Thirty-Eight Minutes

Title: Sanctuary / The Fear Itself, Part 2
Author: Tegan (teganspirit@gmail.com)
Fandom: Stargate Atlantis
Rating:
R
Category:
Drama, Liebe, Abenteuer
Characters, Pairing: Doktor Weir, Teyla, Rodney McKay, Ford, Major John Sheppard / Elektra Shiva

Summary: Nachdem John den Angriff eines Insektes nur mit knapper Mühe überlebt, offenbart sich Elektra den Wraith. Ihre Rückkehr auf den Planeten aus ihrem Traum endet in einer Katastrophe ...

Disclaimer: Die Charaktere von Stargate Atlantis gehören nicht mir, sondern MGM Television, Brad Wright, Robert C. Cooper, Peter DeLuise und anderen. Diese Story ist FanFiction, mit der weder Geld verdient, noch Rechte verletzt werden sollen. Ich schreibe sie nur zu meinen Vergnügen.

Note: Als erstes wünsche ich allen fröhliche Weihnachten und ein gutes neues Jahr. Diese Story ist ein Teil meines Weihnachtsgeschenkes für Shendara. Also Susi, frohe Weihnachten, du hast jetzt, was du wolltest. Als Warnung ist folgendes zu sagen: Ich bin für das Ende von Part 2 nicht verantwortlich. Es war Susis Idee und sie hat darauf bestanden und gedrängt, das ich diesen Teil auf diese Art ausklingen lasse. Sie allein trägt die Verantwortung (und Schuld?) an dem, was Rodney hier zustößt. Wenn ihr euch davon nicht abschrecken lässt, wünsche ich viel Vergnügen mit Runde zwei zwischen Elektra und den Wraith.


Sanctuary, Part 2 - The Fear Itself
© 2005 by Tegan

~ 1. ~

Mit einem lauten Geräusch prallte das Schwert an einer anderen Klinge ab. Ein frustriertes Stöhnen entrang sich Johns Kehle, während Elektra geschickt ihr Schwert schwang und ihn herausfordernd anblickte. Auf ihre Bitte, ihren Trainingspartner zu spielen, war John sofort eingegangen. Durch all das, was Elektra ihm über die Kamaguris erzählt hatte, war seine Neugier geweckt worden, und deshalb wollte er nur zu gerne sehen, wie der Kampfstil des Ordens im Einzelnen aussah. Ihr scharfer Blick machte dem Soldaten aber auch klar, das sie ihn in keinster Weise schonen würde. Sie nahm ihr Training absolut ernst und dies erwartete Elektra auch von ihrem Freund.

John hatte noch nie mit einem Schwert gekämpft. Teyla unterrichtete ihn zwar im Nahkampf mit Kampfstöcken, doch das hier war etwas vollkommen anderes. Es war ein seltsames Gefühl, eine echte Klinge auf die Frau zu richten, die man liebte. In der Hinsicht auf diesen Kampf unterlag er ihr in allen Punkten, dessen war sich der Soldat nur zu deutlich bewusst. Wie ein Raubtier umkreiste Elektra ihn, beobachtete all seine angespannten Bewegungen. Ihrem entschlossenen Blick entging nicht ein kleines Detail, die von den Fehlern sprachen, die John im Umgang mit dem Schwert machte.

In der nächsten Sekunde griff sie ihn an, wobei sie den Soldaten austrickste, und mit einer geschmeidigen und einzigartigen Bewegung direkt über ihn hinweg setzte. John konnte auf ihren Angriff nicht schnell genug reagieren. Er spürte nur noch ihre Klinge an seinen Hals und den starken Druck, mit dem sie ihn auf die Knie zwang. Als sich Elektras Griff lockerte, entrang sich ein schweres Keuchen seiner Kehle. Und obwohl die Niederlage, die er soeben erlitten hatte, nicht besonders gut schmeckte, war er zutiefst beeindruckt von der Leistung, die Elektra ihm präsentierte.

„Auf dem Schlachtfeld möchte ich dir nicht begegnen“, sprach John kopfschüttelnd und erhob sich langsam. „So sehr ich dich liebe, John, doch du bist kein ernstzunehmender Gegner für mich. Die Ausbildung deiner Welt unterscheidet sich grundsätzlich von der meinen.“ „Ich weiß, das ich nicht auf deinen hohen Niveau kämpfe, Elektra.“ „Verkraftet dein Ego es, das eine Frau dich schlägt?“ hakte sie lächelnd nach. „Bei dir kann ich damit umgehen. Wie hast du das gemacht?“ erkundigte sich Major Sheppard neugierig.

„Worauf spielst du an?“ „Ich rede von diesen genialen Sprung über mich, der der reinste Wahnsinn war. Du bewegst dich so dermaßen schnell, das es unmöglich ist, dir richtig zu folgen.“ „Aus eigener Erfahrung, die du mit den Wraith gemacht hast, weißt du inzwischen, das sich unsere Feinde äußerst schnell bewegen.“ „Allerdings. Das ist uns allen schon unheimlich. Aber ich sah noch nie einen Menschen, der sich so bewegen kann.“ „Es erfordert ein hartes Training, um dieses Ziel zu erreichen. Die Kamaguris hatten deshalb eine Chance gegen die Wraith, weil sie gelernt haben, sich auf derselben Ebene zu bewegen“, führte sie näher aus.

„Um über einen Wraith zu triumphieren, musst du schnell denken und handeln. Du musst über ihnen stehen. Nicht die Wraith dürfen die Regeln bestimmen, sondern du musst den Ton angeben.“ „Kann man diesen ungewöhnlichen Kampfstil und diese Schnelligkeit auch als Außenstehender erlernen?“ „Wenn eine Kamaguri dich unterrichtet“, sprach Elektra geheimnisvoll. Sie ahnte bereits, worauf dieses Gespräch hinauslaufen würde. John war fasziniert von der Kunst ihres Kampfes. Er war wissbegierig herauszufinden, wie er mit dieser neuen Fähigkeit, die man trainieren konnte, umzugehen wusste. Elektra würde es ihm nur zu gerne beibringen, vor allem mit dem Gedanken im Hinterkopf, das er sich mit dem Stil der Kamaguris besser gegen die Wraith verteidigen konnte.

„Würdest du es mich lehren?“ stellte John die entscheidende Frage. „Hast du überhaupt eine Ahnung, worauf du dich da einlässt? Im Training der Kamaguri gibt es kein Erbarmen, kein Flehen und Bitten, das du aufhören willst, wenn es zu hart für dich wird. Du musst dich den Schatten deiner Seele stellen. Außerdem wird das Training zur Folge haben, das du dich von den festen Bestandteilen deiner militärischen Ausbildung lossagen musst. Vieles davon, zum Beispiel dein Verlass auf deine Schusswaffen, lässt sich nicht gut mit den Kamaguris verbinden. Nur so kannst du über dich hinaus wachsen und Taten vollbringen, bei denen du nicht einmal weißt, das du dazu fähig bist“, erklärte sie streng.

„Du hast mich schon mit dieser kleinen Episode nicht geschont. Ich bin mir im Klaren darüber, das du mich bis zum letzten Blutstropfen fordern wirst. Ich will von dir lernen, Elektra.“ „Wenn ich dafür sorgen kann, das deine Verteidigung in Gefahrensituationen noch unantastbarer wird, so bin ich natürlich damit einverstanden. Wir werden sehen, ob du es noch für eine gute Idee hältst, wenn du vollkommen erschöpft auf deinen Knie in dein Quartier zurück kriechst“, prophezeite Elektra ihrem Freund. John lachte kurz auf und legte ihr einen Arm um die Taille.

„Es ist unser Schlafzimmer. Und sollte es so geschehen, wie du es mir hier sagst, wirst du die Nacht damit verbringen dürfen, meinen müden Körper zu verwöhnen“, erklärte er mit einem frechen Grinsen. „Überheblich bist du wirklich nicht“, bemerkte Elektra ironisch. „Das Training wird dir gut tun, John. Solange du mir vertraust, wird dir nichts geschehen. Du weißt doch, das ich gut auf dich aufpasse. Ich mache aus dem Soldaten, der du bist, einen Krieger, den nichts und niemand stoppen kann“, prophezeite sie ihm und der ernste Blick, mit dem sie ihn ansah, versprach von der Wahrheit ihrer Worte.

 

„Sie sind vollkommen gesund, Elektra“, sprach Carson beeindruckt und schloss somit die letzte Untersuchung ab, die notwendig war, um der Kriegerin eine absolute Erholung ihres Todes zu bescheinigen. „Das habe ich doch gesagt“, erklärte Elektra zufrieden. „Wie sieht es mit ihren Erinnerungen aus? Zwei Monate sind seit dem Na-Thil vergangen. Haben sich die Lücken geschlossen oder müssen Sie noch über ein paar Dinge nachdenken?“ „Es geht mir gut, Doktor Beckett. Sie können auf mein Urteil vertrauen. Meine Erinnerung hat sich wie mein Körper gut erholt. Zwar habe ich noch ein paar dunkle Löcher in meiner Vergangenheit, doch es ist nichts von wichtiger Bedeutung. Ich habe das Na-Thil erfolgreich überstanden“, analysierte Elektra ihren Zustand selbst.

„Sollten trotzdem irgendwann noch Komplikationen auftauchen, dann ...“, begann Beckett ermahnend, wurde jedoch von Elektra unterbrochen. „Dann werde ich mich sofort auf Ihre Krankenstation begeben.“ „Versprochen?“ „Ja, danke, Doktor Beckett für alles, was Sie für mich getan haben. Sie haben mir in den vergangenen Wochen sehr geholfen, meine angeschlagene Gesundheit zu stabilisieren. Ohne Sie wäre das nicht so schnell möglich gewesen. Ich hätte viel länger gebraucht, um mich von allem zu erholen.“ „Ich bin Arzt. Ich habe nur das getan, wozu ich mich verpflichtet habe“, blockte Carson ab, dem es unangenehm war, das ausgerechnet diese starke Kamaguri ihren Dank ihm gegenüber aussprach.

Elektra nickte ihm noch einmal zu und verließ die Krankenstation, während Beckett seinen letzten Bericht schrieb, der sich mit Elektras Gesundheit befasste. Diese Dokumentation war wahrscheinlich die beste Arbeit, die er jemals geschrieben hatte. Auf der Suche nach John, der sich voraussichtlich in der Kommandozentrale aufhielt, begegnete ihr Doktor McKay. „Elektra, ich war auf den Weg zu Ihnen“, rief er hinter ihr, um sie dazu zu bewegen, stehen zu bleiben. Langsam drehte sie sich zu ihrem neuen besten Freund um, der Rodney war, seit er ihre Erlaubnis für das Betreten der geheimen Kamaguri-Räume erhalten hatte.

„Was kann ich für Sie tun, Rodney?“ „Ich würde gerne die Kammer ein wenig näher erforschen.“ „Sie sind unermüdlich.“ „Ich habe noch so viele Fragen, so viele Dinge, die ich unbedingt wissen will“, sprudelte es aus dem Wissenschaftler heraus. „Schon gut“, lächelte Elektra, die seinen Redeschwall unterbrach, bevor er überhaupt die Möglichkeit erhielt, richtig anzufangen. „Ich öffne Ihnen das Tor.“ „Es ist nicht so, dass ich nur etwas von Ihnen verlange, Elektra, ich habe auch etwas für Sie“, bemerkte McKay, als Elektra vor dem Tor stehen blieb und den Vorgang zum Öffnen der Türen durchführte.

„Tatsächlich? Und was könnten Sie haben, das von Interesse für mich ist?“ hakte sie neugierig nach. „Es befindet sich auf meinen Computer. Ich habe Ihnen die Daten über Ihren Mythos aufgerufen, der in meiner Welt existiert. Die Persönlichkeit, die Sie dort für die Menschen sind, könnte etwas sein, das Ihre Aufmerksamkeit erweckt.“ Elektra hob kurz den Kopf und Rodney erkannte in ihren Augen die Neugier, die dort über das soeben angesprochene Thema aufflammte.

„Natürlich würde ich das gerne mit eigenen Augen sehen, da ich nach wie vor nicht glauben kann, das ich wirklich zu einem solchen Mythos auf der Erde geworden bin. Dabei habe ich nichts großartiges getan, um diesen Ruf zu erlangen.“ „Sie haben etwas einzigartiges getan, von dem meine Welt nie erfahren wird. Sie haben Atlantis vor dem Untergang und die Übernahme durch die Wraith gerettet. Und alleine für diese Tat stehe ich in Ihrer Schuld“, gab Rodney zu, dem durchaus bewusst war, das er auf Atlantis nicht arbeiten könnte, wenn Elektras Edelmut dieser Situation nicht vorausgegangen wäre, in einer schrecklichen Zeit des Krieges, die sie hoffentlich nie erleben würden.

Rodney nahm die Arbeitsgeräte an sich, die für seine unzähligen Untersuchungen nötig waren, und ging auf das offene Tor zu. „Kann ich mich einfach an Ihren Arbeitsplatz setzen?“ bemerkte Elektra zweifelnd. „Für Ihren Zugriff ist gesorgt, Elektra“, rief McKay über die Schulter, ohne sich noch einmal umzusehen. Sobald er sich innerhalb der Räume der Kamaguris befand, war er zufrieden und es gab nichts, nicht einmal ein drohender Angriff der Wraith, der ihn dabei stören konnte. Kopfschüttelnd beobachtete Elektra ihn einen kurzen Augenblick, bevor sie sich abwandte, und direkt zur Kommandozentrale ging, um ihrer Neugier nachzugeben. Die Gelegenheit, die Rodney ihr bot, konnte sie nicht ausschlagen. Sie musste einfach herausfinden, was der Grund war, das sie auf der Erde zu einem Mythos heran gewachsen war.

[Zwei Stunden später]

Überrascht stellte John fest, das Elektra an McKays Computer saß. Sie schien so sehr in dem, was sie las, vertieft zu sein, das sie den Betrieb um sich herum gar nicht richtig mitbekam. Langsam beugte sich John über sie, stützte sich mit den Händen rechts und links von ihr ab, und küsste sie zärtlich auf die Stirn. „McKay bringt dich um, wenn er dich hier sieht“, murmelte er an ihrem Ohr. „Erstens befindet er sich in den Räumen meines Ordens. Und zweitens hat er mir genau das hier erlaubt. Es war sogar seine Idee“, erwiderte sie, ohne den Kopf zu heben.

„Was liest du da eigentlich?“ hakte John nach und richtete seine Aufmerksamkeit auf den Bildschirm. „Elektra, die Kriegerin der Schatten“, las er laut vor. „Das alles hat mir Rodney heraus gesucht. Ich hatte keine Ahnung“, flüsterte Elektra und lehnte sich vertrauensvoll in seinen Armen zurück. „Das ist eine Geschichte, die so nie geschehen ist. Das ist nicht mein Leben.“ „Es ist ein Mythos, der über dich erzählt wird. Natürlich entspricht das Meiste davon der Unwahrheit. Aber mit einem haben all diese Erzähler Recht.“ „Und das wäre?“ „Sie berichten alle von der schönsten aller Frauen, von einer Frau, die vollkommen ist.“ „Ich habe auch meine Schwächen, John. Es ist nicht nötig, das du mich auf ein so hohes Podest hebst“, wies sie sein Kompliment ab.

John nahm mit einem Seufzen auf den Stuhl neben ihr Platz und sah ihr durchdringend in die Augen. „Ist es wieder die alte Geschichte? Plagt dich schon wieder der Gedanke, das sich Valenko deinetwegen umbrachte?“ „Er hat sein Leben für mich beendet.“ „Das hat er nicht. Er hat dich getötet und mit diesen Gedanken konnte er nicht leben. Es war seine eigene Schuld. In den dunklen Zeiten eures Krieges war es nicht erforderlich, den Gesetzen der Kamaguris zu folgen. Er hat die einzige Kriegerin, die die Wraith vernichten konnte, getötet, um seine Ehre zu behalten.“ „John, wie oft muss ich dir noch sagen, das du das nicht verstehst?“ erwiderte Elektra kopfschüttelnd.

„Solange, bis du endlich aufhörst, dir die Schuld an seinem Tod zu geben. Du hast alles in deiner Macht stehende getan, um Atlantis und dein Schicksal zu retten.“ „Ich habe es verleugnet.“ „Nein, das hast du nicht“, beharrte er auf seiner Meinung. „Wie kannst du das behaupten? Du warst damals nicht dabei, ich hingegen schon.“ „Ich habe die Botschaft gesehen, die du kurz vor deinem Tod aufgenommen hast, schon vergessen? Ich sah Verzweiflung in deinen Augen, ja, doch da war noch etwas anderes. Du warst entschlossen, deine Heimat zu verteidigen - mit deinem Blut, deinem Leben und deinem Tod. Bis zum letzten hättest du gekämpft, wenn Valenko dich gelassen hätte. Elektra, du hast eine Entscheidung gefällt. In den Augen aller Menschen hier das einzig Richtige, das du in deiner gegenwärtigen Situation machen konntest. Atlantis steht nur noch aus einem einzigen Grund: Deinetwegen“, führte John entschlossen aus.

„Und trotzdem fühle ich mich noch immer schlecht. Ich habe noch immer das Gefühl, schrecklich versagt zu haben“, offenbarte sie ihm ihre Sorgen. John griff nach ihrer Hand und erhob sich. „Komm mit“, sprach er bloß und führte sie von der Kommandozentrale fort auf einen Balkon, der ihnen eine weite Sicht über die Stadt gab. „Sieh dich um, Liebling. Das alles hier existiert noch, weil du da warst, um Atlantis zu beschützen. Ohne dich wäre es wohl in die Hände der Wraith gefallen. Deine Feinde hätten alles zerstört, was du so sehr liebst. Ist es das, was du dir wünscht? Das deine Vergangenheit so abgelaufen wäre? Der Triumph der Wraith über die Antiker, Atlantis und den Kamaguris?“ sprach der Soldat und forderte sie damit auf, sich endlich klar darüber zu werden, das ihre Entscheidung in keinster Weise falsch gewesen war.

„Natürlich nicht. Es gibt für mich keinen schlimmeren Gedanken, als das die Wraith alles Leben auslöschen und die Macht über diese Galaxie erreichen“, stieß sie wütend aus. „Dann sieh der Wahrheit endlich ins Gesicht. Akzeptiere endlich die Geschehnisse, Elektra, so wie sie vorgefallen sind. Du hast deine Heimat beschützt und dafür hast du mit deinem Leben bezahlt. Du wusstest, wie Valenko reagieren würde, wenn du zuerst an deine Stadt und dann an dein Schicksal denkst. Lass dir von niemanden einreden, schon gar nicht von Valenkos Verhalten, das deine Tat nicht richtig war. Deine Selbstlosigkeit, Elektra, hat dafür gesorgt, das Atlantis überlebt hat. Dank dir können wir hier sein“, erklärte John und blickte sie dabei eindringlich an.

Elektras Blick lag auf dem Ozean, der Atlantis umgab, und auf die Stadt, die sie so sehr liebte, das sie in aller erste Linie nur ihr Heimat hatte retten wollen. Fest umklammerte Elektra die Brüstung des Balkons, sah sich nicht in der Lage, den Blick abzuwenden. John entging nicht das leichte Zittern, das über ihren Körper lief. „Kann es ein Trost für mich sein, das Atlantis ohne mich nicht mehr existieren würde? Ich weiß es nicht, John, ehrlich nicht. Mein Volk ist tot. Alles, was einst eine Bedeutung in meinen Leben besaß, ist verschwunden. Mein Orden ist genauso fort wie die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Das ist nicht mehr mein Atlantis, so wie ich es kannte“, offenbarte Elektra kopfschüttelnd.

„Das weißt du seit deinem ersten Tag deines neuen Lebens. Die Frage, Elektra, die du dir stellen musst, ist folgende: Kannst du das akzeptieren?“ „Ich muss mit den Konsequenzen meiner Entscheidung leben. Ja, ich habe Atlantis gerettet und dafür mein Schicksal geopfert. Ich habe die Chance versäumt, die Wraith zu vernichten. Und mit dieser Entscheidung habe ich viele Völker in unserer Galaxie zum Leid verdammt. Damit muss ich leben. Ich kann es nicht mehr rückgängig machen. Mein Verstand erklärt mir, das du Recht hast, wenn du sagst, dass Valenko die Verantwortung für seinen Tod trägt. Doch es ist mein Herz, das sich weigert, dies einzusehen.“

„Du brauchst Zeit, um zu verstehen, das Valenko in den letzten Stunden deines Lebens nicht länger dein Freund war. Er hat sich gegen dich gestellt und dich verraten, als du eigentlich seine Unterstützung benötigt hättest.“ „Wir hatten auch gute Zeiten, John.“ „Davon bin ich überzeugt, aber er hat deine Entscheidung nicht verstanden. Genau das hätte er jedoch tun müssen, um dir sein Vertrauen zu beweisen. Elektra, so sehr du ihn auch geliebt haben mochtest, Valenko hat zuerst an die Gesetze der Kamaguris gedacht. Dies war ihm wichtiger als dein Leben“, führte John sachlich aus und legte ihr eine Hand auf die Schulter.

„Deine Entscheidung sorgte dafür, das all das, was du hier sieht, noch steht. Die Wraith konnten es deinetwegen nicht zerstören. Du glaubst, versagt zu haben, aber du hast deine Stadt gerettet. Das, was du tun wolltest, ist dir erfolgreich gelungen.“ „Valenko hätte dich wohl von Anfang an abgelehnt“, lächelte Elektra. „Das beruht auf Gegenseitigkeit. Was hätte er unternommen, um mich von dir fern zu halten, damit du dich auf dein Schicksal konzentrierst?“ hakte John neugierig nach. Sie hatte Valenko gut genug gekannt, um ihm diese Frage beantworten zu können.

„Er hätte geglaubt, du würdest mich ablenken. Also hätte es für Valenko nur einen Weg gegeben, dich los zu werden, indem er dich tötet.“ „Bin ich froh, das ich zur Zeit deines ersten Lebens nicht auf Atlantis war. Das hätte nur zum Streit zwischen euch geführt.“ „Niemand nimmt mir meinen Major Sheppard weg. Ich werde dein Leben bis zum letzten Blutstropfen verteidigen - so wie einst Atlantis.“ „Auch wenn ich dich gerne um mich habe, ich brauche keinen Bodyguard“, versicherte John ihr, bevor sie in einen innigen Kuss miteinander verschmolzen. Vielleicht hatte dieses ernste Gespräch ausgereicht, um Elektra endlich zu verstehen zu geben, das sie keinerlei Schuld an Valenkos Tod trug. Er hatte ganz alleine die Entscheidung für sich gefällt und diese Qual musste der Lehrmeister der Kamaguris seiner Schülerin nachfolgend nicht auflasten.

~ 2. ~

McKay hob überraschend den Kopf, als er hinter sich ein lautes, aber schon bekanntes Geräusch vernahm. Das Tor öffnete sich und Elektra betrat die weitflächige Halle der Kamaguris. In ihrer Begleitung befand sich Major Sheppard, der sofort auf den Wissenschaftler zusteuerte, während Elektra die geschwungene Treppe nahm, um so auf die höher gelegene Etage zu gelangen. „Wie laufen Ihre Nachforschungen, McKay?“ erkundigte sich John neugierig. „Die Kamaguris waren ein sehr faszinierender Orden. Ich will all ihre Geheimnisse lösen“, sprach Rodney begeistert.

„So fern Elektra Sie das tun lässt.“ „Inzwischen habe ich einen ganz guten Draht zu ihr.“ „Ja, ich weiß. Seit sie Sie hier herein geführt hat, verehren Sie Elektra. Woran liegt das wohl?“ sprach Sheppard gedehnt und sein altbekannter Spott tauchte in seiner Stimme auf. „Ich mag sie, okay? Mehr gibt es darüber nicht zu sagen. Elektra ist eine interessante Persönlichkeit.“ „Und die Einzige, die das Tor zu diesen Räumen öffnen kann. Übertreiben Sie es nicht mit Ihren Enthusiasmus. Wenn Sie Elektra vor dem Kopf stoßen, werde ich mich einmischen und ich glaube nicht, das Ihnen das gefallen wird“, bemerkte John ernst.

Ein leises Stöhnen entrang sich Rodneys Kehle. Langsam drehte er sich zu Sheppard um, der ihn noch immer bei seinen Untersuchungen beobachtete. „Würden Sie bitte endlich mit diesen Drohungen aufhören, Major? Inzwischen habe ich verstanden, das ich mir Ihre Rache einfange, wenn ich Elektra verletze. Herr Gott, dass hat jeder hier verstanden! Sie brauchen sie nicht wie ein Löwe verteidigen. Elektra ist um einiges stärker als Sie. Diese Frau kann Ihnen noch viel beibringen“, spottete McKay zurück.

„Dessen bin ich mir bewusst. Ich habe mit ihr eine kleine Trainingsstunde gehabt.“ „Und?“ „Sie ist unglaublich. Dieses Wissen, das diese Frau über die Kampfkunst besitzt, ist kaum zu beschreiben. Ich bin neugierig geworden. Deshalb bat ich Elektra, mich zu unterrichten.“ „Sie wollen die Kampfkunst der Kamaguris erlernen?“ „Unbedingt und Elektra wird meine Lehrerin.“ „Ich glaube nicht, das dies eine gute Idee ist. Sie haben keine Ahnung, worauf Sie sich da einlassen. Die Kamaguris haben eine ganz besondere Art der Kampfform entwickelt. Ein Außenstehender erlernt das niemals, denn Sie müssen sich von so vielen irdischen Dingen lösen, um diese höhere Ebene zu erreichen“, führte McKay sachlich aus, der bereits einige Berichte über die Kamaguris und ihren Kampfstil gelesen hatte. Im Gegensatz zu Sheppard hatte er sich ausführlich darüber informiert.

„Danke, das Sie mir das nicht zutrauen, McKay“, spottete John und sein Blick wanderte zu der höher gelegenen Etage, auf der sich Elektra befand. „Sie sind ein guter Soldat, Sheppard, doch kein Krieger. Ich bezweifle, das es überhaupt irgend jemanden gelingt sich auf die Kampfkunst der Kamaguris einzulassen, ohne daran zu scheitern.“ „Ich werde Ihnen beweisen, das Sie sich mit Ihrer Annahme irren. Ich werde das Training erfolgreich überstehen.“ „Für Ihre Gesundheit hoffe ich das wirklich. Ihre Ausbildung beim Militär ist nichts gegen das, was das Training der Kamaguris für Sie bereithält“, prophezeite Rodney und wandte seine Aufmerksamkeit wieder auf die vielen Notizen, die sich in den letzten Wochen angesammelt hatten. Es gab so viele Dinge, die er festhalten musste, um nicht irgendein Detail des alten Ordens zu vergessen.

Deutlich drang die Unterhaltung der beiden Männer zu Elektras feingeschliffenes Gehör durch. Doch sie achtete nicht auf die Stimmen, lenkte ihre Konzentration auf die Tür, vor der sie stehenblieb. Einst hatte sie dieses Zimmer bewohnt. Einem kurzen Zögern folgend öffnete sie die Tür und trat ein. Der Raum war nicht groß, bestand aus einem hohen Fenster, einem schlichten Bett und einem Kleiderschrank. Mehr war für die Lebensumstände einer Kamaguri nicht nötig gewesen, da das Leben einer Kriegerin nicht aus materiellen Dingen bestand, sondern aus ihrer Ausbildung und der Verteidigung ihres Volkes.

Die Farben der Möbelstücke waren gar nicht mehr zu erkennen. Überall lag zentimeterdicker Staub. Zielsicher ging sie vor dem Bett auf die Knie und holte eine alte Kiste darunter hervor. Da sie die trockene Luft in dem Zimmer nicht ertrug, ging sie hinaus, um sich den Inhalt anzusehen. In dieser Kiste befanden sich die wenigen persönlichen Habseligkeiten, die sie nach dem Tod ihrer Eltern mitgenommen hatte, nachdem sie in Valenkos Obhut gekommen war. Und sie wollte in Erfahrung bringen, was davon überlebt hatte. Nach wie vor wandelte sie auf den Spuren ihrer eigenen Vergangenheit, um all die Handlungen zu verstehen, die sowohl die Kamaguris, wie auch sie begangen hatte.

Elektra kniete sich auf den Boden und schob den Deckel zur Seite. Obwohl zehntausend Jahre vergangen waren, hatten ihre Sachen diese Zeitspanne gut überstanden. Die Fotos waren vergilbt und verblasst, aber die Personen darauf waren noch zu erkennen. Sie musste schwer schlucken, als sie auf ein Bild ihrer Eltern sah. Ihr Tod war eine solange Zeit her, dennoch spürte sie noch immer den quälenden Schmerz ihres Verlustes. Was wäre wohl aus ihr geworden, wenn Valenko ihren Eltern nichts von ihrem Schicksal erzählt hätte? Wenn sie nicht von den Kamaguris aufgenommen worden wäre? Welches Leben hätte sie geführt, wären ihre Eltern nicht so früh verstorben?

Sie hob den Kopf, als sie auf einmal Schritte auf der Treppe vernahm. In der nächsten Sekunde glitt ein kurzes Lächeln über ihre Lippen, von dem sie stets überwältigt wurde, sobald John in ihrer Nähe auftauchte. „Ist alles in Ordnung, Elektra?“ erkundigte er sich, als er die Tränen sah, die in ihren Augen glänzten. „Ich schwelge bloß in trauriger Erinnerung. Willst du meine Eltern kennenlernen?“ „Deine Wurzeln interessieren mich.“ Elektra reichte ihm ein äußerst altes Foto, das er sich neugierig ansah. „Jetzt weiß ich endlich, woher du deine Schönheit hast. Deine Mutter hat dir ein gutes Erbe hinterlassen.“

„Du bist unverbesserlich“, schüttelte Elektra den Kopf. „Ist das alles, was von deinen Sachen übrig geblieben ist?“ „Es ist alles, was mir wichtig war. Materielle Dinge bedeuten nichts, John.“ Mit diesen Worten holte sie eine alte Waffe aus der Kiste. Bewundernd blickte John ihr über die Schulter, beobachtete ihre Reaktion auf den kurzen Dolch, der einen schwarzen Schaft mit vier silbernen Streifen an der Seite besaß. Ihre Augen erhielten einen seltsamen Glanz, den er nicht so richtig deuten konnte. Es war offensichtlich, das sie eine tiefe Erinnerung mit dieser Waffe verband.

„Ich hatte ihn beinahe vergessen“, murmelte sie nach einer langen Schweigeminute. „Woher hast du das Messer?“ „Es war Valenkos Einführungsgeschenk, nachdem ich Schülerin der Kamaguris wurde.“ „Das hätte ich mir denken können“, stieß er aus und Elektra entging nicht der bittere Unterton, der in seiner ansonsten so warmen Stimme auftauchte. Ein schwerer Seufzer entrang sich ihrer Kehle. „Wieso kannst du seine Tat nicht einfach akzeptieren? Er hat doch nur nach den Regeln unseres Ordens gehandelt. Valenko hatte keine Wahl.“ „Doch, die hatte er durchaus. Er entschied sich, brutal über dich zu richten. Und egal, was du auch versuchst, es mir zu erklären, ich werde es nie verstehen.“

„Dann sollten wir aufhören darüber zu diskutieren. Denn es würde stets nur in einem Streit enden. Und ich will mich nicht mit dir streiten.“ „Das will ich auch nicht, obwohl ein solcher Streit auch seinen Reiz hat“, sprach er mit einem vielsagenden Lächeln. „Ich schätze, du sprichst vom Reiz der Versöhnung. Wirst du niemals satt, John?“ „Ich verspüre immer Hunger auf dich.“ „Anscheinend habe ich mir einen Casanova geangelt“, bemerkte Elektra lächelnd und streichelte über sein Haar. Sie liebte sein dichtes Haar einfach, konnte nicht genug davon bekommen, es zu berühren. Stundenlang könnte sie mit ihren Fingern hindurch gleiten, um sich zu vergewissern, das der Mann ihrer Träume tatsächlich der Realität entsprang.

„In keinster Weise bin ich das. Du kannst jeden hier fragen. Ich habe mich gegenüber den Frauen dieser Expedition immer korrekt verhalten.“ „Du bist ein anständiger Kerl, dessen bin ich mir bewusst“, erklärte sie und steckte das alte Messer in ihren Stiefel. „Viel hat von deinen Sachen nicht überlebt“, stellte John mit einem Blick, die er in die Kiste warf, nüchtern fest. „Ich habe noch nie viel besessen. Außerdem sind zehntausend Jahre vergangen. Da hat nicht besonders viel überlebt.“ „Stimmt dich das traurig?“ „Zu meiner eigenen Überraschung muss ich sagen, das es das nicht tut. Mich quält die Erinnerung an meine Eltern ein wenig. Sie haben all ihre Hoffnungen in mich gesetzt und ich habe das Gefühl, sie enttäuscht zu haben.“

„Weil du die Wraith nicht vernichtet hast?“ hakte er nach, obwohl es eine überflüssige Frage war, da er Elektras Antwort schon im vornhinein kannte. „Ja. Ich habe mein Schicksal verleugnet. Diese Tatsache muss ich akzeptieren. Aber es gibt da noch ein anderes Gefühl in mir, mit dem ich mich auseinandersetzen muss, da ich davor nicht ewig fliehen kann.“ „Und was ist das?“ „Meine Angst“, gestand Elektra offen und blickte John unsicher an. „Deine Angst? Vor der Zukunft? Ich bin für dich da, Liebling, ich lasse dich mit deinem persönlichen Krieg gegen die Wraith nicht alleine“, versuchte er sie zu besänftigen.

„Das ist es nicht. Ich hatte Angst mich meinem Schicksal zu stellen. Ich wollte nicht sterben, John. Man lehrte mich, den Tod nicht zu fürchten. Aber in diesem Moment, als ich meinen Tod vor Augen hatte, fürchtete ich ihn zutiefst. Instinktiv wollte ich davonlaufen, wollte nichts mehr mit diesem Krieg zu tun haben. Meine Angst verleitete mich beinahe dazu, Valenko und dem Orden vor dem Kopf zu stoßen. Ich sah mich plötzlich nicht mehr in der Lage mein Volk zu beschützen, sondern dachte nur an mein eigenes Überleben. Meine Gedanken waren egoistisch.“ „In deiner Situation waren sie vollkommen normal. Elektra, dir wurde eine Bürde aufgeladen, dessen Druck zuviel für dich war. Das Überleben der Antiker und der Völker dieser Galaxie hing alleine von deiner Entscheidung ab. Du hast nur menschlich reagiert. Das ist kein Verbrechen.“

„Du empfindest meine Angst, die ich damals verspürte, also nicht als Verrat an meinen Volk?“ „Nein, so kannst du das wirklich nicht interpretieren.“ „Ich habe noch immer Angst, John, vor der Entscheidung, die ich womöglich treffen muss, um die Wraith aufzuhalten. Ich weiß, das ich zu allem bereit bin, um mich ihnen erfolgreich in den Weg zu stellen. Die Aussicht darauf, wie weit ich für meine Ziele gehen würde, jagt mir Furcht ein.“ „Vertraust du nicht auf deine Fähigkeiten?“ „Ich vertraue nicht darauf, das ich diesmal eine gut durchdachte Entscheidung fällen kann. Vielleicht muss ich diesmal nicht nur mein Leben opfern, sondern das auch jener, die ich zu lieben gelernt habe. Du sollst nicht wegen meines Kampfes den Tod finden.“

„Ich habe dir schon einmal gesagt, das ich keinen Leibwächter benötige. Ich bin Soldat, Elektra, und kann gut auf mich selbst aufpassen.“ „Du wirst durch mich in einen grausamen Krieg hinein gezogen, der nicht der deine ist.“ „Ich befinde mich seit meinen ersten Tag auf Atlantis in dieser Schlacht. Die Wraith haben uns schon vor deiner Erweckung nicht geschont.“ „Aber du hast keine Ahnung, was auf euch wirklich zukommt, sobald die Wraith von meiner Existenz erfahren. Das ist etwas ganz anderes, als das, was du bis jetzt gesehen hast“, warnte sie ihn eindringlich.

„Das ist eine sehr weitreichende Behauptung, Elektra. Kein Krieg unterscheidet sich vom anderen. Wenn Krieg ist, sehen sie alle gleich aus.“ „Du täuscht dich, John. Der Krieg zwischen den Kamaguris und den Wraith findet auf einen ganz anderen Level statt. So einen Krieg hast du noch nie zuvor erlebt“, sprach sie tadelnd und streichelte mit ihren Fingern sanft über seine Wange. „Das ist nicht fair“, seufzte er leise. „Wieso? Was tue ich schon?“ „Du weißt genau, das ich mich nicht auf unser Gespräch konzentrieren kann, wenn du mich so berührst. Das ist eine clevere Taktik, um mich abzulenken.“

„Und ich weiß, das es immer funktioniert. Mache dir keine Sorgen, John. Das ist nämlich meine Aufgabe. Ich bin eine Kamaguri. Es liegt in meiner Pflicht, euch zu beschützen.“ „Egal, was auch immer ich sage, du wirst dich von dieser Meinung nicht abbringen lassen“, stellte er kopfschüttelnd fest. „Du kennst mich einfach schon zu gut.“ „Und das ist mein Job, Elektra“, bemerkte er, bevor er sich über sie beugte und von ihren weichen Lippen Besitz ergriff. Innerhalb einer Sekunde versanken sie in leidenschaftlichen Küssen, die sie miteinander teilten.

Es war bloß Rodneys Erscheinen zu verdanken, das sie im Korridor auf der ersten Etage nicht übereinander herfielen. „Ich will ja nicht stören“, sprach er laut, wobei er nach Sheppards Geschmack etwas zu triumphierend klang. „Warum tun Sie es dann, McKay?“ knurrte John, während seine Hand noch immer auf Elektras Oberschenkel lag. „Sie haben den Funkspruch wohl nicht gehört, Major.“ „Welchen Funkspruch?“ „Der von Doktor Weir kam und uns anwies, augenblicklich im Konferenzraum zu erscheinen.“ „Dieser ist mir wohl entgangen.“ „Das überrascht mich gar nicht. Können wir gehen?“ drängte Rodney ungeduldig.

„Wir kommen schon“, sprach John und richtete sich mit einer geschmeidigen Bewegung auf. Elektra steckte das alte Foto ihrer Eltern ein und tat es ihm gleich. Inzwischen war es bereits überflüssig, das McKay sie auf ihre Anwesenheit bei der Besprechung hinwies. Doktor Weir bemühte sich, ihr das neue Leben auf Atlantis zu erleichtern, wo es ihr möglich war. Sie bezog sie in ihre Entscheidung für die Stadt mit ein, erkundigte sich nach ihrer Meinung und hörte der Kriegerin interessiert zu, wenn sie auf ihr umfangreiches Wissen über die verschiedenen Völker dieser Galaxie berichtete. Für Elektra war dies überaus wichtig, da es ihr das Gefühl gab, noch ein Mitspracherecht in ihrer Stadt zu besitzen.

Elektra nahm gerne an den Teambesprechungen teil. Auf diese Art und Weise erfuhr sie eine Menge über die Menschen, die das Kommando ihrer Stadt besaßen. Für eine Kamaguri war es einfach, in den Gesichtern und der Körperhaltung ihrer Gegenüber wie in einem offenen Buch zu lesen. Ihre Zweifel, die sie anfangs über die Fähigkeiten von Doktor Weir gehabt hatte, hatten sich in Luft aufgelöst. Elizabeth war genau die Richtige für den Posten, den sie inne hatte. Ihr lag das Wohl der Stadt und der Menschen ihrer Expedition am Herzen und sie würde niemals eine Entscheidung treffen, die gegen diese Sicherheit verstieß.

 „Wir müssen die Wraith im Auge behalten. Sie werden irgendwann beschließen, uns direkt anzugreifen, anstatt immer darauf zu hoffen, das sie einem unserer Teams auf anderen Planeten begegnen“, sprach Zelenka ernst. „Das wissen wir schon seit unserem ersten und sehr ungemütlichen Treffen mit den Wraith. Wir tun unser Möglichstes“, erwiderte Rodney knapp. „Vielleicht sollte ich mich endlich zu erkennen geben“, warf Elektra nachdenklich ein. Ihre Worte veranlassten John zu einem verneinenden Kopfschütteln, doch es überraschte sie nicht, das ausgerechnet er etwas dagegen hatte. John wusste, ihr Leben war in Gefahr, sobald die Wraith von ihrer Existenz erfuhren.

 „Ich halte das für keine besonders gute Idee“, mischte sich der Major auch schon in die Unterhaltung ein. „John, ich weiß, was ich tue. Sie werden es so oder so erfahren. Und ich will gerne den Augenblick dafür selbst bestimmen.“ „Das kann ich durchaus nachvollziehen, aber wir sollten dein neues Leben noch eine Weile geheim halten. Es ist jetzt nicht klug sich zu offenbaren.“ „Du willst mich nur beschützen.“ „Das streite ich nicht ab. Ich mache mir Sorgen, was geschieht, wenn du ihnen gegenüber stehst. Deine Warnungen waren deutlich, Elektra.“

„Die Wraith werden mein Leben nicht dulden. Sie werden alles tun, um die letzte lebende Kamaguri auszulöschen. John, es liegt in ihrer abscheulichen Natur, dies durchführen zu wollen.“ „Und ich werde sie daran hindern.“ „Du kannst mich nicht vor meinen Schicksal bewahren“, sprach sie mit einem liebevollen Lächeln. „Ich muss Major Sheppard beipflichten“, bemerkte Elizabeth, um die Anspannung zu lösen, die sich leicht zwischen dem Soldaten und seiner Freundin aufgebaut hatte. Jeder auf Atlantis wusste inzwischen, das John alles unternehmen würde, um Elektra vor Schaden zu beschützen. Und es war auch jedem Mitglied der Expedition klar, das die Kriegerin ihn immer darauf hinwies, seinen Schutz nicht zu benötigen. Genau wie Valenko war dies ein empfindliches Thema für die beiden Liebenden.

„Wir haben den Wraith gegenüber einen Vorteil, Elektra, und das ist Ihre Existenz. Wir müssen den Zeitpunkt klug auswählen, um dieses Geheimnis vor unseren Feinden zu lüften.“ „Ich weiß, das Sie sich um mich sorgen, Doktor Weir, aber glauben Sie mir, ich bin bei weitem nicht so schwach, wie Sie alle denken. Ich bin bereit, meinen alten Kampf gegen die Wraith wieder aufzunehmen. Es gibt nichts, was mich körperlich noch beeinträchtigt“, erklärte Elektra entschlossen. Nur John alleine fiel auf, das sie bewusst das Wort körperlich in ihrer Aussage verwendete. Die Probleme, die ihr so manches Detail ihrer Seele noch machten, waren eine ganz andere Geschichte. Ihre Miene setzte aber auch ein deutliches Zeichen, das sie darauf nicht näher eingehen wollte.

„Niemand auf Atlantis kann mir meine Entscheidung abnehmen. Und ich habe beschlossen, das ich bereit bin, mich den Wraith in den Weg zu stellen“, fügte Elektra hinzu. Kaum, das sie zuende gesprochen hatte, war sie auch schon auf den Beinen und verließ den Konferenzraum. Sie spürte Johns intensiven Blick auf ihren Rücken, als sie über eine Treppe in eine höher gelegene Etage verschwand. Er würde ihr nun ein wenig Zeit geben, um alleine zu sein, da dies genau das war, was sie sich jetzt wünschte. Doch John würde ihr zweifellos folgen, sobald er den Zeitpunkt für richtig erachtete, erneut ein ernstes Gespräch mit ihr zu führen, um sie vielleicht in ihrer Entscheidung umzustimmen.

Nach einer Stunde Ruhe, die John Elektra bereitwillig eingeräumt hatte, um ihre noch immer durcheinander geratenen Gedanken zu sortieren, suchte er sie auf. „Du kannst meinen Beschluss nicht ändern“, sprach Elektra, als ein Schauer über ihre Haut rieselte, der sie stets erfasste, sobald er sich in ihrer Nähe aufhielt. „Lass es mich wenigstens versuchen.“ „Wieso willst du meine Existenz verschweigen? Natürlich kannst du mich dadurch besser beschützen, doch für mich kommt dies nicht in Frage. Irgendwann müssen die Wraith erfahren, das ich wieder lebe. Nur so habe ich die Chance ihre widerliche Rasse zu vernichten.“ „Ich will dich nur nicht verlieren, Elektra, und ich befürchte, das genau das geschieht, wenn ich einer Begegnung zwischen den Wraith und dir zustimme“, gestand Sheppard offen.

„Vor nicht einmal zwei Stunden hast du mir von deiner tief verwurzelten Angst berichtet. Körperlich bist du soweit, aber seelisch musst du noch einiges tun, um für deinen Kampf gegen die Wraith wirklich bereit zu sein. Du musst deine inneren Dämonen besiegen. Deine Furcht ist eine davon.“ „Willst du mich davon befreien?“ „Ich will alles von dir abwenden, das dich quält. Du musst es nur zulassen.“ „Ich bin eine Kamaguri. Das kann ich auch alleine.“ „Lass mich dir einfach helfen. Manche Dinge bewältigt man besser, wenn man weiß, das jemand da ist, der dich dabei unterstützt. Du bist jetzt Teil meines Teams und als solches hast du auf deinen kommandierenden Offizier zu hören.“

„Und was genau befiehlt mir mein Vorgesetzter?“ „Das du unverzüglich in seinem Schlafzimmer erscheinst. Auf deinen Tagesplan steht eine sehr private Besprechung“, sprach er im verschwörerischen Ton. „Hast du für diese Art von Besprechung überhaupt Zeit?“ „Eine Stunde kann ich schon heraus schlagen.“ „Das ist für uns nicht genug.“ „Aber es liefert dir einen Vorgeschmack auf das, was ich heute Nacht mit dir vorhabe“, grinste er breit. „Und wenn ich mich nicht freiwillig beuge?“ „Werde ich dir dies aufzwingen müssen. Sieh es einfach als Ablenkung.“ „Ich liebe deine Ablenkungen. Du weißt, ich kann nicht genug von dir bekommen.“ „Meine Wirkung auf dich ist einfach einzigartig. Und dies nutze ich gerne für meinen Vorteil aus.“

„Ich ergebe mich deinen Wünschen in diese Richtung gerne, deshalb werde ich deinem Befehl Folge leisten“, lächelte Elektra. „Eine gute Entscheidung“, erwiderte John und ließ sie vorausgehen. Und wie jedes Mal, wenn er ihre wunderschöne Erscheinung betrachtete, wurde ihm auch jetzt wieder klar, das sie sein Leben vollkommen verändert hatte. Der Gedanke, Elektra zu verlieren, entsprang seinem schlimmsten Alptraum. Ohne sie existierte John gar nicht mehr. Sie war zum Sinn seines abenteuerlichem Lebens geworden. Wie sollte er weiter machen, wenn Elektra nicht mehr da war? Es war unmöglich für ihn, Elektra jemals gehen zu lassen.

~ 3. ~

Unruhig beobachtete John seine Freundin, wie sie mit den Bewegungen eines lauernden Raubtieres ihre Kreise um ihn zog. Es war seine erste Stunde im Training der Kamaguris und jetzt, wo er Elektra genauestens betrachtete, machte sich durchaus Zweifel in seinem Körper breit, ob dies tatsächlich eine so gute Idee gewesen war. Der Blick, der sich mit dem seinen kreuzte, war ihm vollkommen fremd. Auf diese Art und Weise hatte Elektra ihn noch nie angesehen. In diesen Moment war sie nicht die Frau, die absolut verrückt nach ihm war, sondern eine Kriegerin, die mit ihrem Feind keinerlei Erbarmen kannte.

Zu Beginn seiner neuen Kampfausbildung hatte Elektra ihn aufgefordert, sich auf den Boden der weitflächigen Halle zu setzen. John war dem augenblicklich nachgekommen. Nun blieb Elektra direkt vor ihm stehen. „Die Art des Trainings der Kamaguris hebt sich deutlich von der Ausbildung deiner Welt hervor. Es ist anders, als du es dir überhaupt vorstellen kannst. Dein Training war gut, doch du verlässt dich zu sehr auf deine Schusswaffen. Was denkst, was geschieht, wenn du auf diese einmal nicht zurück greifen kannst?“ „Ich wurde auch im Nahkampf trainiert.“ „Davon hast du mir bis jetzt nicht besonders viel gezeigt. Beweise es, John“, forderte sie ihn heraus.

„Leg alle Waffen ab!“ „Du wirst mir doch nicht weh tun, oder?“ fragte er im Scherz, während er ihrer Aufforderung nachgab. „Ich würde dich niemals ernsthaft verletzen“, erwiderte Elektra und wartete, bis John seine Angriffsposition eingenommen hatte. In der nächste Sekunde verwickelte sie ihn auch schon in einem harten Kampf, wo er sich alleine mit seinem Körper verteidigen musste. Elektra erkannte sehr wohl die guten Grundlagen, die John besaß, aber es war bei weitem nicht das, was er brauchte, um sich auf diese Art und Weise gegen einen Wraith erfolgreich zur Wehr zu setzen.

Innerhalb weniger Sekunden konterte sie seine Schläge aus, tauchte hinter ihm auf und zwang ihn mit einem Tritt gegen seine Kniekehle auf den Boden. „Konzentriere dich, John“, wies sie ihren Freund scharf zurecht. John wollte sich erheben, doch Elektra ließ dies mit einem unnachgiebigen Griff nicht zu. Sie zwang ihn auf den Knien zu bleiben. „Ich bin konzentriert“, erwiderte er mit einem leisen Stöhnen. „Nicht so, wie du es sein solltest. Du darfst dich von nichts und niemanden ablenken lassen. Die Kunst des Kampfes ist die Herausragendste, die überhaupt existiert. Es ist nicht nur eine Notwendigkeit, um sein Leben und das anderer zu verteidigen. Es ist eine Lebenseinstellung.“

„Du kannst nicht nur für den Kampf leben.“ „Deine Meinung darüber musst du ändern, wenn du die Kunst der Kamaguris wirklich in dir aufnehmen willst. Eine Kamaguri lebt alleine für ihre Pflicht. Es gibt nichts, was daneben eine Rolle spielt, da es nur um die Vernichtung der Wraith geht. Das Leben einer Kamaguri wird allein davon bestimmt. Hast du Angst vor dem Tod, John?“ „Jeder hat Angst vor dem Sterben.“ „Aus dieser Furcht musst du deine Kraft ziehen. Es sind unsere Ängste, unsere Zweifel und unsere Schwächen, die uns stark machen. Einer Kamaguri bringt man bei, furchtlos zu sein, dabei aber niemals die eigene Verwundbarkeit zu vergessen. Doch genau diesen Fehler habe ich gemacht.“

„Inwiefern?“ fragte John, während er versuchte, sich aus ihrem eisernen Griff zu befreien. „Ich habe angefangen, mich meinen Mitmenschen überlegen zu fühlen. Ich hielt mich für unfehlbar, für jemanden, der nicht zu bezwingen ist. Einst hatte ich Angst vor dem Tod, doch jetzt, wo ich ihn selbst erlebt habe, weiß ich, das es keinen Grund dafür gibt. Der Tod gehört zum Leben dazu und er ist der Beginn einer neuen Reise, wenn die Alte zuende geht.“ „Du siehst das Leben als Reise?“ „Du etwa nicht? Kamaguris sahen das Leben stets als lange Reise an. Wir sind nur zu Besuch auf diesen Planeten. Die Welt gehört uns nicht. Und irgendwann endet unser Besuch. Schätzt du das Leben?“

„Mein eigenes oder das anderer?“ „Beides.“ „Ich würde mein Leben geben, um die Menschen auf Atlantis zu beschützen.“ „Eine solche Behauptung solltest du nicht leichtfertig aufstellen.“ „Das ist keine leichtfertige Aussage, Elektra.“ „Ich weiß, du hast dich bereits in viele Gefahren begeben, auch für mich. Das Wasser, das Atlantis umgibt, wird bewacht.“ „Von wem?“ „Die Antiker nannten das Wesen einen Schutzgeist. Du hast dich schon in die größte Gefahr deines Lebens begeben, ohne es zu ahnen. Dieser Schutzgeist ist eine Kreatur, die ich selbst nie gesehen habe. Ich gehe davon aus, das er die Jahrtausende gut überstanden hat. Er hätte euch in Stücke reißen können.“ „Und das sagst du mir erst jetzt?“ schluckte John schwer.

„Hätte ich dich gewarnt, wärst du trotzdem gegangen, um meine Leiche zu bergen?“ „Ja“, sprach er, ohne großartig darüber nachzudenken. „Deine Liebe ist deine größte Schwäche.“ „Nein, Elektra, sie ist meine größte Kraft.“ „Aber sie lässt dich nicht klar denken. Nicht einmal davon darfst du dich ablenken lassen. Manchmal musst du innerhalb von Sekunden Entscheidungen treffen, die über Leben und Tod bestimmen. Doch das muss ich dir nicht sagen. Als Soldat bist du dir dessen bewusst. Du darfst mein Leben nicht über das eines fremden und bedrohten Volkes stellen.“

„Das ist leichter gesagt als getan“, räumte John ehrlich ein. „Obwohl ich in dieser Hinsicht versagt habe, fürchtet eine Kamaguri nicht den Tod. Du musst bereit sein, selbstlos dein Opfer zu vollbringen. Halte deine Augen offen und lerne, das alles möglich ist, auch jene Dinge, von denen du annimmst, das sie niemals funktionieren können. Geh über deinen Verstand hinaus, lass deine Seele aus deinem Körper gleiten und dich von dem führen, was dir eine leise Stimme zuflüstert. Du musst aus dir heraus gehen, dich von deinen Grundsätzen befreien, um die Fähigkeiten zu erlangen, bei denen du glaubst, sie nicht zu besitzen. Lerne, deiner Seele zu folgen und nicht deinem Verstand. Logik hat keinen Platz im Leben eines Kamaguri-Kriegers“, sprach Elektra wissend und holte aus der Trainingstasche, die John mitgebracht hatte, ein schwarzes Tuch, mit dem sie auf ihn zukam.

Bereitwillig ließ er sich mit dem Tuch die Augen verbinden. Von einer Sekunde auf die Andere versank seine Umgebung in Dunkelheit. John konnte nur noch schattenhafte Bewegungen erkennen, die von Elektra ausgingen. Intensiv spürte er ihre Nähe, die so gefährlich für ihn war und eine ganz besondere Wirkung auf ihn ausübte. Sanft berührten ihre Finger seine linke Schulter. „Vertraust du mir, John?“ flüsterte sie an seinen Ohr. „Bedingungslos“, erwiderte er aufrichtig. „Nicht auf deine militärische Ausbildung darfst du dich in einer Schlacht verlassen, sondern alleine auf deinen Instinkt. Dies ist die wichtigste Regel für dein Überleben.“

An Johns Gehör drang ein Laut, der ihm vage bekannt vorkam. Seine Ahnung wurde bestätigt, als Elektra seine Hand um einen langen Schaft schloss. Das Schwert fühlte sich zwar leicht an, aber dennoch ungewohnt. Bis jetzt hatte er mit so etwas nur ein einziges Mal gekämpft und bei dieser kleinen Trainingseinheit hatte Elektra ihn vernichtend geschlagen. Johns Körper reagierte augenblicklich darauf und eine Anspannung lief durch seine Muskeln. Konzentriert lauschte er auf die Geräusche um ihn herum. In diesen Moment kam er sich vollkommen isoliert vor.

Er hörte Elektras leise Schritte, die ein unruhiges Gefühl in ihm hinterließen. Von Sekunde zu Sekunde spürte John die Veränderung an Elektra. Schon bald bewegte sie sich so lautlos, das es für ihn unmöglich war, herauszufinden, wo sie sich befand. „Eine Kamaguri gehört nicht zum Volk. Sie lebt abgeschnitten von ihnen, um ihre Aufmerksamkeit auf ihr Schicksal zu richten und sich auf die letzte Schlacht zwischen Kamaguris und den Wraith vorzubereiten. Nichts lenkt eine Kamaguri von ihrem Weg ab. Sie ist ein Wesen, das auf normaler Ebene nicht existiert. Die Straßen eines Kampfes sind dunkel und genau so ist es auch die Seele einer echten Kriegerin“, erzählte Elektra entschlossen.

„Eine Kamaguri ist ein Wesen des Schattens. Auch wenn sie für das Licht des Friedens kämpft, ist die Finsternis trotzdem ihr zu Hause. Um die Traditionen der Kamaguris zu verstehen, musst du dich auf die Dunkelheit einlassen. Lass dich von ihr einfangen und vollständig ausfüllen. Du musst sie spüren, John, fühle und erlebe sie.“ „Das macht mir Angst“, gestand Sheppard ehrlich. Ein Zittern bemächtigte sich seiner Seele, denn die Worte, die er hörte, beunruhigten seine militärischen Instinkte zutiefst.

„Für jeden Außenstehenden, der nicht von Geburt an in die Welt von Atlantis gehört, ist all das sehr furchteinflößend. John, du bist nun in einer Welt zu Hause, die vollkommen anders ist als jene, aus der du kommst. Du musst bereit sein dich auf unsere dunkle Seite einzulassen. Nur so kannst du jemals stark genug sein, um die Wraith, die grausame Ausgeburt der Dunkelheit, zu zerstören. Die Finsternis ist ihr Wegbegleiter und Führer. Sie fühlen sich an kalten Orten wohl, da dies ihre Natur ist. Auch eine Kamaguri muss dazu in der Lage sein, da dies dazu beiträgt, den Wraith die Stirn bieten zu können. Wie willst du diese dir fremde Welt verstehen, daraus neue Kraft schöpfen, wenn du nicht bereit bist, seine Schatten kennenzulernen?“ fragte Elektra herausfordernd.

„Du musst dir bewusst werden, wer du wirklich bist. Im Angesicht mit dem schlimmsten aller Feinde darfst du nicht deine Identität verlieren. Ein Krieger, John, ist das Einzige, der zwischen den Wraith und den Menschen steht. Trotz der Aussicht einer ungewissen und vielleicht sogar todbringenden Zukunft musst du deine Pflicht erfüllen und alles tun, was in deiner Macht steht, um den Schwachen Schutz zu bieten. Fühlst du die Waffe in deiner Hand?“ „Ja.“ „Es ist nicht bloß eine Waffe, eine Klinge, dessen Umgang du erst lernen musst. Spüre, wie sie lebt, wie sie bereit ist, durch dich Leben auszulöschen. Dies ist ein Werkzeug, das dazu dient, deine Taten zu vollbringen.“

In der nächsten Sekunde hörte John, wie Elektra sich ruckartig bewegte. Instinktiv hob er den Arm und wehrte ihren Angriff erfolgreich mit dem Schwert ab. Zu seiner eigenen Überraschung stellte John fest, das er sich nicht nur auf eine Art und Weise bewegte, von der er nicht einmal gewusst hatte, das dies in ihm steckte, sondern auch, das er keinerlei Schwierigkeiten besaß, das Schwert wie ein erfahrener Samurai-Krieger zu führen. „Du musst den Gedanken loslassen, das nur deine Schusswaffen dein Leben verteidigen. Egal, welche Waffe du bei dir trägst, es ist bloß eine Hilfe, die tut, was du willst. Du aber bist Derjenige, den die Wraith lernen müssen zu fürchten, da du allein sie in den Tod schickst“, sprach Elektra weiter, ohne John dabei aus den Augen zu lassen.

Erneut ging sie zum Angriff über und wieder schien John darauf vorbereitet zu sein. Die beiden Klingen prallten aneinander. „Wenn dir nicht klar wird, welche tiefe Macht in dir wohnt, John, wirst du einen Wraith niemals in die Knie zwingen können. Jeder Mensch besitzt die Gabe, die Dunkelheit der Wraith zu erkennen. Aber die Meisten, auch du, wenden es nicht an. Du musst anfangen richtig hinzusehen.“ „Ich sehe nur das, was ich mit den Augen erkennen kann“, gab John zurück. „Genau das ist das Problem. Du siehst nur mit deinen Augen.“ „Womit soll ich sonst sehen?“ „Eine Kamaguri sieht mit dem Herzen, mit der Seele und der Macht, die Dunkelheit zu spüren. Das hat mich dazu bewogen dich auszuwählen, meinen Körper zu bergen und mich ins Leben zurück zu holen. Ich sah mit dieser Gabe Dinge in dir, von denen du nicht einmal weißt, das sie in dir existieren.“

„Jetzt fühle ich mich wirklich geehrt“, witzelte John, bekam dafür jedoch einen nicht sehr harten Schlag gegen die Schulter ab. „Konzentriere dich“, wies sie ihn scharf an. „Es wird Zeit, das du die Dunkelheit so kennenlernst, wie eine Kamaguri sie sieht. Du musst die Schatten spüren. Nur auf diese Weise wird es dir gelingen, den Wraith zu trotzen, ohne von deinen Schusswaffen Gebrauch machen zu müssen. Die Finsternis, John, muss zu deinem sicheren Begleiter werden. Nimm das Tuch ab“, erklärte sie und nahm das Schwert, das sie ihm vor wenigen Minuten überreicht hatte, wieder an sich.

John folgte ihrer Aufforderung und ließ das Tuch, das seine Augen an einen Blick hinderte, einfach auf den Boden fallen. „Ist das schon das Ende deines Unterrichts?“ hakte er nach. Alleine das Lächeln, das Elektras Lippen zierte, war ihm Antwort genug. „Wir haben noch nicht einmal richtig angefangen. Leg dich bitte auf den Boden.“ „Wieso?“ „Frag nicht nach, sondern tue, was ich dir sage“, sprach sie, ohne genauer auf seine Frage einzugehen. In ihren Augen flackerte dieses besondere Etwas auf, das eine neue Runde ihres außergewöhnlichen Trainings verkündete. Und egal, welche Lektion auf ihn wartete, John war fest entschlossen, diese zu bewältigen.

Dennoch rieselte ein kalter Schauer über Major Sheppards Rücken, als er sich auf den Boden der Kamaguri-Kammer legte. „Die Bemerkung, das ich ein Kissen benötige, ist wohl unangebracht“, murmelte er. „Allerdings. Schließlich sind wir nicht zum Vergnügen hier, sondern weil du von mir lernen willst.“ „Rodney wird sicher schon ungeduldig, weil wir seine Kammer solange für uns beanspruchen.“ „Es ist meine Kammer, John“, korrigierte Elektra ihren Freund. „Und Rodney wird sich meinen Willen fügen.“ „Schließlich will er nicht deine Erlaubnis für seine Untersuchungen verlieren. Dieses Risiko würde er niemals eingehen“, bemerkte John spottend.

„Richte deine Aufmerksamkeit bitte wieder auf mein Training. McKay spielt hier keine Rolle“, erwiderte Elektra, der nicht das leichte Frösteln entging, das von John Besitz ergriff. Seine innere Unruhige war deutlich zu sehen, denn er wusste nicht, was ihn jetzt erwartete. „Du musst lernen über deine Fähigkeiten zu stehen, über dir selbst, um zu erreichen, was du als ein so weit entferntes Ziel siehst. Du musst die Dunkelheit als das akzeptieren, was sie ist.“ „Das wäre?“ sprach John, während er Elektra dabei beobachtete, wie sie zu einer Kontrollkonsole ging und einen Code eingab.

„Der Ort, an dem ein Krieger seine Kämpfe ausfechtet. Sie ist ein wichtiger Teil deines Lebens. Du musst mit den Augen deines Feindes sehen. Erkenne die Finsternis auf die Art, wie ein Wraith in sie hineinblickt“, sprach Elektra ernst. In diesen Moment wurde ihr Befehl in die Tat umgesetzt und die Lichtzufuhr der Kammer wurde herunter gefahren. Die gesamte Halle wurde in vollkommene Dunkelheit getaucht. „Das baut mich nun nicht sehr auf. Was genau soll ich jetzt tun?“ hakte John nach. „Ich fordere deine Willenskraft heraus. Die Finsternis musst du alleine in dich aufnehmen. Dabei kann ich dir nicht helfen. Ich kann dir die Tür zeigen, doch hindurch gehen musst du alleine“, erklärte Elektra ruhig. Ihre Stimme klang sehr nahe und John wurde die Bedeutung ihrer Aussage wirklich bewusst. Diesen Weg durch die Dunkelheit musste er alleine bestreiten. Es war die einzige Art, die ihn zu dem Ende führte, über sich selbst hinaus zu wachsen.

Noch nie in seinem Leben war John das Schweigen der Stille so erdrückend erschienen wie in jenen Augenblicken, als er auf dem Boden lag, und nicht einmal Elektras Schritte hören konnte. Das Einzige, das an sein Gehör drang, war seine eigene Atmung. Die Dunkelheit wirkte auf jeden Menschen unheimlich. Es lag in der Natur der Menschlichkeit sich vor etwas zu fürchten, dessen Gefahren man nicht richtig einzuordnen wusste. Und er kam nicht an dem Gefühl vorbei, sich schon ein wenig dumm vorzukommen, so wie er auf dem kühlen Boden lag und in die Finsternis starrte. Doch ihm war auch bewusst, das er sich solchen Gedanken nicht hingeben durfte. Sie passten so gar nicht in die Traditionen der Kamaguris. Wenn er ihre Kunst erlernen wollte, musste er sich von den vielen Regeln seiner strengen Ausbildung trennen.

Die Schatten leben, hallte Elektras weiche Stimme in seinen Kopf. Über ihn sah er nur die Dunkelheit. Und zum ersten Mal in seinen Leben wurde ihm wirklich bewusst, das sie nicht nur ein notwendiges Detail des Tages war. Die Finsternis besaß tatsächlich ihr eigenes Leben, das sie ihm nun offenbarte. „Es gibt keinen Grund sie zu fürchten“, flüsterte Elektra an seiner Seite. John hatte nicht einmal bemerkt, wie sie zu ihm gekommen war, da er dermaßen fasziniert von den Bildern war, die die Schatten ihm präsentierten. „Ich habe keine Angst“, sprach er leise, ohne seine Augen von der spitzen Hallendecke zu nehmen. Diese neuen Eindrücke, die er gerade erlebte, waren einzigartig. Nach einer solch besonderen Erfahrung strebten so viele Menschen, die sie nicht einmal annähernd erreichten, und Elektra ließ ihn freiwillig an diesen Geschenk teilhaben.

„Das ist total cool“, stieß er begeistert aus. Mit einem tadelnden Lächeln schüttelte Elektra den Kopf. Dabei war es nicht wichtig, das John ihre Geste nicht erkennen konnte. „Fühlst du die Veränderung in dir?“ „Eigentlich fühle ich mich noch immer gleich“, räumte er ein. „Das liebe ich so sehr an dir, John. Du bist so ein bescheidener Kerl.“ „Und ich dachte, du liebst mich wegen meines guten Aussehens und meines Charmes“, gab er frech zurück. „Das sind weitere Gründe für meine Liebe. Auch wenn du es nicht glaubst, in deiner Seele hat eine Veränderung stattgefunden.“ „Kannst du das beweisen?“ „Ich würde eine solche Behauptung nicht aufstellen, wenn ich dies nicht mit Handlungen untermauern könnte. Steh auf und stelle dich einem erneuten Kampf mit mir“, befahl Elektra, die sich von John entfernte und mit einem erneuten Code das Licht in der Halle wieder einschaltete.

Mit einer geschmeidigen Bewegung erhob sich John. Innerlich fieberte er der letzten Trainingseinheit für diesen Tag schon entgegen. Er hatte es im Gefühl, das sich etwas grundlegendes in ihm verändert hatte. Obwohl er dies nicht genau mit Worten definieren konnte, spürte er eine neue Anspannung in seiner Seele. Als Elektra ihm ein Schwert zuwarf, fing er es geschickt auf, ohne großartig darüber nachzudenken. „Komm schon, John, zeige mir, was du kannst“, lockte die Kriegerin den Soldaten. Diesmal ließ er sich nicht zwei Mal bitten. John hatte bei den wenigen Gelegenheiten Gefallen am Umgang mit dem Schwert gefunden. Es war eine neue Erfahrung des Nahkampfes für ihn, die ihn herausforderte, besser zu sein als alle anderen. Außerdem machte es ihm Spaß, wie ein Samurai das Schwert zu schwingen.

Ein Beobachter, der die Beiden von weitem sah, würde keinen Zweifel daran hegen, das sie sich einen erbitterten Kampf auf Leben und Tod lieferten. Elektra schonte ihn nicht, da auch seine Feinde dies nicht taten und hart gegen ihn vorgingen, um seinen Tod zu erreichen. Im Training der Kamaguris war alles tiefster Ernst. Sie würde ihm niemals weh tun oder auch nur annähernd verletzen. Elektra wusste, wie weit sie gehen konnte, ohne das John einen Schaden davontrug. Er musste aus dieser Härte lernen, um sie für sich selbst annehmen und zu einem wahren Krieger der alten Schule werden zu können.

John gab unter dem Druck ihrer Angriffe nicht nach. Bereits in ihrer ersten Unterrichtsstunde hatte er mehr gelernt als während seiner gesamten militärischen Grundausbildung. In dieser Sekunde prallte ihr Schwert gegen das seine. John packte Elektra an der Schulter und wirbelte sie herum. Als sie den Arm hob, schlug er ihr das Schwert aus der Hand und drückte seine Klinge gegen ihre Kehle. „Jetzt bin ich wirklich beeindruckt. Du bist ein Naturtalent“, stöhnte Elektra anerkennend, da es selbst für sie eine Überraschung war, das es ihm bereits nach dieser kurzen Zeit gelang, sie zu entwaffnen. Insgeheim hatte sie damit nicht gerechnet. Er hatte die Grundlagen der Kamaguris schneller aufgenommen als sie dies von einem Zivilisten, der nicht auf Atlantis geboren war, erwartet hatte.

„Das liegt daran, das du eine ausgezeichnete Lehrerin bist. Ich hatte keine Ahnung, das so etwas in mir steckt. Anscheinend hast du schlafende Hunde geweckt.“ „Du befindest dich jetzt am Anfang einer neuen Reise.“ „Wenn du mich begleitest, bin ich dafür bereit“, erklärte John, als er das Schwert zurück zog. „Keine Sorge, ich werde niemals von deiner Seite weichen“, versicherte Elektra ihm, als sie die beiden Schwerter in seiner Trainingstasche verstaute und mit John den Ausgang ansteuerte. „Wie fühlst du dich nach deiner ersten Lektion?“ „Außerordentlich gut. Ich bin noch immer aufnahmefähig und kann aufrecht stehen. Eigentlich habe ich erwartet, das du mich zusammen schlägst“, witzelte er vergnügt, als sie die Kammer des alten Antiker-Ordens verließen.

„Du musst wohl alles mit deinem Humor kommentieren, oder? Das ist nicht das Training der Kamaguris. Du sollst daraus mehr lernen als rohe Gewalt.“ „Das habe ich. Es ist unglaublich, wie die Kamaguris die Form des Kämpfens sehen. Für dich ist es wirklich eine Kunst und nicht nur Selbstverteidigung.“ „Ich bin stolz auf dich, das du das endlich erkannt hast. Unsere Ausbildungen unterscheiden sich in allen Facetten und Regeln, John.“ „Und ich muss sagen, das ich begierig bin, mehr über deine zu erfahren.“ „Ich werde es dir Stück für Stück offenbaren. Im Gegenzug hätte ich jedoch gerne etwas von dir.“ „Jetzt machst du mich neugierig“, bemerkte John grinsend.

„Ich möchte gerne den Umgang mit deinen Schusswaffen lernen.“ „Tatsächlich? Du empfindest doch eine solche Abneigung gegen meine Waffen.“ „Das leugne ich auch nicht, aber ich möchte gerne erfahren, warum du dich so sehr auf sie verlässt. Du wirst mich nie dazu bringen, eine deiner Waffen im Kampf gegen einen Wraith zu benutzen. Dennoch kann es nicht schaden, herauszufinden, warum du sie so gut findest.“ „Du lässt dich auf meine Welt ein.“ „Das ist das Mindeste, das ich dir schulde. Ich will deine Welt verstehen, John. Immerhin sind es deine Wurzeln und somit sind sie ein Teil von dir. Alles, das dich betrifft, interessiert mich brennend.“

„Und wieder überwältigst du mich mit deinen Ideen. Du bist und bleibst die einzigartigste Frau, die jemals meinen Weg kreuzte. Natürlich zeige ich dir, wie meine Waffen funktionieren.“ „Eine andere Antwort habe ich von dir auch nicht erwartet.“ Locker legte John ihr einen Arm um die Taille und veranlasste sie damit stehen zu bleiben. Sanft strich er ihr eine lange Haarsträhne aus dem Gesicht, bevor er Elektra einen zärtlichen Kuss auf die Lippen hauchte. „Wirft das kein schlechtes Licht auf den kommandieren Offizier dieser Expedition, wenn er sich öffentlich zu Liebesbeteuerungen hinreißen lässt?“ sprach Elektra leise an seinen Ohr und genoss dabei seine innige Umarmung.

„Jeder auf Atlantis weiß, das ich nicht meine Finger von dir lassen kann. Du musst die Tatsache akzeptieren, das ich ohne dich nur noch ein halber Mensch bin. Du machst mich vollkommen, Elektra, und für den Rest meines Lebens werde ich alles tun, um dich glücklich zu machen.“ „Du machst mich allein mit diesen Versprechen glücklich, John“, erwiderte sie und streichelte durch sein dichtes Haar. „Trotzdem solltest du jetzt wieder an deine Pflichten denken, Major Sheppard. Später hast du noch immer genügend Zeit, um dich mit mir zu beschäftigen.“ „Und was machst du solange?“ „Ich werde Carson einen Besuch auf der Krankenstation abstatten. Er drängt nämlich schon wieder, einen Gesundheitscheck mit mir durchführen zu wollen. Je länger ich mich weigere, desto mehr läuft er mir nach.“

„Ich bin hier der einzige Mann, der das Recht hat, dir nachlaufen zu dürfen. Morgen üben wir dann mit meinen Schusswaffen“, erklärte er und hauchte Elektra einen kurzen Kuss auf die Lippen, ehe er die Kommandozentrale von Atlantis ansteuerte. Sehnsüchtig blickte sie John nach. Früher, als ihr altes Atlantis noch existiert hatte, war es für sie unvorstellbar gewesen, jemals diese schmerzliche Leidenschaft zu empfinden. Sie hatte nicht daran geglaubt, einen Mann zu treffen, der so umwerfend war, das er alles andere in den Schatten stellte. Die Liebe war für sie ein unerreichbares Ziel gewesen, ein Gefühl, das für sie einfach nicht erlaubt war.

Und dann war Major John Sheppard nach Atlantis gekommen. Sein Auftauchen hatte alles verändert. Er hatte um ihre Seele gekämpft, hatte dafür gesorgt, das sie eine zweite Chance im Leben erhielt, um ihr Schicksal doch noch zu erfüllen. Elektra hatte nicht vergessen, wie liebevoll er sich nach ihrer Auferstehung um sie gekümmert hatte. John war einfach für sie dagewesen. Bei jedem neuen Tag, der angebrochen war und Elektra ihn an ihrem Bett sitzen gesehen hatte, hatte sich ihr Herz mehr zu ihm hingezogen gefühlt. Er nahm sie so, wie sie war, akzeptierte ihre Entscheidungen, auch wenn es ihm manchmal schwer fiel, da dies Gefahren für ihr Leben mit sich zog.

John war das Erste, woran sie dachte, wenn sie morgens aufstand und das Letzte, woran sie dachte, wenn sie abends zu Bett ging. Ihre ganze Welt drehte sich nur noch um ihn. Obwohl sie eine Kamaguri war, für die ihr Schicksal das Wichtigste sein sollte, war John Sheppard zu ihrem Lebensinhalt geworden. Ohne es zu ahnen, hatte er aus ihr eine noch stärkere Kriegerin, als sie es zuvor schon gewesen war, gemacht. Sie zog ihre Kraft aus ihrer Liebe zu ihm. Die tiefe Zuneigung, die er für sie empfand, war ihr Lebenselixier. Er ließ sie dort weitermachen, wo sie drohte, zu verzweifeln. Ihr Leben bestand nur noch aus zwei Dingen: Die Vernichtung der Wraith herbeiführen und Major John Sheppard, den Mann, dem ihr Herz gehörte.

~ 4. ~

[Drei Monate später]

„Atlantis, hier ist Jumper one“, meldete sich der Pilot, während der Puddle Jumper mit voller Geschwindigkeit durch den Weltraum bewegte. „Hier ist Doktor Weir. Sprechen Sie“, forderte die Leiterin von Atlantis über Funk. „Major Sheppard wurde während der Expedition verletzt. Wir benötigen dringend Doktor Beckett und ein Sanitäterteam am Stargate. Geschätzte Ankunftszeit in ungefähr fünf Minuten“, erklärte der Soldat. „Wir kümmern uns darum. Was ist geschehen?“ hakte Doktor Weir nach. „Das können wir nicht genau sagen. Major Sheppard wurde von einem insektenähnlichen Wesen angegriffen, das sich an seiner Kehle fest gesaugt hat. Es lässt sich nicht mehr von ihm entfernen.“

„Für ihre Ankunft wird alles vorbereitet sein“, versprach Doktor Weir und gab sofort ihre Anweisungen weiter, das Beckett bereit stand, um Major Sheppard augenblicklich behandeln zu können. Der Pilot warf einen besorgten Blick über die Schulter. John lehnte im hinteren Bereich an der Wand, konnte sich kaum bewegen, und dieses kleine Monster, als etwas anderes konnte der Soldat dieses Insekt nicht beschreiben, hing an seinem Hals und ließ einfach nicht locker. Das Team stand um den Major herum. Jeden Einzelnen stand die Sorge um seine Gesundheit ins Gesicht geschrieben.

Elektra kniete neben John und strich ihm beruhigend über die Wange. Sie bemühte sich, das Zittern in ihrer Stimme zu unterdrücken, um ihn nicht noch mehr zu verunsichern. „Es wird alles wieder gut, John. Wir werden dich von diesem Biest befreien. Uns wird schon etwas einfallen. Halte durch, Liebling. Es wird sich alles zum Guten wenden“, sprach sie auf ihn ein, während sie seine Hand hielt. Elektras Blick glitt zu dem Wesen, das auch ihr fremd war. Die Kamaguris hatte nie mit so etwas zu tun gehabt. Sie war noch nie zuvor einer Kreatur wie dieser begegnet. Doch welche Absicht hinter dem stand, was es mit John tat, war deutlich zu erkennen.

Das Wesen aß von ihm. Es raubte ihm seine Lebensenergie. Das Ergebnis davon war, das er immer blasser und schwächer wurde. Es würde ihn seinem Tod enden, denn dieses Wesen würde erst aufhören, wenn es so sehr von seinem Leben gekostet hatte, das es nur seine Leiche zurück ließ. „Wir müssen doch irgend etwas tun können“, bemerkte Ford kopfschüttelnd. „Vielleicht sollten wir noch einmal probieren, das Wesen mit Gewalt von Ihnen zu trennen, Sir“, fügte er nach einer kurzen Schweigeminute hinzu. „Das ist keine gute Idee, Aiden. Als wir das zuvor versucht haben, hast du ihn angeschossen“, erwiderte Elektra schärfer als beabsichtigt. Sie hatte Angst um John und bangte um sein Leben. Niemals würde sie es zulassen, das er noch einmal verletzt wurde.

Der Pilot hatte inzwischen das Orbit-Stargate angewählt. Es war bereit sie aufzunehmen, um sie nach Atlantis zurück zu bringen. „Wir sind in wenigen Sekunden zu Hause, John. Gib jetzt nicht auf. Bald ist alles vorbei“, versprach Elektra ihrem Freund. Ein qualvolles Stöhnen drang über seine Lippen. Das Wesen grub sich mit seinen Zähnen immer mehr in seine Haut. Obwohl er seinen Körper nicht mehr wirklich bewegen konnte, fühlte er die Schmerzen, die das Insekt bei ihm auslöste, um von seiner Energie zu trinken. John schloss für einen langen Augenblick die Augen und ließ sich von Elektras Berührung, als sie ihm zärtlich durch das Haar streichelte, ablenken. Dies war momentan das Einzige, das ihn daran erinnerte, das er noch am Leben war.

„Ford hat Recht, Elektra“, sprach John leise. „Ihr müsst alles unternehmen, was euch möglich ist, um dieses Wesen von mir wegzubekommen.“ „Es wird dir nur zusätzliche Schmerzen bereiten. Lass das McKay und Beckett machen, wenn wir wieder auf Atlantis sind. Dort haben wir mehr Möglichkeiten als hier, um dieses Wesen von dir zu trennen.“ „Elektra, ich weiß nicht, ob ich solange noch durchhalte. Ich verliere immer mehr von meiner Kraft. Tue etwas! Jetzt! Bitte!“ forderte er sie scharf auf. Einen langen Augenblick sahen sie sich schweigend an. Zustimmend nickte Elektra schließlich und holte ihr Messer aus dem Stiefel. Sie stieg über John und ließ sich auf der anderen Seite nieder, um besser an das Wesen heran zu kommen.

Für jeden Anwesenden war zu erkennen, das sie mit Johns Vorhaben überhaupt nicht einverstanden war. Doch sie fügte sich seinem Wunsch, das er das Insekt nicht länger an seinen Körper ertrug. Sie schob die Spitze des Messers zwischen John und dem Wesen. Mit all ihrer Macht drückte sie die scharfe Klinge gegen das Insekt, in der Hoffnung, es würde nachgeben und von ihm ablassen. Die einzige Konsequenz dieser Handlung war jedoch nur Johns Schrei, der von den Schmerzen, die mit einem plötzlichen Schlag in ihm zu explodieren drohten, regelrecht überwältigt wurde.

Hastig zog Elektra das Messer zurück. Das Insekt hatte sich keinen Millimeter bewegt. „Ich kann dir das nicht zumuten, John“, sprach sie kopfschüttelnd. „Es tut dir viel zu sehr weh. Das kann ich nicht verantworten. Wir finden einen anderen Weg. Ich verspreche dir bei meinen Leben, das es dich nicht töten wird. Du wirst überleben.“ John konnte darauf nur nicken. Er war nicht in der Lage, eine Antwort zu geben, denn so sicher war er sich nicht, was sein Überleben betraf. „Wir sind bald zurück auf Atlantis. Dann werden wir dieses Problem auch in den Griff bekommen“, mischte sich Teyla in die Unterhaltung ein, um Elektra dabei zu unterstützen, das John sich nicht irgendwelchen Zweifeln aussetzte.

In diesen Moment wurde der Puddle Jumper von einem heftigen Stoß erschüttert. McKay und Ford wurden von der Kraft der Welle zu Boden gerissen. Teyla konnte sich nur mit Mühe an der Sitzbank festhalten. Elektra reagierte instinktiv und legte ihre Arme um John, während sie sich mit den Füßen am Boden abstützte. Sie würde nicht zulassen, das der brutalen Ruck, den der Jumper erlebte, ihm noch mehr Schmerzen bereitete. Dennoch verzog John das Gesicht, da er mit dem Kopf gegen die Rampe prallte. Dieses Erlebnis war auch so schnell zuende, wie es gekommen war. In seinem Zustand war selbst ein Windhauch zuviel, als das er keine Qual verspürte.

„Ist alles in Ordnung, John?“ erkundigte sich Elektra sofort bei ihm. „Sieht man einmal von diesen hartnäckigen Biest an meiner Kehle ab, geht es mir den Umständen entsprechend“, erklärte er schwach. „Aiden, Teyla?“ „Uns ist nichts passiert.“ „Rodney, was war das?“ richtete Elektra ihre Frage an den Wissenschaftler, nachdem er ihr signalisierte, das ihm nichts geschehen war. Rodney wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ihm diese regelrecht im Hals stecken blieb. Entsetzt starrte er auf das helle Licht, das sie alle einnahm. Zuerst glaubte John, aufgrund seines sich ständig verschlechterten Gesundheitszustandes, an eine Halluzination, als er das Stargate so direkt vor den Augen hatte.

„Das ist nicht gut“, murmelte Rodney kopfschüttelnd. „Rodney, bitte sage mir, das wir mit dem Jumper nicht im Stargate festsitzen“, stieß Elektra heftig atmend aus. „Nun ... wir ...“, begann McKay mit seiner Erklärung, fand jedoch nicht die richtigen Worte. „Das kann doch nicht wahr sein“, mischte sich Ford ein. „Es sieht ganz danach aus, als würden wir im Stargate gefangen sein. Das Cockpit befindet sich auf der anderen Seite.“ „Malcolm und Stockhouse?“ hakte Teyla nach. „Noch nicht tot. Der Jumper wurde vom Wurmloch durchtrennt. Dadurch wurden die Piloten entmaterialisiert.“ „Bekommen sie irgend etwas mit?“ „Nein, aber sie werden sterben, sobald sich das Stargate wieder schließt. Und sobald das geschieht, wird der Jumper vom Gate durchtrennt und wir sind alle tot“, erwiderte Rodney trocken und seiner Aussage folgte ein schweres Stöhnen.

Elektra wandte sich zu John und kühlte seine Stirn mit einen feuchten Tuch. Sie griff nach Teylas Jacke, die auf der Sitzbank lag, und hob leicht seinen Kopf an. Vorsichtig legte sie ihn auf den improvisierten Kissen zurück. „Versuche dich zu entspannen, so gut es dir möglich ist.“ „Was ist passiert?“ murmelte er, als er auf das türkis schimmernde Innere des Stargates blickte. „Wir können uns nicht mehr bewegen. Keine Sorge, John, Rodney kriegt das schon wieder hin. Bald sind wir zu Hause und dann geht es dir wieder besser“, beruhigte sie ihn. Mit einer Kopfbewegung bedeutete sie Teyla, neben John zu bleiben, während Elektra zu Rodney ging, um die Lage mit ihm zu besprechen.

„Du findest doch eine Lösung, oder?“ hakte sie leise nach, so dass John dies nicht hören konnte. Unsicher blickte er sie an. „Wir können uns weder vor, noch zurück bewegen und ...“ „Jumper eins, hier ist Atlantis. Wir erwarten eure Ankunft. Wo bleibt ihr?“ meldete sich Elizabeth in diesen Moment. „Wir stecken im Stargate fest. Daran ist wohl eines der Triebwerke schuld, das nicht richtig eingefahren ist“, räumte Rodney ein. „Wiederholen Sie das bitte, Doktor McKay“, bat Elizabeth verwirrt, die glaubte, nicht richtig hingehört zu haben. „Wir stecken mitten im Stargate fest. Das ist wirklich sehr beunruhigend. Wir können uns nicht mehr bewegen und im Augenblick sehe ich keine Möglichkeit diesen Zustand zu ändern.“ „Jedoch wäre das besser“, zischte Elektra.

„Wie geht es Major Sheppard?“ erkundigte sich Doktor Weir. „Es geht ihm immer schlechter. Wir müssen dringend nach Atlantis zurück, damit er die notwendige medizinische Behandlung erfährt. Außerdem können wir nicht zulange auf diese Art und Weise hier draußen festsitzen.“ „Haben Sie Informationen, die mir bis jetzt vorenthalten wurden, Elektra?“ „Wir haben ungefähr dreißig Minuten, das Problem zu beseitigen oder das eisige Vakuum des Alls wird uns töten, da sich das Stargate von selbst schließen wird. Korrigiere mich, Rodney, wenn ich mich irre.“ „Um es genau zu sagen, so sind es achtunddreißig Minuten.“ „Was brauchen Sie, Rodney?“ erkundigte sich Elizabeth augenblicklich. Jeder, der dem Gespräch über Funk folgte, wurde klar, das Major Sheppards Team die Zeit davonlief. Sie saßen in einer tödlichen und, wie es schien, ausweglosen Falle fest.

„Hilfe“, gab McKay schlicht bekannt. „Gut, ich werde mich von hier aus darum kümmern. Rodney, beeilen Sie sich.“ „Darauf können Sie sich verlassen, Elizabeth“, erwiderte der Angesprochene und griff bereits nach einem handlichen Bordcomputer. Über Funk waren Doktor Weirs Anweisungen zu hören, die Grodin sofort in die Tat umsetzte, und ein entsprechendes Team an Wissenschaftlern zusammenstellte, damit sie eine Lösung fanden, um sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Die Zeit drängte und auch der Umstand, das Sheppard verletzt war, verkomplizierte die Sache noch mehr.

„Kann mir bitte jemand erzählen, was genau geschehen ist“, ertönte Elizabeths Stimme erneut. „Natürlich kann ich das, Ma’am“, erwiderte Ford und wollte bereits beginnen, als hinter ihm Sheppard das Wort erhob. „Es ist meine Geschichte, Ford“, bemerkte er bloß. „Du musst dich schonen, John. Lass Ford erzählen. Du bist viel zu schwach dafür“, mischte sich Elektra ein, die sich erneut neben ihm niederließ. „Ich war dabei. Und ich allein weiß, was genau abgelaufen ist. Immerhin bin ich angegriffen worden“, widersprach er heftig. Diesen Versuch unterließ er jedoch sofort, als alleine die Wut, die in seiner Brust über seinen Zustand brodelte, ausreichte, um einen erneuten Schub seiner Schmerzen zu erhalten.

Beruhigend legte Elektra ihm eine Hand auf die Schulter. Sie wusste, das er sich auf keinen Fall aufregen durfte. Das schadete seiner Gesundheit noch zusätzlich und Elektra wollte um jeden Preis vermeiden, das sich sein Zustand verschlechterte. Eine Ohnmacht konnten sie nicht riskieren, da niemand sagen konnte, ob er daraus jemals wieder aufwachen würde. Dafür raubte diese verdammte Kreatur John zuviel seiner Lebensenergie. Sein Leben hing an einen seidenen Faden und je länger es dauerte, bis Rodney sie aus ihrem unfreiwilligen Gefängnis befreite, desto mehr drohte John in den Tod abzurutschen.

Ihr Blick glitt für ein paar Sekunden zu Rodney, der bereits fieberhaft an einer Lösung für ihr gravierendes Problem suchte. Hoffentlich kannst du uns rechtzeitig befreien, dachte Elektra und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihren verletzten Freund. In seinen Augen war ein flehender Ausdruck aufgetaucht. „Elektra, bitte“, fügte er eindringlich hinzu. Die Kriegerin erkannte, das es für John äußerst wichtig war, seine jüngsten Erlebnisse selbst wieder zu geben. Er war noch immer der leitende Offizier dieses Teams und die Fähigkeit, den Überblick über alles zu behalten, wollte er sich auch durch seinen bedrohlichen Zustand nicht absprechen lassen wollen.

Ein leichtes Seufzen entrang sich ihrer Kehle. Sie konnte eine längere Diskussion mit John nicht riskieren. Da sie jede weitere Aufregung für ihn verhindern wollte, stimmte sie schließlich mit einem Nicken seinem Vorhaben zu. John würde sich sowieso nicht davon abbringen lassen. Inzwischen kannte sie ihn gut genug, um das mit Sicherheit sagen zu können. Zärtlich berührte sie ihn an der Wange und ließ es geschehen, das er mit seinen eigenen Worten beschrieb, was ihm widerfahren war ...

~ 5. ~

Sie waren auf einer erneuten eigentlich harmlos einzustufenden Expedition, um einen fremden Planeten zu erforschen. Weder McKay, noch Zelenka, die den Planeten ausgesucht hatten, gingen von irgendwelchen Schwierigkeiten aus. Dies war eine Tatsache, die bei Sheppard augenblicklich dafür sorgte, das er wachsamer als üblich war. In den meisten Fällen ging etwas schief, tauchten Probleme auf, die die beiden Wissenschaftler in ihrem Eifer nicht eingerechnet hatten. John vertraute Rodney, das ging jedoch nicht soweit, das er automatisch davon ausging, das McKay mit seinen Berechnungen über fremde Planeten im Recht lag. Oft genug hatte er schon daneben gelegen und das gesamte Team hatte es ausbaden müssen.

Der Planet schien verlassen zu sein. Es gab keinen einzigen Anhaltspunkt dafür, das an diesen Ort irgendein Leben existierte. Dennoch gab es etwas, worauf das Team einheitlich fasziniert starrte. Es war der riesengroße Krater, der sich vor ihren Augen offenbarte, und hatte das gesamte Tal fortgerissen, das sie eigentlich hatten erkunden wollen. Rund herum gab es nur noch einen dichten Wald. „Ein unbewohnter Planet ist einmal etwas anderes“, bemerkte Ford knapp. „Es gibt keine verlassenen Welten, Aiden. Hier existiert Leben. Wir mögen es nicht sehen können, doch das bedeutet nicht, das es keines gibt“, führte Elektra sachlich aus.

„Hast du eine Ahnung, wie dieser Krater entstanden ist? Es sieht nicht so aus, als wäre er natürlichen Ursprungs“, bemerkte Teyla und richtete ihre Augen auf die Kamaguri. „Das war eine Bombe der Wraith.“ „Wieso überrascht es mich nicht, das die auch Bomben haben?“ stieß John spottend aus. „Diese Bombe muss unglaubliche Auswirkungen haben. Was auch immer an diesen Ort existiert hat, der Angriff der Wraith hat all das vernichtet.“ „Es hat ein Labor zerstört“, erklärte Elektra nüchtern. „Woher weißt du das?“ „Ich war schon einmal hier. Es ist nur eine schwache Erinnerung, doch die erzählt mir, das sich an der Stelle des Kraters einmal ein Außenposten der Kamaguris befunden hat.“

„Um was für eine Art von Labor hat es sich gehandelt?“ hakte Rodney neugierig nach. Schwach zuckte Elektra mit den Schultern. „Das kann ich dir nicht sagen. Ich weiß es nicht mehr. Wie du weißt, habe ich noch immer mit ein paar meiner Erinnerungen zu kämpfen.“ „Du hast bei der Besprechung mit keinem Wort erwähnt, das du früher schon einmal auf diesen Planeten warst“, sprach John in die Richtung seiner Freundin. „Die Bezeichnung dieses Planeten hat mir auch nichts gesagt. Das sind die Namen, die Rodney den Welten gegeben hat, und nicht die der Kamaguris“, verteidigte sie sich. John warf ihr ein herausforderndes Lächeln zu, bei dem Elektra wusste, das er nur mit ihr spielte.

„Dann ist euer Stützpunkt im Krieg gegen die Wraith gefallen“, bemerkte Ford. Nachdenklich stimmte Elektra dem Soldaten mit einem Nicken zu. „Davon ist auszugehen. Die Wraith haben fast alles zerstört, was die Antiker und ihre Kamaguris betraf. Sie sind sehr gründlich vorgegangen, um ihre hartnäckigsten Gegner auszulöschen. Wir waren schon immer eine Gefahr für die Wraith. Sie wussten, das der Orden der Kamaguris es sich zum Ziel und zur Lebensaufgabe gemacht hat, ihrer Rasse den endgültigen Tod zu bescheren. Und dieses Vorhaben mussten sie um jeden Preis stoppen. Wir haben nicht nur die Antiker, sondern auch alle anderen Völker beschützt. Wir waren ihr größtes Problem.“

„Nach wie vor bist du das. Doch diesmal wissen die Wraith noch nichts von ihrem Glück, sich wieder mit einer Kamaguri messen zu müssen“, sprach Ford zuversichtlich. Ein eindeutiger Blick von Major Sheppard traf ihn, der ihm schweigend erzählte, Elektra in ihrem Wunsch nicht noch zu bestärken, sich endlich den Wraith erkennen geben zu wollen. John wollte diese Begegnung solange, wie es nur möglich war, hinausziehen. Es missfiel ihm zutiefst, das er Elektra vor ihrem Schicksal nicht bewahren konnte. Die Zukunft konnte er nicht aufhalten. Auf den einen oder anderen Weg würde Elektra wieder in einem brutalen Krieg gegen die Wraith hinein tauchen. Und diesmal konnte er sie unter Umständen nicht vor ihrem Ende retten.

Ruckartig hob Elektra den Kopf und ließ ihren Blick aufmerksam in ihrer Umgebung herum gleiten. „Alles in Ordnung?“ sprach John neben ihr, der die Anspannung spürte, die durch ihren Körper rieselte. „Wir sind hier nicht mehr allein. Irgend etwas befindet sich in unserer Nähe. Ich kann es regelrecht spüren, das wir beobachtet werden.“ „Ein Wraith?“ hakte Rodney misstrauisch nach und sah sich etwas panisch um. „Nicht so hektisch, Rodney, damit wirst du niemanden ausfindig machen, der uns im Nacken sitzt“, tadelte Elektra den Wissenschaftler sanft.

„Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber es ist uns auf jeden Fall feindlich gesinnt.“ „Vielleicht sollten wir zum Jumper zurück kehren“, überlegte John laut. „Willst du mich schon wieder verstecken? Wenn es tatsächlich ein Wraith ist, so ist dies die beste Möglichkeit, meine Existenz endlich zu offenbaren. Es wird Zeit, John.“ „Nein, noch lange nicht.“ „Ich bin wieder gesund. Vor ein paar Monaten hast du eine Begegnung zwischen mir und meinen schlimmsten Feind mit dem Argument verhindert, das ich vollkommen gesund sein muss, um mich ihnen stellen zu können. Ich bin nun im Besitz all meiner alten Kräfte. Ich bin dafür bereit.“

Aber ich nicht, dazu werde ich nie bereit sein, dachte John kopfschüttelnd. Er wusste, das sie ihn verstand, seine Beweggründe, weshalb er ihrem Vorhaben einfach nicht zustimmen konnte. Und dennoch ließ sich Elektra nicht davon abbringen. Früher oder später würde sie ihren Willen durchsetzen, egal ob er damit einverstanden war. Sheppard liebte sie zu sehr, um einfach tatenlos dabei zuzusehen, wie sie sich in ihren sicheren Tod stürzte. In dem Moment, in dem sie ihr Schicksal erfüllte, würde nichts sie mehr an seiner Seite im Leben halten. Als John sich die Aufzeichnungen des Na-Thil durchgelesen hatte, hatte er erfahren, das es keine Wirkung mehr bei Denjenigen besaß, die ihrer Bestimmung gefolgt waren.

John war instinktiv klar, was dies für Elektra, für ihn und ihre Liebe bedeutete. Starb sie noch einmal, noch dazu selbstlos für ihr Schicksal, würde sie endgültig den Tod finden. Sie konnte danach nicht noch einmal zum Leben erweckt werden. Dadurch würde er sie für immer verlieren. Für einen langen Moment sahen sie sich stumm an. Elektra konnte in seinen Augen die Gedanken lesen, die er sich um ihr Schicksal und ihr Leben machte. Mit einem besänftigenden Lächeln legte sie John eine Hand auf die Wange, um ihm ein Zeichen zu geben, das sie seine Sorgen verstand.

Auch sie wollte ihn nicht verlassen, aber vielleicht würde ihr Schicksal sie genau zu dieser Handlung zwingen. Sie konnte nicht länger ihren Gedanken nachhängen, da in dieser Sekunde ein Schuss in jenem Baum einschlug, der sich direkt neben Rodneys Kopf befand. Mit weit aufgerissenen Augen starrte McKay auf das Einschussloch und duckte sich instinktiv. Teyla war die Erste, die die drei Dronen entdeckte, die sich auf sie zu bewegten. „Soldaten der Wraith“, stieß Elektra knapp aus. Sie kannte die Vorgehensweise der Wraith und wenn sie an ihren Strategien nichts geändert hatten, war außer den Dronen noch mindestens ein Wraith auf dem Planeten, der das Kommando besaß.

„Zurück zum Jumper“, befahl John. Bis auf Elektra setzte sich jedes Mitglied des Teams in Bewegung. John beobachtete, wie die Hand der Kamaguri um den Schaft einer ihrer Sais glitt. Sie wollte kämpfen. Diesmal wollte sie die Wraith nicht ungeschoren davon kommen lassen. „Wage es nicht, mich noch einmal vor meiner Pflicht zurück halten zu wollen, John“, wies sie ihn scharf zurecht, noch bevor John dazu kam, das Wort an sie zu richten. „Das muss ich aber tun“, erklärte er zögernd. „Komm schon, Elektra, lass uns von hier verschwinden.“ „Nein, diesmal nicht“, erwiderte sie entschlossen und hob stolz den Kopf. Sie wollte gegen die Dronen in den Kampf ziehen. Sie wollte den Wraith einen Vorgeschmack auf das Grauen geben, das sie in der nahen Zukunft erwartete.

„Elektra“, rief John wütend und wirbelte sie heftig herum, um ihr in die Augen schauen zu können. „Es geht jetzt nicht nur um dich. Ich muss auch an die Sicherheit meines Teams denken.“ „Ihr könnt nach Atlantis zurück fliegen. Danach kannst du mich wieder abholen. Bis dahin dürfte ich mit den Wraith fertig sein.“ „Bist du wahnsinnig? Was ist das denn bitte für ein verrückter Plan? Ich werde dich hier nicht alleine zurück lassen, nicht mit der Aussicht, das du dich auf einen Kampf mit den Wraith einlässt. Du wirst mit mir kommen.“ „Das habe ich aber nicht vor“, sprach sie hitzig.

„Ich kann das alleine, John, und nebenbei bemerkt, hast du mir nichts zu befehlen.“ „Da täuscht du dich aber. Ich bin hier der kommandierende Offizier. Du hast dich meinen Entscheidungen unterzuordnen. Und als dein Vorgesetzter befehle ich dir, augenblicklich zum Jumper zurück zu kehren. Fang jetzt mit mir keinen Streit an, Elektra.“ „Darauf läuft es aber anscheinend hinaus. Hast du noch immer nicht verstanden, das dies mein Schicksal ist? Du kannst mich nicht ewig davor beschützen.“ „Das weiß ich, was jedoch nicht bedeutet, das ich mich mit dieser Tatsache abfinden kann. Ich will dich nun einmal nicht in Gefahr sehen.“ „Du kannst meine Bestimmung nicht aufhalten, egal, was du auch dagegen unternimmst.“

„Lass uns das zu Hause auszudiskutieren. Hier fehlt uns die Zeit dafür.“ „Dann geh endlich“, forderte sie ihn energisch auf. Verneinend schüttelte John den Kopf. „Das ich dich hier nicht zurücklasse, war mein voller Ernst. Elektra, ich kann auch anders. Zwinge mich nicht dazu, dich bewusstlos zu schlagen, damit ich dich zum Jumper tragen kann.“ „Das würdest du nicht wagen!“ „Um dein Leben zu retten, würde ich dieses Risiko allerdings eingehen. Wir haben keine Ahnung, wie viele Wraith sich auf diesen Planeten befinden. Ich kann nicht gewährleisten, das du sie alle besiegst und Teyla, Ford und McKay nichts zustößt. Und jetzt bewege dich endlich zum Jumper“, forderte John lautstark. Es war das erste Mal, seit sie in sein Leben gestolpert war, das er sie anschrie, doch in dieser bedrohlichen Situation hatte er keine andere Wahl. Ihm blieb nichts anderes übrig, damit sie sich seinem Befehl fügte.

„Dir ist doch hoffentlich klar, das du das noch bereuen wirst“, sprach sie mit dunklen Augen, während sie sich widerwillig Richtung Jumper bewegte. „Du kannst mir eine Ohrfeige verpassen, sobald wir wieder auf Atlantis sind“, gab John zurück, als er hinter ihr her lief. „Deine Strafe wird schlimmer sein als bloß eine harmlose Ohrfeige.“ Sheppard wusste, das ihre Drohung nicht nur aus leeren Worten bestand. Insgeheim stellte er sich schon auf ein Donnerwetter ein, das ihn erreichen würde, wenn er mit Elektra wieder in der Stadt war. Sie würde dies nicht unkommentiert stehen lassen. Eine Ohrfeige war das Mindeste, die er von ihr zu erwarten hatte. Und es konnte durchaus einige Tage dauern, bis Elektra ihm diese Entscheidung verzieh.

Immer wieder warf John einen Blick über die Schulter. Die Dronen bewegten sich sehr schnell und dachten gar nicht daran, ihre Beute entkommen zu lassen. Nur sehr knapp entgingen Elektra und er den Schüssen, die sie von ihren Waffen abfeuerten. John war klar, das er etwas tun musste, um ihre drei Verfolger loszuwerden oder sie würden den Jumper niemals lebend erreichen. Mitten im Wald hielt er plötzlich an. Verwirrt warf Elektra ihm einen Blick zu. „Lauf zum Jumper und bereite unseren Start vor.“ „Und was hast du vor?“ hakte sie skeptisch nach, als er sich einer anderen Richtung zuwandte.

„Ich werde sie ablenken. Sobald sie dich nicht mehr sehen, werden sie mir folgen. Ich laufe einen Kreis und hänge sie ab. Dann komme ich zum Jumper zurück.“ „Und warum darfst du dich in solche Gefahren begeben und ich nicht?“ erklärte sie bissig. „Weil ich hier das Sagen habe.“ „Ich bin aber die bessere Kriegerin. Lass mich das machen.“ „Nein, Elektra, und das ist mein letztes Wort. Wir sehen uns am Jumper. Und nun geh bitte! Tue einmal, worum ich dich bitte.“ „Ich dachte, du würdest mir das befehlen“, gab sie knapp zurück. „Vertraue darauf, das ich das Richtige tue“, sprach er eindringlich. Elektra seufzte leise und nickte schließlich. Dies war nicht der passende Moment, um sein Vorhaben in Frage zu stellen. John war genauso stur wie sie und würde sich das von ihr nicht ausreden lassen.

„Sei bitte vorsichtig, John“, erwiderte sie und ihre Hand streifte für einen kurzen Augenblick seine Finger. Dann verschwand Elektra zwischen den dichten Bäumen, die keine weite Sicht zuließen. John lief nach links und stellte zufrieden fest, das die Soldaten der Wraith den ausgeworfenen Köder schluckten. Sie nahmen sofort die Verfolgung nach ihm auf. Je weiter fort er sie von Elektra führte, desto wohler fühlte sich Johns Gewissen. Wenn auch nur einer der Drei sie sah, würde er einem leitenden Wraith von seinen Beobachtungen erzählen und dann war das Geheimnis gelüftet. Dann würden ihre Feinde erfahren, das eine Kamaguri nach zehntausend Jahren den Weg ins Leben zurück gefunden hatte.

Und als er sich noch einmal kurz umdrehte, um die Entfernung zwischen den Dronen und sich selbst abzuschätzen, entging John die Gefahr, die ihm von einer anderen Seite drohte. Direkt vor ihm war ein großes Spinnennetz zwischen zwei Bäumen gespannt. Blindlings lief Major Sheppard hinein. Das Insekt, das für das Netz verantwortlich war, nutzte diese Chance augenblicklich aus und saugte sich an seiner Kehle fest. John sackte auf seine Knie und versuchte das Tier mit seinen Händen fortzuschieben, doch dieses Unterfangen gab er nach wenigen Sekunden wieder auf.

Es ließ sich aus eigener Kraft nicht entfernen. Im ersten Moment realisierte er nicht, was das Insekt mit ihm vorhatte, doch schon nach ein paar Augenblicken, die vergingen, spürte er die Veränderung in seinem Körper. John fühlte sich zusehends schwächer, so als würde jemand mit Gewalt an seiner Lebensenergie reißen. Verdammt, dachte er kopfschüttelnd, stellte jedoch sofort fest, das dies keine besonders gute Idee war. Dadurch würde das schmerzende Gefühl, das sich durch seinen gesamten Nackenbereich zog, nur noch stärker. Heftig fing es an der Stelle, wo sich das Insekt befand, zu brennen an. John kam es so vor, als würde jemand eine Fackel in die Wunde halten.

Und als er Schritte hörte, kehrten seine Gedanken zu den Wraith zurück, wegen denen er es so eilig gehabt hatte. Doch es war nur ein einziger Drone, der langsam auf ihn zutrat, und dabei seine Waffe auf ihn richtete. Sheppard ging davon aus, das er dieses Aufeinandertreffen nicht überleben würde. Der Drone würde ihn zweifellos das Leben nehmen. Nur langsam konnte John den Kopf heben, um seinen Gegenüber direkt ins Gesicht zu blicken. In seinen Augen tauchte Angst auf. Er schrieb sein Leben bereits ab, die Möglichkeit, Elektra jemals wieder in den Armen halten zu können. Jeden Moment rechnete John mit dem tödlichen Schuss. Der Drone sah jedoch nur auf ihn hinab, ohne irgendeine Reaktion, und betrachtete ihn ein paar Minuten lang, die John ewig vorkamen.

Schließlich wandte sich der Wraith um und verschwand, ohne sein Opfer auch nur berührt zu haben. Ich bin so gut wie tot, dachte John erschreckend, als er dem Drone nachsah, wie dieser keinen Blick mehr auf ihn verschwendete. Wenn sein Feind es nicht einmal mehr für nötig hielt, ihn selbst zu töten, war es eindeutig, das dieses Insekt dies auf jeden Fall übernehmen würde. Aus den Fängen dieser Kreatur konnte er sich anscheinend nicht befreien. Da ein Wraith ihm sein Leben gelassen hatte, ging John davon aus, das dieser wusste, der Soldat würde den Angriff dieses Insektes nicht überleben.

Nur unter der größten Anstrengung kam John auf die Beine. Er blickte noch einmal in die Richtung, in die der Drone verschwunden war. Doch dort war keine einzige Gestalt zu erkennen. Die Wraith hatten sich zurück gezogen und überließen ihn seinem Schicksal, das wohl aus seinem baldigen Tod bestand. John richtete sich auf, wobei er einen leisen Schrei nicht unterdrücken konnte. Das Insekt grub seine Zähne noch tiefer in sein Fleisch und während es von ihm aß, hatte John den Eindruck, als würde sein Köper in Flammen stehen. Mühevoll schleppte er sich zum Jumper zurück.

„Er sollte schon längst zurück sein“, sprach Elektra besorgt. Die beiden Soldaten, die ihre Expedition begleiteten, hatten bereits den Jumper vorbereitet. Alle warteten nur noch auf Johns Erscheinen, dann konnten sie sofort den Planeten verlassen. „Ich wusste, das dies keine gute Idee ist.“ „Der Major kommt schon klar, Elektra“, versuchte Ford die junge Frau