Title: Die Jägerin und ihr Vampir, Teil 6 – Wendepunkte
Author: Tegan

Fandom: Angel, Buffy
Rating:
Category:
Action, Fight, Drama
Characters, Pairing: Buffy-Cast, Angel / Sarah (statt Buffy)

Summary: Mit Faith kommt eine neue Jägerin in die Stadt. Die Gang merkt schon bald, das sie anders ist als Sarah und Kendra. Mit dem Bürgermeister bekommen sie auch einen neuen Gegner, der etwas dämonisches plant. Und als Faith sich auf die Seite des Bürgermeister stellt, um ihn bei seinen Aufstieg zu unterstützen, sehen sich die Freunde einen schweren Kampf gegenüber ...

Disclaimer: Die Charaktere von Angel und Buffy gehören nicht mir, sondern Joss Whedon, David Greenwalt und anderen. Diese Story ist FanFiction mit der weder Geld verdient, noch Rechte verletzt werden sollen. Ich schreibe sie nur zu meinen Vergnügen.

Note: Endlich ist der sechste Teil fertig. Ich habe ja auch lange daran herum geschrieben. Buffy-Fans werden erkennen, das der Titel „Wendepunkte“ der deutsche Titel der Folge „Becoming Part 1 & 2“ ist. Jedenfalls einer davon. Ich habe mir den Titel mal wieder ausgeliehen, da er perfekt zu diesen Teil paßt.
In diesen Teil wird die dritte Buffy-Staffel behandelt. Ich gehe auf die Ereignisse mit Faith und dem Bürgermeister ein und hoffe, das ich den Schluß dem Finale der Serie gerecht werden kann. Immerhin ist es nicht leicht, einen solchen Kampf zu beschreiben. Aber ich habe mein bestes getan. Natürlich schreibe ich die dritte Staffel wieder aus meiner Sicht und einiges ist anders als in der Serie. Wer aber „Die Jägerin und ihr Vampir“ vom ersten Teil an gelesen hat, weiß, das ich das ja gerne tue.
An den weiteren Teilen wird gearbeitet, wann aber was neues nachkommt, steht in den Sternen. Ich werde mein Bestes tun, versprochen! Aber übt euch ein wenig in Geduld. Vorweg nehme ich nur, in dem ich sage, das Angel in Sunnydale bleibt und mit der vierten Staffel, die das Thema Initiative behandelt, dabei sein wird. Mehr verrate ich aber nicht. Viel Spaß beim Lesen.


Die Jägerin und ihr Vampir, Teil 6 - Wendepunkte
written by Tegan
© 2002

In jeder Generation gibt es nur eine Jägerin. Sie muß sich gegen Vampire und die Dämonen der Finsternis stellen. Sie allein ist auserwählt. Sie muß bereit sein, ihr Leben für die Menschheit zu opfern. Stirbt sie, tritt die nächste Jägerin an ihre Stelle ...

~ 1. ~

„Du verdammtes Miststück! Wie kannst du es wagen?“ fauchte der Vampir und er stürzte sich wütend auf Sarah. Sarah ließ sich zu Boden fallen und nutzte den Schwung des Vampirs aus, um ihn mit den Beinen über sich hinweg zustoßen. Der Vampir konnte seinen Angriff nicht mehr stoppen und landete mit einen lauten Schrei zwischen den Büschen.

Sarah sprang geschickt wieder auf die Beine und drehte sich kurz zu Angel um. Auch wenn sie wußte, daß sie sich um ihn keine Sorgen machen mußte, kontrollierte sie doch lieber selbst ob er klarkam. Und das war auch so. Angel hielt die beiden Vampire, mit denen er kämpfte, gekonnt in Schach. So konnte sich Sarah wieder ihrem lästigen Gegner zuwenden, der nun zwischen den Büschen hervor krabbelte.

„Was fällt dir eigentlich ein, du ...“, rief er. Gelangweilt drehte Sarah den Holzpflock zwischen ihren Händen. „Merkst du nicht, das du mich nervst?“ fragte sie. „Komm her, damit ich es beenden kann.“ „Ich werde dir die Kehle aufschlitzen“, drohte der Vampir. „Fällt euch dämlichen Vampiren eigentlich nie etwas neues ein? Diese abgedroschenen Drohungen lassen mich ja einschlafen“, spottete Sarah. Wütend knurrte der Vampir und er stürzte sich auf sie. Sarah streckte die Hand aus und der Holzpflock bohrte sich in das Herz des Untoten.

Als der Vampir zu Staub zerfiel, hatte sich Sarah schon umgedreht um Angel zu helfen. Angel schlug gerade auf einen der beiden Vampire ein, mit denen er rang, als der Zweite ihn von hinten packte, um ihn festzuhalten. Doch da war Sarah schon zur Stelle und zog den Vampir von Angel weg. Angel dankte ihr mit einen kurzen Blick und kümmerte sich um seinen Gegner. Synchron vernichteten Angel und Sarah die beiden Vampire.

Angel klopfte sich den Staub von der Jacke. Sarah sah ihn an und sie war noch immer sehr froh, daß er sich nicht umgebracht hatte. Die Geschehnisse von Weihnachten lagen nun schon einige Wochen zurück und sie beide hatten sich davon erholt. Es war alles wieder gut. Sie hatten sich beide beruhigt und hatten beschlossen weiter zu kämpfen. Allein wegen ihrer Liebe waren sie es sich schuldig zu kämpfen. Und genau das würden sie auch tun. Doch sie wollten beide nicht mehr darüber nachdenken was an jenen Abend passiert war. Sie blickten in die Zukunft und waren fest entschlossen die Hürden in ihrem Leben zu meistern.

„Alles okay?“ fragte Angel. Sarah nickte und ein herzhaftes Gähnen entkam ihr. „Komm, wir gehen heim. Heute können wir hier draußen sowieso nichts mehr machen“, sprach Angel. Sarah nickte erneut. „Ich ... bin so müde. Ich will nur noch ins Bett und schlafen.“ Sarah nahm Angel den Holzpflock aus der Hand und ließ ihn mit ihrem in ihrem Jagdbeutel verschwinden. Angel legte einen Arm um sie. Gemeinsam verließen sie den Ort des Geschehens.

In der letzten Zeit hatte Sarah nur wenig zu Hause übernachtet. Wenn sie mit Angel auf Patrouille war, schlief sie die letzten Stunden bei ihm. Joyce vertraute Sarah und Angel. Sie wußte, das die Beiden nicht zu weit gehen würden. Und das taten Sarah und Angel auch nicht ... obwohl Sarah bei Angel im Bett schlief. Es war einfach nur schön sich nach einer langen Nacht der Patrouille an Angel zu schmiegen und an seiner Schulter einzuschlafen. Und so war es auch dieses Mal.

Angel lag neben Sarah und beobachtete sie. Sie sah so schön aus, wenn sie schlief. Angel hatte sich auf einen Ellbogen abgestützt. Die Wolldecke, die über Sarah und ihm lag, war Sarah bis zur Taille hinunter gerutscht. Er nahm die Decke und zog sie wieder hinauf. Sarah bewegte sich leicht. Angel warf einen Blick auf Sarahs Armbanduhr. Wenn sie rechtzeitig in ihre Vorlesung kommen wollte, mußte er sie jetzt aufwecken.

Zärtlich strich Angel ihr eine Haarsträhne hinters Ohr. „Sarah“, flüsterte er. „Wach auf. Es wird Zeit für dich.“ Langsam öffnete Sarah die Augen. Angel schenkte ihr ein zärtliches Lächeln. „Guten Morgen“, flüsterte sie. „Morgen. Hast du gut geschlafen?“ fragte Angel. Sarah nickte und erwiderte Angels Lächeln. „Ja, ich schlafe an deiner Schulter immer gut. Wieso weckst du mich auf?“ „Schau mal auf deine Uhr“, sprach Angel. Sarah tat es. „Oh ... ich muß wirklich langsam los. Ich habe in einer Stunde eine Vorlesung.“ „Ich weiß. Ich dachte, ich wecke dich auf, damit du noch nach Hause und dich umziehen kannst.“ „Du bist ein Schatz“, sprach Sarah.

Sie setzte sich auf und strich sich durchs zerzauste Haar. „Oh ... meine Frisur ist total ruiniert“, sprach sie. „Nein. Du siehst bezaubernd aus“, widersprach ihr Angel. „Danke.“ Sie begegnete Angels vielsagenden Blick. „Ist etwas, Angel?“ „Krieg ich keinen Kuss, bevor du aufstehst?“ „Natürlich kriegst du einen“, sprach Sarah und sie küßte ihn zärtlich auf die Lippen. „Ich muß jetzt wirklich los.“ „Ich weiß.“ Sarah schwang die Beine aus dem Bett und stand auf.

Angel sah ihr dabei zu wie sie ihre Stiefel anzog, die neben dem Bett am Boden lagen. Sarah strich ihr Haar zurück und band es mit einem Haargummi flüchtig zusammen. Angel erhob sich und reichte ihr ihren Jagdbeutel und ihre Jacke. „Weißt du“, sprach Sarah, während sie mit ihm durch das Wohnzimmer des Herrenhaus ging. „Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, ein zweites zu Hause zu haben. Ich darf mich hier doch wie zu Hause fühlen, oder?“ „Natürlich. Es freut mich, daß du dich hier wohl fühlst. Sarah, du gehst hier sowieso ein und aus.“ „Stört dich das nicht?“ fragte Sarah.

Der Vampir schüttelte verneinend den Kopf. „Nein, es stört mich nicht. Ich freue mich über jeden einzelnen Besuch von dir.“ „Das freut mich. Ich will dir nämlich nicht auf die Nerven gehen.“ „Du wirst mir nie auf die Nerven fallen“, sprach Angel und küßte sie leicht auf die Lippen. „Du mußt jetzt gehen. Ansonsten kommst du wirklich noch zu spät.“ Sarah nickte. Sie küßte ihn ein letztes Mal und verschwand dann durch den Vorhang. Angel kehrte ins Schlafzimmer zurück. Er würde noch ein paar Stunden schlafen.

Als Sarah ihr Zimmer betrat, dachte sie zuerst, falsch zu sein. Ihr Zimmer war voller Kartons. „Mom“, rief Sarah die Treppe hinunter. „Ja?“ Joyce kam die Treppe hoch. „Was ... ist das?“ fragte Sarah und sie machte eine ausholende Bewegung. „Ich wußte nicht, daß du heute so früh kommst“, sprach Joyce ausweichend. „Mom, das hier ist mein Zimmer. Also, was ist das?“ „Das sind Ausstellungsstücke der Galerie. Unser Lagerraum ist total voll. Wir müssen ihn erst ausräumen und deshalb ...“ „... Muß mein Zimmer als Lagerhalle herhalten“, spottete Sarah.

„So ungefähr. Ich wollte heute Nachmittag – wenn du vom College kommst – sowieso deswegen mit dir sprechen.“ „Und was wolltest du mir sagen?“ „Die Kartons werden einige Tage hier bleiben.“ „Super! Und wo soll ich schlafen? Du hast sogar mein Bett voll gestellt.“ „Das wollte ich dir ja sagen. Könntest du nicht ein paar Tage bei Willow übernachten – solange, bis wir in der Galerie wieder Platz haben?“ „Mom, Willow schläft im Studentenheim.“ „Oh“, bemerkte Joyce nur.

„Aber ... ich könnte für ein paar Tage zu Angel ziehen“, warf Sarah ein. „Denkst du, er würde das tun?“ fragte Joyce zögernd. Sarah nickte. „Sicher. Er hat bestimmt nichts dagegen.“ „Und ihr ...“ „Mom, fang nicht wieder von diesem Thema an. Ich habe die letzten paar Nächte auch bei Angel geschlafen. Es passiert nichts. Es ist einfach nur schön an seiner Seite einzuschlafen und morgens aufzuwachen und ihn neben sich zu sehen. Sex ist nicht alles.“ „Du hast recht“, pflichtete Joyce ihrer Tochter bei.

„Also ... kannst du ein paar Tage zu ihm ziehen?“ „Sicher doch. Angel freut sich mit Bestimmtheit darüber.“ „Das ... ist gut“, sprach Joyce und sie ging wieder in die Küche. Sarah ging ins Badezimmer und sprang schnell unter die Dusche. Sie zog sich um und bannte sich einen Weg durch das Chaos in ihrem Zimmer. In einer Tasche packte sie das Nötigste ein, das sie für ein paar Tage bei Angel brauchte.

„So, ich geh jetzt, Mom“, rief sie als sie unten angekommen war. „Du kommst doch zum Essen vorbei, oder?“ „Natürlich werde ich hier essen. Angel hat nur Blut im Kühlschrank. Das wird mir sicher nicht schmecken“, witzelte Sarah. „Du bist doch nicht sauer?“ Sarah schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin ganz und gar nicht sauer. Aber ... ich hätte es nur ganz gerne etwas früher erfahren. Aber da kann man jetzt auch nichts mehr machen. Ich muß jetzt wirklich los. Ich bin sowieso schon spät dran“, rief Sarah. Sie küßte ihre Mutter auf die Wange, schulterte ihre Tasche und machte sich auf den Weg zum College.

Sarah kam zu spät. Als sie den Klassenraum betrat war Maggie Walsh – ihre Professorin in Psychologie – schon längst dabei ihren Unterricht durchzuführen. Maggie Walsh hatte die Stelle von Mrs. Noel übernommen, da diese mit ihrem Mann nach New York gegangen war weil er dort seine eigene Firma gegründet hatte. „Ms. Summers, schön das Sie auch noch auftauchen“, sprach Maggie. „Tut mir leid. Ich ... habe verschlafen“, log Sarah und sie setzte sich auf ihren Platz neben Willow. Ihre Tasche stellte sie unter ihrem Sessel ab.

„Hast du wirklich verschlafen?“ murmelte Willow. Sarah schüttelte verneinend den Kopf. „Nein, ich hatte noch ein kleines Gespräch mit meiner Mom. Sie hat mein ganzes Zimmer mit ihren Sachen aus der Galerie voll gestellt. Ich habe nicht einmal Platz zum schlafen.“ „Und was machst du jetzt?“ „Ich habe die Tasche mit dem nötigsten gepackt was ich brauche. Ich werde für ein paar Tage bei Angel einziehen.“ „Weiß er schon davon?“ Sarah schüttelte verneinend den Kopf. „Nein, Angel weiß noch nichts von seinen Glück“, flüsterte Sarah und sie konzentrierte sich auf Maggie Walsh‘ Unterricht. 

Am frühen Nachmittag begleitete Sarah ihre beste Freundin noch zu ihren Zimmer. „Hast du schon eine neue Zimmerkollegin?“ fragte Sarah. Willows letzte Zimmerkollegin hatte das College verlassen. „Noch nicht. Aber das Bett wurde schon jemanden zugeteilt. Das Mädchen kommt in ein paar Tagen, glaub ich. Kannst du das fassen, Sarah? Wir sind jetzt schon bald im zweiten Semester.“ „Ich hoffe, ich schaffe das Erste überhaupt. Aber ... ich hab bei Angel ja genügend Ruhe um mich auf die Prüfungen vorzubereiten.“ „Ja, wenn du Hilfe brauchst ...“ „Ruf ich dich an“, unterbrach Sarah ihre Freundin.

„Gut. Wenn du dich irgendwo nicht auskennst ruf mich bloß an. Ich will, daß du das erste Semester schaffst.“ „Ich will es doch auch“, sprach Sarah und sie straffte die Schultern. Die Prüfungen machten ihr Angst. Aber das taten Prüfungen sowieso immer. „Und wie willst du das machen? Lernen und Patrouille gehen? Wie soll das funktionieren?“ „Ganz einfach. Ich hab bei Angel die Ruhe, die ich fürs Lernen brauche. Ich bin sicher, er wird mich unterstützen und übernimmt die Patrouille für mich. Da kann ich lernen.“ „Er wird dich sicher entlasten“, sprach Willow und sie blieb stehen.

„So, ich muß jetzt rein“, sprach Willow. „Ich weiß. Wir sehen uns sicher bei Giles im Laden.“ „Ja, bis später dann.“ Sarah nickte und sie wartete bis Willow im Inneren des Studentenheims verschwunden war. Sie seufzte leise und machte sich auf den Weg zu Angel. Sie hoffte, daß er wirklich zustimmen würde, das sie ein paar Tage bei ihm blieb. Aber eigentlich war sich Sarah sicher, das Angel ja sagen würde.

„Angel?“ Angel war in ein Buch vertieft und saß auf dem Sofa. Als er Sarahs Stimme hinter sich hörte, drehte er sich um. „Hey, wie war die Vorlesung?“ „Der Unterricht war okay. Ich muß dich was fragen“, begann Sarah. „Und was?“ Angel stand auf. Da bemerkte er die Tasche, die Sarah bei sich trug. „Was schleppst du da an?“ „Ein paar meiner Klamotten.“ „Wieso?“ „Angel, kann ich ein paar Tage bei dir wohnen?“ fragte Sarah offen.

Verwirrt blickte Angel sie an. „Hast du kein zu Hause mehr?“ „Doch“, lachte Sarah. „Aber ... meine Mom hat mein Zimmer voller Kartons gestellt. Der Lagerraum ihrer Galerie ist überfüllt. Deshalb hat sie einige ihrer Ausstellungsstücke in meinen Zimmer untergebracht. Ich habe nicht einmal Platz zum schlafen.“ „Ich verstehe. Du suchst eine Bleibe“, stellte Angel lächelnd fest. „Ja, deshalb frage ich ja dich, ob ... ich ein paar Tage hier bleiben kann.“ „Sarah, wieso fragst du überhaupt? Du weißt doch ganz genau, daß ich dich hier aufnehme. Du hast hier immer ein zu Hause, Sarah.“ „Das ist schön zu wissen.“ Angel nahm Sarah die Tasche ab und brachte sie ins Schlafzimmer.

Als er wieder kam hatte Sarah ihre Schulbücher auf seinen Tisch ausgebreitet. „Angel, darf ich dich um noch einen Gefallen bitten?“ Angel lächelte und ging zu Sarah. Er legte seine Arme um ihre Taille. Sarah schloß für einen langen Moment die Augen und lehnte sich gegen seine Brust. Sie lächelte glücklich. Diese Momente liebte sie. „Also, worum wolltest du mich bitten?“ brach Angel schließlich das Schweigen zwischen ihnen.

„Du weißt doch ... ich hab bald meine Prüfungen.“ „Ja.“ „Angel, könntest du ...“ „Sicher geh ich für dich auf Patrouille“, unterbrach Angel die Jägerin. „Woher weißt du das?“ „Ich kenne dich, Sarah. Ich weiß, wie wichtig die Prüfungen für dich sind. Du hast hier die Ruhe, die du brauchst.“ Sarah drehte sich in Angels Armen um. „Danke. Was würde ich bloß ohne dich machen?“ Angel lächelte sanft.

„Ich will nur, das du deine Prüfungen schaffst. Aber daran hege ich keinen Zweifel. Ich weiß, du schaffst das.“ Sarah schenkte Angel ein Lächeln und schmiegte sich in seinen Arm. Es war gut, daß zu dieser Zeit Ruhe in Sunnydale herrschte. Doch Sarah befürchtete, das es sich dabei – mal wieder – um die  berühmte Ruhe vor dem Sturm war. Und mit ihrer Befürchtung sollte die Jägerin recht behalten ...

~ 2. ~

Sarah mochte es bei Angel zu wohnen. Sie arrangierten sich wirklich gut. Angel übernahm nachts Sarahs Arbeit als Jägerin, damit sie in Ruhe lernen konnte. Sarah war froh, das Angel sie in dieser Zeit entlastete und ihr half, wo er nur konnte. Dadurch bekam Sarah mehr Zeit für ihre Prüfungen. Zeit, die sie dringend benötigte, um das erste Semester überhaupt zu überstehen. Sarah mochte ihr Leben so wie es momentan war. Und sie hoffte, daß sich so schnell nichts ändern würde.

Willow saß mit Oz und Xander in ihrer Ecke im Bronze. Sie warteten auf Sarah. „Sie wohnt bei Angel“, rief Xander aus. Willow nickte. „Das ist ... wie kann sie nur?“ „Xander, die Beiden sind ein Paar. Es ist doch klar, das Sarah da mal bei ihm schläft.“ „Aber ...“ „Es ist nur für ein paar Tage, jedenfalls hat Sarah das gesagt. Du solltest endlich damit aufhören, Xander. Du weißt genau, das Sarah dich um ein Haar aus ihrem Leben ausgeschlossen hat. Ich gebe dir einen Rat: Hör endlich auf Angel fertig zu machen. Du verlierst. Sarah wird immer zu ihm halten. Er ist ein Teil ihres Lebens. Schau, daß du mit Angel klarkommst. Nur so kannst du weiter mit Sarah befreundet sein.“ „Das ist mehr als nur ein Rat“, protzte Xander mißmutig. Doch innerlich wußte er, das Willow recht hatte. Er mußte endlich mit Angel auskommen – irgendwie.

Da betraten Sarah und Angel den Club. Zielsicher bannte sich Sarah einen Weg durch die Menge, während Angel an die Bar ging um Sarah einen Cappucino zu holen. „Hi Leute“, rief Sarah fröhlich. „Hi“, erwiderte Willow. „Du wohnst bei Angel?“ fragte Xander sofort. Sarah nickte und setzte sich. „Ja, vorübergehend. Meine Mom hat aus meinen Zimmer eine Lagerhalle für ihre Ausstellungsstücke gemacht. Deshalb wohne ich momentan bei Angel. Hast du was dagegen, Xander?“ „Ich? Nein, wieso sollte ich?“ sprach Xander sarkastisch. Sarah schüttelte den Kopf und sah einfach über Xanders Kommentar hinweg.

Angel näherte sich dem Tisch und reichte Sarah ihre Tasse Cappucino. „Danke, Angel“, sprach Sarah mit einem Lächeln und sie nahm einen Schluck von dem heißen Getränk. Angel setzte sich zu ihr. „Und? Wie ist das – wenn man mit einem Vampir zusammenwohnt?“ Xander konnte sich diesen Kommentar einfach nicht verbeißen. Sarah blickte Angel an und schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Es ist schön“, sprach sie verliebt.

„Das funktioniert?“ Sarah nickte. „Wieso soll es nicht funktionieren? Angel und ich – wir sind füreinander bestimmt. Außerdem ist es nur vorübergehend, Xander. Sobald die Kartons verschwunden sind, ziehe ich wieder um.“ Xander nickte. „Wie kommst du mit dem Stoff zurecht?“ fragte Willow. „Ganz gut. Bis jetzt kapiere ich noch alles.“ Sarah sah, wie Angel den Kopf schüttelte. „Was?“ „Ich erinnere mich daran, daß mir gestern ein Buch um die Ohren geflogen ist“, sprach er. „Habt ihr gestritten?“ fragte Willow.

„Nein. Es ... ich bin mit einen Teil des Stoffs nicht so gut zurecht gekommen und ich hab frustriert das Buch zur Seite geworfen. Blöderweise ... stand Angel im Weg“, gab Sarah zögernd zu. „Du hättest mich doch anrufen können“, warf Willow ihr vor. „Will, es war kurz nach zwei Uhr nachts. Ich wollte dich nicht wecken.“ „Oh ... dann verstehe ich das. Wenn du willst ... können wir uns ja mal in der Mittagspause zusammensetzen und die Dinge durchgehen, die dir unverständlich sind“, schlug Willow vor. „Danke. Ich bin euch allen sehr dankbar, das ihr mich so sehr unterstützt“, sprach Sarah.

Ihr Blick glitt über die tanzende Menge und auf einmal reagierten ihre Jägerinnen-Instinkte. Sie blickte auf ein tanzendes Paar. Der Typ war eindeutig ein Vampir. Und das Mädchen ... sie schien nichts davon zu wissen. „Angel?“ sprach Sarah. „Was?“ „Schau dir mal den Typen da an.“ Angel folgte Sarahs Blick und er nickte. „Vampir“, sprach er. „Genau. Komm, wir müssen hinterher“, sprach Sarah sofort als das Paar den Club verließ. Sarah und ihre Freunde folgten dem Paar.

Das dunkelhaarige Mädchen war mit dem Vampir noch in der Gasse hinter dem Bronze. Sie stand an der Hausmauer des Clubs und schenkte ihrem Begleiter ein verführerisches Lächeln. Sarah und ihre Freunde liefen zu der Stelle. Sarah hatte ihren Holzpflock schon in der Hand und wollte eingreifen, als sie sah, wie sich der Vampir verwandelte. Doch das Mädchen schrie nicht einmal.

Sie packte den Vampir an seinen Kragen und schleuderte ihn brutal gegen die Wand. „Was ... was soll das den jetzt?“ stammelte Sarah verwirrt. Sie wechselte einen ratlosen Blick mit Angel. Der Vampir stürzte sich auf die Fremde und packte sie an ihren Schultern. Doch sie verpaßte ihm harte Schläge ins Gesicht. Da drehte sie sich zu Sarah und ihren Freunden um. „Ich bin Faith“, stellte sie sich vor. „Gib mir mal den Pflock“, forderte sie. Verwirrt runzelte Sarah die Stirn und warf Faith den Holzpflock zu.

Geschickt fing Faith den Pflock auf und wirbelte herum. Der Vampir knurrte wütend. Faith packte ihn an der Schulter, rammte ihm das Knie in den Magen und vernichtete ihn. Lässig warf Faith ihr langes Haar zurück und drehte sich zu Sarah um. Sie ging auf sie zu und gab ihr den Pflock zurück. „Danke. Du mußt Sarah sein“, sprach sie. „Ja, die bin ich.“ „Cool. Ich bin die neue Jägerin“, stellte Faith sich vor. Sarah starrte Faith an. In diesen Moment konnte sie nichts mehr denken. Es war ihr sofort klar: Faith hatte Kendras Platz eingenommen.

Angel, der dicht neben Sarah stand, fühlte wie sie heftig erzitterte. Er nahm ihre Reaktion auf die neue Jägerin wahr. Ihm war klar, warum sie so geschockt auf Faiths Erscheinen reagierte. Sarah schluckte schwer. Sie hatte das Gefühl keine Luft mehr zu kriegen. Die Jägerin atmete einmal tief durch. Doch auch das machte es nicht besser. Es war, als schürte ihr jemand die Luft ab. Ihr entgleisten die Gesichtszüge. Faith bemerkte, wie geschockt Sarah auf ihre Anwesenheit reagierte.

„Hey, hab ich irgend etwas an mir, wovor du dich ekelst?“ fragte Faith. Sarah schüttelte den Kopf. Sie trat vorsichtig einen Schritt zurück. „Sarah?“ fragte Willow. Erneut konnte Sarah nur den Kopf schütteln. Dann drehte sie um und rannte weg. „Das nenne ich eine Begrüßung“, sprach Faith. „Sie ist normalerweise nicht so“, verteidigte Willow ihre Freundin. Angel drehte ebenfalls um und folgte Sarah. 

„Ihr seit die Freunde der Jägerin?“ erkundigte sich Faith. Willow nickte. „Ich bin Willow, das ist Xander und das ist mein Freund Oz“, stellte Willow die Gang vor. „Und der Typ da?“ fragte Faith und sie deutete auf Angel, der hinter Sarah herlief. „Das ist Angel.“ „Ah ... das ist der Vampir, der mit Sarah diese heiße Affäre hat. Davon habe ich schon gehört“, sprach Faith. „Oh nein, so ist das nicht. Die Beiden führen ... eine ernsthafte Beziehung“, sprach Willow schnell. Faith nickte nur.

„Du bist also auch eine Jägerin“, mischte sich Xander ein. Erneut nickte Faith. „Kommt ihr mit rein? Ich will mich noch ein wenig amüsieren.“ Ohne eine Antwort abzuwarten ging Faith wieder in den Club. Sarahs Freunde folgten ihr. Sie wußten, Angel würde sich um Sarah kümmern. Er war – mal wieder – der Einzige, dem Sarah in einer solchen Situation erzählen würde, was mit ihr los war.

„Sarah, warte“, rief Angel hinter der Jägerin. Am Ende der Gasse blieb Sarah stehen weil sich vor ihr ein hoher Zaun auftat. Gequält schloß Sarah die Augen. Dann trat sie mit voller Wucht gegen die Mülltonne, die neben ihr stand. Immer und immer wieder trat Sarah auf die Mülltonne ein; ließ ihren ganzen Frust an dem Gegenstand aus. „Sarah?“ fragte Angel hinter ihr. „Verdammt“, rief Sarah und sie schleuderte die Mülltonne von sich.

Schwach lehnte sie sich gegen den Zaun. Sie schloß die Augen. Sarah hörte Angels Schritte als dieser näher kam. „Sarah?“ Angel legte ihre eine Hand auf die Schulter. Sarah reagierte darauf nicht. Sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen. Immer wieder schüttelte Sarah den Kopf und hämmerte mit der flachen Hand schwach gegen den Zaun. Sie konnte es einfach nicht glauben. Faith war die neue Jägerin. Sie hatte Kendras Platz eingenommen. Sarah konnte nicht glauben das man Kendra einfach so ersetzt hatte - als wäre sie ein Auto, das man nach jahrelangen Gebrauch einfach gegen ein besseres und neueres eintauschte.

Angel blieb hinter ihr stehen. Sarah spürte seine Anwesenheit nahe bei sich. Langsam drehte sie sich zu ihm um. Angel sah ihre Tränen und sie tat ihm leid. Er wußte, was sie so aus der Fassung gebracht hatte. „Sie haben Kendra einfach ersetzt“, schluchzte Sarah leise. „Es ist okay“, flüsterte Angel sanft. Sarah schlug die Hände vors Gesicht um ihre Tränen vor ihm zu verbergen. Sie mochte es nicht, wenn er sie so sah. Sie fühlte sich dann so schwach. Angel zog sie wortlos in seine Arme und drückte ihr Gesicht sacht an seine Schulter.

„Es ist okay, Sarah“, sprach er beruhigend auf sie ein. Angel flüsterte ihr beruhigende Worte ins Ohr. Er ließ sie weinen. „Rede mit mir“, bat er. Sarah sah ihm in die Augen. „Sie haben Kendra einfach ersetzt – so als wäre sie kein Mensch gewesen. Kendra war meine Freundin, Angel.“ Angel nickte langsam. Er fühlte sich schuldig. Er hatte Drusilla damals in die Bibliothek geschickt. Und Drusilla hatte Kendra getötet. Indirekt ging auch Kendras Tod auf sein Konto.

„Hast du jemals um sie geweint? Hast du nach ihrem Tod um sie geweint, Sarah?“ hakte Angel sanft nach. Verneinend schüttelte die Jägerin den Kopf. „Ich konnte nicht. Ich konnte einfach nicht um sie weinen. Ich hatte keine Zeit um sie zu trauern.“ „Dann tue es jetzt“, sprach Angel. Sarah grub ihr Gesicht in Angels Schulter und ließ ihrer unterdrückten Trauer endlich freien Lauf. „Ich hätte ... niemals gedacht, das ... Kendras Nachfolgerin jemals hier auftaucht.“ „Ich weiß, daß schockiert dich.“ „Es ist mehr“, sprach Sarah. „Angel, Faiths Auftauchen hat mir gezeigt was nach meinen Tod passiert. Auch mich wird der Rat einfach so ersetzen wie Kendra“, flüsterte Sarah.

Angel wußte nicht, was er darauf antworten sollte. Sarahs Tod ... das war etwas, womit er sich nicht auseinandersetzen wollte. „Faiths Auftauchen kam einfach so überraschend. Ich hab nie darüber nachgedacht das Kendra ersetzt wird“, sprach Sarah. „Es tut weh. Es tut weh Faith zu sehen. Das mit Kendra ... ich konnte damals einfach nicht um sie trauern. Und jetzt ... jetzt tut es so weh Faith zu sehen und zu wissen, das sie Kendras Platz eingenommen hat.“ „Kendra hätte das gewollt. Du hast sie gekannt. Sie war die perfekte Jägerin.“ Sarah lächelte schwach.

„Ja, das war sie. Sie fehlt mir, Angel. Auch wenn ich sie nicht lange gekannt habe ... habe ich sie sehr gemocht.“ Angel nickte. „Ich weiß. Sarah, gib Faith eine Chance. Es ist nicht ihre Schuld, daß Kendra einfach so ersetzt wurde. Ich weiß, du kennst diese Leier schon, aber ... wenn eine Jägerin stirbt wird die Nächste gerufen. Das ist der Kreislauf der Jägerinnen.“ Sarah nickte leicht. „Ich weiß. Es kam ... nur so schnell. Ich habe einfach nicht damit gerechnet.“ Sarah sah Angel an. Er schenkte ihr ein warmes Lächeln und strich ihr die letzten Tränen aus dem Gesicht.

„Hast du dich jemals von Kendra verabschiedet?“ „Giles hat dafür gesorgt, das ein Blumenstrauß und ein Beileidsschreiben von mir auf ihrem Grab niedergelegt wurde.“ Angel schüttelte den Kopf. „Das hilft dir nicht. Sarah, du solltest dich persönlich von ihr verabschieden.“ „Aber ich kann hier unmöglich weg“, protestierte Sarah. „Das meine ich auch nicht. Weißt du, in meiner Heimat glaubte man daran, das es keine Rolle spielt, wo man sich von geliebten Menschen verabschiedet. Es kam nur darauf an ... das man an sie denkt und ihnen den Abschied gibt, den sie verdient haben.“ Sarah verstand.

„Das Meer“, flüsterte sie. „Zum Beispiel. Du solltest es tun. Allein für deinen inneren Frieden solltest du diesen Schritt endlich hinter dich bringen. Ansonsten wird dich Kendras Tod ein Leben lang belasten.“ „Begleitest du mich?“ „Sicher.“ „Ich will mich nur von meinen Freunden verabschieden.“ Angel nickte. Gemeinsam gingen sie zum Bronze zurück. Angel bedachte Sarah mit einen langen Blick.

Ihm wurde klar: Auch sie würde irgendwann sterben. Er schüttelte den Kopf; verdrängte diese negativen Gedanken sofort wieder. Angel wollte nicht über Sarahs Tod nachdenken. Er würde sich damit auseinandersetzen, wenn es soweit war. Früher würde er nicht darüber nachdenken. Angel wußte genau: Wenn dieser Tag gekommen war ... war es so oder so schwer für ihn Sarah gehen zu lassen.

„Das müßt ihr euch mal vorstellen“, sprach Faith gerade begeistert. „Ich steh da – völlig nackt – und dieser Dämon hat nichts besseres zu tun, als auf mich drauf zu springen, um mich zu killen.“ Sarahs Freunde hörten Faiths Erzählungen über ihre Jagderlebnisse schweigend zu. Faith verstummte als Sarah mit Angel in die Ecke kam. „Ist alles in Ordnung?“ fragte Willow besorgt nach. Sie sah, das Sarah geweint hatte.

Sarah nickte langsam. „Sicher. Ich ... muß jetzt gehen. Ich hab noch etwas zu erledigen.“ Sarah blickte Faith an. Angel wußte, das Sarah sich schwer tat, Faith anzusehen, ohne automatisch an Kendra zu denken. „Kennst du den Zauberladen Magic Box?“ Faith nickte. „Ich bin schon dran vorbei gegangen. Wieso?“ „Der Laden gehört meinen Wächter. Du kannst ja vorbei kommen. Dann ... können wir reden.“ „Ich denke drüber nach“, meinte Faith und sie erzählte ihre Geschichte zu Ende.

„Ja, sicher“, murmelte Sarah. Sie zog ihre Jacke an und griff nach ihrer Tasche. Ohne ein weiteres Wort ging sie. Angel folgte ihr. „Ich bin gleich wieder da“, sprach Willow, die den niedergeschlagenen Blick von Sarah bemerkt hatte. Vor dem Club hielt sie Sarah auf. „Sie kann dich nicht ersetzen“, sprach sie sofort. „Sie hat Kendra ersetzt“, erwiderte Sarah. Jetzt wurde Willow klar, was Sarah so aus der Fassung gebracht hatte.

„Sarah, willst du darüber reden?“ „Nein, nicht nötig. Ich habe jetzt noch etwas zu erledigen. Und danach wird es mir besser gehen. Mich hat Faiths Auftauchen nur so dermaßen durcheinander gebracht ... ich konnte auf einmal nicht mehr denken. Ich hab keine Luft mehr bekommen. Ich konnte einfach nicht fassen, daß man Kendra einfach so ersetzt hat. Mir wurde klar, das auch mir dieses Schicksal blüht – irgendwann, wenn meine Zeit gekommen ist.“ Willow schluckte schwer und sie warf Angel einen Blick zu.

Er schüttelte verneinend den Kopf; gab Willow damit ein deutliches Zeichen, darauf nicht weiter einzugehen. Willow nickte. „Du bist meine beste Freundin. Und in meinen Augen die beste Jägerin aller Zeiten. Es spielt keine Rolle welch abenteuerliche Geschichten Faith zu erzählen hat. Ich weiß, was du kannst und was du in den letzten Jahren geleistet hast. Sarah, du bist in meinen Augen die einzig wahre Jägerin.“ Sarah lächelte leicht. „Danke, Will.“ Die Jägerin umarmte ihre beste Freundin kurz. Dann machte sie sich mit Angel auf dem Weg zum Hafen.

Sarah blickte Angel an. Sie standen am Anfang eines langen Stegs. Privatboote ankerten links und rechts vom Steg. Angel nickte Sarah leicht zu. Unterwegs hatte Sarah bei einer Tankstelle noch eine langstielige, rote Rose gekauft. „Geh“, sprach Angel. „Das letzte Stück mußt du jetzt allein gehen. Dieser Augenblick soll nur Kendra und dir gehören.“ „Du wartest doch?“ fragte Sarah hoffnungsvoll. Angel nickte. „Natürlich warte ich hier. Geh jetzt, Sarah. Es wird Zeit, das du von ihr Abschied nimmst.“ Angel strich Sarah zärtlich über die Wange und gab ihr einen Kuss auf die Lippen.

„Es wird Zeit“, flüsterte Angel. Sarah nickte. Sie straffte die Schultern und machte sich auf den Weg. Mit langsamen Schritten ging sie den Steg entlang. Sie blickte sich kurz zu Angel um. Er stand da und wartete geduldig. Sarah schluckte schwer. Angel hatte recht, sie wußte das. Doch es war schwer. Es war so schwer Abschied zu nehmen. Aber sie mußte es tun. Sie mußte es für sich – und für Kendra – machen.

Sarah war am Ende des Stegs angekommen. Die Wellen brachen sich am Steg. Sarah blickte auf das weite Meer hinaus. Sie suchte nach den richtigen Worten. Wie nahm man am besten von einen Menschen Abschied, der weit weg von hier begraben war? Sarah blickte auf die einzelne rote Rose in ihrer Hand. Auch wenn Kendra ein Mensch gewesen war, der keine Gefühle gemocht hatte, war sich Sarah sicher, das sie sich über die Rose freuen würde.

„Ich weiß nicht so recht was ich sagen soll, Kendra“, sprach Sarah leise. „Ich ... hab keine Übung in solchen Dingen.“ Sarah ging in die Hocke und blickte auf das Meer hinaus. „Es tut mir leid, Kendra. Ich konnte dich nicht retten. Ich weiß, du würdest jetzt sagen ‘Sarah, ich hab nur meine Pflicht erfüllt.‘ Aber ... du warst meine Freundin. Ich kannte dich noch nicht so lange ... doch ... du warst meine Freundin.“ Sarah schluckte schwer und strich mit ihren Fingern über die zarte Blüte der Rose.

„Ich weiß, das du so gestorben bist, wie du sterben wolltest. Du hast mehr für deine Pflicht gelebt als ich. Du warst die perfekte Jägerin. Trotzdem tut es mir leid. Es tut mir auch leid, daß ich nicht um dich geweint habe. Kendra, ich vermisse dich. Du warst eine Freundin und es ist nicht leicht, zu sehen, wie eine andere nun deinen Platz als Jägerin einnimmt. Es macht mir klar, das auch ich ersetzbar bin; das mir das selbe Schicksal blüht, wenn ich sterbe. Auch mich wird man ersetzen, so wie dich.“ Sarah stand langsam auf und ließ ihren Blick lange auf dem Meer ruhen.

Dann trat sie an den Rand des Stegs und warf die Rose aufs offene Meer hinaus. „Leb wohl, Kendra“, flüsterte sie. Für einen Moment blieb Sarah noch stehen und beobachtete die Wellen. Dann seufzte sie leise und drehte sich um. Mit langsamen Schritten ging sie zu Angel zurück. Er schenkte ihr ein zärtliches Lächeln als sie vor ihm stand. Wortlos nahm Angel sie in seine Arme.

„Gehen wir nach Hause“, sprach er. Sarah nickte. „Warte noch einen Moment“, flüsterte sie. Sarah drehte sich ein letztes Mal zum Meer um. „Du hast jetzt deinen Frieden, so wie ich“, sprach Sarah. Sie blickte Angel in die Augen. Er lächelte und strich ihr sanft eine Strähne hinters Ohr. „Ja, sie hat jetzt ihren Frieden“, pflichtete er ihr bei. „Fühlst du dich besser?“ Bejahend nickte Sarah.

„Du hast recht gehabt. Es geht einem besser, wenn man Abschied genommen hat. Glaubst du, sie hat mich gehört?“ „Ich bin mir sicher, daß sie dich gehört hat.“ Sarah gähnte. „Und wir gehen jetzt nach Hause. Du brauchst dringend ein paar Stunden Schlaf.“ Sarah nickte. Sie hatten getan, was nötig war, um Kendra endlich zu verabschieden. Mehr konnte sie nicht tun. Mehr stand nicht in ihrer Macht.

~ 3. ~

Sarah saß in ihren Trainingsklamotten und einfach Turnschuhen am großen, runden Tisch und lauschte dem Gespräch von Xander und Oz. Sarah wartete auf Angel, damit sie ihr Training fortsetzen konnten. Gleich nach ihren Vorlesungen war die Jägerin in den Laden gekommen, um mit Willow zu lernen. Sie hatten den Stoff nun durch und Sarah konnte sich auf ihr Training konzentrieren.

„Also, diese Faith ... die hat wirklich schon viel erlebt. Die scheint einiges drauf zu haben.“ „Danke, Xander. Das ist genau das was ich hören will“, sprach Sarah. „Tut mir leid.“ Sarah nickte. „Wie ist diese Faith so?“ fragte Giles. Sarah zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ich hab ihr gesagt, sie soll hier vorbeikommen.“ „Das ist gut“, sprach Giles. Die Gang sah auf als die Glocke über der Tür klingelte und Angel eintrat.

„Dann können wir ja mit dem Training anfangen“, sprach Sarah. „Ich komme gleich. Ich ... muß mit Giles noch etwas besprechen“, sprach Angel. Sarah nickte. Sie beugte sich zu Angel und drückte ihm einen leichten Kuss auf die Lippen. „Okay. Ich geh mich schon mal aufwärmen“, sprach sie und ging nach hinten. Angel wartete bis Sarah verschwunden war. Dann wandte er sich Giles zu.

„Was ist los?“ „Sie wissen sicher, das eine neue Jägerin in der Stadt ist.“ Giles nickte. Angel zog Giles in eine ruhige Ecke hinterm Tresen. „Sarah macht diese Sache ganz schön zu schaffen.“ „Inwiefern?“ erkundigte sich Giles. „Sie tut sich schwer, zu akzeptieren, das Faith Kendras Platz eingenommen hat. Faith hat Kendra ersetzt und es fällt ihr nicht leicht damit zu leben. Ehrlich gesagt, mache ich mir Sorgen um Sarah. Sie wissen doch wie sie ist. Sie gibt sich cool, aber es geht ihr nicht so gut wie sie es uns weismachen will.“ „Ich verstehe“, sprach Giles nickend.

„Sarah hat das Gefühl, auch jederzeit ersetzbar zu sein.“ „Ich werde mit ihr reden“, sprach Giles. „Ich denke, daß hilft nicht. Giles, Sarah braucht das Gefühl auch normal zu sein. Sie hat doch bald Geburtstag. Sarah wird neunzehn. Und ... wir sollten eine kleine Party veranstalten.“ „Sie haben recht. Mein Gott! Sarahs Geburtstag in wenigen Wochen hatte ich ganz vergessen. Ich werde mit ihrer Mutter sprechen. Sie sollte ganz normal im Kreis ihrer Freunde und ihrer Familie feiern.“ Angel nickte.

„Gut, ich werde mich darum kümmern.“ „Okay. Aber ... wir sollten ihr nichts sagen. Sie wissen ja: Sarah hat kein Glück mit solchen Feiern. Immer passiert etwas - egal ob sie Geburtstag hat oder Weihnachten feiern will. Ich will nicht, das sie sich umsonst Hoffnungen auf eine normale Feier macht.“ „Ich verstehe. Ich werde es geheimhalten und wenn ich mit Joyce gesprochen habe, werden wir die Feier besprechen“, versprach Giles. Angel nickte und ging nach hinten in den Trainingsraum.

Angel legte seine Jacke ab und zog sein Hemd aus. Sarah war gerade mit dem Sandsack beschäftigt. Sie brach ab als sie Angel sah. „Also, was hast du so wichtiges mit Giles besprechen müssen?“ Angel lächelte kurz. „Das geht dich nichts an.“ „Du hast mit ihm über mich geredet“, sprach Sarah sofort. „Woher willst du das wissen?“ „Ich kenne dich, Angel. Ist es eine Überraschung?“ „So ungefähr.“ Angel griff nach zwei langen Kampfstöcken und kam zu Sarah auf die Matte.

„Ah ... heute mal was neues“, sprach Sarah. Geschickt fing sie den Kampfstock auf den Angel ihr zuwarf. „Genau. Du mußt mit allen möglichen Waffen umgehen können. Und ... die hier hast du lange nicht mehr in den Händen gehalten. Also komm! Greif mich an“, forderte Angel. Sarah lächelte milde und schüttelte den Kopf. „Ich will dir nicht weh tun“, sprach sie. „Sarah, tue es!“ „Bist du sicher?“ Angel nickte. „Okay.“ Sarah folgte Angels Aufforderung und sie lieferten sich einen harten Kampf.

Die Kampfstöcke schlugen gegeneinander. Angel drehte sich um die eigene Achse und fing Sarahs Schlag ab. „Komm schon, Sarah! Wenn ich schon mit dir trainiere, erwarte ich deinen ganzen Einsatz. Ich weiß, du kannst mehr“, forderte Angel sie heraus. Er sah, wie ein Blitzen in Sarahs Augen auftauchte. In der nächsten Sekunde griff sie Angel mit ihrem vollen Einsatz an.

Giles sah auf als die Tür seines Ladens aufging. Ein ihm fremdes Mädchen trat ein. „Sind Sie Sarahs Wächter?“ Giles nickte. „Du mußt Faith sein“, stellte er fest. Faith nickte und kam zu ihm. „Hi Leute“, grüßte sie Sarahs Freunde. „Ich bin Rupert Giles“, stellte sich der Wächter vor. „Cool! Wo ist Ihre Jägerin?“ Faith blickte sich um; konnte Sarah aber nirgendwo erkennen. Aus dem hinteren Teil des Ladens vernahm Faith Kampfgeräusche.

„Sarah ist hinten im Trainingsraum. Sie trainiert mit Angel“, erklärte Willow. „Verstehe. Ich geh mal zu ihr.“ „Ähm ... das solltest du nicht tun“, warf Xander ein. „Wieso nicht?“ fragte Faith lässig. „Weil du sie nur ablenken würdest und das Training mit Angel sehr ernst ist.“ „Wieso trainiert sie überhaupt noch? Sie ist doch schon lange eine Jägerin“, sprach Faith mit zuckenden Schultern.

„Nun ... Sarah trainiert ein-, zwei Mal in der Woche mit Angel. Es ist sehr wichtig, daß sie immer vorbereitet ist. Und mit Angel trainiert sie gerne. Er kann sie viel besser trainieren als ich. Und ... ihm fällt immer wieder etwas neues ein womit er sie fordern kann. Was ist mit dir, Faith? Trainiert dein Wächter dich noch? Eine Jägerin muß immer trainieren, das weißt du“, sprach Giles.

„Nun ... ich ... bin momentan allein unterwegs. Meine Wächterin ... ist auf einer Tagung und deshalb dachte ich mir, ich schaue hier mal vorbei um die andere Jägerin kennenzulernen. Deshalb ist mein Training momentan auf Eis gelegt worden. Ich glaube Ihnen sogar, das Ihre Jägerin mit dem Vampir besser trainieren kann als mit Ihnen. Aber ... ist Sarahs Ausbildung nicht schon längst abgeschlossen?“ „Die Ausbildung einer Jägerin ist nie abgeschlossen“, erwiderte Giles. „Ach so“, murmelte Faith. Sie setzte sich zu Sarahs Freunden und legte ihre Beine auf den Tisch.

Sarah pustete sich eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht. Angel nahm sie so dermaßen hart ran, das sie ziemlich heftig zum schwitzen anfing. „Wie wäre es mit einer Pause?“ fragte sie. „Sagst du das auch, wenn dich ein Dämon angreift? Wir sind hier nicht beim Boxen, Sarah.“ „Ich hab verstanden“, sprach Sarah als sie Angels Schlag abwehrte. Die beiden Kampfstöcke prallten hart gegeneinander. Sarah duckte sich unter Angels Schlag hinweg und griff an. Sie schlug Angel den Kampfstock aus den Händen. Angel stolperte zu Boden und Sarah stand in angespannter Kampfhaltung vor ihm und richtete ihren Kampfstock auf ihn.

„Bin ich gut genug?“ fragte sie außer Atem. Angel nickte. „Ja, das bist du.“ Sarah ließ den Kampfstock auf den Boden fallen und setzte sich zu Angel auf die Matte. „Wow! Wenn ich heute Abend ins Bett gehe, schlafe ich in zehn Jahren noch“, stöhnte Sarah. Sie holte tief  Luft. „Du bist ziemlich fertig“, stellte Angel fest. Sarah grinste schief. „Was du nicht sagst! Was ist mit dir?“ „Ich atme anders wie du.“ „Stimmt.“ Sarah lehnte ihren Kopf an Angels Schulter und schloß für einen Moment die Augen.

Als sie den Kopf hob begegnete sie Angels Blick. Angel ließ seinen Finger zärtlich an ihrer Wange entlang gleiten. „Weißt du, wenn ich zurückdenke ... wie wir uns kennengelernt haben ... du hast dich verändert.“ „Wie meinst du das?“ flüsterte Sarah. „Nun ja, damals warst du ein verrücktes Highschoolgirl. Du bist reifer und erwachsener geworden. Und das macht dich noch schöner.“ Sarah schenkte Angel ein scheues Lächeln. Ihre Lippen trafen zu einen Kuss zueinander. Sarah legte ihre Arme um seinen Nacken und zog Angel noch näher an sich heran. Ihre Küsse wurden immer leidenschaftlicher. Engumschlungen sanken Angel und Sarah auf die Matte zurück.

Faith hörte, das die Kampfgeräusche verstummten. Sie stand auf. „Ich werde mal nach hinten gehen. Vielleicht hat die Jägerin ja jetzt Zeit“, sprach sie. Als Faith verschwunden war fragte Willow: „Was halten Sie von ihr, Giles?“ Der Wächter seufzte. „Ich weiß es nicht. Sie ist anders als Kendra. Und sie ist auch anders als Sarah. Ich frage mich ... welche Disziplin man ihr beigebracht hat. Wenn ich auf einer Tagung wäre, würde Sarah nicht einfach so in eine andere Stadt verschwinden.“ „Nein, ganz sicher nicht.“ „Es hat den Anschein, das Faith die Verantwortung – die sie als Jägerin trägt – egal ist. Wir werden sehen wie sich die Sache entwickelt“, sprach Giles skeptisch.

Über Faiths Lippen huschte ein Grinsen als sie Sarah und Angel engumschlungen am Boden vorfand. „Störe ich?“ fragte sie. Die Stimme holte Angel und die Jägerin zurück in die Wirklichkeit. „Oh ... Faith“, stammelte Sarah zerknirscht. In Angels Armen hatte sie alles um sich herum vergessen. Aber das war immer so. Sobald sie Angel sah ließ sein Anblick sie einfach alles vergessen.

„Wie lange bist du schon hier?“ fragte Sarah hektisch. „Eine ganze Weile. Ich hab dich in Ruhe gelassen weil du trainiert hast. Aber jetzt ... Sieht so dein Training aus?“ fragte Faith die andere Jägerin herausfordernd. Sarah wechselte einen wissenden Blick mit Angel und lächelte leicht. Sarah und Angel erhoben sich von der Matte. „Nun ... wir haben uns nur ein wenig entspannt“, sprach Sarah und sie strich sich ihr Haar zurück, das sich aus dem Haarband gelöst hatte.

„Was machst du hier?“ fragte Sarah. „Ich habe nur vorbei geschaut. Hey, hast du Lust mit mir ein paar Vampire zu vermöbeln?“ Sarah drehte sich zu Angel um. „Geh nur“, sprach er. „Aber paß auf dich, ja?“ „Sicher“, sprach Sarah. Sie richtete ihre Augen wieder auf Faith. „Warum eigentlich nicht? Ich bin gleich fertig.“ Sarah drehte sich zu Angel um, der gerade sein Hemd zuknöpfte und nach seiner Jacke griff.

„Könntest du meinen Rucksack mitnehmen? Meine ganzen Bücher sind noch drinnen.“ „Sicher. Und jetzt geh! Lern sie kennen. Das tut dir sicher gut sie als Faith zu sehen und nicht nur als Kendras Ersatz.“ Sarah nickte. „Ich danke dir - für alles. Habe ich dir schon einmal gesagt wie wunderbar du bist?“ „Nein.“ „Jetzt weißt du es. Bis später“, sprach Sarah. Angel zog sie noch einmal in seine Arme und küßte sie. Dann ließ er Sarah gehen.

Sarah und Faith gingen nebeneinander her. „Erzähl von dir“, bat Sarah. „Da gibt es nicht soviel zu erzählen. Ich wurde zur Jägerin benannt und wurde trainiert.“ „Was für ein Leben hast du davor geführt?“ „Kein gutes“, sprach Faith. „Nichts, was ich vermissen werde. Und du? Was ist das – mit Angel?“ Sarah seufzte. „Meine Beziehung zu Angel ist ... kompliziert. Wir lieben uns; versuchen unser Leben zu meistern. Ich glaube daran, daß wir es schaffen – irgendwie. Laß uns nicht über Angel reden, Faith. Das ist ... du wirst es doch nicht verstehen.“ „Ich will ja nur sagen, das ... ich hatte viele Typen. Aber ich habe es nie mit einem Vampir getrieben. Wie ist das den so?“ Sarah zuckte mit den Schultern. 

Ich will nicht darüber reden, dachte Sarah. Anscheinend fehlte Faith das nötige Feingefühl um zu merken, das dieses Thema Sarah sehr weh tat. „Wir ... haben es nur einmal getan. Er verliert seine Seele, wenn er einen Moment wahren Glücks erlebt. Doch wir konnten ihm die Seele zurückgeben. Außerdem ... mir fehlen Vergleichsmöglichkeiten, verstanden?“ „Wow! Du warst noch ... Jungfrau als du mit Angel geschlafen hast?“ rief Faith ungläubig. Sarah nickte. „Angel war meine erste große Liebe. Und er ist meine einzig große Liebe. Das wird er immer sein. Genug über ...“ Sarah brach ab als sie auf einmal zu Boden gerissen wurde.

Sarah blickte auf und sah in das Gesicht eines Vampirs. Aus dem Gebüsch sprangen noch drei Vampire. Zwei von ihnen stürzten sich auf Faith, während der Vierte sich zu Sarah und ihrem Gegner gesellte. Sarah spannte ihren Körper an und schleuderte den Vampir von sich weg. Der Vampir flog ins Gebüsch. Sarah wandte ihre Aufmerksamkeit dem anderen Vampir zu und lieferte sich einen harten Schlagabtausch mit ihm.

Sie zog aus ihrem Jagdbeutel einen Holzpflock und vernichtete den Vampir. „Faith“, rief sie. Sarah warf der zweiten Jägerin ihren Reservepflock zu, den sie immer zur Sicherheit dabei hatte. Faith fing den Pflock auf und vernichtete einen der beiden Vampire, mit denen sie rang. Da stürzte der Vampir aus dem Gebüsch, den Sarah von sich weggeschleudert hatte. Mit einen wütenden Knurren stürzte er sich auf Sarah und riß sie erneut zu Boden. Sarah flog der Holzpflock aus der Hand.

Der Vampir verpaßte Sarah harte Schläge ins Gesicht. „Faith“, rief Sarah. Doch die andere Jägerin reagierte nicht. Sie hatte ihren Gegner zu Boden geschleudert und schlug sinnlos auf ihn ein. „Dir bringe ich bei mich töten zu wollen“, schrie Faith und immer wieder raste ihre Faust in das Gesicht des Vampirs. Völlig unnötig, dachte Sarah. „Faith, töte den Mistkerl endlich und komm her“, forderte Sarah das dunkelhaarige Mädchen auf.

Doch Faith tat nichts um Sarah aus ihrer Bredouille zu helfen. Sie war ganz damit beschäftigt den Vampir zu Tode zu prügeln. Sarah verdrehte die Augen. Sie fand es gar nicht lustig, das Faith alles um sich herum vergaß und das Gesicht ihres Gegners zu Brei schlug. Sarah zog ihr Knie an und rammte es den Vampir in den Magen. Der Vampir ließ von ihr ab. Als er aufblickte, stand Sarah schon auf ihren Beinen. Sie packte ihn an den Schultern und warf ihn gegen einen Baum. Ein spitzer, halb abgebrochener Ast bohrte sich in das Herz des Untoten und er zerfiel zu Staub.

Sarah drehte sich zu Faith um, die noch immer auf ihren Gegner einschlug. Die ältere Jägerin bückte sich nach ihrem Holzpflock und hob ihn auf. Wütend stieß sie Faith zur Seite und rammte den Vampir den Pflock in sein untotes Herz. Er stöhnte auf und wurde zu einem Ascheregen. „Wieso hast du dich eingemischt?“ rief Faith wütend. Zornig funkelte Sarah Faith an.

„Bist du wahnsinnig? Ich hab dich um Hilfe gebeten. Du sollst die Vampire vernichten, nicht sinnlos auf sie einprügeln und ihnen das Gesicht zerschlagen. Faith, was soll das?“ „Du bist doch ganz gut allein klar gekommen, Sarah“, sprach Faith cool und sie ging an ihr vorbei. „Faith“, rief Sarah. Doch Faith hörte nicht. Wut kam in Sarah hoch. Dieses Verhalten war wirklich inakzeptabel - selbst für sie. Sarah starrte Faith nach.

„Giles, wir müssen reden“, sprach Sarah am nächsten Morgen ohne Begrüßung. „Einen Moment“, erwiderte Giles und er verabschiedete noch seinen Kunden. Giles richtete seine Aufmerksamkeit auf seine Jägerin, sobald er mit ihr allein war. „Was ist passiert?“ fragte er. „Faith“, sprach Sarah. „Mit ihr stimmt was nicht.“ „Wie kommst du darauf?“ Sarah seufzte und sie erzählte ihrem Wächter von dem Kampf mit den Vampiren und Faiths Ausraster.

„Nun ... das ist ...“ „Giles, was ist mit Faiths Wächterin? Irgendwie glaube ich Faith nicht so recht.“ „Wie meinst du das?“ „Na, denken Sie doch mal nach: Diese Tagung muß doch vom Rat der Wächter ausgehen, oder? Und wenn es diese Tagung wirklich geben würde, dann ... hätte man Sie doch auch eingeladen. Irgend etwas stimmt da nicht.“ Giles dachte über die Worte seiner Jägerin nach und mußte ihr zustimmen.

„Du hast recht. Da ist etwas nicht in Ordnung. Ich werde den Rat anrufen und mich nach Faiths Wächterin erkundigen. Vielleicht erfahre ich auch mehr über Faith und ihrer Ausbildung. Und du solltest in die Schule gehen. Oder hast du heute keine Vorlesung?“ Sarah blickte auf ihre Uhr. „Erst in einer halben Stunde. Was halten Sie von Faith?“ fragte sie unvermittelt. Giles blickte Sarah überrascht an.

„Sie kann dich niemals ersetzen“, sprach er. Sarah lächelte. „Wirklich?“ „Wirklich. Du bist meine Jägerin. Du bist DIE Jägerin, Sarah.“ „Danke, Giles. Ich werde jetzt mal gehen. Sagen Sie mir wegen Faiths Wächterin Bescheid?“ „Natürlich. Ich werde noch heute mit dem Rat telefonieren. Danach wissen wir mehr“, sprach Giles. Sarah nickte und machte sich auf den Weg zur Uni.

Giles griff – sobald Sarah gegangen war – zum Telefon und wählte eine ihm sehr bekannte Nummer, die er auswendig kannte. Am anderen Ende der Leitung wurde nach dem dritten Klingeln abgehoben. „Ja?“ „Hier spricht Rupert Giles, der Wächter von Sarah Summers. Ich muß mit Quentin Travers sprechen“, sprach Giles ernst. „Einen Moment“, sprach die ihm fremde Stimme.

„Hallo Rupert“, sprach Quentin nach einigen Sekunden in den Hörer. „Was kann ich für dich tun?“ „Wir haben ein Problem, denke ich. Hier in Sunnydale ist Faith, die neue Jägerin, aufgetaucht. Ich möchte mich gerne erkundigen was mit ihrer Wächterin ist. Faith erzählte uns, das sie auf einer Tagung ist, aber ... ich kann dem nicht so recht glauben.“ „Faith ist also in Sunnydale“, stellte Quentin trocken fest.

„Wir wußten nicht wohin sie geflohen ist.“ „Wie meinen Sie das?“ „Faith hat Sie angelogen, Rupert. Und es ist gut, daß Sie ihr etwas mißtrauisch gegenüberstehen. Faiths Wächterin ist tot. Sie wurde im Kampf getötet. Genau wie Sie, Rupert, war die Frau sehr engagiert. Faith ist nach dem Tod ihrer Wächterin abgehauen. Wir haben ihre Spur verloren. Gut, daß Sie uns angerufen haben.“ „Was passiert jetzt?“ erkundigte sich Giles.

„Nun ... Faith ist anders als Ihre Jägerin. Aber das haben Sie sicher schon fest gestellt, Rupert.“ „Ja, allerdings ist mir das schon aufgefallen.“ „Faith braucht mehr Disziplin und Kontrolle als Sarah. Sie braucht einen Wächter. Faith muß kontrolliert werden. Sie ist ... ziemlich unberechenbar. Rupert, bis wir einen Wächter auserkoren haben, der Faith übernimmt, werden Sie eben beide Jägerinnen betreuen.“ „Ich verstehe“, murmelte Giles und er legte auf.

Giles nahm seine Brille ab und putzte sie. Faith hatte sie angelogen. Giles ahnte, das Faith Ärger machen würde. Nachdem was in der Nacht mit Sarah passiert war ... Giles seufzte. Zwei Jägerinnen zu betreuen, würde sicher nicht einfach werden. Vor allem nicht, wenn die Eine verantwortungsbewußt war und die Andere schwer zu kontrollieren, so wie der Rat es gesagt hatte. Faith brauchte mehr Führung als Sarah – das las Giles aus den Worten von Quentin Travers heraus. Giles schüttelte den Kopf. Er hoffte, das diese ganze Sache mit Faith wirklich gut ging.

~ 4. ~

Die Tür zum Büro des Bürgermeisters von Sunnydale – Richard Wilkins III. – war geschlossen. Der Bürgermeister sah seinen Stellvertreter Allan Finch an. „Dann haben wir jetzt zwei Jägerinnen in der Stadt“, stellte er fest. Allan nickte. „Ja.“ „Nun ... das könnte irgendwann ein Problem werden. Wir haben schon mit der einen soviel zu tun.“ „Die Vampire fürchten sie. Sie ist sehr stark.“ „Und die Neue?“ fragte Richard Wilkins. Allan Finch zuckte schwach mit den Schultern.

„Nun ... als Jägerin ist sie natürlich stärker als normale Menschen. Doch ... sie ist anders.“ „Wie anders?“ „Schwer zu sagen. Sie scheint ... brutaler zu sein.“ „Verstehe. Das wäre alles, Allan. Sagen Sie mir Bescheid, wenn sich etwas ändert. Ich will über alles – was die beiden Jägerinnen tun – Bescheid wissen.“ „Ich werde Sie auf den Laufenden halten, Mr. Wilkins.“ Allan ging zur Tür. „Das ist gut. Die Beiden dürfen mir nicht in die Quere kommen. Sie dürfen nichts über den Aufstieg erfahren“, sprach der Bürgermeister hinter seinen Stellvertreter. Allan nickte und ließ seinen Chef allein. „Ja, niemand darf etwas über meinen Aufstieg erfahren“, murmelte Richard Wilkins als er allein in seinen Büro war. Störungen konnte er sich nicht leisten.

Am Nachmittag schaute Sarah bei Giles vorbei. Willow und Oz begleiteten sie. „Hey Leute“, rief Xander fröhlich, der schon bei Giles war. „Ich hab den Job“, verkündete Xander ihnen die gute Nachricht. Xander hatte am Vormittag einen Vorstellungstermin bei einer Baufirma gehabt. „Wirklich?“ „Ja, ihr seht jetzt einen arbeiteten Mann vor euch. Ich arbeite ab morgen auf dem Bau. Ist das nicht toll?“ „Ja, das ist wirklich toll“, sprach Sarah und sie klopfte Xander anerkennend auf die Schulter.

Dann drehte sie sich zu Giles um. „Haben Sie mit dem Rat gesprochen?“ Giles nickte. „Faiths Wächterin ist tot. Faith ist danach einfach abgehauen und hier her geflohen.“ „Ich wußte, da stimmt etwas nicht“, murmelte Sarah. „Und was hat der Rat gesagt?“ „Nun ... sie sind froh, das ich Ihnen gemeldet habe, wo Faith steckt.“ „Ist das alles?“ fragte Sarah. Giles schüttelte den Kopf. „Vorübergehend werde ich mich um zwei Jägerinnen kümmern.“ „Oh ... das wird ein Spaß!“ „Nun ... Sarah, deswegen wollte ich sowieso mit dir sprechen.“ „Wieso?“ fragte sie irritiert.

„Du bist gut ausgebildet. Faith braucht mehr Führung wie du. Der Rat sagte mir, das sie ziemlich unberechenbar ist und ... mehr Kontrolle und Disziplin als du benötigt. Ihr fehlt das Verantwortungsgefühl für ihre Aufgabe.“ „Verstehe! Angel?“ fragte Sarah. Giles nickte. „Ja, ich wäre dir sehr dankbar, wenn du und Angel ... nun wenn ihr euch allein um deine Ausbildung kümmert.“ „Sicher schaffen wir das. Ich trainiere ja sowieso mit ihm und ... ansonsten gibt es doch keine Ausbildung mehr für mich. Ich verstehe aber worauf Sie hinauswollen. Sie brauchen mehr Zeit für Faith.“ „Richtig“, pflichtete Giles ihr bei.

„Ist kein Problem! Ich  weiß ja, das ich Ihre einzige Jägerin bin.“ Giles nickte. „Ich danke dir für dein Verständnis. Allerdings ... könnte ich deine Hilfe bei Faiths Ausbildung brauchen.“ „Hab verstanden! Ich werde ihr mal alles erzählen. Wo wohnt sie überhaupt?“ „In einen Motel“, mischte sich nun Xander ein. „Woher weißt du das?“ fragte Sarah verblüfft. „Nun ... sie hat es erzählt. Faith hat es an dem Abend erzählt als wir sie kennengelernt haben.“ „Und wo ist dieses Motel?“ „In der Nähe des Busbahnhofs.“ „Okay, ich gehe mal zu ihr.“ „Danke, Sarah“, sprach Giles. „Kein Problem“, rief Sarah fröhlich und sie machte sich auf den Weg zu Faith.

Faith schlug mit der flachen Hand auf ihren Fernseher. Das Bild war etwas gestört. „Jetzt komm schon, du blöde Kiste“, murmelte sie. Da klopfte es an ihrer Tür. Faith ging zur Tür und öffnete. „Hi“, sprach sie als sie Sarah sah. „Kann ich reinkommen?“ „Sicher, komm nur“, sprach Faith und erneut schlug sie mit der flachen Hand auf den Fernseher. Für einen kurzen Moment rauschte es noch und dann war das Bild wieder da.

Sarah schloß die Tür hinter sich. Sie sah sich um. Das Zimmer, in dem Faith lebte, war sehr spärlich eingerichtet. Ein Bett, ein Schrank und ein TV-Gerät dazu eine Verbindungstür, die in ein kleines Badezimmer führte. „Nett hier“, sprach Sarah. Faith grinste. „Es gefällt dir nicht wirklich, oder?“ „Nicht sehr. Ich bin hier weil ich mit dir reden muß.“ „Worüber?“ „Über deine Wächterin“, sprach Sarah.

Sie beobachtete wie Faith erstarrte. „Darüber gibt es nichts zu reden. Meine Wächterin ist auf einer Tagung und ...“ „Wir wissen, das sie tot ist“, unterbrach Sarah die andere Jägerin. Faith verstummte und schluckte schwer. „Ihr wißt es?“ Sarah nickte. „Du hättest doch wissen müssen, daß wir hinter deine kleine Lüge kommen. Giles hat den Rat angerufen und die haben ihm alles erzählt. Du bist nach dem Tod deiner Wächterin einfach abgehauen.“ „Ja, bin ich“, bestätigte Faith. „Und jetzt? Was hat der Rat beschlossen?“ Sarah seufzte.

„Faith, ich selbst mag den Rat auch nicht besonders. Sie geben uns Befehle und wissen nicht einmal was hier eigentlich abgeht. Ich kann dich verstehen. Aber ... sie sitzen in England; können uns nicht viel anhaben. Der Rat hat eine Übergangslösung beschlossen.“ „Und wie sieht die aus?“ „Vorübergehend kümmert sich Giles um dich. Vorübergehend betreut er beide Jägerinnen bis der Rat einen neuen Wächter für dich schickt.“ „Verstehe“, murmelte Faith. Sarah strich sich eine Strähne zurück.

„Hör mal, Faith! Ich sehe dir an, das du von einem Wächter nicht viel hältst, aber ... gib Giles eine Chance. Er ist okay. Er ist ein guter Wächter. Giles opfert sich auf für seinen Beruf. Er ist wirklich gut. Auch wenn er einen etwas steifen Eindruck macht ... er ist ein toller Wächter. Glaub mir!“ Faith nickte. „Du mußt es ja wissen“, murmelte sie. „Faith, ohne Giles hätte ich es niemals soweit geschafft. Die Grundlage für eine Beziehung zwischen Jägerin und Wächter ist Vertrauen. Diese Übergangslösung kann nur funktionieren wenn du Giles, mir und meinen Team vertraust.“ „Ist das alles?“ fragte Faith gelangweilt.

Sarah schüttelte den Kopf. Ich gebe auf, dachte sie. „Ja, das ist alles. Hör auf mich, Faith! Akzeptiere diese Lösung. Wenn du es nicht tust ... wird der Rat sich etwas anderes überlegen. Und ... wenn die es wollen, können sie ganz schön unangenehm werden. Denk darüber nach. Du weißt ja, wo du mich und Giles findest. Aber laß dir nicht zuviel Zeit, okay?“ „Klar“, sprach Faith. „Bis dann“, sprach Sarah und sie verließ Faiths Motelzimmer. Irgendwie habe ich geahnt das sie so reagieren würde, dachte Sarah. Sie blieb noch einen Moment vor der Tür stehen. Doch sie konnte sowieso nichts mehr machen. Also ging sie.

Zur selben Zeit bekam Angel unerwarteten Besuch. „Joyce“, stieß Angel überrascht aus. „Sarah ist nicht hier.“ „Ich wollte mit Ihnen reden, Angel“, begann Sarahs Mutter zögernd. Angel nickte und deutete auf das Sofa. Joyce lächelte leicht und setzte sich auf das Sofa. Angel nahm ihr gegenüber Platz. „Wollen Sie einen Kaffee?“ fragte er. „Haben Sie etwa einen hier?“ Der Vampir nickte bejahend. „Ich habe schon welchen da, aber ... ich trinke nur sehr selten Kaffee. Das Koffein macht mich nervös.“ Joyce nickte.

„Ich wollte mit Ihnen sprechen.“ „Worüber?“ „Über ... Ihre Beziehung zu meiner Tochter. Angel, ich weiß, das Sarah sie sehr liebt. Mein Gott, ich habe noch nie gesehen das ein Mensch jemand anderen so sehr liebt wie meine Tochter Sie. Doch ich mache mir auch Sorgen. Sie waren der Grund warum Sarah damals weggelaufen ist und ... Ich vertraue euch; euch beiden. Aber trotzdem habe ich ein paar Zweifel. Glauben Sie wirklich, das diese Beziehung hält?“ Angel lehnte sich langsam zurück.

„Ich hoffe es. Joyce, ich liebe Ihre Tochter. Ich würde für Sarah sterben. Ich weiß, daß Sie all das – Sarahs Welt – nicht wirklich verstehen. Es sind viele Dinge passiert, die Sie nicht verstehen können.“ Joyce nickte. „Joyce, sie ist da draußen nicht allein. Ich bin bei ihr. Ich paß auf sie auf.“ „Das ist gut zu wissen.“ „Ich ... liebe Sarah. Ich weiß, wie sehr ich ihr weh getan habe – damals. Und es tut mir leid, das sie weggelaufen ist. Aber ... Joyce, ich werde mich nicht von ihr trennen.“ „Deshalb bin ich nicht gekommen“, sprach Sarahs Mutter.

„Wirklich nicht?“ „Nein. Ich höre immer nur von Sarah über ihre Liebe zu Ihnen. Ich wollte mich nur gerne vergewissern wie Sie diese Sache sehen.“ „Joyce, ich weiß was Sie meinen. Aber ... ich kann Sarah nicht verlassen. Ich liebe sie so sehr. Das Sarah mir verziehen hat, ist unglaublich mutig von ihr. Wir haben keine einfache Beziehung. Das wissen wir beide, aber ... wir sind bereit alles zu tun um unserer Liebe eine Chance zu geben.“ „Angel, versprechen Sie mir, das Sie auf Sarah aufpassen?“ Angel nickte. „Ich werde immer auf sie aufpassen“, versprach Angel der Mutter seiner Freundin. „Danke“, sprach Joyce und sie verabschiedete sich mit gutem Gewissen.

Im Laden lief das Geschäft gut. Faith blieb einen Moment unschlüssig an der Tür stehen. Sie überlegte, ob sie wieder gehen sollte. Doch dann entschied sie sich anders. Die Ladentür fiel hinter ihr ins Schloß und sie näherte sich dem Tresen. Giles sprach gerade mit einem Kunden. Er nahm das Geld entgegen und tat es in die Kassa. „Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit der Kristallkugel“, sprach Giles und reichte dem Kunden seinen Einkauf. Der Kunde verließ den Laden.

Erst da bemerkte Giles Faith. „Faith“, sprach er überrascht. „Haben Sie kurz Zeit?“ fragte die Jägerin. Giles nickte. „Sicher.“ Faith trat an den Tresen. „Sarah hat mit dir gesprochen?“ erkundigte sich Giles. „Ja, sie hat mir die Entscheidung des Rates mitgeteilt. Sie sagte auch ... das Sie als Wächter in Ordnung sind und ... das man Ihnen vertrauen kann.“ Giles lächelte leicht.

„Nun, was machst du hier?“ „Ich bin hier um Ihnen zu sagen ... das ich Ihre Hilfe annehme. Wenn der Rat beschlossen hat das Sie zur Zeit mein Wächter sein sollen ... dann soll es eben so sein. Ich werde diese Entscheidung notgedrungen akzeptieren.“ „Nun, das ... das ist gut, Faith“, sprach Giles und er nahm seine Brille ab um die Gläser zu putzen. „Deine Ausbildung wird einiges an Zeit erfordern. Aber ich schätze, wir werden das schon hinkriegen. Vorausgesetzt ...“ „... Es herrscht Vertrauen zwischen Wächter und Jägerin“, sprach Faith und sie verdrehte die Augen.

„Das hat mir Sarah auch schon erzählt. Hören Sie, eines möchte ich von vorn herein klarstellen: Ich will und brauche keinen Wächter. Ich bin zur Zusammenarbeit nur bereit weil der Rat ansonsten sicher andere Seiten aufzieht. Ich bin eine gute Jägerin. Ich kämpfe gut.“ „Kämpfen und Töten ist nicht alles, Faith“, erwiderte Giles. „Nicht? Nun, Sie müssen es ja wissen. Ich werde nicht so wie Sarah. Ich mache mein eigenes Ding. Und ... ich hasse Einmischung. Entweder kommen Sie damit klar oder Sie lassen es bleiben“, sprach Faith.

Sie drehte sich um und verließ den Laden ohne ein weiters Wort. Ein schwerer Seufzer entrang sich aus Giles‘ Kehle. Das würde noch Probleme mit sich ziehen. Er ahnte es. Doch als Wächter war es seine Aufgabe sich um Faith zu kümmern und mit Sarahs Hilfe konnte er ihr vielleicht etwas mehr Verantwortung für ihre Bestimmung beibringen.

~ 5. ~

Seit einigen Wochen war Faith nun in der Stadt. Das Training mit ihr gestaltete sich als sehr schwierig. Sarah und Giles kamen nicht so an sie ran wie sie sich das vorgestellt hatten. Faith war unbeherrscht und kompliziert und sie nahm ihre Ausbildung als Jägerin nicht ernst; sie nahm ihre Bestimmung als Jägerin nicht ernst. Faith hatte kein Verantwortungsgefühl für ihre Bestimmung entwickelt und das sah Giles mit großer Besorgnis.

Die Klingel über der Ladentür ging los. Giles hob den Kopf. Ein junger Mann – er machte einen extrem steifen Eindruck – kam auf ihn zu. Der Fremde sah sich interessiert um. „Kann ich Ihnen helfen?“ erkundigte sich Giles. „Sind Sie Rupert Giles?“ fragte der Fremde. Giles wurde sofort mißtrauisch. „Ja, der bin ich. Und wer ... sind Sie, wenn ich fragen darf?“ „Mein Name ist Wesley Wyndham-Pryce. Der Rat schickt mich. Ich bin der neue Wächter“, stellte sich der Fremde vor.

Giles nickte langsam und reichte den Mann die Hand. „Sie sind wegen Faith hier?“ „Nicht nur. Natürlich soll ich die Jägerin kontrollieren, aber ich bin auch geschickt wurden um Ihre Kenntnisse zu überprüfen.“ „Was?“ Giles glaubte im ersten Moment sich verhört zu haben. „Sie wollen was?“ „Der Rat wies mich an Sie und Ihre Jägerin Sarah Summers unter die Lupe zu nehmen und ... nun ja, zu überprüfen wie Sie sich als Wächter machen.“ „Ich bin ein guter Wächter“, protestierte Giles.

„Ihre Jägerin liebt einen Vampir und Sie sehen einfach dabei zu. Das spricht nicht gerade für Ihre Qualitäten, oder?“ sprach Wesley. Giles sah Wesley entgeistert an. „Sie haben keine Ahnung wovon Sie sprechen. Die Sache zwischen Angel und Sarah ... Sie werden es verstehen wenn Sie die Beiden erleben“, erwiderte Giles eisig. „Mr. Giles ...“, begann Wesley, doch er führte seinen Satz nicht zu Ende als Sarah in den Laden stürmte.

„Giles, sagen Sie mir sofort, was Sie vorhaben“, rief sie ohne auf den fremden Mann vor dem Tresen zu achten. „Was?“ fragte Giles verwirrt. Sarah beugte sich über die Theke. „Sagen Sie mir, was Sie vorhaben“, forderte sie. „Ich hab gar nichts vor.“ „Doch, haben Sie. Sie planen etwas für meinen Geburtstag, richtig?“ sprach Sarah hoffnungsvoll. Giles lächelte leicht als er in die Augen seines Schützlings sah.

„Ich weiß nicht wovon du redest“, wich er aus. „Meine Mutter, Giles, hat eine Liste geschrieben. Auf dieser Liste stehen Dinge wie Girlanden, Sekt und Kuchen. Sie hat die Liste auf dem Küchentisch liegen gelassen, deshalb konnte ich sie lesen. Also, Giles?“ Giles seufzte. „Okay, wir haben etwas für deinen Geburtstag geplant. Mehr verrate ich nicht.“ „Es wird doch nicht wieder eine Überraschungsparty, oder? Giles, erinnern Sie sich an die Letzte. So eine Party will und brauche ich nicht noch einmal.“ „Ich weiß. Wir haben etwas nettes geplant, mehr sage ich dir nicht. Laß dich überraschen. Übrigens, war das Ganze Angels Idee.“ „Angel hat sich das ausgedacht?“ fragte Sarah überrascht.

Giles nickte. „Das ist ja süß von ihm.“ Wesley räusperte sich. „Oh ... störe ich gerade?“ Giles schüttelte den Kopf. Er war froh, das Sarah da war. „Sarah, das ist Wesley Wyndham-Pryce. Der Rat schickt ihn.“ „Dann sind Sie der Wächter für Faith“, sprach Sarah. „Nicht nur. Ich bin auch hier um Mr. Giles‘ Qualitäten als Wächter zu überprüfen und das was ich gerade gesehen habe gefällt mir nicht. Eine Jägerin muß ihre ganze Konzentration auf ihre Bestimmung lenken und sich von nichts ablenken lassen. Schon gar nicht von so etwas lächerlichem wie ein Geburtstag“, sprach Wesley. Giles konnte die Sekunden zählen ... wie lange es dauerte bis Sarah explodierte.

„Mein Geburtstag soll was lächerliches sein?“ rief sie. „Das kann nur jemand sagen für den der Geburtstag normal ist. Für mich ist es nicht normal älter zu werden. Ich sage Ihnen etwas, Wesley: Sie mögen als Wächter ausgebildet sein. Doch sie haben keine Ahnung, was es bedeutet, Wächter zu sein. Giles weiß es. Er war mehr für mich da als jemals eine von euch Flaschen vom Rat. Und wagen Sie es ja nicht an Giles‘ Fähigkeiten als Wächter zu zweifeln. Den Sie können von ihm noch eine ganze Menge lernen“, verteidigte Sarah ihren Wächter energisch.

Stolz sah Giles sie an. Selten war er so stolz auf sie gewesen wie in diesem Augenblick. Ja, sie hielt wirklich felsenfest zu ihm. „Nun ... Sarah, du solltest lernen vor einem Wächter Respekt zu haben“, sprach Wesley. „Ich habe vor Giles Respekt. Das was er in den letzten Jahren geleistet und für mich getan hat, werde ich ihm niemals vergessen. Ich bin ihm unheimlich dankbar dafür. Leisten Sie einmal das, was Giles geleistet hat ... dann, lieber Wesley, können Sie von Respekt sprechen. Giles stand mir immer bei und ohne ihn hätte ich niemals solange überlebt“, sprach Sarah und damit wies sie Wesley deutlich in seine Schranken.

In diesem Moment ging die Tür auf und Faith kam herein. Sie sah zuerst Sarah an und dann Giles. Dann glitt ihr Blick zu dem steifen Engländer. Instinktiv wußte Faith sofort um wen es sich bei diesem Mann handelte. „Der neue Wächter?“ fragte sie Sarah und deren Wächter. Giles und Sarah nickten zustimmend und sprachen gleichzeitig: „Der neue Wächter!“ „Ähm ... ich bin ...“, sprach Wesley, doch weiter kam er nicht. Faith verdrehte die Augen und verschwand wortlos aus dem Laden.

„Das ist ja ungeheuerlich. Ihr wißt ja beide nicht was Respekt ist“, warf Wesley der älteren Jägerin vor. „Nun, Sie müssen sich den Respekt erst verdienen. Giles hat unseren Respekt weil er sich für uns aufopfert und wenn wir etwas für ihn erledigen, gibt er uns danach immer einen Keks“, witzelte Sarah. Giles konnte sich ein Lachen gerade noch verkneifen. „Das ist doch ...“, stammelte Wesley fassungslos. „Sarah, wärst du so lieb und holst Faith bitte zurück?“ bat Giles. „Natürlich, Giles. Für Sie tue ich sowas ja gerne“, sprach sie und ging an Wesley vorbei.

Sarah entdeckte Faith wie sie die Straße hinunterging. „Faith, warte“, rief Sarah. Seufzend blieb die zweite Jägerin stehen und wartete bis Sarah bei ihr angekommen war. „Was willst du?“ „Hey, hör mal: Ich weiß, das der Typ nervt“, sprach Sarah sofort. „Aber ... weißt du, wenn wir uns nicht mit ihm zusammenraufen, fällt das auf Giles zurück. Dieser Typ ist nicht nur hier weil er dein neuer Wächter ist. Sondern er ist auch hier weil er Giles kontrollieren soll. Und wenn wir dem Typen nicht wenigstens zuhören wird das auf Giles zurückfallen, den ich bin mir sicher, das er dann Giles an den Rat verpfeift“, sprach Sarah.

„Und was erwartest du jetzt?“ fragte Faith. „Hör dem Kerl einfach zu, okay?“ bat Sarah. Sie hoffte, das dies wirklich funktionierte. Faith seufzte und kehrte um. „Gehen wir“, sprach sie. Sarah folgte ihr. Das kann gar nicht gut gehen, dachte Sarah etwas besorgt. Die beiden Jägerinnen kehrten in Giles‘ Laden zurück. Giles schenkte Sarah ein dankbares Lächeln, das sie es geschafft hatte, Faith zurück zu holen.

„Nun ... dann kann ich ja anfangen“, sprach Wesley. Sarah nahm auf einem der Sessel Platz, die um den runden Tisch standen, und ließ ihre Beine locker über die Lehne baumeln. Faith blieb stehen und starrte Wesley stur an. Man sah ihr an, das sie von dem neuen Wächter nicht sehr begeistert war. Und sie ließ Wesley ihre Abneigung auch von der ersten Sekunde an spüren.

„Faith, deine Ausbildung wird viel Zeit kosten. Du hast noch viel zu lernen und ich werde mich bemühen, dir das nötige Wissen für deine Bestimmung, beizubringen. Ich erwarte von dir, das du bereitwillig mitmachst und tust, was ich sage.“ „Vergessen Sie’s!“ sprach Faith. „Hören Sie: Ich bin an einer Zusammenarbeit mit Ihnen nicht interessiert. Machen Sie doch, was Sie wollen. Aber mischen Sie sich nicht in mein Leben ein, kapiert?“ sprach Faith. Ohne ein weiteres Wort verließ sie den Laden wieder. 

„Ich laufe ihr nicht noch mal nach“, warf Sarah ein. „Das brauchst du auch nicht“, sprach Giles. Er wandte sich an den neuen Wächter. „Faith hat kein Verantwortungsgefühl für ihre Bestimmung entwickelt. Sie braucht eine strenge, aber gerechte Führung.“ „Ich weiß. Ich werde schon mit ihr fertig.“ „Okay, ich sehe, ich bin hier überflüssig“, mischte sich Sarah ein. Sie stand auf und griff nach ihrer Handtasche.

„Ich gehe dann mal. Ich hab noch eine Verabredung.“ „Sarah, warte noch einen Moment“, sprach Wesley. „Sie sind nicht mein Wächter“, konterte die Jägerin und sie war schon auf den Weg zur Tür. „Wegen deiner Beziehung zu Angel ...“, begann Wesley. Er konnte gar nicht so schnell reagieren als die Jägerin herum wirbelte, Wesley am Kragen packte und ihn mit brutaler Gewalt auf den Tisch drückte.

„Ich warne Sie: Mein Leben geht Sie nichts an. Und wenn Sie auch nur ein Wort wegen meiner Liebe zu Angel verlieren ... dann mache ich Hackfleisch aus Ihnen, Mr. Wyndham-Pryce! Angel ist meine Sache. Und Sie werden niemals verstehen können warum ich – als Jägerin – einen Vampir liebe. Ich will auch nicht, das Sie es verstehen. Halten Sie sich da raus oder ich schwöre Ihnen, ich trete Ihnen so dermaßen in den Hintern, das es Sie direkt nach England zurück befördert“, zischte Sarah.

So schnell wie ihr Angriff erfolgt war, war er auch wieder verschwunden. „Wir sehen uns, Giles“, rief sie ihren Wächter fröhlich zu und schon hatte sie den Laden verlassen. Wesley hustete und schnappte nach Luft. Er strich die Falten seines Jackett zurecht. Vorwurfsvoll blickte Wesley Giles an. „Warum haben Sie die Jägerin nicht zurück gehalten?“ fragte er. Giles zuckte leicht mit den Schultern.

„Sarah hat recht. Ihre Beziehung zu Angel geht Sie nichts an. Ich gebe Ihnen einen wertvollen Rat, Wesley: Wagen Sie es nicht, Sarah wegen Angel zurecht weisen zu wollen. Sie werden verlieren. Sarah liebt Angel. Und er liebt sie. Die Beiden gehören zusammen. Auch wenn Ihnen das nicht gefällt ... Sie werden die Beiden niemals trennen können. Sarah und Angel haben in den letzten Jahren viel zusammen durch gemacht. Das hat sie zusammen geschweißt. Lassen Sie es einfach ohne Kommentar stehen. Nur so haben Sie eine Chance, das Sarah Ihnen einmal vertraut“, sprach Giles und er wandte sich wieder seiner Arbeit zu.

Allan Finch, der stellvertretende Bürgermeister, saß in seinen Büro und ließ seine Gedanken über die kommenden Geschehnisse schweifen. Er wußte von dem besagten Aufstieg seines Chefs. In was sich Richard Wilkins III. verwandeln würde, konnte auch er nicht sagen. Doch eine große dämonische Gefahr würde durch den Aufstieg des Bürgermeisters über die Welt hereinfallen.

Ich kann das doch nicht zulassen. Ich kann nicht zulassen, das er den Weltuntergang herauf beschwört, dachte Allan. Er öffnete seine Schublade und holte ein Blatt Papier heraus. Zögernd griff Allan nach einen Kugelschreiber. Er wartete noch einen Moment. Doch er konnte unmöglich zulassen, daß Richard Wilkins wirklich das durchzog, was er vorhatte. Allan Finch fing an einen Brief zu verfassen, den er in ein Kuvert steckte. Er schrieb die Adresse der Jägerin Sarah Summers auf das Kuvert. Dann steckte er den Brief ein und machte sich auf den Weg.

Unterwegs warf er seine Nachricht in einen Briefkasten. Allan wollte sich absichern, falls ihm etwas passierte und er starb, bevor er die Jägerin vor dem Aufstieg warnen konnte. Er wollte, das die Jägerin von den Plänen des Bürgermeisters – so fern er sie kannte – erfuhr, damit sie noch genügend Zeit hatte ihn zu stoppen. Allan konnte die Pläne seines Vorgesetzten einfach nicht mit seinen Gewissen vereinbaren.

Sarah und Faith trafen sich in dieser Nacht auf Patrouille. „Wird er bleiben?“ fragte Faith. „Der neue Wächter?“ Faith nickte. „Ja, es sieht ganz danach aus. Aber ich habe ihn schon einmal in seine Schranken gewiesen, denke ich.“ „Was ist passiert?“ „Als du gegangen bist wollte er mich wegen Angel zurecht weisen. Doch das habe ich nicht zugelassen.“ „Du bist ausgeflippt“, stellte Faith grinsend fest. Sarah zuckte schwach mit den Schultern.

„Ja, ich denke, das kann man ...“ Sarah wurde von hinten niedergeschlagen. Faith fuhr herum und trat dem Vampir ins Gesicht. Er schwankte jedoch nur leicht und erholte sich von Faiths Angriff schnell. Der Vampir riß Faith zu Boden. In diesen Moment stürzten sich noch zwei Vampire auf Sarah. Sie sprang auf und konnte einem Angriff seitens der Vampire gerade noch ausweichen.

Sarah wich einem erneuten Angriff geschickt mit einer Drehung aus. Dabei holte sie zwei Holzpflöcke aus ihrem Jagdbeutel. „Faith! Pflock“, rief sie und warf den Gegenstand durch die Luft. Faith streckte die Hand aus und fing den Pflock geschickt auf. Während sie mit ihrem Gegner um die Oberhand kämpfte, vernichtete Sarah einen der beiden Vampire, mit denen sie beschäftigt war.

Faith schaffte es ihren Gegner von sich wegzustoßen. Der Vampir prallte gegen eine Hausmauer. Faith rappelte sich hoch und schlug den Vampir nieder. Sarah duckte sich unter den Angriff ihres Gegner hinweg und kam hinter ihm zum stehen. Verwirrt blickte sich der Vampir um. „Schlaf gut“, sprach Sarah sarkastisch und mit ihren Worten vernichtete sie ihren untoten Gegner.

Sie blickte auf und sah wie Faith ihren Angreifer gerade vernichtete. Sarah klopfte sich den Staub von der neuen Hose als sie auf einmal Schritte vernahm. Verwundert hob sie den Kopf und horchte. War da etwa noch ein Vampir, der sich mit ihnen schlagen wollte? Da tauchte im fahlen Licht der Straßenlaterne ein Mann auf. Sarah konnte nicht mehr reagieren als Faith herum wirbelte und ihre Waffe einsetzte.

„Faith, nein“, schrie Sarah noch. Doch es war zu spät. Der Holzpflock hinterließ eine schwere, blutende Wunde im Brustkorb des Mannes. Er brach stöhnend zusammen. „Oh Gott, nein“, rief Sarah. Sie eilte zu dem Mann und kniete sich neben ihn nieder. Erstarrt blickte er sie an. „Halten Sie durch! Wir holen einen Krankenwagen“, sprach Sarah hastig. Sie drückte ihre Hände auf die Wunde am Herzen um die Blutung irgendwie aufzuhalten. Doch es gelang ihr nicht. Das Blut rann über ihre Hände.

Der Holzpflock glitt Faith aus der Hand und landete mit einen leisen Geräusch auf dem Boden. Sie starrte auf den Mann, den sie im Eifer des Gefechts schwer verletzt hatte. „Faith, hol einen Krankenwagen“, befahl Sarah hektisch. Doch Faith konnte sich nicht rühren. Sie blickte auf ihre Hände, an denen Blut klebte. Geschockt starrte sie auf den Mann, der um sein Leben kämpfte.

Sarah blickte ihm ins Gesicht und erkannte ihn. Es handelte sich um Allan Finch, dem stellvertretenden Bürgermeister von Sunnydale. Was tat er um diese späte Stunde in einer solchen Gegend? „Halten Sie durch, Mr. Finch“, sprach Sarah immer und immer wieder. „D ... der Aufstieg“, stammelte Allan schwach. „Was?“ Sarah blickte den Mann verwirrt an. Wovon sprach er?

„Du mußt ... die Welt schützen. Rette diese Welt, Jägerin. Der Bürgermeister ... er ...“ Allan sprach seinen Satz nicht zu Ende. Sein Kopf sank schwach zur Seite und seine Augen schlossen sich. Entsetzt starrte Sarah ihn an. Sie schüttelte ihn und befühlte seinen Puls. „Oh Gott, bitte nicht“, flehte sie leise. Sie drehte sich langsam zu Faith um. „Du hast ihn getötet“, sprach Sarah geschockt.

Faith starrte sie an. Sie sprach kein Wort. „Faith, hast du mich verstanden? Er ist tot. Wir müssen die Polizei verständigen.“ In diesem Moment schien Faith aus ihrer Erstarrung aufzuwachen. „Nein.“ „Was?“ Fassungslos sah Sarah die andere Jägerin an. Das konnte doch nicht ihr Ernst sein, oder etwa doch? Sie mußten die Polizei anrufen. Sie konnten die Leiche von Allan Finch nicht einfach liegen lassen.

„Wir schalten nicht die Polizei ein. Was willst du denen den sagen? Wir können ihnen nicht die Wahrheit sagen.“ „Und was willst du statt dessen tun?“ fragte Sarah mit zitternder Stimme. „Wir gehen. Wir verschwinden und trennen uns.“ „Aber ... Faith ...“, stammelte Sarah. „Wir waren nie hier, Sarah. Wir haben diesen Kerl nie getroffen“, sprach Faith nun bewußt. Bevor Sarah reagieren konnte ging Faith einfach die Gasse hinunter. Schockiert sah Sarah ihr nach.

Sie konnte es nicht glauben. Ihr Blick glitt zur Jägerin, die langsam verschwand, und dann zurück zu der Leiche des stellvertretenden Bürgermeisters. Sarah fing heftig zum zittern an. Ihr ganzer Körper wurde von einem heftigen Zittern erfaßt. Sie konnte nicht mehr klar denken. Sarah konnte es nicht fassen: Faith hatte wirklich einen unschuldigen Menschen getötet.

~ 6. ~

Sarah konnte den Anblick des toten Mannes nicht mehr ertragen. Sie rannte los. Sarah kam aus der Gasse und wollte eine Abkürzung nehmen. Doch unter der Brücke stieß sie mit Angel zusammen. „Sarah“, sprach er erfreut. „Ich hab dich gesucht. Ich dachte ...“ Angel brach ab. Er sah, wie durcheinander Sarah war. Sie war total durch den Wind. Und noch etwas kam ihm seltsam vor: Angel roch Blut.

„Was ist passiert?“ fragte er sofort. Sarah schüttelte den Kopf. „Ich ... ich kann ...“ Angels Blick fiel auf ihre Hände. Angel griff nach ihrer rechten Hand. Sarah wollte sie zurückziehen, doch sein eiserner Griff ließ das nicht zu. Angel sah das Blut an ihrer Hand. „Zeig mir deine andere Hand“, befahl er. Wortlos tat Sarah es. „Ist das dein Blut?“ hakte Angel nach. Verneinend schüttelte Sarah den Kopf.

„Wem gehört es, Sarah? Wieso klebt fremdes Blut an deinen Händen? Sag mir, was passiert ist!“ forderte Angel energisch. Er blickte ihr in die Augen. Angel sah, das ihr Tränen in die Augen stiegen. Sie zitterte am ganzen Körper. „Sarah, was ist geschehen?“ fragte Angel besorgt nun sanfter nach. „Faith ... sie hat ... sie hat einen unschuldigen Menschen getötet“, brach es aus Sarah heraus. Sie konnte es nicht für sich behalten; mußte es einfach loswerden.

„Wie bitte?“ fragte Angel. Sarah nickte langsam. „Wir wurden ...“ Sie brach ab. Sarah hatte nicht mehr die Kraft weiter zu erzählen. Tröstend zog Angel sie an sich. „Beruhige dich“, sprach er. Sarah schmiegte sich in seine Arme und fühlte sich wieder sicher und geborgen. „Komm, wir gehen nach Hause. Dort erzählst du mir dann alles.“ Sarah nickte langsam. Sie wußte, eine andere Wahl hatte sie nicht. Angel würde keine Ruhe geben bis er die Wahrheit kannte. Und sie wollte es ihm auch nicht verschweigen. Sie mußte es jemanden erzählen. Diese grausame Geheimnis konnte sie nicht für sich behalten.

Eine halbe Stunde später saß Sarah auf Angels Sofa. „Sag mir jetzt, was passiert ist“, bat Angel sanft. Sarah hatte ihre Hände gewaschen und trocknete sie nun. Sie hinterließ in dem hellgrauen Handtuch noch die letzten Blutspuren. Geschockt starrte sie auf das Blut. „Sarah?“ sprach Angel einfühlsam. Ruckartig blickte sie hoch. Sie begegnete Angels besorgten Blick.

„Ich ... ich hatte noch nie das Blut eines unschuldigen Menschen an meinen Händen“, sprach sie leise. „Sie hat ihn getötet und ich konnte es nicht verhindern. Er ist tot, Angel. Ich hab zugelassen, daß es soweit kommt.“ Angel setzte sich neben Sarah und legte seinen Arm um ihre Schulter. Schwach ließ sie ihren Kopf auf seine Schulter sinken. Gequält schloß Sarah die Augen. Noch immer sah sie das Bild des sterbenden Allan Finch vor sich.

„Du kannst nichts dafür, Sarah“, sprach Angel besänftigend auf sie ein. Angel umschloß ihre Hand mit seiner. „Es ist okay. Es ist völlig okay, das du durcheinander bist. Sarah, du stehst unter Schock.“ Sarah brachte es nicht einmal fertig ihm zu widersprechen. Sie wußte, das er recht hatte. Angels Finger strichen zart über ihren Arm. Langsam ließ das Zittern nach. Langsam realisierte Sarah, was wirklich geschehen war.

Angel wartete geduldig. Er wußte, das Sarah sich erst sammeln mußte. Und er ließ ihr die Zeit, die sie brauchte. Sarah blickte ihn nicht an. „Faith und ich ... wir wurden von Vampiren angegriffen“, erzählte sie zögernd. „Plötzlich tauchte Allan Finch, der stellvertretende Bürgermeister von Sunnydale, auf. Ich konnte Faith nicht mehr zurückhalten. Im Eifer des Gefechts hat sie ihn getötet. Ich ... konnte nichts mehr machen. Ich konnte Faith nicht aufhalten“, sprach Sarah schockiert.

„Du mußt es Giles erzählen, Sarah, und das so schnell wie möglich“, forderte Angel. „Nein, das ... das kann ich nicht“, stammelte Sarah kopfschüttelnd. Ihre Stimme zitterte. „Wenn der Rat davon erfährt ... Ich will gar nicht daran denken, was die dann mit Faith machen. Außerdem ... welche Schwierigkeiten werden sie seitens der Polizei erwarten?“ Angel blickte Sarah ernst an.

„Sarah, ich kann verstehen, das du sie schützen willst. Aber das geht nach hinten los.“ „Wie kannst du das glauben?“ „Sarah, sie hat einen unschuldigen Menschen getötet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es Absicht war oder nicht. Wenn sie nicht zur Rechenschaft gezogen wird, wird Faith glauben, das sie damit durchkommt. Und wenn sie glaubt, damit durchzukommen, wird sie sich dem einen Gefühl fallen lassen.“ „Welchem Gefühl?“ Die pure Lust zum töten. Und wenn das geschieht ... ist sie verloren“, sprach Angel.

„Denkst du wirklich, daß das passiert?“ Angel nickte. „Ich muß es wissen. Ich habe viele unschuldige Menschen getötet. Ich kenne dieses Gefühl. Ich weiß, was jetzt in ihr vorgeht. Sarah, Giles muß es wissen. Du mußt es ihm erzählen. Giles wird wissen was zu tun ist. Doch Faith muß sich den Konsequenzen ihrer Tat stellen. Sie darf nicht unbestraft damit davon kommen. Es hätte für Faith schlimme Folgen, verstehst du?“ Sarah nickte langsam.

„Ich kann aber heute nicht ...“ „Wir reden morgen weiter“, sprach Angel sanft. „Du hast heute einen ziemlichen Schock erlitten, Sarah. Leg dich ins Bett und schlaf.“ „Geht es mir morgen dann besser?“ Angel lächelte leicht. „Ich fürchte nicht. Die Erinnerung an das, was du heute erlebt hast, wird dich noch einige Zeit verfolgen. Das erste Mal in deinem Leben hast du das Blut eines unschuldigen Menschen an deinen Händen gehabt. Das ist eine völlig fremde und neue Erfahrung für dich. Doch ich werde dir helfen. In ein paar Tagen ist alles wieder okay.“ „Versprichst du mir das?“ fragte Sarah leise.

„Ja, ich verspreche es dir“, antwortete Angel. Sarah lächelte niedergeschlagen. Das, was sie erlebt hatte, hatte sie tief getroffen. Sie erhob sich langsam. „Ich hoffe, ich kann überhaupt schlafen. Jedesmal, wenn ich die Augen schließe, sehe ich Allan Finch vor mir. Dann sehe ich wieder, wie er um sein Leben kämpft und vor meinen Augen stirbt. Er ist mir regelrecht unter den Händen weg gestorben.“ Sanft zog Angel Sarah an sich und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn.

„Es wird besser, glaub mir. Du brauchst nur etwas Zeit. Leg dich jetzt hin. Und keine Sorge: Du wirst gut schlafen. Ich werde da sein. Ich werde dich nicht allein lassen“, versprach er ihr. Sarah blickte zu ihm hoch und nahm dies nickend zur Kenntnis. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren ging Sarah ins Schlafzimmer. Angel sah ihr besorgt nach. Das heutige Ereignis mit Faith hatte sie schlimm getroffen.

Und während Sarah sich in Angels Bett legte, kehrte Faith zu der Leiche zurück. Die Gasse wurde nur schwach beleuchtet und vollkommen verlassen. Niemand hatte bemerkt, was hier geschehen war. Langsam ging Faith auf die Leiche von Allan Finch zu. Sie blieb davor stehen und starrte auf den leblosen Körper. Faith schluckte schwer. Reglos stand sie da und sah nur die Leiche an.

Faith ging auf die Knie. Zögernd streckte sie die Hand aus. Sie berührte den Mann, den sie getötet hatte, leicht am Arm. Faith schluckte schwer. Sie schüttelte leicht den Kopf. Kein Blut lief mehr aus der tödlichen Wunde. Das Blut war auf seinem Jackett getrocknet. Faith straffte die Schultern und ohne Regung in ihrem Gesicht zerrte sie den leblosen Körper aus der Gasse. Sie wußte, die Leiche von Allan Finch mußte verschwinden ...

Zur selben Zeit saß Richard Wilkins, der Bürgermeister von Sunnydale, in seinen Büro. Außer ihm war niemand mehr im Rathaus. Mit geschlossenen Augen nahm er die Macht, die er für seinen Aufstieg brauchte, in sich auf. Erleichtert seufzte er auf. Niemand würde ihn aufhalten. Weder die Jägerin noch ihre Hilfssheriffs wußten, was er vorhatte. Und sie würden es auch nicht erfahren. Und selbst wenn, würde es längst zu spät sein. Sie würden nicht mehr verhindern können, was bald geschehen würde.

Richard Wilkins öffnete die Augen. Er blickte auf seinen Kalender, der auf dem schweren Schreibtisch stand. „Hundert Tage noch“, flüsterte er zufrieden. In genau hundert Tagen würde der Aufstieg endlich über die Bühne gehen. Solange mußte er sich noch gedulden und vorbereiten. Doch es bestand keine Gefahr. Niemand wußte etwas von seinem Plan. Und die Jägerin würde auch niemals davon erfahren.

Sein Blick glitt zu den Fenstern. Er sah die sternenklare Nacht. „Ja, bald ist es soweit“, flüsterte er. In hundert Tagen würde er endlich die Belohnung für seine Arbeit bekommen. Und die Einwohner Sunnydales würden erfahren, wer wirklich im Stuhl ihres Bürgermeisters gesessen hatte. Doch jetzt ... hatte er den ersten Schritt, der für den Aufstieg nötig war, endlich durchgeführt. Richard Wilkins III. hatte in dieser Nacht die Macht der Unverwundbarkeit erlangt.