hab doch mehr gelitten wie er“, sprach Sarah. Angel schüttelte langsam den Kopf. „Das würde ich nicht sagen. Einen geliebten Menschen zu verlieren tut immer weh. Versuch ihn doch zu verstehen. Ihr habt beide einen großen Schmerz verspürt. Doch jeder auf seine eigene Art und Weise – und anders. Erkläre Giles doch einfach warum dir unser Zusammensein so wichtig ist. Dann versteht er dich vielleicht leichter. Tue es sachlich und ernst. Es nützt weder dir noch ihm etwas wenn ihr euch gegenseitig anschreit. Giles wird es helfen, glaub mir. Vergiß niemals was er durch mich verloren hat. Er hat genauso gelitten wie du.“ „Das war Angelus, der ihm das angetan hat und nicht du.“ „Sarah, tue es! Rede mit ihm. Versprich mir, daß du es so schnell wie möglich tust.“ „Ich verspreche es dir“, sprach Sarah. Angels Blick glitt zu den Gräber. „Wir kriegen Besuch. Unsere Freunde scheinen es nicht mehr so bequem in ihren Särgen zu finden“, sprach Angel und er glitt von der Mauer. Sarah verstand die Worte und glitt ebenfalls von der Mauer. Sie öffnete ihren Jagdbeutel. „Bist du sicher, daß du für einen Kampf schon fit genug bist?“ erkundigte sich Sarah besorgt. „Natürlich, Sarah. Ich hatte lang genug Zeit mich zu erholen. Es geht mir wirklich wieder gut. Außerdem hatte ich eine gute Pflegerin, die sich um mich gekümmert hat.“ „Oh nein“, widersprach Sarah. „Das bin ich ganz und gar nicht.“ „Sarah, eines möchte ich gerne von dir wissen.“ „Und was?“ fragte Sarah als sie Angel einen Holzpflock reichte und sich ebenfalls einen aus dem Jagdbeutel holte. „In jener Nacht – als ich wieder zu mir selbst fand und dich bat bei mir zu bleiben – wieso hast du über mich gewacht ohne selbst zu schlafen?“ Sarah lächelte. „Weil du mich darum gebeten hast und ich gerne etwas für dich tue.“ „Sei ehrlich: Für wen hast du es getan? Für dich oder für mich?“ „Für uns beide“, antwortete Sarah ihm ehrlich. Ihr Blick glitt zu den Gräbern. Die beiden Jugendlichen hatten sich ausgegraben. Sarah und Angel sahen sich an und wortlos wußten sie beide wie sie vorgehen würden. Angel kümmerte sich um den Vampir während sich Sarah mit dessen Freundin beschäftigte. „Wer bist du den?“ fauchte die Vampirin als sich Sarah breitbeinig vor sie hinstellte und ihr somit den Weg versperrte das nächtliche Sunnydale unsicher zu machen. „Ich bin Sarah, die Jägerin. Und, um ehrlich zu sein, bin ich noch am Leben. Was man von dir nicht unbedingt behaupten kann.“ „Was zum Henker ist eine Jägerin?“ fauchte die Vampirin. Sarah lächelte nachsichtig. „Ich mach euch Untoten das Leben schwer indem ich euch zu Staub verwandle. Warte, ich zeige es dir“, erwiderte die Jägerin und trat der Vampirin hart ins Gesicht. Die Vampirin stolperte und knurrte wütend. Sie fuhr ihre Krallen aus und stürzte sich auf Sarah. Doch Sarah hatte das erwartet und wich einfach aus. Sie täuschte einen Angriff von links vor, kam jedoch in Wirklichkeit von rechts. Sarahs Blick glitt kurz zu Angel. Sie mußte sich einfach vergewissern das er klar kam und sich wirklich erholt hatte. Doch ihre Sorgen waren unbegründet. Angel kam ganz gut alleine klar und er hatte auch keine Schwierigkeiten. Er trat dem Vampir in den Magen und warf ihn gegen einen Grabstein. Der Vampir prallte hart dagegen und fiel zu Boden. Wütend knurrte er Angel an und rappelte sich hoch um sich auf Angel zu stürzen. Angel streckte einfach die Hand aus und der Vampir lief genau in die Spitze hinein. Die Spitze bohrte sich in das untote Herz und der Vampir zerfiel zu einen Ascheregen, der sich teilweise auf Angel ausbreitete. Seufzend klopfte sich Angel den Staub von der Jacke. „Das war mein Freund“, rief die Vampirin entrüstet. „Ach, du sehnst dich nach ihm?“ spottete Sarah. „Da kann ich nachhelfen. Ich schicke dich sofort zu ihm.“ Sie schlug der Vampirin hart ins Gesicht und trieb ihr den Holzpflock ins Herz. Die Vampirin stöhnte kurz auf und wurde zu einen Häufchen Staub. „Alles okay, Angel?“ fragte Sarah. Er lächelte sie zärtlich an. „Du brauchst dir keine Sorgen um mich machen. Es geht mir wirklich gut.“ „Ich werde mir immer Sorgen um dich machen.“ „Das beruht auf Gegenseitigkeit“, erklärte Angel ihr. Gemeinsam gingen sie die übliche Route von Sarah ab und vernichteten in dieser Nacht noch drei nicht all zu kluge Vampire. Alles in allem war es aber ziemlich ruhig in Sunnydale und nichts besonderes geschah mehr. Ihre Wege trennten sich am alten Autokino. Angel mußte dort abbiegen um zur Hauptmann Gruft zu kommen. Die Sonne ging bald auf und Sarah brauchte auch noch ein paar Stunden Schlaf. Sarah konnte mit einen glücklichen Lächeln auf den Lippen einschlafen. Ihr Leben verlief wieder so wie sie sich das gewünscht hatte. Am nächsten Morgen traf Sarah ihre Freunde in Giles‘ Laden. „Die beiden Vampire sind erledigt“, meinte Sarah als Begrüßung. „Das ist gut“, murmelte Giles nur. Sarah sah ihre Freunde an. „Leute, könntet ihr mich bitte mit Giles allein lassen? Ich muß etwas mit ihm besprechen. Etwas privates“, sprach sie. „Klar“, meinte Willow. Gemeinsam mit Xander und Oz ging sie zur Tür. „Ich warte vor der Tür auf dich damit wir zum College gehen können. Vergiß nicht, unser Unterricht fängt bald an.“ „Es dauert nicht lange“, versprach Sarah ihrer besten Freundin. Dann war Sarah mit ihrem Wächter allein. „Giles, können wir reden?“ fragte sie. „Worüber?“ „Über Angel.“ „Du kennst meine Sicht der Dinge“, sprach Giles abweisend. Sarah seufzte und stellte ihre Tasche auf dem Tisch ab. Sie kam an den Tresen und blickte Giles an. „Giles, ich mag es nicht wenn Sie sauer auf mich sind. Hören Sie, ich werde niemals vergessen das er Jenny getötet und Sie gefoltert hat. Aber das war Angelus. Und Sie wissen doch selbst das Angelus eine andere Persönlichkeit als Angel ist. Angel selbst kann doch keiner Fliege was zuleide tun.“ Giles blieb nichts anderes übrig als Sarah zuzuhören. Er hob den Blick und sah Sarah an. „Ich bin gern mit Angel zusammen. Aber jedesmal, wenn ich mit Angel zusammen bin, bekomme ich ein schlechtes Gewissen.“ „Warum?“ fragte Giles verwirrt. „Wegen Ihnen. Weil mir dann jedesmal bewußt wird das Sie ein solches Glück mit Jenny nicht mehr erleben können. Ich weiß, daß Sie Jenny vermissen. Auch wenn Sie nicht darüber reden, ich weiß es, Giles. Und ich würde Ihnen diesen schmerzlichen Verlust gern ersparen. Aber ich kann es nicht. Ich kann nicht rückgängig machen was geschehen ist. Ich weiß, was Sie durchmachen. Ich hab genauso gelitten wie Sie. Vielleicht ist es nicht fair das ich Angel zurück bekommen habe und Sie von Jenny für immer getrennt sind. Aber dafür können Sie weder Angel noch mir die Schuld geben“, sprach Sarah ruhig, aber entschlossen. Sie hoffte, daß Angel recht hatte und Giles einfach Zeit brauchte. Sie hoffte, daß dieses Gespräch Giles half besser mit dem Verlust fertig zu werden. „Ich verlange doch nicht von Ihnen das Angel und Sie die besten Freunde werden. Das waren Sie früher auch nicht. Ich will nur das Sie versuchen mich zu verstehen. Und das Sie versuchen Angel als das zu akzeptieren was er für mich ist: Mein Freund. Ich will nicht das Sie leiden, Giles. Oder das Sie mich wegen meines Handelns verabscheuen.“ „Sarah, das tue ich nicht“, widersprach Giles. „Es ist nur schwer wieder zu Angel Vertrauen zu fassen. Nach allem was er getan hat ist es für mich sehr schwer seine Anwesenheit überhaupt zu akzeptieren. Du liebst ihn. Dadurch bist du bereit ihm alles zu verzeihen; dadurch kannst du ihm leichter verzeihen. Bei mir ist das was anderes.“ „Das weiß ich“, sprach Sarah einfühlsam. „Giles, bitte geben Sie sich einen Ruck und versuchen Sie es zu akzeptieren. Ich weiß, daß Sie Zeit brauchen um wieder einigermaßen normal mit Angel umgehen zu können. Und das verstehe ich. Aber ich möchte Angel nicht aus meinen Leben ausschließen. Ich möchte ihn hierher mitbringen wenn es etwas zu besprechen gibt. Und ich möchte hinten gern mit ihm trainieren können“, teilte Sarah ihrem Wächter ihre Ansichten mit und sie machte eine kurze Pause. „Angel kann uns wieder helfen – so wie früher. Doch ich kann ihn nicht mitbringen wenn ich weiß, daß er unerwünscht ist. Er spürt diese Abneigung doch auch. Und mir tut es mehr weh als ihm. Er nimmt es hin und akzeptiert es einfach. Aber nicht ich. Ich rege mich darüber auf; ich zeige das es mir weh tut.“ Giles blickte Sarah lange an und lächelte leicht. In diesem Moment war er ungeheuer stolz auf sie. Sarah war wirklich reifer und erwachsener geworden. Und Giles sah ein, daß es Sarah sehr wichtig war das er sich irgendwie mit Angel arrangierte. Er gab nach. „Nun ... Angel kann kommen wann immer er will. Ich sehe ein, daß Angel mit dir besser trainieren kann als ich. Er fordert dich im Training mehr als ich. Du kannst deshalb gerne mit ihm hier trainieren. Doch es wird seine Zeit dauern bis ich wieder sowas wie Vertrauen zu Angel habe“, sprach der Wächter ernst. „Das ist mir klar, Giles. Danke“, lächelte Sarah und sie griff nach ihrer Tasche und machte sich auf den Weg zur Tür. „Sarah, woher kommt plötzlich der Mut zu einem solchen Gespräch?“ fragte Giles hinter ihr. Sarah drehte sich zu ihm um und lächelte geheimnisvoll. „Angel hat mir dazu geraten“, sprach sie und ließ Giles allein. Willow und Xander warteten gemeinsam mit Oz vor dem Laden. Willow blickte unruhig auf die Uhr. Der Zeiger kam der acht gefährlich nahe. Sie würden noch zu spät kommen wenn Sarah sich nicht beeilte und das machte Willow Sorgen. Willow mochte es nicht zu spät zu kommen. „Wir schaffen das schon noch rechtzeitig“, sprach Sarah beruhigend als sie aus dem Laden kam. „Was hast du ihm gesagt?“ fragte Willow. „Wir haben über Angel gesprochen. Giles scheint es zu akzeptieren.“ „Und mich fragt keiner um meine Meinung“, murmelte Xander. „Deine ist nicht wichtig weil wir sie alle kennen, Xander“, erwiderte Sarah und sie machte sich mit Willow und Oz auf den Weg zur Universität.
~ 4. ~ Angel und Sarah hatten sich in der Magic Box in den Trainingsraum zurück gezogen. „Wow, ich bin wirklich beeindruckt“, sprach Angel. „Toll, nicht wahr?“ Sarah zog ihre Turnschuhe an und ging auf die große blaue Matte, die am Boden lag. „Komm schon, Angel! Hier zu trainieren ist super.“ Angel kam zu ihr auf die Matte. Und die Beiden fingen einen erbitterten Kampf an, der nur so aussah als wäre er real. Sarah und Angel hörten nicht wie Willow nach hinten kam. „Hi Leute!“ rief sie fröhlich. Sarah war für einen kurzen Augenblick abgelenkt und drehte sich um. Deshalb konnte sie Angels Schlag auch nicht mehr ausweichen. Der Schlag traf sie hart im Gesicht und beförderte sie zu Boden. „Oh Mann! Das habe ich jetzt davon“, murmelte Sarah und sie sah zur Decke hoch. „Oh ... das wollte ich nicht“, murmelte Willow zähneknirschend. Angel kniete sich neben Sarah. „Ist alles okay?“ fragte er besorgt. „Klar. Ich werde es überleben. Hoffentlich hast du mir kein blaues Auge geschlagen. Das ist nämlich ein modischer Fehlschlag“, witzelte Sarah. Sarah sah zu Willow. Angel strich Sarah eine Haarsträhne hinters Ohr. „Willow, du hast mich gerettet“, rief Sarah fröhlich.“ „Wieso?“ fragte das rothaarige Mädchen verwirrt. Sarah lachte leise. „Angel treibt mich ganz schön durch die Gegend – als wäre ich ein Huhn.“ „Es tut dir gut wenn du gefordert wirst“, widersprach Angel. „Dadurch bist du besser vorbereitet.“ „Auf was den vorbereitet? Angel, falls du es noch nicht bemerkt hast in letzer Zeit war tote Hose. Null Vampire, null Kampf.“ „Das kann sich sehr schnell ändern wie du weißt“, sprach Angel und er zog Sarah mit auf die Beine als er aufstand. „Du mußt immer auf alles vorbereitet sein.“ „Ich weiß“, seufzte Sarah und sie wandte sich Willow zu. „Willow, was führt Oz und dich hierher?“ „Ich dachte, wir könnten heute Abend alle ins Bronze gehen. Wir waren schon lange nicht mehr dort.“ „Du hast recht“, kommentierte Sarah. „Ich würde gern mal wieder tanzen gehen.“ Sarah blickte Angel erwartungsvoll an. Angel ahnte was sie von ihm wollte. „Geh nur.“ „Oh nein! Du mußt mitkommen, Angel“, mischte sich Willow ein. „Hörst du? Willow hat recht. Du mußt mitkommen“, lächelte Sarah. „Deine Freunde werden dort sein, Sarah. Und ...“ „Du mußt wieder unter Leute. Bitte, Angel“, bettelte Sarah. „Nein, besser nicht“, winkte Angel ab. Sarah stöhnte. Manchmal war Angel so stur wie ein Esel. Sarah zuckte mit den Schultern. „Wie kann ich dich überreden mitzukommen, Angel?“ „Gar nicht. Geh ohne mich, Sarah.“ „Ich will aber nicht ohne dich gehen. Du gehörst dazu. Ohne dich macht es doch keinen Spaß.“ Angel schüttelte dennoch verneinend den Kopf. Also entschied sich Sarah etwas spontanes zu tun um Angel zu überzeugen. Sarah sprang hoch und umschlang Angels Hüften mit ihren Beinen. Überrascht von ihrer plötzlichen Attacke umschlang Angel ihre Taille mit seinen Händen um sie zu halten. Willow staunte und war schlichtweg fassungslos. Das würde sie sich niemals trauen. Sarahs Augen waren nun in der gleichen Höhe von Angels Augen. „Bitte, Angel!“ bettelte Sarah mit einen strahlenden Lächeln. „Willst du mich so rumkriegen?“ fragte er lächelnd. „Funktioniert es denn?“ gab Sarah herausfordernd zurück. Angel seufzte schwer. Sarah so nah bei sich zu haben war wundervoll. Er fühlte die Wärme ihres Körpers so nah bei sich. Angel roch ihren herrlichen Duft und atmete ihn tief in sich ein. Ihre Nähe tat so gut. Und gleichzeitig schmerzte es ihn. Denn so nah wie in jener Nacht würden sie sich nie mehr kommen. Doch sie beide wurden von Sehnsucht danach verzehrt. Angel wollte sie nie mehr loslassen. „Ja, es funktioniert. Ich komme mit“, versprach Angel der Jägerin und ließ sie runter. Angel mußte sich noch umziehen genauso wie Sarah. Deshalb gingen Willow und Oz ins Bronze voraus. In ihrem Zimmer stand Sarah dann vor dem Problem was sie anziehen sollte. „Mom“, rief sie laut. Joyce kam die Treppe hoch und betrat das Zimmer ihrer Tochter. „Brauchst du was, Sarah?“ „Ja, ich brauch deinen Rat. Ich weiß nicht was ich anziehen soll. Wir gehen ins Bronze.“ „Und wer ist wir?“ erkundigte sich Joyce. „Willow, Oz und Xander. Und Angel darf ich natürlich nicht vergessen. Er wollte zuerst nicht mitkommen, aber ich konnte ihn überreden. Mom, hilf mir! Ich weiß nicht was ich anziehen soll.“ „Du hast doch sonst nie dieses Problem“, meinte Joyce. Sarah verdrehte theatralisch die Augen. „Ich weiß auch nicht warum jetzt“, meinte Sarah schulterzuckend. „Hilf mir bitte, Mom! Ich brauche deinen Rat.“ Irgendwie war Joyce froh darüber das Sarah dieses Problem auch einmal hatte. Es war schön zu sehen das ihre Tochter auch ganz normale Probleme hatte - so wie die Kleiderfrage. Es erleichterte Joyce zu sehen das Sarah nicht nur von den Problemen einer Jägerin geplagt war sondern sich auch noch mit ganz alltäglichen Dingen beschäftigen mußte. Also blickte Joyce in den Kleiderschrank ihrer Tochter. „Warum ziehst du nicht den dunkelblauen Rock mit den weißen Oberteil an?“ schlug Joyce vor. Sarah überlegte einen Moment. Dann nickte sie zustimmend. „Du hast recht. Den Rock habe ich schon lange nicht mehr angehabt. Und gemeinsam mit dem schulterfreien Oberteil ... Danke, Mom“, lächelte Sarah. Joyce erwiderte das Lächeln und verließ das Zimmer ihrer Tochter. Sarah zog den dunkelblauen Rock an, der ihr bis über die Knie reichte und dazu das weiße Oberteil. Dazu zog Sarah ihre schwarzen Stiefel an und steckte mit flinken Fingern ihr Haar hoch. Im Club war die Hölle los. Er war vollkommen überfüllt. Auf der Bühne spielte eine unbekannte Nachwuchsband. Zu deren Musik tanzten die Schüler auf der Tanzfläche. Sarahs Gang saß in einer gemütlichen Ecke. Angel hatte sich schon zu ihnen gesellt. Doch ihm war etwas unwohl dabei mit Sarahs Freunden allein zu sein. Willow versuchte Xander – der nicht gewillt war ein Wort mit dem Vampir zu wechseln – abzulenken und es dadurch auch Angel leichter zu machen. Sie sprach wie vom Band. Angel entdeckte Sarah und sprang auf. Er starrte Sarah an; konnte nicht fassen wie schön sie aussah. „Hi Leute“, rief Sarah. „Du siehst toll aus“, kommentierte Willow lächelnd und sie sah Angels Reaktion. In seinen Augen glitzerte es verdächtig auf. „Du siehst unbeschreiblich schön aus“, flüsterte Angel und er zog Sarah an sich. Ihre Lippen trafen sich zu einen zärtlichen Kuss. „Ich hab Lust zu tanzen“, flüsterte Sarah. „Ohne mich“, kommentierte Angel sofort. „Du tanzt noch immer nicht gerne? Schade. Wer kommt mit?“ fragte Sarah in die Runde. „Ich“, rief Willow und sprang auf. „Oz?“ Sie sah ihren Freund an. „Ne, ich bleibe hier. Geh ohne mich, Willow.“ „Na schön.“ „Dann könnt ihr den Damen mal zuschauen wie man das richtig macht. Und ...“ Sarah blickte Angel verliebt an. „Lauf nicht weg, Angel.“ Dann ging sie mit ihrer besten Freundin auf die Tanzfläche. Xander blickte von Sarah und dann zu Angel, der sich wieder setzte. Großes Schweigen entstand. Xander starrte Angel weiterhin feindselig an. „Ich weiß, daß du dagegen bist“, meinte Angel plötzlich und drehte sich zu Xander um. „Ich hab doch gar nichts gesagt“, verteidigte sich Xander. „Ich bin doch nicht blöd, Xander. Ich weiß alles. Ich weiß, daß du etwas dagegen hast das ich wieder da bin. Und ich weiß auch das du Sarah belogen hast – damals“, sprach Angel vielsagend. Xander schluckte schwer. Er hatte immer damit gerechnet sich vor Sarah deswegen rechtfertigen zu müssen. Das war schon schwer genug gewesen. Jetzt mußte er sich auch noch vor dem Vampir rechtfertigen. „Angel, ich ...“, stammelte Xander. „Du brauchst mir das nicht erklären, Xander“, schnitt Angel dem Jungen das Wort ab. „Ich weiß, was ich getan habe. Ich hatte es nicht anders verdient. Es ist okay wenn du mich nicht leiden kannst. Aber ich warne dich: Tue Sarah sowas nie mehr an. Sie hat genug gelitten. Und eine solche Behandlung hat sie nicht verdient. Es war Sarah gegenüber einfach nicht fair. Selbst wenn sie von Willows Plan gewußt hätte ... es wäre zu spät gewesen. Acathla war schon erweckt“, sprach Angel ruhig. Xander war überrascht. Er konnte nicht glauben wie ruhig Angel das alles sagte; so richtig sachlich. Konnte diesen Kerl den gar nichts aus der Ruhe bringen? Diese Eigenschaft teilte er eindeutig mit Oz. „Tut mir leid“, knirschte Xander. „Es ist okay“, sprach Angel. „Wichtig ist nur das Sarah wieder lachen kann; das sie wieder glücklich ist.“ Angel blickte zu Sarah. Gemeinsam mit Willow tanzte sie sich die Seele aus dem Leib. Sie schien zu spüren das Angel sie beobachteten, den plötzlich hob sie den Kopf und sah Angel an. Mit einen fröhlichen Lächeln winkte sie ihm zu. Angel erwiderte ihr Lächeln. „Angel, ich möchte gern eines wissen“, mischte sich nun Oz ein, der die ganze Zeit ruhig dagesessen und zugehört hatte. „Ich höre.“ „Wir wissen ja inzwischen alle was mit dir geschehen ist ... aber ich frage mich was ist mit Acathla geschehen? Was ist mit diesen Dämon passiert?“ Angel nickte. Diese Frage mußte ja einmal einer stellen. „Acathla ist für immer in der Hölle verschwunden. Der kommt nicht mehr zurück.“ „Das dachten wir von dir auch“, brummte Xander. „Du hast echt das Taktgefühl eines Eisblocks“, gab Angel bissig zurück. Bevor Xander darauf eine sarkastische Antwort zurückgeben konnte stürmte Sarah auf Angel zu. Xander wußte, er würde sich nie mit Angel verstehen. Das Verhältnis zu Angel war früher schon angespannt gewesen ... und es würde wohl immer so bleiben. Spät nachts gingen Angel und Sarah nebeneinander die Straße entlang. Angel begleitete Sarah nach Hause. „Xander ist nicht sehr begeistert von meiner Rückkehr“, stellte Angel trocken fest. „Ich weiß“, stimmte Sarah ihm zu und sie zitterte leicht. „Ist dir kalt?“ fragte Angel. Sarah nickte. „Schon ... irgendwie. Ich hätte eine Jacke mitnehmen sollen.“ Wortlos zog Angel seine Jacke aus und ließ Sarah hineinschlüpfen. „Danke.“ „Ich will nicht das du krank wirst. Du fängst an meine Jacken zu sammeln.“ „Deine Lederjacke hast du mir geschenkt“, verteidigte sich Sarah. „Ich weiß. Sie gehört ja auch dir“, sprach Angel sanft und die Beiden gingen weiter. Schweigend setzten sie ihren Weg fort. „Weißt du, Angel, Xander hat mich sehr enttäuscht“, sprach Sarah auf einmal. Sie hatte das Bedürfnis sich einiges von der Seele zu reden. Vor allem was Xander betraf hatte sich da einiges angesammelt. Und sie wußte mit Angel konnte sie darüber sprechen. Er würde ihr zuhören und ihr beistehen; so wie er es früher auch immer getan hatte. „Ich kann Xander einfach nicht mehr so vertrauen wie früher. Um das tun zu können ... dafür war einfach das was er getan hat viel zu schlimm. Er hat mein Vertrauen mißbraucht.“ „Er hat versucht dich zu beschützen. Xander hat es nur gut gemeint.“ „Mich zu beschützen?“ rief Sarah verblüfft aus. „Nein, niemals“, meinte sie energisch. „Doch, Sarah“, widersprach Angel. „Xander dachte dabei nur an dich. Er wollte nicht das du noch mehr leidest; das du dir falsche Hoffnungen machst. Genau aus diesem Grund hat er geschwiegen.“ „Er hat dich noch nie gemocht; selbst das ist noch untertrieben. Xander haßt dich. Und er sah dies als beste Möglichkeit dich loszuwerden“, protestierte Sarah. Angel seufzte schwer. „Vielleicht war das auch ein Grund“, räumte der Vampir ein. „Aber er hat an dich gedacht. Er wollte – wie Giles immer – einfach das Beste für dich. Er dachte, es wäre das Beste. Xander konnte ja nicht damit rechnen das ich genau in dem Moment, wo du es beenden wolltest, die Seele zurück bekam. Das konnte er nicht ahnen. Und dadurch konnte er nicht vorhersehen welchen Schmerz er dir mit seiner falschen Entscheidung zufügte.“ „Das Beste“, rief Sarah aus. „Angel, du solltest aufhören hier den Hobbyseelenklempner zu mimen“, sprach Sarah energisch. Sarah sah wie Angel seufzend den Kopf schüttelte. Er blieb stehen und hielt Sarah am Arm fest. Angel sah ihr ernst in die Augen. „Sarah, ich gebe dir jetzt einen Rat, der für dein weiteres Leben noch von großer Bedeutung sein wird.“ „Und welchen?“ „Hör auf, die Leute vor dem Kopf zu stoßen die es ernst mit dir meinen. Hör auf, alles allein machen zu wollen. Jeder braucht mal Hilfe.“ „Das weiß ich“, protzte Sarah. „Sei doch mal ehrlich, Sarah: Hättest du mich getötet wenn Kendra nicht gestorben wäre? Wenn ich Giles nicht gefoltert und seine Freundin getötet hätte? Wenn deine Freunde nicht in Gefahr geraten wären? Hättest du die Sache durchgezogen wenn da nicht der Streit mit deiner Mutter gewesen wäre; wo sie dir gesagt hat das du nie mehr wiederkommen brauchst? Sei ehrlich zu dir selbst“, forderte Angel energisch. Sarah seufzte und gab nach. „Nein, ich hätte es nicht getan. Als Mom mich raus geschmissen hat, da hatte ich alles verloren.“ „Eben“, bestätigte Angel ihr. „Und weil du dachtest alles verloren zu haben warst du bereit auch den letzten Schritt zu tun und es zu beenden. Du warst bereit mich zu töten weil du glaubtest allein zu sein und alles verloren zu haben. Sarah, das ist kein Verbrechen. Du wurdest in die Enge getrieben“, sprach Angel beruhigend auf sie ein; allein um ihr klarzumachen das alles so kommen mußte wie es eben gekommen war. „Trotzdem hätte Xander es mir sagen müssen“, meinte Sarah. Angel schüttelte den Kopf. Sie war schon immer ein Dickschädel gewesen. „Hör endlich auf die Leute, die es nur gut mit dir meinen, Sarah.“ „Du meinst Leute wie dich?“ kommentierte Sarah lachend. „Zum Beispiel.“ „Auf dich höre ich doch.“ „Da wäre noch Giles, deine Mutter ...“ „Okay, ich hab verstanden, Angel. Können wir jetzt weitergehen?“ „Natürlich.“ Sarah griff nach Angels Hand. Für einen langen Moment sahen sie sich tief in die Augen. Dann schenkten sie sich gegenseitig ein warmes Lächeln. Angel umschlang ihre Finger mit seinen und sie gingen langsam weiter. Vor dem Summers-Haus blieben sie stehen. „Willst du wieder durchs Fenster?“ neckte Angel sie. Sarah lachte. „Das ist nicht mehr nötig. Meine Mom weiß jetzt alles und sie hat es akzeptiert.“ „Und ich sehe das es dir sehr gut tut.“ „Woher weißt du das?“ fragte Sarah als sie die Tür aufschloß. „Man sieht es dir an. Sarah, niemand kennt dich besser als ich.“ „Das stimmt.“ „Ich wünsche dir eine gute Nacht“, sprach Angel. „Du willst schon gehen?“ fragte Sarah enttäuscht. Jede Sekunde, die sie von Angel getrennt war, war eine zuviel. Sie wollte sich nie mehr von ihm trennen. Angel kannte dieses Gefühl. Ihm ging es genauso. Doch er mußte gehen. Milde lächelte Angel. „Du mußt ins Bett, Sarah. Außerdem will ich nicht zu einen Häufchen Staub werden.“ „Du hast recht. Gute Nacht, Angel.“ „Gute Nacht.“ Ein letztes Mal küßten sie sich noch zärtlich. Dann verschwand Angel in der Dunkelheit und Sarah schloß die Tür hinter sich.
~ 5. ~ Der Herbst war nach Sunnydale gekommen. Die Blätter fielen langsam von den Bäumen und die Nächte wurden kälter - so auch diese Nacht. Doch Sarah konnte nicht auf die Kälte achten. Sie blickte sich um und rannte weiter. Sarah mochte es gar nicht wenn ein Dämon hinter ihr her war. Auf ihrer nächtlichen Patrouille war sie auf einen wirklich häßlichen und starken Dämon gestoßen. Der Dämon hatte keinen Mund und Sarah war es eiskalt über den Rücken gelaufen als sie ihn gesehen hatte. Sarah bog beim Park ab und sah einen Kinderspielplatz vor sich. Wie erwartet war er vollkommen verlassen. Als Sarah sich noch einmal umblickte, um zu sehen wie nah der Dämon schon war, fiel sie über eine Kinderschaufel, die dort jemand vergessen hatte. Der Boden raste auf Sarah zu und sie landete hart auf der Erde. Bevor Sarah sich orientieren konnte war der Dämon auch schon über ihr. Er beugte sich hinab und stürzte sich auf die Jägerin. Seine Krallen bohrten sich in ihre Haut und hinterließen eine offene und blutende Wunde an Sarahs rechter Hand. Sarah verbiß es sich zu schreien. Das habe ich besonders gern, dachte Sarah und zog ihr Knie hoch. Sie rammte es den widerlichen Dämon in den Bauch. Der Dämon wurde zurück geschleudert. Das wiederum gab Sarah Zeit mit einen gekonnten Sprung auf den Beinen zu landen und ein Messer aus ihrer Jackentasche zu ziehen. Sie kümmerte sich nicht um die Wunde. Es war nur ein harmloser Kratzer und hatte auch schon zum bluten aufgehört. Bei einem Dämon dieses Standards war ein spitzer Holzpflock keine wirkungsvolle Waffe. Das war ihr Werkzeug gegen Vampire. Einen solchen Dämon besiegte man am besten mit einem Messer. „Komm schon, du Ekel, ich will heute früher Feierabend machen“, rief Sarah. Der Dämon blickte sie aus seinen grünen Augen wütend an. Sarah verzog angewidert das Gesicht. „Na ... wenigstens bleibt dir das Zähne putzen erspart.“ Sarah hatte den Satz noch nicht einmal zu Ende gesprochen, da wurde sie zur Seite gerissen. Sie schrie auf als sie auf einen Tisch geschleudert wurde und hart aufprallte. Kurz registrierte Sarah das ein zweiter Dämon dieser Art zu ihnen gestoßen war. Super, morgen wird mir der Rücken wieder weh tun, dachte Sarah grimmig. Der Dämon sprang auf den Tisch und verfehlte Sarah nur knapp, da diese geistesgegenwärtig reagierte und sich blitzschnell abrollte. Nun war ihr Gegner in der Überzahl und Sarah mußte ihren eigentlichen Plan umstellen. Zuerst kümmerte sie sich um den Dämon der ihren kleinen Fight mit seinen Kumpel gestört hatte. Mit voller Wucht trat sie ihm in den Bauch, dann in die Kniekehle. Der Dämon ging zu Boden und zog sich zurück. Anscheinend war sie ihm viel zu stark. Er schien es nicht mehr mit ihr aufnehmen zu wollen. Darüber machte sich Sarah jedoch keine Gedanken. Sie wirbelte herum und sah wie der andere Dämon versuchte sich an sie heranzuschleichen. Sarah sprang auf den Tisch und lockte den Dämon dorthin. Er folgte ihr auch. Auf dem Tisch lieferte sie sich einen heißen Schlagabtausch mit dem Dämon. Als sie die Oberhand gewann stach sie mit dem Messer zu. Die Klinge bohrte sich in den Brustkorb des Dämons und er ging sofort zu Boden. Sarah stieg vom Tisch und sah in die Ferne. Der zweite Dämon war nur noch schwach zu erkennen. Er hatte sich aus dem Staub gemacht. Es hatte keinen Sinn ihm zu folgen. Sie würde ihn nicht mehr einholen können. Sarahs Hand lag noch auf dem Tisch – neben den toten Dämon. „Einer erledigt, der andere geflohen“, murmelte sie. Sie merkte nicht wie das Blut des toten Dämons in ihre Wunde floß und sich in ihren Körper breit machte. Kurz leuchtete ein Zeichen auf ihrer Hand auf und so schnell wie es gekommen war, war es auch wieder verschwunden. Sarah zuckte mit den Schultern und ging nach Hause. Sie hatte ihre Arbeit getan. „Also ist der Erste entkommen?“ meinte Willow am nächsten Morgen auf den Weg zu Giles‘ Zauberladen. Die beiden Mädchen hatten es sich angewöhnt vor ihrem Unterricht bei Giles vorbeizuschauen, damit Sarah ihren täglichen Jagdbericht abliefern konnte. „Nein“, korrigierte Sarah. „Dämon Nummer eins ist tot. Dämon Nummer zwei ist geflohen.“ Sarah stieß die Tür auf. Sie blickte sich kurz um, um sich zu vergewissern das keine Kunden im Laden waren, damit sie mit ihrem Wächter ungestört reden konnte. „Guten Morgen, Giles.“ „Wie war die Patrouille?“ fragte Giles. „Guten Morgen, Giles“, grüßte Sarah gedehnt. Giles blickte sie an. „Oh ... ja, natürlich! Guten Morgen!“ „Ich hab nen Dämon erledigt“, berichtete Sarah. „Was?“ fragte Giles verwirrt. Sarah verdrehte die Augen. Jetzt hatte sie ihn wieder total aus dem Konzept gebracht. „Meine Patrouille, Giles“, erinnerte Sarah ihn. „Ach ja, ein Dämon, sagst du?“ „Ja. Der Zweite ist mir entwischt, leider. Die waren ziemlich eklig.“ „Wie eklig?“ „Na, er war ... irgendwie schleimig; hatte Hörner, aber keinen Mund.“ „Uah!“ rief Willow erschauernd aus. Ihr lief es eiskalt den Rücken hinunter. „Wirklich ohne Mund?“ fragte sie Sarah. „Ja.“ „Das ist ja interessant“, murmelte Giles. Das war mal wieder typisch Giles. Sarah kratzte sich an der Handfläche. Das juckte bestialisch und hörte einfach nicht mehr auf. „Wie kann man ohne Mund leben? Ich meine, wie verständigen sich diese Dämonen denn?“ fragte Willow angewidert. „Ja, das frage ich mich allerdings auch“, gab Sarah zurück. „Nun, ich werde schauen ob ich etwas über so einen Dämon finde.“ Willow blickte auf die Uhr und sah Sarah an. Sie verstand. „Wir haben jetzt eine Vorlesung. Danach komme ich vorbei, versprochen.“ „Oh ja ... natürlich, Sarah“, murmelte Giles. Sarahs Wächter war voll in seinen Element. Recherchieren war schließlich seine Aufgabe als Wächter. Dafür war er – unter anderem – ausgebildet worden. Es war seine Pflicht alles über Dämonen herauszufinden und somit die Jägerin zu unterstützen. Während des ganzen Tages hörte das Jucken an Sarahs Hand nicht mehr auf. Nach ihren ganzen Vorlesungen sah Sarah bei Giles vorbei um in Erfahrung zu bringen ob er schon etwas über diesen Dämon wußte. Der entflohene Dämon ließ ihr nämlich keine Ruhe mehr. Sie mochte es nicht wenn ihr ein Gegner entkommen war und dieser sich noch in Sunnydale herumtrieb. Sarah saß bei Giles am Tresen und untersuchte die juckende Stelle unter einer Lampe. „Ich weiß nicht was es ist, aber ... seit gestern hört es einfach nicht mehr zum jucken auf“, murmelte Sarah. „Hast du den Dämon berührt?“ erkundigte sich Giles während er in einen seiner Bücher herumschlug. „Klar. Schließlich hab ich mit ihm gekämpft. Hätte ich mit ihm eine Runde Schattenboxen einläuten sollen?“ gab Sarah spöttisch zurück und schaltete die Lampe aus. „Es ist sicher nichts tragisches“, meinte sie schulterzuckend. „Nichts, was ich mit einer teuren Hautcreme nicht wieder weg kriegen würde.“ „Vielleicht reagierst du auch nur allergisch. Auf eine neue Seife ...“, meinte Giles. „Ich hab immer die gleichen Produkte, Giles.“ Giles hatte sein Buch weggelegt und nach einem neuen gegriffen. Er schlug es auf. „Ist das der Dämon?“ fragte er nach einer Sekunde und zeigte Sarah ein Bild. Sarah lief es kalt den Rücken hinab und nickte bejahend. „Ja, wie er leibt und lebt.“ Und wieder kratzte sie sich an der juckenden Stelle. „Wenn du |