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Title:
Sanctuary / Black Memories, Part 1
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Disclaimer: Die Charaktere von SG-Atlantis gehören nicht mir, sondern Brad Wright, Robert C. Cooper, Peter DeLuise, MGM Television und anderen. Der Charakter Elektra gehört ebenfalls nicht mir, sondern gehört allen Mitarbeitern, Produzenten und anderen, die an dem Daredevil Spin-off Elektra gearbeitet haben. Diese Story ist FanFiction, mit der weder Geld verdient, noch Rechte verletzt werden sollen. Ich schreibe sie nur zu meinen Vergnügen.
Note: Happy Birthday, my
Dear! Die Fertigstellung dieser Story ist ein Geburtstagsgeschenk
für meine beste Freundin Susanne, der ich sehr dankbar dafür bin,
das sie mich in die Pegasus-Galaxie entführt hat. Angefangen hat das
alles eigentlich recht harmlos. Tagelang hat sie mir von der neuen
Stargate-Serie vorgeschwärmt und von Doktor McKay. Nachdem das bei
mir nicht wirklich funktioniert hat, hat sie zu einem hinterhältigen
Trick gegriffen, bei dem sie wußte, das er auf jeden die gewünschte
Wirkung erzielen wird. Sie hat mir ein Foto von Major John Sheppard
geschickt, wohlwissend, das sie mich mit einem äußerst
gutaussehenden Kerl wie Joe Flanigan ködern kann. Das Lockmittel hat
gewirkt und so bin ich bei Atlantis gelandet, das ich heute nicht
mehr missen möchte.
Sanctuary,
Part 1 - Black Memories ~ 1. ~ “Verdammt!” Der eine Schrei genügte, um Sheppards Aufmerksamkeit auf den Übeltäter der lauten Stimme zu lenken. Rodney McKay stand vollkommen frustriert vor einer der vielen Antiker-Konsolen und schüttelte energisch den Kopf. Seine Verzweiflung war alleine schon in seiner Haltung zu erkennen. Am liebsten würde er wohl vor Zorn auf die Tastatur einschlagen, doch daran würde ein Wissenschaftler wie McKay nicht einmal im Traum denken. Er würde es niemals wagen, die einzigartige Technik der Antiker mit einem solch banalen Verhalten zu zerstören. John stieg eine Treppe hinunter, um zu McKay zu gelangen. Was diesen so durcheinanderbrachte, war genau das, womit der Major schon gerechnet hatte. Vor acht Tagen hatten sie auf Atlantis ein schwer verschlossenes Tor gefunden, das sich in keinster Weise öffnen ließ. Seit dem Tag des Fundes war McKay dabei, genau dieses Geheimnis zu lüften, um heraus zu finden, was sich hinter den massiven Türen befand. Doch egal, welch technischen Trick er auch anwandte, sie bewegten sich nicht einmal einen kleinen Millimeter. “Sagen Sie jetzt nichts, Major”, knurrte Rodney, als er sich der Anwesenheit des Soldaten bewußt wurde. Schwach zuckte John mit den Schultern. “Das hatte ich doch gar nicht vor.” “Und ob Sie das vor hatten. Ich kann im Augenblick ihre niveaulosen Kommentare nicht gebrauchen”, sprach der Wissenschaftler und wanderte zwischen den Konsolen, wobei mehrere vor dem Tor befestigt waren, hin und her. Für einen kurzen Moment schwieg Sheppard, bevor er das Wort erhob. “Was ist das Problem?” Genervt verdrehte Rodney die Augen und seufzte leise. Mit Fragen wie diesen hatte er sich in den vergangenen Tagen schon genug herumschlagen müssen. Langsam drehte sich Rodney zu den Major um. “Was haben Sie an den Worten ‘Sagen Sie nichts‘ nicht verstanden? Ich habe für so etwas keine Zeit.” “Wohl auch nicht dafür, ein paar Stunden zu schlafen”, bemerkte John mit ernster Miene. Es war ihm nicht entgangen, das Rodney in den letzten Tagen sehr selten sein Quartier aufgesucht hatte. Jedesmal, wenn er einen Kontrollgang gemacht hatte, hatte er den Wissenschaftler bei den nicht zu öffnenden Toren vorgefunden. “Dazu habe ich später noch genügend Zeit.” “Sie haben nicht einmal eine Ahnung, was sich dahinter verbirgt.” “Es ist eine gerundete Kammer, mit unzähligen höhlenartigen Eingängen, soviel erzählen mir die Konstruktionspläne von Atlantis.” “Vielleicht sind ja ein paar Wraith dahinter eingeschlossen.” “Dann können Sie ihnen wieder seltsame Namen geben, Major.” “Diese Kritik ist unangebracht. Immerhin sorge ich damit nur, das ein Verhör etwas vertraulicher abläuft, klar?” gab John knapp zurück. Dies kommentierte Rodney nur mit einem scharfen Blick und einem entschiedenen Kopfschütteln. In dieser Hinsicht sollte man besser nicht mit John Sheppard diskutieren, da er seine eigenwillige Art sowieso nicht ablegen würde. “Außerdem bezweifle ich diese Theorie. Was auch immer hinter dieser Kammer liegt, die Antiker haben besonderen Wert darauf gelegt, es zu verschließen, so das niemand damit in Kontakt gerät.” “Und da drängt sich bei mir natürlich die Frage auf, was so gefährlich ist, das es hinter einem massiven Tor eingesperrt gehört”, bemerkte John mit einer tiefen Sorgenfalte in der Stirn. Er sah diese Entdeckung mehr aus der militärischen Sicht als die von Doktor McKay. Was auch immer dahinter verborgen lag, es mußte mindestens genauso gefährlich sein wie die Wraith. Warum sollten die Antiker jedoch ein hohes Risiko unmittelbar in ihrer direkten Nähe aufbewahren? “Das ergibt keinen Sinn”, murmelte John kopfschüttelnd. “Was ergibt keinen Sinn?” hakte Rodney nach, während er den Major zur Seite schob, um zur vierten Konsole zu gelangen. “Wieso sollten die Antiker die Gefahr in ihren Räumen einsperren? Sie müßten doch damit rechnen, das dieses Etwas irgendwann ausbricht.” “Diese Spekulationen bringen uns nicht weiter. Ich ziehe es vor, das Tor zu öffnen und einfach zu sehen, was dahinter zum Vorschein kommt.” “Ich stelle nur ein paar Vermutungen auf.” “Ein schlechter Zug Ihres Charakters, worauf ich mich nicht einlasse”, spottete Rodney und gab eine neue Berechnung in die Tastaturen ein. Angespannt beobachtete er die Reaktion des Tors. Für eine halbe Sekunde leuchteten an dem Tor ein paar Zeichen auf, dann erklang jedoch ein dumpfes Geräusch und nichts hatte sich am gegenwärtigen Zustand verändert. John konnte ein Grinsen nicht unterdrücken, den der Anblick, wie Rodney McKay sprichwörtlich seine kurzen Haare zu Berge standen, war einfach göttlich. “Wagen Sie es ja nicht zu lachen, Sheppard”, drohte Rodney genervt, ohne sich zu seinem Gesprächspartner umzudrehen. “Keine Sorge, das hatte ich nicht beabsichtigt”, behauptete John nicht sehr überzeugend. “Haben Sie eigentlich nicht etwas anderes zu tun als mir über die Schulter zu blicken? Sie stören meine Arbeit, Sheppard, und sind nicht gerade sehr hilfreich.” “Machen Sie mal eine Pause, McKay”, sprach der Soldat, der diesen Wink nur zu gut verstanden hatte. Rodney stürzte sich mit seinen altbekannten Elan an eine neue Berechnung, um das Tor endlich öffnen zu können. Dabei ignorierte er John, der für einen langen Moment neben der zweiflügigen Tür stand und eine Hand auf die Oberfläche legte. Das massive Gestein fühlte sich kühl auf seiner Haut an. Jedem Mitglied ihrer improvisierten, neuen Atlantis-Gesellschaft beschäftigte die Frage, welches Geheimnis sich dahinter versteckte. Was war von so großer Bedeutung für die Antiker gewesen, das sie es niemanden offenbaren wollten, nicht einmal ihren eigenen Bewohnern? Irgendwie konnte er sich nicht vorstellen, das dahinter ein Schatz lag, so wie viele es vermuteten. Auch Weir glaubte daran in keinster Weise. Was auch immer dort verborgen lag, es könnte womöglich einige Rätsel aufklären, die die Antiker und ihr sagenumwobenes Atlantis umgaben. “Sie sind ja noch immer da”, bemerkte Rodney spitz. “Ich bin schon so gut wie weg”, erwiderte John und setzte sich in Bewegung. So wie es aussah, würden sie vielleicht nie erfahren, was hinter dem Tor zum Vorschein kam. Auch wenn er Rodney für ein absolutes wissenschaftliches Genie hielt, zweifelte er doch daran, das dieser die Lösung fand, die nötig war, um das Tor zu öffnen. Und wenn es ihm tatsächlich gelang, konnte unter Umständen eine Gefahr auf sie alle zu rollen, die ihre Schwierigkeiten mit den Wraith nur noch vergrößerte. Und beides waren Optionen, die Sheppard nicht sehr gefielen.
Schon lange hatte sie keine Stimmen mehr gehört. Doch die, die sie vernahm, gehörten nicht zu ihrem Volk. Und warum sollten die Antiker auf einmal Probleme haben, das Tor zur Kammer der Kamaguri zu öffnen? Die hohen Mitglieder des Rates kannten doch den geheimen Code. So vieles geschah auf einmal, was sie nicht richtig einordnen konnte. Vor einiger Zeit war Bewegung nach Atlantis gekommen. Wer waren bloß die Menschen, die gekommen waren, um Atlantis zu übernehmen? Und warum hatte sich ihr Volk nicht dagegen gewehrt? Sie wollte sich bewegen, den Unruhestifter scharf zurechtweisen, das er sich gefälligst von dem Tor entfernen sollte. Er hatte kein Recht, daran herum zu fummeln, um die Kammer zu betreten. Nicht einmal die Bewohner von Atlantis hatten diese Erlaubnis erhalten. Die Kamaguris hatten ihr eigenes Leben innerhalb der Antiker geführt. Was war nur geschehen, das sich dies verändert hatte? War es ihnen gelungen, die Wraith zu bezwingen und die Antiker zu beschützen? Gab es überhaupt Überlebende? Aber wieso hatten sie Atlantis nicht wieder aufgebaut und wie viele von ihnen hatten den Tod ihres Körpers überlebt? In diesen Zustand konnte sie nicht einmal sagen, über welchen langen Zeitraum sie sich schon auf dieser hohen Bewußtseinebene befand? Das Einzige, was sie noch fühlte, war die Kälte, die ihren Körper befiel. Das Eis griff unbarmherzig nach ihr und ihrer Seele. Aber sie war noch lange nicht bereit zu gehen. Ihr besonderer Instinkt weigerte sich, die Seele dem Reich der Toten zu übergeben. Irgend etwas wichtiges wartete noch auf sie. Ihre Aufgabe war noch nicht beendet. Nach wie vor verspürte sie den Drang, Atlantis vor den Wraith zu retten, so wie sie es einst geschworen hatte.
Lieutenant Aiden Ford schrak aus seinem leichten Schlaf, als er eine rasche Bewegung im schwachen Abendlicht vernahm. Er war für die heutige Nachtwache zuständig und Sheppard würde es bestimmt nicht gefallen, das er bereits am Anfang einschlief. Hastig blickte sich Ford um, konnte jedoch nichts entdecken. Niemand hielt sich in seiner Nähe auf. Das erschien ihm äußerst seltsam, da er sich absolut sicher war, eine Bewegung hatte ihn aus seinen Dämmerzustand gerissen. “Da muß ich mich wohl getäuscht haben”, sprach er mit sich selbst und schüttelte den Kopf. Er rieb sich über die Augen, um die Müdigkeit zu vertreiben. In diesen Moment spürte er einen Windhauch, der ihn berührte. Dieser Umstand war unmöglich durchzuführen, da er sich im Kontrollraum befand, wo kein einziges Fenster geöffnet war. Ford blickte zu den Wissenschaftlern, die ein paar Analysen durchgingen. Sie schienen nichts von dem Windstoß mitbekommen zu haben. Sein Blick glitt im Raum umher und bei näherer Betrachtung sah er sie. Es war die Silhouette einer Frau, die in einem langen Korridor verschwand und deren Bewegungen nicht einmal einen Schatten warf. Ruckartig war Ford auf den Beinen und folgte der merkwürdigen Erscheinung, bei der er sich nicht sicher war, ob er sich dies nur einbildete oder ob es tatsächlich geschah. Langsam bewegte er sich an der Wand entlang, wobei er die Silhouette, die nicht mehr als ein kaum zu sehender Umriss war, nicht aus den Augen ließ. In ihm breitete sich ein unwohles Gefühl aus. Was auch immer hier vor sich ging, er konnte sich nicht vorstellen, das es mit guten Absichten passierte. Wohin führte dieses Wesen ihn? Und weshalb ließ es zu, das er ihm folgte? Wollte das Geschöpf, das er ihr Ziel sah?
Ford war überrascht, an welchen Ort von Atlantis sein Weg endete. Er stand vor dem geheimnisvollen Tor, das McKay seit Tagen verzweifelt versuchte zu öffnen. Wie einen goldenen Schleier hatte er das eigenartige Wesen darin verschwinden sehen. Es war einfach durch die Wand gegangen. Aiden glaubte an vieles - durch seine Arbeit für das Stargate bedingt - aber nicht an Geister. Doch das, was er mit eigenen Augen gesehen hatte, ähnelte sehr einem körperlosen Wesen, das die Allgemeinheit zweifellos als Geist bezeichnen würde. “Was machen Sie hier, Lieutenant?” holte eine arrogante Stimme den Soldaten aus seinen Überlegungen. Hinter ihm erschien Doktor McKay, der nach wie vor unerbittlich an der Lösung des Codes arbeitete. “Ich ... ich ... Haben Sie jemanden gesehen, der sich am Tor zu schaffen machte?” sprach Ford verwirrt. “Nein, ich bin seit Stunden alleine hier. Sie sind der Erste, der mir in dieser Nacht begegnet. Wieso fragen Sie? War jemand am Tor?” erwiderte McKay in einen ärgerlichen Anflug von Panik. Mißtrauen schwang in seiner Stimme mit. Er würde nicht dulden, das irgendein Unwissender seine Zeit aufreibende Arbeit an dem massiven Tor zunichte machte. “Ich dachte, ich hätte jemanden gesehen. Es war, als wäre irgend etwas am Tor gewesen”, bemerkte Ford vorsichtig. Energisch schüttelte Rodney den Kopf. “Das ist ausgeschlossen. Es war niemand hier. Und ich müßte es wissen, da ich solange nicht von dieser Stelle weiche, bis diese Tür sich öffnet. Sie sollten besser hinsehen, ansonsten können Sie in einem Einsatz nicht auf Ihre Augen vertrauen. Verschwinden Sie nun bitte. Ich habe noch viele Dinge zu erledigen und Ihre Anwesenheit stört”, bemerkte Rodney knapp. Ford setzte sich langsam in Bewegung. Er stieg eine Treppe hinauf, warf dabei jedoch immer wieder einen Blick über die Schulter. Mit nichts konnte er sich diesen merkwürdigen Vorfall erklären. Er könnte schwören, eine weibliche Person gesehen zu haben, die durch das Tor gegangen war. Aber er glaubte nicht an die Existenz von Geister. Und auf einen anderen Weg war das, was sich soeben zugetragen hatte, nicht zu beschreiben. War all das wirklich dem Sinnbild seiner Phantasie entsprungen oder hatte er soeben eine seltsame Begegnung mit einem Geist erlebt? Und auch eine andere Frage drängte sich in ihm auf. Sollte er diesen Vorfall melden? Doktor McKay würde sich am Morgen zweifellos bei Doktor Weir beschweren, das die Soldaten seine wichtige Arbeit behinderten? Es war also nur das Beste, wenn er es sofort Major Sheppard meldete, der ihn für dieses Geschehnis nicht auslachen, sondern die Sache ernst nehmen würde. Er würde es untersuchen wollen, um Gewißheit zu erhalten, ob sich irgendein Wesen auf Atlantis herumtrieb, dessen Anwesenheit bis jetzt von niemanden entdeckt worden war. Ford hatte diesen Beschluß nicht einmal richtig getroffen, als er sich schon auf den Weg zum Quartier des Majors machte. Auch wenn es ihm unangenehm war, seinen kommandieren Offizier aus dem Schlaf zu holen, so ließ ihm dies keine Ruhe und er mußte dringend mit jemanden darüber sprechen, der ihm vielleicht ein wenig Klarheit verschaffen konnte.
Zu gerne wollte sie über sein dichtes Haar streicheln, doch in ihrem momentanen Zustand konnte sie nach noch so vielen Dingen greifen, ohne sie richtig berühren zu können. Männer wie er waren ihr selten begegnet. Die Antiker verhielten sich nicht auf die Art und Weise, wie er es tat. In ihren Augen vertrat er zwar einen Hauch an Disziplin, doch seine Methoden waren äußerst unkonventionell. Auch sein Name klang in ihren Ohren sehr seltsam. Sie hatte noch nie von einen Antiker gehört, der einen ähnlichen Namen wie den seinen trug - Major John Sheppard. Doch innerlich spürte sie, das er ihr helfen konnte, auf die Ebene seiner Existenz zurück zu gelangen. Dafür mußte er aber Notiz von ihr nehmen. Nur durch große Konzentration konnte sie ihr Bewußtsein durch einen goldenen Schleier unterstreichen. Es kostete sie viel Kraft, eine Botschaft mittels ihrer Gedanken auf seinen Spiegel zu bannen, indem sie ihn eindringlich bat, ihr zu helfen. All dies war nicht leicht zu ertragen für sie, da jede Form von Sichtbarkeit ihre Energie schwinden ließ. Und bei jedem Versuch stieß sie ihre Seele mehr Richtung Endlosigkeit, bis der Tod sie irgendwann verschlucken und sie mit ihrem Körper nie mehr freigeben würde.
Durch einen Lichtschein irritiert - wobei er sich sicher war, das Licht am Abend abgedreht zu haben - wachte John aus seinem tiefen Schlaf auf. In der nächsten Sekunde glaubte er, noch zu träumen, denn vor seinem Bett stand eine Frau. Soviel konnte er jedenfalls von ihr erkennen, da ein goldenes Licht sie einhüllte. “Was zum Teufel ...?” stieß er laut aus und war mit einem einzigen Sprung aus dem Bett. Er griff nach seiner Handfeuerwaffe, die stets neben ihm lag, und richtete sie direkt auf das fremde Wesen. John konnte dem Besuch eines nicht menschlichen Geschöpfs mitten in der Nacht nicht gerade Freundlichkeit abgewinnen, deshalb stufte er sie für den ersten Augenblick als feindlich ein. Aber die Frau ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie wandte sich schweigend um und durchquerte langsam den Raum. Neugierig, aber zugleich auch noch ein Stück mißtrauisch folgte John ihr. Irgend etwas an ihrer Art sagte ihm, das sie nicht vorhatte ihn zu verletzen, sondern ihm etwas begreiflich machen wollte. “Jetzt verliere ich wirklich den Verstand”, murmelte er, als sie auf eine geschriebene Zeile auf seinem Spiegel deutete und anmutig durch die Wand verschwand. “Hilf mir zurück zu kehren”, las er leise. Als John sich der Tür zuwandte, öffnete sich diese automatisch mit einem leisen Geräusch und er stürmte auf den Gang hinaus. Dort traf er auf Lieutenant Ford, der gerade um die Ecke bog und den Major verwundert musterte. Erst in diesem Moment wurde John klar, das er nichts außer seinen Boxershorts trug, mit denen er nachts durch die Korridore von Atlantis lief. “Sie sehen aus, als hätten Sie einen Geist gesehen, Sir”, bemerkte Ford zögernd. Zu seiner eigenen Verblüffung nickte John bejahend. “Das habe ich auch”, erwiderte er ruhig. “Dann sind Sie nicht der Einzige. Ich habe sie auch gesehen”, offenbarte Ford in der nächsten Minute. John wandte ihm das Gesicht zu und betrachtete den jüngeren Soldaten eingehend. “Eingehüllt in einen goldenen Schein und durch Wände gehend?” “Ja, sie ging durch das Tor, das Doktor McKay zu öffnen versucht. Ich habe sie bis dorthin verfolgt.” “Mir hat sie einen nächtlichen Besuch abgestattet und eine Botschaft auf dem Spiegel hinterlassen.” “Wir sollten Doktor Weir darüber informieren”, sprach Aiden beunruhigt. Jetzt, wo auch Sheppard den Geist gesehen hatte, war klar, das irgend etwas auf Atlantis vorging, was eine nähere Untersuchung nach sich zog. “Ich ziehe mich nur schnell an”, erklärte John und verschwand in seinem Quartier. Während er in seine Uniform schlüpfte, betrachtete er die seltsame Nachricht auf seinen Spiegel. Er sollte ihr helfen zurück zu kehren? Wer war sie und wie sollte er ihre Rückkehr bewerkstelligen? Wenn er nicht einmal wußte, an welchen Ort sie sich befand, wie sollte er ihr beistehen? Verwirrt schüttelte er den Kopf. Instinktiv mußte er an das geheimnisvolle zweiflügige Tor denken, das McKay den letzten Nerv raubte, weil es so fest verschlossen war. Hatte sie etwas damit zu tun? John kam nicht an dem Gedanken vorbei, das zwischen dem weiblichen Wesen und dem Tor eine Verbindung bestand. Sie mußten die Identität dieses Geistes klären, denn dies würde ihnen unweigerlich helfen, das Tor zu öffnen.
~ 2. ~ “Ein Geist?” wiederholte Doktor Weir. Sheppard und Ford nickten einheitlich, als hätten sie dies abgesprochen. “Das ist doch lächerlich”, bemerkte Rodney, der gar nicht erfreut darüber war, an seiner Arbeit mit dem Tor wegen einer solchen Kleinigkeit gestört worden zu sein. Vor fünfzehn Minuten hatte Sheppard sowohl Elizabeth Weir, wie Doktor Beckett aus dem Bett und Rodney von seinen Forschungen geholt, um sie in einem Besprechungsraum zu versammeln. Mit kurzen Worten hatte er ihnen von den seltsamen Vorkommnissen dieser Nacht erzählt. “Sehen Sie mich nicht an, als wäre ich vollkommen durchgeknallt. Sie können sich gerne die Botschaft auf meinen Spiegel ansehen. Irgend etwas geht hier vor. Ford hat sie auch gesehen.” “Sie? Der Geist ist eine Frau?” “Das sie weiblich ist konnte ich erkennen. Ich kann Ihnen aber nicht ihr Aussehen beschreiben, da das goldene Licht das verhüllt hat.” “Was für ein Zufall”, spottete Rodney leise. “Hey, ich bin nicht verrückt! Ich habe einen Geist gesehen, davon bin ich überzeugt. Sie will, das ich ihr helfe.” “Und wie sollen Sie das anstellen?” mischte sich Beckett in die Unterhaltung ein. “Ich habe keine Ahnung. Ich weiß ja nicht einmal, wer sie ist oder wo sie sich aufhält. Aber wir sollten der Sache auf jeden Fall nachgehen.” “Danke, kein Bedarf. Ich gehe zurück zu meiner Arbeit”, blockte Rodney auf und erhob sich demonstrativ. “Wissen Sie, McKay, diese Frau könnte Ihnen helfen, das Tor zu öffnen”, erwiderte John gelassen. Langsam wandte sich Rodney ihm zu und starrte ihn unnachgiebig an. “Wie meinen Sie das?” hakte er scharf nach. “Ich glaube, das dieser Geist, dieses Wesen, oder was auch immer sie ist, genau weiß, wie das Tor zu öffnen ist. Ford sah sie bei dem Tor. Sie hatte einst Zugang dazu. Also ist es nur in Ihrem Interesse, Doktor, wenn wir der Frau helfen”, führte der Major lächelnd aus. “Absolut unmöglich”, stieß Rodney schwach aus. “Sie waren mit Ihrer Antwort auch schon überzeugender.” “Nehmen wir an, wir helfen dieser Frau, natürlich rein theoretisch”, begann Rodney gedehnt und nahm wieder Platz. “Sind Sie sicher, das es sich bei ihr um einen Geist handelt?” “Ja, bin ich”, gab Sheppard zurück. Ford konnte dem nur mit einem Nicken beipflichten. Wenn selbst der Major mit einer solchen Entschlossenheit hinter diesem merkwürdigen Vorfall stand, konnte er nicht mehr leugnen, den Geist von Atlantis nicht gesehen zu haben. “Rodney, sie ist durch eine Wand gegangen. Ich konnte sogar durch sie hindurch sehen. Ihre Anwesenheit bestand nur aus einer schwachen, goldenen Silhouette. Was für Beweise brauchen Sie noch?” “Regen Sie sich nicht auf, Major, ich benötige nur alle Fakten, um mir ein genaueres Bild machen zu können. Wissenschaftlich betrachtet ist die Existenz von Geistern nicht möglich. Es gibt keinen einzigen Bericht, der darauf hinweist, das eine solche Behauptung der Wahrheit entspricht.” “Und das sagt der Mann, der durch ein Tor in eine andere Galaxie gegangen ist”, spottete John kopfschüttelnd. “Was setzt die Existenz eines Geistes voraus?” warf Rodney seine Frage in die Runde, wobei er den spitzen Kommentar von Sheppard geflissentlich ignorierte. Eigentlich ließ er sich in einen solchen Fall stets auf eine Diskussion mit dem Soldaten ein, doch er war seit Tagen ohne vernünftigen Schlaf auf den Beinen und dies machte sich durchaus auch bei ihm bemerkbar. Er war im Augenblick einfach nicht in der Lage, sich auf ein minutenlanges Streitgespräch mit Sheppard zu konzentrieren, um ihm die passenden Antworten um den Kopf zu werfen. “Die Person, deren Seele herum wandert, muß tot sein”, bemerkte Ford. “Richtig. Da dieser Geist Sheppard die Nachricht, das er zurück kehren will, auf dem Spiegel hinterließ, können wir davon ausgehen, das die geheimnisvolle Frau damit ihre Rückkehr in das Leben anspricht. Und genau das stellt uns vor ein gravierendes Problem.” “Weshalb?” “Weil man Tote nicht mehr zum Leben erwecken kann?” gab Rodney bissig zurück, der die knappe Frage von Sheppard als völlig überflüssig betrachtete. “Wir haben keinen Körper, in den man die verirrte Seele zurück geben kann, und es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Hinweis, das dies überhaupt im Bereich des Möglichen liegt. Man kann nicht einfach ein paar Sprüche aufsagen, ein wenig Zauberei und schon ist die Tote wieder am Leben. Viele verrückte Wissenschaftler haben probiert Gott zu spielen, und sind daran gescheitert. Schon einmal etwas von Frankenstein gehört?” “Erstens ist das nur ein Roman und zweitens liegt die Situation bei uns vollkommen anders.” “Sheppard, für eine solche Transformation benötigen Sie den Körper und die Seele zur selben Zeit am gleichen Ort. Und Sie haben weder das eine, noch das andere”, erwiderte Rodney gedehnt. Arrogant blickte er den Soldaten an, machte ihm damit klar, das er ihn und sein Vorhaben in keinster Weise ernst nahm. Das, worüber Sheppard nachdachte, war nichts weiter als Hokuspokus, nicht ein existierender Umstand, der mit den Händen greifbar war. “Wir könnten nach dem Körper suchen.” “Der Leichnam wird wahrscheinlich nicht mehr auffindbar sein, da diese Frau eine Antikerin war, und die lebten bekanntlich vor zehntausend Jahren hier auf Atlantis”, wollte Rodney die Begeisterungsstürme des Majors bremsen. Doch dieser ließ sich davon nicht beeindrucken, sondern führte seine Gedanken weiter aus. “Ich habe gelernt, das die Seele an dem Ort festsitzt, wo der Körper getötet wurde. Da wir sie auf Atlantis gesichtet haben, erledigt sich schon einmal dieses Problem. Sie will ins Leben zurück, deshalb können wir es ausschließen, das der Leichnam nicht mehr existiert. Der Geist weiß genau, wo sich ihr Körper befindet.” “Sie haben viel zu viele Filme gesehen, Sheppard”, sprach Doktor McKay bitter und sein finsterer Gesichtsausdruck unterstrich seine Aussage nur noch. Mit einer entschiedenen Handbewegung wischte Sheppard diesen Einwand jedoch vom Tisch. Rodney konnte nichts von sich geben, um ihn von seiner Art der Sicht zu überzeugen. “Jetzt müssen Sie nur noch mit Ihrem reizenden Nachtgespenst in Kontakt treten, um die näheren Umstände zu klären. Versuchen Sie es einfach einmal mit Gläser rücken, Major”, spottete Rodney vergnüglich weiter. “Rodney, Sie gehen langsam zu weit! Diese Frau braucht unsere Hilfe. Es ist nicht angebracht, darüber Scherze zu treiben. Oder wollen Sie sich ausgerechnet mit mir messen? Ich bin Ihnen körperlich überlegen”, drohte John, der dem Wissenschaftler einen ebenso dunklen Blick zurück schickte, wie er ihn vor wenigen Sekunden von seinem Gegenüber erhalten hatte. “Sie haben Recht, Sheppard”, mischte sich Elizabeth in die Unterhaltung ein, die sich bis jetzt alles schweigend angehört hatte, um in Ruhe eine Entscheidung treffen zu können. “Diese Frau hat um unsere Hilfe gebeten, deshalb sollten wir die Sache wenigstens genauer untersuchen. Jedoch sehe ich auch die Schwierigkeiten, auf die Doktor McKay hinweist. Wir haben keine Ahnung, wie man eine Tote erweckt. Es gibt keine schriftlichen Beweise, das dies überhaupt schon einmal jemanden gelungen ist.” “Die Antwort finden wir hier”, bemerkte Sheppard und machte eine ausholende Handbewegung. “Auf Atlantis?” entkam es Rodney genervt. “Ja, die Antwort steckt irgendwo auf Atlantis. Wir müssen uns nur auf die Suche machen.” “In Ordnung, Leute, so werden wir vorgehen. Lieutenant Ford und Doktor Beckett werden nach einer Lösung für diese Transformation suchen. Vielleicht finden Sie ja etwas in den alten Aufzeichnungen der Antiker. Das dürfte ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Rodney, Sie bleiben an dem Tor dran. Sheppard, da dieser Geist Sie um Hilfe gebeten hat, versuchen Sie irgendwie mehr über diese Person zu erfahren. Vielleicht spricht sie noch einmal zu Ihnen. Es wird zwar wenig bringen, aber einen Versuch ist es wert. Haltet mich auf den Laufenden. Und die Geschichte bleibt vorerst unter uns. Ich will die anderen nicht in unnötige Panik versetzen”, erklärte sie sachlich. “Da wird sowieso kein vernünftiges Ergebnis heraus kommen, da die ganze Sache absolut lächerlich ist. Es gibt keine Geister. Die Beiden haben sich das nur eingebildet”, fügte Rodney zum Schluß hinzu und marschierte hastig aus dem Raum, um endlich an der Entschlüsselung für sein Tor, und insgeheim bezeichnete er es schon als das, weiter zu kommen. “Er irrt sich. Ich weiß, das Ford und ich im Recht mit dem liegen, was wir gesehen haben.” “Glauben Sie auch, diese Frau wieder zum Leben erwecken zu können?” hakte Weir nach, als Sheppard schon auf den Weg zur Tür war. Er blieb im Türrahmen stehen und legte den Kopf in den Nacken. “Ich weiß nicht, was ich von all dem glauben soll”, gestand er ehrlich, ohne sich zur Leiterin der Atlantis-Expedition umzudrehen. Er offenbarte es nicht nach außen, aber innerlich stellte er sich durchaus die Frage, ob er nicht den Verstand verloren hatte. Dies wäre definitiv einfacher zu akzeptieren als die Wahrheit, das es auf Atlantis einen Geist gab, der vor zehntausend Jahren getötet worden war und der nun ausgerechnet ihn um Hilfe bat, um einen Weg ins Leben zurück zu finden. Elizabeth konnte John regelrecht ansehen, das ihn dieses seltsame Ereignis noch lange beschäftigen würde.
Sobald sich die Tür zu seinem Quartier hinter ihm geschlossen hatte, trat John vor den Spiegel und betrachtete die Botschaft näher, die der Geist im hinterlassen hatte. Seine Räume waren in gedämpftes Licht getaucht. Er zog seine Jacke aus und warf sie achtlos auf das Bett. Unruhig wanderte er zu den großen Fenstern und beobachtete das Wasser, das Atlantis umgab, und selbst in der dunkelsten Nacht vor Schönheit erstrahlte. Egal, was er auch unternahm, er konnte vor dem Geschehnis, das er soeben erlebt hatte, nicht fliehen. Es wollte einfach nicht aus seinem Kopf verschwinden. “Ich muß wirklich durchgeknallt sein”, murmelte John und ließ sich schwach auf das zerwühlte Bett fallen. Sein Blick wanderte immer zu ihrer Nachricht zurück. “Wenn du mich hörst, dann rede mit mir. Sag mir, was ich tun soll”, sprach er laut, nicht wissend, ob sein Nachtgespenst, wie Rodney den überraschenden Besucher abfällig bezeichnet hatte, seine Stimme überhaupt wahrnahm. War sie anwesend, verstand sie, was er sprach oder redete er nur mit sich selbst? Auf welchen Weg verfuhr man mit einem Geist, wo er noch nie mit so etwas konfrontiert worden war? Woher sollte er wissen, was die richtige Entscheidung für diese komplizierte Situation war? “Du bist der Einzige, der mich retten kann”, erwiderte eine leise Stimme. Ruckartig schoß Sheppard in die Höhe, doch er konnte niemanden erblicken. In seinem Quartier war er der Einzige, der sich aufhielt. “Du kannst mich nicht sehen. Meine Kraft reicht nicht aus, um erneut auf deine Bewußtseinsebene zu gelangen. Mein Volk wußte, wie man Tote zum Leben erweckt. Wir haben einen Vorgang entwickelt, der dies möglich macht.” “Wie geht dieser Vorgang vonstatten?” “Er wurde in unseren Aufzeichnungen gespeichert. Ihr müßt nur die Bezeichnung ‘Prozeß der Na-Thil‘ finden”, erklärte sie schwach. “Wo finden wir deinen Leichnam? Ohne deinen Körper kannst du nicht zurück kehren.” “Ich ... es ist so eisig kalt. Ich kann Atlantis sehen. Es schwimmt über mir”, sprach sie, bevor sie mit einem qualvollen Stöhnen ihre Ausführungen abbrach. Eine grausame Stille breitete sich in dem Quartier aus. Instinktiv wußte John, das er den Kontakt zu ihr verloren hatte. Doch nun wußte er wenigstens, was er zu tun hatte, um ihr den Weg in ihren Körper und nach Atlantis zu ermöglichen. Ihre kurzen Worte hatten ausgereicht, um ihm die Wahrheit zu offenbaren.
Beckett und Ford schraken heftig zusammen, als Sheppard überraschend in den Raum stürmte, in dem die Aufzeichnungen der Antiker aufbewahrt wurden, jedenfalls das, was man nicht zerstört hatte, als die Wraith vor zehntausend Jahren nach Atlantis gekommen waren. “Der Prozeß der Na-Thil”, sprach John energisch und sowohl der jüngere Soldat, wie der Arzt sahen ihn skeptisch an. “Wovon reden Sie, Major?” erkundigte sich Beckett, der alles andere als wach war für eine solche Aufgabe, sie jedoch trotzdem erledigte, so wie Elizabeth ihn darum gebeten hatte. “Der Vorgang, mit dem die Antiker einen Toten zurückholen konnten, trägt diese Bezeichnung.” “Woher wissen Sie das?” “Sie hat mit mir gesprochen.” “Was hat sie noch gesagt? Hat sie Ihnen erzählt, wo wir ihren Körper finden, Sir?” hakte Ford neugierig nach, dem die Geschichte dieses Geistes immer mehr faszinierte, je mehr er sich damit beschäftigte. Er konnte regelrecht spüren, das diese Frau ein besonderes Leben hinter sich hatte und nur sie allein konnte ihm erzählen, wie es war zu sterben. Die letzten Geheimnisse des Todes könnte sie aufklären. “Allerdings. Können Sie tauchen, Lieutenant?” erkundigte sich John mit ernster Miene. “Natürlich, Sir. Innerhalb meiner militärischen Ausbildung hat man uns auch darin unterrichtet.” “Gut, morgen früh unternehmen wir nämlich einen kleinen Tauchgang.” “Sie wollen doch nicht etwa ...”, begann Beckett ahnungsvoll, wurde aber von John unterbrochen. “Genau das will ich. Wir tauchen unter Atlantis hinab.” “Hat sie Ihnen gesagt, dort unten zu liegen?” “So etwas in der Art”, wich John aus und drehte am Absatz um. Beckett kam nicht einmal mehr dazu, weitere Fragen zu stellen, da der Soldat den Raum auch schon wieder verlassen hatte. Ihm blieb nichts anderes übrig, als diese merkwürdige Nacht mit einem Kopfschütteln zu kommentieren. Zu viele Dinge ereigneten sich Schlag auf Schlag, um richtig abschätzen zu können, wo das alles endete. Und wenn ihnen diese Totenerweckung tatsächlich gelang, würden sie bald der letzten echten Antikerin in dieser Galaxie gegenüberstehen.
~ 3. ~ Kein Mitglied der Atlantis-Expedition hatte etwas von den Vorkommnissen der vergangenen Nacht etwas erfahren. Jeder ging seiner alltäglichen Arbeit nach, aber es entging niemanden, das sich Major Sheppard und Lieutenant Ford auf einen Tauchgang vorbereiteten. Bei ihrem One-Way-Ticket nach Atlantis hatten sie mehrere Taucherausrüstungen für den Notfall mitgenommen, jedoch war es bis jetzt nie nötig gewesen, davon Gebrauch zu machen. Für jeden neuen Atlantis-Bewohner war die Anspannung der beiden Soldaten, sowie von Doktor Beckett und Doktor Weir deutlich spürbar. Nur Rodney McKay war ungewöhnlich unberührt von dem ganzen Geschehen. Den Vorgang für die beiden Taucher ignorierte er geflissentlich und lenkte statt dessen seine Konzentration auf das noch immer verschlossene Tor. “In welche Richtung werden wir uns bewegen, Sir? Das Meer ist groß. Wir müssen uns darauf einigen, wie wir da unten vorgehen”, bemerkte Ford, der den Luftdruck seiner Sauerstoffflasche überprüfte. “Haben wir irgendwelche Aufnahmen des Meeresspiegels, Doktor Weir?” erkundigte sich John. “Tut mir leid, nein. Das Problem ist die Weite des Meeres rund um Atlantis. Der Meeresboden ist nicht zu erfassen. Wir können über die Tiefe nur spekulieren. Glauben Sie, wirklich das Richtige zu tun? Was auch immer Sie dort unten finden, wir können Ihnen nicht helfen, Major”, bemerkte Elizabeth besorgt, die ihre Leute ungern in ein Meer entließ, dessen Einzelheiten sie vorher nicht genauer abklären konnte. Schweigend nahm John diese Information auf und wechselte einen vielsagenden Blick mit Ford. “Willst du es noch immer machen, mein Junge? Ich kann auch alleine runter gehen. Dann ist nur mein Leben unter Umständen in Gefahr.” “Ich gehe mit Ihnen, Sir. Es gibt keinen Grund für mich jetzt nein zu sagen. Ich will dieser Frau helfen, genau so sehr wie Sie. Ich werde Sie begleiten. Und wenn dort unten tödliche Risiken auf uns lauern, bin ich auch dafür bereit”, erklärte er und wies es von der ersten Sekunde an ab, auf Atlantis zu bleiben, während Sheppard für diese Frau das Meer absuchte. Mit einem kurzen Nicken dankte John seinem Gegenüber und warf einen Blick über die Schulter. Er stand mit dem Rücken zum Meer, das sich friedlich an Atlantis brach. “Wie wollen Sie den Körper nun finden, Major?” mischte sich Elizabeth erneut in die Unterhaltung ein. “Ich lasse mich von ihr führen. Wer auch immer sie ist, sie wird uns dort unten nicht sterben lassen. Tot nutzen wir ihr nichts, denn sie braucht uns für ihre Rückkehr ins Leben.” “Ich hoffe, Sie haben mit Ihren Vermutungen Recht. Ansonsten geraten Sie womöglich in große Schwierigkeiten. Dort unten sind Sie auf sich alleine gestellt.” “Ich hege auch die Hoffnung, das ich mich nicht irre”, erklärte John und befestigte an seinen Tauchergürtel ein scharfes Messer für die Sicherheit. Man konnte nie wissen, auf was man unterhalb der Meeresoberfläche traf. Er wollte sich wenigstens ein Stück gegen Gefahren verteidigen können. “Viel Glück, Sheppard”, sprach Teyla hinter ihm, die dem Treiben still zugesehen hatte. Er drehte sich mit einem schiefen Grinsen zu ihr um. “Das können wir gut gebrauchen”, erwiderte er und sprang in das warme Wasser. Ohne ein Zögern tat Ford es ihm gleich. Nach wie vor hatte die Expedition keine Erklärung dafür, warum das Wasser von Atlantis so angenehm warm war und niemals zu erkälten schien, nicht einmal in der dunkelsten Nacht. Es änderte auch niemals seine Farbe, sondern glänzte stets im tiefsten türkisblau vor sich hin. Ein weiteres Phänomen, das eine echte Antikerin vielleicht lösen konnte. “Paßt gut auf euch auf”, flüsterte Elizabeth und sah dabei zu, wie die beiden Soldaten mit ihrem Tauchvorgang begangen. “Kommen Sie, Doktor Weir, wir sollten Doktor Beckett bei den Nachforschungen nach dem Prozeß der Na-Thil helfen. Wenn die Beiden wieder da sind, sollten wir ihnen die nötigen Antworten auf diese eigenartige Erweckung geben können”, beschloß Teyla, die am Morgen von Beckett über die Ereignisse der letzten Nacht eingeweiht worden war, da sie eine besondere Vertraute von Anfang an für die Stargate-Gesellschaft dargestellt hatte. Ein leiser Seufzer entrang sich Elizabeths Kehle. Sie wußte, das Teyla Recht hatte. Im Augenblick waren sie außer Stande, irgend etwas für Major Sheppard und Lieutenant Ford tun zu können. Im Meer waren sie alleine und wenn ihnen etwas zustieß, konnte kein Mitglied des Atlantis-Teams ihnen zu Hilfe eilen. Sie konnten nun nur abwarten und innerlich ein Gebet sprechen, das die Beiden wohlbehalten zurück kehren würden. Und solange sollten sie die Zeit nutzen und mehr über dieses seltsame Totenritual herausfinden.
Sheppard und Ford stellten mit einem kurzen Anflug von Erstaunen die absolute freie Sicht des Meeres fest. Dieses Wasser war so klar, das sich John unwillkürlich fragen mußte, ob es überhaupt normal einzustufen war. Auf der Erde gab es jedenfalls kein so sauberes und verlassenes Meer. Er konnte keinen einzigen Meeresbewohner entdecken - keinen Fisch, keine Quallen oder etwa einen Hai. Aber so vieles war an Atlantis seltsam, das er eine solche Kleinigkeit gar nicht erst zu hinterfragen anfangen sollte. Ford berührte ihn leicht an der Schulter und seine Handzeichen machten ihm deutlich, das er gerne wissen wollte, wie es nun weitergehen sollte. Mit einer kurzen Bewegung deutete Sheppard unter sich und die Beiden schwammen der Tiefe entgegen. Gib mir ein Zeichen, irgend etwas, das mir sagt, wo der genaue Standort deines Körpers liegt, dachte John im Stillen und hoffte, das sein guter Geist ihn nun nicht verließ. Dies war nicht der richtige Augenblick, um ihm die Stecknadel im Heuhaufen suchen zu lassen. Sie konnten unmöglich das ganze Meer absuchen, da ihr Sauerstoff bei weitem nicht dafür reichte. Für eine kurze Minute flackerte direkt unterhalb von Atlantis ein goldenes Licht auf. Ford und John betrachteten diesen Vorgang, der genauso hastig wieder verschwand wie er aufgetaucht war. Nun wußten sie, wo sie nach dem weiblichen Leichnam suchen mußten. Sie bewegten sich unter Atlantis zu und begaben sich immer mehr in die Tiefe. Wie weit sie nach unten schwammen, konnten sie in keinster Weise sagen, da die Druckanzeige ihrer Flaschen ausfiel. Jedoch gab es für Panik keinen Grund, da keiner der Beiden irgendwelche Beschwerden fühlte, die ein Taucher erhielt, wenn er sich vom Druckausgleich entfernte. Obwohl sie tief genug hinab tauchten, wurden sie nicht von Dunkelheit überfallen, so wie es eigentlich innerhalb der Normalität der Fall gewesen wäre. Das Einzige, das sich veränderte, war die Temperatur. Zwar kaum merklich, aber dennoch konnte Sheppard den kalten Hauch spüren, der über seinen Körper kroch. Sein Instinkt verriet ihm, das sie sich auf den richtigen Weg befanden, denn sein Geist hatte davon gesprochen, das ihr kalt war. Nun bekamen diese Worte eine doppelte Bedeutung. Es war nicht nur die Kälte ihres toten Körpers, sondern auch das tiefe und inzwischen kühle Wasser, das sie umgab. Gleichzeitig sahen Sheppard und Ford den Sarkophag, der am Grund lag, und das schon seit vielen Jahrtausenden. Es war ein altertümlicher Sarg, mit unzähligen Zeichen der Antiker verziert. Allein an diesem Gegenstand würde Rodney seine Freude haben. Erst als sie näher kamen, erkannten die beiden Soldaten die Besonderheit des Sarkophags. Er war nicht aus irgendeinem Metall oder sonstigen Baustoff, sondern aus reinem Eis. Dies ermöglichte es John auch, in das Innere zu blicken. Wie erwartet lag eine Frau - offensichtlich tot - in dem eisigen Grab. Ihr Körper hatte die Ruhephase von zehntausend Jahren erstaunlich gut überstanden. Das Eis und vielleicht auch der Segen von Atlantis hatten den Leichnam konserviert und somit in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. Sheppard und Ford hoben den Sarkophag an und waren für die Leichtigkeit des länglichen Gegenstandes dankbar. Ihre Finger umschlossen die runden Griffe des Sarges, um ihn nach oben zu bringen. Gemeinsam schwammen sie den Weg zurück, den sie gekommen waren. Alle Besorgnis war unbegründet gewesen. Sie hatten am Meeresboden gefunden, wonach sie suchen sollten, und hatten diesen kleinen Ausflug ohne einen Zusammenstoß mit irgendwelchen Gefahren durchgeführt.
Das laute Geräusch, das beim Auftauchen entstand, holte mehrere Atlantis-Bewohner von ihrem Arbeitsplatz weg. Gemeinsam eilten sie nach draußen und wurden Zeugen, wie Sheppard und Ford einen aus Eis bestehenden Sarkophag bei sich hatten. Die Sonne warf seine Strahlen auf den Gegenstand und hinterließ den Eindruck eines gläsernen Grabes. “Helft den Beiden”, befahl Elizabeth, auf deren Gesicht ein erleichterter Schatten huschte, das die Soldaten wohlbehalten von ihrem Ausflug zurück kamen. Sheppard entledigte sich der Tauchermaske und wies das Angebot mit einem entschiedenen Kopfschütteln zurück. “Er ist nicht schwer zu transportieren”, erklärte er, während er gemeinsam mit Ford zum Ufer schwamm. “Wir haben uns schon Sorgen gemacht, Major.” “Weshalb? Wir waren nicht länger als eine Stunde unten”, erwiderte John ungerührt. Verwundert blickte Elizabeth den militärischen Leiter von Atlantis an. Ihr vielsagender Blick verriet ihm, das sie dieser Aussage nicht zustimmte. “Sie waren fast vier Stunden fort, Sheppard”, sprach sie in derselben Sekunde. Irritiert warfen Sheppard und Ford sich einen Blick zu. “Tatsächlich? Das ist mir bei weitem nicht so vorgekommen”, bemerkte der Lieutenant verwirrt. “Mir auch nicht.” “Haben Sie nicht auf Ihre Taucheruhren gesehen?” erkundigte sich Elizabeth. “Die haben dort unten nicht funktioniert. Ford, überprüfen Sie die Druckanzeige der Flaschen.” “Sie haben das doch vor Ihrem Tauchgang schon gemacht. Sagen Sie mir nicht, das die Anzeige ebenfalls nicht richtig funktioniert hat”, bemerkte Doktor Weir unruhig. Das schiefe Lächeln von Sheppard war ihr Antwort genug. Ford und Sheppard stiegen aus dem Meer. Nun halfen ein paar Soldaten, den gläsernen Sarkophag aus dem Wasser zu schaffen. Vorsichtig stellten sie ihn auf den Boden ab. Neugierig betrachteten die Anwesenden den extrem gut erhaltenen Leichnam der Frau, deren Geist angeblich auf Atlantis herum wandern sollte. Während dem Tauchgang von Sheppard und Ford hatte Doktor Weir beschlossen, die Expedition doch in ihr Geheimnis einzuweihen, da sie spätestens dann Fragen stellen würden, wenn die Beiden mit einem Sarg wieder auftauchten. Und dem hatte Elizabeth vorbeugen wollen. “Mein Gott”, stieß Ford aus, als er dem Befehl des Majors nachkam. “Was ist los, Lieutenant?” hakte Sheppard nach. “Sir, das werden Sie mir nicht glauben. Sehen Sie sich das an”, sprach Ford und deutete mit dem Kopf auf die Druckanzeige der Sauerstoffflaschen. John trat näher, um sich anzusehen, was seinen untergebenen Soldaten so aus der Fassung brachte. Die Anzeige schrieb keine Zahl, sondern war schlichtweg durch den Druck zerstört worden. Das offenbarte ihm nur zu deutlich, wie tief sie unten gewesen sein mußten. Die Anzeige hatte dem einfach nicht standgehalten. “Was denken Sie, Sir, wie tief waren wir unten?” erhob Ford nach dem ersten Schock das Wort. “Keine Ahnung, aber ich schätze, tiefer als jemals ein Taucher vor uns in irgendeiner Galaxie.” “Sie sollten sich von Doktor Beckett untersuchen lassen”, bemerkte Elizabeth. “Das ist nicht nötig”, winkte Sheppard ab. “Aber wenn Sie so tief unten waren, dann ...” “Der Major hat Recht, Doktor Weir. Ich habe keine Auffälligkeiten gespürt, keine typischen Symptome, die bei einem Tauchunfall auftreten. Es geht mir ausgezeichnet.” “Es war unglaublich! Obwohl wir so tief unten waren, hat das Wasser uns vor Schaden geschützt”, führte John kopfschüttelnd aus. Er ging neben dem eisigen Sarkophag in die Knie und betrachtete das Gesicht der Frau, die darin verborgen lag. Es kam ihm nicht so vor, als wäre sie tot, sondern als würde sie nur lange schlafen. Irgendwie erinnerte ihn diese Szene an Schneewittchen, die ebenfalls in einem weißen Sarg gelegen hatte, als der Prinz gekommen war, um sie zu retten. Ein sanftes Lächeln glitt über seine Lippen. Man hatte ihn schon als vieles bezeichnet, aber sicher nicht als Prinz, der auf seinen Ross daher geritten kam, um die in Not geratene schöne Prinzessin vor dem Greuel zu schützen. “Wir haben die Aufzeichnungen über Na-Thil gefunden”, warf Elizabeth hinter ihm ein. “Das habe ich erwartet. Was müssen wir tun?” “Es ist eine Mischung aus einem Ritual und Wissenschaft.” “Eigentlich etwas, das McKay interessieren dürfte.” “Er hat dafür nach wie vor nur Ablehnung übrig. Er hat gesagt, wir sollen ihn rufen, wenn sie tatsächlich wach ist. Wir bringen sie im medizinischen Bereich unter. Beckett wird die Leitung ihrer Versorgung übernehmen. Den Aufzeichnungen zufolge dauert es Tage, bis sie sich wieder im Leben befindet.” “Dann fangen wir am Besten gleich an”, beschloß Sheppard, der den Soldaten, die um ihn herum standen, kurz zunickte. Auf sein Zeichen hin hoben sie den Sarkophag hoch und brachten ihn zu Doktor Beckett, der bereits damit beschäftigt war, alles für die Ankunft der Antikerin vorzubereiten. Ford griff nach den Taucherausrüstungen, um sie noch einmal zu überprüfen, bevor er sie an ihren vorhergesehenen Platz zurück brachte. “Wie war es da unten?” hakte Elizabeth neugierig nach, als sie mit Sheppard alleine am Ufer stand. “Ruhig. Ich glaube nicht, das dieses Meer als bewohnt gilt.” “Und was denken Sie, wer die Unbekannte ist?” “Ich weiß es nicht, aber ich brenne darauf, es von ihr selbst zu erfahren”, grinste er breit. “Sheppard, Sie müssen auch damit rechnen, das Ihr Plan nicht aufgeht. Vielleicht funktioniert es nicht, das wir sie ins Leben zurückholen können. Wir sind keine geborenen Antiker, die dieses Wissen besaßen. Wir können uns nur an die Aufzeichnungen halten und hoffen, das wir keinen Fehler begehen.” “Dessen bin ich mir bewußt, was mich aber nicht daran hindert, an den guten Ausgang dieser besonderen Mission zu glauben. Ich verschwinde schnell unter die Dusche. Zerstören Sie nicht den Sarkophag, wenn er geöffnet wird. McKay wird das nicht freuen, da er übersät ist mit Zeichen der Antiker, auf die er sich mit Begeisterung stürzen wird”, kommentierte John, als er die Terrasse verließ und sein Quartier ansteuerte. Kopfschüttelnd sah Doktor Weir ihm nach. Hoffentlich brachten die nächsten Tage Gewißheit über den Tod und das Leben der geheimnisvollen Frau, deren Leiche sie aus dem Meer geborgen hatten.
~ 4. ~ [Dreißig Minuten später] Etwas hilflos wanderte Beckett um den gläsernen Sarkophag herum, bei dem sich dasselbe Problem zu entwickeln schien, wie bei dem Tor, an dem Rodney verzweifelt arbeitete. Es sah nicht so aus, als würde er sich auf sanfte Weise öffnen lassen. “Wieso ist er noch verschlossen?” sprach John, als er den Raum betrat, indem sich Elizabeth, Teyla und Ford versammelt hatten. Rodney verzichtete nach wie vor darauf, bei dieser überflüssigen Show dabei zu sein, da er mit seiner Zeit weitaus wichtigeres anstellen konnte, als an so etwas wie Totenerweckung zu glauben. “Weil er sich nicht öffnen läßt. Wir könnten ihn mit Gewalt aufbrechen”, bemerkte Beckett kopfschüttelnd. “Das geht sicher auch anders”, führte John aus und trat näher. “Wahrscheinlich steht die Antwort sogar auf dem Sarg geschrieben, aber solange Rodney sich weigert, uns zu helfen, können wir nur blind raten.” “Verzweifeln Sie nicht, Beckett. Ich glaube, wir schaffen das auch ohne Doktor McKay.” “Wie können Sie nur so zuversichtlich sein? Klar, das sind Sie schon die ganze Zeit über, Major, doch der Sarkophag stellt ein Rätsel dar”, bemerkte Beckett, in dessen Stimme eine Spur von Frustration auftauchte. John strich mit der Hand über die glatte Oberfläche des Sarkophags und hielt erst an, als er eine kleine Einkerbung unter den Fingern spürte. Instinktiv drehte er diese nach links. Einem leisen Geräusch folgend löste sich die Verankerung des Sarges und gab den Deckel frei. “Woher wußten Sie das?” fragte Elizabeth verblüfft. “Ich habe es nicht gewußt. Ich habe einfach nur geraten. Vielleicht hat mich mein Gefühl ein kleines Stück geleitet”, erwiderte John mit einem Schulterzucken. Gemeinsam mit Beckett und Ford hob er den Deckel an, um den Blick in das Innere zu offenbaren. “Sie ist sehr schön”, bemerkte Teyla, als sich für mehrere Minuten Schweigen im Raum ausbreitete. Niemand der Anwesenden konnte mehr den Blick von der Frau nehmen. John konnte Teyla nicht ganz zustimmen, so war diese tote Antikerin mehr als bloß schön. Sie verkörperte die vollkommenste Weiblichkeit, die er je gesehen hatte. Noch nie in seinem Leben war ihm eine Frau begegnet, die soviel Schönheit, aber auch Anmut ausstrahlte, das sie damit jeden Mann einzufangen wußte. Perfekt, dachte John lächelnd. Kein anderes Wort konnte die Antikerin besser beschreiben als pure Perfektion. “Wir ... nun ... wir sollten sie heraus heben”, räusperte sich Beckett und forderte die anderen damit auf, ihm dabei zu helfen. Auf einen zweiten Untersuchungstisch wurde die Leiche abgelegt und Doktor Beckett begann mit dem Na-Thil, wie die Antiker diesen mehrtägigen Vorgang nannten. Dabei wurden einhundertundeins lange Nadeln in den Körper gestoßen, der für vier Tage in diesen Zustand gehalten wurde. Die Nadeln mußten an den richtigen Stellen verteilt werden, ansonsten war der ganzen Versuch vergeblich. Beckett mußte sich also an den genauen Vorgaben der Aufzeichnungen halten, um nicht schon am Anfang einen gravierenden Fehler zu begehen. Einmal am Tag wurde der Leichnam mit drei Liter Wasser, das direkt aus dem Meer um Atlantis geschöpft wurde, eingesalbt. “Ihre Kleidung sieht sehr irdisch aus”, bemerkte Elizabeth sachlich. Der tote Körper trug eine dunkelrote Uniform. Jedenfalls sah es für John nach einer Uniform aus. Das Oberteil bestand nur aus einer engen Korsage, die auch auf der Erde bekannt war. Dazu trug sie seltsame Armreifen, die ihre Oberarme schmückten. Ein rotes, knielanges Tuch war über ihrer langen Hose zu sehen. Ihre Stiefel waren mit Zeichen der Antiker beschrieben und an ihren Schultern waren mehrere, bis zum Rücken hinab reichende Fransen befestigt. John wurde auf die vielen Verletzungen aufmerksam, die ihr Körper aufwies. Er konnte eine tiefe Wunde an ihrer Stirn erkennen, sowie in der Bauchgegend und direkt am Herzen. Außerdem waren unzählige Kratzer zu sehen, die nur von einem besonders harten Kampf stammen konnten. “Sie scheint durch die Hölle gegangen zu sein”, bemerkte er getroffen. “Wahrscheinlich ist sie im letzten Krieg der Antiker gegen die Wraith getötet worden. Mich beschäftigt viel mehr die Frage, wer sie in den Sarkophag gelegt und ins Meer geworfen hat”, erwiderte Elizabeth. “Das kann sie uns selbst erzählen, sobald sie wach ist. Wenn sie wirklich im Kampf gegen die Wraith verwickelt war, könnte sie uns hilfreiche Informationen liefern, worauf wir eine bessere Verteidigung gegen diese Bestien aufbauen können”, warf John nachdenklich ein. “Diese Gelegenheit könnte durchaus im Bereich des Möglichen liegen, doch zuerst müssen wir das Na-Thil abwarten, ob es wirklich den gewünschten Erfolg verspricht. Den Sarkophag bringen wir in einem Untersuchungsraum unter. Rodney wird ihn sich sicher ansehen wollen.” “Sollte er jemals seine Arbeit an dem Tor beenden”, fügte John grinsend hinzu. “Das ist wirklich nicht lustig, Sheppard. Er gibt sich alle Mühe. Das es ihm nicht gelingt, es zu öffnen, ist nicht seine Schuld.” “Aber er glaubt, es liegt an ihm. Ich finde sein Bemühen recht amüsant und werde das sicher auch in Zukunft nicht verbergen”, bemerkte der Major zufrieden, was Elizabeth nur mit einem schwachen Kopfschütteln quittierte. “Halten Sie mich auf dem Laufenden, Beckett. Ich will über jeden kleinen Fortschritt umgehend informiert werden.” “Natürlich, Doktor Weir”, erwiderte Beckett, der gar nicht darauf achtete, wie die Leiterin mit Ford und Teyla den Raum verließ. Nur Sheppard blieb bei ihm, um ihm neugierig über die Schulter zu blicken, da die Details des Na-Thils durchaus in seinem Interesse lagen. Er machte es sich auf einen Stuhl bequem und legte den Kopf in den Nacken, wobei auch seine Füße auf einen Tisch landeten. “Wie lange dauert das Na-Thil insgesamt?” erhob er das Wort. “Fünf Tage. Vier davon verbringt sie in diesen seltsamen Zustand mit den Nadeln und der Letzte dient als sogenannte Ruhephase, bevor sie endgültig erwacht. So steht es jedenfalls in den Aufzeichnungen. Würden Sie jetzt bitte den Mund halten, Major? Ich muß mich vollends auf das Na-Thil konzentrieren. Wenn ich nämlich nur eine einzige Nadel falsch ansetze, kann der Geist nicht in den Körper zurück kehren. Dann wird die Seele dem toten Körper ins Jenseits folgen und ich glaube nicht, das Sie dieses Ergebnis erreichen wollen”, bemerkte Beckett spitz. “Ich bin ja schon still”, beteuerte John und hob schwach die Schultern. Schweigend beobachtete er Beckett bei seiner Arbeit, wie er geschickt eine Nadel nach der anderen an der richtigen Stelle des Leichnams positionierte. Für einen langen Moment schloß John erschöpft die Augen und ließ die Ruhe auf sich wirken. Er hatte äußerst wenig Schlaf in der letzten Nacht erfahren. Aufgrund der merkwürdigen Geschehnisse war dies auch kein Wunder. Und John befürchtete, das sich dies in den nächsten Tagen nicht sehr ändern würde, da er solange nicht friedlich schlafen konnte, bis die Sache mit der Antikerin aufgeklärt war. “Und was machen wir jetzt?” hakte John nach, als Doktor Beckett mit seiner Arbeit zuende war und sich auf einen Stuhl neben dem Major niederließ. “Wir warten”, sprach er ruhig und reichte ihm eine Tasse Kaffee, den er frisch aufgesetzt und von seiner Reserve, die er in seinem Zimmer aufbewahrte, noch übrig hatte. “Ich kann nicht einfach fünf lange Tage herum sitzen und nichts tun. Dabei werde ich verrückt! Irgend etwas muß ich doch unternehmen können, um ihr zu helfen”, erwiderte John mißmutig, dem es überhaupt nicht gefiel, das ihm bis zu dem ersehnten Ziel eine solch lange Wartezeit bevor stand. “Wenn es Sie interessiert, können Sie sich ja mit den Aufzeichnungen über das Na-Thil näher beschäftigen. Die Unterlagen sind ziemlich zahlreich. Es gibt viele von den Antikern dokumentierte Fälle, die mehrere ihrer Toten ins Leben zurück geholt haben.” “Beckett, das ist eine hervorragende Idee”, bemerkte John, der die Papiere bereitwillig entgegennahm, die der Arzt ihm hinhielt. Schon nach wenigen Minuten war er vollkommen fasziniert von dieser ungewöhnlichen Tatsache, die die Antiker erfolgreich entwickelt hatten.
“Gibt es schon eine Veränderung?” erkundigte sich Ford neugierig, als er am späten Abend im Untersuchungsraum erschien. Sheppard hatte sich den ganzen Tag über nicht von der Stelle gerührt. “Nein. Beckett geht auch nicht davon aus, das eine eintreten wird. Immerhin soll sie vier Tage lang in diesen Zustand verbringen, ohne irgendein Anzeichen, ob die ganze Sache wirklich funktioniert.” “Haben Sie noch einmal mit Ihrem Geist gesprochen, Sir?” hakte der jüngere Soldat begeistert nach. “Nein, sie hüllt sich in Schweigen. In diesen Unterlagen steht, das während des Na-Thil der Geist in Verbindung mit seinem Körper steht und sich auf die Rückkehr vorbereitet. Darauf lenkt er seine Konzentration, weshalb er alles andere ausschaltet, um den richtigen Augenblick nicht zu versäumen. Jede Wanderung auf eine andere Bewußtseinsebene würde sie die Kraft kosten, die sie für die Erweckung benötigt. Deshalb bezweifle ich, das wir sie vor ihrer Rückkehr ins Leben noch einmal zu Gesicht bekommen”, sprach Sheppard mit einem Kopfschütteln. “Wer mag sie wohl sein? Haben Sie da eine Ahnung, Sir? Ihre Kleidung sieht mir sehr nach einer Art Soldatin aus. Hatten die Antiker eine eigene Armee?” “Darüber ist nichts bekannt. Aber es ist durchaus möglich, das eine fortschrittliche Zivilisation wie die der Antiker so etwas wie ein hauseigenes Sicherheitspersonal besaß. Die Wraith sind ziemlich harte Gegner, wie wir aus eigener Erfahrung wissen, und ich glaube nicht, das die Antiker denen schutzlos gegenüberstehen wollten.” “Damals hatten sie noch ein funktionierendes Schutzschild über Atlantis”, bemerkte Ford, während seine Augen ausschließlich auf der geheimnisvollen Frau ruhten. “Das alleine reicht nicht aus, um einen Angriff der Wraith abzuwehren. Es würde mich nicht wundern, wenn sie einige gut ausgebildete Söldnern hatten, die in ihren Diensten standen. Näheres kann uns nur unser hübscher Geist erzählen”, sprach John gelassen. “Wenn ich das sagen darf, Sir, so ist sie mehr als nur hübsch. Ich habe noch nie eine so vollkommene Frau gesehen.” “Mit dieser Meinung stehst du nicht alleine da, Kleiner. Hab Geduld! Das Na-Thil wird uns gelingen und dann kannst du sie alles fragen, was dir auf der Seele liegt.” “Ich vertraue auf Ihre Zuversicht, Sir”, erwiderte Ford, nickte seinem Vorgesetzten noch einmal zu und begab sich zu seinen Aufgaben zurück, während Sheppard nach wie vor im Raum blieb, um das Aufwachen der Toten um keinen Preis zu versäumen.
Sie konnte nicht glauben, das er wirklich bereit war, so viel für ihre Rückkehr ins Leben zu riskieren, ohne überhaupt auch nur annähernd zu wissen, wer sie war. Major Sheppard hatte keine Ahnung, welche Gefahren unterhalb der Wasseroberfläche - in den unendlichen Tiefen des Meeres - auf seine Opfer wartete. Und ohne lange zu überlegen hatte er den Tauchvorgang vorgenommen, nur um ihr beizustehen und sie zu retten, so wie sie ihn eindringlich darum gebeten hatte. Bewegungslos stand sie neben ihrem Körper, den er geborgen hatte, und beobachtete den so wichtigen Vorgang des Na-Thils, das ihr Volk vor Tausenden von Jahren ins Leben gerufen hatte. Wie erfolgreich es war, konnte sich keiner der neuen Bewohner von Atlantis auch nur im Entferntesten vorstellen. Sie hatte es, als sie noch am Leben gewesen war, mehrmals mit eigenen Augen gesehen. Jedoch hatte sie nicht daran geglaubt, das eines Tages sie es sein würde, die davon Gebrauch machte. Nach wie vor stellte sie sich die Frage, was mit ihrem Volk geschehen war. Hatte irgend jemand den schweren Angriff der verdammten Wraith überlebt? So vieles war aus ihrer Erinnerung verschwunden. Und auf Atlantis hatte sie noch kein einziges bekanntes Gesicht entdeckt. Instinktiv wußte sie aber, das diese Menschen ihr Antworten auf diese verwirrenden Fragen geben konnten. Sie hatte in ihrer kurzen Anwesenheit auf der anderen Ebene nur erfahren, das die Wraith nach wie vor ein hartnäckiges Problem für jegliches Menschenleben darstellten. Die Gefahr war noch lange nicht vorüber. Und solange auch nur ein einziger Wraith aufrecht durch die Galaxie ging, solange würde es niemals richtigen Frieden geben. Sie würden immer wieder kommen, um sich zu holen, wonach sie verlangten. Es würde stets in harten Kämpfen enden, wobei die meisten Menschen ihr Leben verloren, da sie den Wraith einfach unterlegen waren. Ich kann sie stoppen. Dafür brauche ich nur eine Gelegenheit, dachte sie und spürte regelrecht, wie unbändiger Zorn in ihr hoch kochte. Die Wraith hatten ihr Volk und sie ins Unglück gestürzt. Für dieses Verbrechen würden sie mit dem Untergang ihrer Rasse bezahlen.
Nachts kehrte Ruhe auf Atlantis ein. Bis auf McKay und der Nachtwache gab es niemanden, der um eine solche späte Uhrzeit noch auf den Beinen war. McKay arbeitete nach wie vor unerbittlich an der Entschlüsselung für den Code des Tores. Dabei zeigte er schon beinahe besessene Züge. Langsam fragte sich die Expedition, ob der Wissenschaftler in den letzten Tagen überhaupt an so etwas wie Schlaf gedacht hatte. Außer diesen beiden Optionen war nur noch Sheppard wach, der sich weigerte, von der Seite jener Frau zu weichen, die er zu seinem persönlichen Schützling auserkoren hatte. Im Untersuchungsraum war es vollkommen still. Beckett war ebenfalls zu Bett gegangen, da er wußte, er konnte das Na-Thil in Johns Hände legen, der gut auf die tote Frau aufpassen würde. Unbeobachtet wollte der Arzt diesen Vorgang nicht lassen, da sein persönliches medizinisches Interesse an diesem Wunder einfach viel zu groß war, als das er diese Chance durch irgendeine Unachtsamkeit ruinieren wollte. Durch Sheppards Instinkt, die Frau retten zu wollen, hatte sich für die Nächte die perfekte Lösung gefunden. So konnte Beckett beruhigt seinen Schlaf finden, ohne sich ernsthafte Sorgen darüber machen zu müssen, das während seiner Abwesenheit etwas schief ging. Leise erhob sich John von seinem Stuhl und wanderte im Raum umher. Er trat direkt an den Tisch, auf den der Leichnam lag, und studierte eingehend ihr makelloses Gesicht. “Aus den Unterlagen geht hervor, das es dem Na-Thil hilft, wen man zu der verstorbenen Person spricht, aber ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was ich dir sagen soll. Das du ungewöhnlich schön bist, brauche ich dir nicht mitteilen. Schon zu deinen Lebzeiten mußt du das ständig von den Männern gehört haben”, sprach John leise, der verhindern wollte, das jemand von der Wache dies mitbekam und seinen kommandierenden Offizier für dieses Verhalten wahnsinnig erklärte. Er redete vertraulich mit einer Toten, von der er genau wußte, das er keine Antwort erhielt. “Es ist seltsam. Ich habe mich auf diese Expedition eingelassen, weil es nichts gab, das mich auf der Erde hielt. Ich dachte mir, ein wenig Abwechslung, die ich zweifellos auf Atlantis haben werde, wird mir gut tun und mich von den Problemen der letzten Zeit ablenken. Und die perfekte Frau, von der jeder Mann insgeheim träumt, finde ich ausgerechnet hier und sie ist tot. Ich weiß nicht, was ich von dieser ganzen Sache denken soll. Noch nie habe ich an Geister oder etwas ähnliches geglaubt, doch seit ich durch das Gate ging, hat sich meine Weltanschauung leicht verändert. Das ist wohl die logische Konsequenz einer solchen ungewöhnlichen Reise”, bemerkte John und sprach somit seine intimsten Gedanken aus, an denen er noch nie jemanden hatte teilhaben lassen. “Mein Herz glaubt daran, das dieser Vorgang funktioniert und ich bald deine Augen sehe. Und glaube mir, ich brenne darauf zu erfahren, ob deine Augen ebenso perfekt sind wie der Rest von dir. Mein Verstand jedoch erzählt mir, das ich verrückt bin, an Totenbeschwörung zu glauben und das ich viel mehr auf meine militärische Ausbildung vertrauen sollte, als auf die Worte, die mir ein Geist mitteilt. Wie lange hast du wohl dort unten gelegen? Vielleicht kannst du uns helfen, den Wraith beizukommen, um ihre schrecklichen Morde aufzuhalten”, sprach Sheppard und berührte zärtlich eine Strähne ihres langen, blonden Haares. Es fühlte sich genauso samtweich an, wie er es sich vorgestellt hatte. “Langsam mache ich mir wirklich Sorgen um Ihren gesunden Menschenverstand”, erhob sich eine Stimme hinter John, die er inzwischen nur zu gut kannte. “So sieht also dieses seltsame Na-Thil aus, von dem jeder hier spricht.” “Ich habe nicht damit gerechnet, das irgend etwas Sie von Ihrer Arbeit an dem Tor abbringt, McKay”, erwiderte John, ohne sich umzudrehen. “Und ich habe nicht erwartet, das Sie hier eine sehr monotone Unterhaltung mit einer Toten führen, die Ihnen bekanntlich nichts entgegen setzen kann”, setzte der Wissenschaftler nach, als er neben dem Soldaten auftauchte. “Es soll angeblich den Erfolg des Na-Thils fördern, wenn man mit dem Leichnam spricht. So haben es jedenfalls die Antiker beschrieben.” “Seit wann halten Sie sich an das, was Ihnen jemand anderer vorgibt?” “Wir haben keine Erfahrung mit diesem Prozeß. Also müssen wir uns an jeden einzelnen Schritt halten, den die Antiker aufgezeichnet haben.” “Sie können ja ein ganz braver Schüler sein”, kommentierte McKay überrascht. “Wer würde schon etwas tun, um einer solchen Frau Schaden zuzufügen?” erwiderte John herausfordernd und warf dem Mann neben sich einen kurzen Seitenblick zu, wie dieser ungerührt neben dem toten Körper stand. “Sagen Sie bloß, McKay, Ihre anmutige Schönheit berührt Sie nicht?” “Ich kann dem nicht wirklich etwas abgewinnen.” “Sie ist vollkommen”, sprach John mit einem warmen Lächeln. “Perfekte Menschen gibt es nicht, Major. Diese Frau macht da keine Ausnahme.” “Wie weit sind Sie mit Ihrem Tor?” wechselte John das Thema, der McKay nicht unbedingt für den richtigen Gesprächspartner hielt, um mit ihm über Frauen zu sprechen. “Ich werde das Geheimnis schon noch lösen”, behauptete Rodney überzeugend. “Seit dem Fund arbeiten Sie daran, sind alle möglichen Zahlencodes durchgegangen. Ich will Ihre Intelligenz nicht angreifen, doch ich bezweifle, das Sie es ohne die Hilfe dieser Frau schaffen werden, das Tor zu öffnen”, führte John ernst aus. Entgeistert blickte McKay den Soldaten an, fing sich jedoch in der nächsten Sekunde wieder, da er nicht als der Wissenschaftler der Atlantis-Expedition bekannt werden wollte, der Major Sheppard die Augen auskratzte, weil dieser es gewagt hatte, ihn zu beleidigen. “Diese Unterstellung weise ich demonstrativ von mir. Ich benötige keine Hilfe. Auf den einen oder anderen Weg werde ich die Lösung finden. Und dann erwarte ich eine Entschuldigung von Ihnen, Major Sheppard.” “Die Lösung liegt direkt vor Ihnen, McKay”, erwiderte John, ohne auf den bissigen Kommentar näher einzugehen. “Warum sind Sie sich dessen so sicher? Sie vertreten das mit einer Überzeugung, das niemand ein vernünftiges Argument dagegen aufweisen kann, nicht einmal ich”, gestand Rodney überraschend. “Ich weiß es nicht. Es ist einfach so ein Gefühl, das sich in mir ausbreitet. Wenn ich sie ansehe, sehe ich ihre besondere Verbindung zu dem Tor, die sie besitzt. Ich kann es nicht genauer erklären, denn ich empfinde in ihrer Nähe nun einmal so.” “Am Ende dieser fünf Tage werden wir sehen, wer im Recht liegt”, behauptet Rodney. Schweigend blickten die beiden Männer auf die tote Frau. Nickend stimmte John dem Wissenschaftler zu. Wenn sie erwachte, würde man sehen, welche Meinung sich als Wahrheit entpuppte.
~ 5. ~ [Vier Tage später] Vorsichtig entfernte Beckett jede einzelne Nadel, die er am Körper der Antikerin positioniert hatte. Er war sich deutlich darüber bewußt, das die Leitung der Atlantis-Expedition aufmerksam jede seiner Bewegungen verfolgte. “Wie geht es jetzt weiter?” erhob Teyla das Wort. “Der Körper befindet sich für die nächsten vierundzwanzig Stunden in einer Art Ruhephase. Das Na-Thil gibt an, das sie danach erwachen wird.” “Einfach so?” “Nach dem Verlauf des letzten Tages muß jemand, der dieses besondere Gen besitzt, um die Maschinen zu benutzen, seine Hände auf ihre Stirn legen und sie ins Leben zurück rufen”, erklärte John mit ruhiger Stimme. “Diese Aufgabe wirst du sicher nicht Beckett überlassen, sondern selbst übernehmen, nicht wahr?” hakte Teyla lächelnd nach. “Ich bin dafür sowieso nicht die geeignete Person”, mischte sich Beckett ein, der einen etwas nervösen Eindruck machte. Es behagte ihn nicht sehr, sich mit der Technik der Antiker beschäftigen zu müssen, so war es ihm lieber, wenn Sheppard die Verantwortung für das Na-Thil übernahm. Der Soldat konnte auch besser mit den Maschinen der Antiker umgehen, so würde auch der Ausgang des Na-Thil kein Problem für ihn darstellen. “Beruhigen Sie sich, Beckett. Immerhin kam sie zu mir, das ich ihr helfen soll. Deshalb werde ich auch den letzten Teil des Na-Thils persönlich erfüllen”, beschloß Sheppard und allein sein entschlossener Blick offenbarte den Anwesenden, das er sich um keinen Preis an diesen Vorhaben hindern lassen würde. Leicht berührte John die Fremde an der Hand, um ihre Körpertemperatur festzustellen. “Sie ist noch immer eiskalt”, bemerkte er kopfschüttelnd. “Die Antiker behaupten, das sich das erst mit ihrer Erwachung ändert.” “Wir sollten Decken bereit halten, damit wir sie auf den schnellsten Weg aufwärmen können”, murmelte Sheppard und Elizabeth stimmte seinem Vorschlag mit einem Nicken zu. “Wir werden dafür sorgen. Gehen Sie in Ihr Quartier und ruhen Sie sich ein wenig aus, Major. Sie haben in den letzten Nächten kaum geschlafen, sondern nur an der Seite der Antikerin gewacht. Sie brauchen auch etwas Schlaf, ansonsten sind Ihre Kraftreserven bald erschöpft.” “Es geht mir gut”, blockte er ab. “Major, das war keine Bitte. Ich befehle Ihnen sich hinzulegen. Sie fallen uns bald um, wenn Sie so weitermachen.” “Sagen Sie das McKay, der rennt ja seit gut einer Woche ohne Schlaf durch die Gegend.” “Auch ihn habe ich schon ins Bett geschickt. Gehen Sie! Wir achten gut auf die Antikerin, das wissen Sie”, sprach Weir in einem Tonfall, der keinen Widerspruch zuließ. John war sich im Klaren darüber, das Elizabeth ihm solange im Nacken sitzen würde, bis er sich ihrem Befehl beugte. Sie würde ihm keine Ruhe lassen. Deshalb hatte er nicht allzu viele Optionen, zwischen denen er wählen konnte. Einem kaum zu sehenden Nicken folgend willigte er auf den Vorschlag ein, da er selbst spürte, wie die Müdigkeit von seinen Körper Besitz ergriff. Es konnte nicht schaden ein paar Stunden Schlaf zu finden, um seine Batterien wieder aufzuladen. Sheppard war durchaus aufgefallen, das seine Konzentration nach gelassen hatte und es ihm schwer fiel, die Augen offen zu halten. Ja, er mußte sich dringend ausruhen, um wieder einsatzfähig zu sein.
Die Dunkelheit entfernte sich immer mehr von ihr. Ihre Seele kam dem Licht des Lebens wieder näher. Der sanfte Hauch von Atlantis strich über sie hinweg, führte sie langsam dorthin zurück, wo sie hingehörte. Der Tod ließ sie gehen, damit sie beenden konnte, was sie einst begonnen hatte. Ihr Kampf gegen die Wraith war noch lange nicht vorbei. Sie würde den Krieg ihres Volkes wieder aufnehmen und ihre Feinde endgültig in die Hölle schicken. Es war ihr Schicksal, der Schwur, den sie schon als Kind geleistet hatte, als der Orden sie in ihr Training gestellt hatte. Mit ihrem Blut, ihrem Leben und ihrem Tod hatte sie sich diesem Eid verpflichtet. Und egal, was auch geschah, sie mußte ihn erfüllen. Nicht einmal ihr eigener Tod konnte daran etwas ändern. Ihre Seele würde erst dann Frieden finden, wenn sie die Wraith bezwungen hatte. Doch zuvor gab es keine Erlösung für sie. Solange war sie gefangen in ihrem Schwur, der sie niemals daraus entlassen würde. Zu viele Menschenleben hatte der Krieg gegen die Wraith gekostet. Ihr Volk war regelrecht von ihnen überrannt worden. Sie hatten ihre Welt, ihr Volk und ihre Hoffnungen zerstört, nicht aber den Schwur der Kamaguris, der über den Tod hinaus existierte.
Die geheimnisvolle Antikerin stand die gesamte Zeit über unter der Beobachtung von Beckett, der jede noch so kleine Auffälligkeit genauestens dokumentierte. Sollte ihnen jemals der Rückweg zur Erde ermöglicht werden, so kam er mit einer Sensation zurück. Er hätte einen wissenschaftlichen Bericht im Gepäck, der bewies, das man Tote ins Leben zurück rufen konnte. Diese Neuigkeit war absolut faszinierend und würde noch viele Untersuchungen mit sich ziehen, die Beckett vornehmen würde, sollte ihnen der Erfolg tatsächlich auf dieselbe Art gelingen wie den Antikern. Während Sheppard und Ford jedoch nur auf ihr ersehntes Ziel warteten, beschäftigte sich Beckett auch mit den Nebenwirkungen, die die Antiker in ihren Aufzeichnungen ansprachen. Jene Personen, die den Weg aus dem Tod zurück gefunden hatten, litten unter Kopfschmerzen und Gedächtnisverlust. Je länger sie aus dem Leben verschwunden waren, desto größer war auch die Amnesie. Die Verletzungen, die sie getötet hatten, würden wieder aktiv werden und gehörten nach der Erwachung umgehend behandelt, ansonsten bestand die Gefahr, dass das Opfer erneut daran starb. Und danach waren selbst die Antiker machtlos, da sich der Prozeß an derselben Person nicht wiederholen ließ. Auch Gleichgewichtsstörungen und vermehrte Müdigkeit waren Symptome, die die Personen solcher Erwachungen befielen, und über einen längeren Zeitraum anhielten. Sie brauchten eine regelmäßige medizinische Beobachtung, um dies zu behandeln. Die körperlichen Beschwerden verschwanden bei den Meisten nach ungefähr zwei Monaten wieder. Jedoch hatten viele selbst Jahre nach dem Na-Thil noch Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis. Der Verlust der Erinnerungen konnte hartnäckig bestehen oder nach wenigen Tagen bereits Geschichte sein. Außerdem wußte kaum einer noch, wie sein eigener Tod zustande gekommen war. Mit all diesen Nebenwirkungen würde sich auch Sheppards Schützling herum schlagen müssen. Und niemand konnte voraussagen, welche Auswirkungen ihr Tod vor gut zehntausend Jahren auf ihr neues Leben haben würde. Beckett ahnte, das es durchaus möglich war, das sie ihre Erinnerung an ihr erstes Leben vielleicht nie mehr zurück erlangen würde, das sie nicht einmal mehr ihren Namen wußte, geschweige denn, auf welche Art sie getötet worden und sie in den aus Eis bestehenden Sarkophag gekommen war. “Es könnte fatal enden”, murmelte Beckett, der sich nicht vorstellen konnte, das ein einzelner Mensch diese groß angelegte Belastung von einer zehntausendjährigen Zeitspanne wirklich ohne Schaden überstehen konnte. Der Druck, der über die Antikerin unweigerlich herfallen würde, war enorm. Sie mußte schon eine Willensstärke, die weit über die der Menschen hinaus ging, verfügen, um damit richtig umgehen zu können. Ansonsten war es regelrecht vorprogrammiert, das diese Frau und womöglich auch Atlantis mit einer Katastrophe untergehen würde.
“Sir, wachen Sie auf”, sprach eine respektvolle Stimme neben Sheppard. Müde rieb er sich über die Augen und öffnete diese in einem noch verschlafenen Zustand. Neben seinem Bett stand Lieutenant Ford, der auf eine Reaktion seines kommandierenden Offiziers wartete. “Was willst du hier, Kleiner?” fragte John und strich sich durch das dichte Haar. “Es wird Zeit für den letzten Schritt des Na-Thils und dafür benötigen wir Ihre Hilfe. Doktor Weir schickte mich, um Ihnen Bescheid zu sagen”, erklärte Ford sachlich. Irritiert blickte John seinen Gegenüber an. Sein Blick wanderte zu seiner Armbanduhr. Erst jetzt drang die Bedeutung von Fords Worten zu ihm durch. “Habe ich etwa vierundzwanzig Stunden durch geschlafen?” stieß er überrascht aus. Das bejahende Nicken, das er zu sehen bekam, war ihm Antwort genug. “Sir, Sie waren mehrere Tage fast ununterbrochen auf den Beinen. Es wundert mich, das Sie nicht schon zusammen gebrochen sind. Sie haben die Pause gebraucht, Major. Immerhin müssen Sie sehr erschöpft gewesen sein”, führte der Lieutenant aus, ohne auf irgendeine Art anmaßend zu klingen. Ein kurzes Lächeln glitt über Johns Lippen, bevor er seinem Soldaten nickend beipflichtete. “Ich bin in zehn Minuten im Untersuchungsraum”, sprach John und massierte sich leicht eine schmerzende Stelle am Nacken. Seine gesamte Schultermuskulatur fühlte sich verspannt an. Dies war kein Wunder, so hatte sein Schlaf der vergangenen Tage auf unbequemen Stühlen ausgesehen. “Wir erwarten Sie dort, Sir”, erklärte Ford knapp und verließ das Quartier des Majors. John ließ sich für einen kurzen Moment in die Kissen zurück fallen und atmete einmal tief durch. Der Augenblick der Wahrheit war gekommen. Nun würde sich entscheiden, ob sie in der Lage waren, das Na-Thil der Antiker aufgrund der Aufzeichnungen richtig anzuwenden oder ob dies nur Jene vollbringen konnten, die es einst entwickelt hatten. Entweder würde er sich heute mit der geheimnisvollen Frau unterhalten können oder ihre Seele würde genauso sterben wie ihr Körper. Er hatte sich mit den Gefahren des Na-Thils auseinander gesetzt und auch, wenn er es nach außen hin nicht offenbarte, so machte er sich Sorgen um ihre Sicherheit. Wenn irgend etwas schief ging, würde der Tod unweigerlich nach ihrer Seele greifen und den letzten Rest, den sie verzweifelt irgendwie am Leben erhielt, würde in der Endgültigkeit des Jenseits verloren gehen. Ein schwerer Seufzer entrang sich seiner Kehle, als er sich aus dem Bett erhob und nachdenklich seine Uniform anzog. Noch immer kannte er nicht ihren Namen. Doktor Weir und Teyla hatten sich die Aufzeichnungen der Antiker noch einmal vorgenommen, doch keinen Hinweis gefunden, der auf die Fremde hindeutete. Das war auch nicht weiter verwunderlich, so besaßen sie Massen an Daten, die die Antiker angelegt hatten, und die sie bei weitem noch nicht alle gelesen hatten. Nur die Tote alleine konnte ihre Identität preisgeben.
Im Untersuchungsraum herrschte eine angespannte Atmosphäre. Sogar Rodney McKay hatte sich dazu herab begeben, anwesend zu sein. “Ich hätte nicht damit gerechnet, das Sie hier sein würden, McKay. Immerhin haben Sie bis jetzt wenig Interesse an dem Na-Thil gezeigt”, spottete John. “Dieses Versagen und Ihre Erkenntnis, das die Erweckung eines Toten doch nicht möglich ist, lasse ich mir nicht entgehen. Ich will Ihre Erklärungen hören, wenn es nicht so läuft, wie Sie sich das erhoffen”, gab Rodney spitz zurück. “Darauf können Sie lange warten, denn Ihre Schadenfreude wird einen heftigen Dämpfer erleben”, erwiderte John und trat an das Kopfende des Tisches. Beckett hatte die Aufzeichnungen auf einem anderen Tisch ausgebreitet, um den Abschnitt über den letzten Teil des Na-Thils genauer studieren zu können. “Sind Sie bereit, Sheppard?” erkundigte er sich über die Schulter. “Sagen Sie mir nur, was ich tun muß”, gab dieser entschlossen zurück. “Zuerst müssen Sie Ihre Hände mit dem Wasser von Atlantis waschen. Danach legen Sie Ihre Hände auf die Stirn der Toten. Im Stillen müssen Sie dann die Worte ‘Kehre ins Leben zurück‘ sprechen”, führte Beckett ernst aus. “Das ist alles?” “Klingt ein bißchen wenig, wenn man den Aufwand bedenkt, den hier alle wegen dieses Na-Thils veranstalten”, warf McKay zynisch ein. Sheppard bedachte ihn mit einem scharfen Blick. Er mußte nicht einmal etwas sagen, damit Rodney seine Botschaft verstand. Dieser hob schwach die Schultern und hielt sich im Hintergrund, während John seine Hände in das Wasser von Atlantis eintauchte, das Beckett bereits vorbereitet hatte. Jeder seiner Schritte wurde genauestens beobachtet. Keiner der Anwesenden wollte auch nur ein kleines Detail versäumen. Vorsichtig legte Sheppard seine Hände auf die Stirn der Fremden. Nach wie vor fühlte sie sich eisig kalt an. Ihre Körpertemperatur war noch immer in keinster Weise gestiegen. Es würde Stunden dauern, bis Ihr Körper von Wärme eingehüllt wurde. “Das wird nie funktionieren”, prophezeite McKay, der es für nötig hielt, seine Meinung mit einem weiteren, negativen Kommentar zu unterstreichen. “Halten Sie den Mund, McKay. Ich muß mich konzentrieren und ihr Gequatsche stört dabei”, wies Sheppard den Wissenschaftler zurecht. “Wir müssen still sein. Aus den Unterlagen geht hervor, das die Stille von Bedeutung ist für die Rückführung der Seele in den toten Körper”, bemerkte Beckett, um die Anwesenden darauf aufmerksam zu machen, das eine solche Störung im Augenblick alles andere als angebracht war. McKay verzog leicht das Gesicht, erwiderte jedoch nichts. Alle Augen richteten sich einheitlich auf Sheppard und der toten Frau, die sich so sehr danach sehnte, wieder am Leben zu sein. Hoffentlich hilft dieses seltsame Gen wirklich, dachte Sheppard, bevor er seine ganze Konzentration auf den Leichnam und dessen herum wandernde Seele lenkte. Kehre ins Leben zurück, sprach er im Stillen und schickte gleichsam seine Hoffnung hinterher, das sie seine Worte auch wirklich hörte und seiner Stimme ins Leben folgte. Gebannt starrten die Anwesenden auf die junge Frau, während Sheppard langsam seine Hände zurück zog. Für einen langen Moment geschah überhaupt nichts. McKay wollte schon mit seiner Aussage ansetzen, das er Recht gehabt hatte, als der Oberkörper der Antikerin mit einem lauten, gequälten Stöhnen hoch schoß. Erstaunen, aber auch ein leichter Schock wanderte von Doktor Weir bis zu Doktor McKay. Keiner von ihnen - außer Sheppard, der wußte, das es funktionieren würde - hatte tatsächlich daran geglaubt, das der Erfolg des Na-Thils wirklich so atemberaubend war, wie die Antiker es behaupteten. Die Fremde atmete heftig, verzog jedoch in derselben Sekunde vor leidenden Schmerzen das Gesicht. Beckett setzte sich sofort in Bewegung und begann mit der Behandlung ihrer Wunden, die überraschend zum bluten angefangen hatten. Unruhig wanderten ihre Augen im Raum umher, bedachten jeden Anwesenden mit einem kurzen Blick. In der ersten Minute war nicht klar zu erkennen, ob sie wußte, was geschehen war. Ein heftiges Zittern befiel ihren Körper. Sheppard griff nach eine der vorbereiteten Decken und legte sie ihr über die Schultern. Ihr Blick blieb bei ihm hängen und ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen. Es war ein deutliches Zeichen dafür, das sie ihn sofort als jenen Soldaten identifiziert hatte, der ihr so bereitwillig geholfen hatte. “Hi”, sprach er sanft, wobei der Klang seiner Stimme einen wohligen Schauer bei ihr hinterließ. “Willkommen zurück im Leben. Ich bin John Sheppard”, stellte er sich nun offiziell vor und wartete geduldig auf ihre Antwort. Er konnte nur nicht sagen, ob sie ihm vor Kälte keine gab oder weil sie einfach ihren Namen vergessen hatte. “Wir müssen sie auf den schnellsten Weg aufwärmen. Beckett, wie sehen die Verletzungen aus?” “Die erste Versorgung ist schon so gut wie beendet. Das ist in ein paar Wochen verheilt”, erwiderte der Arzt zuversichtlich, als er den letzten Verband anlegte. John blieb neben der Fremden stehen und nahm ihre Finger zwischen die seinen, um sie durch Körpernähe aufzuwärmen. Die Schwäche ihres Körpers war selbst für einen Blinden klar zu erkennen. “Wo ... wo ist mein Volk?” erhob sie schließlich das Wort. Elizabeth und John wechselten einen raschen Blick miteinander. Sie vertraten beide die Ansicht, das es nicht gut für die Antikerin war, bereits ein paar Minuten nach ihrer Erweckung mit der bitteren Wahrheit konfrontiert zu werden. Niemand konnte sagen, wie sich das auf ihre angeschlagene Psyche auswirken würde. “Wie lautet dein Name?” sprach John statt einer Antwort. “Mein Name ist Elektra Shiva”, erwiderte sie und bekam die entsetzte Reaktion der Anwesenden nicht mit. Sie war zu sehr damit beschäftigt, ihre Gedanken zu sortieren. Immerhin hatte sie eine lange Reise aus dem Reich der Toten hinter sich. Der Name Elektra Shiva war genauso legendär wie das geheimnisvolle Atlantis selbst, von dem einst der Glaube vertreten war, es würde nicht existieren. Und auf dieselbe Art und Weise verhielt es sich mit diesen einen und besonderen Namen. Die Frau, die sie mittels Na-Thil wieder zum Leben erweckt hatten, war die legendäre Kriegerin Elektra Shiva? Jene Frau, die zwischen dem Bösen und dem Schutz der Menschheit stand? Die Einzige, die die Menschen vor den Mächten der Finsternis und vor der Apokalypse retten konnte? Es war nicht irgendeine Antikerin gewesen, die Sheppard um Hilfe gebeten hatte, sondern ausgerechnet Elektra, die Frau, deren Existenz genauso nebelumhangen gewesen war wie die der Stadt, der sie angehörte. Die Totenbeschwörung hatte der mächtigsten Kriegerin der menschlichen Geschichte den Weg ins Leben offenbart.
~ 6. ~ “Du bist Elektra Shiva?” hakte John verblüfft nach, nachdem er der Erste war, der die Sprache wiederfand. “Wer sollte ich sonst sein? Wieso ... reagiert ihr so seltsam?” erwiderte Elektra, als sie die Mienen der Anwesenden bemerkte. “Das benötigt ein paar längere Erklärungen, für die du viel zu schwach bist. Du solltest dich ausruhen. Nach deinem Schlaf werde ich dir erzählen, was ich weiß”, versprach John und legte ihr eine Decke um die Schultern. “Was macht ihr auf Atlantis? Haben die Antiker euch den Aufenthalt erlaubt? Und woher kommt ihr überhaupt?” sprach Elektra mit zitternder Stimme. “Dafür, das du erst seit ein paar Minuten wieder lebst, sind das ziemlich viele Fragen auf einmal. Es ist nicht so einfach wie du denkst.” “John Sheppard, du irrst dich. Menschen machen das Leben und dessen Fragen kompliziert. Das Leben an sich ist einfach gestrickt”, erwiderte sie knapp. “John genügt”, wies er sie sanft zurecht. Die angespannte Atmosphäre, die im Raum lag, entging Elektra in keinster Weise. Ihr ausgeprägter Instinkt verriet ihr, das man ihr etwas Entscheidendes verschwieg. Ruckartig richtete sie sich auf und warf die Decke beiseite, die Sheppard ihr fürsorglich um die Schultern gelegt hatte. Sie war so schnell auf den Beinen, das keiner der Anwesenden darauf reagieren konnte. Ihre Beine fühlten sich unendlich schwach an. Dies war eine logische Konsequenz der langen Ruhephase, die sie erlebt hatte. Lange hatte sie ihren Körper nicht mehr bewegt. Dieser mußte erst wieder lernen, seine Muskulatur richtig zu benutzen, damit er erneut zu der tödlichen Waffe wurde, der ihr Körper einst gewesen war. “Du bist noch viel zu schwach, um hier herum zu laufen. Du gehörst dringend in ein Bett”, rief John besorgt, als sie auf wackeligen Beinen und etwas ungelenk den Untersuchungsraum verließ. Sie stolperte mehr durch die Gegend anstatt das sie aufrecht ging. Verblüfft blickten ihr alle nach. Eigentlich hatte jeder damit gerechnet, das sie in den nächsten Tagen noch Hilfe brauchen würde. Statt dessen erhob sie sich bereits nach wenigen Minuten ihrer Erweckung und wollte auf Atlantis ohne irgendeine Unterstützung selbst herum zu wandern. John war der Erste, der sich von dieser Überraschung erholte, und sich in Bewegung setzte, um sie einzuholen. Zutiefst besorgt beobachtete er Elektra dabei, wie sie durch die Räume lief und sich jedes Detail genauestens ansah. Nach wie vor lag ein verwirrter Ausdruck in ihrem Blick. Bereits nach ein paar Sekunden erkannte John, wohin es sie zog. Ihr unsicherer Weg führte sie direkt zu dem fest verschlossenen Tor, das McKay mit aller Macht zu öffnen versuchte und seit Tagen jede einzelne Sekunde an seinem Vorhaben scheiterte. Auch der Rest der Atlantis-Führung war inzwischen in Bewegung und verfolgte das Szenario interessiert. Hastig eilte John zu Elektra, als sie das Gleichgewicht verlor und zu Boden stürzte. “Du mußt dich ausruhen”, bemerkte er noch einmal, obwohl er das Gefühl verspürte, das sie sich von ihm nicht zu diesem Vorschlag umstimmen ließ. Sanft legte er seine Hände um sie und half ihr vorsichtig auf die Beine. “Ich muß zu ... meinen Orden”, flüsterte sie kaum hörbar. Nur Sheppard, der sich in ihrer direkten Nähe befand, konnte ihre Worte verstehen. “Dein Orden? Du warst Mitglied eines Ordens?” hakte er neugierig nach. “Ich bin ... eine Kamaguri. Ich muß zu ihnen hinein. Nur so kann ich mit eigenen Augen sehen, welches Schicksal sie erfahren haben.” “Sprichst du von dem Tor, das sich so schwer öffnen läßt?” “Ihr könnt es nicht öffnen, niemals, unter keinen Umständen”, erwiderte sie mit einem bitteren Lächeln. Der einzige Weg, wie sich Elektra zur Zeit auf den Beinen halten konnte, war die Tatsache, das sie sich bei Sheppard festhielt. “Was soll das heißen?” mischte sich McKay energisch in die Unterhaltung ein. Ein giftiger Blick traf ihn aus Elektras funkelnden Augen. “Du hast nichts bei dem Erbe der Kamaguris verloren. Wie kannst du es wagen, Hand an dieses Tor zu legen? Niemand gab dir die Befugnis, es berühren zu dürfen”, zischte sich zornig. “Ich werde es öffnen”, versprach er arrogant. “Das wird dir nicht gelingen. Denn du bist kein Mitglied der Kamaguris oder jemand aus dem hohen Rat der Antiker. Unser Gen magst du in dir tragen, aber das vermittelt dir nicht all unser Wissen und die besondere Fähigkeit, die heiligen Hallen der Kamaguris sehen zu dürfen”, wies Elektra den Wissenschaftler scharf zurecht. “Nur ein Kamaguri oder ein Mitglied des hohen Rates darf in die Hallen der Kamaguri. Jedem anderen unwürdigen Wesen ist dies nicht gestattet. Es sei denn, als Außenstehender erhältst du von einer Kamaguri die Erlaubnis dazu. Ein Verstoß wird mit dem Tod bestraft. Nur von uns läßt sich das Tor öffnen.” “Das ist doch Schwachsinn. Es gibt immer einen wissenschaftlichen Hintergrund, weshalb sich eine solche Technik nicht auf Anhieb öffnen läßt”, widersprach McKay heftig. “Du bist kein Kamaguri. Und wenn ich noch einmal erlebe, das du dich dem Tor auch nur näherst, werde ich dich töten”, stieß sie ihr Versprechen mit einer so ernsten Miene aus, das McKay unwillkürlich einen Schritt zurück trat, so sehr schenkte er ihren Worten Glauben. “Schon gut, Leute, beruhigt euch wieder! Das sind Dinge, die wir auch später besprechen können”, sprach John, um die Situation zu entschärfen. “Ich will zu meinen Orden”, forderte Elektra unnachgiebig. “Ich werde dich hinbringen, aber nur für einen kurzen Moment. Danach legst du dich bitte hin, um dich von deinem Na-Thil zu erholen, verstanden?” “In Ordnung”, willigte Elektra ein. “Doch niemand begleitet uns. Nur du darfst mitgehen, John.” “Das ist eine unmögliche Forderung”, protestierte McKay. “Es ist mein Tor, mein zu Hause, mein Orden und ich entscheide, wer diese Räume betreten darf”, flog Elektra McKay an. John konnte sie nur knapp davon abhalten, sich auf den Astrophysiker zu stürzen. Er wußte, selbst in ihrem schwachen Zustand war sie McKay bei weitem überlegen. “Du wirst den Orden nicht betreten”, betonte Elektra noch einmal und betrachtete Rodney mit beinahe tödlichen Blicken. Sie glaubte keine einzige Sekunde, das McKay Gutes mit dem Tor im Sinn hatte. “Elektra und ich gehen alleine. Wenn dies ihr Wunsch ist, sollten wir ihn respektieren”, beschwichtigte John die Anwesenden und führte die schwache Kriegerin zum Tor der Kamaguri. “Das kann ich nicht einfach so stehen lassen. Ich versuche seit mehr als einer Woche, dieses Tor zu öffnen. Er hatte nur Spott dafür übrig. Und jetzt darf er hinein und ich nicht? Das ist mehr als nur unfair”, beschwerte sich Rodney lautstark. “Lassen Sie ihr diesen Wunsch, Rodney. Sie hat ihr Volk verloren. Die Welt, die sie kannte, existiert nicht mehr. Doch ihre Feinde sind nach wie vor aktiv.” “Ja, dank Sheppard”, bemerkte McKay spitz, der einmal mehr darauf hinwies, das ihre ganzen Schwierigkeiten mit den Wraith die Schuld des Majors war. “Die Räume dieses Ordens ist das Einzige, das Elektra geblieben ist”, führte Elizabeth weiter aus, wobei sie seinen bissigen Kommentar schlichtweg ignorierte. “Aber ich habe daran gearbeitet.” “Und genau das hat sie gestört. Lassen Sie ihr Zeit, Rodney. Dann wird sie auch Ihnen eines Tages einen Besuch in diesen Räumen gestatten.” “Und unser lieber Major darf das natürlich jetzt. Bei seinem Schlafzimmerblick kann ja auch keine Frau nein sagen”, sprach Rodney zynisch. Es war deutlich zu erkennen, das er bis in die Tiefe seiner Seele über diese Entscheidung beleidigt war. Und so schnell würde er nicht vergessen, das sie Sheppard diesen bedeutenden Vortritt ließ.
Während sich alle anderen im Hintergrund hielten, wobei Rodney dies nur auf Doktor Weirs Wunsch hin tat, bewegte sich Elektra an Sheppards Seite langsam auf das Tor zu. Ein Zittern lief über ihren Körper und breitete sich sogar in ihrem Innersten aus. Vor ihren Augen tat sich nach so vielen Jahren der Stille endlich das Bild jenen Tores auf, wo sie seit ihrer Kindheit ihr Leben verbracht hatte. Ihre Gefühle brachen regelrecht aus ihr heraus. Solange waren sie verschlossen gewesen und nun drängten sie an die Oberfläche. “Ich bin zu Hause”, sprach Elektra leise und ließ Johns Arm los, auf den sie sich stützte. Vorsichtig tastete sie sich vor. Zärtlich legte sie ihre Hand auf das kühle Gestein und lehnte sich dagegen. “Sag mir den Code”, flüsterte sie, als sie die Augen schloß und sich ganz auf den alten Geist der Kamaguris konzentrierte. Und als Elektra zu den Tastaturen ging und mehrere Zeichen eingab, ging Sheppard ein Licht auf, wie der Sicherheitsmechanismus dieses Tores aussah. Er bestand aus mehreren Teilen, so das es gar nicht möglich war, außerhalb der Kamaguri dieses Tor öffnen zu können. Der Geist des Ordens verriet den ausgewählten Mitgliedern vor jedem Betreten einen individuellen Code, der nur erfolgreich angewandt werden konnte, wenn man das richtige Gen eines Kamaguri besaß. Dieser Code wurde jedesmal durch Zufall ausgesucht und wurde nur ein einziges Mal benutzt. Niemals tauchte zwei Mal dieselbe Zahlenkombination auf. Elektra legte ihre Handfläche auf eine Vertiefung in der Tür. Ihre Fingerabdrücke einer Kriegerin des geheimen Ordens wurden augenblicklich erkannt und mit einem lauten Geräusch schwang das Tor zu zwei Richtungen auseinander. “Darf ich | |